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Neue jüdische Presse · 1919-12-12 · Heft 48 (12.12.1919) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 48 (12.12.1919)
Date
1919-12-12
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Nr. 48. Seite 4. KaiBßrstrasse 56 Tfiglich erstklassige Bnliiaiifl T Kaiserstrasae 56. r* CnterhaltwagsmiiBlk, jujjeS verkündet, wie denn Jeremias widerrät, wie man zum Palaite will, den König zur Kriegserklärung zu zwingen, Baruch den ihm sich entgegenstellenden Jeremias mit.dem Schwert niederschlägt und dann, allein mit ihm an die'Wahrheit seiner Warte glaubt und das Vaterhaus «erläßt, um ihm nachzufolgen, wie die Menge, von Ho» nansah angefeuert, mit dem König in den Tempel eilt, vor dem Herrn das Bündnis gegen Assur zu beschwören. Wohl stutzt der König nochmals bei Jeremias warnendem Zuruf, aber er geht in den Tempel, — und, das Unheil nimmt seinen Lauf. Man nehme es nicht als Verkleinern»,g, wenn wir sagen, daß dies großartige, volldramatische Bild unter dem Eindruck der Kriegserlebnisse und nach diesen gezeichnet ist. Man nmß schon ein Dichter sein, mn so etwas richtig zeichnen zu können. Wer man darf sich keine Anachronismen wie „Gott strafe England" (S- 28, wo allerdings Assur steht) zu schulden koinmen lassen. Unbiblisch ist Ztveigs Regievorschrift, wonach der Palast und der Tempel baulich miteinander verbunden sind. Den H-chprelier Palchur — der allerdings in der Bibel zu jener Zeit genannt wird — läßt er {©. 36) sagen: „Den Gottesmänuern und Propheten ist allein verstauet die heilige Schwelle" und blamiert sich auch da wieder Mit dem auch hinter bescheidensten Ansprüchen noch zurückbleibenden Maß jüdisch - biblischer Elementarkenntnisse. Wiewohl nun genannter Hohepriester zu jener Zeit in der Bibel erwähnt wird, kennt doch die Bibel keinen Baruch, Sohn Sebulon. Was gefällt Zweig ,om den» Namen Neriat denn nicht? Und auf die Gefahr hin, als Buchstabenkrämer verschrieen zu werden, beanstanden wir die grundsätzliche Schreibweise: „Nabukadnezar". In seiner Sucht, originell in der Sprache zu bleiben, findet der Begriff „lesen" keine Gnade vor Ziveigs Augen. ,Würfeln" will er nicht sagen (Warum eigentlich nicht? Das kannte man damals auch schon.), wie er Leim S. 127 selbst von Würfeln spricht und so macht er S. 40 .und später worfeln daraus, was ein Unsinn ist, da wortzln eine ganz bestimmte landwirtschaftliche Tätigkeit bezeichn«. Im dritten Bild ivieber eine ebenso glänzende Volksszene, diesmal in jeder Hinsicht völlig einwandftei. Die Schlacht hat begonnen, Boten sind eingetroffen, man lveitz nichts genaues, aber man hat unbedingte Zuversicht zum Pharao. Man jubelt seinen Namen, andere werden dadurch herbeigelvckt, sie verkünden ihrerseits den Sieg schon als zuverlässig. Jereniias und Baruch werden als „Miesmacher gehöhnt; Jeremias weissagt trotzdem Schlimmes, unter dem Gelächter der Umstehenden. Ein Bote keucht schweißbedeckt - herbei, und man erfährt, daß Aegypten Friede geschlossen habe. Erst allgemeine Erstarrung. Dann will jeder gesagt haben: kein Bündnis mit Aegypten. Ein Herold gibt bekannt. daß Jerusalem vor der Belagerung stehe. Jeremias eilt in den Tempel, um durch Gebet das Verhängnis abzuwenden. Jüdischer Schöffff^elst. Die „Franks. Ztg." zeigt in einem