Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 4 (30.1.1920)
- Date
- 1920-01-30
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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JRt. 4. _ Condltorel und Cato Wilhelm Wendel Alte Q-asse S sHF* Men renoviert und vergrösser!. *•! Feinste Torten und Desserts 'Kaffee, Tee, Schokolade in Tassen» ... —.....■■■■■...— ——; Es referierten Wvokat Finkelstein und Dr. ^Rachmilewitsch über wirtschaftliche Fragen, Dr. Soloweitschik über die politische Lage der litauischen ^Ebenheit und Advo^rt Rosenbaum über seine Tätigkeit : Komitee der Jüd. Delegationen in Paris. Deutsches Reich. Die ««Stritte aus dem Judentum t« Berlin. 1 Das Januar-Heft des Semetndeblattes der Jüdischen 1 Gemeinde in Berlin verzeichnet für den Monat Dezember Austritte aus dem Judrntum. Unter den Namen finden ' vir die Rechtsanwälre Arthur Prinz, Dr. R chard WillkowSki, " vr. Ernst Oitberg, Dr. Kurt Pincus, Erich Meyer, Justizrat x Dr. Rich. Jaffe und Syndikus Dr. Curt Josephy, die Aerzte 4 Dt. Gg. Fränkel und Geh. Sauitätsrat De. Wilh Badt, * ferner Dipl.-Jng Emil Gutmann. Kunstmaler Walter Meyer,? die Schriftsteller Franz Schulz, Hans Sochaczower und Lola .^hrrase ged. Frisch, Schauspieler Rud. Ohrenstein. l Bemerkenswerte Zahle«' r Unter den 217 Geiseln, die von oen Bolschewiken " ln Budapest ermorde t wurden, waren 8 4 Juden, and etwa 400 Juden waren während der Bolschetviken- Herrschaft allein in Blümpest dauernd in Haft. 4 ' Die mit dem Sturz der Bolschewiken einsetzende Reaktion brachte eine Flutwelle von Progromen, " durch die Tausende unschuldiger Juden ermordet wurden, ' und die sich^ auch heute noch nicht ganz gelegt hat. Erst Angst wurden in Keczkemet an einem Tage 6 7 I u - ) ermorde t. :>■ Während im verflossenen Abgeordnetenhaus 147 Abgeordnete jüdischer Konfession oder jüdischer Abstammung lvaren — die Nochjuden durchweg Assimilanten —, dürften ln der neu zu bildenden Nationalversammlung kaum mehr M L—3 Juden sitzen. V* ' ' Kurze pslitische Nachrichte«. c Berlin. Geheimer Justizrat Dr. Eugen Fuchs hat u >m Vorsitz Im „Centralverein deutscher Staatsbürger jüd. i!Glaubens" ntedergelegt. Wie die .,Jüd, Rundschau" u mnimmt, habe Fuchs fich zu dem Schritt entschloffen, weil I1> rerewuerFüüh ALLE Ansprüche.^Vc FRANKFURTER PR IVAT-TELEFON-GESELLSCHAFT.^ i , FRANKFURT M. '»f.v.or Homo 6256/b Treuderl. Bon Leopold Kompert. (Fortsetzung.) ,Was heißt das?" fragte Trenderl verblüfft. „Soll ich Gleicht keine Schlüssel machen? Und ist mir nicht ausiragen worden, den Blitzableiter auf dem Dach der Schuld fzurichten?" ,^Hör', Schlosser" sagte Hirsch Blaser ernst, „bloß, 'gen eines Spaßes wiro tnan Dir nicht ein so großes Stück Geld anhängen. Ein Narr wird einer fein, Geld us seiner Tasche zu nehmen, damit es wie ein Stüch isen da im Ofen zusammenschmilzt? Wo Geld ist, muß ield dazukommen." . „Ich versteh' Euch nicht, Rebb Hirsch," sagte dev Schlosser ganz verwirrt. , „Trenderl, verstell Dich nicht!" ries das gescheite Jüdel' 51 ult geheucheltem Zorn. *,,35u weißt sehr.gut, was ich Hill." ß „Sterben soll ich!" beteuerte der Schlosser. „Wirklich nicht?" meinte Hirsch Blaser mitleidig. „Man! Hrß Dir wirklich mit dem Löffel jin den Hals? Gut! ich Sill Dir's sagen." Schlosser legte das Eisen wieder ins KohlenseueS ind stemmte die beiden Arme in die Seite, um die Anschlüsse besser