Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 48 (12.12.1919)
- Date
- 1919-12-12
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Rt 48 Reue Jüdische Messe. " «eite 5. bei Nebukadnezar. Denn noch sei et nicht zu spät und ei» Bote bereits eingetroffen, Nachum begrüßt baS, Hanan» sah und die anderen sind empört darüber. Man beschließt, ihn Zu hören, und Baruch erscheint. Nebukadnezar lasse 'melden: Zedekia möge ihm bei seinem Einzug entgegengehen, die Krone in der Hand, ein hölzernes Joch auf dem Nacken, Pom Tempeltor bis zur' Halle. Ec werde ihm das Joch abnehmen und die Krone wieder aufsetze». Das will er, wiewohl es seinem Stolz hart ankommt, tun, aber unter der Bedingung, daß sie ihm, der nach solcher Handlung «bdanken müsse, für seine Dynastie Treue geloben. Baruch soll die Botschaft bringen,, teilt aber mit, Nebukadnezar verlange, ins Allerheiligste geführt zu werden, „denn, es lästert mich, den kennen zu lernen, der gewaltiger wäre als' ich! Nachum und Jmre sind dafür. Zedekia entläßt sie, allein zu überlegen. Baruch beschwört ihn, sich nicht nn Zorn tzu entschließen, und gesteht endlich, in die Enge getrieben, sein Meister sei Jeremias. Da befiehlt der Könifj ihm, Nebukadnezar ablehnenden Bescheid zu bringen. Zedekia« will schlafen, wird aber daran durch irgend einen Gesang irgendwo gehindert. Der kommt aus der Grube darein man Jeremias gesenkt hat. Geheim läßt Zedekia ihn holen. Er habe Rede'gehalten mit denen, die seines Sinnes seien, nun wolle er auch seinen Gegner hören. Auch er rät ihm, wie Nachum und Jmre. Auf die Antwort, daß es zu spät sei, klagt er wieder in schönen Versen, die nur am! Anfang« (S. 139) leider aus Jesaja sind, kündet dem König sein fürchterliches Schicksal, segnet ihn aber, der ganz zerschmettert von dem Fluch um de» Priestersege» 'bittet, damit. Daß doch immer die weihevolle Stünnumg, in die uns der Dichter zu versetzen vermag, durch Sprachhätzlichkeiten verdorben wird. So S. 48 „wie einstens, wenn in dir ein Wehes war." S. 141.„Blecken die Zähne' und lache» b e t u I i ch." Im 7. Bild wiederum eine bis auf de» Schluß großartige Bolksszene. Das hungernde Volk wird da gezeigt, dem kein Brot mehr verabfolgt werden kann, worein Kies und Sand verbacken sind, während der Verwalter Nachum Kuchen backe, die Schüsseln des Königs gefüllt seien. Abimelech will die Menge vergebens beruhigen; man will Nachun^ die Schlüssel entwinden. Abimelech. treibt sie mit der Waffe hinweg. Plötzlich erfährt man, der Feind sei in die Stadt gedrungen, der König geflohen. Der Tempel ist verschlossen, wo seien die Priester, Hananjah. Jeremias habe man mißhandelt. . . Zögernd wird der Tempel geöffnet, von wo einige Jeremias aus der Grube holen. Aber er kann Jerusalem nicht retten. Auch sie alle haben ja den Krieg gewollt. ... Abimelech ist gefallen, statt des immer noch von der- Menge erharrten Wunders, das Jeremias tun solle, kündet er Ergebung in den göttlichen Willen. In höchster Ekstase bittet er den Herrn, ihn als Sühneopfer für die Stadt anzunehmen. (Schluß folgt.) - . Neues von Walther Rathenau. Kritik der dreifachen R e v o-l u t i o n" benennt Walther Rathenau eine kurze grundsätzliche Auseinandersetzung init der deutschen Umwälzung vom November 1418 (bei S. Fischer, Berlin, erschienen). Das Wesen, die besondere Art. der Sinn der deutschen Revolution bilden den Gegenstand seiner klare», scharr umreißenden und' beleuchtenden Untersuchung. Die.Grunderkenntnis, .wie sie Rathenau aus jenem