Aufsatz ..Hoffnungsvolle Entwicklungen in einer hoffnungsarmen 8eit", daß Deutschland durch die richtige Verwendung dreier in seiner Mitte gemachter Erfindungen aus seiner: heutigen verxweiflnnosvollen wirtschaftlichen Lage den Weg finden kann. Tiefe Erfindungen sind die Gewinnung von Luftstickstvff nach Haber, von Kalkstickstoff nach C«lro und Vvn Spiritus .und Essigsäure nach Grünstem. Der mächtige Anilinkonzern, die Vereinigung der großen deutschen Farbstoff-Fabriken, hat bereits eine Verdoppelung seines Aktienkapitals beschlossen, nm dir Gewinnung. von Stickstoff aus der Lust weiter anszubaaen. Die Einfuhr des Lbilesalpeter — heute 2—2% Milliarden Kosten — erübrigte fick, dann, die Ernte- «rträgnissc würden sich durch die Stickstoffdüngnng sehr vergrößern, und sckließlich könnten »wch viele hunderte Milliomn Stickstoff ausgeführt werden. Der Luftstickstoff hat den Kalkstiüftvsi überholt, dieser :vird aber aus Calciuincarbid gewonnen, und dieses ist besonders nach.Grünster» in Spiritus und Essigsäure iveiterzuverarbeiten. Deutschland verbrannte im Frieden 23k Millionen' Tonnen Kartoffeln zu Alkohol und brauchte nun keine Kartoffeln mehr zu verbrennen. Haber, Caro u»id Grünpein sind Juden. Der 1868 in, Breslau geborene Fritz Haber ist Direktor des Phys.-Chem. Instituts der Kaiser Wilhelm-Gesellschaft. Dipl.-J»genieirr Nathan Grünstein wohnt seit Jahren itt Frankfurt uiu) gehört dem Vorstand der Frankfurter Zionistischen Ortsgruppe an. * „Times" berichtet über die Sitzung der englischen Akademie der Wissenlckusten, in der die Ergebnisse der von der Akademie entsandten Dvsvnschen Exvedition mitgcteift wurden, welche Ergebnisse die Theorie von Einstein bestätigten. Einstein veröffentlichte drei Voraussagen: Erstens eine Abweichung in der Perihelbewegnng des Planeten Merkur, .welche schon vor langer Zeit bestätigt wurden. Zweitens prophezeite er eine Abweichung der Lichtstrahlen beim Vorübergang der Planeten gelegentlich der letzten totalen Sonnenfinsternis. Die drftte Prophezeiung .betraf die Verschiebung.von Spektrallinien. Dr. Albert Einstein ist 45 Jahre alt und stammt aus . der Schweiz. Er wirkte in Zürich und Drag. Die Wiener Universität verweigerte ihm als Jude das Ordinariat. Spater tvurde er zum Mitglied der Kaiser Wil- Neue Jüdische Presse. " Gleichermaßen hervorragend ist größtenteils das »irrte Bild. Auf der.Umwallung Jerusalems. „Einige wenige Neugierige", die Äugst und Sorge nicht schlafen läßt, „spähen in hie Ferne," wo sie Samaria und Gilgal brennen sehe». (Geographie schwach! Die sähe mm» von Jerusalem aus mit keinem Scherenfernrohr.) Der König, die -Priester hätten den Krieg haben wollen, nicht sie. Zwei Posten jage» sie weg. Der eine grübelt über sein Los. .Hier stehe, ich uird halte einen Speer, nicht weißich,, wider wen ich ihn wende. Dort unten im Dunkel wartet unwissend der, dem er zngeschliffen ward, ich kenne ihn nicht. . . Ein anderer wärnit dort unten vielleicht jetzt am Lagerfeuer die Hand, die meinen Kindern den Vater stößt und hat »nich nie geschaut. . . . Fremd sind wir einander wie die Bäume des Waldes . . . wir aber wüten widereinander mft der Axt (l!) und dem Speer . . ." Wie wahr, wie richtig! (Trotz der Art. Es sind doch keine Indianer auf dem Kriegspfade) Und doch hat Zweig in seinem