Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 4 (30.1.1920)
- Date
- 1920-01-30
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. mt «MM Messe. m. 4 . MMKWMKMLMi Kaiaergtra8B8 69. Bf ginn 8 Phr. Tel. H. 5516. Pia ften Kflaatlarsplela ■■ Pl»txe. einer Sefer Thora zu ehren. Die herzgewinnende Ausführung hatte solchen Erfolg, daß sofort von den anwesenden Mitgliedern annähernd M. 7000.— zu diesem Zwecke gezeichnet wurden. Die Versteigerung des Benschens ergab die schöne Summe von M. 780.—. Mit dem Bewußtsein, einer Chewro anzugehörcn, in wÄcher echt Mischer Sinn für G'millus Chasfodim herrscht, konnte jedes Mtglied aus der Versammlung scheiden. "I- Hvereiniguug JLdischer Akademiker. Das allgemein gesteigerte Verantwortungsgefühl der Orchodoxie, ihre immer 'intensivere Thauroharbeit. zeigt wie im ganzen. B. I. Aauch, bei uns günstige Folgen. ' Sowohl im Kreise unserer Verbindung als auch über diesen Rahmen hinaus ist jttier Einzelne bestrebt, im Sinne unseres Ideals, im Sinne der Thauroh, zu wirken. Laut Vereiusbcschluß war jeder Bundesbruder zur Teilnahme an einem V. I. A. Schiur verpflichtet. Außerdem beteiligten sich fast alle Bundesbrüder an einem oder mehreren Privatschjurim. In unserer V. I. A. werden z. ' Zt. 2 Gemoroh-Schiurim (Sanhcdrin utib Kiduschin) 2 Mischnah-Schiurim und verschiedene Kurse in jüdischen Disziplinen abgehalten, die sich regen Besuches erfreuen. Unsere wissenschaftliche Arbeit wird ergänzt in den allwöchentlich stattfindenden Referats,benden, an denen bisher über folgende Themata gesprochen wurde: ,Mn Beitrag zur Systematik des Talmuds", „Die Stellung deS Nichtjuden im jüdischen Staate", „Die . politische Sendung der jüdischen Nation", „Der Zionismus im Geiste des , gesetzestreuen Judentums", „Jüdische Rechtsvergleichung und Rechtsphilosophie", „Wie wollen Propheten gelesen sein?" u. a. ml Der Fuxenunterricht findet regckünäßig statt. Wich der gesellige Teil kommt nicht zu kurz. Neben den alltäglichen Treffpunkten beim Steykonvente auf der Universität und beim Essen, sowie den kleineren inoffizielle» Zusammenkünften bei Alten Herren und in jüdficken Kafffees finden alle 14 Tage in der Wohnung eines Alten Herren offizielle gemülliche Zusammenkünfte statt. Während des Zwischenfemesters soll die Vereinstätigkeit ungeschmälert ihren Fortgang nehmen. PnlSfttnM-AvfHän-Goche. Die Palästina-Aufbau-Woche ist noch nicht zu Ende. Deshalb sei. vorläufig nur berichtet: Der Eröffnungsabend im -Palmengarten hatte seine Glanznummer in der hervorragenden 8«de Professors Dr. Franz Oppenheimer.' Der Märchennachmittag bot eine Stunde der Unterhaltung nicht nur den Meinen, sondern auch den Großen, und es waren jüdische Märchen. Der literarische Abend im großen Saale des Bolksbildungsheims hatte mehr als tausend Personen das Erlebnis der Beer-Hoffmannschen Dichtung' JDer Ztmm Jaakobs", vorgetragen von ersten schanspielerikchen Kräften — Frau S a g a n, Frau B r o d und Herren Ehert, Hartung und Kepich —, gegeben. Tbeo Joffta£ Konfitüren und Schokelsde Steinweg 12 St ei n Kletus ßkutiZe». - DerFrankfurter Bereit, für Statistik und' Demographie der Juden beschloß, Studierenden der hiesigen Universität ober sonstigen Gelehrten, welche auf dem Gebiete der Statistik der Juden wissenschaftlich arbeiten, Subventionen zu gewahren. Anftagen an Privatdozent SanitätSrat Dr. Hanauer, hier, Im Trutz 87. Die vorbereitenden Arbeiten für die Gründung einer Süd. Volksschule stehen vor ihrem Abschluß. Das emester