entscheidenden innerpolitischen Geschehen gewann, trägt negatives Gepräge. Die Tendenz und der Grundzug, die die politische Entwicklung in Deutschland im letzten Jahre durchziehen, zeigt Ratbenan als eiaentlich unr voluckonär auf: „Revolution aus Versehen" ist die Btfc ter-rntmutigende Wahrheit, die Rathenau als das Ergebnis seiner kritischen Betrachtung der Dinge verkündet. Dreierlei Arten Revolutionen sind es, gegen die Rathenan ankämpft. Die Revolution aus Versehen, die Revolution der Ranküne, die falsch verstandene und gewertete Revolution des Güterausgleichs — alle drei, die im letzten Sinne unschöpferisch, unfruchtbar, bedeutungslos sind, denen der vor- und aufwärtstreibende Impuls, die gerade, .ins Freie hinausführe'nde Bahn und Richtung fehlt. Gegenüber diesen an sich ohne tiefste Wirkungen bleibenden, verpuffenden Revolutionen proklamiert Rathenau die Revolution des. inneren Seins, des inneren geistigen Lebens. Nur dann vermag die deutsche revolutionäre . Bewegung über ihre Anfänge, über die heutigen darum schier unbesiegbaren Widerstände, hinauszukominen und eine, wahrhaft bcdeutsaine folgenreiche Umstellung und Umgestaltung im gesamten Staatsleben zeitigen. Inmitten tiefer Not . gelte cs für das deutsche Volk, den mühevollen, doch klar vorgezeichneten und befreienden Weg des Rechts, der 'Ethik Zu finden und zu gehen. Mit der Unbeirrbarkeit und Entschiedenheit eines von der Richtigkeit der von ihni gewonnenen Ueberzeugnng ganz Durchdrungenen spricht Rathenau seine Erkenntnisse und. Gedanken aus: und er spricht vielen, .sehr vielen aus der Seele. Man wird.ihm im wesentlichen in seiner Kritik Recht geben müssen. Man muß überhaupt auf Kn, auf die positiven.Lehren und Ideen, die er aufstellt und verficht. mehr als seither hören. Denn Rathenau, der selbstständige, fruchtbare Denker. der „vernünftige Utopie, hat der Zeit Bedentsanies zu sagen, beachtenswerten, nützlichen Rat zu geben, schöpferische Gedanken .$» künden — wie er es seither schon in bedeutsam weitem Maße getan. Man nehme nur seine grundlegenden Werke zur Hand und suche Nur die Selbstbeste«erir«k schafft de« Milliouenfouds des jüdische« National' foads! die in ihnen niedergelegten Ideen und erhobene»! Forderungen in den wesentlichen Teilen zu begreifen,"und man wird ihren Wert, ihre Wichtigkeit für die Gegenwart leicht stauneird erkennen. In» Gegensatz zu der Klarheit und Folgerichtigkeit und der überzeugenden Logik seiner sonstigen Anschauungen steht Rathenaus Auffassung vom Judentum, jüdischem Schicksalssinn und jüdischer Bestimmung. Rathenaus bewußtes Judesein zieht nach seinen eigenen Worten seine Lebenskraft aus dem Trotz, dem Stolz und der charakterfesten Unnachtziebigkeit gegenüber den Wünschen und Angeboten der Außenwelt. Bon einer tiefen, lebendigen, ihm immer von neuem bewußt »oerdenden Verknüpfung mit dem jüdischen Geist und der jüdischen Kultur kann keine Rede sein. Es ist eine Fremdheit und Unvertrautheit mit allem konkret Jüdischen mit dem großen, inneren, geistigen Reichtum des Judentums, die einfach .staunen macht und erst eigentlich die falsche, unfruchtbare Einstellung Rathenaus zu der jüd. Grundfrage wie dem ganzen Komplex der jüdischen Fragen verstehen läßt. Was Rathenau über die Mission des Judentums in der obigen Schrift sagt, ist anS der blutlose» Ideologie des sterilen, seinem Untergang halb, ruhig entgegensehenden, halb entschlossen entgegengehenden. Judentums her genugsam bekannt. Er, der iedem Dogma abhold ist, will die geistige