Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 18 (14.5.1920)
- Date
- 1920-05-14
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2692297-2693178-2693196--11110-2706524- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 18 - —;'-:- Condttorei and CaflS Wilhelm Wendel 1 "tt © Gr £& S S O ^L8«o^ Während der Sommermonate bis abends 10 Uhr geöffnet. Feinste Torten und Desserts - Kaffee, Tee, Schokolade, Eis.— wenden wir uns dein edlen Werke, der gebieterischen Arbeit z», die unser harren." Brighton. Louis Rosenblum hinterließ ein vermögen ini Werte von 32 300 Pfund. Davon erhält die jüdische Universität in Jerusalem t0»0 Pfund: fein Haus mit Grund und Boden wird für ein Waisenhaus bestimmt, in dem hebräisch gesprochen wird, und den Rest erhält der Jüd. Nationalfonds zum Kauf von. Land in Palästina, wobei er es den Familienmitgliedern des Verstorbenen ermöglichen soll, sich in Palästina anzusiedeln. Aus der Misrachi-Beweguug. Etratzburg. Die hiesige Ortsgruppe hat beschlossen, eine Anzahl jüdischer Kinder aus Wien bei ihren Mitgliedern zur Verpflegung unterztlbringen. Zürich. Rabbiner A. B Reines weilt gegenwärtig in Zürich in Angelegenheit der Drucklegung der Werke seines' Vaters, des weltbekannten Gaons Jizchak Jacob. Reines, des Begründers des „Misrachi". Die Ausgabe soll l.S Bünde umfassen. Bon der Schweiz wird sich Rabb Reines nach Frankreich,. England und Holland begeben, um die Mittel zur Drucklegung ausznbringen. ' London. Am 4. Mai fand m der Greeu Orthodoxe Lhnagoge ciiie große Misrachi-Vcrsammlung statt, auf der Rabb. Landau aus Zawieree, der Ehachaui-Baschi von Saloniki Rabbi Jakob Meier, Prof. Pick u. a. Persönlichkeiten sprachen. London. Die Chevra Ben Zakkai in London, ein Lernvercin, der der Erkenntnis des Thorajudentums dient, hat das erste Heft einer Zeitschrift für das jüdische Haus, „Ben Zakkai" betitelt, erscheinen lassen. Das schön ausgestattete Hcst zeigt ein vielversprechendes Streben im Sinne.jüdischer Belebung. Die Zeitschrift steht auf dem Boden des Misrachi. PersorraLie» «. liebte MitteUrmge» Berlin DaS Krankenhaus der Jüd. Gemeinde erhöhte seine Säge wie solgt: 2. Kl. von 20 auf L Mk., l. Kl. von Bö aus 40 Mk. und l. Kl. große Zimmer von 45 auf 50 Mk. täglich. — DerReligiousvereinAhawas-Achim wählte Rabbiner Dr. R o s e n t h a l - Rybnik zum Rabbiner. MM' ifl Eremitage Kaiserstrasse 69. Beginn 8 Uhr. Tel. H. 5516. Stets erstklassige Attraktion» - Programme. Die ersten KQMtlTsplele am Platze. Stempeuj«. Roman von Scholem Alechem. Au« dem Jüdischen bearbeitet von Samuel MeiselS. (Fortsetzung.) „Mit Gotts Hilf' kommt!" begrüßte Frajdet die Komiiienden. ,Was macht Ihr, Dwosche Malte? Ich habe schon , seit lange eiu Aug' auf Euch." „Was deuu, Frajdcl?" . „Was denn, fragt Ihr? Nu, ich mein, 'S ist schon mehr als ein Jahr, daß Ihr hergebracht habt Eure Schnur, jo 'ne Perle, und bis jetzt seid Ihr noch nicht bei mir gewesen, um etwas für sie auszuwählen, 's paßt nicht für Euch, Dwosche Malke, 's ist wirklich u Schand'l" „Ihr habt recht, Frajdel, aber was bin ich schuldig, meine Schnur wollte keine Korallen." „Da habt Ihr wieder Neues! Was heißt das, sie wollte keine Korallen? Seit wann will man bei Euch oder, man will nicht! Bei mir muß man wollen." Frajdel holte eiligst eine grüngefärbte Kiste herbei, aus der sie Schnüre Korallen in verschiedener Größe herausnahm. „Seht Ihr, Dwosche Malke," sagte sie, indem sie die Schnüre Korallen vorzeigte, „wenn Ihr ineinen Rat hören wolltet, würd' ich Euch für (Sure Schnur hier diese Schnüre Korallen empsehlen. Ich soll so von