Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 15 (23.4.1920)
- Date
- 1920-04-23
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite.4 Neue KMsche Presset Nr U. Nr. w« 149. H. 4642. Best bew&hrteete Teppichn. Bettfederm-Keinigang. ich links gewählt hätte, wäre mir folgende Geschichte nicht p-ffsiert. Also, ich habe beschlossen, rechts zu gehen und gehe. Durstig bin ich schon lang und werde dazu auch noch hungrig. — Es wird talt, der Wind bläst mir ins Gesicht. Da, mitten im Gehen — halt! Ein Zaun! Ein eiserner - Zaun. Schwarze, eiserne Stangen mit vergoldeten Spitzen, — so «in Schreck! Es ist ftine kleine Türe da, an der Tür eine Schelle, — ich bin nicht faul und ziehe daran. Ich höre Hundegebell. — Da überläuft cs mich eis- ' kalt. Ich will ausreißen. Da höre ich aber, man ruft: /.Still". — Da bleibe ich stehen. Ich bin doch kein Hasen- : fuß, der vor Hunden wegläuft. ES kommt ein alter Mann in Jägerkleidung, mit grünen Litzen, steckt seinen Kopf mft seinen tränenden Augen zwischen die Stangen und ftagt mich, wer ich bin. „Ein Schneider." - .Was willst Su?" „Einen Schnaps!" - Er lacht und zeigt mir zwei Reihen .alter, häßlicher Zähne, aber leuchtende Augen. — Du bist mein Freund, denk ich. Dir ist deine Kehle auch trocken. — Soll ich mich in eine weitere Unterhaltung einlassen? Ich stehe auf der einen, er auf der anderen Seite deS Zaunes, - Ich frage — er antwortet: > Mas ist hier?" „Ein Palast." „Und wer bist Du?" ' „Der Hüter des Palastes." „Und wer wohnt in dem Palast?" „Eine Gutsbesitzerin." „Was für eine Gutsbesitzerin?" > „Eine schöne Gutsbesitzerin." „Eine schöne?" ,Tlnd eine meschuggene." .Was heißr eine meschuggene?" „Sw will nicht heiraten. Es gefällt ihr keiner." .Da muß ich lachen. — .Vielleicht gefall ich ihr?" „Probier es," sagt er, .vielleicht ist Dir das Glück . beschert." . ' Also redend schließt er auf, läßt mich hinein. — Wir stehen zusammen. Eine Bande Hunde springt auf uns . zu, ihre Zungen hängen heraus, sie merken, daß ich rechlr mäßig hereingekommen bin. „Ich bin — ei« Wittmann," erkläre ich ihm. „Versuch es. Schon viele haben es versucht: Deutsche, ’’ Armenier, Zigeuner. Probier' Du es auch — Vielleicht , hast Du Glück!" Ich sah ihn an und mache Witze mft chm. Das ist i^n neu. Ich komme wieder auf mein erstes Gespräch > zurück und bitte ihn um Schnaps. „Schnaps," sagt er, „im Palast gibt es Schnaps, Met, ' auch Wein, und die Brautwerber nimmt man gasttich auf, man gibt ihnen zu essen, zu trinken," . Da wird es mir ein wenig unheimlich. Ist der Alte ' Uicht -ein wenig angeheitert? Nein, nüchtern, und - er hat einen ganz klmen Blick. Ich sage: „Genug, Alter, und Spaß beiseite. Mir ist es wirklich trocken in der “ " so trocken, daß meine Stimme iheiser.ist, und hungrig bin ich, daß mein Magen ordentlich knurrt." ,/Oa komm hall," lächelt er, „an Essen- und Trinken soll es nicht fehlen." Ich denke, er führt mich in sein Stübchen; er führt mich aber in den Palast. Dieser Palast, — er ist nicht zu beschreiben! Der Verfasser der Akadomoth hätte gestaunt! Mächtige Säulen mit goldenen' Schlangen, Adler, Fledermäuse — alles mit goldenen Kronen geschmückt. Und er führte mich in einen Saal, der ist mit türkischen Teppichen ausgelegt. Da übergibt er mich einem Lakai. — „Ein Bräutigam," sagt er. Der Diener lächelt und führt mich weiter. Die Gutsbesitzerin. — ihr versteht doch, ich laß mir das nicht nahe gehn; aber da ich nun einmal Schneider bin, bin ich .auch neugierig. Also, was geschieht? Aushängen wird man mich schon nicht! Ich lasse mich führen und komme von einem grünen Salon in einen gelben, von dem -gelben nach einen: roten, von dem roten in einen blauen. Die Farben verschwimmen mir in den Augen. Dann geht es durch einen langen Gang, so schnell, daß