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Neue jüdische Presse · 1920-06-04 · Heft 21 (4.6.1920) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
18 (1920)
Issue
Heft 21 (4.6.1920)
Date
1920-06-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Frankfurter Israelitisches Familienblatt?■. WHHiiinwiiimminmiiimimiiimmiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiHHin; Erfiheknt »oöcheMch am Frektzig. Bezugspreis pro Viertel, fahr: 3n Sfcmffurt am Main bei -er Neum Jüdischen Presse, auswärts -ei der Post abonniert Mk.3L0, stei ins Haus 15 pfg. mchr./BeiZusendung -urchStreis-andsürOeutschland Mk)20.00, Air alle übrtzm Länder Me.30.00jährttch, km Voraus zahlbar. ui ........... ................. UiiU Jkedaktton und Spedition: Fraakhrrt a.M.,Langefirqße7 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Satz Geis ■illUlllllllUHlfjl [ Insertionspreis für die sechszetzralteas»anp.Zeilel2tY)tz., ftbc' : die Reklamezeile Mk.3.—. Bei Wiederholungen entsprechend« : Rabatt. / Platz, und Datum-Vorschrift ohne VerbüchlkchKit. / : AnnoncenÄnnahme bei d« ^ped.unOin a.Sbmon«n-BureauL : : Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a.M. unter Nr.4864. Runimi ....................................... 18. Jahrgang. Freitag, de» 18. Siwan 5680 (4. Juni 1920) Är. 21. Das deutsche Volk und der AuttsemitiSmus. Mag man einen Blick in die deutsche Tagespreise 'Mn oder öffentliche politische Versammlungen besuchen, überall, wo die öffentliche Meinung zum Ansdruck komiiir. ist ftzit der Revolutionszeit der Antisemitismus zu einer geradezu verhängnisvollen Bedeutung gelangt. Ohne jegliche Bedenken wird gegen alles Jüdische Sturm gelanirn und kein .Anstand genommen, die Juden, als Gezeichnete an den Pranger zw stellen. In einer solchen Situation gehört Mut dazu, sich gegen den Strom zu stMmen. Auch, An ton Fendrich, dessen frisch geschriebenen, klaren offenen Blick und charaktervoll« Auffassung zeigenden Kriegsbiicher - ihn bereitsals den guten Typus des Deutschen vorstellten, gehört zu denen, die diesen Akut bekunden, wie seine soeben bei Ernst Guenther, 'Freiburg, erschienene Broschüre „Der Judenhaß iund der Sozialismus" bezeugt. Und wer in dieser Zeit des Hasses und der Leidenschaft sich sein gesundes, > ruhiaes Urteil bewahrt, seines Menschseins bewußt bleibt, . der hat die Feuerprobe bestanden und seine Worte verdienen, "weithin gehört zü. wecken. ..Cs erweist sijch müh hier wieder einmal die Wahrheit der alten Erfahrung, daß, wer anständig denkt, zupc rechten Verständnis der Dinge kommt. Fendrich erfaßt das ganze Unglückdes deutschen Volkes an der rechten Stelle. Nicht der Ausgang des Krieges und die eiserne Faust, der Sieger sind das Berzweiflan^volle, — vielmehr darin liegt das Niederschmetternde, wie das deutsche Volk sein Unglück trägt. Das halbe Jahrhundert seiner Ohnmacht bis zu den Befreiungskriegen hatte es nicht verhindert, die Judeuemanzipation durchzuführen, das Volk der Dichter und Denker zu werden,.der Welt einen Goethe, einen Schiller und' andere Genien zu geben, — uni) heute leidet es an nichts herberen Mangel als an Reinheit und Geistes- Mvung. „Unser Verhängnis ist die Seelenlosigkeit der Erschütterung, die Europa und das deutsche Volk erbebe» machen. Es sind alles nur mechanische Kräfte organisiertet Massen, die Übereinanderstürzen und überall ein Chaos, aber nirgends ein?» Kosmos tverden lassen. Ueberall ■ heute nur Klassenkämpfe, Rassenkämpfe, Kassenrämpfe." In der 'vergifteten) crdenschweren Luft der Gegenwart maß der Judenhaß gedeihen. Wenn überall der Materialis- - müs als treibende Kraft wirkt, da kann nicht „die Erhöhung. lder. großen Menschheitsidee 5um Sinn deutschen Hebens" werden, wie es ehedem die „typische Form schöpferischen deutschen Geisteslebens in Revolutionszeiten" war. Don „Raubtierinstinkten" ist der einzelne geleitet. — und deshalb ist auch die 'Sozialdemokratie in' dec Gefahr, dem Antisemitisnuts Hekatomben zu opfern.. Es gilt, sich klar bewußt zu werden des Lügenhaften der antisemitische» Politik, die. den hundertsten Teil des deutschen BolWorgamsmus für alles Unheil im deutschen Volke verantwortlich macht und dadurch das Erkennen der wahren Uebelständr