anhören zu können. „Drenderl," ^gann er, „sind tausend Gulden ein groks Stück Geld?" „Es hat's nicht jeder." „Schenkt man die dem ersten besten Hergelaufenen?" „Nein." ,Wofür will man Dir tausend Gulden borgen?" ,Weiß ich's?" „Aber ich." „Also." ,Man will, daß Du zwei-, drei- und zehntausend Guldaraus machst." Ä -ie * das Neue Jüdische Kresse. Sr mit der von der Provinz gewünschte« schorfen Bekämpfung t& Zionismus nicht einverstanden fet. Der Centralverein hat d^n von ihm gegründeten „Gabriel Rießer-Berlag" infolge Einspruchs der Rießerschen Erben umgenannt; der Verlag heißt nunmehr „Phtloverlag " Berlin. Die Ost jü dt sche K onf er enz ist infolge der Verkehrsschwierigkeiten verschoben worden. Lembers. Starke Polizeiaufgebote sperrten plötzlich ganze Straßenzüge und durchsuchten jeden jüdischen Passanten nach Geld, das sie dann gegen Quittung abnahmen Warum nur die Juden, wenn der p lnische Staat Geld gebraucht? Sehr einfach, — weil die Christen es sich nicht gefallen ließ n. Petersburg. Volkskommissar Lunatscharsky erklärte. das Verbot des Hebräischen sei nicht den Vrlkskommiffären, sondern der Intoleranz der jüdischen Kommunisten zu verdanken Der Rat der Volkskommissäre ernannte ein Komitee für den Kampf gegen dm Antijem tiSmus. Dem Komitee gehören u. a. L enin, Lunatscharsky und Maxim Gorki an. Kotvuo. Dr. Soloweitschick, Minister für jüd. Angelegenheiten, ersuchte telegraphisch das Komitee der jüd. Delegationen in Paris, litauischen jüdischen Tischlern usw. bet dm, Wtederausbauardeiten in Frankreich Arbeit zu verschaffen A«S »er Misrachi-Beweg««,. New Vork Der Msrachi in Amerika propagiert gegenwärtig einen Zwet-Millionen-DollarfondS für Palästina. Die Delegierten für die Misrachi-Konferenz in Amsterdam — Rabbi M ey er B er lin, Rabbi Ep h raimEpstein und Dr. Joseph I. Blue st one — wurden vor ihrer Abreise nach Europa durch eine AbschtedSfeier geehrt, an der 500 Personen teilnahmen. Persimtltei, * tletse Mtttettrmge». Frankfurt a M D i e „A ch a w a" beschloß, den v t> storbenen Geheimrat Direktor Dr. Adler in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um die jüdische Schule und die jüdische Lehrerschaft in die Reihe der ewigen Mitglieder aufzunehm n. Zu der seitherigen Quote konnte — dank der Zuwendung eines Freundes der „Achawa" — ein Bonus bewilligt werden, Einen schier unersetzlichen Verlust hat die „Achawa" durch den Tod ihres langjährigen KaffierS Alfred Rosenthal erlitten, der sich mit vorbildlicher Hingabe und edler Selbstlosigkeit den umfangreichen Arbeiten des Vereins wrdmete. FlörShetm. In hiesiger Synagoge wurde der Opferkasten fernes Inhaltes beraubt. Es ist dies ein Zeichen der Zeit, daß selbst den Dieben heute die Gotteshäuser nicht mehr heilig uud ehrwürdig genug find Glück icherweise fiel den Dieben weiter nichts tn die Hände; schindar wurdm sie in ihrem Handwerk gestört. Das Vorkommnis sei eine Warnung, die Gotteshäuser in Zukunft auch bei Tag diebeSficher zu verschließen. A. Kelfterkach Im Alter von 75 Jahren verschied Abraham Adler II., seit 40 Jahren Vorsteher unserer Gemünde, ein frommer, sehr geachteter Mann. Sleiwitz Josef KleczewSki, langjähriger Repräsentant der Synagogengemeinde und Stadtverordneter, beging den 80. Geburtstag. Hambnrst. Das Heine-Denkmal wurde von Bubenhand .beschädigt. „Das versteh' ich nicht." „Geht denn das nicht in Deinen Kopf?" schrie Hirsch