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Neue jüdische Presse · 1920-03-19 · Heft 11 (19.3.1920) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
18 (1920)
Issue
Heft 11 (19.3.1920)
Date
1920-03-19
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Sette 2. Stets Eingang Neuheiten in Tapeten *S| Teppiche Läufer Vorlagen 20 Heue Mainaerstrasse 20 Kak« Waisafraaenstrasse. : Talefon: Hans« 1784. Witz: Amsterdam. Im literarischen Teil wird die Betrachtung über Judentum und Naturphilosophie von Prof. Da Jano fortgesetzt. Dr. N. W. Rappoport setzt sich mit der Persönlichkeit und dem Schaffen Martin BuiezS auseinander. Die Jugendbeilage bringt u. a. eine» Aufsatz Jakob Mühlmann: Jüdische Jugend. PersesallEM«. üei»e München. Der dieser Tage verstorbene Kunsthändler 4-eh. Kommerzienrat HermannHeinemann bekundete stets ein mildtätiges jüdisches Herz. — In Bayreuth wurden Rechtsanw. Klein und Kaufmann I s n e r in den Vorstand der.jüd. Gemeinda gewählt, während der langjährige Vorsitzende Luitpold Kurzmann wegen seines hohen Alters eine Wiederwahl: nicht annahm. Bndnpest Oberrabbiner Dr. Samuel Kohn ist — 78 Jahre alt — verschieden. BnSapeft. Die anttsemMsche Hetze der Studenten geht so weif, daß selbst der antisemitisch gesinnte Rektor Ballag i, ein Renegat — er ist Sohn des Sprachforschers Morch Bloch — mit seinem Rücktritt gedroht hat. Warschau. Simon Winawer, Sieger iit_ den Pariser Schachturnieren 1867 und 1878, im Wiener Schachturnier 1882 und im Nürnberger Schachturnier 1883, ist im Alter von 82 Jahren verschieden. Warschau. Abraham Kaplan, Präsident der jüdischen Gemeinde und Vizebürgermeister von Minsk und Vorsitzender der Zionistischen Organisation von Weißrußland, ist verschieden. Kapstadt. Louis Edmund Benjamin wurde zum-Richter am Obergericht der Kapprovinz ernannt. mit nnä odoo Zugabe von Stoffen innerhalb 8 Tagen Prima Verarbeitung. —:— Tadelloser Site. imann, Langestrasse22. Heue Mdische Ksefte. Iahauuttturg. Hier starb Samuel Marx, ein geborener russischer Jude, als einer der größten Grubenbesitzer Südafrikas. Marx war mit Präsident Paul Krüger eng befreundet. Auf Marx' Besitzung wurde der Friede' zwischen England und den Buren geschlossen. , Melbourne. Die hiestge jüdische Gemeinde hat beschlossen, ihrem Mitglied Generalleutnant Sir I o h n M o - Nash 10000 Pfund als Zeichen ihrer Bewunderung zip überreichen. Mongsh will das Geld der hiesigen Universität übergeben. New Kork. Das amerikanische Heer zählte im Weltkriege nahezu 200000 Juden. 3500 wurden getötet, rund 12000 verwundet. Unter den Offizieren waren Juden: 1 General, 1 Admiral, 69 Oberste und Oberstleutnants, 370 Majore, 1263 Hauptleute und 5524 Leutnants. Frankfurter Berichte. Die PolSstina-Woche der AgubaS JiSroel. Während die Palästina-Woche der Zionistischen Bereinigung hauptsächlich infolge der damaligen Trambahnq Einstellung, wohl aber auch infolge des ungünstig gelegenen? Lokals und des zu späten Einsetzens der Propaganda 60 000 Mark Reingewinn brachte, ergab der Ueberschuß der Palästina-Woche der Frankfurter Agudas Jisroelgrupvei, 130000 Mk. Die Palästina-Woche der Agudas Jisroel nahm letzten Mittwoch mit einem Gesellschafts-Abend im Zoologischen Garten ihr'Ende. Zum Gelingen dieses Avends! hatte sich so viel leistungsfreudige Hingabe vereinigt,' daß man Unrecht täte, wollte man aus der reichen Zahl derer, die sich in den Dienst der Veranstaltung gestellt hatten, einzelne Namen hervorheben. Erwähnt sei nur