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Neue jüdische Presse · 1919-12-12 · Heft 48 (12.12.1919) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 48 (12.12.1919)
Date
1919-12-12
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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«ßti- -,- .-■■ -r; ' - LMeL-orfer MMen Gemeinde halten die softrttge Beseitigung des Dreillassenwahlrechts für unerläßlich Sie richten an die ' Gemeindevertretung die dringende Aufsorderung, unter-. Hinzuziehung .von Mitgliedern der Gemeinde ' ein allgemeines, gleiches» direkt und geheimes Wahlrecht mit dem Grundsatz der Verhältniswahl unter solcher Beschleunigung einzuführen, daß tunlichst innerhalb drei Monaten vollständige Neuwahlen stattftnden. Die Versammlung richtet weitcr an die Preußische Regierung das dringende Ersuchen, in Aus« Whrung , der. Reichsverjässung das vercntete Judengcsetz vom Jahre 1847 aufzuheben." Nürnberg. s Zur Krage der jüdischen Volksschule. Da das Zentrum die Erklärung der Simultanschule als christliche Schule erreicht hat, so steht die bayrische Judenhell vor der Frage der Errichtung jüdischer Volksschulen. Hauptlehrer R ü l f behandelte die Angelegenheit auf einem hiesigen jüdischen Elternabend. Er gab einen Rückblick über die Entwicklung der jüdischen Volks» schule. Bereits im Jahre 1850 gab es in Bayern ISO jüdische Volksschulen in kleineren Orten, heute 'sind es 85. Redner beleuchtete dann näher die neue bayerische Schulgesetzgebung, die die Anstellung jüdischer Lehrer an den Volksschulen ausschließt und damit den jüdischen Lehrern das fundamentalste Recht nehme. Es bleibe nur die Frage zu prüfen, ob hier in Nürnberg eine israelitische Volksschule oder eure jüdische Bekenntnisschule im Rahmen der Stadt» schulkonunission angestrebt werden solle. Letztere würde-sich genau so wie die rein katholischen oder rein protestantischen Schulklassen im städtischen Schulbetrieb einreihen, und der sächliche und persönliche Schulauswand wäre nach dem Gesetz von der Allgemeinheit zu tragen, während eine jüdische Volksschule ein selbständiges Unternehmen der jüdischen Gemeinde darstelle und. von dieser auch finanziert werden müsse. Bei Errichtung einer jüdischen Volksschule müßte möglichst im Zentrum der Stadt ein eigenes Schulgebäude "errichtet werden für ungefähr 16 Klassen, also mit etwa 20 Lehrräumen, da ungefähr 470 bis 480 jüdische volksschulxslichtige Kinder in Frage kommen. Der nächste Elternabend w.ird sich weiter mit der Frage befassen. Dentsch-Lesterreich. Wien. Zur jüdische« Erziehungsfrage. Im Herbst wurde vom Unterrichtsamt des Jüd. Nationatrates ein jüdisches Realgymnasium begrün« det und zunächst der erste Jahrgang eröffnet. Der Andrang war so groß, daß sogllich drei Parallelklassen errichtet werden mußten. Ms dem ersten Elternabend der neuen Anstall sprach der Direktor, Prof. Kellner, vor dem Krieg Lehrer am hebräischen Gymnasium in Jaffa, über die Erziehungsmethode der Schule. Die Erziehung beginne mit Aeußerlichkeüen, nämlich mll Reinlichkeit und Ordnung. Viermal im Jahr werden die Kinder vom Schularzt untersucht/ da der Gesundheitszustand der Kinder überwacht werden müsse. Gerade beim jüdischen Kinde tue es not, den Blick für die Natur zu wecken und es nicht zu sehr in abstrakten Dingen leben zu lassen. Die Ellern sollen in Gegenwart der Kinder nicht vom Geschäft, Lebensmittelpreisen n. bglch. sprechen. Ziel des hebräischen Unterrichts der Anstall ist Kenntnis der Bibel. Dieser Unterricht ist als Jnhaltsunterricht, nicht als Religionsunterricht anzusprechen. (Welches Resultat kann ein derartiger Bibelunterricht erzielen? D. Redakt.) - In der jüngsten Sitzung des Kultnsvorstandes hörte man, daß trotz der nur zwei Wochenstunden jüdische Reügion an den Wiener Schulen Mangel an jüdischen