Blaser nun in der jTat erzürnt. „Die Schlosserei mußt Du ausgeben!" „Wer?" „Und auf dem! Dach darf der Ableiter nicht aufgerichtet werden." „Alles wegen der tausend Gulden?" „Alles. — Ich mein', ich Hab' mir die Lung' schier herausgeredet!" Dem Schlosser stand der Schlag des Herzens still, er starrte das „gescheite Jüdel" mit gläsernen Blicken an. Als« dieser die Wirkung seiner Kriegslist so glänzend eingetreten sah, brach er plötzlich auf, einem klugen Feldherrn gleich, der über nicht allzu groß? Streitkräfte gebietet und zudem Siege bloß durch die Verblüfftheit des Gegners gekommen ist. Mit den Worten: „Ich den!', Du überlegst Dir das über Nacht," war er blitzschnell aus der Werkstätte entschwunden. Es war eine merkwürdige Nacht für Trenderl. Zum» «ersten Male seit langen Jahren, daß ihn die Müdigkeit der Tagesarbeit schlaflos allen Mächten des Nachdenkens überlieferte'. Immerfort klingelten ihm die tausend Guldenin den Ohren; er wußte nicht, wie sie herausbringen! Hirsch Blaser hätte seinen Triumph gefeiert, wenn er die: Qualen dieses jchlummerlosen Gemütes hätte beobachten: können. Es war unstreitig ein saurer Tropfen in des Schlossers Seele gefallen. Das erste Gefühl, das lebendig in ihm aufwallte, war — Zorn gegen das „gescheite Jüdel". Er ballte die Faust gegen den Abwesenden, daß ihm* die Finger schmerzten. Mitten in der finstern Nacht wäre er gern aufgestanden, hätte die Werkstätte geöffnet und da gehämmert und geschmiedet, bloß um Hirsch Blaser zu zeigen, wie er dessen Antrag verstehe. Erst allmählich, dann aber mit desto stärkerer Gewalt, trat der ganze Inhalt dessen, was er gehört hat, vov ihn hin. WarEn er Hirsch Blaser, ärgerte er sich, nicht gleich beim ,Iragen" genommen und zur Werkstätte hinausgeworfen habe? Seite 3. 5chilöermale>^iu.Weisshin4ei'ai'deiten Philipp Trauner Textorstrasse 68. Telephon Römer 5778. Wie« Die Jüdisch-Palästin Reise- und Transportgesellschaft (II, Praterstr. 9) hat bereits in den wenigen Monaten ihres Bestandes Ersprießliches geleistet. Den zurückzubeförde rüden palästinensischen Kriegsflüchtlingen und auch den Emigranten, für die durch die Palästina-Aemter die Einreise nach Palästina ermöglicht wurde, war die Gesellschaft geradezu eine Notwendigkeit, denn ohne sie wäre ihnen die Reise unmöglich oder nur mit großem Zeit- und Geldverlust und nur unter chen größten Schwierigkeiten mögliche gewesen. Die Passagiere wurden meistens in geschlossenen Transporten in separaten Waggons bis zur italienischen Grenze, beziehungsweise bis nach Triest befördert. 'Dank dem Uebereinkommeu mit Schiffahrtsgesellschaften, Eisenbahnen, Behörden konnten die Reisenden mannigfache Vorteile, wie große Fahribegünstigungen, separate Waggons und andere Annehmlichkeiten, genießen. Lemberg. Dr. Tobias Aschkenase, Präsident der Advokatenkammer und gewesener Vizepräsident der Stadt, eine der markantesten Persönlichkeiten der Lemberger Judenheit, ist im 56. Lebensjahre verstorben. Ein ehrlicher, mutiger und offener Charakter trat er, trotzdem er sonst seine ausgesprochenen jüdischen Interessen hatte, für die nationale Anerke: nung der Juden Galiziens ein und entwickelte als Vorsitzender des jüdischen Rettungskomitees ein ungewöhnlich energische Tätigkeit. New Aork. Hier traf der als Rabbiner der Keneseth Israel-Gemeinde in C l e v e l a n d (Ohio) gewählte Rabbiner Lea Jung, Sohn Rabbiners