Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 15 (23.4.1920)
- Date
- 1920-04-23
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 15 Neue Jüdische Wejse. FiKhhauB Fischh 3ii iaei> Teplitzky, Frankfurt am Main . 45 Hananerlandstrasse 45 Täglich frische Zufuhren von Fluss-».Seefischen Liefernngen frei Haus. Telefon: Römer 541. Trieft, 2. April. Vorgestern sind hier 4S W - ene r Kinder antzelangt. 15 Knaben und 28 Mädchen. Ingenieur Em.- Stock gewährte ihnen für 3 Monate Unterkunft in seiner am Meere befindlichen herrlichen Billa. 9Um Pott. Felix M. Warvurg und Frau stiftet n anläßlich ihrer silbernen Hochzeit 109 000 Dollar für die- Vereinigung zur Unterstützung der jiid. Philanthrop. Gesellschaften RewyorkS. Rew Aork. Israel Belkind hat sich nach Palästina begeben. Jaffa. Sarah Thon. Frau des Mitglieds c es Waad Hazirim und interimistischen Leiters des Palästina- Amtes Dr. Jakob Thon, Schöpferin der Spitzenschule», ist verschieden. Synagoge).: Beitrittserklärungen sind mit genauer Angabe der Adresse schriftlich an Arnold Wreschner, Im Trutz 13, zu richten. . ----- SftMtffKtfet Beranstaltnngen. Talmud-Thora-Berein, Hörsaal Börneplatz: Samstag, Schluß -Morgengottesdienst: Schulchan - Aruch (Dr. Friedmann), 33A: Raschi (Lipinsky), 4 Uhr: Ejn Jaakauw (S. Unna), Sonntag. Schluß Morgengottesdienst: Mischna (Dr. Friedmann), 9(4 vorm.: Schulchan-Aruch: (Lipinsky), abends*): Mnauraus Hamoaur (Ar. Braun), Montag*): Nwiim (S. Unna), Dienstag*): Mikro (S. Unna), Mittwoch, Schluß Movgengottesdienst: Mischna (Dch, Friedmann), abends*): Chauwans Ha'lewowaus (Dr. Braun), Donnerstag*): Mnauraus Hamoaur (Dr. Braun), 7(4 abends, Hermesweg 27: Gmoro (S. Unna). Fortbildungsunterricht für Knaben. Samstag, 3.(4: Schulchan-Aruch (Jos. Unna), Diens, tag, 6 Uhr: Mischna (S. Unna), Donnerstag, 6 Uhr: Gmoro (S. Unna). -, M"e kor Chajim, Samstag, 4(4: Mikro (Lehren Goldschmidt). Montefiore, Samstag, 5 Uhr: Zusammenkunft» Sonntag 7('» und 2 Uhr, Schauspielhaus: Taunus, 7"^, Hauptbahnhof: Taunus, Dienstag, 8 Uhr: Heimabend, Mittwoch, 8(4: D. jiid. Schrifttum über d. Problem Väter und Söhne (Speyer). Ararttfurter Berichte. verein selbstiudiger israelitischer Handwerker «ud - Gewerbetreibender. Am Samstag feierte der Präsident des.Vereins Julius W e i s h an p t, seinen 70. Geburtstag. Der Verein hat cs sich nicht nehmen lassen, zu Ehren desselben eine Festsitzung zu veranstalten. Die Mitglieder'hatten sich zum größten Teil mit ihren Damen eingefnnden. Josef Schwarz schild, 2. Vorsitzender, hielt eine Ansprache und überreichte Herrn Weishaupt das von seiten der Mitglieder gestiftete Geschenk. Josef Meier überreichte dem Gefeierten im Namen der Abteilung für Wohltätigkeit ein Blumenarrangement. Herr Wcishaupt dankte für alles ticfgerährt und versprach, noch länge seine Kräfte in den Dienst des Vereins zu stellen. Außerdem sprachen noch die Herren David und A r e tz Worte der Dankbarkeit. Sleine Notizen. Anläßlich des SemesteranfangS weist der Ä r i a S H a - tauroh-Verein darauf hin, daß er allen denen, die am Samstag den: Morgengottesdienst — sei es durch Schulbesuch oder durch Besuch der Universität — nicht beiwohnen können, Gelegenheit gibt, am Nachmittag das Lainen zu hören und daS Minchagebet zu verrichten. Der Gottesdienst findet jeden Samstag-Nachmittag pünktlich um 3 Ubr statt. Das Lokal befindet sich Börnestr. 