Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 19 (21.5.1920)
- Date
- 1920-05-21
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19. Sette 2. Neue Jüdische Messe. A. 51. Thyssen Stets Eingang ■euheiten in Tapeten "WA Läufer Vorlagen 20 Meae Mainzerstrasse 20 £«ke TTelss&aaeastnsse. Tslefon: Hansa 1784. gewiß leicht zu tragendes Protektorat ausübt, bedeutet da- ^gegen «ne strategisch gesicherte und wirtschaftlich höchst wertvolle linke Flanke der großen West-Ostverbindung. Sie werden mit den Arabern noch schwere Zeiten haben. Vermeiden Sie diesen gegenüber jegliches nationaüstische Gebühren. Ueberlassen Sie die Abgrenzung arabischer Wünsche getrost dem viel mächtigeren England, dem es lieber ist, geordnete zionistische Kolonien als sterile arabische Mißwirtschaft in Palästina zu haben. Ueberdies ist die arabisch-nationalistische und antizionistische Bewegung nicht eine Bewegung des gesamten arabischen Volkes, namentlich nicht der Fellachen (der seßhaften Landbevölkerung), wie verschiedene Proteste aus den Dörfern ja bewiesen 'haben." Der Beschluß vo« Sa« Remo ««D die amerikauischen Jude«. Am 9. Aiai versammelten sich in Rewhork zur Würdigung des Beschlusses von San Remo 1090 Delegierte zu einer außerordentlichen Konferenz der Amerikanischen Zionistischen Föderation. Richter Mack führte den Vorsitz; Oberrichter Br and eis mid Rabbiner Wise hielten die Festreden. Der greise Staatsmann N a t h a n S t r ä u ß, der demnächst nach Jerusalem geht, spendete 100 000 Dollar für das Gesundheitsamt in Jerusalem, eine Institution der künftigen hebräischen Universität; weitere Zeichnungen Km Gesamtbeträge von 150 000 Dollar für i>en gleichen Zweck folgten sofort. Vom englischen Ministerpräsidenten Lloyd George traf folgendes Telegramm ein: ,»Die Ratifizierung der Balfour-Deklaration durch, den Obersten Rat und die Uebertragung des Mandates über Palästina an Großbritannien bedeutet einen großen Triumph für' den Fortschritt der jüdischen Sache. Ich zweifle nicht daran, daß die 'Juden der ganzen Welt mit Großbritannien Zusammenarbeiten werden, um Palästina nicht nur zum glücklichen Heim für die Juden, sondern zum Lande der Freiheit und des Wohlstandes auch für' alle mrderen Einwohner zu machen. Lloyd George." Sir Auckland Geddes, der englische Gesandte in Neywork, telegraphierte: „Ich bedaure lebhaft, daß ich verhindert bin, an Ihrem Kongreß teilzunehmen. Ich wünsche Ihnen vollen Erfolg und schließe mich Ihren Gebeten und Hoffnungen an. Möge das jüdische Volk in Palästina das Heim und Kulturzentrum finden, nach dem es so lange gestrebt hatl" Am ersten Tage der Konferenz fand ein jüdischer Umzug durch Newyork statt, an dem unter unbeschreiblichem Aibel und mit tausenden Fahnen, die die Aufschrift trugen „Der Erlösungstag des jüdischen Volkes" nahezu eine.Million Juden teilgenommen Haben dürften. Grez Israel. Die Wähle« zur Mische« Delegiertenversammlung. Die Wahlen zur Jüdischen Delegiertenversammlung gingen unter starker Beteiligung vor sich und endeten mit dem Siege der radikalen Linken (Achims Hoawaudoh, Hapaual Hazoir u. eine Gruppe jemenitischer Juden), die die Mehrzahl der 'Sitze erhalten. Da der „alte Jischuw" abseits stand, so mutzte der Misrachi ungünstig abschneiden. Nach bisher vorliegenden Resultaten erhielt er 7 Delegierte in Jaffa unter 46, 3 Sit Liberias unter 13, 4 in Petach Tikwah, je 1 in Sichren, Rechobot, Chevarah, Shäphai. Deutsches Reich. . Aus dem bayrischen Landtag. Auf eine Anfrage erwiderte Ministerpräsident Dr.. von Kahr: - „In der Judenfr-age steht die 'Staatsregierung in voller Lebereinstimmung mit der vorausgegangenen Regierung auf dem Bvden der Verfassung, die jedem