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Neue jüdische Presse · 1919-12-19 · Heft 49 (19.12.1919) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 49 (19.12.1919)
Date
1919-12-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr- M fernster Qualität mrä in reichster Auswahl Andern Ile bei EGGERS & CORVEY ZIGARREN-IMPORT Go’theatrasse 28 (nahe Opernhaus) den nächsten Sitzungen der Subkommis,'ion" zur Beratung kommen. von Sir Tamuelr Aufevlbait 1a Warfcha». Mnjsterpräsitent Paderewski gab dem englischen -Abgesandten Sir Stuart Sumuel ein Essen. Paderewski bemerkte — nach dem „Tag" — seinem Gaste gegenüber, .die Regierung sei bereit, Len Juden .die volle Gleichberechtigung zu geben, wenn sie sich als. echte Polen'bekennen und .tätig sind. Er beklagte kjch über die Anklagen, welche die Juden in der ansländchcken Presse , gegen die Polen erhaben haben. Samuel erwiderte, daß die Juden ihre Klagen erheben, da sie sehen, daß sie geplündert und mißhandelt werden, ohne daß die Täter ihrer gerechten Strafe zngrsübrt werden. Sobald .der Grund zur Klage verschwinden werde, werden auch die Klagen verstummen. Im weiteren Verlaufe des Gespräches wies Sa* m u el aus das Unrecht hin, daß der süd. Kleinhandel von besonderen Konzessionen abhängig gemacht wird, wodurch .zahllose jüdische Existenzen ruiniert und diese! Juden gewaltsam in die Arme des Bolschewismus getrieben - werden. Als Samuel sä auch ungerecht fand, daß in Polen durch das Sonntagsruhegesetz der größte Teil der polnischen Juden gezwungen werden soll, zwei Tage in der Woche geschäftlich zu ruhen, was auch gegen die Interessen des Staates sei, frug P a d'e r e w s k i. wie sä denn diesbezüglich in England gehalten werde, worauf Samuel erklärte, daß 'in England in jenep Stadtteilen, wo die Bevölkerung zum überwiegenden Teil Juden sind, die Juden am Sabbat ruhen und am - Sonntag arbeiten dürfen. Dasselbe Prinzip müsse zumindest auch in Polen.gelten. Das „Poln. Korrefvondenzbüro" gibt das vorstehende .Gespräch in ganz anderem, der polnischen Politik genehmem-Sinne wieder. Bor seiner Abreise nach England war Samuel in 'Warschau, auch Gast des Misrachi und des Zionistischen Zentralkomitees. Er erwiderte auf eine Rede Du Thons, daß amt er der Meinung sei, es müßten Kautelcn dafür geschaffen werden, baß.der Friedensvertrag hinsichtlich des Schutzes der Minderheitsrrcbte nicht einleeres.Wort werde. Samuel schloß seine Rede mit der Versicherung, daß "er auf sein Judentum stets stolz war und stets stolz sein werde. Heldentaten polnischen Militär». Der Lemberg-Warschauer Zug war in dev Nacht zum L. Dezember der Schauplatz ekelhafter Szenen. Eine Abteilung mitfahrender Soldaten suchte die einzelnek- Abteile nach Juten ab. und wo sie Juden fand wurden diese grausam mißhandelt und auf der nächsten Station aus dem Zuge geworfen. Zahlreiche Juden wuroen ihrer t Habe beraubt. Die Offiziere schauten dein Treiben seetenruhig zu. In der Station Kowel' wurden die aus dem Züge geworfenen Juden von dem am Bahnhof angesammelten Pöbel neuerlich mißhandelt. Die Ausschreitung«, dauerten während der ganzen Fahrt an, bis der Zug iu Warschau hielt. Erst.hier gelang es einer größeren Gen- Vene Uidische Weste. istd- Ädgeörb^ “ neten HMri'p la s^in den.Bahnhof^kümmawdiert'würde. . f . I AßimilationSzwauginLodz. Wie die Lemberger „Chiwla" berichtet, hat der Lobzer städtische Schulrat beschlossen, aus dem Programm der städtischen Schulen die südischen Gegenstände und den hebräischen Unterricht abzuschasfen, da es unpäda» Logisch .sei, .gleichzeitig Polnisch und Hebräisch zu. unterrichten und -bas tote. Hebräisch Mt dem Polnische» phonetisch nichts gemein habe. Die jüdischen Kultnrellenorganisationen von Lodz haben gegen diese Zwangsassimilationsmaßregel energischen Protest erhoben. Ukraine. Pogrom in Rowo-Ptzltawka. (I. P. Z.