Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 49 (19.12.1919)
- Date
- 1919-12-19
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2692297-2693126-2693175--10968-2706363- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
SSt-L Höhere« Kimtztperk ^«ntspacht, ja ^yb WBWÄBcht äch• Einern uotwäidige« Hinne LerlchrA» abschwäche» und ^vÄleiuern muß. Darum' WchfiudeK wir in de» Leiden Mütter« ,TischaL'«b" vdertän „SickoH"" ein höheres Künstlertum und aue ergreifendere Symbolik, als in 'dem geheimnisvolle« -Stillebwl „Kol-Nidre"", wo dils Mystische allzusehr betont " ist, fast mit konventionellen und schwachen Mitteln, diesem trübe»'Licht, das auf -einem Tallis liegt. - Dies leitet zu der mehr bewußten Shmbolik bw Miniatur-Arbeiten hin. Wir vermuten, daß die gleich» arüge Lrsführung hier die gleiche innere GrundDmmung andeuten soll, die durch eine Art Parallelismus des Abbaus noch erhöht wird. Melleicht spricht uns hier schon irgend än welümschauliches Denken an. Es kann z.'B. nicht zufAlig sein, daß die beiden Arbeiten „Sabbateingang" und „SMatausgang" das gleiche landschaftliche und arabeske Motiv haben, nur in verschiÜrener, wohl konträrer Idee ausgeführt. Atch ftaMs sollder knorrige Baum im Eingang etwas anderes aussprechen, als die Arabeske aus fruchtbeladenen stilisierten Zweigen im Ausgang. Weiteste Freiheit Ist dem persönlichen Deutungswillen des Betrachters belassen, gleichwie wohl auch, der Künstler sellH mehr instinktiv ^und kaum bewußt .zwei Gegensätze gestalten wollte, über, deren sachliche - Berechtigung man ganz.wrfchiedener Meimmg sein kann. < So sind - eine Anzahl Miniaturblätterl entstanden, voll mystischen und symbolischen Gehalts: ,,Un' sane To^k"". „Selichoth", „Simchoth-Thora" lein kunstgewerbliche Monogramm, nicht ganz-ohne Humor),. „Schabuoth", wo aus Flammen das Gesetz emporstejgt, und andere mehi. — Wir erwähnen noch die porträtischen Versuche: einige Studie»! nach Juden, das Bildnis des Dichters Perez, das Selbstbildnis (anscheinend eine jugendliche Arbeit) und die Schneelandschaft init dem schreiteudeu Anden. Als das Bedeutungsvollste aber erscheint «ns: „Loth und seine Töchter"". Borne die drei in fanatischem Schrecken erbebten Menschen, überlegen gestattet in der Dämonie ihrer Angst; und im Ungewitter aus Schwefel und Pech die Salzsäule, fast noch, lebend in sich versunken, als schaue sie mü deutlichem Bewußtsein, zu, wie. der lebendige Leib allmählich erstarrt. Eine Studie nach Rembrandt, „jüdischer Bettler"", gibt uns den Maßstab, Vergleiche zu zfthenmit diesem Unvergleichlichen. Hier ist ins Rationalistische gezogen, was Ausfluß .höchsten Genies bei Rembrandt ist. Grade an dieser Studie könnte Man alle Weiten, und Engen des Budko'fchen Talents aufzeigen, dem mehr das Bolkliche als.'das Uebervollliche und Alb menschliche entspricht. Wir haben gezeigt, daß dieser Künstler eigentlicher BolMünjller ist, daß er schon in manchen Werkst den W^ Mn Typischen autreten durfte und daß er sich in ihm noch lange nicht vollendet hat. Doch diises Eine ist gewiß: Auch das Allmenschliche (von «ns aE Höchts Ziel jeglicher Kunst eickamtt) . wird ihm nur in der Richtung seines jüdischen Temperamentes Möglich werden; so bewährt er sich als gesunder und .simer Geist. - . H. W. Brief a«S Uugar«. Ungarn durchlebt schlimme Zeiten: erst der rote Terror der Bolschewisten und jetzt der weiße Terror v der Reaktion. In beiden Fällen lagert der Druck der Gewalt selbstredend am stärksten auf den Juden, die ja stets die bequemsten Blitzableiter