Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 3 (23.1.1920)
- Date
- 1920-01-23
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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©eite 2 Reue- Jüdische Preffe.. ° - Nr. 3. g- ' Dr. Urtur Han tke-Berlin, Mitglied des E. A. C. Oer Zionistischen Organisation, ist inzwischen eingetroffen. Wc «Elt sofort das Wort. Et «spricht die Aeberzeügung aus, i Misrachi Lei der HwausKipallisierung der sich in zionistischen Bewegung kundgebenden Strömungen seinen fing nicht verfehlen wird, denn/er birgt Tendenzen ich sich, , die an die besten Traditionen des jüdischen Volkes «ppelsferen. Jfiiintann Struck erstattet Bericht im Namen der deursche« Landsmannschaft. Rabbi Maier Berlin erörtert die jetzige Lage Oer amerikanischen Landsmannschaft. Während ..sich vor sechs Jahren nur in Newhork und St. Louis Ortsgruppen befanden, beläuft sich die Mitgliederzahl jetzt auf Btt—35000. Der Misrachi ist in Amerika die einzige gejchestreue Organisation von Bedeutung. Beim Amerikanisch- Züdischen Kongreß hat er eine große Rolle gespielt. Das Verhältnis zur Zionistischen Organisation in Amerika war »ycht fortgesetzt befriedigend. Man hat sich dort zu sehr «n Prinzip verschrieben, daß die Mehrheit regieren soll, ohne den Minderheiten entsprechende Stellen einzuräumen'. ' Unter den vielen von der Zionistischen Organisation in Mtzierika nach Palästina gesanhten Juden befand sich kein «igriger Misrachist. Auch wurde die Ernennung eines MisurachiMi zum Mitglied der zionistischen Kommission in Palästina verweigert, trotzdem Professor Weizmann wieder- ,holt in diesem Süme aufgefordert hatte. Der bedeutendste Rabbinerverband Amerikas hat sich dem Misrachi angeschlossen. Aus. der Misrachi-Tätigkeit Hei erwähnt: Eine großzügige Propaganda für eine fünftägige Arbeitswoche zwecks Wahrung der Sabbatruhe, sein Lehrerseminar mit dem Hebräischen als Unterrichtssprache. Mer letzte Etat des amerikanischen Misrachi belief sich auf Million Dollar. _ 1 ■ Rabb. de Vries 'erstattet Bericht für den holländischen Misrachi.. Rabb. D i m s o n tut dasselbe für die englische Föderation. Dieser erwähnt u. o. eine Aeußerung von Sir J&tuaxt Salnuel, daß eine wirllich jüdische Gemeinschaft «» 'Palästina nur auf der Grundlage der Bibel gegründet . werden kann. .'. . Mose gibt Einzelheiten über die Lage in der belgischen Landsmannschaft. Ofias Großvogel spricht im Namen des fran- ' Höfischen Misrachi. , */®10 Ahr abends kommt die erste Sitzung der Konferenz .'zum Abschluß. ' . Die Sonntagsrnhe in Pole«. .' Abg. H. F a r b st e i n - Warschau hielt sich aus der -Meise zur Amsterdamer -Msrachikonferenz in Zürich, "«sf. Bei dieser Gelegenheit äußerte er sich zu einem"- Vertreter des dortigen „Jsr. Wochenbl/- 'u. a. wie folgt: :Das Sonntagsgcsetz stellt die Juden vor die Alters «ative, entweder sich von den tief eingewurzelten reli- Pwsen Gefühlen abzusageu oder gutwillig aus einen ökommüschrn Untergang einzugehen. Es handelt sich nicht mehr um nationale Rechte, sondern einfach um Toleranz bezüg- Nch der Religion. Wenn ich noch so lange nachdenke,' ckann ich kein Mono finden, welchen Nutzen es dein polntscheu Volke bringen kann, wenn der jüdische Handwerker, gt '-ier chn fünften oder sechsten. Stock im jüdischen Viertel £ - wohnt, am Sonntag einen Rock, oder ein Paar Schuhe A-.,flick««" wird, um damit seine zahlreiche Familie zu er- .«ähren. Die Polen selbst werden über kurz oder lang s selbst e'nsehen, daß sie das Gesetz ändern müssen. Warum A -wurde aber bas'Gesetz dennoch einstimmig angenommen? b.Wenn man mit polnischen maßgebenden Kreisen spricht, bes/Tonuvt man den Bescheid, daß es die erste Antwort ist x.,«uf ".die Durchführung der Minoritätsrechte als Zusatz. zu'Par. 93 «des Friedensvertrages. Ich sage die ersüs tt'/rnöge es auch die letzte sein. y-.'