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Neue jüdische Presse · 1919-11-21 · Heft 45 (21.11.1919) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 45 (21.11.1919)
Date
1919-11-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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ii; ■ Nr. 45 1 u -v Neue Jüdische Messe. Seite 3. TELEFON erfüllh \ ALLE Ansprüche. FRANKFURTER PRIVAT-TELEFOH-GESELLSCHAFT^h' Rahmhcfetri, cndir Eoijf FRANKFUBT. A.M. Tftnspr. nonso 6256/57 Deutsche nur im Verhältnis des Prozentsatzes dieser Bevölkerung zu der gesamten Bevölkerung der ehemals preußischen Teilgebiete angenommen. England. Die Sinai-Loge. Die Sinai-Loge, die Organisation der orthodoxen Jugend Englands, macht gute Fortichritle.. Sie zählt heule in etwa 20 Ortsgruppen an 100» Mitglieder. Präsident der Loge ist Rabbiner Dr. M. Jung. Die Organisation will ut Palästina eine Kolonie errichten. Tschecho-Slovalische Republik. „Nur Christen dürfe» Gesuche einreichen/' Rabbiner Isaak Leinberger in Roznava (Rossnyo) schreibt dem Volksvcrband der Juden für die Slowakei am 24. Oktober: „Gestern 'und heute wurde hier auf den Straßen durch Trommelschlag, wie üblich, bekanntgegeben, daß die Gesuche um Erneuerung der Trafikrechte und Ausschanklizenzen bis. zum 1.' November d. I. einzurcichen seien. Hinzugefügt wurde, das; nur Christen Gesuche cinreichen dürfen!! . . . Sie können sich denken, welche Bestürzung diese amtliche Bekanntmachung nicht nur unter den Trafikanten, und Wirtshausbesitzern, sonder» unter der gesamten jüdischen Bevölkerung hervorgerufen hat, die sich damit von -Maßgebender amtlicher Seite als Bürger zweiter Klasse hingestcllt sah. 'Ich suchte de» Bürgermeister.auf, der mir auch sein. Befremden über die Angelegenheit zum Ausdruck brachte. Er versicherte mir, das; ihn selbst kein Verschulden an dem Vorfall treffe i;nd zeigte mir. die zur öffentlichen Bekannt- . machutzgbestimmte Originalverordnung des Zupanats in - Rimovska Sobota, die er Wort für Wort hatte austronimeln lassen. Die Verordnung trägt die Zahl 1523/1919, ist vom 17. Oktober hptiert und von Hanes, zup. radca gezeichnet." Palästina. Die Hebraisterung PalilstinaS. Die Hebraisierung Palästinas schreitet fort. Es werden Telegramme 'in hebräischer Sprache, mit lateinischen Lettern geschrieben, angenommen. In den Kinos in Jaffa- und Jerusalem werden die Erläuterungen nicht nur in arabischer, sondern auch in hebräischer Sprache gegeben. Kurze politische Nachrichten. - Krakau Wegen des Pogroms im Städtchen .Brzesko standen hier zwölf Männer vor der Anklagebank. Zwei wurden zu sechs Jahren Kerker verurteilt, die übrigen freigesprochen, ein unglaublich mildes Urteil, wenn man gemäß Protokoll der Gendarmerie folgendes ln Erwägung zieht: Drei Juden sind ermordet, sieben verwundet, 241 beraubt worden. Schaden. 6 Millionen.. Freilich auswärtige Agitatoren waren in den Ort gekommen und das Militär verschwand gleich nach Beginn der Unruhen. Warschau. Die Smatsanwaltschait verlangt die Auslieferung des Deputierten Grün bäum wegen des Albdrucks staatsfeindlicher Artikel im „Jüdischen Volk". Louöon. Für» S l> p i e ch a, d.r pvlmine Bülschane. erklärte einem Vertreter des „Glasgow Herald", daß England nur dann in Rußland mit dem durch die jüdischen Händler geförderten Deutschtum in Wettbewerb treten lönne, wenn der englische Kaufmann sich mit polnischen Agenten verbinde. Ans der Misrachi-Bewegnng. Jaffa. Die Tachkemoni-Sch ule, die unter der Leitung von Dr. Marschak',steht, hat sich in letzter. Zeit sehr günstig entwickelt. Für die Kinder der kürzlich ins Land zurückgekehrten. Flüchtlinge wurden seitens der Schule mährend der Ferien besondere Kurse eingerichtet. Der Misrachi geht setzt auch, daran, eine Hochschule zu errichten. In unmittelbarer Nähe von Tel- Anim ist zu dicsein Zweck ein Platz von l3,t!00 Quadrat-Ellen ertvvrben worden: es heißt, das; der Misrachi von Amerika die Mittel' für den Ba-.l der Hochschule bereitstellen wird. Aus der „Agudas Jisroel"-B weguug. Ausspracheabende in der Frankfurter Ortsgruppe. Die Frankfurter