mir keine Zeit bleibt, die Möbel zu betrachten oder die Bilder an den Wänden. Nur farbige Flecken schimmern mir in .den Augen. Ein Diener übergibt mich dem zweiten, einer dem andern. Alles hat aber doch ein Ende, ich lande in einem weißen Salon, rechts, sagt man mir, führt eine Tür zu der Gutsbesitzerin hinein, unS links — eine Tür, zu der man den Brautwerber hinauswirft, ivenn er nicht gefällt! (Schluß folgt.) Literarische Rnndschau. , «folia£ Knnfitfiren und Schokolade Hier können die Grundgedanken des Verfassers nicht einmal gestreift werden, auch nicht seine Ansicht. bezüglich Moses, da dieselbe aufs Engste mit feiner Gesamtauffassung Spinozas zusammcnhängt; wir müßten, wollten wir darauf eingehen, vor allem die Grundbegriffe des Spinozismus, sodann die Auffassung des Verfassers in ihrem Unterschiede von andern.Auffassungen darlegen, was nur in einer längeren Abhandlung geschehen könnte. Kotize«. „Die Arbeit", Organ der zion. oolkssoz. Partei Hapoel-Hazair, Heft 4 enthält folgendes: Unsere Aufgabe auf der Wettkonferenz (Aronowitz), Eine jüdische Gewerkschaft in Deutschland (Dr. Preuß), Die Arbeiterkolouie Weißeusee, Das Problem der G'renadierstraße, Hebräisches Theater in Berlin, Palästinensische Tagesfragen usw. usw. Im Verlag Weisels, Newyork, erscheint jetzt eine jidi s ch e Ausgabe des literarischen Gesamtwerks von G eorg Brandes. Der gleiche Verlag kündigt ferner das baldige Erscheinen folgender Werke in j i d i s ch e r Übersetzung: Darwins ,lvie Abstammung des Menschen", T o lstois „Anna Karenina", Turgeniews „Väter und Söhne" und Ibsens dramatische Schöpfungen. Der „Literarische Verlag" läßt das große Romanwerk Romain Ryllands: „Jean Christophe" in einer vollständigen jidischen Ausgabe erscheinen. - Ser Briefwechsel SpiuozaS. (Ein Menschenbild. Vom Verfasser des Spinoza Redivivus und Augustinus Redivivus. Der philosophischen Weltbibliothek. 4. Bd. Halle 1920.) Im vorliegenden Buch gibt ein Anonymus von einer neuen Auffassung der Philosophie Spinozas aus, die er in den genannten Schriften vertritt, Erläuterungen zu den philosophischen Punllen, die Spinoza in den Briefen an feine Freunde behandelt. Der Verfasser, unternimmt den kühnen Versuch, nachzuweisen, daß die ganze bisherige Philosophie gescheitert, bankerott sei, daß sie noch nicht einmal wisse, was sie wolle, und was sie sei, insbesondere auch, daß niemand bis auf den Verfasser Spinoza verstanden! habe. Er identifiziert ferner die Grundlehre Spinozas mit der Augustins (eine starke Beeinflussung Spinozas durch Augustin behauptet bekanntlich auch der englische Spinoza- Forscher A. Duff), ja sogar Moses soll, nach der Deutung des Verfassers, in der Schöpfungsgeschichte den Grundgedanken Spinozas ausgesprochen haben — und so nennt er alle drei Vollender der Philosophie im ' Gegensatz zu anderen Philosophien. Der Verfasser glaubt auch, den Spinozismus nicht nur für die Religion überhaupt, sondern sogar auch für den Katholizismus annehmbar zu machen. Sr Kaffee Buhland S Kaiserstrasse 56 Tfiglich ergtklagBige Kaiaerstrasse 56 Unterhaltungsmusik Im Verlag „D a s Hei m" wird eine 10 Bände umfassende Sammlung wissenschaftlicher Werke unter der Redaktion pon Professor I. A. Hur Witz herausgegeben. Auch hat der Verlag eine „Universalbibliothek" nach deutschem Muster geschaffen, wovon jedes Bändchen 1b Cents kostet. Nach einer Meldung von „Haarez" plant der Styb e l - Verlag in Amerika seine vollständige Uebersiedelnng nach Jerusalem. Sollte dieser Gedanke — woran nicht zu zweifeln ist — bald verwirklicht werden, dann wird das junge, aufblühende literarische Leben in Palästina eine bedeutsame geistige Bereicherung wie auch eine materielle Stärkung erfahren. Professor Dr.David Neumark in Cincinnati läßt eine Zeitschrift für jüdisches