Zukunft des jüdischen Volkes an ein Dogma gebunden wissen. Es mag dies seine eigene unbegründete, unbegründbare Auffassung von dem jüdischen Problem sein: sie zeugt aber von inangelndem historischen Sinn, historischen Instinkt gegenüber der ganzen jüdischen Geschichte. Aus solcher Grundhaltung heraus muß Rathenan Wesen unst Sinn der folgenreichsten inneren Bewegung des Judeiltnms in den letzten Jahrhunderten, vielleicht seiner ganzen Golutgeschichte verkennen: den Zionisin u s. Er glaubt ihn, seine Träger — nämlich das jüdische Volk in seiner Mehrheit — mit dem bequemen Urteil abtun zu können: Romantiker und Reaktionä re sind die Zionisten. Daß der Zionismus seinem Ursprung, seiner Entwicklung, seinen Wirkungen nach revolutionär, um schaffend, ncugestaltend im höchsten Matze ist und noch z>i werden bestimmt erscheint, bleibt Rathenaus scharfem kritischen Blick verborgen. Zu sehr ist ihm der lebendige geistige Zusammenhang mit dem Judentum verloren gegangen. Zum Schaden für ihn, noch mehr aber fiir das jüdische Volk, das sich heute mit heiligem Ernst anschickt, mit Anspannung aller Kräfte sich eine neue ökonomischstaatliche Welt zu erbauen und zugleich den Weg zu einer emporführenden geistigen Zukunft zu bahnen. K. Schalkowitz. „Haolam " ,H ao 1a m'', Pas zionistische Organ in hebräischer Sprache, erscheint nach einer durch den Kriea bedingten mehrjährigen Pause in London wieder. Das Blatt, daS sich in fast demselben äußeren Gewand wie vor dem Kriege dein Leser vorstellt und inhaltlich wichtig und gediegen ist, wird von der „Zionistischen Organisation" in London herausgegeben. Die Redaktion liegt in sehr guten Händen, wie schon aus dem Inhalt und der Form der ersten sttummern zu ersehen ist. Die einzelnen Hefte enthalten Anfsähe und Beiträge sehr instruktiver Art unb reiches, willkommenes Jnformierungsmaterial. In dem einleitenden Aufsatze zur ersten Nummer: Zur Erneuerung von .Haolam" setzt die' zionistische Leitung dev jüdischen Welt 'die Notwendigkeit und die Ziele des »reu herausgegebenen Organs auseinander: eS soll helfen, die im Kriege vielfach locker gewordene Verbindung zwischen den Zionisten der einzelnen Länder wieder enger und 'fester zu gestalten und zum Svrachrohr des gesamten Zionismus zu werden. Ans den vielen Beiträgen der ersten Hefte sind u. a. hervorzuheben: „Forderurtflcn" von A. Davidson, „Israel Zangwill" von Dr. A. Coralnik. ..Die Juden in der Ukraine" von M. Großmann. Ernste literarische Besprechungen und insbesondere zahlreicheingehende Berichte und Nachrichten über die Entwicklung der zionistischen Bewegung und die Gestaltung der jüdischen Lage in der gesahnten Welt, namentlich in Palästina, vervollständigen die einzelnen Hefte und verleihen ihnen einen hohen politischen und allgemeinen Wert. Die Bibel in 38 neue« Sprache«. Nack Mitteilung der Bibelgesellschaft «st die Bibel während des Krieges in 33 neuen Sprachen veröffentlicht worden. Sechs dieser Dialekte sind Nfenga, Kono, Donga, Adamawa, Dewahli, Wukingsu. Nsenga ist die Sprache eines Stammes in Nord-Rhodesien. Kono wird von etwa öOOOO Negern in dem „Eisenbahngebict" von Sierra Leone gesprochen. Donga ist 'der Dialekt der Jnnkun. ernes afrika¬ Co ailie tr 19 1 nischen Stammes, der indem Tal des Benue-Flusfeswohnt. Fula, ebenfalls eine Sprache, in der die Bwel erschienen ist, wird von zahlreichen Nonxadenstämmen gesprochen, die ein weites Gebiet am Senegal in der Nähe von Darfur bewohnen. Adamawa ist wieder ein Dialekt der .Aula- Sprache. Im Dehwali verständigen sich die Bheti, ein Stamm von etwa einer Million Köpfen, der zwischenden Hügeln und Dschungeln von Rajputana und Gujarat wohnt. Wukingfu wird von den Hakka gesprochen, einem Bolle von 15 Millionen im Süden Chinas. Reue BaläSiualileratur Dr. Hans Fischer: Wirtschaftsgeographie von Syrien. Mit einer Wirtschaftskarte. 