verwirrt. Liebe, Versöhnung braucht das deutsche Volk, um zu gefunden. Versöhnung, die zur Schätzung des Ml dem anderen Wertvollen führt. Dann wird es nicht wie sein jüngster Apostel Franz Delitzsch die Bibel in den Staub zerre» and den Judenhaß predigen, sondern lieber wie einst Johann Peter Hebel des jüdischen Volkes „Sachwalter"' sein und des' jüdischen Volkes „Bibel" preisen und » Hebels wundervoUes Wort verstehen: „So lange noch ein Jude seinen Jesajas liest, so lange stirbt auch der Glaube aü den Messias nicht aus?" - Das deutsche Volk steht gerade eben vor Wochen Mlfgcregtester politischer Leidenschaft. Der Wahlkampf für die .Nationalversammlung hat begonnen. Möge in diesen Wochen zu seinem Heile eine Schrift wie die Fendrichs Gehör finden. Möge besonders die Sozialdemokratie als Fürsprecher der in ihrem Menschenrecht,Gefährdeten sich bewähren und ihre -Massen über das wahre Wesen des Antisemitismus belehren. Wie's tu Ungar» gemacht wird. Heinrich Schapiro, der im Aufträge einer Wiener. Firma anfangs März nach Ungarn reiste, wurde in Ko- «w-ru grundlos von Militär verhaftet und ist erst jetzt ans Intervention der polnischen Gesandtschaft wieder frei gtzvorden. Nach Wien znrückgekehrt, bestätigte er alle gegen die Schreckensherrschaft der Offiziere erhobenen Klagen.' Er wurde in Komorn als verdächtig verhaftet, weil er ein Bündel Briese mit sich führte, und noch bevor man sich von ihrem gänzlich unpolitischen Inhalt überzeugt hatte, jämmerlich mißhandelt. Man zwang ihn, verstnnkene. Tabakxeste zu essen» und veitschie ihn, bis er ohnmächtig wurde, um von neuem zu beginnen, als er zu Bewußtsein gekommen war. Die nächsten vier Tage verbrachte er in der Husarenkaserne, von Komorn; wo. man ihn täglich mißhmrdelte und chm nebenbei seine. Barschaft von 3200. Kronen abnahm. Bon da wurde er nach Budapest in die Kelensöch-Kaserne übersührt. Während der ganzen Fahrt wurde er in einem separaten Abteil von seiner Eskorte gepeinigt, so daß er halbtot in der Kelenföld-Kaserne eintraf, in welcher er 18 Tage verweilte. Hier hatte er Gelegenheit, den Ingenieur Müller aus Szegedin zu sehen, der infolge der barbarischen Mißhandlungen bereits ein Auge verloren hatte. Schapira sowie die anderen Gefangenen wurden den so oft geschilderten Torturen Tag sür Tag unterzogen. Während seiner Haft wurden außer dem Ingenieur Müller noch ein gewisser Bela Neumann und ein gewisser Bitriol ermordet. Wie Schapira berichtet, waren unter die ihm'beschlagnahmten Geschäftsbriefe von den Offizieren chm ganz unbekannte Briefe kommunistischen Inhalts hineingeschmuggelt worden, die ihm der untersuchende Staatsanwalt vorhielt.' In mehreren von diesen war von einem Cafß „Goldene Spinne" in Wien die Rede, wo geheime Kommunisten, Zusammenkünfte stattfinden solle». Newton D. Baker und Palästina. Newton D. Baker, der Kriegsminister der Bereinigten Staaten von Amerika, richtete an Dr. Stefan Wise anläßlich des Beschlusses von San Remo ein Glückwunschschreiben, in dem es heißt: „Die Menschen haben immer Träume und schmieden Pläne. Zu meinen Träumen gehört der Wunsch, einmal nach Palästina fahren znl können und dort einen blühenden jüdischen Staat zu sehen. Wenn ich dieses Glück haben sollte, so wücke es mich freuen, das Bewußtsein zu haben. Verwirklichung von Hoffnungen, an die ich immer, auch denn, als die Aussichten ungünstig waren, geglaubt habe, mitznerleben." Deutsches Reich. Lauöesveriand -er jüdischen Jugeuövereine Bayerns. Am 13. Mai fand in Nürnberg die erste Delegiertentagung des Landesverbandes der Jüdischen Jugendvereine Bayerns statt, an der außer den Vertretern der 13 bayerischen Vereine der Berbandsvorsitzende, Dr. Apfel- Berlin, und der stellvertr. Vorsitzende, Dr. Löfs le r^ Frankfurt a. M., außerdem Delegierte der Landesverbände von Hessen, Württemberg, West- und Nordwestdeutschland teilnähmen) Lebendigstes Interesse sür die Jugendbewegung drückte der Tagung ihren Stempel auf.und hinterließ bei., allen Teilnehmern einen tiefen Eindruck. Pole». Orthodoxe an- Zionisten. „Schlojme Emuneh Jisrael", .der Landesverband der Agudas Jisrael, ist «ms der Kommission zur Organisierung eines Kongresses für den. wirtschaftlichen