Gesetz und Phis o p h i c (Journal. of Jewish Law and Philosophy) erscheinen. Stefan Zweig's „Jeremias" ist von Charles Baudouin ins Französische übt «ersetzt worden. Das am ersten Januar von Hermann Bernstein in Newyork gegründete Tageblatt ,H a i n t" hat sein Erscheinen eingestellt. Orient, blutvoller, leidenschaftsersüllter Orient — ist kennzeichnendste Umschreibung für die Kunstschöpfungen des Hafis,*) dieses persischen Meisters der Poesie, der vor siebenhundert Jahren seine Lieder in berauschenden Akkorden sich von der Seele sang. Er hatte in dem großen *) Hafis, Lieder und Gesänge. Uebertragen von Hans Bcthge. Leipzig, Insel- Verlag. Erlebni in dies lisches gelösten Formul zur A> Jntensi lichkeit, darum lichen Große, ausfüll tischen steigert ihnen gibt ih stik bei und er und b des C fast ü> gepräg Kunst. Schön die kii ahnen. L strafte! „Bon gut, i er kick tpalt mcht manch geistre zn vei endlick und 3 Gedich H< Spi Sp Br Seine Augen begegneten den blauen Augen Ruckeles, und er las deutlich darin die Worte: „Erraten, Mosche . Mendel, so ist's recht!" -Weiß ich, was Du red'st," antwortete.Dwosche Malkc .und rückte den Stuhl noch näher. „Jetzt ins Geschäft? — Was ich dort verliere — die große Losung, Steins geklagt, - solche Geschäfte gönne ich allen meinen Feinden! — Geh Du Leber in unser Schlafzimmer und leg Dich aufs Bett . ein dißchen ausruh'n; Du-hast ja die ganze Nacht nicht -geschlafen." i- So lebte das „glückliche" Ehepaar wie in Fesseln gekettet, ohne einen freien Augenblick,; beständig unter der Obhut eines guten Vaters und einer zärtlichen Mutter. — Bäbe duldeten schweigend. — Mosche Mendel suchte anderwätig Zerstreuungen: bald vertiefte er sich in einen Folianten, bald ging er zum Vater ins Geschäft, oder er suchte ferne Bähhamidraschkollegen auf und debattierte mit ihnen. Er lebte, wie's eben ging. Ruchele dagegen führte ein einsames Leben. Freundinmen hatte sie in Mazepewka keine; denn als Schwieger^ > tochter Eisik Naftalis durfte sie mit den anderen jungen . Frauen in Mazepewka nur var distance verkehren. (Eisik Mastali bildete sich nämlich ein, er sei der reichste und anständigste Bürger in Mazepewka.) So vergingen Tage und /Monde. Ruchäe lebte wie in einem Gefängnis: wieder essen, . Meder trinken, wieder schlafen, wieder das Krügel Kafiee, . Meder die liebe Schwiegermama mit den Konfitüren und / so weiter — das ganze Jahr hindurch. Stempenjus Brief. ». DaS war die Lage, in der sich Ruchele befand zn -/Jener Zeit, als wir ihr auf der Hochzeit bei Chajim Benzivn Mock begegneten, zn jener Zeit, als Stempenjus zauber- - .HafteS Spiel zum erstenmal ihr Ohr berührte. - Als. sie während des „Schleier" - Mahls das Zim- ^nerverkassen hatte und draußen am Haustor den Mazepftiptaex Marktplatz, die Gewölbe, die Obstväkäuserinnenf. den großen Wagen mit den ungeschlachteten Ochsen, das ..Bäuerlein mrit dem breiten Hut bettachtete, überkamen sie .«echt traurige Gedanken, die halbverblaßte Jugenderinne- .HÜngen wachriefen. Immer weiter in die Vergangenheit/ '..in ^e.fröhliche Jugeru» spann sie den Faden der Erinnerung, ' .Us, -er jählings abgerissen wurde, — durch das Erscheinen; Wie aus dem Erdboden wuchs er plötzlich hervor, und auf ebenso rätselhafte Weise befanden sich beide, Ruchele und Stempenju, auf einmal mitten in einem eifrigen Gespräch. Er erzählte von „seiner" Stadt Mazepewka und von „ihrer" Stadt Chmelnizk, die er ebenfalls genau kannte mit all ihren „Brücken und Antiken". Er begann ihr die Chmelnizker Prachtexemplare auszuzählen und nachzumachen, wie Reb Kalmen spricht, wie >Reb Salmen geht, wie Reb Jossele eine Prise Tabak ninrmt und dabei die Oberlippe herunterhängen läßt. Ruchele lachte und zeigte dabä ihre weißen Zähne. Und Stempenju fuhr fort zu erzählen