Staatsbürger ohne Ansehen der Person und des Glaubens den staMichen Schutz gewährt. Man darf sich aber nicht verhehlen, daß die antisemitische Bewegung' in weite Kreise auch der Arbeiterschaft eingedrungen ist und daß im Hinblick auf bekannte Vorgänge auch in ruhig denkenden Kreisen ernste Besorgnisse bestehen. Ich möchte daher an die Angehörigen dieser Richtung eine ernste Mahnung zur Mäßigung richten. .Was an der Bewegung berechtigt ist, kann auch ohne Rassenhetze erreicht werden. Mit der Judenfrage wird vielfach die Ausländerfrage verwechselt. Auch wird in der Oeffentlichkeit teils von einer Judenverfolgung, teils von. einer wahllosen Ausweisung "aller Ausländer gesprochen. Die Staatsregierung hat in der Verordnung vom 20. März 1920 die. bisherigen Bestimmungen über Aufenthall und Zuzug zusammengefaßt. Die, Verordnung schafft in staatsrechtlicher oder staatspolitischer Hinsicht kein neues Recht; sie wollte nur die bisherigen Lücken im Vollzüge schließen. -Die Vorschriften finbjyt ebenso wie alle bisherigen Bestimmungen und in Nebereinstimmung mit dem Friedensvertrag auf alle Ausländer ohne Ansehen der Staatsangehörigkeit gleichmäßig Anwendung. Von einer generellen Ausweisung von Ausländern ist keine Rede. Durch die Verordnung wurden lediglich diejenigen Ausländer, die sich ohne die erforderliche Genehmigung, also widerrechtlich, in Bayern aufgehalten haben, aufgefordert, Bechern zu verlafsen. Außerdem können Ausländer, die sich seit 1. Augusts 1914 in Bayern aufhalten und bei denen der Anlaß der seinerzeitigen Aufenthaltsgenehmigung weggefallen ist, durch die Bezirkspolizeibehörde ihres Aufenthaltsortes von Fall zu Fall tzur Rückkehr in ihr Heimatland veranlaßt werden. Durch die Verordnung wurde auch keineswegs ein Aufenthalts- oder Zuzugsverbot für Ausländer geschaffen, Durch eine stete, engste Fühlungnahme mit den Bertretungsbehörden des Auslandes konnten außer-, dem Schwierigkeiten, die zu Störungen des guten Einvernehmens mit den Nachbarländern hätten führen können, ohne weiteres vermieden werden. Unnötige Härten im Vollzüge müssen unter allen Umständen vermieden werden. Gegen Verfügungen der Behörde» steht der Beschwerdeweg teils an die Aufsichtsstelle, teils an die ordentlichen Gerichte offen. In diesem ,Zusammenhänge möchte ich auch auf die Auslegung Hinweisen, die meine seinerzeitigen Aeuherunßen von dä Ueberfremdung Bayerns gefunden haben. Ich verstehe unter Abwehr der Ueberfremdung ein doppeltes, erstens die Hemmung in dem Erwerb einheimischen Grund und Bodens durch Ausländer und zweitens die Fernhallung lästiger, unerwünschter Ausländer. Auf deutsche Staatsangehörige hatte diese meine Erklärung überhaupt keinen Bezug. Da sich die ständig betriebene Judenhetze zu einem kaum mehr zu überbietenden Grade steigerte, war cs dringend notwendig, im Interesse der Sicherheit und Ruhe der Allgemeinheit hier das außergewöhnliche Mittel des Zeitungsverbots anzuwenden." Sehr richtig bemerkte der Abg. Roßhaupter (Soz.), die Regierung möge die anempfohlene Mäßigung in der Judenfrage durch Revision der Ausländerverordnung beweisen. . ..... Zur Frpge einer Eesamtorganisation der deutsche« Juden. Die Repräsentanten der Berliner Jüdischen Gemeinde nahmen nach einem Referate Professors Kalischer, des Vorsitzenden des D.J.G.