?' Es ist sthr charakteristisch, obwohl auch sehr traurig, M-Oaß die jüdischen Asfimilanten aus Galizien, welche im Parlament nur dank dem anwesend sind, daß in GaliiHienkine Wahlen zum Sejm stattfinden konnten, mit den Polen zusammen gegen die brennendsten Interessen des ¥ ■ jüdischen Volkes gestimmt haben. Sie pflegen immer zu ^Kehmspten, daß sie nur gegen nationale und nicht gegen s/religiöse Aspirationen sind. Die'Orthodoxie in Galizien, -welche bis jetzt >auf de» Wink ihrer Führer sie in das «/Parlament entsandte, wird nun endlich einsehen, welche t,>Vertreter sie geschickt.hat, und wie die heiligsten jüdischen '^Interessen verteidigt werden/' ■ Die Hoffnung auf eine Aenderung des Gesetzes ist nur ^Oin magerer Trost. Denn bis dahin werden tausende und ^.Mbermals tausende Juden dem Sabbat untreu geworden 1:^5*. Wer birgt aber für eine Aenderung des Gesetzes? s'-Die polnische Judenheit steht vor einer großen Katastrophe, —«ad es kann nur der innige Wunsch ausgesprochen werden, .Oaß 3mt Entwicklung der Dinge in Palästina in den näch- Weir Jahren größere Massen Juden aus Polen hinausführe. »er-ert Sanmel's Reise «ach Palästina. -Wie „J.P.Z." berichtet, ist Herbert Samuel am 11. A.Januax von London nach Palästina abgefahren'und zwar ^?-.Ms Einladung Feldmarschalls A l l e n b y und mit Zu- LMimnrung des englischen Außenministeriums- - . . Diese offizielle Reise Herbert Samuels dürfte von ^-Bedeutung für die künftige Entwicklung Palästinas als M^,fnatioual Home" der Juden sein. W / -;,Evening Standard" bemerke daß Samuel für seine -j/.Aufgabe sicherlich' nicht nur deshalb ausersehen würde, weil M-«rnche administrative Erfahrung besitzt, sondern auch wegen MsIewer großen Synipa'thien für die zionistische Bewegung. Eine Rothschild-Spende. Jam-e.s v. Rothschild -London überwies der Zionistischen Organisation 500 Pfund als „Debora- Preis für hebräische Poesie an der künftigen jüdische n; Universität in Jerusalem. Die Zinsen des Kapital sollen alle drei Jahre an einen Studenten vergeben werden, der die besten hebräischen Gedichte während, dieser Periode verfaßt hat. Deutsches Reich. Die neue Leit. Im Bericht der Jsr.' Lehrerbildungs-Anstalt, Würzburg, lesen wir: ,Die Gestaltung der allgemeinen schulpolitischen Verhältnisse in Bayern zeitigte die für uns betrübliche Tatsache, daß für die jüdischen Dolksschullehrer in absehbarer Zeit wenig Verwendung mehr sein wird. Die Anstellung der jüdischen ,Lehrcr an den staatlichen Simultan-' schulen wurde trotz der warmen Verwendung des Ministerpräsidenten für dieselben durch die Verfassung ausgeschlossen." Jsr: Lehrerbildungs-Anstalt, Würzburg. Der soeben erschienene Bericht der seit 55 Jahren bestehenden Anstalt beschäftigt sich mit der Persönlichkeit Distriktsrabbiners Nathan Bamberger s. A., der inehr als vier Jahrzehnte in uneigennützigster und aufopferndster Weise und mit erstaunlicher Arbeitskraft als Vorstand, ‘ Kassierer und Schriftführer alle Angelegenheiten der Anstalt ehrenamtlich erledigte. Nunmehr ist Oberlehrer S t oll der Schulleiter, Di- ' striktsrabbiner Dr. Stein- Schwcinfnrt interimistischer Vorsitzender, /Hermann Buxbaum - Würzburg Kassierer und Schriftführer und Frl. Emilie Bamberger Sekretärin des Kuratoriunis. -Die Mehrausgaben infolge ’ Teuerungszulagen beanspruchten 13 000 Mk. Die materielle Sicherstellung der Anstalt auch in 'der gegenwärtigen Zeit . und ihre ideelle Gestaltung sind Fragen, denen das Kuratorium die größte Aufmerksamkeit widmen muß. Eine Bemerkung zu dem Bericht: Der Bericht umfaßt trotz der Papiernot und der hohen Druckkosten nicht weniger als 31 Seiten. Ist dies nötig? Deutsch-Oesterreich Staatssekretär ElSersch über die FlüchtlingsauSweisnug. Im Finanzausschuß der Nationalversammlung kam die Frage der Flüchtlingsausweisuirgen zur Sprache. Staatssekretär