als Dichter des Prologs Marcus Golde und als Arrangeur einer gstjüdischen Hochzeit Oberkantor Peisachowitz und Robert Aron, die mit ihrem schöpferischen Können dem: Abend die jüdische Note gaben. Ein einheitliches jüdisches Programm, das wix gerade von einer Veranstaltung der, Agudas Jisroel erwartet hätten, fehlte. Wenn man Komponisten wie Karl Maria von Weber und Felix Weingartner hören oder einen Schwank wie „Das Schwert des Damokles" sehen will, braucht man wahrlich nicht in eine Agudo- Deranstaltung zu gehen. Man verzeihe den kleinen kritischen Seitensprurw, er soll die Anerkennung für die schönen Stunden, me geboten wurden, nicht schmälern. Kleine Notizen. ' Eine im Cafö Mangel abgehaltene Sammlung zugunsten des Palästina-Aufbaufonds ergab 1147 Mark. Um das Zustandekommen dieses Resultates haben sich besonders Heinrich Gutmann, Zeil 5, und Leo Gold, Königswarterstraße 8, verdient gemacht. Frankfurter Veranstaltungen. Montefiore, Montag: Heimabend, Mittwoch, 8 Uhr: HauptversamMlung. — MekorChajim, Samstag, 4 Uhr: Mikro (Fritz Hamburger), Sonntag, 6Vs: Pesach- Piutim (Dr. Jos. Breuer). — Talmud Thora-Verein, Samstag, Schluß des Moogengottesdienstes: Dinim (Dr. Friedmann), 3>/j Uhr: Raschi (Lipinskh), Sonntag, Schluß des Morgengottesdienstes: Mischnah (Dr. Friedmann), vorm. 9 Uhr: Schulchan Aruch (Lipinskh), Schluß des Abendgottesdienstes: m. 11 TELEFON-A' erfüllt' ALLt Ansprüche. FRANKFURTER PRIVAT-TELEFON-GESEILSCHAFT- PuT:r:l“,;f<’rA -n Sercori?' - FRANKFURT A.M. fe/nspr hon5a C256/b7 Dinim schrl Pesach (Unna), Montag, 61/4 Uhr: Mikro (Unna)« Dienstag, 6 Uhr, abends: Chauwaus Halwowauth (Dr. Braun), Mittwoch, Schluß des Morgengottesdienstes: Mrsch- Nah (Dr. Friedmann), Donnerstag, abends 61/4, Hermes» weg 27:. Gemora (Unna). Literarische Rundschau. Neue Schriften van Martin vn»er. „Worte an die Zeit"*) richtet Marti» Bube« mit Ernst und Eindringlichkeit, Worte bedeutsamer Erkenntnis und tiefer Wahrheit, die verdienen, nicht in dem betäubenden Gelärm der heutigen Welt untergehend, von dem Ohr dm Zeit aufgefangen Und an die inneren Bereich: des Denkens und Erlebens impulsverleihend weitergegeben! zu werden. Die Zeit, die leidenschaftlich, schwer und qualvoll um die Rettung aus unendlicher Nol ringt und sich! bang und hoffnungsarm nach dem befreienden Ausweg umschaut, ruft nach Männern, die ihr einen, wenn noch s» schmalen Ausgang aus dem gewaltigen Bannkreis ihrer Verwkckljungen und Zusammenstöße und Verworrenheiten auf- _ zeigen können. Ob sie auch auf die echten, unbestechlichen, wegekundigen Führer in genügendem Maß und mit dem unerläßlichen Ernst hört? Was Buber in seinen Worten mit innerer-Glut an Einsichten und Grundsätzen und Forderungen ausspricht, sollte von der Gegenwart mit ganzer. ' innerer Beteiligtheit geprüft und bedacht werden. Denn es betrifft die dringlichsten Angelegenheiten des heutigen - aus seiner seitherigen Entwicklungsbahn brutal herausgeschleuderten Europa: Die soziale Neuordnung den Dinge, die Neugestaltung des Gemeinschaftslebens von seinem Grund auf. In diametralem Gegensatz zu der Totalstrebung des Sozialismus nach restloser, vereinheitlichende;: und verein», fachender Zusammenfassung, Zentralisierung alles Lebens, die eine Erhebung des Begriffs der Staatsallmächt auf dem Thron des herrschenden Volksgedankens bedeuten, vrokla- *) Eine Schriftenreihe von Martin Buber. Heft 1 und 2: „Grundsätze" und „Gemeinschaft". Dreiländerverlag, München. Kaffee Kaisergarten am