Ä. (Deutsch-Jsr. Gemeinde-Bund), einstimmig folgende von Kalischer, beantragte Resolution an: „In Erwägung, daß 1. die Schaffung einer Gesamtorganifation der deutschen Juden als dringende Notwendigkeit allgemein erkannt ist, 2. oer seit 1869 bestehende und im Sinn einer solchen Organisation wirkende D.J.G.B. als geeignete Grundlage..hierfür erscheint, 3. gegen den vom D.J.G.B. ausgearbeiteten und den Gemeinden bekanntgegebenen Versassungsentwurf von keiner Gemeinde ein prinzipieller Einspruch erhoben worden ist, vielmehr etwa 425 Gemeinden bereits ihre grundsätzliche Zustimmung zu dem Verfassungsentwurf erklärt habe», 4. die 'Verwirklichung der Gesamtorganisation demnach in nächste Nähe gerückt ist, sobald die Grotzgemeinde», insbesondere die Berliner Gemeinde, ihre Zustimmung erklärt haben, beschließt die Repräsentantenversammlung, den Vorstand, zu bitten, sich mit dem D.J.G.B. behufs Schaffung einer Gesamtorganisation baldigst ins Einvernehmen zu setzen." - . Eine jüdische Kind er spende. Im Anschluß an den Aufenthalt von Frau Annitta Müller-Wien in Berlin wird eine allgemeine „Jüdische Hilfe für das jüdische Kind" unternommen werden, an der sich die großen jüdischen Organisationen beteiligen werden. Die Jugendzeitschrift „Bar Kochba" (Weltverlag Berlin NW. 7) hat bereits einen Ausruf an die jüdischen Kinder gerichtet, um von seinen Abonnenten eine Spende von M. 10000 für ihre notleidenden Altersgenossen zu sammeln. Pule». . Warschau. 9 (Sine jüdische Wirtschaftskonferenz. Hier hat sich aus Vertretern folgender Organisationen ein Komitee gebildet: 1. Jüdische Gemeindeverwaltung; 2. Rabbinat; 3. die politischen Parteien, und zwar Zentralkomitee der zionistischen Organisation, Zentralkomitee der Indischen Volkspartei, Schlome Emunej Jißroel, Misrachi, Zeire-Zion, Provisorischer jüdischer Nationalrat und jüdisch-unabhängige Partei; 4,. Berufsorganisationen (Zen-, traler Handwerkerrat, Zentraler Handwerkerverein, Jüdischer Kaufmannverein, 'Kleinhändlervereinigung); 5. Hilfskomitee für die im Kriege geschädigten Juden. Dieses Komitee will für den 31. Mai eine Konferenz einberufen, - aus der die wirtschaftliche Lage der Juden in Polen und die Maßnahmen zur Linderung der jüdischen Not beraten werden sollen. Amerika. Die HilfSarbeit Mr dtp Juden im Oste«. In Newyork hat die Sammlung des Millioncnfonds für die jüdischen Notleidende» in Europa eingesetzt. Am 11. April fand ein Bankett im Astor-Hotel in Anwesenheit von 2000 Personen statt. Nach einer Rede von Ellus ergriff Hoover das Wort; er wies unter anderem auf die Leiden der Juden hin, die nicht nur als Menschen, sondern auch als Inden leiden, und forderte zu zahlreichen Spenden auf. Nach einem warmen Appell von L o u i s. Ma r s h all wurden an Ort und Stelle. unter großer BegeisteMg lVs M i l l i o n e n Dollar gesammelt. ' Kurze politische Rachrichte«. Berlin Der Stinnes-Konzern, eine Schöpfung der judenreincn Schwerindustrie, aus deren Kreisen auch die meisten Gelder für die antisemitische Propaganda fließen, hat bereits 64 deutsche Zeitungen und 6 Zellstofffabriken aufgekanft. Budapest. Der Landesbund ungarischer Juden erließ für die Gebietsintegrität Ungarns eine Kundgebung, die wie folgt schließt: „Der Landesbund ist dessen sicher, daß die ungarische Judenschäst, die stets Bahnbrecherin des Ungartums und im Krieg und Frieden eine verläßliche und treue Kämpferin der ungarischen Staatsidee gewesen ist, auch in Zukunft mit Herz und Seele für die glanzvolle Wiedergeburt Ungarns kämpfen wird." Ob diese Charakterlosigkeit bei den Judenniördern den erwarteten Erfolg habe» wird, darf bezweifelt werden. Landau. Im Unterhaus teilte Unterstaatssekretär Harmsworth mit, daß der Bericht Sir Stuart Samuels über Polen dem Völkerbundrate unterbreitet werde. Gemäß dieser Mitteilung hat der Völkerbund den Schutz der nationale» und konfessionellen Minderheiten übernommen. Laudon Die britische Regierung hat Herbert Samuel zum Generalgouverneur in Palast i na (High Commissioner) ernannt. Jerusalem. Die britische Behörde hat Jerusalem eine