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Neue jüdische Presse · 1919-12-19 · Heft 49 (19.12.1919) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 49 (19.12.1919)
Date
1919-12-19
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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n '.‘irwjHW^igViSi Leite,4* Neue Jüdische Presse. Ä ^MttÄZWMs O^editbähk^ I j Depositenkasse u. Wechselstube ' Hanauerlandetrassa I befasst sich mit allen bankmässigen Geschäften pellier, der den ganzen Krieg als Artillerieoffizier mitgemacht hat, .an die Kanzlei des Domänendepartemrnts um Zuteilung von Kolonisationsland. Die Verwaltung wies sein Gesuch zurück, weil M. Jude ist. Das ist keineswegs eine Traumgeschickte. Unter der dritten Republik hat eine dem Ministerium des Innern unterstehende Abteilung sich geweigert, ein von einem.französischen In« geuieur, Artillerieoffizier und Teilnehmer am großen Weltkrieg, einacgangenes Gesuche zu registrieren, weil er Jude ist. Es ist dies durchaus keine groteske Phatasie 'des Herrn „Lebureau", der nur gemäß einer Verordnung - deS Gouverneurs von Algerien vom 13. September 1304 gehandelt hat, die zur Kolonisierung nur Franzosen europäischer Abstammung und naturalisierte Europäer anniunnt. Die „Liga für Menschen« und Bürgerrechte" hat beim französischen Ministerium des Innern Schritte unternommen, um die antisemittsche Administration, die . in Algerien herrscht, zu beseitigen und volle bürgerliche Gleichbereckjiguna für die Juden zu erwirken. Kurze politische Nachrichten. Budapest Dreißig jüdische Studenten, die in der Aula der Universität zur Prüfung erscheinen wollten, wurden von einer Rotte antisemitischer Studenten daran gehindert..beschimpft und verprügelt. Sopeubapen Georg Brandes schreibt im „Sifilnt" an die Adresse der Entente: „Jhs-habt Staaten und nationale Rechte solcher Völker anerkannt, die blutige Pogrome gegen die Juden veranstalten, aber die Juden habt Ihr im ganzen vernachlässigt und die Versprechungen, die Ihr ihnen gegeben habt, nicht erfüllt. Noch mehr, Ihr allein habt die jüdischen Herzen verwundet, verboten die .Hathikwah" zu singen und jüdische Flchnen an jüdischen Häusern herauszuhäugen." New B«rk Äftrobam I. Elkus. rer ttübe-eGesandte in der Türkei, wurde vom Gouverneur von Albanh zum Richter am Obersten Gerichtshöfe ernannt. Mft dem französischen Dampfer „Lafayette" kamen , hier 110 jüdische Emigranten aus dem Osten Europas an. New Aork Die New Docker Judenbftt -hat den 24. November als Trauer- und Protesttaq gegen die osteuropäischenPoarome begangen. Sämtliche jüdische Betriebe waren geschlossen, die Juden trugen Trauerbänder, und überall wurden Versammlungen veranstaltet. ' Besonders eindrucksvoll war ein Demonstrationszug, an dessen Spitze etwa 10 000 jüdische Soldaten marschierten. ZiouMsche Nachrichten. Fr»»kfurt a. M. An der Universität Frankfurt hat ' sich! eine Zionistische Verbindung „Has- . mvnäa" konstituiert. Die Verbindung steht auf dem Boden des Baseler Programms der Zionist. Bereinigung. Ihre Farben sind: btau auf weißem Grund nitt goldener Perkussion. Die Verbindung als solche gibt unbetingte Satisfaktion. Mensuren mit Juden sind verboten. Wilna. David Notik, der hervorragende h-bräffche Pädaooge und einer der ältesten und besten Zionisten ist — 62 Jahre alt — verschieden. '« Aus Der Misrachi-Beweguug. ~ DstSweÜttche Misrachikouferevz. , Am 14. Januar wird in Zürich oder- Basel''eine Allweltliche Misrachi-Konfrrenz stattfinden. ein Nabbiuersemtnar des MiSracht. Die polnische Regierung hat der Misrachiorganil» -sion iy Polen die Erlaubnis zur Gründung eineS RaübiperseminarS „Taschkemoni" erteilt. Pe^o«Ktte« u. -fletnr Mttteilvuge». CerUt». AlS „Helene Fischbein.Stiftung für Künstlerinnen" erhielt die Jüdische Gemeinde 100,000 Mk. Die Stipendien sollen begabten Künstlerinnen die Möglichkeit geben, sich in freier Arbeit zu entwickeln. Das Stipendium soll . jedesmal zwischen einer jüdischen und einer christlichen Bewerberin' geteilt werden. vffenbach a. M. Rabbiner D-. Soldschmidt ist nach nahezu ZOjähriger Tättgkeit vergangenen Sabbat in den Ruhestand getreten. Sein Nachfolger, Dr. Diene mann aus Ratibor, tritt am 19. d. M. sein Ami .an. Bamberg. Oberbürgermeister Wächter (Zentrum) machte dem Stadträt Mitteilung von einer Schenkung des'Kommerzienrats Max v. Waskermann- Berlin von 760 Zentner Kohlen für die' Armen. Er wandte jüf Johann gegen die auch in Bamberg.grassierende antisemitische Hetze, die in einer Zeit wie der gegrnwärttgen nur aus eine Politik der Katastrophe hinarbeite. Köln. Michel Wolf in WaldVreitbach beding feinen 9 9. Geburtstag und Frau Friede», rite Löwenstein in Lübbecke ihren 90. Geburtstag. < Erkürt. L'hrer a. D. Joses Rothschild 'und Frau feierte» die goldene Hochzeit. Wien. Angelo Eisner, ein getaufte- Jude Herausgeber des „Sonntag" und der „Information", Organisator des Wiener eucharistischen Kongresses, wurde vom Papst zum Baron, ernannt. 'In Graz vermietet das städtische Wohnungsamt an Juden und an Ausländer keine Wohnungen. Budapest. Die Jira-litiiche Religionsgemeinde wandelt ihre beiden Bürgerschulen in Gym? nas.ieu um. > Land«». Jakob Moser, der Freund Tbeobo" Herzis und Spender des Gebäudes des Hebräischen Ghmnasiums in Jaffa, beging den 80. Geburtstag. Sir Lionel Abrahams ist.verschieden. Abra-. hams war eine , Zeit lang Hilssminister für Indien und hat ein bedeutendes geschichtliches Werk über die Vertreibung der Juden aus England im Jahre 1290 veröffentlicht. Montreal (Kanada'. Die jüdischen Schneider Kanadas baben den Verdienst von fünf Arbeitsstunden den jüdischen Pogromopfern in Osteuropa gespendet. Die italir- . nischen nichtjüdischen Schneider haben — was verdient, besonders vcrnrerkt zu werden — das Gleiche getan. . Jerusalem. Unter dem Rainen „Z en«r al- H o te l" ist hier ein großes jüdisches Hotel erösfnet worden. Sr Kaffee Rubland H Ksiserstrasse 56 Kaiserstrasse 56 TSellch entlMt« WMT Unterh&ltBntrminifillr „Steck' Du mir den Finger in den Mund, wie einem r Kind, ob es beißen kann," sagte Mindel bitterböse, ..es ist genug geredt worden." . „Also doch?" lachte Schalem. „Stets verschweigen die Weiber, wenn man zu ihnen nein sagt; dagegen hängen sie sich die große Trommel um, wenn sie nur aus tausend Schritte wett es einem ansehen, daß er ja sagen wird." | ,Deh, geh," meinte Mindel verdrießlich, „hört ina» L^--'^Dich reden, so weiß man nicht, daß Dtt eine zwanzig- > jährige Tochter im Hause herumgeht." „Sorgst Du nicht vielleicht, wie Du für sie einen Mann bekommst?" rief lustig Scholem. „Ich Müßt' Dir - Zeinen, und der greift zu mit beiden Händen. Wenn Du zum Fenster hinausguckst, so hast Du ihn gerade vor Dir stehen." „Du meinst doch nicht Treuderl Schlosser?" ries Mindel entsetzt. „Narr, weit denn?" entgegnete Scholem, dem in der Heiterkeit seiner Seele aller Schlaf vergangen war. „Ein schöner Bursche ist er. Hast Du etwas an ihm auszusetzen? Ein Judenkind ist er, und von den Schlechten ünd Flausenmachern einer, wo nichts hinten und nichts vorn steckt, ist. er auch nicht. Dazu hat er zwei Hände, und wenn er die aufhebt, hat er sein Auskommens besser wie mancher Doktor." . .Wer Dich so reden hört," erwiderte Mindel gereizt, „möchte nicht glauben. Du seiest der reiche