Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 10 (12.3.1920)
- Date
- 1920-03-12
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. li DIE' 1TELEFON^ •erfüll}- ALLt Ansprüche FRANKFURTER PRIVAT-TELE FON-GESELLSCHAFT. o.vii'tSc-u^'.^RANKFURT C:St/^r habe er vor seinem Tode beim Rabbiner um Vergebung für sein den Juden angetanes Unrecht gebeten. . Zürich. DaS Jüdische Heim ist infolge gewaltiger Mietsteigerung genötigt, am 1. April -seine Pforten zu schließen. Trieft. Am SS. Februar fuhren von hier 75 Juden, meist Palästinenser, nach Palästina. Ein hiesiger Zionist hat seine Villa als Emigrantenheim zur Verfügung gestellt. Demnächst werden eine jüdische Volksküche und ein jüdisches BolkshauS eröffnet. Lantzon Frau SraaiLbahnrat Melzer und Fra«, Dr. Rotfeld aus Lemberg, die im Interesse der ostaalizischeu jüdischen Waisenkinder die Länder des Westens besuchen, erhielten in London von dem Hilfsfonds für die ostjüdischen Opfer 6000 Pfund und von der Bereinigung Jüdischer Frauen 3000 Pfund Sterling. Kein Port. Louis Marshall sagte m einer Rede daß in, Newyork mindestens 200000 jüdische Kinder ohnejüdischenllnterricht aufwachsen. Kraittsttrter Berichte. Sn« der Xiüglett der «etMche» g*tfe««e. AuSzug aus einem Brief der Wiener Weibl. Fürsorge an die Weibl. Fürsorge in Frankfurt a. M. . . Wien. 28. gebt. 1920. . Mit innigstem Dank haben wir eine neuerliche Spende von 2000.— Kronen erhalten, die wir unserer (durch Sie ermöglichte) Brothilfsaltion zuwrnden. Wir haben mit Hilfe der uns angefchlossencn Bezirks- und Sinderschutzvereine die rinderreichsten und ärmsten A. 91. Thyssen Stets Eingang MT Neuheiten In Tnpeten Teppiohe Läufer Verlagen 10 -Ina Naiuerstrasse 20 KekeWeieefreueiutreaie. Telefon: Heue» 1284. Familien in den A Wiener Bezirk!« cmsgewähtt und zahl« ihnen direkt bet der BrotrayonterungSstelle, der sie zugeteilt sind, je nach der Kopfzahl 1—4 Laib Brot (ä ö.M Kr.), wöchentlich bis zum Eintritt deS Prsachfestrs. Do haben wir den ärmst« Wiener Kindern der jüdisch« Gemeinde die Not dieser härtest« Zeit erleichtern können. Kleine Retizen» Am 1. Nissan ist seit dem Hinscheid« des unvergeßlichen Lehrers Hermann Schwab ein Jahr verflossen. ES ist bekannt, mit welch rastlosem Eifer dsb' Entschlafene für Limud Thauro gewirkt hat, und wie er insbesondere dem Talmud Thora-Berein in selbstlosester Hingabe lange Jahre seine Tätigkeit widmete. Der Vorstand hat daher, einer Anregung von befreundeter Seite folgend, zum ehrenden Andenken des verehrten Mannes eine .Hermann Schwab-Stiftung" begründet, der« Zinsen für die Zwecke des Talmud - Thora - Vereins bestimmt sind. — ES ergeht nunmehr seitens des Vorstandes an alle, denen die Pflege des Thorasludiums am Herzen liegt, die Bitte um Ueberweisung eines Beitrages für die Hermann Schwab- Stiftung des Tabnud - Thora - Vereins. (Postscheckkonto Herbert Heimann Rr. 44382.) Der Verein der Ostjuden „Tikwas Zion" veranstaltet am 28. März einMissanfeft (Deklamationen usw., Ball), im großen Saal d s To.ks'idungshe ms, Näheres •siehe Inserat in der heutigen Nummer. Der Verein z. Förderung der Interessen der isr. Taubstummen Deutschlands fytt in Frankfurt einen Zweigverein gegründet. Der Vorsitzende dieses Zwergvereins Albert Kahn, Seilerstr. 