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Neue jüdische Presse · 1920-03-31 · Heft 13 (31.3.1920) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
18 (1920)
Issue
Heft 13 (31.3.1920)
Date
1920-03-31
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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entehr';: ' A.lfl.Thyssen Stets Eingang Wm- Henheiten in Tapete« 31 Teppiche Läufer Vorlagen 20 Xeue Mainzerstrasse 20 XSdcb 'Woissfranenstrasse. Telefon: Hansa 1784. Elementen die Rede, und allgemein ist man der Ansicht, daß gerade die polnischen Juden diejenigen sind, die uns in unserer jetzigen Not am meisten schröpfen. Dieser Ansicht möchte ich einmal mit dem Hinweis daraüf entgegentreten, daß unter den polnischen Juden eine ganze Menge Leute sich befinden, die nach Deutschland kommen, um hier Arbeit zu verrichten. Daß natürlich unter einer großen Menschenmasse, die durch die Verhältnisse proktarisiert worden ist, sich auch lichtscheues Gesindel befindet, soll natürllch nicht bestritten werden. - Viel gefährlicher als die polnischen Juden sind nach meinem DasürhaÜen die neutralen Freunde aus Holland, Schweden und anderen Ländern sowie die Herrschäften aus den feindlichen Ländern, die uns jetzt mit ihrer Anwesenheit beehren. / Diese Leute sind mit ihrem hochwertigen Gelbe, mit dem sie uns aufkausen, eine viel größere Gefahr aE die polnischen Juden, und wenn man daraufhinweist, daß der polnische Jude auch nur handeln und nicht arbeiten will (was nebeiwei bemerkt noch nicht einmal stimmt), so soll man doch die Leute unter den ^hüsllichen Ausländern zeigen, die hierhergekommen sind, wn zu arbeiten. Die Polizei'hat neue Razzien unter den Schiebern angeküudigt. Hoffentlich wird sie dann an den Schieberlokalen im vornehmen Westen, in denen in der Hauptsache westllche Ausländer verkehren, nicht . vorübergehen. Ich selbst habe während des Krieges mehrere Monate als christlicher deutscher Soldat im Ghetto einer russischpolnischen Stadt gewohnt und Muß sagen, daß .der polnische. Jude besser.ist als sein Ruf. Der russische Pole ist kein sehr aibeitsfreudiger Mensch,' und namentlich in den Städten überläßt er das Arbeiten gern den Juden. Der Beruf des Gepäckträgers auf dem Bahnhof, des Droschkenkutschers, des Straßenkehrers und viele andere werden von den Juden in den polnischen Städten fast durchweg ausgeübt. Die Kameraden, die ebenso wie ich während des Krieges mit den Juden zu tun bekamen, werden mir bestätigen können, daß sie <uns Deutschen zum größten Teil sehr gastfreundlich gewesen sind. Uttstra* ..Konfirmation" getaufter Juden tu Budapest. . Kardinal-Fürstprimas Johann Csernoch hat kürzlich in der Universitätskirche wieder ungefähr hundertfünfzig getaufte Juden konfirmiert. Am Schlüsse der Messe hielt der'Kirchenfürst eine Rede und nahm sodann die Kommunion vor. Der - Dominikanerpater Ladislaus Vörös sagte über die Getauften folgendes: Im September vorigen .Jahres erhielten alle neugetausten Erwachsenen die Einladung, an dem jür sie veranstalteten Unterrichtskurs teilzunehmen. Es haben sich sehr viele gemeldet, jedoch nur 180 bis zum Schluß ausgehallen. Die MännerK)abe ich im Zentrcrl-Priesterseminar sünf Monate hindurch unterrichtet, wählend die Frauen im Sion-Institut dem Unterricht an- . wohnten. Der Prozeß der Bekehrung hält noch an. Die Absolventen des Lehrkurses erhalten vom Fürstprimas ein amtliches Attest, laut welchem sie vor Gott und den Menschen würdig sind, den geborenen Katholiken gleich behandelt zu werden. -- Diesen geistigen Pogrom haben