Jang in London, ein. Kra«kf«rter Berichte. Die vockenheimer Chewro. Die Chewro G'ncillus Ehasjodim, Frankfurt - B o ck e n h e i m , hielt im Hotel Ullmann ihre General-Dersammlung mit anschließendem Essen ab. Nach Verrichtung des Maariw-Gebetes eröfffitcte Hugo Heß die Versammlung, begrüßte die Mitglieder, gedachte des .verschiedenen Mitgliedes Lehrer M. Höchster, beglückwünschte den Jubilar Maron Müller, der 50 Jahre Mitglied des Vereins ist, und begrüßte das jüngste Mitglied Kantor und Lehrer Eschwege, bisher Oberkantor und Lehrer in Saarlouis, mit dem Wunsche, daß es chm bei den Bockenheimern recht gut gefallen möge. . Der Schriftführer, Julius H e r r m a n n, verlas das Protokoll, und der Kassierer, Moritz Breslau, erstattete den Kassenbericht. Der Vorstand wurde per Akklamation wiedergewählt. Nun schritt man zum gemütlichen Teil. Max Müller dankte für die seinem Herrn Vater gewordene Ehre und herzlichen Wünsche des Vorsitzenden. Sodann ergriff Kontor und Lehrer Eschwege das Wort. Er bat am Schlüsse seiner Ausführungen, das Andenken des Lehrers Höchster durch eine Sammlung zur Beschaffung Mitteldeutsche Creditbank Depositenkasse u. Wechselstube Hanaiaerlandstrasse I befasst sich mit allen bankmässigen Geschäften Daun kamlen andere Stimmen, jene dunkeln, immer, wachen Mächte, denen die Reinheit der Seele ein weiwr. Kampfplatz für ihre Gelüste und Verlockungen ist. Ob es nicht undankbar sei, raunten ihm diese Stimmen zu, auß einen Menschen zu zürnen, der einem so viel Geld aufdrängen wolle? Was Hirsch Blaser eigentlich Schlechtes Don ihm wolle? Glücklich machen wolle er ihn, nicht anders als reich und unabhängig. Sei es nicht schändlich,* daß es Menschen in der Welt geben müsse, an die man gor nicht denken dürfe, — wenn man sie auch noch so gerne Hobe? Was' hätten andere Leute voraus als das Geld? Und die dürfen kühn ihre Blicke erheben zu allem, was sie reizt? Der Aruie aber sei ausgeschlossen von allem. Hören, sehen und riechen dürfe er alles, aber danach greifen? — Wenn ihn schon der Doktor ausgelacht habe, was würden erst andere Leute tun? Trenderl fühlte sich sehr> unglücklich. Wir wissen nun, worauf es bei ihm am meisten ankömmt, und darum fürchten tvir für sein Unglück! » Hirsch Blaser hatte sich am folgenden Tage frühzeitig) bei Mindel Braudeis eingestellt, rchn ihr Meldung zu tun, wie seine Sendung in die> Schlosserwerkstätte ausgefallen war. Er erzählte den ganzen Hergang und verschwieg auch nicht den kleinsten Umstand. Die wackere Frau fühlte sich ober durch diese Mitteilungen nur wenig beruhigt: wen^ mkm ein Haus umreißen wolle, sagte sie, dürfe man nicht alle Jahr bald eine iTürx, bald ein Fenster ausbrechen, gleich müsse das geschehen: — wogegen Hirsch Blaser bemerkte^ es sei immer besser, bald ein Fenster, bald eine Türe abzu» brechen, als zuletzt gar kein Haus zu haben. Sie solle: ihm nur alles überlassen. Irr der halben Welt wisse man, daß Hirsch Blasers Kopf nicht von Stroh sei.^ Seufzend entließ ihn Mindel. Beim Abschiede ries sitz ihm noch:: „Eile tut not, denn eine lange Krankheit ist ein gewisser Tod." Hfrsch Bbaser hatte eine Taktik ersonnen, die seines Klugheit und Beobachtungsgabe nicht wenig zur Ehre gereichte. Er berechnete, daß sich die tausend Gulden in oes Schlossers Gemüte erst „setzen" müßten, und darum besuchte er ihn arrch am folgenden Tage nicht. Das erste