35, nimmt Anmeldung von Mitglied?« entgegen. Letzten Sonntag nachmittag veranstaltete der Monte-, s i o r e mit einem abwechslungsreichem Programm und anschließenden Tanz eine Purim fei er. die all« Anwesenden einige recht gemütliche, unterhaltende Stunden gab. Hervoraehoben sei der zwetaktige Stoltzesche Lokal- : schwank „Verspekuliert", der große Heiterkeit auSlöste. Die Purimfeier wird nächsten Sonntag wiederholt. Personalien. Still und bescheiden, wie er lebte und wirkte, ko ist ein Edler unter uns dcchingegangen: Reb Zacharias Mohrer s. A. ist eS.wiederum, der uns «triff« wurde.; Dieser wahre Talmid Chochom, ein Pionier des thoratreue» Judentums, war jedem, der daS Glück hatte, die Tiefe .feines Geistes und die Schärfe seines Verstandes zu bewundern, eine anerkannte Autorität."Sein nicht hoch genug einschätzbares Wissen «ms dem Gebiete, der rein jüdischen als auch weltlichen Kultur räumte ihm den Platz und die Bedeutung in beiden hiesigen Gemeinden ein, wie sie nur wenig Berufene innehaben und hatten. Nichts in dem schier un- ergründlichen Meere unserer Wissenschaft gab es, wo er Wissensdurstigen nicht hätte Führer sein können, nichts, wo seine bezwingende Logik nicht Dunkel erhellte. Und nur wem es vergönnt war. diesem Wegebayner folgen zu dürft». vermag die Größe des Verlustes zu ermess«, den uns der Heimgang dieses erst 57jährigen in vollster Blüte - uns Genommenen, verursachte. Schweigen wir im Sinne deS Entschlafeneil von seinen langdauernden Werken tätiger Menschenliebe, halt« wir vielmehr mit seiner so schwer geprüften Familie das Andenken dieses Kauh« Zedek nacheifernd fest. x. Stempesju. Roman von Scholem Aleche«. Aus de« Jüdisch« Üearbeitet von Gannel Mßseks. B»rtfetzung.) 11. Stempenju und seine „Kapelle". I Unbeschreibliche Aufregung herrschte in jedem Städtch«, daS das Glück hatte, Stempenj» mit seiner „Kapelle" zu beherbergen. Ueberall jauchzten ihm die Herzen entgegen. „Scha, da kommt von der Mühle her ein Fuhrwerk mit vier Pferden, es sind wahrscheinlich die Hochzeitsgäste." „Nein, es sind die Musikanten. Stempenju ist's mit seiner Kompanie." „Ah? Stempenju? Stempenju ist schon da? Da wird's aber, eine fröhliche Hochzeit werden." Junge Frau« erröten, junge Mädchen beeilen sich, das Haar zu ordnen und die langen Zöpfe zu flechten. Jüngelchen stülpen die Höschen bis über die Schenkel und laufen Stempenju entgegen. Selbst erwachsene Juden, verheiratete, mit Börden, tauchen in der Gasse auf und lächeln zufrieden. Langsam bewegt sich daS Fuhrwerk der Herberge zu. Inzwischen .füllt .sich die Gasse mit -Menschen. Jeder bleibt., rin Weilchen stehen, um Stempenju und seine Kompanie zu mustern. »/Seht nur, wie sie sich drängen'. Seht nur, wie der da mit den Ellenbogen arbeitet, möchte justament der erste fein! Was gibt's denn zu sehen, ihr Narren? Musikant«, wie alle Musikanten." So schreit jeder und drängt sich doch inzwischen an' daS Fuhrwerk heran, um der erste zu sein, der die Musikanten in Augenschein nimmt. Vor. allen anderen steigt vom Fuhrwerk herunter Jankl Kontrabaß, der d« Kontrabaß spielt, ein boshafter Mensch mit einer eingefallenen. Nase. Ihm folgt Lechisch mit