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Neue jüdische Presse · 1920-04-16 · Heft 14 (16.4.1920) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
18 (1920)
Issue
Heft 14 (16.4.1920)
Date
1920-04-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V#L 9 FrankfurterIsraelitisches Familienblatt jiiamiimiiiiiiimiiiiiiwiiiiiiiHHimniiimimiiiiiiiiiniiimuM; | GMeint wSchenikich am Freitag. SezugspreiS pro viertel. : /ahr: In Franksurt am Main bei der Neuen Iü-tschen preße, : : auswärts bei der Kost abonniert M.3.S0, stet ins Haus 15 ptz. j | mehr./ÄeiZusendung durch Streifband flrOeulWand Mk.20.c>o, : : flr alle übngen Länder MLZv.oo/ährlich,tm Voraus zahlbar. .»»»,»—mmm——iuii Rebaktton und Expedition: Fraykfurt a.M, Langestraße 7 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Saly Geis Insertionspreis für die sechSgetzalteneAoup.ZeileMiPfg, Dp die Reklamezeile Mk.3.—. Sei Wiederholungen entsprechender Rabatt. / Platz« und Oaium« Vorschrift ohne Verbindlichkeit. / 8bmömen>Annahme bei der «tzped.und in a.Annoncen.Bureaus. Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a.M> unter Rr.48S4. .... ........................... 18. JUHrgaug. Freitag, den 28. Nissan 5680 (16. April 1020) Rr. 14. Nicht Schutz des Eigentums, sondern der Menschlichkeit ist das Höchste. Bruch st ücke'aus Henry George,.Mos es. der Gesetzgeber".*) Jedes Jahr — in jedem Lande der Welt — sammeln zu einer bestimmten Feit Männer ihre Familie« um sich und essen — angetan wie zur Reise — ein schnell bereitetes festliches Mahl. — Bevor noch Rom gegründet war und bevor Homer sang, wurde dieses Fest; gejeiert, und das Ereignis, an das es erinnern soll, war schon damals Jahrhunderte alt' Dieses Ereignis ist das Eintreten eines in vielfacher Hinsicht merkwürdigen Volkes in die Weltgeschichte — eines' Volkes, das niemals ein großes Reich gegründet, niemals «ine Weltstadt gebaut? und doch auf einen großen Teil der Menschheit 'einen Einfluß, ausgeübt hat, weitreichend, machtvoll und dauernd; eines Volkes, das, 2000 Jahre föhne Land und ohne organisierte Nationalität, dennoch seine charakteristischen Eigenschaften und seinen Glauben bewahrt hat in Leid und Unglück. DaS Auftreten eines solchen Volkes ist eines der epochalen 'Ereignisse in der Weltgeschichte. 'Bier Jahrhunderte hindurch, also länger'als Amerika de^Europäern bekannt ist, stand dieses wachsende Volk, tzas^ sich'auS eineck/pättiarchalischörrHirteiifamili^ herleitete, unter der Herrschaft einer hochentwickeltenuralten Kultur. Es is? durchaus nichts Auffallendes daran, daß die alten jüdischen' Gtzirichtungen in so vielen Fälven den Einfluß ägyptischer Ideen und Gewohnheiten verraten: Im Gegenteil; die Unterschiede sind das Merkwürdige. Das sehen wir beim Exodus. Die frappanten Unterschiede zwischen ägyptischen und jüdischen Satzungen sind nicht äußerlich, sondern prinzipiell. Dlie Tendenz der einen/ ist: Unterordnung und Bedrückung, die der anderen: die Persönliche Freiheit. Eine merkwürdige Entstehung! Mus dem meist entwickelten und glänzendsten Despotismus wird die freieste Republik geboren. EinPor zwischen den Klauender Felsensphinx erhebt sich der Genius menschlicher Freiheit, und die Trompeten des Exodus erklingen von der stolzen Erklärung der Menschenrechte. ‘ . . . Es war ein Gemeinwesen, das das Individuum zur Basis hatte, ein Gemeichvesen, dessen