Lehrkräften herrscht. Der eine Redner regte deshalb an, Lehrer aus Deutschland herbeizuholen. Z«m jüdische« Religionsunterricht. __ Prof. Dr. Rosenfeld hat eine Broschüre „Studiengruppe für jüdische Erziehung" erscheinen lassen. Ueber diese Broschüre schreibt Pros. A. F. in der „Wiener Morgenzeitnng": .Mas der Wiener Religionspädagoge in eindringlicher Weise von dem' Wiener Religionsunterrichtselend erzähll, -ist typisch nicht nur für Wien, sondern für eine gesamte Epoche, deren Niedergang und innerer Verfall sich vielleicht nirgends so deutlich wie in dem Zerrbild des sogenannten „israelitischen Religionsunterrichtes" spiegell, der eine Frucht der Assimilationsbestrebnngen ist und ein magerer Ersatz für eine Generation werden sollle, die aus , einem lebensvollen Judentum in ein farbloses Menschentum geriffot wurde. Die Streiflichter, die der Autor auf die geradezu lächerüchen „Jnstrullionen" dieses monströsen Religionsunterrichtes fallen läßt, genügen vollauf, um ihn in seinem feigen Kompromißcharaller zu entlarven. Rosenfeld stellt sich auf den Boden der Tatsachen, und in der Erkenntnis, daß die Errichtung der jüdischen Schule für alle Stufen nicht sofort zu bewerkstelligen ist, während der ganz unmögliche bisherige Religionsunterricht keinerlei Erfolg aujzuweisen hat (höchstens den, der Jugend alles Jüdische zu verekeln), untersucht er die Möglichkeit einer Reform und will "durch einen systematischen Hebräischuntecricht, der mögllchst früh beginnen und im Mittelpunkt des Unterrichtes stehen soll, die Jugend all da zu einem lebendigen Empfinden des Judentums führen und ihr die Möglichkeit eines wirllichen Eindringens in seine Schätze geben, wo bisher nicht mehr erzielt wurde, als bestenfalls kalle intellektualistische, oberflächliche Kenntnis, meist aber sinnloses Nachplappern. Fraglich bleibt nur, ob die geringe Stundenzahl, die bishw dem Religionsunterricht zugewiesen ist, zur Erreichnng^dieser Ziele genügt." Reu« UUsche {greife. CondltoreiundCafö Wilhelm Wendel - Alte G-asse o. W Hen renoviert und vergrössert. /VI Feinste Topften und Desserts Kaffee, Tee, Schokolade in Tassen« ttxgmnt. Der Geist «er gegenwärtigen Regierung Kultusminister S t e f a n H a l l e r und Ackerbauminister Rubrnek äußerten sich für die Einführung der'Prozentnorm an den Universitäten, damit das jüdische Element vermindert werde. Rubinek sagte ferner, es müsse dafür gesorgt werden, daß die Presse christlich und national sei. Pole«. „Jüdisches Geschick." Die Schwierigkeiten, die jetzt die Lemberger Universität bei der Annahme jüdischer Hörer macht, zwingen zahlreiche.jüdische Studenten ins Ausland zu gehen. Doch die Ausgabe der Reiseerlaubnis ist Juden gegenüber mit den ungläublichsten Chikanen verbunden, und so wenden sich manche Verzweifelte an Dokumentenhändler. So hat man in Lemberg eine ganze Gesellschaft entdeckt, die sich mit der Fabrikation von Reisedokumenten beschäftige. Auch drei jüdische Akademiker, bei denen man gefälschte Dokumente gefunden hat, sind verhaftet worden. Die Akademiker erklären, nicht gewußt zu haben, daß die Dokumente gefälscht sind. Diese ganze Affäre beweist, wohin das antisemitische Regime führt. Verfolgungen des Jüdisch in «rodno. Bon Anfang 1019 bis Juni war Jüdisch offiziell anerkannt und wurde in allen städtischen Institutionen benutzt. Sobald aber die polnischen Legionäre in die Stadt einmärschierten, setzten Verfolgungen gegen die jüdische Sprache ein. Die jüdischen Sekretäre in der Stadtverwaltung wurden verjagt, die jüdischen Stempel vernichtet, die jüdischen Schilder abgenommen. Der polnische Schulinspektor mischt sich in die jüdischen Schulangelegenheiten /fortwährend ein und hat schon mehr als einmal gedroht, alle jüdischen Schulen zu schließen. Die Sonntagsruhe t« Pole». K. f. d. O. ,Dr. Poznanski" (Konserv. Posen) schreibt in einem Bericht über die Sitzung des Landtags vom 20. Novbr.: ,D°s Haus trat in dic Sonderbesprechung des Gesetzes über die Arbeitszeit in Handel und Industrie ein. Beim Artikel 10, der die völlige Sonntagsruhe behandelt, sprach auch der jüdische Abgeordnete Ha Ipern. Er versuchte nachzuweisen, einen wie fürchterlichen Schlag dieses Gesetz den drei Millionen Inden in.Polen versetzt, und beantragte die Bildung einer Kommission zwecks neuerlicher Prüfung der Sonntagsruhefrage. Soz.