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Neue jüdische Presse · 1920-04-30 · Heft 16 (30.4.1920) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
18 (1920)
Issue
Heft 16 (30.4.1920)
Date
1920-04-30
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr 16 Neue FMsche WMe. Sette A Stets Eingang WM" Neuheiten in Tapeten "MU Teppiche Läufer Vorlagen 20 Nene Mainzerstrasse 20 Keks Weisafranensttasse. Telefon: Hansa 1784. Terrors geübt, wo die reaktionäre studentische Brachialgewalt. die Entscheidung über Aufnahme oder Ablehnung von Hörern an sich gerissen hat. In einem Kulturstaate darf ein solches System nicht geduldet werden. Was gedenkt die Unterrichtsverwaltung zu tun, um diesem unwürdigen Zustande ein Ende zu bereiten und die Aufnahme der infolge nationaler Unduldsamkeit abgewiesenen Hochschüler zu bewirken?" Im Wiener Gemeinde rat gab es dieser Tage wieder eine Judendebatte, indem der Gemeinderat Schmitz verengte, daß die Wiener Universität den v ft - jüdischein Studenten verschlossen werde. Die jüdischen Gemeinderäte Dr. Ehrlich und Dr. P l a s ch k e santworteten. Letzterer sagte u. a.: „Es waren noch keine Ostjuden in Wien, und eS hat schon ein Waidhofencr Prinzip" gegeben, in dem deutsch-' nationale Studenten festzulegen wagten, das; ehrlos setz, wer aus dem Schoße einer jüdischen Mutter stammt. Damals waren noch keine Ostjuden hier, aber die Ausrede hat sich anderweitig finden lassen. Es war eine grobe,, brutale Vergewaltigung einer anderen Nationalität. Dowar es und so geht es weiter! Heute sagt man O stj u den, morgen Tscheche», übermorgen Westjnden; immer ist eÄ Kulturlosigkeit, Barbarei ärgster Sorte, der sich die deutschradikale Studentenschaft hingibt, geleitet von einigen Professoren und Dekane». Die Professoren, die hier im Saale sitzen, ruse ich als Zeugen aus! Die werden bestätigen, daß die deutsche, die christliche Studentenschaft von deutschen und christlichen Dekanen und Rektoren verschiedener Hochschulen verhetzt wird. Wie könnte man es sonst begreifen, daß ein Dekan jüdischen Studenten erklärt: „Sie müssen eine Bestätigung vom Obmann des Deutschen Burschenoundes haben, sonst nehme ich Sie nicht auf." Aus dem Parlament. Der tapfere jüdische Abgeordnete Stricker kam in einer seiner großen Parlamentsreden wieder auf die jüdischen Fragen zu sprechen. Er führte aus: „Es wäre gar kein Schaden für diese Republik, für diesen Staat, wenn durch Entsendung geeigneter Vertreter W li-GlÜ nach IHass prima Verarbeitung — tadelloser Sitz — innerhalb 8-10 Tagen Umarbeiten — Wenden — Modernisieren. Freimaim, Langestrasse 22. Sterupeujn. Roman von Schalem Alochem. Aus dem Jüdischen bearbeitet von Samuel MeiselS- Fortsetzung.) Ruchele erhob den Kopf und erblickte — Stempenju. „Gut Schabbes." Ruchele wollte das Fenster zuschlagen und sich entfernen. Statt dessen erwiderte sie halblaut: „Gut Schabbes, gut Jahr!" ,Ljhr habt meinen Wunsch nicht erfüllt und seid nicht auf die Berbitschewer. Gass' gekommen. Ich habe umsonst gewartet — ich habe — ich bin — da habt Ihr, lest!" Stempenju überreichte ihr ein zusammengefaltetes Papier und verschwand. Ruchele hielt das Papier lange in der Hand, ohne zu wissen, was damit anzusangen, ohne zu begreifen, was das bedeuten soll. — Das plötzliche Erscheinen Stempenjus sowie die Uebergabe des „Papiers" hatten sie in große Aufregung versetzt. Es dauerte einige Minuten, bis sie wieder beruhigt war. Erst dann entfaltete