allem Schlechte», behütet werden mit Euch zusammen, lob man braucht neben diesen Korallen noch Perlen! Legt.fie nur, seid so gut, um den Hals — so! — Soll ich schon so ein Jahr haben, wie gut sie stehen Euch. Sie kleideir Euch zum Gesicht. Sagt Ihr selbst, Dwosche Malke!" Frajdel zog aus der Kiste eineit kleinen Handspiegel und stellte sich Ruchele .gegenüber. Frajdels grüne» Augen funkelten unheimlich; ans die L-tiru traten ihr die Schweißtropfen. . „Und Euer Stempenjutut seines," .sagte . Dwosche Malke und zeigte mit dem Finger in ein Zimmer, aus dem Töne einer Violine erklangen. „Ja, er spielt dort," antwortete Frajdel, immer - neue Schnüre Korallen vorzeigend. (Zwischen Dwosche Malke und Frajdel entspann sich bald ein längeres Gespräch. Ruchele saß schweigend da und hörte kein Wort von der ziemlich laut geführten Unterhaltung ihrer Schwiegermutter mit Frajdel; sie lauschte einem andern Gespräch, anderen Stimmen, anderen Worten. Stcmpxnjus Violine Neue Jüdische WHe. .. Karlsruhe. Als Mitglieder der Synode der isr. .Relig'io ns geme i nfch a-ft Badens wurden gewähltr Rechtsanw. Bloch-Konstanz, Dr. uied. Hcilbronn- Gailingeu, B l o ch - D r e » f u s und Rechtsanw. K a s s e - >v r tz - Frriburg, H c i n r. W eil- Emmendingeu . W e i l - Zchmieheim, G u st. D re h s u s - Gernsbach, Rechtsauwatt H u g v M a r r und Bautjer R' a t l> a it Stein- >:arlswl)e, R it b. Schlo fj berge»- Bruchsal, P h i l. M e e ra ps e l - Untergrombach, Hauptlehrer Müller und Dr Jonas Simon - Veidelderg, Rechtsaitw. Dr. Pfälzer- Weiilheim. Eduard B'a u c r, Juli n s H a r t o a, Rechtsanwalt Dr. Jcselsohn. und Dr. med. Moses- Mannheim, Gustav H o ch h e r r - Eppingen, Louis F r a >! k - Mosbach und L u d iv. Sch! esi n g e r - Pforzheim. Luzern. Braun-Heymann, Präsident des Isr. Kultusvereins und der Chewra Kadischa, Mitbegründer des Vereins zur Förderung deS gesctzeStreueu Judentums in der Schweiz nsw., ist — <>4 Jahre alt — v erschiede n. Lodz. Der Lodzer Raw, Rabbi Elieser I e h u d a T r e i st m a u u , einer der angesehensten Rabbiner des Ostens, ist — 57 Jahre alt — einem alten Limgeiileiden erlegen. Frankfurter Berichte. Frankfurter Beranstallnnge«. M e k o r C h a j i m, Samstag 4Ve: Mikro (Jsaae Sulzbach), 3 Uhr, Hörsaal: Midrasch (Rektor Falck). T a l m u d - T h o r a - B e r c i u, Hörsaal, Börneplan. Samstag Schluß Morgengoriesdienst: schulchan - Much (Tr. itriedmann), 3H» Raschi (Lipinsky), 4 Uhr: Eja Jaakauw (S Unna), Sonntag, Schluß Mocgengottesdienst: Mischna (Dr. Friedmann), 047 vorm.: Schulchan-Aruckr (Lipinsky). abends^): Mnauraus Hamoaur (Dr. Braun). Montag*): Nwiim (S. Unna), Dienstag*): Mikro (S. Unna), Mittwoch, Schluß Morgengottesdienst: Mischna (Dr. Braun), Donnerstags): Mnauraus -vamoaur (Dr. Braun), 7H» abends, Hermesweg 27: Gnwro (S. Unna). Fortb i l d u u g s u n t e r r i ch t für K naben: Samstag, 31/»: Sckulchann-Aruch (Jos. Unna), Dieiiskag, 6 Uhr: Mischna (S. Unna), Donnerstag, 6 Uhr: Gmoro!e. Unna'. Literarische Rundschau. Probe aus: „Fünf Jahre im Lande Reutraiien." Zürich, die größte Stadt der Schweiz, wurde während des Krieges zu einem kosmopolitischen Zentrum mit alt den guten und schlechten Seiten eines solchen. Zu den i'egativen Seiten gehört zwcisellos die Fülle von Personen, durchaus würdig, von der höchsten Treppe hinnntcrgeworseu zu werden, die aber staltdessen in den .besten Restaurants saßen und tiefsinnig die Wein- und Speisekarten studierten oder im Kaffee nachdenklich-langsam den bläulichen Ranch ihrer Havanna aufsteigeu ließen. In Gruppen zu zwei oder einzeln konnte