Wiederaufbau der polnischen Judenheit ausgetreten. Grund: Die Fockernng nach einer gleichen Anzahl von Delegierten, die dun! provisorischen jüdischen Nationalrat zugcstanden wucke. Die „Schlojme Emuneh Jisrael" haben formell zugestimmt, daß die Zahl der Delegierten znnr Kongreß der von ihrer Organisation erhaltenen Stimmenzahl zum polnische» Landtag entsprechen soll. Es zeigte sich jedoch, daß die Zionisten imstande waren, 250,000 Stimmen «ruf ihre Listen zu vereinigen, während die „Schlojme Emuneh Jisrael" kaum 90,000 erhielten. Kurze politische Nachrichten. Graz. Die Tagung des Kreises DeutschSsterreich der deutschen Studentenschaft forderte prozentuale Zulassung der Juden zur Universität. London. Herbert Samuel will am 20 Juni nach Palästina abfahren, um am 1. Juli das Amt des Generalgonvernenrs zu übernehmen. Athen. Die Regierung hat der Kammer ein Gesetz vorgelegt, die jüdische Gemeinde von Salonica zur Zentralinstanz der griechischen Judenheit'zu machen, die religiösen» rechtlichen und erzieherischen Privilegien der Inden zu bestätigen und den Sabbat als Ruhetag de^ Juden anzuerkennen. Koaftaalinotzel. Rabbi Chaim Bejaram ist zum zeitweiligen Großrabbiner der Türkei ernannt^' worden. Jerusalem. Die jüdische Delegierteuder-. sammlnng kann, solange die Militärverwaltung nicht durch eine Zivilverwaltung ersetzt ist, nicht stattpnden. Politische Versammlungen sind unter der Militärverwaltung imgesetzlich. New Aorl. Smith, der Gouverneur vou New9)ott und die Geistlichkeit fast sämtlicher Kirchen habenzn einer Sammlung für die Juden Osteuropas auj« gxfordert. _ ' Zionistische Nachrichten. Berlin. Innerhalb der hiesigen Bereinigung hat sich eine „Freie Zionistische Gruppe" gebildet und folgende Leitsätze aufgestellt: 1. Die F-Z.G verlangt, daß die Besiedlung und der Aufbau Palästinas'als der nationalen Heimstätte für das jüdische Volk mit der größtmöglichem Beschleunigung und Jntensftät gefördert.wecke, wie es die politische Lage in Palästina urü> die jüdische Emigration erfordert. Sie verlangt hierzu nicht nur die Anspannung aller Kräfte der zionistischen -Organisation uni» der Zionisten, sondern will auch das ganze jndrsche Volk zur Anteilnahme an dem Werkt des Aufbaus gewinnen. 2. Die F-Z.Gbetont den politischen Charakter der zionistischen Bewegung und sieht allein in a. dem Bekenntnis zum Basler Programm die Bedingung der.? Zugehörigkeit zur zionistischen. Organisation, Die Aufstellung weitergehender Forderungen als wesentlicher Bestandteile zionistischer Gesinnung lehnt sie als nicht zum Programm gehörig ab, zumal sie eine Schmälerung unserer großen Volksbewegung und emc Schwächung ihrer Werbekraft bedeuten. ' 3. Die F-Z.G, betont neben der Arbeit für Palästina die Bedeutung der jüdischen Diaspora, weil sie den untrennbaren Zusammenhang zwischen den Juden in der Zerstreuung und Palästina erkennt, und weil sie weiß, daß' ein großer Teil der Juden» «ms deren Gesinnung sie nicht verzichtet, im Galut leben wird. In der zionistischen D i a,.- sporaarbeit legt sie entscheidenden Wert auf die Erziehung der Jugend, aus die eindringliche Beschäftigung mit der hebräischen Sprache, der jümschen Geschichte und dem jüdischen Schrifttum Und auf die Gesinnung der jüdischen Gemeinden and Organisationen. ' , 4. Die F.Z.G. will, geleitet von dmn Gedanken der Einheit der gesamten Judenheit, über den Rahmen der engeren zionistischen Arbeit hinaus sür alle Bestrebungen eintreten, deren Ziel es ist, Stellung und Bedeutung des Judentums und der Juden der einzelnen Länder zu. stärken. Die Pflichten und das. innere' Barhä ltn rs der , Zionisten gegenüber dem Staate, dem sie angh» hören, werden durch ihr Bekenntnis zum Zionismus in keiner Weise berührt. Aus ver Misrachi-Bewegnn«. Köln. Hier ist mit 200 Mitgliedern eine Orts» n*fc Jnoenbgruppe gegründet worden. Adresse sür Briefe: I. , Schnelling. Roonstr. 78. New York. Gedalja Bublik, der Redakteur des „Tageblatt"" und der „Jüd. Gazetten", begibt sich als misrachistischer Delegierter zur Zionistischen Jahreskönferei« nach London und von da za längerem Aufenthalt nach Palästina, um die dortigen Verhältnisse za studieren. H

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