Ortsgruppe hat mir zwanglosen, das' gesellige Verhältnis ihrer- Mitglieder fördernden .Ausspracheabenden eine neue Einrichtung geschaffen. Der erst? Abend wurde letzten Samstag veranstaltet. Jacob Rose »heim hatte das. einleitende Referat übernommen. Er besprach die seines Erachtens von der Orthodoxie zu beachtende.Stellungnahme zic der von Kreisen der deutschen Jndcnheit geplanten Akademie für die jüdische Wisse irschast und den bereits in einigen deutschen Großgemcinden orgaicisiecten j ü d ischen-VolksHochschulen. Er kam aus „prinzipiellen, halacbischen . und gefühlsmäßigen Gründen" zu einer Ablehnung: -die Orthodoxie habe heute „keine Zeit, keine Kraft und kein Röcht", sich .zu beteiligen. Die wesentlichste Aufgabe der Akadeniie sei eine augenscheinlich sympathische, denn sie wolle den für die jüdische wissenschaftliche Arbeit geigneten Kräften die materielle Möglichkeit -zum llngestörten, ihrem Können entsprechcirden Arbeiten geben. Auch müsse er anerkennen, das; eine Akademie auch manche wertvollen Leistungen :m Interesse des. thoratreuen Judentums hervorbringenwerde. Da eine derartige Akademie abernicht nach dein jüdischen Standpunkt der von ihr geförderten Gelehrten fragen werde und somit auch alte Schöpfungen destruktiver Tendenz fördere, so könne die Orthodoxie nicht mitmachen. Das gleiche Bedenken bestehe gegenüber der Volkshochschule^ die ihr Rednerpult Vertretern aller'Richtungen der Jndcnheit bereitstelle und^ so ein nicht kritisch geschultes Laicnpublikum nur verwirren müsse. Mitteldeutsche Creditbank Depositenkasse u. Wechselstube HanaitepIanda*pasBe 1 befasst sich mit allen bankmässigen Geschäften Conditorei und €al& Wilhelm Wendel Alte Gasse 0. Meu renovier*, und v*vgrösaert. sw Bis. - ' Er, Redner, wünsche alleir Glieder», der Orthodoxie: die Einsicht von dem Wert jüdischer wissenschaftlicher Arbeit, stiur diese Einsicht werde jeden entbehrlichen Pfennig diesem für die Zukunft des Judentums so bedeutungsvollen Zwecke Zufuhren. Doch diese Arbeit müsse auf den; Thorajudcntum basieren: müsse von ihm aus an alle Probleme des Denkens und.der Geschichte herantreten. - . In der von Lehrer .Einstädter geleiteten Aussprache wandte Lehrer Ochsen mann u. a. gegen die Volkshochschule ein, daß diese, die doch die Krönungi des Werkes der Volksschule sein solle, bei uns Juden gerade von den Kreisen accsgehe, die Gegner der jüdischen Volksschule sind. Prof. Weyl besprach den Unterschied zwischen Akademie und Universität und incinte bezügliw der Volkshochschule, es müsse doch "im Inter-" esie der Orthodoxie liegen, Redner ans ihrem Lage« hinznschicken. 'Er zeigte mit seinem Einwnrf, daß die. Lösung der Frage doch nicht ganz so glatt ist, wie es Jacob Rosenheim entwarf. Perioualieu n. kleine Mitteilungen. 8erlitt. Der infolge eines Attentats verstorbene Abgeordnete und gewesene Ministerpräsident Hugo Haas« hatte sein Leben den Armen und Rotleidenden gewidmet und seine bedeutende Anwaltspraxis aufgegeben, um für ein Monatsgehalt von Z00 Mk. die Leitung seiner Partci zu übernehmen. " Berlin. Dr.Rovert Glücksmann wurdealsProfessor der Privatwirtschaftslehre an die Hochschule für Verkehrswesen in Düsseldorf berufen. Geh. Medizinalrat Dr. Rnbcnfohn und Frau, früher in Grätz, feierten die Goldene Hochzeit. Frankfurt a. HR. Jakob Frenkel, Mitglied des. Pflegeamts des Krankenhauses der Jsr. 'Gemeinde, nmrd« mit der Roten Kreuz Medaille ausgezeichnet. Frantfurt a!vt. Dr Georg Drehfus ist zum Direktor der Abteilung fiir Nervenkranke im Städtischen Krankenhanse ernannt worden. Franksnrt a. M. Ae „Freie Bereinigung für die Interessen des.orthodoexn Judentums" hat den jüdischen Buchhandlungen zuverlässig hergestellte w o l l-e n e ^izis unter der Bedingung übergeben, daß.beim Berkanse die Höchstpreise von Mk. 2.50 für ein Bund kleiner Zizis, von Mk. 3.— für ein Bund größerer Zizis innegehalten werden. - Bei 'dieser Gelegenheit sei darauf hingewieien, daß die»Freie Vereinigung nur für diejenigen Te sillin s die rituelle Verantwortlichkeit .