dem Klarinett, ein verschlafmes Männlein -mit groben Lippen. Dann kommt zum Vorschein Chajkel Horbatsch, auch Thajkel Badch«. genannt. Sein nächster Nachbar ist ein schwarzer Kerl mit lang«, wilde» Augenbrauen, das ist Schneier-Meier, der „Sekundär"'. Dann kriechen hervor drei mißgestaltete Jungen mit geschwollen« Backen, blutunterlaufen« Aug«. und großen Zähn«, das sind die Lehrjungen. Zuguterletzt kommt der krummbeinige Mechtfche Paukenschläger hergewackelt, er trägt eine Pauke, die ohne Uebertreibung zweimal so groß ist als er-selbst . . . Das ist Stempenjus »Kapelle" . . . JungeS Volk sammelt sich um die niedliche Gesellschaft. Chederjungen schleichen heimlich aus dem SchulhemS, stellen sich scharenweise vor dem Fuhrwerk aus und bilden ein« Kreis um Stempenjus Kapelle. Junge Kinder ruhen nicht, der eine bewundert daS Klarinett, der zweite schlägt mit wuchtiMr Faust "auf die Pauke, der dritte zupft die 6-Saite am Kontrabaß. Jäkel versetzt dem einen.ein« Hieb, droht dem anderen mit dem Finger uiü> verspricht allen inSge>c>mt eine Tracht Prügel . . . Die Pauke erdröhnt, die Saite stöhnt, Jockel schimpft, die Kinder lachen, kurz. daS ganze Städtchen klingt und singt vor Freude. So geht cs zu in Ohmelnigk, so in GontejarSk, so in allen Städtch«, die mit Stempenjus Gegenwart beglückt werden. AlW in allem: Stempenju spielt die Geige und bewegt damit eine Welt. III. StempcnjuSBorbcreitnngen. In Mazepewka herrscht große Freude. Reb Chajim Benzion Glock verheiratete seine Tochter, die jüngste, Wwkeft. Nun, warum soll man den» die Frecwe nicht mitgenießen? Warum soll man so eine Hochzeit sich entgehen lass«? Ist ja Chajim Benzion Glock, wie man so sagt, der reichste Mann im Städtch«, und sicherlich wirbauf - der Hochzeit kein einziger Bürger der Stadt fehlen! Sie kommen höchstwahrscheinlich alle — der eine als guter Freund, her zweite aus Neid, der dritte, um seine Pflicht zu erfüllen, der vierte, um den Schmuck feiner Frau, die Perlen, die Ohrringe, die Halskette, zu zeigen. Die meist« jedoch kommen, um Stemp«ju spiel« zu hören. Kurz, ganz Mazepewka freut sich auf Riwftles Hochzeit. Ganz besondere Anteilnahme an denHochzeitsfestlichkeiten bekundet Eisik Naftali, der mit Weib und Kindern erschien« ist. Eisik Naftali hatte auch tzut« G«nd, sich mitzusreuen, denn erster^ war rr Ehajim Denzion Blocks Kompagnon im Geschäft, Teilhaber an der Mühle, und zweitens war er mit ihm weitläufig berwandt. Eisik NaftaliS Frau, Dwosche Malke. war aufgeputzt wie eine „wirkliche Verwandte". Sie drehte sich hin und her, machte aflerhaad Vackdbewegung«, schrie, lamentierte^ und war bestrebt, den Anschein zu erweck«, aks hätte sie die Hände voll 3« top». - Modoiiea für tuuere Mass-Abteilung Jackenkostfim© and Mantel Mgene Stoffe werden fflr Mewnfertigung «genommen ROBINSOHM. Sraalfatter Bccnnteltaanca. Mekor Chajim, SamStag. 4 Uhr:: Mikro (Leop. Oppenheimer). Sonntag, &U Uhr: Hagodoh (Schachao» Witz). — Tiferes Bachurim. Sonntag, S¥* tUjr; Langestr. 33: Der Frankfurter Purim (cänd. Speftr). — Agudas Jisroel-Jugendgruppe. Sonntag vor< mittag 8 Uhr: Chumesch mit Rasche (Leop. Oppenheimer), DftnStag. Uhr ab«dS: Hagadah*) (Zahnarzt Ehrmann), Mittwoch, 8Ys: Heimabend, „Die Agudoh und ihre Ideale". Donnerstag, 8tya: Htrschs Neunzehn Äciese.