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Neue jüdische Presse · 1919-12-05 · Heft 47 (5.12.1919) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 47 (5.12.1919)
Date
1919-12-05
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 47. ISchildermalerei u. Weiskbinderärbeiten Philipp Trauner * Textorstrasse 68. Telephon Römer 5778.; ©ife kennen wahrscheinlich die hiesigen Verhältnisse zur Genüge, um zu wissen, wie hart die hiesige Juden- - ... ...... ^Wheit eine derartige Verorderung trifft, die sie. die hei» ^W ligsten Vorschriften . der Religion zu verletzen zwingt. Mr exsucheNDie um. schleunigste Intervention, umsomehr,' dgKiese Verordnung eine grobe Verletzung der Menschenrechte,, deren Grundprinzip die freie. Relipionsübung ist, bedeutet. Wir brauchen es Ihnen nicht erst zu erklären, daß die in der Verordnung angeführten Gründe nichts als ein Vorwand sind, um die hiesigen Anden auf das empfindlichste, zu kränken. Es liegt im Interesse .des gesamten Judentums, daß dieser erste Versuch, unsere Gewissensfreiheit zu 'verletzenvereitelt werde, damit sich ein derartiges Attentat auf unisere natürlichsten Menscheu rechte nicht wiederholt.' 1 Im Damen j,eg Komitees' der zionistischen Zentrale für "Karpathorussia Moses Hillmann. >iil eil eil u*f N!» r.l n>[ u. u Sei liil et] tv] Pt] ni H :b I it> n. I n,| c<: :r] e-I i-I et! n ns ni a •t h 6] £ fit. m aäj >ers ittf ale' it>j n i- II h! IS k.' ir-' if e> 19, >. tii i I n | ll. e e e e r u * h rr> ui u . Kurze politische Rachrichte«. ' Berlin. Eine vom Verband der' deutschen .Anden eingereichte Eingabe auf Bewilligung staatlicher Zuschüsse für die Alters-und Hinterbliebenenversorgung der Kultus b e am tc ij leistungsschwacher Synagvgengemeinden ist bei der Beratung des Kultusetats im Haushaltungsausschuß ber Preußischen Landesversammlung erörtert worden, der öen Antrag der "Regierung zur Berüctsichtigung überwiesen hat.» . ' Kopenhagen. DasIüd.Zentralhilfskomitee, das die .jüdischen Hilfskomitees' der skandinavischen Länder - umfaßt, ruft eine gemeinsame Konferenz ein. Brosturow Das Direkioiium der Ukrainischen Volksrepublik hat dem Minister für jüdische Angelegenheiten 20 Millionen zur Linderung der Rot der von Pogromen heimgesuchten jüdischen Bevölkerung zur Verfügung gestellt. Kowno Das litauische Ministerium für jüd. A n g e l e o e n h e i t e n jvill zur Förderung des südifche-i Handwerks, eine jüdische Bolksbank ins Leben rufen. . New Kork. „Tbe Zewish Gazette" schreibt in einem Artikel, daß der Antisemitismus in Amerika in der letzten Zeit sehr zugenommen .hat. Zionistische Nachrichten. Frankfurt a. M. Am 28. Nov. begann Dr. Fritz Sternberg seine Vorlesung über Wirtschctkts«- fragen Palästinas. Anschließend daran wiro er Mesfias;eite«. Bon I. L- Perez. (Aus dem Jüdischen übersetzt von E. M.) . Wie in allen jüdischen Städten und Städtchen Galiziens gab es auch in dem Ort, wo meine Eltern wohnten, einen Verrückten. . Wie gewöhnlich, hatte der Verrückte vor niemand Angst, weder vor der Gemeinde, noch vor dem Rabbiner und seinen Beisitzern, nicht einmal vor dem Badmeister und dem Totengräber, vor denen die größten-Helden erschrecken. Dafür hat das ganze Städtchen, die ganze'Gemeinde mit allem was dazu gehört, mit dem Badmeister und dem Totengräber vor dem' Verrückten gezittert und Tür und Tor vor ihm verschlossen. Und obwohl der arme Verrückte keinem ein böses Wort .sagte, keinen, auch! nur nnt dem Finger anrührte, schrieen alle ihn an, -manche schlugen ihn, und die Gassenjungen pflegten mit Kot und Steinen nach ihm zu werfen. Ich hatte immer Mitleid mit dem Verrückten, etwas zog wich zu ihm, ^ich wollte.mit ihm reden, ihn trösten, | streicheln — aber *e§ war unmöglich, zu ihm zu gehen, ich hätte ein Teil von dem Kot? und den Steinen