Mann, der an Almosen in einer Woche mehr ausgibt, als ein anderer . in -einem Monat einnimmt." _^ - „Ein schöner Bursche ist er, und sein Auskommen hat et auch," wiederholte Scholem seinem Weibe wie zum Trotz. Mindel hielt es nicht der Mühe wert, auf diese „widersimiigen Reden" weiter..einzugehen; sie stellte sich an, als ob sie schliefe, — und Scholem hatte dies kaum an ihrem Schweigen bemerkt, als er trotz des lärmenden Hämmern« den wirklichen Schlaf nicht mehr bewältigen konnte. Drin in der Nebenstube konnten sich indes zwei anderst Augen lange nicht schließen. Am offenen Fenster, das der Schlosserwerkstätte gerade gegenüber lag, stand im Nachtkleid eine schlanke, weibliche Gestalt, die die Reden der beiden Eheleute gehört hatte. Als die Sprache auf den Schlosser gekommen war, bedeckten sich ihre Wangen mit einer so hohen Glut, daß, hätte man das feurige Eisen, dem der Schlosser um diesen Augenblick auf dem Ambosse die Form gab, dagegen halten können, der Zweifel rege geworden wäre, wo da ein Unterschied zu finden sei? * Wir täten unsenn' Schlosser keinen Gefallen, wenn wir verschweigen wollten, daß er seinen Beinamen „Trenderl" seinem Handwerke zu verdanken hatte. Trenderl ist die Bezeichnung jenes schnurrenden Spielzeuges der Kinder, das fast unsterblich geworden ist und seit undenkliche» Zeiten unter diesem Namen im Dichten und Trachten jedes kindlicken Gemütes liegt. Wir wissen sehr gut, „Trenderl Schlosser" wird vor Freude noch einmal so kräftig auf den Amboß schlagen, wenn er sich bei seinem Beinamen bezeichnen hört; denn wenn er auch mit seinem Wanderbnch und seinem eigentlicken Namen Wolf Turnauer fast die halbe Welt durchpilgerte, so dürste man seinen eigentlichen Namen doch nur da kennen, wo er ihn empfangen hat. Trenderl war das Geschöpf eines Vereines; er war aus einer Filiale des Wiener Handwerkervereines hervorgegangen, gewissermaßen also das Kind unsichtbarer Mächte, die von der Residenzstadt aus ihre väterlichen Arme nach ihm ansstreckten. Eines Taaes flatterten nämlich, adressiert an den „wohllöblichen" Gemeindevorstand einige Bogen bedruckten Papiers, „Statuten" genannt; angeschlossen lag ein Brief mit den Unterschriften einiger bekannten Wiener Glaubensgenossen, und dieser Brief enthielt die Aufforderung, beiliegende Statuten einer näheren Prüfüng zu unterziehen,' und im Falle man sich von deren Anwendung auf die Gemeinde ersprießliche Folgen verspreche, einen „Filialverein" zu gründen. In eindringlicher Sprache machten die Wiener Herren auf die Bedeutung des Handwerks inden Gemeinden aufmerksam, und wie man: sich der Nr. 49. SchijdeFmelereiu.Weissbinflerarbeiten . Philipp Trauner Textoratraaae $8. Telephon Römer 5778. DaS jüdische Arbeitsbüro hat im vergängeneu Monat 190 Arbeitern Arbeit verschafft, n. ä. hat eS 4G jüdische Steinmetze in einem eigenen Unterneb« men bejchäfttgt. Fra«kfurter Berichte. Klei»« Notizem. Eine Mitgliederversammlung des C e n t r a l v e t * «inSilr. Gemeindemittzlieder sprach in ihrer überwiegenden Mehrheit ihr Einverständnis mit der neuen , Geiaeindeverfassung, wie sie von dem Vorstand und den f Ausschuß der Gemeinde beschlossen worden ist, aus. . Fraukkurter Veranstaltungen. Me kor Cbajim, Freitag, Schluß des Abena« aottesdicnstes; Mikro (Louis Kahnl — Talmud Tbora-Berein, Samstag, 3Vi Uhr: Nascht (Lipinsky), Sonntao u. Mittw., Schl. d. Morgengottesdienstes: Mischnab (Dr. Friedmann), Sonntag, vorm. 9 Uhr: Sckulchay Ärnck (Lipinsky), Donnerstag, abends GVi Uhr, Hermesweg 27: Gemoro (Unna). — Mädchenklub, Sonntag, 7 Uhr. Langestr. 30: Theateraufführnng und Volkstänze. .