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Neue jüdische Presse · 1920-03-26 · Heft 12 (26.3.1920) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
18 (1920)
Issue
Heft 12 (26.3.1920)
Date
1920-03-26
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Ente 2. 8«« tztkstche K^e. Sir. 14. Und so Lalle» sich f>oö> Hier, bald dort kritische, politisch, Wetlerwinkell zusammen. -.?? ' . . . ' >;/ Ob in Ungarn über Nacht. der radikalste Kommunismus und dann . über Nacht die finsterste Reäktion mit mittelalterlich anmutenden Dorturen und Morden entstand, was kümmerte das die Entente, die ihre Mission einzig darin sah, Ungarns Grenzen so zurechtzustutzen, wie' es ihren Staatsinteressen genehm war. Oder wenn ein so wertvolles Volk wie das deutsche bis in seine tiefsten Grundfesten! erschüttert wurde, den Herren der Entente war's sehr gelegen,- solange es nur eine Schwächung und Lähmung des deutschen Volkes bewirkte und gemäß Diplomaten-Weisheit nicht in die-Sphäre der Entente griff. In den letzten Wochen ist das Geschick der Türkei der Gegenstand des Handels geworden. Noch ist der Handel nicht zum- Abschluß gelangt/ noch messen Knifflichkeit und Zähigkeit ihre Kraft, / dem diesem' Reich aufzLerlegenden. Friedensvertrag Form und Inhalt zu geben, — 'da kracht es bereits in allen Ecken des ehemaligen türkischen Reiches, grell leuchten die Blitze, dumpf tönen die Donnerschläge und gefährden den neuen/ nach dem Willen der Entente- Verhandlungen aufgerichteten Bau noch,.bevor das Dach der Vollendung errichtet ist. Die kranke Türkei zeigt sich wieder einmal stärker, als die Starken der Well. Welche Tragödien sich in Armenien abgespielt haben und noch avspielen, wissen wir» nicht, wir sehen nur das Wetterleuchten. Aber soeben kommt von Damaskus dre Nachricht, daß dort der Syrische Kongreß den Emir Faisul zum König ausrief, und sein König» reich soll nicht nur Syrien, sondern auch Libanon, Palä» stiaa und Nord-Mesopotamien umfassen, während gleich» zeitig Faisuls älterer Bruder Abdulla zum König von Irak (Mesopotamien) erklärt worden sei. In Jerusalem hat es gegen Erteilung des Mandats an die Juden arabische, " Demonstrationen gegeben, die freilich inzwischen das Ei.r» schreiten des Militargouverneurs gegen etwaige Wieder-, Holungen veranlaßt haben, und in dem von Palästinoi abgetrilten und nunmehr dem französischen Einfluß unters stellten Nord-Galiläa haben Beduinen die einzige dortige jüdische Kolonie Metullah nebst zwei im Entstehen begriffene jüdische Ansiedelungen Telhai und Kefar Giladi nach tap» ferem Widerstand der Kolonisten zerstört und sechs Juden — darunter den bewundernswerten 36jährigen Paläftina» P'onier Hauptmann Trumpeldor, den einzigen jüdischen Offizier der ehemaligen russischen Armee — getötet. Das zeigt eine durch das lange Zaudern der Friedenskonferenz begünstigte Wirrnis der politischen Konstella. -tionen jener Länder, daß starke Anstrengungen Englands und Frankreichs nötig sind und alle Gegenkonspiratiöncij dieser dort rivalisierenden Bundesgenossen unterbleiben müssen, wenn Ordnung geschaffen und der Friedensvertrag zur Durchführung gebracht werden soll. Unleugbar hat die Berschleppungspolitik der Entente auch dem Aufbau eines jüdischen Palästina große Schädi» digungen zugefügt, und es ist heute noch nicht abzusehen, welche Hemmungen infolge der immer noch nicht verwirklichten Balfourschen Erklärung vom November 1918 — noch beute ist das Betreten Palästinas mit Umständlichkeiten verknüpft — entstehen werden. Für das Palästina-Streben, des jüdischen Volkes sind auch, die größten Widerstände nur Episoden, aber diese Episoden genügen, um Tausende seiner Söhne, die in Palästina Zuflucht gefunden hätten, in der Hölle Osteuropas umkommen zu lassen. Zur Lage iu Pole«. Beginnendes Erwachen? — Der Widerspruch! gegen die judenfeindlichen Gesetze. — Die ' wirtschaftliche jüdische Not und ihre