Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1920-04-16 · Heft 14 (16.4.1920) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
18 (1920)
Issue
Heft 14 (16.4.1920)
Date
1920-04-16
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2692297-2693178-2693192--11081-2706491
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Nr. 14. / 6tüe 2. A. ML Thyssen Stets Eingang WM" Benheiten in Tapeten “BHi Teppiche Läufer Vorlagen 20 Nene Hainzerstrasse 20 Ecke WsiBsfraaeaatraBse. Telefon: Hansa 1784. slowakischen Republik gewährleistete Freiheit des Bekenntnisses zur jüdischen Nationalität, und indem sie von dieser Freiheit Gebrauch macht, stellt sie sich auf den Boden ders jüdischen Nation. 2. Die Frauentagmig beschließt, daß die anwesenden. Delegierten in den einzelnen Vereinen in der nächsten G^leralversamnAung ües Nationalisierung dieser Vereine durchsetzen mögen. Snrze pslittsche Nachrichte«. 8keu, 10. April. Gegen die Judenverfolgungen in Ungarn findet hier morgen eine große Protestversammlung statt. Oberrabbiner Dr. Chajes, Gemein berat Dr. P l a s ch kes und Dr. Schallt wer» den reden. ... Budapest. Nach der B ertreibun g derjüdischen Studenten geht es jetzt an die Vertreibung der jüdischen wie der liberalen christlichen,Universitätsprose s s o r e». So hat der Rektor den jGeschichtsprofessor Dr. Heinrich; Marczali beurlaubt. ..da antisemitisch^ Störungen bei seinen Vorlesungen zu befürchten seien." Prof' Dr. Beruh. Alexander ist wegen der herrschenden Zustände um sqtzie Pensionierung eingekommen. Wer». Mit-dem 15. April tritt in der Schweiz wieder der verfassungsmäßige Zustand des Schächtverbots ein. B«is. Me radikale „Laterne" spöttelt über den Eifer, mit welchem die jüdischen Abgeordneten — besonders Lasar SB e i II er — die Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen Frankreich und d«m Vatikan betreiben.. „Die Juden," schließt der Artikel, „wollen Um jeden Preis die fl i« m-mm mit und ohne Zugabe von Stoffen innerhalb 8 Tagen Mn Yerarleltug. —Tadelloser Sitz. Frei mann, Langestrasse 22. Stempenju. Roman von Schale« Aleche«. Aus dem Jüdischen bearbeitet von Samuel MeiselS. Gar^chuug.) „Guten Morgen der Braut und dem Bräutigam und allen guten Freunden! Aufgespielt!" Mit diesen Worten.erösfnete Chajkel Badchen die Sitzung. Der Hochzeit zweiter Teil begann. Die Gäste wuschen sich die Hände und setzten sich an den Tisch. Die Musikanten griffen zu den.Instrumenten. . .Stmnpenju spielte diesmal funkelnagelneue „Stückchen". Die Gesellschaft geriet wieder in Ekstase und lauschte in feierlicher Stimmung. Aller Augen waren auf Stempenju gerichtet. Nur Ruchele hatte das Gesicht weggewendet. Und doch sah sie _,,ü)n", nur „ihn", sie fühlte, sie wußte, daß „eif‘ sie die ganze Zeit hindurch beobachtete . . . .Mas sagt Ihr zu ihm?" wendete sich plötzlich die Braut an Ruchele. .Men meint Ihr?" fragte Ruchele naiv. „Nu, Stempenju, a schöner Tausendkünstler, ja?" - Ruchele gab darauf keine Antwort. Sie fühlte das Blut in die Wangen steigen. Die Braut bemerkte, daß Ruchele rot wurde. .List Euch heiß, Ruchele?" „Ja. Hier ist schrecklich heiß, nicht zum Aushalten. Ich muß einen Augenbllck ins Freie!" antwortete Ruchele und entfernte sich. IX. Rucheles Biographie. - Draußen war es ebenfalls sehr schwül. Es war ein heißer Juuitag. Die Sonne stand im Zenit und sandte unbarmherzig. ihre