22 (Mainz'scho AMT' ' " nnil Eremitage Stet« erstklassige Attraktion» »Programme. Pia »roten KQnstlTsplel« am Platze. Stempeuj«. Roman von Schalem Alechem. Aus dem Jüdischen bearbeitet von Samuel Weisels. Vornetzung.) Dieses fortwährende Aufpassen und Herumtanzen begann Röchele anzuekeln. Das Uebermaß an Zärtlichkeit war ihr unerträglich. Die überspannte Liebe ihrer Schwiegereltern vermochte sie nicht zu erwidern. Sie Mar ihren Schwiegereltern gegenüber etwas zurückhaltend, wenn 'auch nicht gleichgültig. - Das Verhältnis des jungen Ehepaares zu einander konnte man weder als gut noch als schlecht bezeichnen^ Das junge Ehepaar .hatte selten Gelegenheit, unter vier Augen zu sprechen. Am Tage durfte ein -junger Manu von dem Range eines Mosche Mendel sich nicht hinsetzen und mit seiner Frau plaudern. Was würden die Leute dazu sagen?. Und am Abend hatten sie jeden Augenblick Besuch. Bald kam Eisik Naftali Nachsehen, was die „Kinder'^ machen: bald brachte -Dwosche Malke icinen Krug oder ein Glas oder eine Schale. „Da nimm doch, Ruchele, koste mal dieses Eingemachte." „Aber Schwiegermutter, ich Hab ja schon hundertmal davon gekostet." „Geh', Kind, was Du sprichst! Bon diesem Eingemachten hast Du iwch nicht gekostet." Diese Szene wiederholte sich an jedem Tage, ja zehn» mal des Tages. Dwosche Malke hatte schon ihre stereotypen Ansprachen. „Ein Donner hat mich erschlagen! Ruchele, kuck' mal, wie Du aussiehst! Ein Wunder auch, wenn man so wenig ißt! — Die Leute von Chmelnizk werden mir fluchen: 'ne schöne Schwiegermama, gut gepslegt die Schnur, so ein Jahr möge sie-haben! — Was. soll ich tun? Es hilft ja min .Reden.—Rimm.doch wenigstens hiervon ein Stückchen." „Ich bitte Euch,' Schwiegermutter, laßt mich in Ruh', ich bin satt. Gebe Gott, Mein ganzes Leben lang soll ich mich so satt essen können.wie jetzt." „Nun, nimm doch, mir zulieb', Tochter! — Dies kleine Stückchen bloß, iß schon und kränk mich nicht!" Und Ruchele schluckt noch ein Stückchen sind noch eins. Sie kann dem Drängen der Schwiegermutter nicht widerstehen, aber dieses Uebermaß an Aufmerksamkeit widert sä an. Schließlich ist . der -Mensch keine Mastgans, auch Nicht gut. (Eine komische Geschichte von I. L- Perez: übertragen von I. D a r m st ä d t e r.) Wenn ihr wollt, will ich euch eine Geschichte erzählen. Zuerst aber mutz ich euch sagen, wer ich bin: ein Schneider. Eigentlich bin ich kein Schneider von.Geburt; meine Vorfahren waren keine Schneider. Nur ich vergaß Lernen in Talmud und Thora, verlor die paar Gulden, die meine Mitgift waren — und darum mußte ich mich zur Nadel bequemen. Warum gerade zur Nadel? Ich habe einen Nachbar, der sich von der Nadel ernährt hat. Wir wohnten in einer Stube, und im dritten Winket hat auch noch ein Schuster sei» Handwerk ausgeiibt. — Das ist aber eine schwere Arbeit und eine schmutzige, verpechte. — Mein Nachbar im ersten Winkel war Damenschneider; so wurde ich auch Damenschneider. Ich habe mich nie um die Arbeit gerissen; ich habe gewartet: vielleicht wird mir ein Wunder geschehen. — Ich oder meine Frau könnte» eine „koschere Mezije" finden; nur vorläufig, um nicht arbeitslos zu sein, habe ich mich an meines Nachbars Tisch gesetzt, geholfen, probiert, Knöpfe angenäht, zngerichtet, manchesmal Kleinigkeiten genäht, nach und nach habe ich mich hineingefunden. — Ein ganzes Kleid habe ich bis heute noch nicht fertig, gestellt; nur geflickt, gebügelt, Flecken herausgemacht und Maß genommen; — das kann ich. Damit war ich zufrieden und bin es heute noch. — Soll ein anderer zuschneiden; ich habe meine Beschäftigung. Ich