Opernplatz Erstklassiges Famillen-Kaffee Tfiglich Ton 4 TJhr ab -. Künstler - Konzert« Sternpeuj«. Roman von Scholem Alechcm. Aus dem Jüdischen bearbeitet von Samuel MeiselS. (Fortsetzung.) Stempenju spielt . . . Das ist kein einfaches Spielen, fern leeres Hervorbringen von Tönen und weichklingenden Stimmen, nein, das ist „heilige Arbeit, die Zwiesprache, die ein gefühlreiches Herz oder ein edler Geist mit unsichtbaren himmlischen Mächten hält. Stenchenju steht der Braut gegenüber und hält ihr eine Predigt auf der Violine, eine schöne, rührende Predigt, erzählend von verschwindender Freiheit, von zur Neige gehenden Glücksjahren und kündend das Herannahen einer ernsten, pflichtreichen, sorgenvollen Zeit Die Violine spricht in ^Gleichnissen, in symbolistischen Metaphern. Es ist, als ob sie sagen würde: Verstehst. Du den Sinn des „Bedeckens"? Der Kopf wird bedeckt, bedeckt das schöne, schwarze, wellige Haar ... cs geht mit der Jugendfröhlichkeit zu Ende! .... Es klingt Wie rin Lebewohl an die Jugend, an die Munterkeit, an die schöne, fröhliche Mädchenzeit . . . Solche Worte spricht Stempenjus Violine. Und die Krauen verstehen den Sinn dieser klangreichen, wortlosen Predigt; sie verstehen den Sinn, .sie empfinden den Inhal^ und ihre Augen füllteen sich mit Tränen ... ,Wie lange ist's her," denkt ein junges Weibchen und verschluckt die Tränen, „wie lange ist's her, als auch ich so dasaß und wähnte, Engelsscharen umschwebten mich . . . und das Glück lächelte mir holdselig zu . . . und am Ende ...» .ach; am Ende ..." „Soll mir Gott helfen," fleht ein altes Mütterchen, „soll mir Gott helfen, daß meine älteste Tochter in Bälde unter die Chuppe geführt wird, nur mit mehr Masel als ich; möge sie bei ihrem Mann ein glücklicheres Leben führen als ich bei -meinem ..." Solche und ähnliche Gedanken löst Stempenjus Musik in Frauenköpfen aus. Stempenju arbeitet mit dem Aufwand all . seiner Kräfte; seine Fiedel spricht, fingt, weint, und die,'Musikanten .sekundieren. Ringsum herrscht eine tiefe, «richch Stille: alles lauscht . . . Die Männer, die Frauen »erharren in andächtigem Schweigen, und die Knaben und die Mädchen Pützen auf Bänken huid Tischen — und Stem« ptnju ipttü' Und die Töne fließe» und ergießen sich ins Herz . . . Tjoch-tjoch-tjoch — mehr hört man nicht. Eine Hand tanzt herauf und hinunter — mehr sieht man nicht . . . Und allerlei Stimmen werden vernehnibar und allerlei Klangtöne sprudeln hervor, innige, traurige, die ans Herz greisen, in die Seele dringe» -und die Kräfte aus dem Innern saugen. Das Herz wird voll, die Augen füllen sich mit Tränen . . . Und Stempenju? Man sieht keinen Stempenju, keine Violine; man hört bloß süße Stimmen, göttliche Gesänge . . . Die schöne Ruchele, die zum erstenmal in ihren: Leben Stempenju spielen hörte, stand wie behext von den wundervollen Tönen . . . Ein eigenartiges Gefühl bemächtigte sich ihrer, sie fühlte, daß sie etwas streichelt, liebkost, aber sie wußte nicht, was das sei ... Und als sic zufällig ihren Blick nach jener Stelle himvandte, aus der die füße» Töne sich ergossen, da gewahrte sie, wie ein Paar, wunderschöner schwarzer, brennender Augen unverwandt auf sie gerichtet war. Die schwarzen Augen leuchteten, sprachen, winkten . . . Ruchele wollte den Blick wegwenden, allein sie vermochte es nicht . . . „Das ist also Stempenju!" sagte Ruchele, nachdem das „Bedecken" zu Ende war und der Gang zur Chuppe angetreten wurde. Stempenju hatte sein Spielen beendet, der