^ In einem in London eingetroffenen Schreiben wird der Pogrom in der jüd. Kolonie Nowo- Poltawka im .Gouv. Cherson geschildert. Ende Oktober sorderten 60 Kosaken, die plötzlich in die Kolonie eingedrnngen waren, alle. jungen Leute auf sich zu versammeln. Da die Kolonisten in der letzten Zeit schon häufig ' von ähnlichen Banden drangsaliert worden waren, versuchten sie, sich mit Geld loszukaufen, fedoch vergebens. Die Kosaken, veranstalteten einen Pogrom, wobei sie vor allem viele Frauen vergewaltigen. Die jüd. Jugend dieser Kolonie organisierte einen Selbstschutz, nahm den Kampf mit den Kosaken auf und vertrieb sie. Einige Tage darauf kehrten mehrere Hundert Kosaken -mit Maschinengewehren wieder und veranstalteten eine furchtbare Metzelei. Sie führten einen Panzerzug aus Nowo-Bug mit sich, der die Kolonie beschoß. In dem mehrere Tage dauernden Kampfe wurden über 100 Kolonisten getötet .und die ganze Kolonie wurde zerstört 185 Kinder sind durch diesen Pogrom elternlos geworden. Der Pogrom in Kiew (I- P 3-1 Das Komitee der Jüd. Delegationen in Paris meldet unterm 6. Dezember: Man berichtet uns aus Konstantinopelaus vollständig sicherer Quelle, daß vom 14.—18. Oktober in Kiew ein furchtbarer Pogrom stattfand. Die Massaker ..wurden von der offiziösen antisemitischen Presse provoziert, besonders von den Zeitungen, die vvn dem berüchtigten Politiker Schulgin herausgegeben werden. Ausgefübrt wurden sie von den Freiwilligen. Mindestens einige hundert Jude» sind umgekommen. Eino große Anzahl Frauen und junger Mädchen.stürzten.sich aus den Fenstern, um nicht in die Hände der Pogrombelden zu fallen. - Der Pogrom in Kiew wird von einer großen Anzahl russischer Zeitungen bestätigt, die der Zensur De» nikins unterstehen. Der „Priasowsky Kras" der in Rostow a. Don, dem Sitz der Zentralregiernng Denikins erscheint, gibt folgende Einzelheiten über den Pogrom: „Die jüdische Gemeinde von Kiew ist einzig damit beschäftigt, die Hilfe zu organisieren. Die Zahl der Opfer ist so groß, daß es säst unmöglich ist. den ausgehungerten und der Kleidung und des Obdaches beraubten Menschen Hilfe zu bringen. In dem Mertel Conditorei and Cafd Wilhelm Wendel Alte Grosse S PM' Bleu renoviert und vercröasert- Feinste Tonten und Deosert« Kaffee, Tee, Schokolade in Tassen. Seite». t:; Arkadla’i Künatlerspiele , und - ■— Arkadla-Diele -- Kaiserstraaae 69. Telefon: Hansa. 5516. f Dia eratm Kltaisllanplala mma Plate«. S von Podol allein sind 14 700 jüdische Opfer der Münderung .während des Pogroms registriert, in dem Markt- Viertel 3000: die Lage all dieser Unglücklichem verschlimmert sich von Tag zu Tag» da der Winter sehr streng ist." Dem „Sowremermoje" zufolge, der der Militärzensur untersteht, haben außerdem in folgenden, im Umkreis von Kicw gelegenen Ortschaften Pogrome stattgefunden: Borispol, Grebenka. Smielo, Korsun, Germanowka, Tscherkassp, Makarow. Gorodischtsche Schiblennoje, Korito, Dpmer, Stepanzy, Jgnatowka, Tripolie, Rossowo, Motvwiloska. Tschecho-Slovakische Repubttk. Bratislava (Preßburg' Bon »er Lrthodoxiv Di« Orthodo-xe Repräsentanz versannnelt» sich am 2. Dezember zur ersten Tagung. Gleich nach - Eröffnung der Sitzung durch den Vorsitzenden, Oberrabdiner Akiba Schreiber, entwickelte sich eine heftige Debatte in einer Personenfrage. Erst nach Stunden gelang es — und zwar dem ISzerdahelyer Oberrabbiner Wein der per —, die Gegensätze zu schlichten, indem an? .seinen Antrag ausgesprochen wurde, daß Oberrabbiner Koloman Weber uni