neueStadtver waltu ug gegeben: zwei Juden: (I e ll i n und Dr. L e v i), zwei Mohammedaner und zwei Christen- , Der neue Bürgermeister heißt R a z e l N a s h a s h i b i. — Nathan Straus- Newyork, der bekannte Philanthrop, wird Ende Juni hier erwartet. Er will seine Kraft dem Aufbau eines neuen Palästina weihen. — Ari f el Arif, Herausgeber der Zeitung „South Syria", einer der Hauptanstifter der Jerusalemer Unruhen, wurde in contumaciam zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt. Aiouiftische Rachrichte«. Frankfurt a. M- Die Generalversammlung der hiesigen Ortsgruppe fand wie üblich und zum Unterschiede von anoeren hiesige» Vereinen vor überfülltem Saale statt. Jacob Wolfs leitete die Versammlung. Sein Bericht gab einen Ueberblick über die vielgestaltete zionistische Tätigkeit in Frankfurt, Borträge, hebräische Sprachschule, Gartenbau usw. Auch die Rechnuiigsablage ist sehr umfangreich. An Geldern gingen bei der Ortsgruppe ein: 17 000 M. Zionisteilsteuer, 80 000 M. Palästina-Ausbauwochc, 8000 M. Mitgliedsbeiträge, 8000 M. Beiträge für das Heim. Bezüglich der Spende» für den Nationalfonds . steht Frankfurt heute in Deutschland an zweiter Stelle (Januar bis April 1920 25 000 Mk.). Die sich der Debatte anschließenden Vorstandswahlen hatten — Herr Wolfs lehnte Wiederwahl ab — folgendes Ergebnis: Nechtsanw. Dr. Emmerich (1. Vors.), S. Stiebet (2. Vors.), Fritz S o n d h e i in e r, I. L. G o itein, Dipl.-Jng. Grün sie in, Zahnärztin Loew- Tachauer und Dr. med. Fraenkel. Berlin. Soeben erschien em Doppelheft der Zeitschrift „Die Arbeit", Organ des deutschen Landesverbandes H ap o e l-H az a i r. Der erste Teil dieses Heftes ist der jüngst staltgehabten Prager Weltkonserenz des Verbandes gewidmet. Die Resolutioiwn der Konferenz präv zisieren die Stellung der Organisation zu allen schwebenv den Fragen. Der Entwurf eines Programms, von Dr. Marti» B u b e r ansgearbeitet, ist den Resolutionen bei-», gefügt. In zwei ausführlichen Artikeln von Rudolf Sam u e l und Robert Weltsch werden die Probleme der. Konferenz eingehend erörtert. Besonderes Interesse verdient ein Artikel von Viktor CH. Ar lo so roff, der versucht, in die Gesetzmäßigkeiten der verwickelten und kom- ~ plizierten jüdischen Volkswirtschaft einzudringen. Erwähnt seien ferner ei» Artikel vo» Dr. Siegfried Schmitz, der sich mit den Verhältnissen ln der deutschen Sozialdemokratie beschäftigt, ein Artikel von Gustav Lan - d a u e r „Zum '1. Mai" und ein Artikel von I. A r o n o w i tz über Palästinensische Tagesfragcn, Statistiken der Arbeiterämter,' Berichte über Hechaluzarbeiten usw. beschließen das Heft. Dieses ist für 1.80 ,M. bom Weltverlag, Berlin NW. 7, Dorolhcenstr. 35 oder durch jede'Buchhandlung zu beziehen. London. Dr. S ch m a r j a L e v i n ist nach dem Festland abgereist, um Wien, Krakau- und Warschau zu besuchen. In Wien hat er bereits in einer jüdischen Massenversammlung, in der. auch Abg. S'tri ckcr und Oberrabb. CHajes über den Beschluß von. San Remo sprachen, ge- ■ sprachen. ~ s ' Montreal. Clarence I. de Sola, Ehrenpräsident der Canadischen Zionistischen Foederatio», bei- ■ gischer Konsul, ist — 62 Jahre alt — verschieden. Aus Der Misrachi-Beweguug. Antwerpen. Rabbiner Ainiel aus Grase wo, der bekannte Misrachist, ist hier zum Oberrabbiner gewählt worden. ,, London. In der Machst kei Hadaß-Sy nagpg fand eine glänzende Misrachi-Versammlung statt. Professor Dr. Pick und Rabbiner H e 11 m a n n sprachen. Zahlreiche Mitglieder der Machsikei Hadaß wurden , für den Misrachi gewonnen. yTELEFON 1J . erfüll)-' ALLE Ansprüche.^^ FRANKFURTER PR1VAT-TELEF0N-GESELLSCHAFT^ pQF'nr.ifyrA en cw FRANKFURT VM. ffrpspi rtors: Cclb/