kann mich auch nicht gerade beschweren, daß es ein schlechtes Geschäft ist. Denn wir sind guten Mutes, singen ein Liedchen, gehen meistens hinaus auf die Dörfer der Gutsbesitzer, besehen uns die Welt und lassen es uns *) (4 Stunde vor Nacht. kein Ochse, der mit seiner leibüchen Nahrung allein zufrieden ist. Ein Mensch braucht etwas Freiheit, einen freien Raum, in welchem er sich bewegen kann; er erträgt's einfach nicht, daß man neben ihm steht, wenn er sitzt, daß man neben ihm sitzt, wenn ec schläft — Ein Mensch soll essen, wenn's ihn hungert, aber nicht, wenn der andere es will. Es ist traurig, mit Leib und Leben fremden Händen ausgeliefert zn sein und keinen freien Willen zu haben. In - solch trauriger Lage befand sich Ruchele in der ersten Zeit nach ihrer Hochzeit. Sie hatte niemand, dem sie ihr Leid hätte klagen können. Ihren Eltern schrieb sie Briefe, die Freude, Glück und Znftiedenheit atmeten. Ihre Briefe fingen an, wie jüdisch geschriebene Briefe in der Regel anfangen — mit einem „Gelobt sei Gott!" und endigten mit „Glück und Freuden und fröhlichen Herzen, Amen". Tief im Herzen trug sie einen geheimen Groll gegen Mosche Mendel, der sich von ihr fernhielt, sie, das Weib, als etwas Untergeordnetes betrachtete und mit einer Art Herablassung behandelte. — Trotzalledem liebte Mosche Mendel seine Ruchele von Herzen;, er liebte sie aufrichtig, nur verstand er's nicht, seine Liebe auf irgend eine Weiso zum Ausdruck zu bringen. Vielfach hinderten ihn seine Eltern darmr. Wie Mosche Mendel mit seinem ganzen Herzen an seiner Ruchele hing, das zeigte sich an senem Tage, an dem Ruchele erkrankte und zu Bett lag. Eine Erkältung hatte Ruchele kurz nach ihrer Hochzeit aufs Bett geworfen. Mosche Mendel wich nicht von ihrer Seite. Er saß den ganzen Tag neben ihr; er war traurig, niedergeschlagen, und jedesmal entrang sich seiner Brust ein tiefer Seufzer. Am dritten Tage der Krankheit fühlte sich Ruchele wohler. Mosche Mendel wich noch immer nicht von ihrer Seite. Erst diesmal bot sich ihm die Gelegenheit, mit seiner lieben Ruchele zu plaudern. Beide verspürten auch ein mächtiges Verlangen danach, sich einmal frei und offen auszusprechen. Ruchele erhob ihre blauen Augen zu ihm und wartete auf das erlösende Wort. — Mosche Mendel ließ verschämt den Kopf hängen. — Erst als sie den Kopf zum Fenster hingewandt hatte, wagte er, sie anzusehen; kaum jedoch begegnete er ihren Blicken, so senkte er seinen Blick zu Bodens Dieses Augenspiel wiederholte sich einigemal. — Seit ihrer Verheiratung fanden sie jetzt zum erstenmal Getcgeuheit, ohne Zeuge» miteinander zu sprechen. Aber keiner v«1e 3 Condltorei und €af^ WilÜslm MsnÜst Neu renoviert and vergrößert- Feinste Torten und Desserts Kaffee, Tee, Schokolade in Tassen« gut gehen. — Nicht so trübselig wie der verpechte Schuster. Gut? Nein, gut geht es mir vorläufig nicht, wünsche es, so keinem Inden, das Weib wurdemir begraben, das sind- Sorgen. — Doch nicht das will ich euch erzählen. Was sonst? — Ich bin ein Wittmann und wohne ganz allein in einem kleinen Stübchen im äußersten Ende der Stadt; die Bäume wachsen bei mir nicht in den Himmel. Treffe ich 'nest guten Kollegen, lass' ich mir einen Schnaps aufwarten, borge mir ein Goldstückchen, lebe so weiter. — . Da ereignet sich folgende Geschichte: Wie man so sagt: ,Das ganze Jahr schicker und Purim nüchtern." Ich habe-, keinen Pfennig im Stübchen. Was soll ich tun? Mich bei einem guten Kollegen cinladen? Es wäre doch dumm, Purim