dürfte am 15. Februar mit einer Eröffnungsfeier beginnen, bei der Rabb .Dr. Nobel einen wissenschaftlichen Vortrag halten wird. Die Berichterstattung des Delegierten Dr. R a b i n über die Misrachi-Weltkonferenz muß wegen des Ber-, sammlungsverbotes für einige Zeit verschoben werden. Frankfurter Berauftaltuugen. Mekor Chajim, Freitag, nach Abendgottesdienst: Mikro (Paul Aron), Sonntag, 6 Uhr: Jecheskel (Dr. Jos. Breuer). — ,T almud Thora-Verein, Freitag, Schluß des Abendgottesdienstes: Vortrag (Dr. Rabin)/ Samstag, Schluß des Morgengottesdienstes: Dinim (Dri Friedmann), 3i/i Uhr: Rasch, (Lipinsky). Sonntag, Schluß pes Morgengottesdienstes: Mischnah (Dr. Friedmann)^ vorm. 9 Uhr: Schulchan Acuch (Lipinsky), Schluß des Abendgottesdienstes: Josuah (Unna), Montag, 61/4 Uhr: Mikro (Unna), Dienstag, .6 Uhr, abends: Chauwaus Halwowauth (Dr..Braun), Mittwoch, Schluß des MorgengotteSdienstes: Mischnah (Dr. Friedmann), Donnerstag abends Gi/i, Hermesweg 27: Gemoro (Unna). — Tiferes Bachurim: Der Vortrag Dr. Rabin „Relig. Einheit des Judentums" wird verschoben. — Montefiore, Freitag, 8y* Uhr: gemütl. Abend, Samstag, 11 Uhr: Schiur Dr. Mat)), Montag, 8 Uhr: Heimabend, Mittwoch: Expressionismus i. d. Malerei (Prof. Dr. Hülsen). Literarische Rundschau. . Literarische Notizen. Lin Ungenannter in Budapest stiftete l00 000 K r 0 n e n für literarische jüdische Zwecke. Unter anderen sind Preise für das beste jüdische B-lderbuch aus der jüdischen Geschichte und für bas beste Märchenbuch, in dem Stoffe aus der Bibel und der jpätern jüdischen Geschichte behandelt werden, festgesetzt. Das von Dr. Moses Auerbach-Petach Tikwah auf dem im Elul vergangenen Jahres abgehalteneu Delegiertentag der Agudass Jisreol erstattete Palästinareserat erscheint in. Kürze unter dem Titel „Agudas Jisroel undErez Jisroel" im Verlage von L. Sänger, Frankfurt a. M. Jiü gleichen Berlage erscheinen „Die Neunzehn, Briese über Judentum" von Samson Raphael Hirsch. Diesem Buche ist eine größere Einführung von Salomon Ehrmann beigegeben. „Zur Vertiefung des Sozialismus" äußert Johann Plenge, Professor an der Universität Münster, in einer gleicherrnaßen benannten Sammlung von Aufsätzen und Reden (Neuer Geist-Verlag, Leipzig) bemerkenswerte, beachtliche Gedanken. Plenge fordert den inneren Ausbau der sozialistischen Gedankenwelt, wie er durch die Entwickelungen der jüngsten Epoche zum dringlichen Gebot her politischen Vernunft erhoben worden, die Erweiterung Sr Kaffee Rnhland Q 56 erstklassige 1 UaterbaltugsiMslk des sozialistischen Jdeenbcreichs durch Aufnahme eines neuen bedeutsamen Gedankens, den des „organisatorischen", volkverbindenben, Gegensätze aufhebenden, zur Synthese schreitenden Sozialismus, der den kampslusttgen, spaltenden, verbohrten, unversöhnlichen Marxismus auS seiner neutralem Stellung innerhalb der sozialistischen Urologie herausheben und über ihn als neue schlackenreinere Form des Sziaolisnkus die Oberhand gewinne» müsse. Man kan» Plenges Auffassung von der Notwendigkeit der Entthronung des» marxistischen Klassenkampf-Prinzipes und seiner Ersetzung durch das Postulat des organisatorisch - einenden Md zusammenschweißenden Sozialismus durchaus teilen — itnb braucht doch nicht seine Ansichten über die notwendige Art der Zielsetzung und Richtung und Bahn der auswärtigen Polittk Deutschlands als gültig und richtig anzuerkennen. Dem gehaltvollen Buche, Ergebnis selbständiger, fruchtbares Denkarbeit, darf ein größerer Leserkreis gewünscht werden. In