mau sie jederzeit in der Balmhofsstraße sehe». Diesen Gesichtern, dem */ 3/i Stunde vor Nacht. sprach zu ihr: sic sprach Worte, die rief ins Herz dringen. Erst als die Fiedel verstummte und Stenipenju sich in der Tür zeigte, erhob sie sich von ihrem Ort. — Stempenju blieb wie angewurzelt aus der Schwelle stellen. Ruchele ivaildte sich zur Schwiegermutter und gemahnte sie anfzubrecheu. Drösche Malke sprang von ihrem Sitz auf. „Seht nur, wie wir uns verplaudert haben! — Nun, was verlangt Ihr, Frajdel, für die Korallen? Ihr dürft nicht teuer berechnen, Frajdel, - mich müßt Ihr reell behandeln." ’ „Reell, was reell heißt, Dwosche Malke. Soll ich am ersten Bissen Brot ersticken, wenn ich Euch belüge. Svsche hat mir achtzehn Rubel geben wollen, soll ich so gesund sein mit meinem Manu, und ich wollte nicht, — ich denk mir. Lösche ist Lösche und Ihr seid doch Dwosche Malke, ich verkauf sie Euch mit fünfzehn Rubeln. Ich. verdiene dabei gar nichts." „Ach, sünszehn, wer spricht von fünfzehn, zwölf werde ich Euch geben, zwölf Rubel bares Geld." „Gesund sollt Ihr sein. Dwosche Malke, dingt Euch -nicht!" schrie Frajdel in großer Erregung und ergriff Dwosche Malkes beide Hände. Während die Frauen initeinander feilschten, wurde zwischen Ruchele und Stempenju ein leises Gespräch geführt. „Ich wollte Euch etwas sagen, Stempenju." „Ich habe Euch auch etwas sagen wollen, Ruchele." „Ihr habt's mir schon gesagt." „Wann?" „In dem Briej." „Aber wenig." „Viel zuviel." „Nicht de» hundertsten Teil." „Ihr irrt Euch." „Ich schwöre Euch bei meinem Leben! — Wo könnte ich Euch sehen?" „Ich weiß nicht. Wo könnten wir uns sehen?" „Nur anr Mend." . „Wo?" „In der Monastersker Gasse." .Wann?"; „Am Schabbesabend. Ihr könnt von jener Seite des Monastersker Gartens kommen." „Ich kann nicht, ich will nicht." ..Ihr müßt, Ruchele, ich bitte Euch, einen Augenblick nur, kommt dorthin — ich werde dort warten — am Schabbesabend." „Ich komme nicht." „Ihr kommt, Ruchele, - Ihr kommt." Veite 3. Velers M- Ult IMlN-IeW-WM.! Bergerstrasse 149. H. 4642. j BV Hottenvernicbtuna unter Garantie. öS » sreclie» und sorglosen Ausdruck der Augen sah man sofort au, daß sic keinem der einundzwanzig - Kantone der bescheidenen, patriarchalischen Republik Helvetien angehörten. Diese Leute sind offensichtlich von verschiedene» Seiten zusainmengeströnit, und das Ziel ihres Aufenthaltes hier hatte sicherticki ucit Nutzen für die Menschheit sowie mit einem Nutzen überhaupt nicht das geringste zu tun. 'Abends süllcu sie die großstadtmäßig zahlreichen Kabaretts, und wenn sie in später Nachtstunde diese in Begleitung der Kabarettsterue verließen, harrten ihrer, elegante 'Autos, die die lustige Gesellschaft in gewisse Borstadtlokale brachten. >vo die Lustigkeit bis zum Morgen sortgeietzt wurde. Diese moralisch und ästhetisch angefaulten Elemente verdarben die sotid-einfache Physiognomie des zentralen. Stadtteils. Der Züricher, der noch das vornehm-alte ^Zürich atmend, das Zürich des Pestalozzi, die breite Steintreppe hiunntersteigt, sieht sich befremdet im neuen Zürich um und eilt nach Hause, um dort verdrossen von der Invasion der Barbaren zu erzählen. Leine»» Gemüt würde es mehr zusagen, wenn er »ach neun Uhr abends Zürich in zu-' ir-ede»e. vornehme, Wohlhabenheit atmende Stille tzetaucht scheu würde. Mit dieser Stille hätte durchaus harmonier!, wenn ails irgendeinem Gäßcheu ein Manu getreten wäre, der erwärmt und ausgcinnntert durch ein Glas guten - Batiser „Oberland, ja Oberland . . ." vor sich hingepfiffen hätte, lieber diese Unterbrechung der Stille wäre der Züricher