mit einem trockenen Halse yerumlauseu zn mästen. Da.muß ein Wunder geschehen! Der Königin Esther zuliebe darf man nicht nüchtern bleiben. — Ich gehe ans meinem Zimmer heraus und denke nach^ zu welchem Schneider kann ich gehen?» Bei Aron Dwasches geht es fröhlich zu. Dort trinkt man Schnaps wie Wasser, E r trinkt, s i e trinkt. — auch die Tochter schnäpselt gern. Gerade wegen der Tochter habe ich keine Lust hiiqu» gehen! Eine Jungfrau von ungefähr 30 Jahren, vielleicht noch älter, und sie macht mir den Hof. Wenn sie mich sieht, drückt sie die Augen zu, schaut auf mich wie ein Schaf auf Salz, verdreht die Augen, das; die Augen ansseheu wie zwei Schüsseln Dickmilch. — - Nein, zu Aron Dwasches gehe ich nicht — ju den reichen Schneidern noch viel weniger! Sie sehen stolz auf mich herunter wie ein - Papagei in Federn auf ei» nacktes Männchen. Bei meinem Grübeln habe ich «inen falschen Weg eingeschlagen und bin, anstatt nach der Stadt zu gehen, entgegengesetzt gelaufen. Da komme ich in ein Wäldchen und gehe hinein. Warum? das weiß ich nicht! Ich gehe halt. Zufällig treffe ich einen Holzhacker und ftage ihn» ob es noch weit nach einer Wirtschaft ist. Ich deyke, außerhalb der Stadt wird man auch noch einen Schnaps bekommen können. — Oh weh! ich habe doch kein Geld! Kann man vielleicht in der Wirtschaft Arbeit bekommen und vorläufig aus Vorschuß trinken? — Der Holzhacker sagt, es ist nicht weit. Ich gehe weiter; da kreuzen .sich zwei Wege. — Einer führt rechts, der andere links. Ich gehe rechts, ich bin einmal Schneider, halte die Nadel in der rechten Hand, darum wähle ich rechts! Aber ichhabe mich Überzeugt, links wäre vernünftiger gewesen. Wenn JT Wäsche-Ausstattungen Spezialität: Herren-Obarheiadea nach Um* Defekte Wäsche wird sorgfältig repariert, - " Frankfurter Gross-Waissnäh&rei Langestraeae 18,. Hinterbau, :: Tel.: Römer 5308U von beiden wagte, das Gespräch anzuknüpsen. Sie wußten nicht recht, wie das gemacht wird. — Ruchele. als Frau, hatte das Recht zu verlangen, daß er als Mann das Wort ergreift. Allein Mosche Mendel, der „feingesittete junge Mann" wartete, vielleicht würde sie ein Gespräch an» knüpfen. So sprach keiner von den beiden. Sie schwiegen und trieben ihr verstecktes Augenspiel. .Was ist. Mosche Mendel?" .Was, was ist?" .Was kuckst Du?" - .Wer kuckt?" ,Du kuckst doch!" „Ich kuck?" ,Wer denn?" Und abermals wiederholte sich das bekannte Augenspiel. Ruchele blickte zum Fenster, und er betrachtete ihren schönen Kopf und seufzte. ' . .Was ist. Mosche Mendel?" .Was soll jein?" .Wer seufzt?" .Warum seufzst Du?" „Du seufzst doch?" .Ich seufz'?" .Wer denn?" Abermals tiefes Stillschweigen. Mosche Mendel rüctiU immer näher: er räusperte sich und schien nunmehr fest: entschlossen, etwas zu sagen. Da öffnete sich plötzlich die Tür, und Dwosche Malke stürzte herein: „Nun, was machst Du, Ruchele! Weißt Du, was ich Dir sagen will? Mir scheint, 's ist ne Magenerkältung. Hab Dir schon tausendmal gesagt, steh' nicht draußen ohne Shawl. Steh' nicht draußen ohne Shawl! Aber 'S hilft kein Reden!" „Ach, Schwiegermutter, 's ist nicht schlimm, 's toirir vorübergehen, 's ist bei mir nur so ein .Uebergang',? „Bei Dir ist alles ein Uebergang. A schöner Ueber- -gang! Geh, Kind, was Du red'st. — Wart', ich setzt mich zu Dir." Dwosche Malke rückte einen Stuhl neben das Bett und setzte sich. .Weißt Du was, Mame." sagte Mosche Mendel, „weißt Du was. geh' Du lieber inS Geschäft, ich werbt, schon hier sitzen." .- 15115