sie das Stück Papier: es war ein Brief, geschrieben in jüdischer Sprache mit großen Buchstaben und mit erschreckenden orthographischen Fehlern. Der Brief hatte folgenden Wortlaut: .Mein libster engel von Himel, wenn Ich Hab dein lichtig Gestalt gesehn is mir Lichtig gewor'n in Meine beide Augen, Und ein Höllisch seuer tut in Mein Herz brennen von großer liebe Zu dir meine Seel! Deine Himmelaugen haben mich Bezwungen von die erste Stund' an. Ich kann nit schlafen und träum' dich zu sehen. Ohne Dir iS bi lichtige- Sonn' sznster in Meine äugen. Ich : sterbe weil will dich immer sehen, ich werd Dich Ewig liben Dein Dich auf Immer liebender der küßt die Tritt von Deine Füß' und küßt von weiten Deine Schöne äugen. «omstenju." des jüdischen. Volkes Gelegenheit zu offener Aussprache in der Jubenfrage gegeben wäre. Ich sage: offene und-ehrliche Aussprache, Ichbitte Sie, betrachten Sie die Judenfrage auf der einen Seite nicht als nebensächliche Frage, über die man am besten zur Tagesordnung, übergeht, auf der anderen Seite nicht als Frage, die man nicht anders als mit Haß und Hohn betrachten kann. Wenn Sie sich nur die Mühe geben wollten, aus die Psyche der Juden und auf die Vorgänge, die sich im Judentum abspielten, einzugehen, so würden Sie zugebe», daß es besser ist, wenn cs ein freies und offenes Judentum gibt. Sie sagen, Ihre Nation habe so ost bitter unter de» Ausstrahlungen jüdischen Geistes gelitten. Ja,' sie hat gelitten, aber nicht unter dem Geist des aufrechten und braven Judentums, sondern Sie sind infiziert worden durch den Geist des kranken Judentums. Was durch Druck und Verfolgung sich von uns losgerissen hat, ist aus Ihren Körper übergegangen und hat Sie infiziert. Im alten Oesterreich haben Sie sorgsam darüber gewacht, daß um Gottes willen kein Jude Briefträger wird. DaS könnte den Körper der deutschen Nation schädigen. In dem Moment aber, wo es ein Jude getroffen hat, frech zu sein, da konnte er Ihr Herr werden. Bor dem Sieghart ist dieses Oesterreich dreißig Jahre auf. dem Bauch gelegen. Ein Renegat hat dieses Oesterreich beherrscht, aber kein Jude konnte Briefträger werden! Und noch heute beherrscht er Sie, iwch heute ist er oben, er kauft Zeitungen zusammen, wird Präsident der größten Bankinstitute, schiebt hin und her. (Zustimmung.) Unser Volk macht jetzt seine größte geschichtliche Periode mit. Wir stehen vor der Wiederausrichtung unseres nationalen Zentrums. Große Nationen, große Staaten nehmen daran Interesse. Als ich vor einigen Wochen bei den Sitzungen unserer Organisation in London war, sind — ich sage es nicht aus Protzerei für meine Partei. — Begrüßungen vom ganzen englischen Ministerium, Lloyd George an der Spitze, vom Präsidenten Wilson und anderen eingetroffen; sie haben es für wichtig gefunden, sich mit dieser . großen Bewegung zu befassen. Sie (zu den Parteien gewendet) befassen sich nicht damit und sagen höchstens: .Der Zionismus ist gut, denn dann werden wir endlich einmal die Juden los." Ich appelliere an Sie, unterstützen Sie unsere Bestrebungen mit Verständnis, es wird nicht nur meinem Volke zugute komme», sondern auch dem Ihrigen!" (Lebhafter Beifall.) Großbritannien. Bölkerbund und Zionismus. Bei einer Sitzung der Stoke Newington Abteilung der Groß-Britannischen Union der Dvlker- Liga, wurde eine Resolution angenommen, den Anspruch des jüdischen Volkes aus Palästina zu unterstützen. Ein in gleichem Sinne gehaltenes THegramm wurde an Lloyd