-Dem. Perl bemerkte, daß beim Landtage Telegramme von der jüdischen Bevölkerung eingetroffen seien, die sich auf den Pariser Vertrag über den Schutz der nattonalen Minderheiten beriefen. Dieser Vertrag sei aber Polen aufgezwunge» worden und wolle das polnische Volk zwingen, etwas zu tun, was dieselben Gesetzgeber in England, Frankreich, Amerika und Japan für ihre eigenen Juden nicht tun. Der Antrag Halpern um Vertagung der Angelegenheit und der Antrag Thon, der den jüdischen Arbeitern die Arbeit in gewissen jüdischen Institutionen am Sonntag ermöglichen will, wurden sodann abgelehnt und der Artikel 10 über die Sonntagsruhe angenommen." Zn der Aeußerung des Abg. Perl sei bemerkt, daß er nicht ganz recht hat. Die Behörden in London z. B. erlauben den Juden, ihre Geschäfte am Sonntag offen zu halten. Allerdings haben manche jüdische Geschäftsleute diese Erlaubnis mißbraucht und hallen ihre Läden sowohl Sonntags als Samstags offen. Dies hat eine starke Gcgenbewegung unter den (sowohl christlichen als jüdischen) Konkurrenten hervorgerufen, die wohl zu einer weiteren Regelung Anlaß geben wird. (Anmerkung der K. f. d. O.) - Ukraine. Verschiedenes. (J.P.Z.) Dr. med. V o g e l s o h n, der im jüd. Lehrerseminar in Odessa tätig war, ist es nach großen Schwierigkellen und Reisekosten (70 000 Rubel) gelungen, nach Jaffa zu gelängen. Seinen Schilderungen des jüd. Lebens entnehmen wir, daß"fast alle Städte der Ukraine, in denen Juden wohnen, zersürt und von Pogromen heimgesucht wurden; in der ganzen Ukraine sind nur 5 von Juden bewohnte Ortschaften verschont geblieben. In manchen Orten haben sich die Pogrome bis. zu 10 Mal wiederholt. Dr. Klausner hat sein bekanntes Werk „Die Ethik der Juden" vollendet. Gegenwärtig arbeitet er an einem OIL erfüllh «Ms ALLE Ansprüche^V) TELEFON FRANKFURTER PRIVAT-TELEF0N-GESELU5CHAFT^ FRANKFURT A.M. feinsr>' Nr. 48. Nr. neuen Werk „Die Philosophie rmserer Geschichte", auch >,„1 er mit der neuerlichen Herausgabe'seiner Zeitschrift ,Häl schiloach" wieder begonnen. — . J 500 lJuden, die während des Krieges nach Odessa gc] flüchtet sind, haben von der englischen Regierung.die Erl laubnis erhalten, nach Palästina zurückzukehren. Auch Dm Glücksohn und A. Drujänow haben die gleiche Erlaubnis et« hallen — V 1 Während des Bürgerkrieges sind 6 Mitglieder der jübl Gemeinde in Odessa getötet worden/ .f Bei dem von den Freiwilligen Denikins. in Nieshiü veranstalteten Pogrom ist 'der bekannte Rabbiner. H c i n gej tötet worden. Texi England. Snt Sabbatfrage. I Rabb. Dr. Jung fordert in „Jewish Times" »nt» Hinweis auf die 48stündige Arbeitswoche die jüdischen Ar! beiterverbände aus,, ihre Arbeit so einzuteilen, daß der Sad! bat wieder zu Ehren kommet Sie mögen Montag, Dienstag! Mittwoch und Donnerstag 36 Stunden arbeiten und dis übrigen 12 Stunden ans den Freitag und Sonntag Verteilers »Lallet den Sabbat," schließt der Artikel, „vereinigt euch brüderlich mit eurem Volke, und heiliget den Tag, der für das jüd. Volk der größte, der heiligste ist. Das Judentum wird sich eures Erfolges sieuen und stolz auf euch .sein! Durch euer ideales Streben werdet ihr die Sympathi, aller erwerben, und alle werden euch helfen, in Zukunf noch größere Erfolge zu erzielen. Ihr werdet ein Muster für die nicht-jüdischen Arbeiter sein