Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 8 (27.2.1920)
- Date
- 1920-02-27
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sr. 8- Seite 2. I I TELEFON erFullh ALLE Ansprüche^Wj FRANKFURTER PRIVAT-TELEFON-GESElLSCHAFT-t- - .- --■f.". FRANKFURT VM. femspr r.crso (-S5/5- «er Regie geschehen, seine Arbeit ist nur der Bodcntauf. Auf ihn müssen sich seine Kräfte konzentrieren. Adolf Boehm vermißt in den Aeußerungen der Leitung die notwendige Einheitlichkeit und möchte hauptsächlich wissen, welche Prinzipien die Leitung bei ihren Forderungen inbezug auf ihren Vertrag mit der - Mandatarmacht ausstellt, da hiervon ein großer Teil der Kolonisationspläne ab hängt. Alle jüdische Kolonisation müsse auf dem Boden des Nationalfonds vor sich gehen; dies ist aber kein Hindernis für die Heranziehung des Privatj. Kapitals für die Landwirtschaft, wenn den Pächtern nur genügend lange Verträge gegeben werden. Man wird eine Nationalsubfkriptron brauchen. Die zu gründenden Liquidationsbanken müssen von London aus unterstützt -werden. Es ist notwendig, über die Kompetenz der Zionistischen Kommission Aufklärung zu haben. In der Rachmittagsfitzung leitete - die Debatte H. Sacher ein, der soeben aus Palästina zurückgekehrt ist. 9c verwies darauf, daß streng zwischen geschäftlichen Instituten und solchen Ausgaben unterschieden werden muß, welche um des politischen oder philanthropischen Zweckes unternommen werden. Er ging hierauf speziell auf die Möglichkeiten für öffentliche Arbeiten in Palästina ein. Was das Gemeineigentum anlangt, sei eine Ausschaltung des Prwateigentumst durch Zwangsmaßnahmen unmöglich. Naiditsch unterbreitete der Sitzung einen Vorschlag zwecks Finanzierung der Immigration. Unter der Voraussetzung, daß 5000 Familien jährlich anzusiedeln sind, gibt, er der Ueberzeugung Ausdruck, daß sich die hierfür nötigen Gelder auf folgender Basis beschaffen ließen: Er schlägt vor, an tausend Personen hercmzutreten und sie zur Zahlung «on je 1000 Lstrl. jährlich auf 10 Jahre einzuladen. Dies würde einen Betrag von 10 Millionen ergeben. Weitere 20 Millionen wären von 2000 resp. 10 000 Personen in Raten von je 500 oder 100 Lstrl. aufzubringen. Auf diese Weise ließe sich die Finanzierung der Immigration sichern. Ing. Stricker meinte, daß die'Frage der nationalen Wirtschaft in Palästina nicht durch Resolutionen, sondern nur.'durch die Arbeit in Palästina selbst entschieden werden . kann. Die Vorbereitung des Einwanderungsmaterials, das die für die Entwicklung des Landes notwendigsten Kräfte zun Verfügung stellen soll, mutz und kann schon in der Diaspora systematisch durchgeführt werden. Jean Fischer sprach über die Frage der Anleihe «ad meint, daß ihre Verzinsung nur eine Budgetfrage Ist. Prost Marburg verwies darauf, daß die Uebernahme Ssfenüicher Arbeiten eventuell sehr aktuell werden kann, daß für die geschäftlichen Unternehmungen die von Simon vorgebrachten Vorschläge richtig sind, und daß für alle anderen Arbeiten große Fonds aufgebracht werden müssen. Die Vorschläge von Naiditsch seien ernster Beachtung wert. Die Palaftinadebatte wurde am Dienstag, den 17. Februar, obends, zunächst durch Shire fortgesetzt. Die Forderungen, den Boden zu nationalisieren, seien in Rücksich auf die notwendige Zuziehung von Kapital unberechtigt. Dr. Schoenfeld ging von den Resolutionen des Misrachi aus und stellte Anfragen bezüglich der Haltung der zionistischen Leitung zu der Frage der Schiedsgerichte in Palästina (Mischpath Haschalom), der Frage des Fräuen- -wahlrechtes und des Wäad Hasmani. Die Sitzung schloß mit einer mit dem größten Beifall 'Zwfgenommenen Siebe Dr. Weizmanns, in der er schil« ' derte, wie sich die .nach Außen gerichtete.politische Arbeit .der in Palästina eingesetzten zionistischen Kommission, speziell ihre Beziehungen zu der englischen Verwaltung und der arabischen Bevölkerung, gestaltet hat und zeigt, welche außerordentlichen Fortschritte in dieser Beziehung gemacht