— Mantefi vre, Freitag, 8 Uhr:, gesell. Abend mit künstler. Darbietungen, Sonntag, 3 Uhr, Mittstoch, 4 Uhr: Chanukkahfeier der jugendlichen Gruppe, Montag. 8 Uhr:. Heimabend, Donnerstag, 8'/i Uhr,. Schansvielhaus: Wanderung in den Taunus. — Z i o m Bereinigung, Donnerstag, 8 Uhr: Borttag )Dr. Rabiift ■; ' •; Literarische Rundschau. Stefan Zweig» „JerrmiaS." (Schluß.) Wie wunderschön bis hierher. Wie unbiblich aber diese Auffassung des Jirmifahu. die doch des Zweig'schen Jeremias Vorbild sein soll. Wo in aller Welt steht etwas von dem Märtyrertum, das hier dem Helden buchstäblich angedichtet wird. Es kommt aber noch schlimmer. Zweig operiert mit Reminiszenzen aus Matthäus. Läßt er doch „die grelle auftcizende Stimme", dann die Menge „kreuziget ihn'« rufen, läßt er doch S. 161 Jeremias also sprechen: „der am Kreuze hinstirbt . . . wird der ... Mittler . . . sein, seine Arme, die brechend am Kreuzholz hangen, werdest liebend die Seele der Welt . . . umfangen, seine Lippe» . . . das erlösende Wort des Friedens sprechen, seine Seufzer .. . zu Wohllaut werden, . . . Choral die ewige Liebe auf Erden . . . .Auflegt mir das Kreuz." Abgesehen von dem unverzeihlichen Anachronismus — das Kreuzige» haben erst die Syrer "gekannt —, ist das eine unbeabsichtigte Prophezeiung auf den Mann von Nazareth. Die Mauer ist gefallen, Flüchtlinge künden's, die Chaldäer kommen, die Menge stiebt entsetzt auseinander, S. 158. . . . prangertet mit seiner Güte.-Abscheulich! Die Umkehr nennt sich das. 8. Bild. Am Tag nach Jerusalems, nach Sonnenunteraäng. In einem kellerarfigen Gewölbe haben sich Flüchtlinge um eine» Greis geschart, der aus der Schrift vorliest. Ein Verwundeter, dessen Stöhnen sie verraten könnte, liegt ohne Labungsmöglichkeit da. Jeremias unter ihnen. Zefanja. auf Kundschaft gesandt, kommt zurück und berichtet Grauenvolles, Hoffnung hingebe, daß man bei der Auswahl &|E „Berufe" namentlich solche in Bettacht ziehen werde, die ihrer schwierigen Erlernung oder ihrer seltenen Ausübung wegen von den Glaubensgenossen mehr oder weniger gescheut und gemieden würden. . “ . Ist das gedruckte Wort jene Feuersäule geworden, von der es in der Bibel heißt, daß das. Volk dort stehen, blieb, wo sie stand, und weiter zog, wohin sich der glänzende Himmelsschein bewegte? ... Ganz merkwürdige Dinge könnten wir von der wahrhaft feierlichen Stimmung erzählen, mit der jene Zuschrift d'r Wiener Männer in der Gemeinde ausgenommen wurde. Man fühlt sich geehrt, daß man aus so weiter Ferne ihrer gedacht, und schon um dieser Ehre willen, und damit nickst ein anderer znvorkomme. wurde nach kurzem Beraten beschlössest, sich mit der Residenzstadt in Verbindung zu setzen, und dem große» Vereine die „Konstituierung" der Filiale geziemend.autzuzeigen. Damals wachte in der Gemeinde ein schönes Herz aus lanaem Winterscklase zu einem neuen Frühling aus und entbrannte in lichter Glut für die Verwirklichung der Idee, die als fliegendes Blatt von Wien ausgegangen war und ihmals Offenbarung einer neuen Zukunft galt . . . Doktor Prager — Klara würde Emannel sagen — trat zum Erstaunen aller, die nur von seiner ärztlichen Wirksamkeit in der Gemeinde zu berichten wußten, aus seiner bisherigen Sckweiqsamkeit plötzlich hervor, und bewies den Vorstehern in beredter Sprache, wie hier etwas getan werden müsse, und daß es eine himmelschreiende Ungerechtigkeit und Versündigung an der nächsten und selbst an der nach um uns wandelnden- Generatton sei. wenn man hier zurücktreten wolle, wo sich eine so schöne Gelegenheit barbiete, zu zeigen, „ivas an einem ist." (Fortsetzung folgt.) ' ' . .

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