die „aus-" erlesenen Hundertfünfzig" zum Teil doch nur aus banger Furcht vor den Pogromen der Horthy-Banden an sich selbst verübt. „Jüd. Ztg." Tschecho-Slovakische Republik. Präsident Masaryk über nationales Judentum. Beim Empfang des Stadtrates der Stadt Göding wandte sich Präsident Masaryk betreffs der jüdischen Verhältnisse an den jüdischnationalen Stadtrat Ingenieur Sternitz Bei dieser Gelegenheit sagte Masaryk, die jüdischnationale Idee sei ihm sehr sympathisch, uud er erhoffe von ihr eine Gesundung des Judentums nach innen wie nach außen. Er begrüße die Anerkennung der jüdischen Nationalität in der tschecho-slovakischen Verfassung. Rutzlaub. Die Katastrophe der rassischen Judenheit. Mehr als vierhundert Pogrome mit mindestens hunderttausend getöteten Jude» im Verlaus eines Jahres. Hunderte jüdische Dörfer und Städtchen in der Ukraine vernichtet und ihre Bewohner als Bettler in die Städte geflüchtet. ' ' Sodann die Eingriffe der kommunistischen Regierungsherrschaft nicht nur.grade in die selbstständigen Handwerker- und Händlerberufe, denen der größte Teil der Juden zuzuzählen ist. sondern auch dankeiniger kommunistischer Führer jüdischer Geburt in den Bestand des jüdischen Gemeindelebens. ... " ■ : . ' _ Be« - Und infolge dieser furchtbaren Zustande eine erschrekkende Sterblichkeitsvermehrung, und eme Verminderung der »sittlich-ethischen Erziehung des Judentums. PalSstwa. * WetterschSSeu in „Petach-Tikwah". Wie aus Petach-Tikwah der „Jüd. Preßzentrale Zürich" berichtet wird, haben die Orangen-Plantagen von Petach- Tikwah unter den diesjährigen starken Regengüssen schwer gelitten. Viele Orangenbäume sind mit der Wurzel ausgerissen worden, andere stark beschädigt worden. Auch viele Baulichkeiten sind zerstört. Große Quantitäten Orangen, sogar solche, die bereits in Kisten verpackt waren, sind durch den.starken Regen verdorben worden. Es hieß, daß gerade in diesem Jahre für den palästinensischen Orangen-Export ein guter Absatz in Aussicht stehe, nun aber hat die Regenkatastrophe großen Schaden verursacht. Auch ist die Aussaat auf den Feldern weggeschwemmt worden und verloren gegangen. Srrrze politische Rachrichte«. <J. P. Z) Stratzbnrg. Bei emer Versammlung' der im Generalstreik befindlichen Arbeiterschaft erließ die sozialistisch«: Streikleitung die Ausforderung zu Ausschreitungen gegen die Juden. ' rtüruy. nier Zur cher Konto nLrat hat dem Antrag Höhn, der sich gegen die Befteiung der jüd. Schüler am Sabbat vom Schreiben aussprichl, mit 120' gegen 88 Stimmen zugestimmt. Die meisten Freisinnigen und Demokraten stimmten dem Antrag Höhn zu, dagegen waren der größte Teil der Sozialisten, die Christlichsozialen und 4 Freisinnige. 1 In Aargau wurde Fürsprach Dr. Arnold Boll a g - Baden einstimmig zwn Präji,deuten des Kantonsrates gewählt. Prag. Ju Mähr.-We ißkir chen wählte beiden Gemeindewahlen fast die ganze Judenschaft die jüdischnational >e Liste, sodaß zwei Nationaljuden gewählt wurden,.und auch in Leipnik erhielten die Jüdischnätionalen'zwei Mandate in der Gemeindevertretung. Parts. Das Komitee der Jüdischen Delegationen beschloß, daß die baldige Verwirklichung des „W & a b Haarazot h" (Ständiger Länderrat) erstrebt werden soll. Der Einberufung einer „H i l f s k o n s c r e n z" verhalten sich nur Alliance Jsraelite Universelle, Jca und American Jewish Relief Committee ablehnend gegenüber. London, Im Parlament erklärte tin Regierungsvertreter, daß nach dem Friedensvertrag das arabische Reich . Palästtna nicht umfasse. Krakau. In der letzten Zeit mehren sich wieder