worden sind. Er ging sodann zu der nach innen gerichteten Arbeit der Kommission über, die darauf gerichtet war, die ökonomische uyd kulturelle Position des Jischubs zu pfiffen und die gesamte jüdische Bevöllerung Palästinas einheitlich zu organisieren. In diesem Zusammenhang betonte er die außerordentliche Bedeullmg der Schiedsgerichte, .für deren Aufrechterhaltung, Entwicklung und Anerkennung auch in Zukunft mit aller Kraft wird eingetreten werden müssen. Das gleiche gilt .für die einheitliche Organisierung des palästinensischen Judentums auf demokratischer BafE, die so schnell als möglich durchgeführt werden müsse. Bei dieser Gelegenheit erwähnte Dr. Weizmann, daß die Immission in der Frage des Frauenwahlrechts einen vollstrmdig kompromißlosen prinzipiellen Standpunkt einnimmt und einnehmen muß, da nur dieser Standpunkt den Grundsätzen der Zionisüschen Organisation entspricht, an deren Kongressen immer Frauen teilgenommen haben, ohne daß dies dem Misrachi jemals gestört hätte. Allerdings habe die Kommission unter den gegenwärtigen Verhältnissen, . Conditorei ond Cafd Wilhelm Wendel Alte Gasse 6. 4HT Sen renoviert nnd v«r«rönert> Feinste Torten und Desserts Kaffee, Tee, Schokolade in Tassen« Reue Jüdische KMe.- also aus außenpolitischen ^Rücksichten, um dieser Frage willen keinen Parteikampf, in-Palästina entfesseln wollen und deshalb die Aufschiebung der Wahlen.vertreten, .Hierauf sprach der Redner in sehr ausführlicher Weise über die Arbeiterfrage in Palästina. Wenn dem jüdischen Arbeiter Tradition und Disziplin und die volle organische Verbindung mit der Arbeit noch fehlen, so stehe doch fest, daß es der jüdische Arbeiter ist, in welchem das Maximum des konstruktiven Idealismus lebt, ohne welchen, der Aufbau eines jüdischen Palästina unmöglich ist. Dieser Idealismus muß voll ausgenutzt werden. Er kann aber nur zur Auslösung kommen, wenn der jüdische Arbeiter weiß, daß er für sein Voll, für die ganze Nation arbeitet, nicht für irgendwelche Pripatinteressen. Da§ verlange Nationalisierung des Bodens! Dr. Weizmann schilderte hieraus den Eindruck, den er nach gründlichsten Untersuchungen von den Kwuzoth bekommen hat. Er sieht in diesen Kwusoth die Keimzellen der ganzen kommenden Siedlung, da in ihnen wirklich nur jüdische Arbeit geleistet wird und sie Bollwerke der hebräischen Sprache, des hebräischen'Geistes und des reinsten Idealismus sind. Sie repräsentieren den Anfang des hebräischen Dorfes im Gegensatz zu manchen anderen Kolonien, die.zwar vom ökonomischen Gesichtspunkt aus erfolgreich erscheinen, deren System aber für den Aufbau eines jüdischen Palästina unbrauchbar ist. Allerdings kann an die Kwuzoth, wie sie sich bisher entwickelt haben, der Maßstab der ökonomischen Rentabilität nicht angelegt werden, da sie bisher niemals unter Bedingungen gestellt wurden, die als normale zu betrachten sind und deshalb eine ökonomische Beurteilung rechtfertigen. Ueberdies -dürfte die Kwuzoth für die Zukunft nur ein Durchgangsstadium, eine landwirtschaftliche Schule darstellen,, indem sich aus -ihnen heraus hie selbstarbeitenden Kleinsiedler loslösen und entwickeln werden. Die Sitzung am 18. Februar brachte die Referate Dr. Schmarjah Lewin und Dr. Bergmann über Kulturarbeit uich schloß nach einer Debatte, über die wir noch berichten werden, mit der Annahme folgender Reso lutionen: 1. Das Aktions-Eomitee billigt das ihm vorgelegte Programm für den Beginn der Universität, wonach die Universität zunächst mit Naturwissenschaftlichen Forschungsinstituten (für Physik, Chemie, Mikrobiologie, Agrikultur), einem hebräischen Institut und einem allgemeinen Kurs in den philosophischen Fächern eröffnet werden wird. Gleichzeitig sind Lehrstühle für Pädagogik und judaistische Fächer anzugliedern, an welchen Lehrkräfte für die hebräischen Seminare und Mittelschulen ausgebildet werden. Dieser Kern soll sich invahcr Zeit zu einer vollen Universität entfalten. Die Exekutive muß sich hierbei von dem Prinzip leiten lassen, ein hohes wissenschaftliches ^Niveau kcstzuhalten und den Forderungen des Landes zu entsprechen. 