und »mchzumachen. Er sprach viel und gut. Er verstand's — dieser Tausendkünstler. „Ich versteh's nicht,", sagte plötzlich Stempenju ganz unvermittelt, „ich versteh's nicht, warum sieht man Euch niemals auf den», Spaziergang, nicht am Schabbes und nicht am Jontew?' Ihr seid schon hier ein Jahr, mehr als ein Jahr, und man sieht Euch nicht auf der Berditschewer Gass'! Und wohnen wohnt Ihr so weit, am End' der Stadt. — Ich 'Hab' gar nicht gewußt, daß Ihr wohnt hier in Mazepewka — erst gestern Hab ich's ersahren, wie ich Euch gesehen habe. — Ich Hab schon gestern gewollt mit Euch reden, konnte aber nicht. — Ihr kennt nicht unser jüdisches Städtchen! Man fängt an zu reden, bald nehmen alle die Mäuler voll. — Geht doch mal am Schabbesnachmittag auf die Berditschewer Gass'. — Die ganze Stadt ist ja dort." * Ruchele fand keine Zeit, ihin zu antworten, denn in, selben Augenblick erschien Dwosche Malke, die schon lange auf der Suche nach ihrer Schwiegertochter war. Im ersten Moment war Dwosche Malke ein wenig betroffen, als sie die beiden nebeneinander erblickte, aber Stempenju verstand es, die Sache zu vertuschen. »Wißt Ihr, Dwosche Malke, wir sprechen hier von der Hochzett, von der Hochzeit beim Reben von Chmelnizk. — Eure Schnur war noch damals ein Kind, als ich gespielt Hab auf der Hochzät beim Rebbe; sie erinnert sich nicht an diese Hochzät." „'s versteht sich," , antwortete Dwosche Malke, „wie kann sie sich daran erinnern? Aber ich erinnere mich gut; ich war damals mit meinem Mann; wir haben übernachtet auf'm Feld. In der Stadt war kein Zimmer zu bekommen." .War das 'ne Hochzett! Ich werd Euch Schöneres erzählen." Und Stempenju erging'sich in einer, breitest WchiÜWmng -üb« die Hochzeit beim fWbit »onMmelnizk, denn er wußte, mit einem solchen -Thema nimmt man ein Wäb wie Dwosche Malke sofort gefangen. Dwosche Malke horchte auch gespannt, und Ruchele benutzte indes die Gelegenheit, jn$ Zimmer zu flüchten.- „Ist bas 'ne .Frechheit! Mir zu befehlen, am Schabbes - Nachmittag aus die Berditschewer Gass' zu kommen. Anders paßt's ihm nicht. Ist das 'ne .Frechheit! Das kriegt wirklich nur ein Musikant fertig!" — » Sät dem „Schleier" - Mahl war dies der einzige Gedanke, der Ruchele unablässig beschäftigte. Einerseits schmerzte sie diese „Frechheit", anderseits aber hatte sie das Gefühl, als ob sie diesem „Musikanten" doch nicht recht zürnen könne. * Es war an änem Sabbatnachmittage. Die Schwiegereltern sowohl wie Mosche Mendel hielten ihre Sabbat- »achmittagsschläfche» — das Spezialvergnügen der Sstlichen Juden sät Jahrhunderten. — Ruchele saß am Fenster und blickte, ein Liedchen vor sich chinträllernd, auf die Gaffe. Junge, glattgekämmte Mädchen mit roten und blauen Bändchen in den Zöpfen, in roten, gelben oder grünen Kleidern, mit Handschuhen und gewichsten Stiefeln, gingen „auf'n Spazier" nach der Berditschewer Gass'. Dort werden sie sich in ihrem vollen Staat zeigen, dort, wo so viele Bachurim spazieren gehen. So manches Mädchen sängt auf diesen Spaziergängen manch feurigen Blick lauf, errötet, senkt den Blick zu. Boden, und — das Herzchen pocht. Ruchele wußte von alledem. Sie war ja auch ä»r- »ial än junges Mädchen gewesen mit . rotem und blauen Bändchen in den Zöpfchen; sie hatte ja auch einmal in Chmelnizk am Sabbatnachmittag mit andern Mädchen auf der „Gass" .herumspaziert. Ruchele blickte im Zimmer. umher. Alle schliefen. Alle! Nur sie allein saß da, eine Lebendige unter Toten. — Sie stützte den Kopf xiuf die Hände. Ein altes Liebchendas sie einst als Mädchen gestmgen hatte, kam ihr in den Sinn. Eine allän, Ellnd Wie a Stein, Ich hob zu keinem zu reden. Nur zn sich allän; Elend Wie a Stein,. Ich hob zu keinem zu . reden. . „Gut Schabb^l" Mb) , - I Tel erteil »odi hegl A Bei mV« Agei Elml s