Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 12 (26.3.1920)
- Date
- 1920-03-26
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12. Seite 5. Wochenbett-Ausstattungen Hugo Rothschild Langestrasse 85. Telefon Hansa 9926. das eigene Ich höher an, als das des Nebenmenjcheu, ja als das Ich der Gottheit selbst. Der Besitz, der Genuß, die Bequemlichkeit, der Sinnenreiz geht dem Sünder über das göttliche Gebot der Entsagung, wirkt mächtiger in ihm, als. das Bewußtsein der Pflicht oder der Abhängigkeit von einem Höher», von einem Höchsten, der alles das nicht gut heißt, nicht gut heißen kann. — Hat die Entweihung des Sabbat, hat der Betrug, die Verleumdung, die Unkeusch- -heit, der Genuß verbotener Speisen nicht eine und dieselbe -trübe Quelle der ausschließlichen Selbstliebe, der intolerantesten Selbstüberhebung? — Wenn nun, wie unsere Weisen sagen, „alle göttlichen Gebote auf die Läuterung der Menschen abzwecken," so stehen die Speisegesetze gewiß obenan. Durch sie lernt man vor allem andern Richterstrenge gegen sich selbst. 'Aber nur „wer gehorchen gelernt hat, kann regieren," und wer wahrhaft streng gegen sich selbst ist, läßt Milde walten gegen sc.ne Mitmenschen, wer sich nichts vergiebt, vergiebt andern um so lieber; wer sich einem höhern Gesetze unterordnet und vermöge dieser Unterordnung entsagen, entbehren, auf mannigfache Genüsse verzichteil kann, der ist zu mannigfachen Opsern bereit, wo höhere Zwecke eS erfordern, der kargt iricht mit seinen äußern und innern Kräften, mit Gut und Blut, der übt die Liebe um Gottes willen, ohne auf Dank zu spekulieren und vor Undank zurückzuschrecken, der übt sie als Gott und der Mitwelt schuldigen Tribut, als Dankopfer vor Gott, der ihn mit Wohltaten überhäufte, da ernoch nichts zu bieten vermochte. Darum ist sein Leben, so reich es an guten Werken auch sei, ein Wandel der Demut vor Gott." „'Aber, Frau Triest, wie schön wissen sie über die Speisegesetze zu sprechen! So haben wir noch nie über dieselben gedacht. Indes ..." - „Indes: in der Küche braucht »um nur eine jüdische Köchin, wolltet ihr sagen," ergänzte Frau Triest lächelnd. „Nun ist dem etwa nicht so?" hob eine der „Separaten" an. „Nein, dem ist nicht so!" fiel Rebecca mit einigen ihrer altern Freundinnen, wie aus einem Munde, ein. „Nein, das kann und darf nicht sein, nie und nimmer! — Brauchtdenn ein Kaufmann, der einen oder mehrere Kommis hat, ja — angenommen — recht tüchtige Koilnnis hat, gar keine Geschäftskenntnis zu vesitzen? Das Lächerliche liegt zu klar am Tage, als daß man es zu widerlegeij brauchte. — Wie steht es um eine Wirtschaft, wo -die Haus-! frlku nichts versteht? wird sie nicht, ivie Frau — nun wir wollen keinen Namen nennen, sonder» bei der Sache bleiben — wird eine Frau, die sich ganz und gar auf Dienstboterq verlassen muß, nicht tagtäglich mehr oder minder hintecgangen? Sollen wir also die Wirtschaft erlernen, um äußerlich-nicht hintergangen zu werden, aber das Heiligste, wovon, unser höchstes Gut, unsere Gewissensruhe — was sage ich da? — wovon unser Seelenheil abhängt, leichtfertig fremden Leuten überlassen und ruhig sein, wo wir aus Leichtsinn oder Bequemlichkeit, oder aus Unerfahrenheit in' unseren heiligen Speisegesehen, fort und fort ans die mannigfachste' Weise betrogen werden können? Wir und mit uns wohl alle rechtlichen Juden würden starkes Bedenken tragen, in einer Familie etwas zu genießen, selbst wo eine jüdische Köchin ist, wenn die Hausfrau bekannterweise von den Speisegesetzen nichts versteht und, um die Küche sich schlechterdings nicht kümmernd, jahraus, jahrein sich auf ihre Köchin verläßt, verlassen muß." „Brav!" sagte Frau Triest, „brav! Aber das Wichtigste habt ihr vergessen. Laßt