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Neue jüdische Presse · 1920-03-12 · Heft 10 (12.3.1920) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
18 (1920)
Issue
Heft 10 (12.3.1920)
Date
1920-03-12
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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»MH. Feine Herrenu. Damen-Schneiderei PriaaTerarbsttwi*. SolidePrelse. A. Schaffer» Schneidermstr. LÄ1107 feU: E. M09. - vis i ria dar Hanptpast. so die innere Einheit zu ergreifen, die unser Leben bedeutet; das Eine, was Längst - Vergangenes mit unserem Heutigen verbindet und daS in aller von uns erlebtet 'Zuftinst noch das Verharrende sein wird. Unser menschllches Bewußtsein ist .Ich", das heißt: Persönlichkeit. Aber ein Jeder ist Persönlichkeit nur für sich selbst. Denn wir nehmen am andern nur Seelenäußerungen wahr, deren Zusammenhänge wir kaum mehr als vermuten könnend Und wir arbeiten mit innerster Kraft daran, am andere» «ns Begegnenden das Einheitliche wahrzunehmen, seine Persönlichkttt zu erfassen und sein Bewußtsein qualitattv-dön unseren anzugleichen. — Im lebendigen Leben gelingt iS rverhältnismäßig.leicht. Denn die andere Persönlichkeit, unmittelbar von uns erlebt, löst viele Gedankenverbindungen in uns aus; aus ihnen allen bildet sich der umnittHbare andere Mensch. - Das unmittelbare Erlebnis verliert sich, sobald der andere Marsch gestorben ist. AuS Erinnerungen fetzen wir ihn zusammen und ttagen ihn gleich lebendig wie zuvor. —> Aber kannten wir ihn nicht, so sind wir auf seine Tate» und -SBerfe verwiesen, die uns in langer Gedankenarbeit daS Blld deö Schaffenden verlebendigen. . Diesen letzten Weg müssen wir gehen, um Gertrud Moäx*)als Dichterin und Mensch zu begreifen, d. i. als Persönlichkeit. Damit aber verlangen wir ein Tieferes: nicht die Künstlerin bloß (sofern es überhaupt möglich ist, Künstlertum vom Menschentum zu trennen), nicht den bivgraphischen Menschensondern das Unmittelbare des Künstlers' selbst, daS eigentlich immer zerfließt und das nur durch die Taten und Werke zusammengehalten wird. Gleich nehmen wir wahr (nicht.ohne Erstaune» und Enttäuschung zugleich): das eigentlich kämpferische fehlt; -für sic ist das Göttliche kein Aätsel, ewig neu gestellt und ewig neu zu lösen, aber eine selbstverständliche Erkenntnis; nicht wie dem Mystiker ewiger Gegenstand der Jplbrunst oder Ekstase;, sondern mehr Gegenstand der ®r* Lauung und Andacht; nicht wie dem Philosophen höchste -Ideeder man sich kaum erahnend naht, sondern fast Alltag und Gemeinplatz, da das Göttliche ganz Gestalt geworben ist. ES' ist eine Mrm inniger Gottbettachtung, die schon des Brausenden, ewig neu Erwerbenden nicht mehr bedarf; *) .jüdische Gedichte" von Gertrud Marx. Borwort von Bertha Badt. 256 Seiten. 6 Mk. Berlin, Jüdischer Verlag. UM'! JUMlfe M Mage J&ü»erntr«BC 69, , L-Llo» 8 Uhr. Tel; H. 1516 flwi «Mkludie Attraktion« - Programme. v«M Kt— M«»tl>wpl>l» — Wate«. eine Gott-.- Erfüllthüt, die menschlich - einfach und - ganz alltäglich wäre, stünde nicht hinter-, allem, glaubensstarkes Pathos und. zauberhafte Harmonie in sich selbst.;. *?■ Ihr Grundgedanke: daß des Dasein's Nätsechasiigkeit vom Menschen nicht gelöst werden soll; Israels Sendung: die Befreiung in der Gottheit ganz gläubig zu finden. Entsprechend des Einzelnen Aufgabe, sich mehr dieses Volksgefühls zu versichern und als Glied einer großen Gemeinschaft dem Unendlichen stanbzuhallen. - Aber ist dies noch eine künstlerische Fragestellung und. eine künstlerische Aittwort? Die biographische Einleitung bemerkt umfangreichs Tagebücher, aus denen vorliegende Sammlung nur mehr Auszug zu sein scheint. Vielleicht ist dort-alles kämpserisch ausgeglüht, sodaß hier Harmonie