Leben nie Posten gestanden, sonst könnte er nämlich nicht S. 71 vorschreiben, baß die Beide» de» Wachtruf „Simson über sie" laut weitergeben. So etwas hört der Feind doch, namentlich in der Stille der Nacht. Der zweite Posten sinniert weiter. Jeremias und Baruch koninien wieder. Er habe das alles schon Monde zuvor im Geiste gesehen, kündet Jeremias dem Baruch, aber er wisse auch das Ende. „Sie schlafen in ihren Tod", es sei Zelt, daß inan sie wecke und das tut er in kurzen schönen Versen. Die Krieger verweisen ihn zur Ruhe und drängen beids schließlich weg, da der König die Runde mache. Dieser naht -mit Abiinelech, der iminer noch zuversichtlich ist und an die Belagerung unter Salmanassar erinnert. Jereinias Stimme tönt dazwischen. Man sagt dem König, wer der Rufer sei, daß seine Mutter, „vergiftet von seinen» Wort", mit dem Tode ringe. Jeremias legt dem König nahe, wenn möglich, noch zu verhandeln. Dessen Stolz verbietet ihm das. Ob Jeremias gewiß sei, daß Tod über Jerusalem stehe? Dann möge er gehen und sich ergeben. Da Jereiilias das nicht tun will und kann, -wird ihm eröffnet, fein Leben sei verfallen, sobald er wieder Untergang künde. Der König verläßt die Mauer. Jeremias klagt sich nun an, nicht eindringlich genug gesprochen und so die Gelegenheit versäumt zu haben. Baruch aber klimmt die Mauer hinab, um auf eigene Faust zu tun, Ivas der König nicht wollte. Während noch Schiller eine ganze Reihe Adjektive init icht hat, ist uns nur das einzige töricht übrig geblieben. Dies Wort ist Zweig ein Abscheu, södaß er es nur eininal braucht, und sonst immer törig schreibt. Wäre das fünfte Bild nicht größtenteils so wundervoll poetisch, müßte man es wegwünschen. Denn hier kommt der erwähnte Theatercoup. Jeremias' Mutter liegt auf den Tod krank und wird nur noch von der Hoffnung aufrecht erhalten, ihren Sohn noch einmal zu sehen. Bon der Belagerung weiß sie nichts, die Nachricht würde sie nicht überleben. Ein treuer Diener hat heimlich nach Jereinias gesandt. ------- irfaadia’a Kamtlerspiele ----- und -------------------- Arkadla-Dtele ------------- KaiaeratraHse 69.Telefon; Hansa 5516. fi* Die »raten KOnatlarspiele am Platze. hclm-Akadeinic in Berlin ernannt. Einstein ist .Zionist u>»b hat sich angeboten, an der künftigen hebräischer» Universität in Jerusalem zu lehren. Chanukkah itt Jerusalem.*) Bei den sephardischen Inden in Jerusalem wird Chanukkah auf eine ganz besondere Weise gefeiert. Während der ganzen Festwoche ziehe» Schüler und Lehrer der Talmud-Tora-Schulen in der Stadt umher und sammeln Gaben für ein Festmahl, das am achten Tage stattfindet. An keinem Hause gehen sie unbeschenkt vorüber, und sie nehmenwas sie bekomnien, Mehl oder Eier, Fleisch oder Bohnen. Wein dder Geld. Je nachdem die Gabe größer oder Neiner ausgefallen ist, wird ein kürzerer oder längerer Segensspruch über den freundlichen Spender gesprochen. Am 8. Tage Chanukkah versammelt» sich hunderte von - Schülern und Lehrern in einer alten Synagoge. Da hebt dann ein seltsames Schauspiel a». Alle beginnen mit lauter Stimme folgenden Satz zu rufen: „Wajomer.abinu schnwu schiwu la»»u ed at ochel." d. h. Unser Vater sprach: Verschaffet uns wieder etwas Lebensmittel." So sagte nämlich in der Bibel Jakob zu seinen Söhnen, die er nach Aegypten geschickt, uin Getreide einzukaufen. Dreih»mdertachtmal wird dieser Satz wiederholt, *} AuS „Al Hanisfiin", eineChanukkahgabe für die jüdische Jugend, Sondernummer von „Bar Kochba, Blätter für die Heranwachsende jüdische Jugend", hcrausgegeben von> C- Z- Klötzel. Welt-Berlag, Berlin NW. 7. drosch. Mk. 2.