abbekommen, mit denen er stets bombardiert wurde. Ich war eiii: junges Kind und trug einen seinen Anzug aus Lemberg oder Krakau, ich hütete meine Schultern vor Stein- Würfen und meinen Anzug ckor KM und hielt mich entfernt. -Das-Städtchen, wo meine Elfxrn wohnten, und wo ich meine Kinderjahre in Anzügen von Lemberger und Krakauer Schneidern verbrachte, war eine Festung, umgeben von-Gräben, Wasser, Wällen' und hohen! Mauern, auf den Mauern standen Geschütze, Soldaten tntit Gewehren bewachten sie und-marschierten ernst und schweigsam auf und ab. Kaum brach-hie Nacht herein, so wurde die eiserne Brückeüber dem Wässer-hochgezogen, alle Tore wurden, geschlossen und das Städtchen war bis zum Morgen von der übrigen Welt aügeschnitteir. Bei jedem verschlossenen Tor stand ein vom Kopf -bis" Fuß bewaffneter Wachtposten. ' '» Kui^e'Zeit nur am Tage waren wir'alle frei, man.konnte aus- und - eingehen, ohne zuerst beim Platzmajor anzufragen, man konnte im Bach, vor der Stadt baden, man konnte sich sogar '.äuf der grünen Wiese beim Bach ausziehen und in 'den Himmel schauen oder weit in die Welt hinein, wie es einem gefiel.. Niemand sägte deshalb ein böses Wort. Wenn viner gar nicht zurückkam', so wurde nicht nach ihm gefragt. Aber bei Nacht wollte man, daß es' still im Städtchen sei, daß keiner hinaüs- oder.hereingehe. Ein Glück, sagte ich mir damals, daß man uns weriigstens den Mond hereinläßt... Und so lange ich, lebe, werde ich die Dämmerung, das Nahen der Nacht nicht vergessen. Mit dem abendlichen Neue Jüdische Kesse. ein Seminar abhalten, in welchem Fragen des sozialen Aufbaus Palästinas behandelt werben. Am 26. November hielt Frl. Dina. Clemenee SOlaiie't aus Palästina einen Lichtbildervortrag. Sie schilderte den Eindruck, den die volitischen Ereignisse auf die Juden Palästinas machten, mit großes Lebendigkeit und ließ erkennen, wie in Erez Israel die Ereignisse der Zeit imd die alten Feste zu einheitlichem Erlebnis verschmelzen. Im zweiten Teile ihres Vortrags, erstattete^ sie Bericht über die Kindergärten Palästinas, die ihrer Leitung unterstellt sind, und gab der Hoffnung «Ausdruck, ihren Schützlingen bei ihrer Rückkehr aus dem Uebersluß deutscher Kinder mancherlei Spielzeug mitbriiigen zu können. Die Zionistische Vereinigung, Ünterlindau 2t, nimmt täglich .Spenden für diesen Zweck entgegen. — Geldspenden.zur Verbesserung der hygienischen Einrichtung wolle man unter Angabe der Bcstimmung auf das Postscheckkonto I. Wolfs, Nr. 45,331, einzahlen. . « Sofia. Karl Herbst, der Führer der bulgarischen Zionisten, ist verschieden. Ldefsa Die..Jewr>-isky", Da« Organ der Odessaer Zionisten, berichtet, daß die Bolschewisten, nachdem sie eine Anzahl zionistischer Führer verhaftet, aber dann wieder freigelassen hatten, den Denunzianten Dr. Thumiiw erschießen ließen. Jaffa.- Israel «osow, Begründer deS „Raffwjet" und Präsident der Zion. Organisation in Rußland, beging hier den 5 0. Geburtstag. Rosow will dauernd in Palästina bleiben. vke Se»bstbes»eHeru>»£ für den Jfttl .SfationaltonUs i*>t die Kinkommcnstener des jüdischen Volkes. Aus Der Misrachi-Bewegu««. Berlin. Am 16.. November h-elt die Misrachi» Jugenbgemeinschaft ihre zweite diesjährige Äeneralvcriainnilung ab. Ter .Vorsitzende, G. Kn oller, hob in seinem Bericht besonders die Nützlichkeit des Heimes hervor. Die ' vom Vorstand vorgelegten Arbeitsstatnten wurden von der Versamnilnng.mit einigen Aenvernngen angenommen. In diesen.wird vor allem das Prin.ziv der Teilung der geschäftlichen und pädagogischen Leitung — in den Arbeitsausschuß und die Helserschaft — dürchgessthrt. Die Arbeit wird auch ferner in Jünglings- und Mädchengruppen, Schüler- und Schülerinnengrupven von 5—10 Teilnehmern geleistet. Der Arbeitsstoff, den sich, die Gruvpenmitglieder nach