Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1920-03-19 · Heft 11 (19.3.1920) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
18 (1920)
Issue
Heft 11 (19.3.1920)
Date
1920-03-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2692297-2693178-2693189--11059-2706466
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

FrankfurierHsraelitisches Familienblatt flmiivvnvmmvmvmvvifmvtmvvvvnvvmnifvvvmmvmnvmvntvivvii | Scheint wöchentlich am Freitag. Bezugspreis pro Viertel« ■ | jahr: In Frankfurt am Main bei der Neuen Iüdischen presst, : : auSwärtö bei der Post abonniert Mk. 2.50, stei inS HauS 15 pfg. j | mehr./BeiZusenbung durch Streifband surDeuffchland Mk.it4.00, j | für alte übrigen Länder Mk.20.00jährlich, im Voraus zahlbar. i L....-----.. lKe-aktton und Expeditton: Frankfurt a.M., Langestraße 7 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Galy Geis Insertionspreis für die sechSgeßralteneÄonp.Zeike80 ptz., std die Reklamezeike Mk.LLL Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. / Platz, und Datum «Dorfchrifi ohne Verbindlichkeit. / Annonren-Annahme bei der sqxped.unü in a.Annoncen»BureauS. Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. unter Nr. 4SSL ■•min ........................ 18. Jahrgang. Freitag, den 29. Mar 5680 (10. Marz 1920) «r. 11. Die Orthodoxie und die Schulfrage in Palästina. Zwischen dem Misrachi. der.Organisation der Ortho- Loxic innerhalb der zionistischen Bewegung, und Dr. W e i zmann, dem Vorsitzenden des Zionistischen Engeren Aktionskomitees, fand folgender Briefwechsel statt: Sehr geehrter Herr Doktor! Auf die Besprechung, die heute zwischen Ihnen und Len Herren Dr. Schmarja Levin, Dr. Schönfeld und Herrmann Struck stattfand, bezugnehmend, beehren wir uns. Ihnen folgenden Vorschlag zu unterbreiten: Es werden in Palästina in allen inneren Fragen zwei aulonome Waade Hamefakeach gebildet, von denen der» eine, vom Misrachi geleitet, die glaubenstreue Judenheid repräsentiert. - Die einzige obere -Instanz bildet ein Waad Haeljon, in dem der Misrachi paritätisch vertreten ist, und dessen! Vorsitzender mit Zustim!mung aller Mitglieder ernannt werden soll. Dieser Waad Haeljon hat alle äußeren Fragen, insbesoiwere das Budget, zu regeln. Mit Ihnen gemeinsam geben wir uns gern der Hoffnung hin, daß es Ihnen bei Ihrer Anwesenheit in Erez Jisroel, durch Rücksprache mit unserenc verehrten Führer Ussischkin, in nächster Zukunft gelingen wird, die Erziehungsfrage in diesem Sinne zu regeln. Wir verweisen bei dieser Gelegenheit auf den Beschlich Her Uinsterdamer Konferenz, die Hälfte unseres Jahresbudgets der Zionistischen Leitung zur Verfügung zu stellen, und falls die oben vorgeschlagene Regelung sich als nicht durchführbar erweisen sollte, einen Betrag von Lstr. 25,000 zu reservieren, um das traditionelle Schulwesen in unsere eigene Hand zu nehmen. London. Zentralbureau der Misrachi-Organisation. I. H. Hertz. Stuart M. Samuel. B. Schönfeld. H. Struck. Hierauf erwiderte Weizinann, er toerde bei Ussischkin sein Bestes tun, die Frage im Sinne des Briefes zu erledigen. DaS Zentralbüro des Misrachi erläßt folgenden Aufruf an die Misrachisten: Gesinnungsgenossen! Die Tage der Konferenz sind vorüber, — vie Zeit zur Arbeit ist da. Unser Volk wird in der nächsten Zukunft eine Riesenaufgabe leisten müssen, — und Misrachisten in der ganzen Welt »verden dabei in den ersten Reihen stehen. Die politischen und ökoiwmischen Bestrebungen dev Zionistischen Organisation zu unterstützen einerseits und anderseits den Standpunkt der Torah ganz klar zu betonen, ist dis Parole unserer Organisation. ' In der Wirklichkeit sollen sich diese Prinzipien in Der harmonischen Zusammenarbeit mit den verschiedenen zionistischen Instituten äußern, gleichzeitig aber die Autonom» unserer Organisation und die Ausrechterhaltung' ihrer grundlegenden heiligen Ideen sichern. Es ist hauptsächlich auf dem Gebiete der Erziehung und der kulturellen lArbeit, wo wir die .Unabhängigkeit: unserer Organisation fordern und zeigen müssen. . Die allbekannte Resolution der Amsterdamer Konferenz