und ihnen den Wy weisen, der zum wahren jüd. Glück und zur wahren Mensch, lichkeit führt." ISlÜers i Ibatailloi Dir lBcreins der Jsr genossen Pro Mt: — Dü v er ei Mtgliel iftmi ö Weil,7Z j Schwär iD., ne fthea P- '-St, Zio-nifli sch«n G IrusS-A, beschäft | ftation amte ci Paliisti««. Die britische Militärverwaltung hat der jüdische»» Kolonie Givath Saulden Betrag von 1400 Lstr. aKI Kr iegsentschädignng ausgezahlt, « 1 In Jerusalem ist per Bau eines n e u e n i ü d i*| s.ch e n Viertels beschlossen worden. j Der K<r m p k g egen die Teuerung der Lr4 bensmittel wird von den jüdischen Organisatio-« neu energisch! geführt. Besonders beschäftigt sich mit« dieser Frage der Waad Hair von Jerusalem. Vertreter« des Waad Hair und der Palästina-Kommission svräcke»» bei dem Gouverneur vor und stellten das Verlangen,« Lebensmittel aus Aegypten nach Palästina zu bringen,« Me erklärten sich .bereit, ^rls erste lAnzahütng' 80001 ägyptische Psund zu entrichten. Der Gouverneur ver>! sprach, diesem Verlangen nachzukommen. 'Am selben Tag!« wurde ein höherer Beamter zwecks Ankauf der nobl wendigen Lebensmittel nach Aegypten beordert. Der Waad« Harr bat Maßnahmen ergriffen, daß die eingeführte,,« Lebensmittel pricht den Händlern, sondern den Grmeinde-s Verwaltungen zum Berkaus überwiesen werden. . D. lung h a »sta denen. D. Dezem und a jügendl ist fü> F' reib Bnchhc Kurze politische Nachrichten. Rostock- Beim Jubiläum der Universität kam es zu« einer Antisemitenhetze. Studenten und.Schüler ver-1 teilten Hetzblätter und machten einen Umzug. Die Stadt>.I verordneten beschlossen, einzuschreiten und die Direktoren! und Lehrer zur Verantwortung zu ziehen. 1 Budapest. Der Ministerrat beschloß, „wegen der! schwierigen Verpflegung" alle nach Galizien zuständigen! „Fremden" (lies: Juden) in Internierungslagern unterzii« bringen. .. D w ec! diesen auch l 8Vs wird f kah s Mit Zionistische Nachrichten. Zionistische Tagungen. In Basel tagen: . Zionistische Mhreskonferenz, 14, und 15, Januar. Eine durch die Erziehungsabtellung der Zionistischen^ Organisation einbernfene Konferenz von Fachleuten, die! über den Aufbau der hebräischen Universität in Jeru-s salem beratet, 14.—16. Januar. . ' - Wellkonferenz des Häpoel-Hazair und -der .Zeire- Zion, 13. Januar. . - »och altert! I deren einem JahreSkonferenz der französische« Zio«ifte«. Vvm 26. bis 30. Nov. fand in Paris die Jahres« konferenz des ftanzösischen Zionistenverbandes statt, die mit einer Ansvrache des Mzepräsidenten, Dr. Simon Gins bürg, eröffnet wurde. Nah um Sokolow hielt eine Ansprache. M. N.'Herr mann erstattete, de» Generalbcricht, Dr. E. Braunstein den Tätigkeitsbericht und Dr. Nathan Slonsch den Palästinabericht. Aus -er „Aguvas Jisroel"-Newegung. Mn orthodoxes Tageblatt. Im Handelsregister des Warschauer Kreisgerichts ist eine Kommanditgesellschaft mll einem Kapital'von einer, Milliou Mark unter dem Namen „Israel" eingetragen chörden. Das Kapital ist bestimmt, eine Zeitung;Der Ind" und andere heraüszugeben. Die Organisation dieser Kommanditgesellschpft wird von der „Agudas.Hoörthotwxim" betrieben. PersoRatte» u. kleiue VtttteUuRge«. verliu. In der „Chaflidimschule", Grenadierstraße 36, wurden Vorhänge, Silberschmuck und Leuchter im-Werte von 20000 Mk. und in der gleichen Rächt in her Synagoge Liesensträße .3 drei wertvolle silberne Armleuchter g e - stöhlen. ■ ■ ■_ In Chemnitz starb im All?rn von 66 Jahren der Luftschiffer Paul Sp ie g e l, der nicht weniger atz-M Freiballonfahrten unternommen hat und trotz seines hohen Sehns naheg Goeth heitlir zähle: für s sich ein E Barst papiei hier Bebiitj schwei der \ vorle, ( die i Denn däsM Opfei Fran! betra lien, nach mit . Frau Leute 1871 Väter frank mutt, OPV« »och lung. licher gesta, verh,

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