112 S. 6 Mark. Berlin, Jüdischer Verlag. Inhalt: Landwirtschaft — Viehzucht — Wald — Bergbau — Industrie und Handwerk — Fischerei — Handel — Verkehr — Wirtschaftliche Mittelpunkte — Die Zukunft der syrischen Wirtschaft.; Dr. C ur t N awr ätz ki: D as neue jüdis che Pata» sti n a. 232 Seiten. 8 Mk. Berlin. Jüdischer Verlag. Inhalt: Die Lage des jüdischen Volkes in der Diaspora — Palästina, Land und Leute — Die jüdische Kolonisation Palästinas — Kulturelles — Anlage I: Gesamtzahl der Juden, Anlage II: Neuester Stand des Eisenbahn» und Straßenwefens in Palästina, Anlage III: Status der jüdischen SiedÄmgen 1414. Zwei wertvolle Handbücher, die sich zum Teil in d«n behandelten Stoff decken. Fischer hat auf Grund voirRuppin und der übrigen vorhandenen Literatur die Wirtschaft Syriens in Wort und Karte dargestellt. Rawratzki hat seine Feder imr Palästina gewidmet, das ein Teil Syriens ist, aber seine Arbeit ist' umfassender, sie behandelt sticht nur das Wirtschaftliche, sondern auch das KMurell^ — und dann: sie ist aus eigener Anschauung und aus jüdischer Seele erwachsen. Literarische Rotize». Die Jugendzeitschrift „Bar Kochba" gibt zu Channkkah unter dem Titel „Al hanisl»m" eine Sondernummer heraus, die in besonders geschmackvoller Ausstattung eine große Anzahl bildlicher und ' textlicher Beiiräge vereinigt, in deren Mittelpunkt das Chanukkabereignis steht. Diese Chanukkahgabe ist ab 1. Dezember durch alle großen Buchhandlungen «oder direkt durch den Welt-Verlag, Berlin RW. 7. Dorotheenstraße 33, zum Preise von Mk. 2— zu beziehen. Aus einem Aussatz in der tschechischen Wochens-brift „Cesta" ersehen wir, daß die großen tschechischen Dichter Jaroslaw Dschlickys und Julius ZeyerS jüdisches Blut geerbt hatten, der erste väterlicherseits, der zweite nrütterlicherseits. Offenbacher Druckluft-Anlage Offanbaoh a. ■■ Telefon 123. Unübertroffene Tepplchrelnlgwig mittelst Druckluft. Goche»sSRle»der. Samstag, •. 13. Dezember (21. Kislew), Sabbat-Anfang in Franksurt 4 Uhr (Gemeinde und Religionsgesellschaft). Sabbat-Ausgang in Frankfurt 51/* Uhr (Gemeinde und Religionsgesellschaft). Wockenabsckmtt: Waseikchew. Channkkah. Beginn: Dienstag abend. Fr«Rkf«rter A<n»Uie»«achrlchte»* Geboren: Ein Sohn Max Nnßbaum (Levigard). — Eine Tochter Tr. MoseS Breuer Beschoss). Barmizwos: Hans Anton Wolfs, Leecbachstr. 1, Heinz Rosenseld, Seumestr. 12, Synagoge Börneplatz. - Verlobte: Claire Bondi mit Oscar Aumann. — Margot Lasker mit Ferdinand Oppenheimer. — Pros. Dr. Walter Fraenkel mit Charlotte Meyersohn, Schwerin. gestorben: Nenle Posen, geb. Weinbergs 56 A. Fichtestr. 5. — Hermann D. Stern, 52 I., Ostend» straße 22. — Julius Salomo», Schweizerstr. 92. — Bertha Levy, geh. Oppenheim. 68 I. Auswärtige Familieuuachrichte«. Verlobte: Julie Goldschmidt mit Fritz Nußbaum, Fulda. Glestorben: Solomon Marx, 72 I., Straßburg. — Julie Nauen geb. Hirschharn, 90 I.. Mannheim. Lpeude«. Bei der Natiorialfondskommiskion (I. Heimann» Zeit 21) gingen ein: Telenhom Hansa 1866« Talaphoni Hansa 1868» Hardenbergatrasse 9 -11. Inh.: Gebr. Hoifter. Harden»ergstrasse 9-11. Damenu. 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