Zauberbann war gewichen, und der Tumult brach aufs neue los. „Wo sind die Lichter?" fragten die einen. „Die Lichter, wo sind?" antworteten die anderen,' Die frühere Komödie erneuerte sich: man schrie; lärmte, lies hin und her, drängte einander, trat sich auf die Zehe», schwitzte, schimpfte, — kurz, es ging wieder recht lebendig zu. Nach der Trauung wurde der Lärm noch größer. Im allgemeinen Tumult verließ Stempenju seine -Truppe — und stand unversehens neben der schönen Ruchele. Er wechselle mit ihr einige Worte, wobei er freundlich lächelte und seine schwarzen Locken mit 'einer graziösen Handbewegung in den Nacken warf. Ruchele errötete und senkte den Blick zu Boden. .Sie ließ Stempenju sprechen und gab ihm auf zehn Worte kaum eins zurück. — Nun ja, es schickt sich doch'nicht, in Gegenwart einer solchen Gesellschaft mit einem Musikanten ein Gespräch zu führen . . - . , y. . .;• .;. , ■ .■■■■■■ - Ein kurzes Gespräch. ... Man erzählte von Stempenju allerhand WunderMchich« len. W hiS, er stehe mit Zauberern und bösen Küstern in Verbindung, er besitze einen „bösen Blick" und di« Macht, eine Brant ihrem Bräutigam abspenstig zu machen, er verfüge über verschiedene Zaubermittel und Hexcir-j, sprüche. Kaum habe er auf ein Mädchen ein Auge geworfen — hieß es —, so sei es ihm rettungslos verfallen . . . Viele Mütter wußten von diesem Geheimnisiunb hatten daher auf ihre unverheirateten Töchter ein; ivachsames Auge; sie durften in der Regel mit Stempenju nur sprechen, wen» bei dem Gespräch eine ältere Schwester, eine Tante, eine Schwägerin oder sonst eine verheiratete Frau zugegen war. Diese weise Vorsicht galt nur bei jungcit Mädchen. Die Verheirateten waren nach dieser Richtung den Schützsittichen ihrer Mucker entrückt und hatten das Privilegs sich selbst mit einein Stempenju in -ein Zwiegespräch einzulassen. < Es ist daher kein Wunder, daß die schöne Ruchele keineswegs die Flucht ergriff, als sie Stempenju mit der Violine unter dem Arm und mit einem freundlichen' Lächeln auf "den Lippen auf sich zukommen sah, Was - hatte sie zu fürchten? Warum sollte sie sich versteckten? Der Schwiegervater, Eisik Naftali, hatte gerade die Hände voll zu tun. Er spielte den Ordner beim Festesseft und paßte auf, daß alles an Ort und Stelle sei. Die Schwiegermutter Dwosche Molke, die, wie immer, geschäftig hin- und herlief, blieb zwar einen Augenblick stehen, mir »achzusehen, was. denn eigentlich Stempenju neben ihrer Schwiegertochter mache, überlegte sich's aber sehr rasch: — „Ach was, Narrischkeiten — ihre Sachen!" . . . und eilte weiter, der Dienerschaft Befehle erteilend. Die Bedienten sprangen herum wie die Verrückten, ldie Gäste hasteten und suchten die Plätze neben den langen weißgedeckten Tischen, Bänke bvurden geschoben, Stuhl« gerückt, Becken, Wasserkrüge und Handtücher herumgereicht, das vorgeschriebene Händewaschen vor dem Festessen be^ gann, der. Lärm wurde immkr stärker, immer gewaltiger: Dies alles bot Stempenju Gelegenheit, mit Ruchele -ein Gespräch anzuknüpfen. Stempenju, der vermaledeit«! Sauberer, verstand es, das Mort zu führen. Er sprach gut: r umgarnte sie mit seinen-Worten wie mit einem Netz.» '• Wann plötzlich deutete er mit den Augen auf einen jungen Mann hin,' der mit heftigen Gestikulationen aüI -seinen Tischnachbar einredete, und fragte: „Ist das Euetz Mosche Mendel?" ■ ^Ja. . ." antwortete Ruchele und entfernte sich schleunigst. ' ' MMM«« WM

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