Hermann Steiner Präsidenten der Kanzlei sind. Hierauf nahm die Sitzung, obwohl viele Mitglieder bereits abgereist waren, einen ernsten und Würstchen Verlauf Aus Antrag des Reutraer Rabbiners Aron Katz wurde der Anschluß an die Agndas-JiSröek verhandelt. ES wurde beschlossen, eine Kommission zu entsenden mit den rabbinischen Mitgliedern Oberrabbiner K atz. Mentra), Weinberg er (Dunaßerdaheüsj. Reich (Bätorkeßs, Tigerman <Neuhäusel> und Weiß iRagnmogyer), welche auf Grund der festgesetzten Bedingungen mit den Agnda-Bertretern verhandeln sollen. Ans die Frage des Anschlusses an den. Bjolksverband der Inden für hie Slova-» k ei stand auf der Tagesordnung. "Die Repräsentanz er- - klärte sich nach Anhörung der in Piestanp angenommenen Resolution im Prinzipe für den Anschluß. wenn Garantien gefunden werden können, daß hierdurch der orthodoxe Standpunkt gewahrt bleibe. Oberrabbiner Reick (Brboves machte die Mitteilung, daß in Ungarn ein Verband sämtlicher Inden gegründet wurde, dem auch die Orthodoxen angehören. Adolf Frankl ist im Präsidium des Verbandes. Er alaube, man sollte in Erfahruna bringen, auf welcher Basis dort der Anschluß erfolgte, und die Basis, welche Wolf Frankl akzeptiert hat. der dock aufs peinlichste jede Trübuüg der orthodoxen Grundsätze stets entschieden ablehnte, könnte auchder Orthodoxie in der Slovakek aenügenbe Gewähr fein. Wuetinu Eine authentische Geschichte. Der Straßburger ,jBc Juis" schreibt u. o. nach der Pariser „Bietoire": Am 16. September wandte sich in Maier der Jngenieur .M. der landwirtschaftlich:» Schule in Mont- - Trerrderl von Leopold Komp er t.*) ' Durch die stille, sommerware Nacht dringt das eiserne Dröhnen des Hammers auf einen Amboß au unser Ohr. Auch können wir-sprühende Funken sehen, die in die Finsternis ihr leuchtendes und im Augenblick wieder verlöschendes Feuer werfen. Fast verwundert blicken wir um uns, ob das noch dieselbe „Gasse" sei, und traumhaft dünkt uns dieses Hammerdröhnen und Feuersprühen an einenr Orte, den Unsere-Kindheit mit ganz andern Erinnerungen in ihre Seele eingezeichnet hat. Aus dem Hause, ans dem früher der Hausierer seine Westenstosfe. und Kleiderstückc hinausflattern ließ, sprühen jetzt die Funken der Schmiedesse, dröhnt der eiserne Hammer. Ueber dem- Eingang 'hängt ein vergoldeter, kunstvoll ver« schnörkelter Schlüssel zum Zeichen, dK hier seines Gewerkes »in Schlosser hantiert, und dieser Schlosser ist in der „Gasse" geboren und ist eben kein , anderer, als unser — Trenderl. Hartes, sprödes Metall ist an die Stelle des vergänglichen Zeuges getreten, und der Hammer ersetzt die hölzerne Elle. Denn die Zeit ist eisern geworden. Mer Augenin dem gegenüberstehenden Hause konntet sich in dieser Nacht lange nicht schließen. Die lärmende Tätigkeit des Schlossers dauerte bis in eine späte Stunde und schien fast nicht enden zn wollen. Dieses Hämmern auf dem harten Amboß glich dem Atemholen eines frischgeborenen Menschen, der nicht müde wird, Leben ein- und auszuschlürfcn. Man vernahm es säst, wie sich der Schlosser seines Handwerkes sreute. , Die in jener Nacht kein Auge schließen konnten, waren der reiche Schalem Brandeis und seine Frau Mindel. Aergerlich sagte sie zu ihm: *) Eine Geschichte ans der böhmischen Judengasie vor 50 Jahre«. (Gekürzt.) „Siehst Du, das hat man davon, wenn man sich armer Leute Kind annimmt. Einen Schlosser habt ihr ihn müssen werde» lassen? Ein anderes Handwerk gab's gar nicht auf der Welt? Zu einem Schneider war' er wohl nicht gut gewesen? Die Nadel, die durchs Tuch fährt, hört man nicht; aber ihr habt ihm den Hammer in die Hand geben müssen, und nun klopft und hämmert er, daß ich schier meine, mein