Ideal es war, daß jedermann unter seinem eigenen Weinstock oder Feigenbaum sitzen sollte, ihn niemand stören oder erschrecken sollte. Ein Gemeinwesen, in dem keiner verurteilt sein, sollt? zur Arbeit ohne Unterlaß, wo selbst dem Sklaven einp Hysftinng blieb und selbst das Lasttier seinen Ruhetag hatte. EinGemerntvesen, aus dem bittere Armut verbannt war, Äb die; männliche» Tugenden, die sich aus persönlicher Unabhängigkeit entwickeln, einen starken Nationalcharäkterherausbilden sollten. Ein Gemeinwesen, wo jedes Mittglied umschlungen war von Familienbanden, die besser aß Stahl und Ersen die einzelnen Teile zu einem lebenden Ganzen vereinigten. - Nicht der Schutz des Eigentums, sondern der Schutz der Menschlichkeit, - — das ist der Endzweck des mosaischen Gesetzes. Seine Vorschriften wollen nicht den Starken helfen, Rerchtümer -zu erwerben, sie wollen die Schwachen dor Ausbeutung und Unterdrückung schützen: Ueberall stellen sie Schranken auf gegen Selbstsucht und Habsucht, die, wenn sie-ihren Lauf hätten, die Menschheit scheiden würden in Grundbesitzer und Sklaven, Kapitalisten, und Arbeiter, Millionäre und Landstreicher, Herrscher und Unterdrückte. Sein Sabbattag und Sabbatjahr, sichern selbst dem Niedrigsten Ruhe und Muße. Die Religion, ntSt der diese Lebensregeln so.eng verknüpft sind, trägt ähnliche Züge. Der Idee von den Brüderschaft der Menschen entspringt die von der Batarschaft Gottes. Wenn auch die Formen denen Aegyptens, ähneln, der Geist ist es, was Aegypten verloren hatte: ' *) Henry George (1839—97), hervorragender Sozialreformer Amerikas. Sein „Pogreß and poverty" und „Social Problems" stellten ihn an die Spitze der Bodenrrformbewegung. . George's .Moses, der Gesetzgeber" erscheint soeben im „Weltverlag". Es ist selbstverständlich, daß der traditionstreue Jude ein anderes Verhältnis zu der Bibel hat als der Christ George; sachlich kann er jedoch seinert Ausführungen, die gerade in der Gegenwart zu denken. Lebe», zustimmen. . - D. Redakt. Wenn auch eyte erbliche: Priesterschaft beibehalten wird, so wird doch das Gesetz — iuä das ganze Gesetz — verkündigt allem Volke. Und wenn wir — unter Form, Symbol und Gebot — den Gedanken suchen, von dchn jene nur der Ausdruck sind, so finden wir den Grundzug der jüdischen Lehre, ihren Hauptunterschied vün den Religionen, in deren Mitte sie sich bildete, in ihrein. Nützlichkeitsprinzip, in ihrer Anwendung des göttlichen Gesetzes auf das tägliche Lebe« Dias höchste Wesen Mosis ist nicht eine Gottheit der grauen Urjeit und' der fernen Zukunft, die weit außerhalb unseres Bereiches droben in den Wolken thront, — fein höchstes Wesen ist vielmehr Unser Gott, .unser, die wir heute leben, ebensowohl als der Gott unserer Urväter, und seine ewigen! Gebote bringen Glück denen, die jfe befolgen und Unglück denen, die sie vergessen, — in diesem Lebenc Unter den täglichen Beispielen, wie; eine vorddm große Religion bis zur Versteinerung erstarrt war, inmitten einer! Gesellschaftsordnung, in der die göttliche Gerechtigkeit zu. schlafen schien, ging Moses das Prinzip auf, das in dem Worte liegt: „Ich bin." Und während er in schwebender Wüste nachdachte über Las ewige Leben in deck Natur, Mer die G.renze des Lebens) — den Tod, und über den Tod als.Quelle immer, neuen, Lebens, da war es dieses „Ich bin", das wie eine erlösende Botschaft an sein inneres. Ohr