in Bezug auf ein autonomes Erziehungsamt in Erez Jisroel ist das Ergebnis dieser Notwendigkeit. Wir wollen uns keineswegs durch diese Entscheidung Ür die schmalen Grenzen unserer eigenen Erziehungsinstitute zurückziehen und auf unseren Einfluß über den anderen- Teil der -Erziehungsarbeit im Heiligen Lande! verzichten. Zwischen den Parteien stehend — im Galuth sowohl wie in Erez Jisroel — muß unser Hauptbestreben sich dahin richten, alle Kräfte unseres Volkes — die rechts und links stehenden — -einander näherzubringen, und sie wieder. zu bereinigen für den großen Zweck der Einheit von Gottes Volk, die Torah und das heilige Land. ' r - I- H- Herd- . t" . Stuart M» Samuel. B. Schönfeld. .- H. Struck. Briefwechsel wie Aufruf lassen erkennen, daßdie Opposition aus den Kqrheri der- Misrachisten gegen dies Amsterdamer Beschlüsse immerhin ein gewisses Einlenken, der Leitung bewirkt hat. Man darf übrigens tvohl annehmen, daß äs sich um Provisorien handelt, denn die endgültige Stellungnahnie des Misrachi zu der Schnlfrage in Palästina kann doch erst der künftige Misrachikongreß sestlegen. Auch fehlt ja bisher noch ein klar umrijsenes Programm der zionistischen Organisation für ihr Schulwerk. * Eine Juderrdebatte im Zürcher Kautonsrat. Jin Zürcher Kantonsrat beantragte Höhn (Dem.) Aufhebung der Befreiung der isr. Volksschüler vom Schreiben usw. am Samstag. Während 190t von 348 ,isr. Schülern nur 32 befreit ivaren, werden jetzt bereits 393 dispensierte Schüler gezählt, von denen 30«/o Ausländer sind. Redner protestierte gegen diese Bevorzugung: der jüdischen Minderheit. / Regierungsrat Dr. Monsson »nächte das bisherige Verfahren beibehalten wissen: nur wenn der Kantonsrab wünsche, daß die Dispens abgeschafft werde, werde die Regierung prüfen, ob man zur Aufhebung der DiSvens schreiten solle. B r i n e r iS.) schloß sich den Höhnsche» Ausführungew an, Ivährend Schneller (Cliristl.-Soz.) ihnen widersprach. Dr. F a r b st e i n (Soz.), der einzige Jude im Zürcher KantonSrat, beantragt Ablehnung des Antrags. Religio»» ist eine Gefühlssache, für die der Antragsteller aus einen» gewissen Rationalismus heraus kein Verständnis hat. Die Religio»» hat inj der Entwicklungsgeschichte der 'Menschheit «ine gewaltige Bedeutung. Es können auch sehr hochstehende Menschen Kinder ohne Religion erziehen; in dev Regel habe jedoch, die Religion eine erzieherische Bedeutung. .Durch die Religion »vird den» Kinde der kathegorische Imperativ, das „Du sollst" beigebracht. Die Dogmen verschwinden, das „Du sollst" verbleibt. Die' Schieber sind in der Regel Leute, die in ihrer Jugendzeit machen durften, was sie wollten, und denen der religiöskathegorische Imperativ etwas Fremdes war. Durch den Zwang am Sabbat zu schreiben, Ivird das Kind der orthodoxen Inden dcinoralisiert. Major Höhn habe auch einen Rabb. Roin zitiert, der. gegen das Schreiben an». Sabbat agitiert habe. Major Höhn solle sich nur den Sohn dieses Rabbiners, den Dr. Roin, ansehen, der an: Sabbat nicht geschrieben habe und trotzdem ein junger tüchtiger Arzt, sogar Oberleutnant oder Hauptmann der Sanität sei. Die 9ln nähme des 'Antrags würde zur Gründung konfessioneller Schulen führen. Die Ausführungen Farbsteiiis machten sichtlich Eindruck. Regierungspräs. Dr. Ernst erklärte, daß er als Schüler neben Juden in der Schule gesessen, auch später als Lehrer Jndenkinder unterrichtet habe, es ihm jedoch' nie eingefallen sei, einzuschreiten, wie es Höhn tat. EK war ihn» interessant zu hören, daß der Begriff des kathegorischen Imperativs auch in der jüd. Denkart seinen', Ausdruck gefunden hat. Man darf in den Kantonsrat! keine antisemitische Note hineintragen, die nicht zu Ehren, des Rates gereichen würde. Der jüd. Rasse hat die Welt die großen Geisteskämpfer, Philosophen und Künstler zrz jdanken, und die» Juden gehören zu den intelligentesten. Menschen. Diese kleinliche Art des Denkens gegenüber einem uns rassenfremden Volke sollte nicht zur Geltung kommen. Infolge der vorgerückten Stunde wurde die Erledigung des Antrags verschoben. Ungar». Neue Morde der