George nach San R e m o geschickt, gezeichnet von dem Vorsitzenden, Sir Herbert Ormond, früherer Bürgermeister von Stoke Newington. Amerika. Bom religiösen Stand des amerikanischen Judentums. In Chicago, das 200000—300 000 Juden zählt, ist nur etwa der vierte Teil der Juden Mitglied einer Synagoge, und eine jüdische Gemeinde gibt es nicht. Infolge dessen wächst an drei Viertel der Jugend ohne jede jüdische Unterweisung auf. Man will jetzt in Chicago daran gehen, all' die Synagogenvereine zu einer einheitlichen Gemeinde zusammenzuschließen und hosst, dadurch eine Stärkung des Judentums zu erreichen. In Newyork, wo die Berit. Stempenjus Werdegang. Wollte jemand Stempenju nach dem oben erwähnten Brief beurteilen, er würde sicherlich zu falschen Schlüssen kommen. Stempenjus Stärke lag nicht im Briefschreiben. Er war ein Held, ein wohlgestalteter Mann in des Wortes wahrster Bedeutung, ein Tunichtgut, — aber kein besonders glänzender Stilist im Briefschreiben. Schließlich ist gut schreiben nicht jedermanns Sache. Stempenju war sicher zu etwas .besserm geboren als zum Briefschreiben. Das hatte schon sein Vater, Berl Baß, erkannt. Als Äinb hatte Stempenju nichts lernen wollen, nur spiele». Unter Leitung seines Vaters hatte er sämtliche Musikinstrumente vorgenommen, bis er schließlich bei der Geige stehen blieb. Berl Baß hatte noch einige Kinder, ebenfalls Musikanten, aber nur seinem Stempenju stellte er das Zeugnis aus, er besitze eine Ader von seinem Großvater Schmulek Trompeter, der den großen „Fiedler" Paganini persönlich gekannt hatte. Mit zwöls Jahren hatte Stempenju bereits zum Braut - „Bedecken" spielen können, — was unter allen Umständen keine kleine Leistung war. Berl Baß bevorzugte ihn auch vor allen andern Kudern, und obgleich er Stempenju zuweilen an den Ohren zu zupfen, eine Tracht Prügel zu verabreichen oder sonst eine unangenehme Lektion zu erteilen pflegte, hakte er doch stets - dieses Söhnchen als eine Zierde seines HauseS betrachtet. Mt fünfzehn Jahren — drei Rubel in der Tasche und eine zerbrochene Fiedel unterm Arm — stürmte Stempenju in die Welt Humus. Er besuchte viele Städte und Städtchen, wirkte ball» in dieser, bald in jener Musikantentruppe. Mehr als ein halbes Jahr hielt er's nirgends aus. Es zog ihn immer weiter: er ging von Mazepewka nach Stepewka, von Stepewka nach Koretz, von Koretz nach Balta, von Balta nach Alt-Konstantin, von Alt-Konstantin nach Berditschew und so weiter, und so weiter — bis er endlich in Odessa landete. In Odessa hatte es chm nicht besonders behagt- — die ©tobt ist groß und leibet an Meist«» wie Stempenju keine» Mangel. — Ve uni« nahm Conditorei und Cafd Wilhelm Wendel Alte Gasse SV* Xeu reaevlart and, vetfriwort. "WM Feinste Torten nnf Desserts Kaffee! Tee« Schokolade in Tassen» .. hältnissc nicht viel günstiger liegen, hat sich freilich der Versuch der Schaffung einer Kehilla nicht verwirklichen lassen. Kurze politische «achrichtr». Budapest. AIS der jüdische Abgeordnete Paul Sattbot in seiner Parlamentsrede zur Judenfrage u. a. sagte, daß die Vertreibung der Juden ein großes wrrtfchastliches Unglück fürs Land wäre, rief Staatssekretär D e » es Patacsy: „Die Juden werden wir vertrriben, aber ihr Vermögen behalten wir zurück!" Prag Die vereinigten jüd ischenPartete» haben bei den Partamentswahlen insgesamt die Anzahl von 73 603 Stimmen aus ihre Listen vereinigt. Da sie aber in keinem Wahlkreis die Wahlzifser von 20006. Stimmen