sengenden Strahlen zur Erde nieder-. Auf die Holz- und Strohdächer der Mazepewkaer Häuschen ergossen sich ihre Lichtwellen, die in den mannigfaltigswtt: groben zitterten und schwebten. Ruchele befand sich gerade auf dem Marktplatz. Er ist breit und wüst. Die kleinen^Gewölbe stehen offen; vor ihnen sitzen Weiber auf Schemeln und stricken Strümpfe. Au der Seite stehen Fäßchen mit Erdbeeren, Tischchen mit Allerhand Backwaren. Eine Ziege kommt jedesmal wie ein Web herangeschlichen, als hätte sie die Absicht, ein kleines^ Unheil anzurichten. Sie wird jedesmal von den Mroktweibern davongejagt. Ein Riesenführwerk, von zwvii . Ochsen gezogen, wirbelt einen mächtigen Staub auf. Hinter . Neue Jüdische Presse. Christen in Syrien beschützen. Aber warum denken diese Herren nicht daran, ihren Schutz den Juden in Syrien «»gedeihen zu lassen." Es ist eben eine Folge der Assimilation, daß dabei das Taktgefühl verloren geht. > London. Reuter meldet aus Kairo, daß in Jerusalem neuerdings Konflikte zwischen Jüdqn und Mohammedanern stattgcsunden.haben. Jerusalem. Der Sekretär der Zionistischen Kommission fuhr nach Alexandria, um Dr. Weizmann, Dr. Ruppin und I. Rosoff zu empfangen und nach hier zu begleiten. Jerusalem. Ueber Jerusalem ist der B e l a g e r u n g szustand verhängt worden. Es herrscht nunmehr vollkommene Ruhe. Aus der Misrachi-Beweguvg. Frankfurt a. 9R. Unter Anwesenheit des Ehren» Präsidenten Jacob S. Posen und unter dem Vorsitz Dx. Ansbachers beschäftigte sich eine Versammlung der Ortsgruppe mit dem vom 25.-27. April in Berlin stattfindenden Delegiertentag. Dr. Rab in besprach auf Grund des Amsterdamer Kongresses die Situation im Misrachi und die Aufgaben des Delegiertentages. Nach einer längeren Debatte, die in der Schulfrage mib in der Universittztsfrage die Geister von einanderschied, und zeigte, daß auch der Misrachi gleich der zionistischen Bewegung Anhänger hat, denen jn Wirklichkeit die gewaltige Bedeutung des jüdischen Gesamtheitsgedankens noch nicht Air Erkenntnis' gekommen ist, wurden die Delegierten für die Berliner Tagung gewählt. London. Am 87. März fand mit mehreren hundert Personen eine Versammlung statt. Rev. Z. D i m s o n präsidierte. Der Vorsitzende gab einen Bericht über die Misrachi-Welt-Konferenz in Amsterdam. Die Resolutionen wurden einstimmig gutgeheißen. Rabbiner A. H. Schwarz, Rev. S. Bromberg und Rev. M. S. Rabinowitz sprachen, und die folgenden.Resolutionenwurden einstimmig angenommen: 1. Die allgemeine Versammlung der Mitglieder des- Ost-Londoner-Misrachi hat den Bericht der Misrachi-Weltk Konferenz in Amsterdam angehört und drückt den Führern des Misrachi ihr volles Zutrauen aus, gibt ihre volleZustimmung zu den Resolutionen der Misrachi-Welt- Konferenz und verspricht der Bewegung ihre volle moralische und materielle Unterstützung. 2. Die Versammlung überträgt an den Ost-Londoner' Misrachi das Recht, im Namen der Misrachisten Ost-Londons fürdieJahres-KonferenzdesenglischenMis^ rachi Delegierte zu entsenden. Diese Konferenz soll am' 18. -und 19. April in Liverpool stattfinden.' 