die Fälle militärischer Uebergriffe gegen die Juden. So meldeten sich beim Rettungslomitee in Lemberg mehrere Juden, die llm Bahnhof von Soldaten ver- ' letzt' wurden unv berichteten, daß die Soldaten andere:« jüdischen Reisenden die Bärte abschnitten. In B r o d y schlosse» infolge Ausschreitungen von Soldaten die Juden die Geschäfte. Jaffa« Die britische OkkuvationSbehörden in Mesopotamien .haben eine Volks zählung dürchgeführt, die zum erstenmale ein zuverlässiges Bild, über die Zusammensetzung der Bevölkerung dieses Gebietes bietet. Die 3 bisher, türkischen Wilajets Bagdad, Basra und Mosul zählen zusammien 2 849 282 Einwohner, worunter 87 488 Juden und 78 792 Christen sind. In Bagdad allein wohnen 50 000 Juden. Perso»alie» «. kleine MttteUnngen. Berlin. Im Februar traten hier 52 Personen aus dem Judentum aus, u. a.: Dipl.-Jug. Franz Eisner,. Arzt Dr. L. Pincussohn, Fabrikant Karl Ledach, Zahnarzt Paul Taendler, Arzt Dr. W. Weißbuch, Rechtsanw. Dr. H. Lutz,' Schriftsteller Arthur Fürst, Fabrikant Julius Birau, Zahnarzt Kurt Moses, Apotheker Lothar Cohn und Schauspieler Siegfr. Kraft. Berlin. Die Polizei hat etwa 300 Ausländer aus dem Osten, die sich ohne ausreichende Papiere in Berlin aufhalten, nach dem neuen Konzentrationslager Zossen abgeschobc^. Stettin. Im lvu. Lebensjahre verschied hirr Henriette Lisser, langjähriges Vorstandsmitglied des Jsr. Frauenoereins. Von einer Tochter erlebte sie die goldene Hochzeit. Hamburg. Bei den Wahlen in der jüdischen Gemeinde wurden gewählt: 8 Liberale, 7 Orthodoxe,- 4 Zionisten und 2 Handwerker. Bisher war die Majorität liberal gewesen. wnrzvnrg. Dr, Adolf Hannover-Köm ist hier zum Distriktsrabbiner gewählt worden. Bocholt. Der tm 9X. Levensjahrc verjwiedene Lehrer a. D. Isaak Sp i c.r war .vor mehr als 60 Jahre:: Mitbegründer des Vereins isr. Lehrer der Rheinprovinz und Westsalens. London. Die „Hill Street Liberale Synagoge" faßte den Beschluß, auch F'rauen alsPredigcr zuzulassen. New Port. „The Hebrew Sheltering and Immigrant Aid Society of America" hat das wundervolle Gebäude der bisherigen Astor Bibliothek, 437 Lafayette Street nächst der 8. Straße, für seine Zwecke erworben. Nebst sämtlichen Büroränmen der Organisation wird das Gebäude sür die Einwanderer. Eßräume, Lesesaal, Synagoge usw. enthalten. Rabbiner Dr. Bernard Drachmann verlieh an Felix M. Marburg die Chowerwürde in Anerkennung seiner hervorragenden Hilsstätigkeit für die euro- ' pai scheu Juden während des Krieges. — InNewärk verschied im 80. Lebensjahr der ehemalige dortige Rabbiner Joseph Leucht, geboren in Darmstadt (Hessen). Als 1890 die Baptistenkirche in Newark ohne Heiin 9tt 13. war, bot er seine Synagoge an, und während eines JahriSbeteten —^ was Wohl nur in Amerika möglich ' fit — Juden und Christen im gleichen Raume. ( lJ P. Z.) Rep» Kork. Aus dem Purimabend des Penez-Journalistestvereins wurde eine Sammlung für Ar -. thur Schnitzler veranstaltet, der nach eingelaufeneir Nachrichten sich in großer Not besinden soll. Zur Aufbringung größerer Mittel bildete sich ein besonderes Komitee. In den letzten Monaten hat der Perezverein je 500 Dollars an die jüd. Schriststeller in Wied, Warschau und Wilnq überwiesen. Frankfurter Berichte. Meine Knttsen. Die Erneuerung des Eruwei-Chazeraus findet in der Synagoge Börneplatz am ersten Abend Pessach zwischen Minchoh und Maariw statt. Am 2. Tag Pessach nachmittags 4V- Uhr hält Rabbiner Dr. Nobel in der Synagoge am'.Börneplatz einest halachischest Vortrag über das aktive und passi ve Wahlrecht der Frauen vom Standpunkt des Religionsgesetzes. Personalien. Die Gemeinde-Orthodoxie, die bewußte Klatt-Orthodoxi«k hat einen schweren Verlust erlitten: Bankier Leo Mai.nz - ist verschieden und damit einer jener wenigen Baale-Battim unserer Mitte entrissen worden, in denen sich talmudischeS Wissen, Liebe zur Thora und Sinn für allgemeines Wirken harmonisch vereinen. Ein Schüler Rabbiners Dr. Auerbach s. Ä.