ihrem Jnter- ------- Arhadia’s Künstlerspiele und . > — -Arkadta-Dfele Kaiserstraass' 69. Telefon: Hansa 5516. i" Die ersten Künstlerspiele am Platze. Schatten zusammen breitete sich ein Schauer über das ganze Städtchen, Menschen und Häuser werden plötzlich wie geduckt. Die Brücke wird aufgezogen, die eisernen Ketten reiben sich an den gewaltigen Pfeilern, das eiserne Klirren, die harten abgehackten Töne gehen durch Mark und Bein. Dann fällt ein Tor nach dem andern ins Schloß. Jeden Abend geschieht dasselbe, und doch zittern jedesmal'die Füße, eine stumme Müdigkeit legt sich auf alle Gesichter, alle Angen erlöschen wie bei Toten, die Lider fallen herab wie Blei, das Herz steht still, und man atmet kaum. Dan» beginnt die Patrouille die Straßen - abzugehen, die Säbel klirren an die großen Wasserstiefel, die Bajonette blitzen und es ruft: „Wer da?" Darauf muß man antworten „Gut Freund". Tut man es nicht,' so weiß Gott, wozu es komnien kann. Manche ziehen cs vor, sich hinter Schloß und Riegel einzuschließen und haben Angst, sich auf der Straße zu zeigen. Einmal hatte ich ein Erlebnis. Ich hatte vor der Stadt gebadet, und 'vor lauter Umherschauen oder Hinträumen, vielleicht einfach aus Vergeßlichkeit bedachte ich nicht, daß nach dem Tag die Nacht kommt. Plötzlich sah ich, daß die Brücke aufgezogen wurde. Es gellte mir in den Obren die Tore fielen zu. es fiel mir aufs Herz ... zu spät« Ich muß vor der Stadt übernachten . . . lind merkwürdig, zuhause, im warmen Bett träumte ich Nacht für Nacht von der , freien Welt außerhalb der Festung, und als mein Traum sich znm erstenmal verwirklichte, da befiel mich ein Schrecken. Der bekannte Kampf zwischen Kopf und Herz begann Der Kopf rief: Ruhig, genieße auch einmal die reine freie Luft,, den ansgestirnten freien Himmel. Und das Herr rührte sich,' schlug und zitterte zum Herausspringen. Dann stteg es 'in iiiir aus 'wie Dunst: wie Üebel aus schwerem Herzen, ko üieg es in meinen Kopf. Der freie Gedanke wurde dunkel und dunkler und ging bald unter in den Wolken. Die' Ohren begannen mir zu klingen, die Augen zu blinzeln. Jedes leichte Geräusch, jeder leichte Schatten eines Zweiges, eines kleinen Grases trieb mir in Augen und Ohren eine Art Schauer, einen Schrecken, der mich zur Erde warf. Ich vergrub mein Gesicht im Sand. Ob icki schlief oder nicht, und wie lange ich so dalag . — weiß, ick wahrhaftig nicht. Doch plötzlich hörte ich, daß jemand neben mir atmet. Ich springe auf. Ich bin nickt - allein. Zwei gut bekannte, tiefe, schwarze Augen sehen mich treuherzig an- Es war der Verrückte. - ' „Was tuü Du da?" frage ich.mit dumpfer Stimme. „Ich scklafe nie in der Stadt," antwortet er mir traurig- und sein Blick -ijd. .weich, -seine Stimme so brüderlich,, daß!ich 'wieder ganz zu mir komme und meinen Schreck vergesse. - ' > » Seite 3. Mitteldeutsche Creditbank Depositenkasse u. Wechselstube Hanauerlandatrasaa I befasst sich mit allen bankmässigen Geschäften. esse wählen, wird von ihnen nach Möglichkeit selbständig bearbeitet: die Tätigkeit der Helfer ist im Wesentlichen eine erklärende, die Aussvrache fördernde und lenkende. Die Helserschaft richtet selbst .für ihre. Mitglieder Kurse ein, in denen sowohl pädagogische wie jüdisch-miSrachistische Probleme behandelt werden. Schwierige Fragen der Gruppenteilnehmer an die Helfer werden ebenfalls in diesen Kursen zur Diskussion gestellt werden. Auchsonst bietet das Statut eine solide Grundlage für die Arbeit in misrachistischem Geiste. Stratzbnrg Die hiefioe Orisgruppe beschloß kn ihrer Geneialversammlnng die Mitarbeit am „,Juif" bis zur ' Gründung eines eigenen Organes, wenn ihr zu diesem Zweck eine besondere Rubrik zur Verfügung gestellt wird. Ferner wurde beschlossen, Vorträge über jüdische Geschichte und Literatur abzuhalten. Zürich Soeben ist die zwe-te Nummer der Misrachi- M o ii a t s h e f t e erschienen. Sie enthält u. a.: Hermann Struck: Ruf an die Jugend, Bernhard Weinert: Das Recht der jüdischen Frau, Prof. Da -Fano: Judentum und Naturphilosophie, I. Berlowitz: Megilath Antiochus, Mitteilungen aus aller Welt, Literarische Rundschau und Chanukkah-Jugendbeilage. Die Nummer kostet 75 Centimes (im Jahresabonnement 9 Fr.) und ist vom Misrackiverband in der Schweiz (Udr.: Zürich, Talackerstr. 