drang. Er lehrt) daß die Handlungen der MerMen ihren Lohn finden in dieser Welt, und dqß eine RemesÄ existiert,, die miü nimmerimüdem Fuß und mit erbarmungsloser Hand jedes nationale Verbrechen verfolgt und die Sünden der Väter heimsucht an den Kindern, — wenn es auch dem einzelnen in seiner beschränkten Eicksicht: oft scheinen mag, daß das Unrqcht belohnt wird und die Bösen straflos ausgehen. Er lehrt den engen Zusammenhang zwischenj dem Individuum und der Gemeinschaft, von der es einen Teil -bildet; er zeigt, wie in einem gewissen Grade alle leiden unter der Sünde des einzelnen, und das Leben eines jeden beherrscht ist von Bedingungen, welche die Gesamtheit ihm auferlegt. Es ist, gerade die Bevorzugung dieser Wahrheiten, die den Gesetzen Mosis einen so eminent praktischen Charakterverleiht. Er läßt die abstrakten Spekulationen beiseite, in denen der Gedanke sich so leicht' verliert oder seinem Ausdruck nur findet in Symbolen, die wieder zu einer Grundlage des Aberglaubens werden; er beschränkt sich, vielmehr auf die Gesetze, von denen der Menschen Glück und Elend auf dieser Welt abhängt. Seine Lehren haben nie zu jener ihrem Wesen nach selbstsüchtigen Askese'geführt, die ein so hervortretender Zug der brahmanischen und buddhistischen Religionen ist, und von der auch Christentum und Islam nicht freitzeblieben sind. Seine Lehre gipfelte nicht in den) Satze: „Ueberlasse die Welt sich selbst, damit deine Seele gerettet werde", sondern in de» Worten: „Tue Deine Pflicht in der Welt, damit Du. selbst glücklicher seiest und die Welt besser." Aus dem freiheitlichen Charakter der mosaischen Lehre entsprang jenes enge Familienleben, das durch alle Zerstreuungen und Verfolgungen hindurch die Individualität, der jüdischen Rasse bewahrte, jene Freiheitsliebe, die unter den verzweifelten Umständen den Juden charakterisiert, jene heiße Vaterlandsliebe, die da aufslammt in den Makkabäern und die die jüdischen Bauern sich stürzen ließ auf die Lanzenreihen der griechischen Phalanx und der römischen Legionen, jene hartnäckige Ausdauer, die in Berbanmmg und Folter den Juden festhalten ließ an seinen» Glauben. Die Lehre Mosis entflammte die großen jüdischem Seher und Dichter, die für uns in Worte faßten das Höchste und Schönste, was Menschengeist je erdacht: deä Lehre Mosis entsprang jene Geistesstärke, die immer und immer wieder den dürren Stab knospen und blühen machte. Dias Leben Mosis, ebenso wie seine Gesetze sind ein Protest gegen jene lästerliche Lehre, die heute so wie vor 3000 Jahren im Umlaufe ist, jene Lehre, die oft auch von christlichen Kanzeln verkündet wird, daß das Elend lind die Lewen der Manschen ihren Ursprung haben i« einer geheimnisvollen Untätigkeit der Vorsehung, die wir wohl beklagen, nicht aber ändern können, und gegen di? wir uns nicht mrslehnen sollen. Wer dieser Ansicht ist, wer da glaubt, daß der Jaminstr und die Brutalität, von der gerade die Zentren unserer Zivilisation überfließen, ihm nichts angehen, der nehme sich hier ein BaistW?. Für den) der da sehen will, brennt heute noch der Dornbusch, und dem», der da hören wiy) tönt wiederum die Stimme: »Das Voll leidet; wer Wirt» es heraufführen?" Das arabische Problem. Die „Neue Zürcher Ztg." bringt aus Jassir einen Artikel über das arabische Problem. Der Schreiber hält die arabischen Autonomiebestrebungen für ein Ding der wirtschaftlichen