Eldcrsch griff in die Debatte ein und führte u. a. folgendes aus: .Was die Ausweisung der Fremden anlangv, so bietet die Durchführung 'der Ausweisung aller Personen, die nach dem 1. August 1914 nach Wien gekommen sind, naturgemäß große Schwierigkeiten.. Die über die Zahl der Flüchtlinge angestellten, Erhebungen ergaben, daß weit nicht so viele Flüchtlinge anwesend sind, als angenommen wurd. Ihre Zahl muß mit ungefähr 24000 angenommen werden. Soweit kann nicht gegangen werden, daß jeder, der in einem Beruf steht, hier bleiben! kann, wenn deutschöslerreichische Staatsbürger in diesem Berufe arbeitslos sind. Was geschehen kann, um die lästigen Personen zu entfernen," geschieht. Aber die trostlosen Verkehrsverhältnisse werde» auch in dieser Richtung ungeheure Schwierigkeiten bereiten." Tschecho-Slovalische Republik. Nationaljüdischer Delegierte«!«». Im Prager Jüdischen Rathaus tagte unter Anwesenheit von 150 Delegierten ein vom Jüd. Rationalrat für die Tschccho-Slovakische Republik einberufener Delegiertentag mit .Stadtrat Ernst Bechert -Tcplitz, Dr. L e o v. Goldschmied -Preßnitz und Stadtrat Ernst Po 1°- lak - Kgl. Weinberge als Präsidium. Stadtrat Dr. Lndw. Singer, Präsident des Jüd. Nationalrates, berichtete über "die Verhandlungen zur Anerkennung der Rechte der Juden, die zu einem erfolgreichen Resultate führten. Dr. Max B r o d sprach über die Tätigkeit des Rationalrates. Der zweite Derhandlungstag war der Stellung zu den Parlamentswahlen gewidmet. Sekretär Dr. Angela Gold st ein und Dr. Kaz nelson referierten. Nach eingehender Debatte wurde die aktive Teilnahme an , den Wahlen beschlossen und mit der Leitung der Arbeiten und Vertretung nach außen eine Reichserekutive betraut, in die die verschiedenen Parteien, welche gemeinsam -in die Wahlen eintreten, Vertreter entsenden. Amerika. Mitzstäude. Die jüdische Wochenschrift „American H c b r e w" wußte den letzten cGhauuik-ch ntififc würdiger zu begehen,' als, indem sie angesehene Juden, wie z. B. I a c o b' S ch i s f und Professor I a st r o w, in einer Rundfrage um ihre Ansicht über den Stifter des Christentums befragt. Die recht überflüssige, taktlose Frage ist typischfür eine gewisse jüdische Presse Amerikas, der nur daran liegt, der Oberflächlichkeit und dem. Sensationsbedürfnis ihrer Leser zu genüge». Die Gepflogenheit, daß sich die eingewanderten Juden *nach den Gegenden, ja nach den Orten ihrer Herkunft zu Gemeinden zusammenschließen, hat jetzt den Mißstand gezeitigt, daß eine Anzahl dieser Gemeinden besondere Sammlungen für ihre jüdischen Landsleute in Osteuropa vornehmen und dann durch eigene Sendboten die Gelder hinüberbringen ließen. Bei dieser Methode geht natürlich der größte Teil des Geldes auf den Unterhalt des Sendbotens hin. Palästina. 7 Bo« Wirtschaftsleben. Aus eurer Korrespondenz der „Times" aus Palästina geht hervor, daß der durch die heutigen ungünstigen Verhältnisse aufrechterhaltene Zustand ' der Stagnation im« Wirtschaftsleben dcSLandes nach dem Friedens-» schluß mit der Türkei sich merklich zum Bessern ändern werde. Bald nach der Aufhebung der heute im Lande geltenden Kriegsbeschränkungen, wurde dort mit der. Aussührung größerer Arbeiten, wie dem Bau von Kanälen, Wasserstraßen und Brücken, mit der Schaffung elektrisches -Anlagen und Werke u. a. m., begonnen werden können. Die nach Palästina zurückkehrenden. Juden werden im Verein mit den Arabern' dem wirtschaftlichen Leben Palästinas neuen Schwung und Impuls zu verleihen vermöge». Haifa werde der größte Hafen Palästinas werden, und Jerusalem, verjüngt durch Werke des Neübaus, werde zu neuem Leben erwachen. Der Warenaustausch zwischen .Palästina und! England, Amerika, Spagien?nnd Italien in größerem Umfange beginnt sich allmählich änzubahnen. In den Handelskrisen dieser Länder trifft man vielfach Vorbereitungen