Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 13 (31.3.1920)
- Date
- 1920-03-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Frankfurter Israelitisches Fammenblatt iiiimmimniiimunnimuiimiimimiiiiiimiiimiiiimminmw; [ SrKeiÄ wSchenKch am Freitag. Bezugspreis pro Dkertel- : : jahr: In Frankfurt am Main bei der Heuen Iüdischen prefft, :; auswärts bei der Post abonniert Mk, 2.50, frei ins Haus 15 pfe. ] j mehr./ÄeiZusendung durchStreifbandfürDeutfihland Mk. 14.00,; : für alle übrigen LänderMk.20.00sährlich,tm Voraus zahlbar.; .un-UHMH.IUUl.lUHMi.llli; Redaktion und Expedition: Frankfurt a. M.,Langeffraße 7 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Sach Geis .iinimiiiiiii»iimi»ni«mniiHHomii»«umu»inim»iiimiiHH«i I Insertionspreis für die sechsgetzralteneRonp.Zeile80 Psg., sär : die Reklamezeile Mk.22L Bei Wiedecholungen entfprech«rder j | Rabatt. / plah» und Oatum-Borfchrifi ohne Verbindlichkeit. s j | Annomen-Annahme bei der (Hgred.und in a.Annoncen>Bureaus.; : Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a.M. unter Rr.4864. : ...mm 18. Jahrgang. Mittwoch, den 12. Mssun 5680 (31. Marz 1020) Rr. 13. An unsere Leser! Deutschlands Tragödie ist für fein gesamtes Wirtschaftsleben katastrophal geworden. Wenn aber die meisten Berufszweige sich trotzdem der neuen Lage so ziemlich anzupassen /vermögen, das Zeitungswesen macht eine Ausnahme, da es «n ideelles Instrument ist. Die Erhöhung der Betriebskosten einer 'Zeitung gegenüber der Friedenszeit beträgt bereits 1100 Prozent, und zum größten Teil hat diese Erhöhung in wachsender Schnelligkeit seit Jahresfrist eingesetzt. Erst die vergangene Woche brachte unserer Zeitung wieder eine Erhöhung der Betriebsspesen von 175 o/o. Wie Tausenden von Zeitungen ist es auch der unsrigen unmöglich, solche Abonnements- und Inseratenpreise festzusetzen, wie sie erforderlich wären, um jetzt noch zu balanzieren. Wir haben seit Anbeginn, seit nunmehr bald 20 Jahren, erstrebt, das Verständnis für das Wesen des traditionellen Judentums und die Probleme der Judenheit zu .verbreiten, und überall, wo man nicht die seichte, dem Leser liebesdienerische Oberflächlichkeit will, sondern densittlichen Ernst eines zielbewuhten Programms zu schätzen weiß, ist unsere 'Zeitung seit Jahren ein unentbehrlicher Freund geworden. ■ ' Heute ist jedoch der Zeitpunkt eingetreten, in dem 'unsere Leser, wenn sie unsere Zeitung der Fülle ihrer Aufgaben erhalten wollen, sie als ihre Zeitung betrachten uiüssen, für deren materielle Förderung sie sich einsetzen. Schon die Veranlassung vo »Abonnements i» 'Bekanntenkreisen und Inserate bei jeder Familienangelegenheit bieten die Möglichkeit, materiell, zu nützen. Nur, wenn unser Appell kräftigsten Widerhall findet, ist in dieser schweren Zeit geholfen. Neue Jüdische Presse. (Frankfurter Israelitisches Familienblatt.) Unsere nunmehrigen Abonnementspreise sind: Jt 3,50' für Frankfurt und bei Bestellung am Postschalter, M 5,— .'in Deutschland, Jk 7,50 Ausland bei Streifbandzusendung vierteljährlich. Unsere nunmehrigen Inseratenpreise sind: Jk 1,— die sechsgefpaltene Nonpareillezeile, Jk 3,— die Reklamezeile. Peffach-Hoffuuug. Wenn der um seine göttliche Seele ringende Mensch - unter der Ueberlast des Niederdrückenden unserer Zeit verwirrt werden will, rettet ihn der Frühling, der Frühling mit seinem millionenfach erwachenden Leben, dessen Jubelchor - Gottes Herrschaft.kündet. . Istaber der Mensch ein Jude, dann kündet ihm der Frühling noch ein Mehr. Denn im Frühling zieht in Israels Häuser das Pessachfest ein als ein ewiges Wahr- ' Zeichen, daß Gott der Herr nicht nur Schöpfer und Erhalter alles organischen und unorganischen Lebens ist, son- : Lern auch der Menschheit Geschicke überwacht. An dem entrechtetsten Sklavenvolk des mächtigsten Reiches der Welt geschah einst Las Wunder der Erlösung, weil dieses Sklavenvolk Enkel Abrahams, Isaaks und Jakobs war, wie in der