uns bei dem Beispiele vom Kommis bleiben und beantwortet mir die Frage: Woher sollen denn die tüchtigen Kommis kommen, woher sollen sie ihre Geschäftskenntnis haben? Etwa aus sich selbst? Müssen sie die betreffende Warenkunde und die ordnungsmäßige Geschäftsführung nicht in einem ordentlichen Geschäfte erlernt haben?" - „Ei, freilich müssen sie das." „Nun, seht ..." „Ja, wir verstehen Sie; wahrhaftig Sie haben Recht!" „Ich sage Euch, meine Lieben," fuhr Frau Triest fort, „je weniger jüdische Frauen es jetzt leider gieÜt, die» die Speisegesetze, wie unsere seligen alten Mütter, pflichtgemäß gründlich verstehen, desto seltener sind jüdische Köch.nnen anzutresfen, die, abgesehen von ihrem Charakter und der angewohnten und eingeprägtcn gewissenhaften Sorgfalt in ihrem Dienste, in der Kenntnis des jüdischen Hauswesens zuverlässig sind. So begegnete mir neulich eine als.braves Mädchen mir bekannte jüdische Köchin, die eine Gans mit einem Schopf nach Hause trug. .Was tragen Sw da?" fragte ich sie, ganz erstaunt. „Eine gute und sehr /billige Gans," erwiderte sie, „denken Sie sich, sie kostet nur . . ." „Aber, mein Kind wissen Sie auch, daß Sie vielleicht eine trefene Gans gekauft haben?" Sie sah mich mit großen Augen an und verstand mich nicht." „SSü: auch nicht!" riefen einige aus der Mitte der jungen Gesellschaft. „Glaub' schon, glaub 'schon!" sagte Frau Triest, „tut auch nichts; Ihr seid noch jung und könnt und müßt noch viel lernen. Ist es Euch indes, meine jungen lieben Freundinnen, darum zu tun, das Wichtigste des jüdischen Hauswesens, so lange Ihr in meiner Nähe weilet, zu erlernen, ist es Euch ernst, alles das zu erfahren, waS das jüdische Weib zu einem solchen macht, mit einem Worte, den religiösen Beruf des jüdischen Weibes kennen zu lernen, um der WeJen eine zu werden, die, wie die Schrift sagt, „ihre Häuser bauen," die ihr Fmnilienglück auf feste Grundpfeiler .gegründet upd gesichert haben? Wollt ihr dies?" Ein allgemeines „Ja!" ließ sich vernehmen; doch die „Separaten" schweigen.- .Neue Wdische Kresse.-— Frau Triest schien Letzteres nicht bemerken, zu tvollen und fuhr fort: ,Wie freue ich mich. Euch so einhellig für e.ure Sachebestimmt zu sehen, die iveil -siegöttlich ist, auch göttlich wirkt, göttlich kräftigt, göttlich schützt und erhält! Seht, was ist es denn, was den südischen Stamm, obschon gewaltige Stürme in seinen - Wipfeln wüteten und seine Krone abwarfen und sein Gezweige zu Boden drückten, ja seine Wurzeln bloßlegten und ihn zu vernichten drohten, dennoch — immer von neuem aufleben? — nein, ihn nie und nimmer absterben, ihn immer und überall'zu leben gar nicht aufhören ließ? — ' War es eine Großmacht, die uns schützte? Aber welches Volk war von jeher menschlich schutzloser, als das jüdische? — Waren^es etwa seine Reichtümer, mit-denen es imponierte, nizt denen es so oft Machthabern- .und--- Adelsgeschlichtern -aus leichtsinniger, Verlegenheit-half? Aber war nicht'gerade dieser Umstand die gewöhnliche Ursache der grausamsten Verfolgungen, die man „zur großen Ehre Gottes" - unter dem Deckmantel der Religion betrieb? Nun,' so war es ivohl die Augendienerei und das Liebäugeln mit den Völkern, wodurckr es endlich deren Gunst und Achtung zu erringet wußte? Ach, nie war Israel unglücklicher, nie wehrloser dem Hohn und dem Alebermute der Welt preisgegcben, als gerade zur Zeit, wo es um deren Freundschaft buhlte; gerade wenn es sich um den höchsten Preis der Demütigung - und Selbstentäußerung die beste Freundschajt erkauft zu' haben wähnte, sah es sich plötzlich, sobald es auf die teuere Freundschaft pochte, am bittersten getäuscht und verlassen. — Sol, ich Euch das Geheimnis der Erhaltungsmittel Israels ossenbaren? Es war