einer (bei Eugen DiederichS, Jena, erschienenen) Schrift verficht Walther Rathen'au die Idee einer „Autonomen Wirtschaft". Nachdem er in mehreren früheren Arbeiten die Gedanken einer Neugestaltung der Grundlagen deutscher Wirtschaft in allgemeiner Form ansgeführt hat, breitet er hier konkrete, fest umrissene Pläne für den heute, unerläßlich und unaufschiebbar gewordenen Neubau der Wirtschaft Deutschlands aus. Verwirklichung der Forderungen des Sozialismus, Umgehung gewaltsamer,, alles gefährdender Zusammenstöße, allmähliche, sichere Ueber* leitung aus dem System des hemmungslos sich auswirkenben Kapitalismus in das einer sozialistisch fundamentierten und umgeformteu Wirtschaft („Planwirtschaft") sind Richtpunkte, nach denen für Rathenau die Inangriffnahme und Durchführung des neuen Werkes erfolgen muß. Die Rathenausche Schrift ist recht lesenswert, well auffchlußreich und instruktiv. Settschrtsten. Die Januar-Nummer der Monatsschrift „Die Arbeit, Organ der zion.-v»1kSsoz. Partei Hnpoel-Hazair" enthält unter der Ueberschrift „Nochmals die Sabotage der Orthodoxen" einen Artikel, gegen dessen flegelhaften Ton Verwahrung eingelegt werden muß. Es handelt sich um den Protest der palästinensischen Orthodoxie gegen das Frauenwahlrecht, der es veranlaßte, daß die zionistische Leitung die Wahle» zur Palästtnensischen Delegiertenversammlung bis auf weiteres verschob. Man mag zu den Fragen stehen, wie man will. Wocheibett-AnsstattaBüea Hugo Rothschild r.aiigegtragse 35_Telefon Haw WM.; Fpnster war ja bereits ausgebrochen! Aber mit tausend Auge« spähte er uns die Werkstätte herum; keine der Bewegungen des Schlossers entging ihm. Schon konnte eck bemerken, um wieviel lässiger das Tun des Meisters sich an diesem Tage ausnahm! Ästenderl fang auch nicht, und schon das war ihm: pin Zeichen, daß sich die tausend Gulden „gesetzt" haben mutzten. Ec sich ihn auch oft vor dem Amboß ^stehens tmd gewaltig hämmern, — aber es ging der dritte Streich immer daneben, und dieses träumerische Gebärden war ihm! ein neuer Beweis, wie ties bereits seine Tropfen in dieunschuldige Seele Trenderls gedrungen waren. Am zweiten Tage, spät am Abend, stellte sich Hirsch Blaser wieder in der Werkstätte ein. Der Schlosser stand, mit verschränkten Arme» vor der Schmiedesse und starrte, in die dunkle Glut hinein. ,/Dkr Schlosser wär' gefunden," schrie plötzlich die ' heisere Sttmme Hirsch Blasers. Trenderl fuhr auf. »Mas für ein Schlosser?" rief er. »Magen kann er auch noch'." meinte Hirsch Blaser mit merkwürdigem Gesichte. „Der den Blitzableiter auf dev Schul' aufrichten wird," setzte er mit aller Bestimmtheit einer vollendeten Tatsache hinzu. Dcenberl sprach anfangs kein Wort, dann, sagte erlangsam: . .Min ich verrückt? odv seid Jhr's, Rebb Hirsch? Soll denn ein anderer den Blitzableiter aufstellen, als ich?" „Narr, glaubst Du denn, man würde einem tausend, -und mehr Gulden anhängen, der imstande ist, auf ein Dach hinauszukriechen und da sein Seben zu versuchen?" Der Schlaffer starrte den kleinen Sprecher mit großen! Ataaen an, schüttelte daun den Kopf, als faßte er gar siicht den Sinp des Gesagten. Mit funkelnden Augen betrachtete Hirsch Blaser diese neue Wirkung seiner merkwürdigen Kriegslist. „Da setzt Euch> Rebb Hirsch," sagte er ties aufseufzend, „und erzählt mir ordentlich," was es init den tausend Gulden.' eigentlich ist; denn mir will das nicht in den Kopf." Hirsch Blaser setzte sich; er begann, dem Schlosser sogleich reinen Wein einzuschenken. Trenderl