Milderung. — Der Drang zur Auswanderung. Das kriegslustige, eroberungssüchtige Polen ist mitten auf seinem seitherigen Weg des ausschweifenden, ewig bescheidungslosen Imperialismus doch nun stutzig geworden. Eben ün Begrift, sich in ein neues kriegerisches Abenteuer von unübersehbarem Umfang und ungewissestem Ausgang einzulassen, einen neuen Wafsengang mit seinem Nachbar, Sowjet-Rußland, zu wagen, stockt es in plötzlichem klaren Erkennen der politischen Dinge und beginnt die Lage nochmals zu überprüfen, ihre Möglichkeiten kühler und ruhiger zu erwägen. Dazu zwingen es die politischen Realitäten. Die Entente hat sich von ihrer Leitidee der Bekämpfung'Räte- Rußlands bis aufs Messer zu einer friedensfreundlicheren Auffassung bekehrt und friedlichere Beziehungen zu Rußland ongebähnt: so kann Polen nicht umhin es gleichzutun, so ist es heute willens, in die zum Frieden dargebotene Hand Sowjet-Rußlands einzuschlagen. Arbeiterschaft. » und Landbevölkerung drängen auf den raschen Beginn des Friedens, nnd auch die Rechte, die engherzig reaktionäre Nationaldemokratie, muß dem Druck der Massen nachgeben und — zwar mit saurer, verdrossener Miene — in die Annahme des Friedensvopschlags Lenins, unter allerdings nicht unmöglichen Bedingungen, willigen. Man berät schon seit Wochen in Warschau unablässig über Form und Inhalt der Antwort an das friedensbereite Rußland, dessen Januskops schreckt, und zögert und wägt und muß bald endlich wagen und sich entschließen. Denn neben den neuen außenpolitischen Gegebenheiten, . heischen vor allem die inneren Zustände des Landes baü»i,,en Abbruch des ununterbrochenen Kriegs mit den Nachbarländern, fordern kategorisch den allgemeinen Frieden und die Konzentration aller ausbauenden Kräfte des Landes nach innen. Und Ruhe im Innern tut gleichermaßen not. Ist sie denkbar ohne wahrhafte Verständigung und Versöhnung zwischen den einzelnen Schichten und Klassen der Bevölkerung, den einzelnen Bolkstümern, vor allem von polnischer Mehrheit und jüdischer Minderheit? Und hier muß der schon heute einsetzende Prozeß fortschreitender Aufklärung und Erkenntnis eine Sinnesänderung unter der polnischen- Masse schaffen. Einzelne Symptome eindeutiger Art sind schon erkennbar. Ein tieferes, gerechteres Verständnis für die jüdischen Lebensnotwendigkeiten und Grundforderungen bahnt sich augenblicklich an und beginnt sich langsam auS- Stets Eingang Stets Eingang giT Neuheiten in Tapeten Teppiche Läufer; Vorlagen E 20 Neiie - Hainzerstrasse20 vr- -Kcke.Waiasfraaenstrasae. : : Telefon i Hansa 1784;' zubreiten. Viel trägt hierzu das entschiedene Einstehen für t»e jüdische Sache, das mannhafte, geschlossene Auftreten der jüdischen Vertreter im Sejm. Sie haben die polnischen Abgeordneten, auch die verbohrtesten Judenhasser, das jüdische Volk mehr zu achten und zu respektieren als seither gelehrt und der Anerkennung der Judenheit in ihren Lebensinterejsen klug , und zielbewutzt den Weg bereitet. Wenn sic auch allerdings nicht die. stärksten Ausbrüche aickijemetischer Leidenschaft zu hemmen und zu hindern vermochten imd wenn sie auch, mit ihren im Verhältnis schwachenj Kräften, im Stich gelassen von den sogenannten Sozialisten, im Landtag solche judenfeindlich ungerechten, für die jüdischen Massen gefährlichen Gesetze, wie die der allgemeine..-^ Sonntagsruhe, und der Staatsbürgerschäft,- dorthin verweisen konMen, wohin sie gehören: in die politische Rumpelkammer der Vergangenheit. Heute ist wohl manchem, der unbekümmert, in unentwegtem Antisemitismus, fürdie Annahme des Sonntagsruh-Gesetzes stimmte, die Einsicht ausgegangen, daß er wohl nicht ganz das Rechte getroffen hat.