immer das jüdische Leben im allgemeine!: ruid das Familienleben insbesondere. Es war die wahrhaftige, unbedingte Unterordnung unter das Gottesgesctz, soweit es den Einzelnen angeht mrd das Familienleben betrifft: cs war die Bewahrheitung deS Gottesrufs: „Ihr sollet mir heilige Personen sein," die sich in der Küche wie in dem Wohnzimmer, in 'der Kinderstube wie auf den: Markte des Lebens, in den reichgeschinückten Gemächern der Begüterten wie in der ärmlichen Wohnung des um da? tägliche Brot besorgten Armen kundgab: eS war das kindliche oder — wenn ihr wollt — das männlichstarke Sich-sclmren um das heilige Panier des Judentums, um die Gotteslehre, der unsere Väter am Sinai für sich und ihre Nachkonrmeu unverbrüchliche Treue geschworen; es -war das unlösliche Band der Liebe, das alle unischlang, an-S Liebe zur GotteSlehre, die alle erfüllte, in Freud' und Leid, in der Fülle und im Mangel, im Leben und im Sterben. Gatte und Gattin, Eltern und Kinder, Geschwister und Verwandte, die Jugend und das Alter. -Das gab ihnen Kraft, das eine überlegene Macht, bas den Heldenmut zu lebe» und zu itecbcib das errang ihnen den 'Sieg, so hart auch der Kamps war, das nötigte selbst ihren erbittertste» Feinden den Ausdruck der Hochachtung und Bewunderung ab, das drängte ihnen die Ueberzeugnng vom Gottesgeist und Gottesschntze in Israel auf, das flößte und flößt ihnen fort und fort den Geist der Versöhnung und Liebe ein. Und wenn cs für den Segen des jüdischen Lebens eines Beweises bedürfte, jedes Blatt unserer Geschichte liefert ihn in nnverlöschlicher Flammenschrift. DaS ist das Zeugnis für die himmlische Abstammung unsrer Lehre in ihrer -unteilbaren Gesamtheit, das ist der Fingerzeig GotteS. daß „Seine Wege, die Wege der Ewigkeit sind," die Wege der ewigen Wahrheit, des ewigen Segens, des ewigen Glückes. Darist der Warnungsruf gegen jede vermessene Antasten auch eines einzigen ihrer Gebote und das endlich der Mahnruf zur Eintracht und Liebe, zuni Ausgebeu des leioigen Wahns, als hätte das Vaterhaus uns nichts zil bieteir, als blühten uns nur draußen die Blumen der Freude und das Fruchtfeld des Genusses, als müßten wir aufhören, ganz Jude oder Jüdin zu sein, um init der Welt gehen zu können." Literarische Rundschau. Literarische Notizen. Der Verlag Heinrich Minden, Dresden und Leipzig, veranstaltet recht ansprechende Ausgaben der russischen klassischen Schriftsteller. Vor uns liegen unter dem Titel „Kleine Welte n" zwei Erzählungen von Nikol a u s Gogol, der für das russische Volk das bedeutet, was dem jüdischen Volk Scholen: Alechem ist: nämlich sein klassischer Humorist. Gerade in Unseren wildei: Tagen wirkt.die liebevolle Kleinmalerei wie eine beruhigende Arznei. In Wien ging die Erstausführung eines Bauerndram.as „Die Gabe Gottes" von Moritz Go ldstein mit starkem Beifall über die Bühne. Goldstein ist vor achi Jahren durch seinen 'Aufsatz „Deutsch-Jüdischer Parnaß" im Kunstwart bekannt geworden, welcher Anssatz die gewaltigen geistigen Leistungen der Juden im deutschen Geistesleben und den undankbaren, nicht anerkendenden Protest des deutschen Volkes gegen diese Leistungen offen besprach. Kaffee Muhland 3J Kaisers traaae 56 Kaisarstrasse 56 Täglich erstklassige WM" Unterhaltungsmusik Hr««kfnrter Ksmitteimachrichte». Gestorben. Valerie Ganz, Kettenhvsweg 83. — Leo Mä.nz, 56 I., Uhlandstr. 46. — Jda Kronenberger geb. Meyer, 51 I., Eckenheimerlandstr. 21. — Sara Weiß, 36 I, Börnestr. 18. — August Lehmann, Myliusstr. 