werde einge-- stehen haben, so lautete der Gedankengang der ziemlich langen Rede, was das Heißen ivollc, ein jüdischer Handwerkers zu sei». Einen Schneider oder Gerber oder Goldschmied,' de» lasse er sich imm'er noch gefallen. Anders sei es mit den anderen Handwerken, für die sei der Jude einmal nicht geboren. Ware es ein schweres, so ertrügen es seine Kräfte» nicht, und er werde sich doch nicht einreden, daß, wenn! pi eittnkal eine Frau hätte, diese ihm erlauben würde, auf einen steilen Turm' hinaufzukricchen, um dort ein „lumpig"! Stück Eisen auszustecken? Bedenken sollte er, daß ein Jude ein ganz anderes Gemüt habe als „sie"', und genau solle er cs sich überlegen, was dabei herauskommv; ivenn der Blitzableiter wirklich von seiner eigenen Hand> auf dem' Schuldach aufgepflanzt würde? Dankbar solle er die Hand ergreifen, die ihm den Weg au-Z der Schlosserwerkstatte herauszeigte. Gott danken solle er aus tiefstem' Herzen, daß sich einer finde, der bloß aus Wohlgefallen: an ihm die Mittel zeige, ein anderes Leben zu beginnen. Tausend Gulden wären bereits abgezählt, und! er hätte nur ja zu sagen; heute schon wenn er wolle! Aber mit dein, Dachstuhlbesteigen habe es dann ein Ende. Einem Wagehals werde man, wie gesagt, kein so großes Stück Gcldj anhängen; in keinem Falle dürfe er den Blitzableiter aufsetzen, Schlosser seien genug da, die für ihn sich diesen Arbeit unterziehen würden. Und jetzt» habe er genug gesprochen, Mehr glaube er, als nötig wäre, um ihn zu über« Das „gescheite Jüdel" hatte sich diesmal getäuscht. Es hatte „Wunder" von seiner Rede erwartet und siehe da» die reife Frucht, die es dem! Falle nahe glaubte, blieb noch immer auf dem Bauine. Hirsch Blaser hatte eines nicht bedacht: das Ehrgefühl däsj Handwerkers war beleidigt worden. Als, Hipsch Blaser geendigt hatte, stand der Schlosser mit verschränkten Armen, regungslös vor -ihm. „Ihr hättet also schon einen andern Schlosser, der fstr mich die Arbeit macht?" sagte er nach einer langen ^Hundert, wenn Du willst" — „Ich soll also die Ersenstange» umsonst geschmiedet und gehämmert haben, soll' dastehen und zusehen, wte ein' anderer für mich sich abmiiht?" „Und wenn?" Ärenderl hielt einen Augchiblick inne, dann schrie und seine Augen glänzten dabei in wilder Wut: „Eher sterb' ich, a8 daß ein anderer aus das Schulbach hinaufsteigt." „Bfft D,ü nicht bei Sinnen?" rief Hirsch Blaser zu Tode erschrocken. „Ich war es siur," schrie dagegen grimmig ber Schlosser, „daß ich Euch eine Minut' lang Hab' angehörtl Hinaus^ werfen hätte ich Euch sollen auS der Werkstätte, sa hätte es jeder ehrliche Handwerker getan. — Wir sagen, ein anderer solle die Eisenstangen für mich aufsetzen!" „Aber die tausend Gulden! Sind die nicht mehr wert als so eine lumpige Eisenstange?" versuchte Hirsch Blaser; in seiner Seelenangst zu Deweisen. „Nicht um eine Million tu ich's," rief der Schlosser. „AdS Narretei," mpinte Hirsch Blaser nun wirklich zornig, „aus' purer Narretei." . „Besser als. aus Schlechtigkeit," entgegnete Trenderl. „Gott!"»- schrie Hirsch Blaser verzweiflungsvoll. ,Lai sich denn die Welt auf den Kopf gestellt? Zu meiner Zeit-, wenn Man jemanden zu «inem Geschäft hätt' tausend Gulden leihen wollen, was hättl der dafür nicht getan? Und der da will tausend bare und gezählte Gulden in den Dinv schlagen?" „Ich laß' von keinem andern den Blitzableiter aussetzen," sagte der Schlosser bestimmt. i»Du willst Dich also nicht glücklich machen lass«?" (Fortsetzung folgt.)