für alle Entladungen gewesen sind. Die antikapitalistischen Eperämente des roten Terrors bekamen die Juden am stärksten zu spüren, und die politische Weisheit des weißen Terrors der so überaus schwierigen, ja geradezu ver- 5 Kveifelten Lage des Landes gegenüber ist es, die . . Schuld für alles Unglück ans die Schultern, der Juden a^pvälzen. Wenn auch das Land dadurch nicht gerettet wird, so doch die es gegenwärtig Beherrschender, — und das ist ja die Hauptsache. - , Es' ist also nicht »veiter verwunderlich, wenn, der Minftterrat beschließt, die noch in Ungarn wellenden jüdischen Kriegsflüchtlinge aus Galizien sofort in Internierungslager cbzuschiebr».. Wir glauben ftellich nicht, baß durüi diese Unmenschlichkeit gegen ehemalige Reichsangehörige und Schicksalsgenossen während des Krie- ' ges;-S»le Fleischtöpfe Budapests wieder wie ehedem gestillt weiden, — lcher die Budapester Spießbürger glauben es vielleicht. . .* . Und so lange die Fleischtöpfe Budapests noch leer sind, kann man es auch verstehen; wenn an den Manu« der Liehen,' der Stätten der Menschenliebe, PH Neue Jüdische TELEFON- L erfüllt- - ALLE Ansprüche^Vö FRANKFURTER PRIVAT-TELEFON-GESElLSCHAFTn.tK FRANKFURT A.M. ftmsw nötivt.lKUSi und an den Mauern der Spulen, der Stätten der Kultur, Plakate zu Pogromen einladen und überall die Losung „Sammlung der . Christen zum Kampf gegen das Judentum" ausgegeben wird. , Ganz .Dieser Politik entspricht auch die Gründung einer judenreinen „Ungarischen National-Agrarbank", Die die Znteressen des Landes auf. christlichmoralischer Grundlage fördern soll. Und die ungarischen Juden? In der Bratislavaer „Republik"" schreibt.ein Berichterstatter bei der Schllderung des Einzugs der weißen Truppen der Regierung Horthy in die ungarische Hauptstadt: „Nicht besser als die Stimmung der Arbeiterschaft, war die des Budapester Judentums, das einen erheblichen Teil der Bevölkerung ausmacht. Zwar» erschien eine Deputation nach mittelalterlichem Muster, um bei dem Allgewalügen (Horthy) um Schutz zu flehen, und in der Synagoge wurde ein anbefohlener Dankgottesdienst abgehalten, aber das „erwachende Ungarn"" steckt den Jllden in allen Gliedern, und es' wäre viel entsprechender gewesen, einen Gottesdienst für das Seelenhell der in den. Pogromen erschlagenen imd durch die weißen Herren Offiziere: Fußberger, Salm, Bido usw. gehängten Juden abzuhalten." Was haben nun die ungarischen Juden mit ihrem magyarischen Ueberchauvinismns erreicht? Ist für sie auch hotte noch nicht der Jomkippur der Selbsteinkehr gekommen? Deutsches Reich. Folge« »es AfftwilattonSftreb'nS. An München nahm sich her Student Maximilian Spätst das Leben, weil ein geselliger Verein, dessen Ehrenmitglied er sogar war. .den Beschluß faßte, Juden von der Mitgliedschaft auszuschließen. So wurde ein junges Leben jäb beendet, weil es außerhalb der jüdischen Svbäre seine Ideale ersehnte und sich - zurückgestoßen fand. In der Verkennung .dessen, daß er auchseinem deutschen Baterlande im besonderen und der Menschheit im allgemeinen das Beste geben würde, wenn er in sich alles Indische zur Entwicklung bringt, hat sich Späth seines Lebensglückes beraubt. Er wird so zum Wahrzeichen allen Lenen, die in ihren» Assimilattonsstreben gleich ihm tun. In den» nachgelassenen Briefe Späths heißt es: „Als Deutschem von Geburt, Denkart, Gefühl und Erziehung ist es mir in die Seeele hinein schmerzlich geworden zu sehen, welch unheilvolle Entwicklung das geistige Werden meiner Volksgenossen genoinmen hat und noch weiter nimmt. Iw