60. Auswärtige Famitteurrachrichte«- Gestorben. Max Meyer, 77 - I., Oberlustadt. — Toni Speier, 25 I., Windecken. — Jakob Klugmann, Kitzingeii. — Moritz Ettlinger, Berlin. — Justizrat D'r. Daniel Soe6( 60 I., Darmstadt. OffenbacherDruckluft-Anlage Offenbach a. M. Telefon 123. Unübertroffene Teppfchrefnigrnng mittelst Druckluft SwaaoieiiBineMi „MitMiii BiiriMsiMay Das Käschern in unserer fcynaeoge, Friedberger Anl. 6, findet statt: Mittwoch, den 31. März und Donnerstag, den 1. April, vormittags von.-10—12 Uhr und nachmittags von 2—<5 Uhr. Cveirdeir. Bei der Nalionatfoudskominissio» (I. Heimann, Zeit 21, Postscheck 41441) gingen ein: Isidor Rosengarten, eoimon Cotlin, Jakob Grünebanm, je 10 Mt.. Purimgescllschast bei Dipl.-Jng- Grünstem 18 Mark, Hichenberg u. Bing, Schächter je 25 M.» Sammlung Hcnni Baumrittcr 530 M., Solodoff u- Co., 100 M, I. Grünebaum, Oederwea 104, 50 M., Gebr. Löwenthal 20 M., Jul Anathan 30 M. ' Bnchsenleermig: Gebr. Kulp 6 M., Geschw. Lehrer 7,10, Berti Springut 37,75, Zion. Ortsgruppe 46,50. Emil Isaak anl. Vermählung s. Sohnes Karl mit Marg. geb. Simon 50 M- Dr. Max Nürnberg (Eingegangene Spenden) 400 M. Dr Hugo Emmerich, Landfonds, 500 M. Soendenbuch: Salomon Stiebel u. Frau gut. d. Barmizwans ihres Sohnes Walter 500 M.. Fritz Sondheimer 500 M. - ' Louis Heimaun u. Frau anl. Geburt ihrer Tochter; 100 Ä., Berthold Bacharach anl. Jahrzeit 50 M. Julius Michels u. Frau an!. Geburt ihres Sohnes 100 M., Wiesengrund 5 M., Friy Sondheimer z. silb. Hochzeit Martin Levrgard 1 Baum 10 M.. Mar Wolf, Fritz Sondheimer, Isaak Heimann je 1 Baun: auf Namen Walter Stiebel 30 M. Hedwig Friedmann - Garten: Lotte Heinemann grat. z. Vermählung Theo Friedmann - Lola Mcndlc u. z. Verlobung Hänni Friedmann - Dr. Leo Friedmann 1 Baum 10 M. Lotte Hanncmann zahlt vergess. Theaterkarte an Frankel Eilberg und dankt f. finanzwissenschastl. Purimkarte 6 M. R a b b i n e r M a r c u s H o r o v i tz - H a i n r anlätzl. d. 10. Todestages Rabb. Horovitz s. Avon einem'intimen Verehrer 40 Bäume, von I. L- Goitein aus gleich. Anlaß 2 Bäume 420 M. Briefkasten. M„ Stockholm. DieMdischcn Grammophonplatten werden in »Amerika angefertM. Bekanntmachung. Unter Berufung auf unsere Veröffentlichung in der» Synagogen bringen ivir folgende »AuSführungsbestimmungem betreffs des G c b r a n ch s von H ü t s e n s r ü ch t e n s ü r d a S diesjährige Pessachfest .zur Kenntnis: M 1 Unsere erleichternde Entscheidung bezieht sich ausschließlich auf Bohnen, Erbsen und Linsen und erfolgt nur % ausnahmsweise in »Anbetracht des wirtschaftlichen -Notstandes iie bezieht sich nicht ans Mehl von Hülsensrüchten. 2. Die Hülsenfrüchte müssen vor dem Pessachfeste dreimal genau besehen werden, damit die Gewähr dafür geboten in, daß alte eiugestreuten Weizen- und Gerstenbestandteile sorgfältig entfernt sind. 3. Dieses Besehen ist religionsgesetzlich von solcher Bedeutung, daß eS von der Hausfrau oder dem Hausvater vcrsün!ich vorgcnomme» 'werden soll. 4. 'Aach erfolgtem peinlich genauem Besehen sind die Hülscnfrüchte, wie alle für Pessach bestimmten Lebensmittel, in Pessachgeschirr anfzubewahren. Solches behält für dieses Jahr und für die Zukunft selbstverständlich seinen Pessachcharakter. 5. Leim Kochen der Hülsenfrüchte ist darauf zu achten, daß sie erst dann .in das Kochgeschirr gegeben werden, wenn das Wasser siedend heiß geworden ist, nicht vorher. 6. Unsere Entscheidung gilt für unsere Gemeinde, ohne ■i: das Entscheidungsrecht fremder »Rabbinate irgendwie cinzngreifen. Frankfurt a. M.,^ Nissan 5680.. N A Nobel, Rabbiner, Jacob S. Posen, H. S. LiPinSky, Rabbinats-Affrffor. Rabbinats-Affeffor. - Die nächste Nummer erscheint bereits Mittwoch, 31. März. Schlich der Jnseraten- Anuahme Dienstag vormittag. Woches-Ssle«Äer. Samstag, 27. 'März (8. Nissan). Sabbat-Anfang in Frankfurt 6hi Uhr. Sabbat-Ausgang in Frankfurt 7 Uhr 35 Min. Wochenabschnitt: Z a w. Schabbos Haggodanl. Freitag, 2. April: Erew Pessach.