- Denn, abgesehen von den zahlreichen entscy.ebenen Protesten und ernsten Vorstellungen von Seiten der Juden, hat sich inzwischen innerhalb der polnischen Handelswelt unzweideutiger Widerspruch und Einspruch gegen das Gesetz erhoben. Aus ökonomischen Gründen: Die Durchführung des Gesetzes bedeutet eine nicht geringe Hemmung im wirtschaftlichen Leben. Und aus Galizien ist ein recht ernst gemeinter Antrag im Sejm eingelaufen: man wolle mit der Einführung allgemeiner Sonntagsruhe eine Weile — sechs Monate — warten, aus schwerwiegenden wirtschaftlichen Gründen. Wird der Landtag, die Dinge nochmals überprüfend, zu einer notwendigen Konzefsionsbereitschoft in dieser für die jüdische Bevötkerung so entscheidend wichtigen Frage gelangen? Und in der Frage der Staatszugehörrgkeit der nicht „ständigen Einwohner" Polens? Auch hier stellen sich Schwierigkeiten und Widerstände verschiedener Art in den Weg, und mit Ger Klugheit verbindet sich das menschliche Gefühl, um die Aushebung, oder zum wenigsten die Milderung des Gesetzes zu fordern. Die Sorgen der jüdischen Bevölkerung sind wahrhaftig auch sonst drückend und zahlreich genug. Die wirtscha strichen B e rhe e rst n g e n der vergangenen Jahre zwingen d-e jüdischen Massen, die aufstrebenden Kräfte nieder und sperren den Weg zur wirtschaftlichen Gesundung, Festigung und Erstarkung. Hier ist noch gewaltige Arbeit des Wiederaufbaus zu leisten; von wem kann und wird sie ausgehen? In finanzieller Rücksicht vor allen Dingen von der Judenheit Amerikas, die heute vor der großen nationalen und menschlichen Ausgabe steht, eine Rettungsaktion — im wahrhaften Sinne des Wortes — in weitestem Ausmaß zu organisieren und durchzuführen. Daß. diese Erkenntnis bereits unter den Juden Amerikas durchgedrungen ist und zur Tat geführt hat, ist.jüngst in der Ankunft einer amerikanischjüd. Hilfsexpedition in Warschau zum lebendigen Ausdruck gekommen. Ihr Ziel ist: Erforschung der wirtschaftlichen Lage der Juden Polens und zugleich Beginn der Vorbereitung für eine umfassende Hilfstätigkeit, oder vielmehr füx die Arbeit des jüdischen Wiederaufbaus in Polen. Dre Kommission (mit Herrn Dr. Bogen an der Spitze) - ist eben mit Eifer daran, ihren Auftrag zu erfüllen. Und ihrer Gewandtheit wie ihrer persönlichen. Einwirkung ist das bedeutende, ermutigende Ergebnis mit zu danken, daß eine vor allem auf ihre Initiative durchgeführte Sammlung von Hilfsgeldern in Warschau binnen wenigen Tagen emc Summe von über zwei Millionen ergeben hat. Hilfszwecken nicht nur im engeren Sinn des Wortes, sondern auch für eine weitergehende Aufbautätigkeit — z. B. durch Gründung jüdischer Kreditanstalten, durch Förderung deö jüdischen Handwerks — wird dies Geld, vor allem' die ferneren Geldsummen des amerikanischen ,Joint Distribution Committee" dienen, und wie fruchtbar eine also organisierte und zielbewutzt geleitete Hilfsarbeit wirken kann, ist heute noch nicht in ganzem Umfange zu übersehen und zu ermessen. Der Wiederaufbau des in seinen via neuesten Jackenkleider Mäntel und Hüte sind eingetroffen. Gebr. Robinsohn Zeil 127. . Grundlagen erschütterten Galuth, diese zweite zentrale Förderung. deS. nationaljüdischen.Prögramms der. Gegenwart/ er scheint'Äsi fokch«» Wehe Hewährleistet -und allein möglich. Daß auch solche ermutigenden Aussichten —-.mögen sie noch so sicher und günstig fein — den Drang zchc Auswanderung unter'den jüdischen Massen Polens/ vor/älstm zur Uebersiedlung nach Palästina für die nächste Zeit werden in bedeutendem Maße schwächen und unterbinden können^ ist ein naiver Gedanke./ Ueherall ist der WilleHur Auswanderung'-»ach Palästina lebendig, mächtig und . unerschütterlich, und die innere Einstellung deutet bestimmt in der Richtung auf Palästina hin. Man rüstet sich im Stillen und ist entschlossen.und bereit zum Aufbruch. Hier ringt sich ein Stück der jüdischen-Zukunft in Palästina empör, ■einty .sorglosmen, . lichtvolleren, glücklicheren -'Zukunft«."' /Die aboc^im Galuth bleiben,' im atypischest, /pofn.t- .sch ep Galuthi für die gilt es den Weg 'der Entwicksststg freizümachen und zu sichern.' ' ' Ben Jep-Hüne. Entscheidung in der palästinensischen