und Klarheit entstehen' konnten; ist dort alles Problematische wohl geborgen aber dem außenstehenden Seelenforscher noch nicht zugänglich. Denn um der Dichterin wahren Geist zu begreifen, um ihr Bild in.seiner inneren Entwicklung zu runden, wären sie erforderlich genug. — Wir aber (als Außenstehende) setzen , diese angedeutete Entwicklung voraus, und erschließen aus dem vorliegenden Werk eine in's Ewige gerichtete Persönlichkeit, die in seltsamer Mischung von Begeisterung und Vernunft das Weltbild gestalttt hat. ' So klingt als tieferlebte Lehre, wenn es "letzte Weisheit heißt: ■ Horchet auf die Stimmen Eurer Alten. Denn dieser innersten Einstellung in des Volkes ganze geistige und weltliche Vergangenheit bedürfen wir-sehr. Diese ungewöhnliche Frau hat zwar keine neuen weltstürmenden Fragen gestellt, geschweige zu ihrer Lösung beigettagen; aber sie hat in Erlebnis und Gestaltung (aus Liebe und.Geist) die. Einheit gebildet, die auch ein Jeder von uns Anderen sucht. H. W. Literarische Rstizer». - Die Zuuzstiftung unterstützt durch eine Beihilfe zu den Druckkosten Arbeiten, die in philologisch-historischer Methode die Wissenschaft des Judentums fördern. Gesuche und Manuskripte sind bis Ende März zu richten an Dr. Sußnitzsi, Berlin, Artilleriestt. 14. Für 1920 sind 1600 M. verfügbar. Oifenbaclier Drncklnit-Aalage OffMbaoh a. M. Telefon 133. | PnBbertreffeiie Tepplchrclnlyg mittelst Drooklaft. S»che»-S«lettder. Samstag, 13 März (23. Adar). Sabbat-Anfang in Frankfurt 5 Uhr 50 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt 7 Uhr 10 Min. Wochenabschnitt: Wajakhel und Pekudei. ParschasPoroh. Wochengottesdienst in Frankfurt: 6V° Uhr morgens, 6 Uhr abends in den meisten Synagogen. Ka«Mr«»>chrtchteit. ’. Barmizwos.' Walter Stiebet, Palmstr. 9, Synagoge Friedb. Anlage. — Kurt Nuhbaunr, Bäckerweg 54, Synagoge Börneplatz. ik Kaffee Hnhland TS :, ' Kalsemtrasse 58 . Xsiaeratrasaa 56 flWkh entklHdie Verlobte. Henni Goldschmidt, Hammanstr. 10 mit eulüiS Hirsch, Bad Homburg. — Else Neuburger mit Albert ippmann. — Hermann Löb, ©r&neftr. 42 mit Agathe Jcidel, Pfungstadt. — Gerta Straus. Kurfürstenstr. Ä) mit Ferdinand Oppenheim. Gestorben. Heinrich I. Hanau, 65 I., Theobaldstr. *7 25. — Nathan Schwabacher, Finkcnhosstr. Ä. — Emanuel Kleeblatt, 78 I., Günthersburgallee 16». — Julius Mlmann, j 67 I., Seilerstt, 19. — Lina Stern Wwe. geb. Stern, ::- 43 I., Ostendstt. 22. — Rannette Elsässer geb. Wassermgnn. '■ — Jda Münzer geb. Müller. 43 I., Känigstt. 71. — I Salomon Freudenberger, Theobaldstt. 8. — S. Josef Woiss. - * «\ M«gesa«dt. ' - \\ Ich lese in Ihrem geschätzten Blatte eine Beröffent-? / lichung der Deutsch-Holländischen Palästina-Verwaltung in \; bezug auf die vorläufigen Vereinbarungen, die zwischen den / Pekidim und Amarkelim und demMisrachi gettosfen wurden. Es wird darin die Behauptung ausgestellt, daß mit Rück-! sicht' auf den vorläufigen Charakter der Berhandlungeft : I vorerst darüber nichts zu veröffentlichen wäre. (, Dem gegenüber erlaube ich mir zu erklären, daß der Wortlaut des sofort veröffentlichten Communiquees*)! zwischen dem Herrn Dr. M. Auerbach von seiten der ) Pekidim und mir vereinbart wurde. Wie weit der übrige '( Teil des Dementi den Tatsachen nicht entspricht, will ich vorläufig nicht auseinanversetzen, gerade mit Rücksicht auf j i daS Uebereinkommen, daß die Details unserer Verein- ( < barung vor der endgültigen Beschlußfassung nicht zu per-! < öffentlichen wären., Sobald die Angelegenheit endgültig - entschieden ist, werde ich das ebenfalls vom Herrn Dr. } f M. Auerbach'und mir verifizierte Protokoll der Verhand- ]{ lungen der Oessentlichkeit übergeben. ES wird sich daraus erweisen, daß auch in bezug auf den Charakter der vor- H läufigen Vereinbarung die Darstellung der Deutsch-Holläni dischen Palästina-Verwaltung den Tatsachen nicht ganz ent- -! spricht. .!! London,. 