Horthydauden. Wie dem „Abend" aus Budapest gemeldet wird, werben wieder zwei Leute vermißt, die von der Brachial» gewalt aus dem Wege geräumt wurden. Der eine ist der Weinhändler Abeles, der andere ist der Eigentümer einer der größten Pelzwarensirmen Budapests, JuliuS Elkan. Tagtäglich rotten sich einige Offiziere der Brachialtruppen zusammen, nennerk sich „Pogrompatrouille" und! durchqueren-die-Straßen. Sie prügickr imb berauben die» Juden- : : . - : .. . -- P<le«. HUfSattioue». Die erste Sitzung des Warschauer Komitees zur Unterstützung jüdischer Armer .in Polen brachte gleich einet Million Mark.. Es spendeten je 100 000 Mark: Bankier Rafael Schereschewsky, Alexander Guttmann. I. L. Schereschewsky und ein Ungenannter, je 50000 Mark: L- Priwes und Orlansky, je 25000 Mark; Dr. Klumeh. Abg. Farbstem, Rundstein, Grodsenski, Gutmann und- Fuchs. Zu Beginn Her Sitzung gab es eine kleine Sensation, indem Boleslaw Eiger seine Spende von 100 00® Mark zurnckzog, weil man ihn nicht ins Präsidium gewählt hatte. PalSstbw. relesierteuversmumlau» »er palSstiuenfische» Zu»eu. Der ,Maad Hasmani" beschloß — diesmal unter Zustimmung von Ussischkin ■— die Einberufung der Delegiertenversammlung der Palästinensischen Juden . zmok 6. Mai (Lag b'Omer). Die Wahlen sollen am 18. Aprik stattfinden. In die Erziehungskonnnissivu der „Sßoab Hasmani" wurden Rabb. Ostrowsky (Misrachi), Dr. Thon unb Rahel Katzenelson gewählt. Kurze politische Nachrichte». Karlsruhe. I« Landtag erwähnte Stockinger (Soz.), daß in Pforzheim Schüler, die dem Schutzuni» Trutzbund angehören, antisemitische Zettel an die Hausers klebten. Ferner lag eine sozialdemokratische Interpellation über die Karlsruher Vorgänge gegen die Berufung: des Direktors Meyer der Auergesellschaft in Berlin vor: Unterrichtsminister Hummel erwiderte, daß in einemf Erlaß erneut auf das Verbot der Beteiligung von Schülern an Vereinigungen jeder Art hingewiesen wurde, und daßf die bedauerlichen Vorgänge an der Technischen Hochschul» zu Karlsruhe auf die Verhetzung durch die Rechtsparteien: zurückzusühren seien; doch werde die Regierung auch int Zukunft sich nicht davon abhalten lassen, auf die Lehr-, stützte die Tüchtigsten zu berufen; bei Wiederholung deK Karlsruher Falles würde die Regierung sofort die Hochschule schließen, um zu zeigen, daß sie der Herr im Hausq ist und nicht die Studenten. Wie«. Im niederösterr. Landtag stellte» Maronnek und Genossen wegen der Abschiebung der jüdischen Flüchtlinge ausGalizien, „Parasiten, 'die sich durch Schleich- und Kettenhandel, Lebensmittelwucher und Börsenspekulationen an der Not der bodenständigen Bevölkerung mästen", eine Anfrage. In der Debatte erwiderte Sailer: „In Ungarn haben Sie jetzt! die starke Hand. Glauben Sie, daß jetzt dort, wenn aud$ die Juden eingekerkert, gehenkt und interniert werden, unter deni christlichsozialen Regime weniger geschoben, gehamstert und geschleichhandelt wird, als es bei uns de« Fall ist. Da. gibt es nur einen Austveg: Eine vernünftig« Erziehungspolitik. Es gibt, denke ich, eben so viele gut arische und gut christliche Schieber, Wucherer und Ketten^ Händler, wie es die Juden aus dem Osten sind." ZiouWsche Nachrichte«. Laudon. DaS Große Zionistische Aktionskomitee wirb in Zukunft den Namen Exekutiverat, das Innere Aktionskomitee den Namen Exekutive führen. Florenz Der neugewählte Vorstand der Gemeinde nahm folgende Resolution an: „SDie Jüdische Gemeinde von Florenz wird die engste Verbindung mit der Zionistischen Organisation aufrecht erhalten und ihren Wet-, jungen Folge leisten, Insoweit als sie nicht dem Geist» der Thora widersprechen. Sid beauftragt die Führer^ zwecks Durchführung des zionistischen Programms und des jüdischen Nationalsonds zusammenzuarbeiten." Aus der Misrachi-Beweguag. Zürich. DaS neuste Heft der von der Misrachi Landes» organisation in der Schweiz hercmsgegebenen Misrachh- Monatshefte enthält u. m: A. & Rom: Rach de» Amsterdamer Konferenz, Ginsbnrg: Emigration- Jakob Meiseis: Die Arbeiterfrage in Palästina» MoseS Berk»»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.