zweifle daran, in absehbarer Zeit selbst noch Zcng.e und Mitwirkender der nationalen Wiedergeburt sein zu dürfen. Gewissenlosigkeit, Verblendung, Selbstsucht. Haß und Rache verdunkeln das llare Vorpellvngsvermögen meiner Mitbürger und machen es unmöglich, gemeinsam den geraden Wea. der zu neuem Aufblühen der deutschen Nation führt, zu begeben."' Unter anderem führt er weiter aM: „Teils die allgemeine traurige Erwägung, daß es einem iniierlickanständig denkenden, reinlich, empfindenden Menschen unmöglich ist. in Gemeinschaft mit skalier Ebre baren. Zettgenossen die Luft des Tages zu atmen, teils der besondere Fall von Ungerechtigkeit und Ehrabschneiderei. den ein mir bis jetzt eng verbundener Kreis von Menschen konstatiert, zwingt mich, allem Irdischen zu entsagen. Da es z. Zt. für mich Feine Möglichkeit gibt, auf dem kavaliermäßigen Wege mtt der Waffe in der Hand meine niedergcttetene, vor Men Freunden bloßgestellte Ehre zu reinigen, da mllttärischerseits die Ehrengerichte nicht mehr existieren,, akademische Korporationen mir als Juden nicht Waffenschutz geben, kurzweg wir das Recht ver Satisfaktion nicht zugebilligt uiro, wird jeder unständige Mensch es für begreiflick finden und mich« nickst für irrsinnig erflären, wenn ick den. einzige» leSSftii Fischltausj ■••p Teplltzky, Frmkfnrt am Hain 45 Hanauerlandetraaae 45 TCglich frische, Zufuhren Ton Fluss-u.Seefischen Iäefernqgen Jre Haus. Telefon: Bffmer.541. n «■ Nr. 49. .'Weg nghme, der mir offen steht. Zunt Mrbrecher wltt i "ich? , nicht wcrdW>»«iedriger- RachfWt. will ich Ächk \ , s nachgehcn: So tbleiht für mich nur das Eine: -Durch vi; i meinen Tod anerkqnntzn wissen,.daß ein Deutscher - jüdischer Geburt,' der sein gemzis ÄbEwur den'hoher Idealen besten Menschen- und- Volkstums nachgestrrbt zu haben glaubt, trotz allex seiner. Laster i»nd Fehler, auck ein Mensch von Ehre und.Anstand seinkann. Es ist mein glühendster Wunsch; den ich mit ins Grab nehmen will, daß Deutschland und seilt armes. verblendetes. Volk eines Tages frei von allen Binden, die ihm setzt dieu Sehkraft feiner Augen verhülle»», aufs neue und für. immer .zu Macht und Blüte gelange», möge, bester aii Art, wie die vergangene, unvergänglich an Dauer und. Wert." Zur Frage der oftjüvifcheu Flüchtlinge. Vom Verband der Ostjuden, Sitz Berlin, schreibt man uns u. a.: „Jnjüngster Zeit entwickeln die,bezahlten und unbezahl- I .teu Agenten der untenrdischen, atldeutichen Organiiarion \ •eine geradezu fieberhafte Heptängtett gegen die Juden des . ' Ostens. Was der legte Rest des -Schamgefühls noch daran hindert, von den intanüiscyen Juden zu behaupten, das wird zynisch auf die aitslänoischen Juden gewälzt. In der Presse wie in ösfentlicyen Körperschasten werben diese Ostjuden als Schreckgespenst hingestellt und als größte Gefahr ' für die Oessentttchkett geschildert. Mtt atten möglichen: brennenden Fragen des Tages werden sie in Verbindung gebracht und für alles Unheil verantwortlich gemacht. Dieje f Agenien rechnen psychowglsch richttg, und sie wissen, daß., die Volksleidenschast, wenn sie einmal entfesselt worden ist, vor den inländischen Juden nicht halt machen wird. In der Tat fatlen 'sogenannte liberale Blätter und Polttiker....; auf den Schwindel herein, und sie scheinen nicht zu ahnen, ' daß sie lediglich antisemitischen Zwecken dienen. Wer die '. Presse versorgt, der muß mit Staunen wabrnehmen; saß - überall sich ein gehässiger, gereizter Ton gegen die Ostsuden ' geltend macht In liberal geleiteten slaotischen Körper- - schäften werden Anträge ausgenommen, die dahin gehen» die Regierung zu veranlassen, scharfe Maßregeln gegeiz - die ostjüdischen Flüchtlinge zu ergreifen. Die Wohnungsnot - j wird auf Konto dieser Armen geschrieben, man-scheut sich l nicht) diese Leute als Schwindler und Betrüger hinzustellen.