Kopf hat Löcher bekommen, groß wie ein Haus. Zuletzt wird man wegen Trenderl noch ansziehen müssen!" „Narrele," entgegnete auf diese Rede gähnend Scholem, „hatte ich denn wissen können, daß er seine Schlosseret uns gegenüber aufstellen werde? Und hättest Du etwas auszusetzen, wenn er anderswo klopfen und hämmern möcht'?" „Ein Jude braucht kein Schlosser zn werden," sagte Windel mit großer Bestimmtheit, „für ihn gibt es andere Handwerke. Ist der Jude vielleicht dazu geboren? Hat er die gehörige Kraft dazu? Bei „ihnen" ist das freilich anders; sie sind von frühester Kindheit dazu ausgewachsen, könne» mit Feuer und Wasser, mit Eisen und Stahl umgehen. Hast Du schon gesehen, wie ihre Kinder auf die höchsten Bäume hinaufklettern, daß einen fast der Schwindel überkommt? Und, unten steht die Mutter dabei und sieht, zu? Meinst Du, das ist einer südischen Mutter eigen?" ,Db siehst ja doch, daß es ihnen wohlbekommt,", meinte nach 'einer langen Weile der Gatte. „Sie sind stark und gewaltig. ein Judenkind bläst der erste Windhauch weg." „Hätte mir Gott einen Sohn beschert, — und den hätten sie mir zu einem Schlosser oder Schmied oder Maurer machen wollen, — ich weiß nicht, was ich eher hätte angefaügen/' eiferte Mindel. „Es bleibt, wie ich sagte: die schweren Handwerke passen für den Juden nicht! Ich frage Dich nur eines! Hast Du schon gesehen, daß so ein Zimmermann oder Maurer, die tagtäglich um einige Groschen ihr Lebe» wagen, auf die (höchsten Türme hinaufklettern und eigentlich gar nicht ohne Testcmrent ansgehen sollten, hast Du schon gesehen, daß . sie .es zu etwas bringen? Was hat so ein Maurer oder Zimmermann für all die Gefahr, in die er sich tagtäglich; hegibt? Kann er feinen Kindern ein Vermögen hinterlassen? Bettler sind sie. wenn ihm ein Unglück widerfahrt» und der Strick, der reißt und ihn zerschmettert, zerreiß» -,v und zerschmettert auch das Weib und die Kinder und alle»» was zu ihm gehört" jrj» ,Du Advokatenkopf!" sagte Scholem lachend» „hättest s Du das lieber dem Doftor Prager alles eingestanden, a# er darauf drang, daß Trenderl ein Schlosser werden muß. Hört man Dich reden, so hast Du recht, hört man wiederihn. meint man, Gott selbst könnt' nicht anders reden. - M Ist der Doktor nicht auch ein Jude?" „Und was für einer!" rief Mindel mit begeisterten»--..' Tone, ..willst Du mir sagen, was das für einer ist? --£■ Nie hat ein Kind das für seine Eltern getan, was ex tan hat. Auf der einen Seite steht ihm ein schönes und .‘3 reiches Mädchen, das mit ganzer Seele an ihm hängt, auf der andern sein Vater und seine Mutter, alte Leute» bteXJg nicht lange mehr leben werden. — und doch läßt er eher .W von dem schönen, reichen Mädchen, als von seinen Eltern». um sie nicht zn betrüben . . . und betrübt sich selbst? DaS ist eine Sache, wofür ihn jede jüdische Mutter auf Händen tragen sollte!'^ , „Ich möchte nur wissen," sagte Scholem nach einer. Weile tiefer Ergriffenheit, „warum der Doktor sich nicht ver» ' heiraten will?" .Das wissen wir Weiber besser als Du," entgegnete-f Mindel Mit fast geheimnisvollem Tone. . ) .Warum? Würde er vielleicht Deine Tochter und bare zehntausend Gulden dazu nicht nehmen?" -' „Und wenn Du ihm eine Million auszählsi, auch uidjtt-fjgj Unsere Tochter nimmt er nicht, — aber auch keine andere."'^. .Damit bist Du getröstet." meinte Sckolem. „alle Wciber gleichen sich doch auf ein Haar. Krieg' ich ihn nicht» denken sie, so soll ihn auch keine andere bekommen Dn-. -i drin steckt die ganze Weisheit von so einem Weiberkvpß, E Meinst Du, wenn man mit ihm ein gut! Wörtchen rrdet^H er würde mit dem Kopf schütteln?"

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