2. Das A.-C. billigt die Entschließung der Exekutive, das Technikum in Haifa womöglich während des nächsten Schuljahres zu erössnen, um den Bedürfnissen" des Landes Rechnung zu tragen und der palästinensischen Jugend die Möglichkeit einer technischen Erziehung zu geben. 3. Das Aktions-Comitee begrüßt es, daß die Exekutive Schritte unternommen hat, um Wen Ausbau der Nationalbibliothek in Angriff zu nehmen. Das A.-C. .fordert alle Föderationen auf, an den Sammlungen von Büchern und Dokumenten für die Nationalbibliothek energischen Anteil zu nehmen. -- 4. Die vollkommene Hebraisicrung Erez Israels und der nationalen Juden heit im Gal u t h ist. mit allen Mitteln durchzusühren. Das A.-C. begrüßt-deswegen die in vielen Ländern unter zionistischer^ Führung geltend gemachten Bestrebungen zur Schaffung eines hebräischen Schulwesens. Das A.-C. sieht es als Pflicht der Zionistischen Organisation an, diese Bewegung zu unterstützen und insbesondere für den Lehrernachwuchs und für Schaffung geeigneter Lehrbücher in kürzester Zeit vorzusorgen. 5. Die Universität ist so zu organisieren, daß die Ge.wissensfrei heit der verschiedenen religiös-kulturellen Richtungen privat bleibt.. 6. Das A.-Cbetont die Notwendigkeit volkstümlicher Kurse für Hebräisch und allgemeine Wissenschaften und empfiehlt deren rationelle Organisierung in Palästina und im Galuth. 7. Das Erziehungs-Departement wird beauftragt, in nächster Zeit eine Konferenz von Erziehungssachverständigen sowohl aus Palästina wie aus dem Galuth einzuberufen, die über alle Fragen der Erziehung zu beraten haben wird. Dentsch-Oefterreick Die Hinrichtung eines Arrfinnige«. Dr. Sicher-Nachod übergibt in der „Wiener Morgenztg." der Oeffentlichkeit ein unerhörtes Vorkommnis, das er als Feldrabbiner des Festungskommandos Krakau vor drei. Jahren erlebte. Ein zwanzigjähriges schwächliches, für den Frontdienst unbrauchbares Bürschlein, der Landsturmmann Arnold Mann aus Tarnow, war entlaufen und hatte sich bis zu seiner Festnahme ein (Jahr in Berlin bei seiner Geliebten aufgehalten. In Krakau eingeliefert, wurde er dem wegen seiner steinernen Härte berüchtigten Oberleutnant-Auditor Dr. Oskar Blumenblatt, Advokat in Ottynia (Ost- ' galizien), zur Aburteilung übergeben, der ihn zum Tode verurteilte, trotzdem bei - derartigen Vergehen nur einige Jahre Haft üblich waren. Als Mann das Urteil erfuhr, bekam er Tobsucht und wurde irrsinnig, indem er mit stieren Blicken fortgesetzt schrie: .Pater, wollen mich schießen, Achtung, Aufsatz 6000, bimj/bim," — und Dr. Sicher, der ihm die letzten Stunden des sogleich zu vollziehenden Urteils widmen sollte, stand vor einem Irrsinnigen. Dr. Sicher gab sich nun 'die größte'Mühe,, daß das Urteil nicht Kanentrasw 6A. B»srinn 8 Uhr J« H, 8516 Stets erstklassige Atiraktiong - Programme. Oie erste» Me«H»rapl«U ■<■ Platz«, an einem Irrsinnigen vollzogen werde, selbst der Oberst erklärte das Urteil für zu hart, — aber Exzellenz, der Kommandant, begnadigte prinzipiell nicht, und bei dem Richter Dr. Blumenblatt waren alle Worte ' wirkungslos, im Gegenteil, er verlangte, daß die Leiche-verscharrt werde. Im Angesicht der gesamten Garnison von Bochnia imd eines Zivilpublikums wurde der Irrsinnige auf einem freien Platze in Bochnia erschossen. Die'Bestrebungen Dr. Sichers hatten ngch zur Folge gehabt, daß Dr. Blumenblatt gegen ihn die Anzeige wegen Verbreitung falscher Gerüchte, und Schürung einer feindseligen Stimmung gegen das Feldgericht erstattete, die, da der Nachweis der Irrsinnigkeit erbracht wurde, um wenigstens die militärische Ehre zu 'retten, mit einem Verweis endete. Anmerkung der Redaktion. Heinrich Mann schilderr in „Der Untertan" einen getauften Juden, den Assessor Dr. Jadassohn, "als eine Ausgeburt der Hartherzigkeit. Wir urteilten damals, wie «in Jadassohn könne Win Jude fein, — heute läßt