hoffnungslosen Kahlheit des Winters plötzlich die ausjauchzende Ueberfülle des Frühlings hervorbricht. Und noch jetzt lebt in diesem Volk, dem jüdischen, der Geist ferner Urahnen, — und darum.gibt ihm sein Frühlings- Bessachfest selbst im lichtärmsten Goluswinter das Vertrauen, Laß sein Frühling kommen muß. Mag Pharaonische Politik auch seine äußere Lage zu -einer verzweifelten gestalten, mag auch seine innere Lage .trostlos sei» da die Frohn der Tagesarbeit —/-jeden Tagsein Tägliches an Ziegel und Stroh, damit sich erhebe die Pyramide materieller Macht — den Nacken beugt und den Blick von Gott oben zur Materie unten ablenkt, — zur Zeit der Vernichtung wird plötzlich Errettung, und es wird sichtbar, daß Gott sich den Völkern durch dieses Volk als der König der Könige offenbart. Wieder einmal hat in unseren Tagen Pharaonische Machtvcrmesscnheit sich das Herrentum der Welt angemaßt, wieder einmal sind wir Juden die Sklaven der Sklaven — durch alle Länder ergießt sich eine Hochflut des Judenhasses, der — wie einst Pharao — allen männliches jüdischen Nachwuchs vernichtet sehen möchte, da ihm das Volk Israel zu mächtig ist —, wieder einmal darf das Volk Israel darum hoffe» daß Gott durch es sichtbar in die Gestaltung der Bölkergeschichte eingreifen wird. — Das ist in banger Zeit die große Hoffnung unseres diesmaligen Pessachfestes. Me „christliche RSchfte«ie»e« i»tl»,m». Sie Burgverlteße von Srla». Die Burgverließe von Erlau, die während des Krieges .politisch Unverläßliche" hinsiechen ließen, beherbergen jetzt, aus den von den Rumänen geräumten Gebieten Herberge»- schleppte Juden. Die ungarischen Regierungstruppen — sie werden nach dem Namen des gegenwärttgen Reichsverwesers Horthy-Truppen genannt — hüben die angesehensten jüdischen Bürger — alles politisch harmlose Menschen — aß .Bolschewiken" verhaftet, so den Hatpaner Rabbiner Dr. Adler und den Bankdirektor Blumenthal, so aus Erlau den Bezirksarzt Dr. K i ß, die Advokaten Dr. S o l - tesz, Dr. Beketti, Dr. Epstein und Dr. Weinberger, den Gemeindepräses Franz Kiß, den Großgrundbesitzer Geza Feuer und seine Söhne, den Hotelier Josef Borna, den Apotheker Epstein, den Großgrundbesitzer Kaspar Weiß usw. usw. Die Größe des Verbrechens. Die „Wiener Morgenztg."' schreibt: Den Massenpogromen in der Provinz, bei denen Tausende von Juden ermordet worden sind, gesellt sich der Exzeß im Anschluß an die Märzfeier in Budapest z» der fünf Juden im Namen der magyarischen Freiheit erschlagen hat. In den Wäldern bei Raab und Komorn, in den Kerkern der Festung Erlau liegen die Gebeine unglücklicher jüdischer Opfer des christlichen Nationalismus, in ganz Ungarn verkommen tausende jüdischer Gefangener unter den Augen der Ententemissiönen in den Gefängniszellen! Das Martyrium dev Juden Ungarns schreit zum Himmel. Es ist furchtbare Tatsache, daß in Ungarn die „individuelle Aktion" gegen jüdische Männer, Frauen und sogar Kinder ausgeführt wird. Es ist Tatsache, daß ein P a t.e r Z a d r a v e c die in die Armee eintretenden Offiziere zur Zeit der Szegediner Regierung eidlich zur Austilgung des Judentums verpflicht t e t hat. Und es ist Tatsache, daß sich für die Zeit nach der Ernte, wenn die Kämpfe Ler Bauern mit dem Großgrundbesitz um die Bodenreform beginnen werden, noch schwerere »-und bluttgere Judenmetzeleien vorbereiten, weil wieder einmal versucht werden wird, die Juden aß wehrßse Prügelknaben auszuspielen. . Lie Entente regt sich endltch. In der ungarischen Nattonalversammlung verlas Mini- - sterpräsident Simo ny i»S em adant ein Schreiben des Führers der ungarischen Friedensdelegatton Gras Appon y i des Inhalts, daß insbesondere die Ausschreitungen gegen Konfessionen und Rassen einen schlechten Eindruck auf den Obersten Rat gemacht hätten, und daß die Gefahr bestehe, daß im Falle einer Volksabstimmung die besetzten Gebiete sich angesichß dieser Ereignisse vom Mutterlande loslösen würden. .Der