24. Febr. Nabb. Dr. D. Schönfeld. *) Dieses lautet: - - Bon.Seittn der MiSrachi-Organisation und der Peki-! dim und Amarkelim wird berichtet: . . .,j In Amsterdam fanden anfangs Schebath zwischen den; Vertretern des Misrachi und der Pekidim und Amarkelim ' über eine Arbeitsgemeinschaft auf dem Gebiete des Schul- Z wesen in Ercz Israel statt? Sobald die Verhandlungeft i die Zustimmung der noch in Betracht kommenden Instanzen' i gesunden habenwerden die Einzelheiten bekannt gegeben .werden. Es besteht die berechtigte Hoffnungdaß die Btt-; einbarungen in naher Zukunft in Kraft treten können. ' ’ Theo JohadS Konfitüren und Schokolade Kinn. Ehajkel Bädchen ttamte vor einem Melameb. bei dem er eine Prise Schnupftabak nahm, allerhand Witze «nd AueL>oten aus. Die verschwolleneu Jungen mit den g»tzen Zähnen gruppierten sich um Stempenju, der sich mit ihnen in ihrer Musikantensprache unterhielt. .Mer kst den» das Mädchen, das neben der Braut steht?" fragte Stempenju, indem er mit einem Seitenblick auf die, schöne Ruchele hinwies.. ,>Geh, Jerachmiel," waubtt er sich an einender Musikantenjungen, „geh und erkundige Dich! Aber schnell." Jerachmiel eilte und kam bald mit einer klaren Antwort zurück. „Das - ist kein Mädchen, däs ist schon 'ne Frau. - - Eisik Naftalis Schwiegertochter, von Chmelnizk ist sie, und dieser La — seht Mt? f—. der mit 'm samtenen Käppchen, daS ist Ihr Mann!" - . IV. Stempenjus Fiedel. Nach all dem Getümmel, nach all dem Hin- und Herlaufen war man endlich soweit, an das .Bedecken" zu schreiten.' Die Braut wurde mit aufgelöstem Haar inmitten des Zimmers auf einen Stuhl gesetzt, em Kreis von Frauen und Mädchen stellte sich um sie, und Stempeln-leitete die Zeremonie mit einem ernsten Musik- Dortfttzuug folgt.) . »»ThrWiche" Barmherzigkeit — nur bei Indem .Der sozialdemottattsche Abgeordnete Niko lo us O stc rroth.schreibt in der .Dresd. BoltSztg.": „Nicht die Farbe der Haare und der Laut, nicht die Form der Nase machen den Menschen, sonder» seine Gesiunung. Ich lag im Weltkrieg an der polnischen Grenze,' nahe bei dem furchtbar heimgesuchten Kalisch mit feiner aro^ntells jüdischen rBeVölkerunch deren jämmerliche Heime bac Stütfi zerstörte, deren kümmerlichen Erwerb er per« ntzhtete. Im Sommer 1915, als die Kirschen reisten, mie» lete -ittn kmderreicher, alter, Iranker' Jude 'an der Straße nach Kalisch ^u.e-Anzahl Ad^chbäume, ^üm durch HandÄ seinen Unterhalt zu verdienen. Die Soldaten stibitzten ihm eines Abends vor dem Gefangenenlager die Kirschen, und auf seine Hilferufe.mißhandelten sie ihn obendrein in der scheußlichsten Weise. Ich nahm ihn in Schutz und wollte die Frevler auch ^ur Sttase melden. .Der alte Jude vereitelte es. Eine Woche später brach die Ruhrepidemie aus, und ich wurde krank ins überfüllte Revier 'eingeliefert. Mit mir einer der Peiniger des alten Juden. Irgendwie erfuhr dies der alte Jude. Bon da au bis zu unserer Genesung erschien er jeden Morgen am Fenster und brachtt nicht allein mp, sondern auch seinem Peiniger Milch und Weißbrot, wobei er sich in der beharrlichsten Weise weigelte, eine Bezahlung änzunehmen. Wer sieht in solchen Zügen nicht daS Charakterbild des Lessingschen Nathan? Im Frühjahr 1917, in der schlimmsten Kohlrübenzeit, wurde ich von meiner Organisation reklamiert, »m meine gewerkschaftliche Tätigkeit auszuüben, zu der auch die RechtSschutzertttlung, die von den Aermstender Armen, den Kriegskrüppeln, den Kriegswitwen und Kriegswaisen, in besonderem Maße in Anspruch genommen wurde, gehörte. Zur Linderung großer Not mußte ich oft