Uns die Wirklichkeit unser Urteil dahin berichtigen, daß so hartherzig nur ein jüdischer Assimilant sein kann, -der das jüdische Blut in sich haßt. Ungarn. Eine Hetzrede des Ministerpräfiöeute» HuSzar- Zur Eröffnung der aus dem größten Wahlterror hervorgegangenen reaktionären Nationalversammlung, Ine aus Bauern (Rechte), Christlichnationalen (Linke) und Rational- . bemokraten (Zentrum) besteht, hielt Ministerpräsident Huszar eine Rede gegen die vergangene Räterepublik, in der er u. a. sagte: - „In den Freimaurerlogen hat man Monate vorher Reven gehalten, deren Intentionen zur Wirklichkeit wurbeu. DiERäteregierung hat auch die Diktatur proklamiert, wir dagegen vertreten eine auf gesunder moralischer Grundlage fußende Demokratie. Das größte Verbrechen gegen die Nation war jedoch, daß die Macht Sträflingen übergeben wurde. Der Abschaum einer degenerierten Rasse hatte die Macht an sich gerissen. (Händeklatschen und Rufe: Der Abschaum der Juden!) Es waren nicht nur Juden. Eine kleine Minorität wollte das ganze Land unter ihr Joch beugen. Ein solcher' Versuch darf nicht wieder gestattet werden. Man trachtete damals, alles zu vernichten, was christlich und ungarisch war. Dieses Haus selbst wurde zu einer Folterkammer, wo die besten Söhüe des Landes zu Tode gemartert wurden, nur weil sie selbstbewußte Bürger Ungarns und Christen waren." Will die ungarisch« Judenhcit immer .noch nicht einsehen, daß der Jude stets die Prügel bekommt? ■ (Inter der Räteregierung hatte — vielleicht, weil einige jüdische Renegaten darunter waren — kein Teil der Bevölkerung schwerer zu leiden als die Juden, — und die ganze politisch« Weisheit der jetzigen Regierung besteht, darin, alle Schuld der ungarischen Judenhcit wegen dieser Handvoll jüdischer Renegaten unter den Bolschewisten aufzuhdlsen. Pnlen. , Ei« Aufruf orthodoxer Rabbiner «. .. Hunderte Rabbiner veröffentlichen im Warschauer „Jud" einen Aufruf an die englischen, amerikanischen usw. Juden, der die furchtbare materielle und ideelle Notlage in Polen schildert und dann fortfährt: „Zu unserm großen Schmerz fiel der Hauptteil eurer Spenden in die .Hand.von Persönlichkeiten, die nicht nur kein Verständnis für religiöse Institutionen und religiöse Erziehung besitzen-, sondern noch ihre Gegner sind. Alle möglichen Schulen stützten sie mit den ihnen übergebenen Geldern, nur' nicht die Chedorim und Jeschiwaus, Und wenn sie wirllich einmal hierfür etwas gaben, Ivar es nur wenig Geld. Auf diese Weise sind zehntausende jüdische Kinder zu Hunger urü» Kälte verurteilt worden." Kurze politische Nachrichten. Berit« Polizeip'äsibent Ernst machte an das Ministerium des Innern eine Eingabe, in der es heißt: „Seit Ausbruch der Revolution hat sich in einem Teile des eilten Scheunenviertels, der Grenadicrstraße, Dragonerstraße und Umgebung, ein wahres Ghetto entwickelt,,-das im Berliner Volksmund allgemein als die „jüdische Schweiz" bezeichnet wird. Es wimmelt hier von einer großen Menge Elemente unlauterster Art, die nicht nur in kriminalistischer, sondern auch in politischer Beziehung überaus gefährlich sind, weil sic aus ihrer polnisch-russischen Heimat bolschewistische Ideen hier einführen und weiterverbreiten. Dazu wird die Vollsgesundhcit durch diese Einwanderer stark gefährdet. Der Begriff der Reinlichkeit ist diHen Leuten vollkommen fremd. Die unglaublich überfüllten Wohnungen starren vor Schmutz und Ungeziefer. Gleichzeitig sind sie angefüllt mit Lebensmittel« und Delikatessen allere Art, die im Wege des Schleichhandels erworben und weiter verschoben werden. Schließlich sei noch ertvähnt, daß die vorhandene große Wohnungsnot zum ^Nachteil der einheimischen steuerzahlenden Bevöllerung durch Aufnahme einer solchen Menge von Ausländern unnötigerweise weiter gesteigert wird. Irgendwelche Rücksichten auf diese Menschen, die hier keinerlei ehrliche Arbeit leisten, keine Steuern zahlen, sich Theo Joha£ Konfitüren und Schokolade Steinweg-12 Steinwegl2 45115