3. Die Versammlung schlägt der Jahres-Konferenz iw Liverpool vor, die Gründung einer Hebräischen Mittelschule in London sofort in Angriff zu nehmen. Perjo»alie» n. flehte Mitteilungen^ Berlin. Die Hauptversammlung des Verbandes der Deutschen Juden.hat neuerdings auf den 16. Mai verlegt werden -müssen. Gleichzeitig mit den Einladungen versendet der Verband ein Exemplar.des von dem Fuhrwerk schreitet gemessenen Schrittes ein junges Bäuerlein mit einem breiten Hut und einem Sack auf dem Rücken. Das Bäuerlein geht barfuß, und ein großer Hund läuft ihm nach. Lange betrachtete Ruchele dieses alltägliche -Bild und verglich cs mit ihrem.blauen Seidenkleid, mit den Perlen, Ohrringen, Ringen — > sie fühlte, dqß sie keine passende Figur zu diesem Bilde äbgibt, daß sie in dieses Stück Natur nicht hineinpaßt, sie, die weder Marktweib noch Gräfin ist, weder dies noch jenes, sondern einfach em jüdisches Kind, eine jüdische Tochter, die bei Schwiegereltern .Kost" ißt, ckeine Hand in kaltes Wasser zu tauchen' braucht und einen Mann hat, der im Bethhamidrasch sitzt oder auf der Gasse herumspaziert und Anekdoten erzählt. Jemehr sie dieses Stück Natur bettachtete, um so größer war die Wandlung, die in ihrem inner» Herzen vorging. Es wurde ihr ganz eigentümlich zu Mute. Es war ihr, als ob sie erst heute zum erstenmal zu denken ansinge. Sie verspürte eine Leere, — es ward ihr mit einem Mal klar, daß ihr etwas fehle, daß sie an etwas einen Mangel leide. — Was dieses „etwas" ist; wußte sie nicht. Ruchele war ein einfaches Weib ohne List und ohne Spitzfindigkeit, sie war das, was man ,im Ghetto gemeinhein eine jüdische Tochter nennt. Unter vielen Kindern ausgewachsen, war sie bei ihren Eltern kein besonderes Kleinod gewesen. .Meist ich, ein Mädchen, soll sie wachsen mit Gesundheit!" pflegte der Vater zu sagen. Als Kind hatte sie mit ihren Brüderchen das Cheder besucht und später beim Mädchenlehrer Motel Spreis schreiben gelernt. Bei Motel Spreis erzählten ihr die Freundinnen allerhand Geschichten und Märchen. Die Freundinnen hatten Ruchele sehr licbgewonnen, besonders weil sic schön fingen konnte. „Sing, Ruchele, sing, fürchte, nicht, 's sind keine Jungens hier" ... In Gegenwart von Jungens oder Erwachsene^ hätte Ruchele um keinen Preis der Welt gesungen. „Sing doch, Ruchele, laß Dich nicht so "lange bitten!" — Und Ruchele hatte öfter ein Liedchen gesungen, ein jüdisches Liedchen: Auf» Barg steht a Taub Un tut sichtraurig brummen Ergez*) hob ich a lieben Fremd — Un kann zu ihm nit kummen. Ruchele pflegte dieses Liebesliedchen mit einer inner» Erregtheit zu singen, als verstände sie die Bedeutung des *) Ergez — irgendwo, f . 7 Conditorei undCaf£ Wilhelm Wendel Alte GaBse 6. Sen renoviert und vergrößert. Feinste Torten und Desserts Kaffee, Tee, Schokolade in Tassen* ihm zur Hauptversammlung herausgegebenen Buchs ,D i e Grundlagen der jüdischen Ethik". — Dr. Isidor Bleichrode wurde alsGemeinde-- r a b b i n e r an der Synagoge am Kottbuser User eingesührt. Berlin. Das Jüdische ArbeitLamt(Monbijouplatz 1) schreibt in einem Aufrufe bezügl. Unterbringungostjüdischer Arbeiter: „Wir haben vor einigen Monaten, begonnen, besondere Berufsberatungs- und Arbeitsvermittlungsstellen zu gründen, welche mit den deutschen Zentralarbeitsnachweisen in Verbindung stehen upd jüdische Arbeiter an diejenigen Stellen in Deutschland schicken, wo eine Nachfrage nach Arbeitern besteht. Es ist dem Jüdischen Arbeitsamt in der kurzen Zeit seines Bestehens schon gelungen, mehr als 1500 Arbeiter in Landwirtschaft, Handwerk, Industrie und Bergbau unterzubringen. All diese Menschen sind nicht mehr, wie es bisher leider