keinesfalls ungehalten, int Gegenteil, er hätte achtungsvoll vor dnn Mann alis dem Gäßcheu dei» Hut gelüstet und ihm eiu „Grüß Gott" zugerufen. denn dieser Man» iväre — Gottfried Keller. Ebensowenig hätte er dagegen, ivenit eine Gruppe sunger Männer aus 'Appenzell durch die wcitcit Hallen des Haupt» bahnhoss gekommen wären und ihn »nit emem besonderen .Jodlerkunststück erfreut hätte, einein entzückenden, langatmige», nachdenklichen, irach etwas in den Bergen suchenden „Holdria-Holdrio!" Und diesem ans der Seele kommenden Tremollo mußte unbedingt das „J-iju-hu" folgen, das von Gesundheit, van wundervollem Sturm, von heißen Küssen unter dem Apselbaitm zeugt. Es würde auch nicht schaden, ivenit sich dazu die Töne der Harmonika gesellen! würden. Auch das ivürde nicht schaden, denn die Züricher fördern und lieben ihre Brüder aus Tessin. Diese Lawte, diese Melodien bedeuten nicht Lärm, nein, sie duften nach Heimat, nach Appenzell, Solothurn. Das ist alles „Mi Heimeli". Nicht nur der Züricher selbst hört, gemütlich seine Pseife rauchend, alt das gerne, selbst die 'Akazien lauschen dem „Oberland, ja Oberland". — Frey a - Büro - Einrichtungen Werner, Noll & Cie. Frankfurt a. H., Tbeaterplatz 14. V Neu eröffnet. „Nun, Tochter," sagte Dwosche Malke zu Ruchele gewendet, „wir gehn »ach Hause. Ich habe die Korallen für dreizehn Rubel gelaust. — Ich habe gar nicht gewußt, Frajdel, daß Ihr so gut handeln könnt." „Dwosche Malke, tut nichts, Ihr versteht Euch ganz gut zu dingen. Guten Tag! Geht mit Gesundheit! Tragt's mit Gesundheit!" „Aus Krückeir sott sie gehen," sagte Frajdel zu Stempenjii, nachdem sie die Tür hinter ihnen zngemacht hatte, „har sie mich schwiyen lassen, — und sie, die Schnur, das weiße Kalb sitzt da und schweigt; die Korallen stehen ihr so wie einem Schwein Glaskorallen." 'Als Ruchele nach Hause kam, führte die Schwiegermutter sie, zufrieden lächelnd, zu E'si.k Nastali und zeigte ihm die Korallen. „Wie gefalle» Dir. Eifik Nastali, diese Korallen? — Sie sind sehr billig." Eisik Nastali uälterlc sich seiner Schwiegertochter, betrachtete eingehend die Korallen, rieb sich die Nase und fragte: „Was hast Tu gezahlt für sie? wieviel?" „Rate mal, Du bist doch auch ei» 'Kaufmann, nun rate!" sagte Dwosche Malke »liid lächelte. „Ich weiß nicht, ob teuer, ob billig?" „Ich sag Dir doch billig, -Schaute, billig wie bei einem Dieb. Denke Dir, ich höbe mich heiser geredet bei diesem Musikantenweib. Feilschen tut sie wie eine Obsthändlerin. — Und eilt Mundstück besitzt die, — die speit Schwefel und Pech, wenn sie mit einem Kunde» spricht. — Nun, was schweigst Du, Eisik Nastali? Zeig mal Deine Kennerschaft! Was zum Beispiel dürsten solche Korallen kosten?" „Was diese Korallen kosten?" antwortete Eisik Nastali und griff sich an den Bart. „Die Korallen dürften kosten, — na, wart mal, ich will Dir akkurat sagen, — billig, sagst Du, Du sagst billig? — wenn billig, dann kosten sie ungefähr 6V:! Rubel, aber wert sind sie' sieben." „Schaute!" platzte Dwosche Matte heraus mit einer Stimme, daß Eisik Nastali erschrocken zurückwich. „Lichautek Rindvieh mit Pferdekops! Solche Korallen 6ty» Rubel? Meschuggener! Ein Stummer hätte dies nicht in einem ganze» Jahre ausgesprochen. Hast Dir Augen oder nicht? Sieh sie Dir nochmals an, Du abgerissener Narr!" Sie nahm Ruchele an der Hand und führte sie näher zum Schwiegervater. Sic hob ihr den Kopf ein wenig in die Höhe, damit er die Korallen besser betrachte. Eisik Nastali, von der Strastede seiner Fra» eingeschüchtert, rieb sich abermals die Nase: er blinzelte mit de« Augen 15115