—. Dieses'32 Seiten starke, sehr schön ausgestattete Heft bringt außer einer Einleitung und einem längeren Auszug aus den „Makkabäerbüchern" Chanukkaherzählungen von Schalom Asch, Annette Loewenthal, Gedichte von Zucker- »nann und Herzl, die Noten des „Moaus zur" und eine Reihe kleinerer Beiträge, die-alle im Zusammenhang mit dem Chanukkahfest stehen. Das Verständnis eines Kapitels Luis dem Jugendroman „Moses Pipenbrinks Abenteuer" wird dadurch ermöglicht, daß. der bisherige Inhalt kurz wiedergegeben wird. Einen besonderen Schmuck des Buches stellen die zahlreichen Bilder nach Zeichnungen von Joseph Budko, Lotte Baerwald und LudwigWronkow dar. Eine Anzahl nirgends veröffentlichter Bilder aus dem Leben Palästinas, geberk-dem Heft einen besonderen Reiz. Rätsel und Briefkastennotizen, darunter eine 'sehr - lesenswerte über den „jüdischen Weihnachtsbaum", schließen das Heft. . Theo Joha^ Konfitüren und Schokolade Stein weg 12 Steinweg 12 Er koinint, und die WiedcrsehenSsreude belebt die alte FraM geradezu. Nur Idioten könnten einwenden, zu weit getriebe« sei die Idealisierung. Wenn jemand im höchsten Fieb-M totkrank darniederlicge, könne er nicht plötzlich hochiyrisch! werden. Grade daß sie totkrank ist, zeigt das letzte Auf-! flackert» vor der Agonie. Aber Jeremias — gut, daß er nicht! der biblische Jirmijahu fein kann. Dieser Mensch, der eiul Prophet sein, seinem Volk sein Schicksal verkünden will! und nicht ei,»mal weiß (s. 4. Bild), ivas in seinem eigenw! Hause vorgeht — der nun kommt, die Mutter womöglich z„I retten, angesichts deS nahende» Todes nicht den Mut z»! cinem Schwur ausbringt, der Sterbenden das Scheiben! leichter zu machen. Er soll ihr, hie allmählich hegreiii,! was draußen vorgeht, schwören, daß diese ihre Ahming iirl trüge. Ein Herzschlag erlöst sie, und jetzt, wo es zu spät! ist, möchte er den Schwur ablegen. Sebulon. stürzt herein! — mit ihm Pashur, Hananjoh — und klagt, Jeremias habt! seinen Sohn Baruch verleitet. Er weiß sich nicht zu ver-I leidigen und wird verurteilt, in die Düngergrube gestoßen! zu werden. I Woher weiß Zweig auf einnial so viel hebräisch, das:» er „ba»»'r" mit Düngergrube übersetzt. Es war eine Zisterne! etwas verschlammt,-ja so! Was geht daS Zweig an.! Sein Jeremias ist ja nicht Jirmijahu, sein Jeremias »lüg! denn in die Düngergrube geraten. Wenig poetisch freilich,! sehr wenig biblisch und ganz und gar nicht jüdisch. Wir! haben schon oben erwähnt, wie eigenartig Zweig sich eine»! jüdische» Priester denkt. A»»ch der Hohepriester hatte kein! Urieil zu fällen, das war Sache des Synh'drion. Außerdem! darf doch kein Priester den Raum betreten, wo ein Töter lieg!.I Zweig kennt sich besser im Neuen Testament aus als im alte».» Dort — Maiiliäi — ist das zu ft'en. waserlpäi«! nahezu wörtlich sinnloser Weise nachinalt. Es heißt alle! Befugnisse dichterischer Freiheit mißachten, wen» man schon! das lebendige Judentum nicht kennt, — das in Kultus! und Ritus geirau das nämliche ist, wie zuzeiten