*) Montefiore, Sonntag, '4 Uhr: Wiederholung der Purimfeier, Montag, 8 Uhr: Heimabend, Mittwoch, 8 Uhr: Shylok (Dr. Groß). Talmud Thora-Berein, SamStag, Schluß de» MougengotteSdienstes: Dinim (Dr. Friedmarm). Uhr: Raschi (LipinSky). Sonntag. Schluß des Morgengotte»' dienstes: Mischnah (Dr. Friedmmm). vorm. SUHr: Schulchan Aruch (Lipinsky). Schluß des Abendgottesdienstes: Dinim schel Pesach (Unna), Montag, 6>/. Uftc: Miko tUtmo& Dienstag, 6 Uhr, abends: Ehauwaus Haboowaulh (Dr. Braun), Mittwoch..Schluß deS Mvrg«gotteSdftnstchs: Misthnah (Dr. Friedman»), Donnerstag, abends Hermesweg 27:Gem«ra (Unna). — Verein selbst, ifr. Handwerke r, Mittwoch, 8 Uhr, Casd Goldschmidt: Wie es zur bürgerlich« Gleichberechtigung der Jud« kam? (Dr. Salfeld). Literarische Rundschau. Gertrud «arx. Das menschliche Bewußtsein voltzieht sich in Konttnwität; in innerem Zusammenhang schließt sich deck Seeftnftbe« der M«sch«. Wir nenn« es »Jch^ und find uns bewußt. *) Auch für Damen. Condltoret und €afd Wilhelm Wendel Hen renoviert Ihre Schwiegertochter, Ruchele, die sich neben der Braut postierte, war angezogen wie eine Prinzessin, ihre blaue» Augen leuchteten wie zwei Edelsteine, und ihre Wange» glühten wie zwei blühende Ros«. Mit der eia« Hand ordnete sie der Braut das Haar, das nach alter Sitte vor dem „Bedecken" unter Schluchzen und Träne« gelöst wurde, und mit der andern strich sie sanft ch»» weiß« Hals, ohne zu bemerk«, daß ein Paar schwarzen Augen auf sie gerichtet war und jede ihrer Bewegungen musterte ... Das Dienstpersonal lief geichästig hi» und her. Die Verwandten der Brautleute lärmten und schrien durcheinander: „ES ist doch schon höchste Zeit, die Braut zu bedeck«! — Wie lange soll m/tnnach die Kinder fast« lass«?! - Bei solch einem langen Sommertag!" — Alle schrien: ^.Schon Zeit! Höchste Zeit!" — aber niemand rührte eine Hand. Eisik Naftali. mit einem Samtkäppch« auf dem Kopf, spazierte mit verschlungenen Arm« auf und ab. Dwosche Malke machte einen Heidenlärm- Die übrigen Verwandt« lief« kreuz und quer. Alles rannte, schrie, gestikulierte mit den Händen, aber niemand tat etwas. „Nu, warum tut man nit was?" fragte man von der ein« Seite. „Nu, warum sängt man.nit an, was zu tun?" gast man von der and«« Seite zur Antwort. „Hat man denn je die Kinder so lange fasten lass«?" schrie man von der einen Seite. .Wirklich unerhört, daß man die Kinder so lange tasten läßt!" gab man von der anderen Seite zur Antwort. .Wozu läuft man hin und her?" .Was nützt die Lauferei?"' „Alle laufen, alle lärm«, und jeder bleiÄ auf Hin« Steift stehen. Schöne Mithelser!" „Schon genug grresttt Schon Zeit, etwas zu tunk Es muß doch ein End' habwl" . „Schon genug gesprochen! Man fange «dlich an» etwas zu tun!" »Wo sind die Musikant«?" fragt« dft Verwandten des Bräutigams. ,^Die Musikanten, wo sind?" antwortet« dft Verwandten der Braut. Die Musikant« rüstet« sich - zur .Arbeit"; man schmierte dft Bog«, stimmte dft Instrumente. Jokel Baß zupfte ein Jüngelchen am Ohr äirrv erklärte chm: ^Aart. Du Bastard, ich werd' Dich lehr«, wie man Sockten zieht Mechtfche Pank«schlLger kratzte sich das mit Stoppeln besäft