Ministerpräsident wies aus die Bedeutsamkeit des Briefes hin. Der Antisemitismus sei nicht so viel wert, daß man ihm die Integrität Ungarns zum Opfer bringen dürfe. - - - - >------ ‘ - - vo« der vanlUa htnatgeftSiqt. Das ungeheuerlichste wollüstige Uebermußstück der jetzt Ungarn beherrschenden Offizierskaste hat sich in Budapest ereignet, ßiit Kaufmann Samuel Kohn begegnete einer Pattouille, deren Offizier ihn ohne Grund verhaftete, aus die Basilika bringen und Hinabstürzen ließ. In den Allen heißt es natürlich: Selbstmord des verhafteten Samuel Kohn durch Hinabspringen vom Turin der Basilika.' Letzte Melbnnugr«. In Budapest wurde Polizeioberinspektor Rosznerz ein Christ, von Offizieren, weil sie ihn für einen Juden hielten, bluttg geschlagen. - * Bei der Räumung des Ortes Macko durch die Rumänen war die erste Tat der einziehenden ungarisches Truppen ein gräßlicher Pogrom, dem dreihundert Juden zum Opfer fielen. Auf die Bitten der Einwohner. besetzten die Rumänen den Ort wieder. In S z e ke sfehervar wurden am Bahnhofsausgang/ die ankommenden Juden arretiert, in die Ulanenkasern» geschleppt und dort geprügelt, manchmal bß zum Tode. Gleiches wird aus Stuhlweißenburg, Beszpra«, Papa, Györ und Kaposvar berichtet. In Budapest sind des Nachts keine Aerzte mehr zu haben, nachdem verschiedentlich seitens Milttärs -Ausräubungen und Mißhandlungen vorgekommen sind. Jakob Schiffs zümMsches Bekenntnis. Jakob Schisf-Newhork hiett auf einem Bankett eine Rede, in der er u. a. sagte: Es ist klar, daß Lie schrecklichen Ereignisse, die wir erlebt haben, vor allem der Weltkrieg, die zionistische oder — wie viele sagen — die Palästina-Frage entschiede» hat. Wir müssen mit all unserer Kraft und allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln Vorgehen, um in Palästina eine Heimstätte für die Juden zu errichten. Es ist das einzig mögliche Land für die Juden. Die großen Mittel für die jüdischen Hilfsfonds, sowohl Ihre wie die' der amerikanischjüdischen Bevölkerung, etwa 30 bis 35 Millionen Dollars, würden umsonst und völlig zwecklos gegeben fein, wen» nicht in 4er Folge die jüdische Heimstätte in Palästina geschaffen wird. Es ist richtig, daß im Pariser Vertrag den Minoritäten in den neuen und alten östlichen Staaten Rechte, gegeben worden sind, aber diese Rechte stehen vorläufig, noch mehr oder weniger auf dem Papier. Die Vorurteile und der Haß wurzeln ttef in den. Völkern Polens, Galiziens und Rumäniens; sie sind ihnen, so traurig es. auszusprechen ist, von ihrer Umgebung eingeflößt worden» und unsere Verträge werden, daran nichts ändern. Die Jude», werden in diesen Ländern nicht glücklich werden, und solange diese Böller nicht sehen, daß die Juden eine greifbare Möglichkett haben, ihre ungastlichen Länder zu verlassen, solange werden sie nicht verstehe» womtt sie drohen. Uni» erst dann werden sie sich-ernsthaft bestreben, die Juden da glücklich werden zu lassen, wo sie sind. Sie sehen also, die Schaffung einer jüdischen Heimstätte in Palästina, einer Heimat, zu der es die Juden zieht, ist seit zwanzig Jahrhunderten ihre Sehnsucht; in dieser Zett hat man es als feststehende Tatfache erkennen gelernt, daß die Wirtsländer für die Juden me eine Heimar sein werden. Ich bin überzeugt, daß jetzt die Zeit gekommen ist, wo der amerikanische Jude, der so viel erreicht hat und der noch viel mehr vollbringen könnte, seine Kräfte, und, was noch mehr ist, seine Intelligenz, seine» Einfluß, sein Ansehen konzentrieren wird, um mitzuschaffen an der Errichtung der jüdischen Heimstätte in Palästina. Deutsches Reich. Ei» Wort für die LftjnLe«. In der „Allg. Ztg.", dem offiziellen.Regierungsorga» lesen wir: In der letzten Zeit wurde wiederholl von Razzien im allen Scheunenviertel berichtet, und mit einer gewissen. Genugtuung lasen viele Leute, daß es gerade polnischrussische Juden sind, die von den behördlichen Maßnahmen bettoffen wurden. Es war da von verbrecherische