Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 12 (26.3.1920)
- Date
- 1920-03-26
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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TELEFON n •. .chi-füiik r-'ALLE. Ansprüche. FRANKFURTER. PRlVAT-TElEFON-GESElLSCHAFT^e fiahmh:fvr<t.qn dtf.EoTisL 'FRANKFURT- A.M. f?tfl5pr Manso'6256/57. ist. kurzer polnischer Ansprache gegen diesen Bruch des FriedeitsverirageS, brach seine Rede ab und depeschierte--sofort aV'Mmisterpräsidenten S k u l firfi und Innenminister Wojciechowski. — . In Wilna wurde der seit vier Jahren bestehende jüdische Turnverein Makkabi von der Behörde aufgesordert, sein- Tätigkeit einzustellen. ~ Neue KMMe Mejse. ^-- wozu mich damals der Antisemitismus verleitet hatte, wie-" der gut."' V- > / n5 f ä-" Italien. Flqreur r . Las Recht des Rabbiner». Die neue zionistische Verwaltung der jüdischen Gemeinde hat beschlossen: Der Rabbiner erhält das Recht, an sämtlichen Sitzungen teilzunehmen und daö Wort zu ergreifen; er kann sein Veto gegen jeden Beschluß einlegen, der dem jüdischen Gesetz widerspricht, wodurch dieser sofort suspendiert wird, jfallS nur dieses, Vejp^ begründet und innerhalb zweier Tage 'sch-lftlich erhoben wird. Dte Gemeinde'hät das Recht, gegen dieses Veto beim „Beth-Din" in« Jerusalemzu rekurrieren, sobald dieses eröffnet sein wird. Karze politische Nachrichten. Tschecho-Slovalische Republik. Der 70. Geburtstag Th. G- Masaryk'ö, deö Philosophen und charakterfesten Menschenfreundes auf dem Präsidentenstnhl der neuen Tschecho-Slowakischen Republik, gibt Veranlassung — neben feinem mutigen Auftreten in der HilSner-Affaire — einen Artikel ins Gedächtnis zu rufen, den er am 2-1. Februar 1911 im „Besedy Casu" veröffentlichte. Er erzählt hier, wie er in Kirche und. Schule zum Antisemitismus erzogen wurde, und wie ihn zum ersten Male gelegentlich eines Schulausfluges ein stets gehänselter jüdtscher Mitschüler, indem er sich abseits stellte und . sein Mincha-Gebet verricktete, zum Nachdenken über sein bisheriges Verhältnis zu den Juden veranlaßte. Später machte er. dann nähere Bekanntschaften mit Juden, die teils zu Freundschaften führten, — und allmählich schwand in ihm das Ghetto von Vorurteilen. Massarhks Ausführungen schließen wie folgt: „Die jüngere, in der nationalen- Schule aufwachsende Generation vxrmag den Antisemitismus nicht so zu emp. sinken, wie wir ihn empfunden haben. Es wird mehr über den sozialen Unterschied von.Juden und Christen philosophiert, es werden Wagners, Nietzsches, Lagardes, Gobineaus Theorien gelesen; unser Antisemitismus war abergläubisch, klerikal. ' ,- DetHtt. Die Regierung Kapp hat während ihrer kurzen Herrschaft Zeit gefunden, für Mazzaus bestimmtes Mehl zu beschlagnahmen, um es unter die Arbeiter zu verteilen. Prag. Der Jüd. Nationalrat «nd da» . Zinn. Zentralkomitee bestimmten zu Ehren deS 70. Geburtstages des Präsidenten M a s a r y k 100 000 Kr. für ein jüd. Studentenheim. Lzeruowitz Jakob Hecht, der derJudenlckastvon der Regierung aufgedrängte Senator, ein alter Mann, ist verschieden, — und die Bukowinaer Judenschaft ist nun ohne Vertretung in der gesetzgebenden Körperschaft, während ihr 35 Kammer- und 14 Senatssitze zukämen. Ktschtnew. Der ..Mera-n' buittnet über weitere Pogrome der Denikinschen Banden in der Gegend von Kaminka, Raschkow usw. London. Proiesior Weizmann. ®r. Rupvin und Familie, Andreas Spiro-Belgrad, Advokat Dr. Abraham Es rat i, die Beamten deS Palästina-Büros in Jaffa, 10 Chaluzim, mehrere angesehene Kaufleute