meistens der Fall war, auf .Mohltaten" angewiesen, leben nicht, mehr in dem quälenden Zustand des Schmarotzers, sondern es ist ihnen mit geringen Mitteln ermöglicht worden, sich durch eigene Arbeit zu erhalten. Nur wenn das Jüdische Arbeitsamt in den Mittelpunkt der gesamten Ostjudenhilfe tritt, ist es möglich, eine Gesundung des jüdischen Lebens zu erreichen. Um aber wirklich großzügige Arbeit leisten zu können, brauchen wir bedeutende Geldmittel." Breslau. Rabbiner Dr. Voaeltteiu -Königsberg ist zum Nachfolger des verstorbenen Räbb. Prof. Dr. Guttmann gewählt worden. WUua. Zur Feier des LÜOjährigen Geburtstage? des Wilnaer Gaon s. A. werden umfassende Vorbereitungen gettoffen. — In Minsk fand eine große Trauerfeier zu Ehren des am Flecktyphus verstorbenen Abraham Caplan, Präsident ' der Zionistischen Organisation in Weißrußland, statt. Kraukfurrer Berichte. Jüdische Bibliothek uni Lesehalle. ®i£ von Rabb. Dr. Lazarus geleitete General-, Versammlung der Jüd. Bibliothek und Lesehalle beschäs- OIL ■TELEFON' erfüll!- ALLE Ansprüche. FRANKFURTER PRIVAT-TELEFON-'G'ESELLSCHAFTVbh PtGhnh:f.«,rr4 cndfffioris. .-FRANKFURT A.M. fernspr fion^a 6256/b7 Wortes „Liebe". Sie verstand sie nicht. Unter ihren Freundinnen jedoch gab's einige, die den Sinn des Liedchens begriffendiese pflegten, während Ruchele sang, zu seufzen und manche Träne zu vergießen. Besonders aufmerksam pflegte Chaje Ettel, ein bildhübsches Mädchen, eine elternlose Waise, diesem Liedchen zu lauschen. Chaje Ettel, die nach dem Tode ihrer. Eltern mitsamt ihrer Erbschaft in die Hände eines Onkels gekommen war, hatte den Leidenskelch der Liebe, wie s» manche jüdische Tochter im Ghetto, bis zur Neige ausgekostet. Lange fraß der Schmerz an ihrem Herzen, bis sie eines Tages zusammenbrach. Sie starb in der schönsten Blüte ihrer Jugend. Mit dieser Chaje Ettel war Ruchele eng befreundet gewesen. Sie hatte oft mit ihr am Sabbatnachmittaa. am Fenster gesessen und ihr verschiedene Liedchen vorgesungen. Ruchele sang, und Chaje Ettel lauschte.. Oj, du fuhrst awek, . Oj, du fuhrst awek, Un mich laßt du ieber ... „Ruchele, mein Herz," sagte Chaje Ettel, „ich bitte Dich, singe das noch einmal!" . „Noch einmal singen?" fragte Ruchele verwundert, „nu, wenn Du willst, fange ich nochmals an?' - Oj, du fuhrst awek,. Oj, du fuhrst awek, Un mich laßt du ieber'. Ruchele hielt inne. Chaje Ettel hatte das Gesicht iw beiden Händen vergraben und. schluchzte. „Chaje Ettel! Du weinst? Warum weinst Du? Sag?. mir, was ist Dir denn? So mir nichts dir nichts weinen!" „Oj, Ruchele," antwortete Chaje Ettel, „oj, Ruchele, das Liedchen, das Liedchen . . , ,Mas ist in den Liedchen? Muß Man dabei weine«!?" „Ruchele, frage nicht! Mein Herz ist'verbittert, in mir brennt ein Feuer, hier brennt's. Du siehst es bloß nicht." Chaje Ettel wies auf ihr Herz. Ruchele blickte sie verwundert und erschrocken an. „Du siehst mich so an, Ruchele! Du verstehst mich nicht. Du kannst es noch nicht begreifen, was mir ist.. Siehst Du, mein Herz ist verwundet; ich bin elend, verwaist; ich muß Dir alles erzählen —- alles!" Damals hatte Chaje Ettel ihrer jüngeren Freundin' Ruchele eine Geschichte erzählt, eine traurige Geschichte, obgleich eine ganz gewöhnliche, die öfter, vorkommt. Sie hatte ihr von ihren Leiden,im Hause des Onkels, von den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.