-.? Es «ist traurig, daß manche Politiker kurzsichtig genug sind, I nicht «inzusehen, daß dadurch die niedrigsten Instinkte des ' j Volkes ausgerührt werden. Man muß sich mit Recht fragen:' Haben loir in Deutschland in dieser schtveren Zeit gav keine . - anderen Sorgen, als uns mit dieser künstlich herausbefchwoj retten Fremdenfrage zu beschäftigen? Es paßt schlecht zum Charakter einer fteien Zeit und; l 'einer demokratischen Republik, strenge Linien zwischen den ” i Einwohnern inländischer und sremder Staatsangehörigkeit - - : zu ziehen. Jedem Fremden werden Pflichten zudittiert, und l rs entspricht dem Rechtsgefühl und der Staatsklugheit, daß man ihnen auch ein gewisses Maß von Reckten verleiht. i Namentlich sollte solchen Elementen, die sich vor grausamen Verfolgungen einer fanatische» Bevölkerung flüchten» 'i Gastfreundschaft gewährt werden. Nur da, wo eine wirkliche politische oder moralische Gefahr vorliegt, ist ein Abweichen von dieser völlerethischen Tradition gestattet. Davon kann - aber hier gar nicht die Rede sein." .. . , Pole«. Sin Prozeß wegen 8r«ord«u»von sechs jüdischen Mädchen Vor dem Mlitärgericht in Lublin begann am?24. . Novbr. der Prozeß gegen Leutnant Czeslaw Sar« - kowski» Korporal Markewicz und den Soldaten. Sikora wegen folgenden Sachverhaltes:. / . Am 29. Juni ergriff die Wache des Unteroffizierlagers, in Dem bin sxchs jüdische Mädchen — Sara Male- , wicz, Riwkah Gzebien, Alta, Rähel, Di na und Malkah Ru bin stein —, die Lebensmittel nach Hanse trugen. Leutnant Sarkowski befreite sie nach dem Verhör. Die Mädchen baten ihn um Schutz» da sie Angst ..: hatten, allein nach Hause zu gehen. Die sechs Mädchen wurden später ertränkt in der Weichsel gefunden; die Malewicz mußte vorher erdrosselt, die Gzebien geschändet worden sein. Die Untersuchung erwies, daß die furchtbare Tat nur von. den Angeklagten ausgefüh'rt sein konnte. In der Wohnung des. Leutnants hatte man ein Täschchen, das einer der Ermordeten gehörte, gefunden. Auch ist. sestgestelll worden)- daß der Leutnant den Mädchen während des Verhörs gedroht hatte. Rur Fra-e »er SountasSrnhe. Wie der „Kürjer Nowy" und der Waxfchauer „Dog" ' erfahren, beabsichtigen die maßgebenden Kreise, die Frage der Zwangs-Sonntagsruhe m Bezug auf die jüd. Bevölkerung Herzeit nicht, definittv zu. entscheiden. Diese Kreise erkemten,.. daß die sofortige Durchführung der Sonntagsruhe in ihrem vollen Urnfange den-wiÄschaftkicken- Ruin der Juden bedeuten würde, was'-nicht ohne starke ungünstige Rückwirftuig auf die gesamte wirtschaftlicke Lage des Landes'bleiben würde. KonzefftouSzwangsSr ve» va»»el. »I. P. .Z? Die juridische Subkommisfion des Landtages begann die Beratung eines Gesetzvorschlages, der im Handel das. kkonzessionsprinzip einführen will. -Bor- ' nehmlich strll der Handel mit. Nahrungsmttteln, Rohprodukten und unentbehrlichen Gebrtmchsgegensttznde» an eine-Konzefsion seitens der oberen- Verwaltungsbehörden gebunden fein. Die Behörde soll diese HandelSkdnzefsionen nur für begrenzte Dauer erteilen^ Der ^!lbg. Hartghas hatin dev- Beratung auf die ruinöke Bedeutung des Gesetzes für die .Juden hin« ' gewieftn und auch ' Feine- Schählichkett. für die Gesamtheit dargelegt. Seine Abänderungsvorschläge werden in ■MB i