usw. — nn ganzen etwa 100 Personen — sind nach Palästina abgefahren. Das Misrachi-Zentralbüro hat wegen der rituellen Verköstigung der via Triest fahrendest Palästina-Einwanderer und der Ankunft der Schiffe an einem Wochentage die nötigen Schritte getan. Ist es nicht sonderbar, daß wir Tschechen keinen Theoretiker des Antisemitismus haben? In der Hilsneraffäre 'meldete sich der primitive, alte, rohe Antisemitismus und . bezwang auch einen großen Teil der tschechischen Intelligenz. Ost gedachte ich damals des betenden Leopold hinter dem Dunajewitzer Tore — vielleicht machte ich all'das Unschöne, Condiiorei und Cafd Wilhelm Wendel Alte Gasso 6. Heil renoviert rmß vrpifrössrrt. . Feinste To»*t*n und Desserts Kaffee« Tee, Schokolade in Tassen. ‘ Aus der Misrachi-Bewegung. Etratbura Die Delegiertenversammlung der MiS'llchi» gruppen des Elsaß beschloß — mit Zustimmung der Pariser Gruppe — die Gründung einer französischen Misrachi- Landesorganisation. Sitz der Zentrale ist« Straßburg. Vorsitzender O. G rotzvogel -Straßburg und, 2. Vorsitzender Rabbiner St'ourdzö-Paris. $erfondHen» (leine Mitteilungen. Ast» Bode«, 3'. März Der badistbe Oberrat hat die WahlenzurbadischenJsrael.'Landessynobe. für April in Aussicht genommen. Die Auflegung der Wählerlisten wurde soeben ungeordnet. Die -Wahlen finden noch nach dem seither giltigen System statt. __... .. ,_ Seite 3, Kein Alu m in in m >B entecke -Milcht5pfe,-Snppeutöpfp,-Schmortöpfe, -Wasserkessel, -Pfannen. ' Alle Grossen in riesiger Auswahl. — ,— - F. Ehrenfeld, (00 Zeil (00. München. In Passan wurde eine von'dm freien Gewerkschaften veranstaltete geschlossene Vorstellung des Dramas .Kurt Eisner" von Reichswehrsoldaten, und Studenten mit dem Ruf „Nieder mit den Juden" gesprengt. Hier in M-ü n ch e n fanden seitens der Antisemiten judcnfemdliche Straßenkundgebungen statt, die sich hauptsächlich gegen die ausländischen Juden richteten. - Hamburg. SrdonieWerner. Boritonhsmitglied des Jüd>.Frauenbundes usw.,. beging am 16. März den 60. Geburtstag. Wie«. Gestern ist hier der Herausgeber und Cfief» redäkteur der „Neuen Freien Presse", Moritz Benedikt, rm 71. Lebensjahre gestorben. Benedikt trat im Jahre 1872 in die Redaktion der „Neuen Freien Presse" ein, wurde im Jahre 1881 Chefredakteur und seit 1908 Herausgeber und Besitzer des Blattes. Als Jude vertrat er den Standpunkt der radikalsten Assimilation. Wie«. Bei den Vorlesungen im Betb-Hamidrasch, die jetzt zumeist von Hochschülern besucht werden, konnte Dr. Kaminka, da fast alle Hörer das Hebräische gut beherrschen, den „More Nebuchim" in hebräisch er Sprache vortragen. Warschau Da die An-estelltm der jüdischen Gemeinde streiken, ist auch das Backen der Mazzes e.ngestellt worden. Lodz Hier wohnen jetzt rund 185 000 Juden. London. Dr. Hugo Bergmann. -r»er Sekretär der ErziehungS- und Kultur-Abteilung der Zionistischen Organi'ation, ist nach Palästina abgefahren, um die Stelle als Bibliothekar an der Jüd. Nationalbibliothek in Jerusalem zu übernehmen. New Aork. Da« Mt Sinai»Hnsvital errichtet mit einem Kostenaufwand von 3V«, Millionen Dollar zwei Anbauten, eine Privatabteilung mit 130 Zimmern und eine Kinderabteilung mit 100 Zimmern. Zu den Kosten stehen bereits eine Million seitens der Familie Guggenheim und 125 000 Dollar aus dem Henry L. Einsteinschen Nachlaß zur Verfügung. Jerusalem. Vor dem Mischpot.Hascholaum'. dem jüdischen Friedensgericht, wurden in den letzten zwei Monaten 40 Fälle im Gesamtwerte von fast 220000 Piaster verhandelt; die Parteien waren |n der Mehrheit orthodoxe Juden. _ Ktaraffnritr Berichte. Frauen Krankenkasse Frankfurt a. M -West. In der Generalversammlung begrüßte der Vorsitzende, Isidor Adler, die Erschienenen. Hierauf ergriff Frau M a a ß das Wort, gab der Freude der Mitglieder in herz- Ritnal-RonNssioii de« IspaelitiscRin GemeNi. Das Kaacharig findet Mittwoch, 31 März und Donnerstae-, 1. April, nachm. 