S^nlfrage 1 Jerusalem, 10. März. Aus der ersten .Sitzung des Erziehungsrates (Waad Hachmuch) — anwesend: David Hellin, Direktor des Leyrerseminars, als Präsident, CYacham-Baschi Jacob Äeir (Saloniki),- Rabbiner Ostrowski, Bezalei Jaffe, Rah el Katzenelsohn (die die Arbeiter vertritt) und von den Lehrern Dr. Mossinsohn, A. ,M. Lipschitz, Dr. Biräm und Tschernowskr als Mitglieder — verbreitete sich M. U s s i s ch k i n über die Ansichten der Zionistischen Palästina-Kommission betreffs des ErzuhungSrates. Er sagte, es sei nötig, daß es nur einen Erzichungsrat'gebe, jedoch werden die Rabbiner Jacob Meier und Ostrowski und SMinarlehrer Lipschitz vollständig.freie Verfügung über dies orthodoxen Schulen haben. Ussischkin drückte die Hoffnung aus, daß dieses Arrangement die Grundlage für eine einige und fruchtbare Arbeit legen werbe. Deutsches Reich. Halberftadt. Sme Sammlung für jüdische Landgemeinden. Ddr „Bund gesetzestreuer jüdischer Gemein d e n D e u t sch l a n d s" beabsichtigt in Gemeinschaft mit der „Freien Vereinigung" und dem „Deutschen Grup'penverband der Aguda", alle jüdischen Gemeinden zur Begehung des kommenden Pessachsestes als großen Retlüngstag für die jüdischen Landgemeinde, aufzufordern. Die Erhaltung des jüd. Lebens in Deutschlands Landgemeinden soll das Ziel der Sammel-Ärbeit sein. Dentschsvesterreich. . Sine Szene aas de« Wiener Gemeinderat. Dr. Glasauer protestierte gegen die Zuweisung von Bauten zur Unterbringung jüdischer Waisenkinder, die Bevölkerung sei ihnen nicht grün und habe schön an Bela Sun genug. Dr. Plaschkes leuchtete sofortdem antisemitischen Zeloten heim, und es entstand zum Schluß folgendes Duell: Glasauer: Auch die Wiener jüdische Bevölkerung möchte nicht die Waisenkinder. Ich könnte mit Namen von Hitzinger Juden dienen. (Plaschkes: Das sind ebenso gute Juden, wie Sie ein guter Christ sind, und wert, von ihney vertreten zu werden.) Es gibt also auch Juden, die so viel Einsicht haben. (Plaschkes: Denn die Dummheit macht leider nicht bei Ihnen halt.) Dr. Plaschkes hat auch gemeint, daß meine Abstammung vielleicht nicht ganz rein ist. In den Pfarrbüchern von St. Beit steht seit Jahrhunderten, daß wir Glasauer nicht aus dem Tempel sind. (Plaschkes: Pforrbücher spielen keine Rolle, das Aussehen ist die Hauptsache.) Dr. Plaschkes wiro nicht beweisen können, daß ich nicht in die Reihen der Antisemiten, sondern in die Reihe der Zionisten gehöre. (Plaschkes: Nach dem Aussehen gehören S.e -zu uns, nach dem Verstand nicht!) Das wollte ich nur persönlich bemerken. (Plaschkes: Aber die Nase!) Plattfüße habe ich keine. (Plaschkes: Von den Plattfüßen weiß ich momentan noch nichts, aber das mit der Nase ficht fest! Stürmische Heiterkeit.) Für mein Aussehen kann ich nichts. (Plaschkes: Aber doch hetzen Sie gegen die Juden! Wenn wir zwei nebeneinander stehen, wer weiß, wer da für den Christl.chsozialen angesehen wird. Erneute Mimische Heiterkeit.) Uftftcro. Das Morden der Horthy-Offlziere. Jüngst wurde der 65jährige kränkliche Dorbeter einer orthodoxen Synagoge in Ofen des Nachts von Pffijieten aus dem Bett geholt und fortgeschleppt. Infolge der/Bemühungen der Angehörigen lud der Reichsverweser Hörthy die Offiziere vor. Sie sagten aus, infolge einer Anzeige der Hausmeisterin hätten-sie nach Bomben gesucht, sie hätten wohl nichts gefunden, den Männ aber trotzdem verhaftet, und er sei ihnen dann entschlüpft. Dem Herrn Reichsverweser genügte diese auf den ersten Blick erlogene Aussage, — der Borbeter ist aber inzwischen furchtbar verstümmelt bei der Offizierskaserne als Leiche aufgefunden worden. Pole». Uedergriffe üer vehürde«. Bei einem Vorträge des Mitgliedes der Jüd. Delegationen bei der Friedenskonferenz Dr. Leon Reich aus Drohobhcz in Warschau verbot der überwachende Beamte den Gebrauch der jiddischen Sprache. Dr, Reich protestierte

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