seines! Jereniias —, daß man nicht wenigstens archäologische,! ethnologische und sonstige logische Studien macht, ehe man! sich unterfängt, «in Werk ans der biblischen Zeit hinzustellen,! bas auch in hochpoetischer Verklärung jedes jüdischen Geistes.! Hauches bar ist. Glücklich, Zweig, wenn »hin noch nie Ver-! wandte »der sonst teure Nahestehende verschieden, sodag! er aus eigner Anschauung nicht zu wissen braucht, daß S. 108 die Regiebemerkung . . . „umschreiten feierlich di» Tote" »njiidlsch ist. Kleinigkeiten, lauter Kleinigkeiten! »ich! wahr? : Sechstes Bild: Nachts. Geheimer Kronrat bei Zedekia. Teilnehmer der König, Abiinelech, Pashur, Hananja, Jmre, der Aelteste, Nachum, der Verwalter, hananja erhofft nuu-> niehr in» 11. Monat der Belagerung Hilfe von vermehrtem! Opfer. Dem widerspricht Nachum. Nur noch wenige Milchkühe, ji» sanitären Zwecken gespart, seien da. Die Kornkaminern seien leer, ein ganzes Brot auf jeden täglich könne nickt mehr geliefert werdeit. Drei Wochen längstens reicht man noch. Zum Glück sei das dem Feind bisher verborge» geblieben. Zedekia, ebenso Nachum raten, Gnade zu suchen und jedesmal wird hiitterher geschossen, init Klappern gerasselt und allerhand Spektakel geinacht. Wenn man sich dann hungrig geschrieen hat, setzt ma>i sich zu Tisch und verdirbt sich den Magen an all den güte» "Dingen, die man in der Woche gesammelt hat. „Jaakobs Traum." I» der „Weltbühne" schreibt der Herausgeber S i e g - fried Jacobsohn: Ich bin Jude genug, »»»»» Jaakobs Traum als, e»>» Nationalgedicht zu empfinden, von dem ich widerstandslos besiegt werde. Daß ein Christ eiskalt davor säße, wärt mir gar keine Ueberraschupg. Meine verschleierten Augen rauben niir das Berinögen der Unterscheidung, ob der Christ amnssisch ist, oder ob. Beer - Hofmanns Werk der Allgemeingültigkeit ermangelt. Mag es doch! Mag doch die Schilderung, die ,cs hinreißend von der Mission des Judentums gibt, weiter nichts als sich selbst bedeuten, mag doch ihre Symbolik zu wenig umfassend sein, um Nicht« juden einen innern Anteil zu ermöglichen; gerade^ heute würde mich .inniger nur eine Dichtung beglücken, die zu verstehen und mitzusühlen man Jude sein muß. „Ereignisse" haben Beer-Hoftnann veranlaßt, den Prolog seine Trilogie, der von dieser nicht getrennt werden sollte, gleichwohl vor ihrer Beendigung zu veröffentlichen. Ereignisse? Ich ver»n»tte, welches eine Ereignis ihn bestimmt hat; seine rückwärtsgeivandte Prophezeiung; daß die Judenheit ihren Wirtsvölkern iminerdar der Sündenbock sein werde, ist wieder einmal in Erfüllung gegangen. Da kommt sein zärtlicher, aber niemals kritikws überschwänglicher Hyinnus als Trost und Mahnung, Fluch und Gnade einer so schmerzenreichen, einer so tragischen Auscrwähltheit schallen, schalmeien aus seinen priesterlichen Versen. Kraft, Stolz, Geduld: das sind die Tugenden, die er vor Gottes Thron seine,» Volke in der Vergangenheit nachrühmt und für die Zukunft leidenschaftlich empfiehlt. Vermutlich weil jetzt eine Gegenwart ist, wo die Jaden diese Tugenden zu bewähren haben, hat ein vorbildlicher Jude wie Richard Beer-Hofmänn ilicht schweigen wolle». Wir danken es ihm, mit unsrer Gebetsformel, von ganzer Seele, von ganzem Herzen und von ganzein Gemüte.

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