2—5 Hhr in der Rascherkflcbe d r Synagoge, Börneplatz (Eingang zur Portier- Woh' uns) statt . Steinpeiijn. Roman von Schalem Aleckem. Aus dem Jüdischen bearbeitet von Samuel Mciselö. , (Fortsetzung.) Sie fühlte sich beleidigt. Nun haßte sie ihn, diese« Stempenju mit dem „chuzpedigen"* *) Blick und der grenzenlosen Unverfrorenheit ... In solch vertrautem Ton mit ihr zu reden! . Welche Geringschätzung in seiner letzten- Frage! . . . „Pfui!" pachte sich Ruchele. „es ist wirf-; lisch eine Sünde, wenn eine jüdische Tochter inseiner nächsten Nähe steht!" ... . 'Sie stellte sich, wieder neben die Braut, entschlossen, an Stemvenju und an seine Frechheit nicht zu denken ... Wer würde sich auch über das, was ein Musikant spricht, Gedanken machen! . . . Doch plötzlich! . . . Eine Bewegung geht durch die Scharen der Hochzeitsgäste . . . Stempenju spielt wieder, und abermals etwas Trauriges, . . / .'Der Lärm verhallt'. . . Juden ' versinken in Gedanken ... Judenweiber verharren in andächtigem Schiveigen ... Junges Volk steht auf den Bänken, auf den Tischen . . . Eisik Naftali lehnt den Kopf an die rechte Seite "und lauscht r ■ ■ Dwosche Malke steht inmitten deS Zimmers mit einem Teller in der Hand . . . Selbst die Bedienten mit den Weißen Schürzen stehen zwischen, den .Gästen und lauschen . . Und Stempenju entlaßt feiner Fiedel, die wunderbarsten Töne, traurige, wehmütige, Klänge „. . . Ruchele fühlt, daß sie etwas streichelt und liebkost: sie weiß nur nicht, was es ist ... Sie blickt nach jener Stelle, woher die Wundertöne sich ergießen, und ein schwarzes, feurig^ Augenpaar leuchtet ihr.entgegen ... Sie wendet den Musikanten den Rücken zu, und »och immer sieht, sie 'das leuchtende schwarze Augenpaar . . . VI. Nach dem Festessen. Das Festessen war zu Ende. Die Toaste waren verklungen. DaS Brautpaar wurde von den Gästen reich beschenkt. Der „Koschertanz"*) begann. Eine ausgelassene Heiterkeit bemächtigte sich der Gesellschaft. -Die Männer hüpften und tanzten und jauchzten aus voller Brust. Jontel Schochet tanzte einen ,Kosak" *) chuzpedigen — frechen. *) .Koschcrtanz" heißt der Männertanz, der zu deck pflichtmäßigen Hochzeitszeremonien gehört. mit großer Meisterschaft. Die.Zuschauer patschten m die Hände und begleiteten Musik und Tanz mit taktmäßigen Schlägen. Eisik Naftali zog'den Kaftan aus uno sprang in de» Hemdärmeln umher; jemand stülpte ihm auf den Kopf einen' breiten Hut, der ihm das halbe Gesicht verdeckte. Alle lachten, selbst Mosche Mendel lachte mit und schleppte den Vater an den Hemdärmeln in den sich neu bildenden Kreis tanzender Männjer . . . Die Musikanten spielten allein, das heißt ohne Ste.n- Peni'u. Es herrschte jetzt eine völlige Disziplinlosigkeit unter ihnen; einer der geschwollenen Jungen übernahm die Rolle des Dirigenten, der zottige Schneier-Meier schlummerte, Jokel Kontrabaß schlief, nur die Jungen „bearbeiteten" die Instrumente, und Mechtsche Paukenschläger machte alle erdenklichen Anstrengungen, die „wilde" Musik durch dröhnende Paukenschläge noch wilder zu gestalten. Stempenju bemühte sich indes, noch einmal eine Unterredung mit Ruchele herbeizuführen; aber seine Versuche! glückten