-Halberstadt, hat Leo Mainz als würdiger Schüler seines Lehrers und würdiger Sohn seines Vaters, Lazarus Mainz s. A., in seinen gesunden und in seinen kranken Tagen sein Höchstes darin gesehen, jede freie Stunde dem Lernen zu widmen: Auch als Vorstandsmitglied der wissenschaftlichen Vereinigung „Mekizei Nirdamim" betätigte er sein Interesse für die Verbreitung der Thora-Erkenntnis Als Mitglied der Ritualkommission der Jsr. Gemeinde und als Vorstandsmitglied des Jsr. Waisenhauses in Diez wirkte er sür den Klall. Besonders hervorgehoben zu werdet! verdient, wie ihm das Wohl jades einzelnen Kindes des Diezer Waisenhauses am Herzen lag. Gedacht sei auch der verständnisvollen Mitarbeiterin seines Lebens, seiner Gattin, die in den jüdischen sozialen Organisationen Frankfurts eine der eifrigsten Damen ist. ‘ Mödchenklnb. Im überfüllten Saal des Heims in der Langestraße feierte der Mädchenklub sein 18. Stiftungsfest. .Nachdem Frau P s e i f e r in warmen Worten der Heimgegangener» Leiterin Frl. Neumüller gedacht hatte, gelangte durch Frl. Kluger ein anmutiger, von Frau Irene Darmstädter verfaßter Prolog zu wirkungsvollein Vortrag. Im Mittelpunkt der Feier stand die wohlgelungene Erstaüfsührung des Dreiakters „Schwarze Spitzen" aus der Feder von Frl. B. Pappenheini. Die bewährte Vorkämpferin der jüdische» Frauenrechte hat damit bewiesen, daß sie über der Prosa der sozialen Fürsorge auch für die Poesie H?s jüdischen Lebens ein gutes Auge hat und aus einem hübschen Motiv ein spannendes Schauspiel zu bilden versteht. Unter den zahlreichen Mitwirkenden, die leider nicht alle aufgezählt werden können, ragte neben den Damen Seckbach und Berlowitz in der Hauptrolle eme junge Künste lerin, Frl. Selma Pappenheimer, hervor, deren lebendiges und ergreifendes Spiel eine starke Talentprobe bedeutete. Die Darsteller wurden durch stürmischen i^ifäll belohnt, und die Premiere wurde zu einem vollen Erfolg. Frankfurter verauftallungen. C hau l H am.au e d' T a l in u d - T l> o ra - V e re i n (Hörsaal Börneplatz- Synagoge, Montag, v. 9—10: Ginoro (Unna, Hermesw. 27),. anschließend Maariw bismanau: Nwiim (Unna). Dienstag anschließend Maariw bismanau: Chauwaus Ha'lewowaus (Dr. Brauni Wochentags V» Stunde vor Nacht: Mnauraus Hamoaur, (Dr. Braun). N a ch P e s a ch. . Sonntag Schluß Morgengottesdienst: Misch'na (Dr. Friedniann), Sonntag 8>4 Uhr vorm.t'Mikro (Unna), 9(4 Uhr vorm.: Schulchan -Aruch (Lipinsky), Montag anschließend Maariw bismanau Nwiim (Unna), Dienstag anschließend Maauw bismanau Chauwaus Ha'lewowaus (Dr. Braun), Mittwoch Schluß Morgengottesdienst: Mischnä (Dr.. Fricdmann), Donnerstag (4 Stunde nach Maariw bismanau: Gmoro (Unna) (Herincsweg 27!, Wochentags (4 Stunde vor: Nacht: Mnauraus Hamoaur (Dr. 'Brauns ' Jü d Bibliothek u. Leseha-lle, Dienstag, 6/ April, Frankfurt-Loge, 6 Uhr: Generalversammlung. —' M e k o r C h a j i m , Langestr. 18, Samstag, 3. April, 4(4 r Hagadah (Schachnowitz), Samstag ,10. April, 4(4: Heber: den Charakter des Tages (Rachelsohn). Die neuesten Jackenkleider Mäntel und Hüte sind eingetroffer. * Gebr. Robinsohii Zeil 127. / •/

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