für die friedliche Eroberung der Märkte Palästinas; ein. lebhafter Wettstreit zwischen den einzelnen Märkten steht zu erwarten. Binnen kurzem wird eine amerikanische Firma, 'die „Independent Corporation" eine Schiffsladung vow 6000 Tonnen Waren verschiedener Art nach Palästina abgehen lassen, um hiergegen palästinensische Erzeugnisse und Fabrikate einzutauschen. Im Verlauf der drei letzten Monate wurden aus Palästina verschiedene Produk e, wie Apfelsinen, Oel and Wein, im Werte von.insgesamt 3 261000 Fr. ausgeführt, während die Wareneinsuhr einen Wert von 27 000 000 Fr. erreichte. Die „Banro di Roma" wird in der nächsten Zeit Zweigstellen u. a. «in Beirut. Haifa und Jaffa eröffnen. Bon der-UniversitätinIerusalem. Der Plan für den Bau der hebräischen Universität ist durch Prof. G e d de s bereits in,seiner Gänze entworfen worden. Die Universität wird die Kennzeichen orientalischen Skils tragen. Einer der Säle wird 3000-Menschen fassen können. Die Konferenz über hebräische Universitäts-, und Erziehungsfragen, die im Anschluß an die zionistische' Jahreskonferenz auf 14. Januar in Basel tagen sollte, wurde zugleich mit dieser für unbestimmte Zeit verschoben. Kurze politische Rachrichte«. Berlin. Der demokratische Abgeordnete Dr. L u d w i g. H a a s - Karlsruhe ist zum Geschäftsträger Deutschlands bei dem neuen südslawischen Staat und der frühere Reichsjustizminister 'Landsberg zum Geschäftsträger Deutschlands in Brüssel aus-- ersehen worden. Haas hat abgelehnt. Baden bei Wien. Der Ausschuß der biifigen israel Kultusgemcinde hat einstimmig a b g e l e h ü t, sich für die Kultusgeineinde der Aktion der „Jsr. Union" zu einen Eingabe an das Staatsamt. welche gegen die Erklärung. . der Juden als eigene Ration Stellung nehnien soll, anznschließen. Prag. Präsident Masarhk emvfing' Dr. .Max B r o d in einstündiger Audienz. Der Präsident zeigte volles Verständnis für die von Brod ^ur Rede gebrachten jüdischen Fragen und versicherte den Bestrebungen des Jüdischen Dolksverbandes sein Wohlwollen: Czernowitz. Dre Regierung erlaubte für dag I ü d i s ch e Gymnasium die Einführung des Heb r ä » ischen, verwarf aber den Vorschlag des Jüd. Nationalrates, jüdische Volkskunde und Lektüre jüdischer Autoren, die jiddisch vorgetragen werden sollen, einzuführen. — Seitens des A m e r i ka - I ü d. Komitees liefen ll Waggons Kleidungsstücke ein. ZiouMsche Rachrichte». Berlin. Dr. Arthur Hantke ist nach London abgereist, uni dort an den Arbeiten der Leitung teilzunchiuen. Die Geschäftsführung der Zionistischen Vereinigung für«- Deutschland wurde bis zum nächsten Delegierteutag durch einstinimigeii Beschluß des Geschäftsführenden Ausschussesdes Zentralkomitees in folgender Weise geregelt: Den Vorsitz 'der Zionistischen Vereinigung für Deutschland übernimmt Dr. Alfred Klee, stellvertretende Vorsitzende sind Kurt B lumenfeld und Richard Lichtheim. Die drei Genannten bilden die Exekutive des Geschäftsführcndcn Ausschusses..zur Erledigung der laufenden Geschäfte. Peno«slie« «. Heine Mitteilungen. Berlin Eduard Bern stein, der bekannte sozkalistischc Abgeordnete und Gelehrte, Neffe des Schriftstellers Aron Bernstein, beging den 70. G e b n r t s t a g. Die die „Telegr.-Union" erfährt, wurde Frl. Dr. Cora Berliner, die bekannte Führerin der neutraler^ jüdischen Jugendbewegung, als Referentin für Sozialisierung und Arbeitersragen ins Reichswirtschastsministcrium berufen. ' > QffenbaÄ a. M Einen genußreichen Abend bot der hiesige Jugendverei» durch Veranstaltung eines Konzerts, - bei dem Erna Bloch-Frankfurt a. M. (Gesang) sowie die' beiden heimischen Künstlerinnen Alice' Gabriel (Klavier) und Annie Bctzach (Violine) Vorzügliches leisteten. Köln. In Jülich vegingFrauTheodora Capell den 100. Geburtstag und in S t o m me l n Frau Amalie Kappel gcb. Kaufmann den 91. Geburtstag.