erreichen konnten, entfällt auf sie kein Mandat. Zu diesem Resultat trägt am meisten der Umstand bei, daß das karpathorussische Gebiet, wo die Juden in größerer Anzahl siedeln, nicht gewählt hat, sondern erst nach. Erlangung der Autonomie eine» eigenen Vertretungskörper bilden wird. Warschau. Die Regierung hat dem Präfidente» deS American Joint Distribution Comittee, Felix Marburg , in Anerkennung der Dienste» die er durch seine Hilfstätigkeit dem polnischen Volke geleistet hat, die Verdienstmedaille verliehen. LanSon. Veranlaßt durch die Ereignisse in Palästina, hat die Zionqtische Exekutive eine besondere Konferenz des Exekutivrats auf den 9. Mai einberufen. Dr. Weizmann, der Palästina verließ, um nach San Remo zu gehen, wird zugegen sein. So ko koch und Herbert Samuel weilen auch in San Remo. — Die Exekutive beschloß, die Jahreskonserenz auf --den 4. Juli nach Karlsbad einzuberufen. ffeft rer MiSrachi-BeWegLMU. Jerusalem DaS Lehrerseminar deS MiSrachf tour!» am 14. März eingeweiht. Bon der zionistische« Leitung waren M. Ussischkin und Dr. D. le Sola Pool anwesend. I I EvTELEFON Ms e-fü-'ih ALLE Ansprüche FRANKFURTER PR:VAT-TELEfON-GESELLSCHAFT. Kj.-.nn,X'..v- ’ü■ FRANKFURT VM. -r-..; daher eine neue Wanderung. Bald erwarb er sich in den kleinen Städten einen Namen und wurde überall als Geigenvirtuose mit Begeisterung empfangen. („Fachleute" wollte» aus sicherer Quelle erfahren haben, Stempenju spiele deshalb so gut, weil auf eine bis jetzt unaufgellärte. Weich Paganinis Violine in seinen Besitz gekommen sei.) Mit der Zahl seiner Verehrer wuchs auch die Zahl seiner Gegner. Besonders seine» Berufskollegen war er ein Dorn im Auge, denn gegen seine .Lonkurrenz." vermochten sie nicht aufzukommen. Sie {tagten, er nehme ihnen den letzten Bissen Brot vom Munde weg, auf jeder Hochzeit sehe man nur Stempenju und wieder Stempeujih. „ als ob auf der ganze» Welt nur ein Musikant und eine Mujikantentruppe existierten. Dabei war Stempenjuein „guter Bruder", kein Geizhals, im Gegenteil, ein Mann mit einer „ofchnen Hand". Hatte er auf einer Hochzeit ei« paar Rubel verdient, so versammelle er seine Kollegen um sich, kargte keinen Schnaps, zahlte jedem ein Mittagbrot und 'teilte unter die jüngern Gehilfen „Geschenk!' aus. In solchen Momenten vergaßen die Mufikanten.zumeist ihren inneren Groll gegen Stempenju und meintest: .Wahrlich, kein schlechter Mensch! — Ein guter Bruder! — Hört Ihr? Eine jüdische Seele läßt sich nicht abschätzen!" Mehr noch als seinen Kollegen, den Mufikstnten, war? Stempenju den schwarz- oder blauäuigen Mujikantentöchtern zugetan gewesen. In jeder Stadt war er als Freier ausgetreten und überall hockte er das Herz einer Mnsrkantentoch» ter erobert. Der Geigenvirtuose Stempenju war auch ei» Meister in der Liebe. In jedem Städtchen hatte er sein Lieben und jedem Mädchen schwur er ewige Treue. Dazu mutz ausdrücklich bemerkt werden: Stempenju verstand eS nicht anders als aufrichtig zu lieben, seine Liebesschwüre waren echt, sozusagen reell, ohne Hintergedanken und Nebenabsichten. Aber er litt auffallenoerweise an Gedächtnisschwäche: kaum hatte er ein Städtchen verlassen, so verschwand seine Liebe wie Wind und Rauch; er vergaß daS Städtthen und das Mädchen und die.schwarzen oder blaue« Auge« und die Liebesschwüre und alles, war drm» und dran war. - OftmaM hatte« diese LiebeDepisode« etgep recht tragische«

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