ihn, diesmal nicht. „Schwiegermutter, wir wollen nach Hause gehen," sagte. Ruwele zu Dwosche Malke, die dem tanzenden Eisik Naftali lachend zuschaute. „Ja, Tochter! Morgen ist Markttag, da muß man auch cm bißchen ausruhen. Sieh nur, wie sie sich „zertanzt" haben." Dwosche Malke und Ruchele gingen nach Hause. Der Himmel zeigte - die ersten hellen Streifen, die Vorboten des Tages. Ein Hahn kündete mit lauter Stimme den Tagesanbruch: andere Hähne folgten. Bon ferne schlug ern Hund an. Die Fensterladen waren noch überall geschlossen. „Wie gefällt Dir, Ruchele, GnessiS Tochter? Wie auf- ' geputzt sie war?" Ruchele in Gedanken vertieft, gab keine Antwort. „Schwiegermutter," sagte sie plötzlich nach einer längeren Pause, „ich hörte zum erstenmal Stemvenju spielen." . LLas Du sprichst! Zum erstenmal? Und in Chmel- 'nt*f bei Reb Leibtsche Awrohom Hersch und bei Rechemje Glück und bei Sure Benzions und beim Rebben selbst?" „Ich erinnere mich nicht," meinte Ruchele, „ich habe zwar von einem Stempenju gehört, aber ich sah ihn heute! zum erstenmal." „Nu, 's versteht sich, warst ja damals noch, wie sagt man, ein Rotznäschen. Ja, das warst Du damals, als Stempenju auf der Hochzeit beim Rebben spielte . . . War das jne Hochzeit! . ..Wohin gehst Du denn, Ruchele? Da ist ja unsere Wohnung!" Und Schwiegermutter und Schwiegertochter treten ins Zimmer. Sie suchten schleunigst ihr Lager auf, um auszuruhen von .den Strapazen des Tages: zudem harrte ihrer morgen ein arbeitsvoller Tag, ein Markttag in Mazepewka . . . VII. Eine schlaflose Nacht. Ruchele konnte nicht einschlafenl — Sie wälzte sich ans dem Lager, zog die Decke über den Kopf, allein' einsch.afen konnte sie nicht. Sie gab sich Mühe, ihre Gedanken auf gleichgültige Dinge zu lenken, — aber immer wieder trat der vermaledeite Tausendkünstler vor ihre Angen! ... Sie preßte die Lider zusammen, — alles vergebens. — die schwarzen, feurigen Augen verfolgten sie unablässig. Und Ruchele erinnerte sich der Wundergeschichten, die sie noch als junges Mädchen beim Mädchenlehrer Motel SprecS vernommen hatte. Was wurde da nicht alles von Stempenju erzählt! ... So soll er einmal einem Bräutigam seine ^Braut abspenstig gemacht haben, die Braut starb vor Granr über die ihr zugefügte Schande, und am offenen Grabe wurde ihr eine schwarze Chuppe gestellt*) . . Ein anderes Mal rächte sich Stempenju an einem Mädchen, das den Mut hatte, ihn einen Chärlatan zu nennen, auf eine ganz sonderbare Weise . . . Wiedev einmal spielte (Stempenju bei einem Grafen: des Grafen Tochter, das Fräulein, eine berühmte.Schönheit, verliebte sich in ihn und erklärte kur zund bündig: Tod oder Stempenju! . . . Der Graf war anfangs außer sich; aber er liebte seine Tochter, und als er merkte, daß sie ohne- Stempenju nicht leben könne, meinte er, Stempenju sei immerhin dem Tode vorzuziehen. Er versuchte, ihn zu überreden: zunächst mit Scheltworten, dann mit guten Reden, und schließlich mit Versprechungen. Drei Dörfer wollte er ihm schenken, wenn er sich taufen ließe mnd seine Tochter heiratete . . . Aber Stemvenju antwortete auf ftanzösisch — Stempenju sprach nämlich Deutsch und Französisch —, nicht einmal für ein volles Zimmer mit Dukaten würde er seinen Glauben wechseln! Kaum hatte das' Fräulein die Porte vernommen, da stürzte sie sich in den Teich . . . Solche und ähnliche Wnndergeschichten hatte man von Stempenju zu erzählen gewußt. (Fortsetzung folgt.) *) Jüdischer Brauch im Osten, einem Mädchen, das als Braut stirbt, einen schwarzen Trauhimmel zu stellen.