und politische« Unmöglichkeit. .Die arabischbut Provinzen befinden sich heute, mit der einzigen Ausnahme Aegyptens, in einem derartig mittelalterlichen Zustands, ihre Bevölkerung ist in einem solchen Maße noch erziehungsbedürftig, ihre wirtschaftlichen Kraft- und Reichtums-: quellen sind so vernachlässigt daß eine gute westeuropäische Verwaltung noch lange angestrengte Arbeit würde leistem müssen, um die diesseits des Suezkanals gelegenen Pr»- vinzen wenigstens bis zur Höhe Aegyptens «mporzuheben.'t Doch die arabische Bewegung hat den Charakter eines Aufruhrs gegen jede ausländische Behörde -angenommen,' Rur in Wejchalästina, wo die britischen Truppen stehen^ vor denen die Orientalen Respekt haben, ist Ruhe. In de» anderen Gebieten ist die Lage ernst. Der Artikel schließt: .Der Orient wartet voller Spannung auf das erlösende Wort aus dem Abendlands AllH stünde besser, wenn die Frage des Mandates über Palästimq und Syrien zur richtigen Zeit erledigt worden wäre. Den« nichts wirkt auf die Orientalen demoralisierender als! lange diplomatische Verhandlungen europäischer Mächte üb« orientalische Fragen, die nur deshalb nicht gelöst werden weil sich die Europäer nicht einigen können" Herbert Samuel über Palästina. Herbert Samuel, der sich im Aufträge der englischen» Regierung längere Zeit hier aushielt, ist wieder nach England abgereist. Er gab folgendes Urteil über Palästina ad: .Die finanzielle Lage ist befriedigend. Die wirtschaftliche Lage Palästinas hängt ab von der» Lösung des politischen Status des Landes unter der' Mitwirkung aller Kreise der Bevölkerung. Die Möglichkeiten füL die wirtschaftliche Entwicklung sind groß; bisher sind weit» Streben des Landes noch unkultiviert und unbevölkert. Die Gegnerschaft gegen den Zionismus ist nicht tiest und beruht auf falschen Ideen. Es ist reichlich Platzfür eine größere Bevölkerung, und Einwanderer von industriellem und - fortschrittlichem Typ werden Unterkommb«. in den jüdischen Kolonien finden, die das Land bereichert! haben. Der Zionismus muß anerkenne», daß die Moham-, medaner und die Christen einT dauernder Bestandteil Palästinas sind." Vom jüdische« Natioualfouds. Die Sammelstelle des INF in London trijft Vorbereitungen für einen großen NF-Bazar, der 8. Tage lang in der Old King-Hall dauern wird. Die jüdische« Lausleute Londons wurden aufgefordert, durch Schenkung;. von Waren, Wert- und Berkaufsgegenständen aller Art dies« Aktion zu unterstützen. Die Nationalfonds-Woche in Deutschland ist für Ende April festgesetzt. Nachdem sich bereits eine größere Anzahl jüdischer Gemeinden in Bulgarien zu einer Selbstbesteuerung für den INF verpflichtet hatte, ist nunmehr auch in Mähre« und Schlesien und in der Bukowina die Aussicht vorhanden daß hier eine regelmäßige Besteuerung der Ge.-- meinden durchgeführt wird. Der Borsitzende des Be», bandes der mährischen Kultusgemeinden hat in einem Rundschreiben sämtliche Gemeinden aufgefordert, einen prozentua». len Zuschlag zu den Kultus-Steuern für den INF in büp Steuervörschreibung aufzunehmen. Tschecho-Slovakische Republik, w Jüdische Frauentag»»« J * Die in Prag stattgehabte jüdische Frauentagung faßt« u. a. folgende Entschließungen: . 1, Die erste Jüdische Frayenkonferenz im tschechoslowakischen Staate. begrüßt die in der Verfassung der tschechd-

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