50) zu beziehen. Wilna Das Misrachi-Zentralbüro für Lstauen veranstaltete einen Emtzfangsabend zu Ehren des englischen Vertreters Sir Stuart Samuel,. Bruder des Ministers Herbert Samuel. Rabbiner R u b i n st e i n, der Vorsitzende des Zeutralbüros, begrüßte den Gast. Außerdem sprachen: Klerustein, mehrere Rabbiner, ein Vertreter der Agudas Jisroel und Dr. Schon imski füü die Zionisten. Sir Samuel erwiderte u. a., das englische- Parlament habe ihn als Juden zur Ilntersuchung der Lage der Juden im Osten gewählt: er sei sicher, daß Palästina ein jüdisches Land mit der Thora als Grundlage werde. Lemberg- „Bas Kol", das Misrackiblatt für Ostgalizien, erscheint »wieder imter der Redaktion von I a w e tz. London. Dr. I. E- Herzog, Mitglied des Misrachi- Zentralkomitees, ist znm Rabbiner von Dublin Üerufen worden. ' Die Psalm-os-David-Synagoge in Leeds ist mit 600 Mitgliedern dem Misrachi beigetreten. Eine Mitc-liederversammlnng der Stepney-Synagoge in London beschloß einstimmig den Beitritt zum Misrachi. Plätzlick fällt mir ein, daß man ehedem Verrückte für Propheten hielt — im Morgenland ist es noch heute so'— und ich frage mich: Ist er nicht wirklich einer von ibnen? Wird er nicht wie ein Prophet gehetzt? Wirst man nicht mit Stemen nach ihm wie nackeinem Prophet? Leuchten nicht seine Augen wie Sterne? Klingt seine Stimme nicht wie die feinste Harfe? Liegt nicht auf ihm der Schmerz für aÜe, das Leiden für das ganze Geschlecht?- Vielleicht weiß er sogar, was später sein wird? Ich versuche es mit Fragen, und er antwortet so still und süß, daß ich zuweilen meinte, es iei nur ein Traum, ein süßer Sommernachtstraum jenseits der Festung.' „Glaubst Du an die Zeit des Messias?" frage ich An. - . ~,<3etoi§," antwortet er still und sicher. „Der Messias muß kommen.". „Er Inuß?" -„Ganz sicher. Alle warten auf ihn, sogar Himmel und Erde warten. Wenn nicht, so würde es niemand gelüsten zu leben oder nur .seine Hand in kaltes Wasjer zu tun. Und wenn man lebt und dabet tut, als .ob man leben wollte, so ist dies ein Zeichen, daß alle fühlen,, daß der Mefiias kommt, daß er kom-, men muß, daß er schon unterwegs ist." * „Ist es wahr," frage ich weiter, „daß vorher schreckliche Kriege wegen falscher Messiasse sein werden, daß sich die Menschen wie wilde Tiere zerreißen und die Erde von Blut überströmt? Bäche vou Blut werden von Ostensnack Westen, von Süden nach Norden fließen alle Tiere werden Menschenblut trinken, über alle Felder, alle Gärten, alle Straßen und Wege wird sich Mensckenblut ergießen, — und mitten in der Zeit der blutigen Sintflut wird erst der wahre, richtige Mes- . sias erscheinen . . ist das wahr?" „Es ist wahr." „Und wird man ihn erkennen?" „Jeder wird ihn erkennen, .keiner sich irren.' Er wird in jeder Miene Messias sein, an jedem Wort, in jedem Blick. Er wird kein Heer haben und nickt au» einem Pserd reiten, und kein Schwert wird an seiner Seite hängen." „Mas denn?" „Flügel wird er haben . . . der Messias wirü' Flügel haben, und nach.ihm werden alle Flügel bekommen. So Wird es sein: Plötzlich wird ein Kind mit Flügeln geboren, dann ein zweites, ein drittes und. so weiter nack der Reihe . . zuerst werden die Menscheu erschrecken, dann wird man sich daran gewöhnen» bis

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