den Bettelsack schwingen für meine Schutzbefohlenen. .An jüdischen Türen habe ich nie vergeblich gellopft, im Gegensatz zu christlichen begüterten Gesellschaftskreisen. „Christliche" Barmherzigkeit habe ich iit der Regel and vorbehaltlos nur bei Juden gefunken. Ei» Kaufmann jüdischer Abstammung aus meiner Bekanutschast hat in sttengster Anonymität Wagenladungen billiger Friedensware teils unentgeltlich, teils tzu Friedenspreisen meinen Armen gegeben, statt s e wie andere zu Wucherpreisen zu verkaufen: Größe, vor der ich den Hut ziehe, weil ich sie in diesem'-Ausmaß nur bei Juden fand. Und darum verwundert mich, den Sozialdemottate» mit streng-christlicher Jugenderziehung, den ringenden und kämpfenden Proletarier, die Judenhetze um so schmerzlicher, weil ich sehe,, daß sie wirkt, auch in den verhetzten und irregeleiteten Arbeitermassen. ..." Der Mystizismus im Judeutum. Oberrabblner Dr. C h a j e s - Wien führte in einem Borttage über den. Mystizismus im Judentum folgendes aus: Die Behauptung, das Judentum kenne ursprünglich überhaupt nicht einen MysttziSmuS, ist unrichtig." /Richtig, ist nur, daß-das jüdische Schttsttum die Mhstck bewußt In den Hintergrund drängt, um zu verhindern, daßdie klare Erfassung der religiösen Grundgedanken erschwert werde. Die meisten bedeutenden Halachisten haben auch mystische Werke verfaßt, waS sie durchaus nicht veranlaßic, dem. mystischen Element in der Halacha Raum zu : gewähren. ' ' So führte der Mystizismus in den normalen Zeiten - des Volkslebens ein unterirdisches Dasein, brach jedoch in * Zeiten nationaler Krisen an die Oberfläche durch. So zur . Zeit der Ersten.Tempelzerstörung (Moses-,.Eljahulegenden). Damals lebte'der Prophet Ezechiel, hei dem' d<2 erste mystische System — vom himmlischen Wagen — zu finden ist. In dp Zeit der Makkabäerkämpse zeigt sich der Mystizismus besonders in dem Buche Daniel.' Die systematischen mystischen Schriften sind zumeist im - Mittelalter entstanden. Dir Tatsache jedoch, daß hie Entstehung des Sohar rückdatiert werden konnte, .daß ferner die Air che. in der ihrer schriftlichen Fixierung nach jungen Kabbala Bestättgungen der christlichen Lehren finden wollte, der Umstand.endlich, daß wir jetzt durch die im 11-. Jahrhundert verfaßte Chronik des Achimaaz dokumentarisch feststellen können, wie die Geheimlehre von Babylon über Palästtna nach Italien, Deutschland, Frankreich und Spanien ihren Wey nahm, all das weist auf einen alten! Bestand an jüdrschen mystischen Lehren hin, welche dann spät in ein System gebracht wurden. Diese bähnbrechende Systembildung wurde wieder durch nationale Krisen veranlaßt, durch die Kreuzzüge in der deutschen Rheingegend und schon nach der Entstehung des Sohar in Spanien- . Loria, der Hauptvertreter der orientalischen Kabbala, in welcher der moderne jüdische DtystiziSmus des Chassidismus wurzelt, ist wahrscheinlich italienischer Jude, stcmd - jedoch ganz unter dem Einfluß des spanisch-orientalischen Judentums. Loria und die Kabbala sind am stärksten den Hinweisen auf die Abhängigkeit der jüdischen pon der christttchen' Mystik ausgesetzt. Genaue Betrachtung zeigt jedoch uralte jüdisch-mystrsche Strömung.», welche schon das .Ehttstentum des Neuen Testamentes befruchtet haben. So der bei Loria zu findende Gedanke der Erbsünde, der schon in der altjüdisch-mystischen -Literatur vorkommt, worauf äuch im Talmud hingewieseu wird. ' : Zuletzt erscheint der Mystizismus um die Wende des 17. und 18. Krhrhunderts in Osteuropa als das durch die große materielle Krise der Ehmelnickypogrome und die see- Üsch«. des pftudomesstänischen FrankiSmuS erschütterte Ostjudentum den Chassidismus hervorbrachte'.

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