übernimmt, welche' >uit ihrem O r i g in a l s i e ge l versehen iinddies gilt auch für diejenigeü Tcfillin, die von der früherem Mlein-Berkanssstelle der Freien Vereinigung, der Firma A I- Zofmann,' verkauft werden. Bromberg. Rentier Willy Kiewe hat, obwohl er wegen seines Alters' nicht mit der Waffe in der Hand^ dem Vaterlande dienen konnte, seinen Patriotismus da-" durch bekundet,, daß er. eine größere Anzahl zündender, von flammender Begeisterung getragener Lieder verfaßte Edom. (Fortsetzung.) Als die Gemeinden solche Reden hörten, taten sie nach der Weise unserer Väter mij Buße, Gebet und. Wohltätigkeit. Damals ermatteten die Hände des heiligen Volkes, ihre Herzen wurden mutlos und ihre Kraft erlahmte. Sic verbargen sich vor dem drohenden - Schwerte in ihren innersten Gemächern und kasteiten sich mit Fasten. Drei Tage hintereinander fasteten sie. Tag und Nacht, bis ihre Haut an den Knochen klebte und dürr war als ein Scheit. Sie schrieen und weinten laut, und bitterlich, dort;, jhr Vater erhört»'sie nicht. Er verschlo» sich ihrem Flehen und verbarg sich inr Gewölle, daß cs nicht zu -ü)m dringe. Er verwarf die Zelte Israels und wies sie von Seinem Angesichte, denn cs war ein Verhängnis, eine Ahndüng alter Sünden. Und eben dieses Geschlecht, hatte Cr sich/ ersehen, weil es Kraft und Stärke besaß, in Seinem Tempel zu bestehen. Sein Wort zu erfüllen und Seines großen Namens Heiligkeit zu bezeugen, lieber sie spricht David': „Preiset den Herrn, ihr. Seine Boren, ihr Helden an Stärke, die ihr Sein Wort erfülle!!" 7 In' jenem Jahre fiel das Pessachsest auf einen Donnerstag und der erste Neumvndstag des Jjar auf einen Freitag. Am Sabbat, dem 8. Jjar, brach'das , Strafgericht über uns herein. Es N erhoben sich die. Kreitzfahrer .und die'Städter zuerst gegen die heilige und fromme Gemeinde von Speyersie gedachten, alle zusammen im Bethans zu ergreifen. Doch die Juden erfuhren davon,; standen am Sabbat morgens früh auf, beteten eilends, und verließen das Bethaus. Da. sahen die Feinde, daß. ihr Anschlag mißlungen war^-fielen über die Juden her . und' töteten elf Seele». So nahm dort das; Verhängnis seinen Anfang nach dem Woxte: „Mit den Mir. Geweiheten sollt ihr beginnen." N - Als dies der Bischof Johann hörte, eilte er mit einer großen Schar herbei und half der Gemeind« beherzt lind treulich,, geleitete sie ' in sein Haus und rettete sie aus den Händen ihrer Feinde. Von den Städtern ließ er einige ergreifen und ihnen die Hände abhauen: denn er war ein gerechter Mann, dem Gott das Verdienst göunte, das; Er uns durch feine Hand rettete. Auch der Vorsteher, R. Mosche ben R. Jcknthiel,. bewährte sich hilfreich; er setzte sein Leben für sie ein. Ihm ist es zu danken, daß die zur Taufe Gezwungenen, die noch da und dort in Heinrichs Reiche lebten, zu ihrem Glauben zurückkehren; durften. Auf Befehl des Königs ließ der Bischof Johann den - Rest der Gemeinde Speyer — Gott hatte sich jhr um Seines großen Namens willen znge.randt — in die festen Städtff flüchten: dort barg sie der Bischof, bis die Feinoe des Herrn vorüber waren. Daselbst weilten sie mit Weinen und Klagen und wurden ihres Lebens müde: 3>eim Tag um Tag rotteten sich die Kreuzfahrer,' allen ,voran Emicho — mögen seine Gebeine zermalmt werden! — und das Landvolk gegen sie zusammen, um sie zu greifen und zu vertilgen. Um des Vorstehers, des R. Mosche, willen rettete sie der Bischof Johann: Gott gab ihm ein, ihnen das Leben zu erhalten, ohne daß er irgendwelche Geschenke erhielt. __ Als >bie schlimme Botschaft nach Worms kam, daß ein Teil der Gemeinde, zu Speyer erschlagen sei, oa schrieen sie" au' zum Herrn und erhoben ein großes, bitteres Weinen, denn - sie . sahen, daß 'es ein vonr Himmel beschlossenes Verhängnis war, vor dem eß kein Entrinnen gab, nicht vorwärts und nicht rückwärts. Die Gemeinde teilte sich' in zwei Teile: die -inenflohen zum Bischof ,in > seine Burg, die andern blieben in ihren Häusern, denn die Städter versprachen ihnen Schutz. Doch: es waren falsche, tückische' Reden, gleich geknicktem Rohre; sie waren mit den Kreuzfahrern .im Einverständnis, unser» Namen und Rest auszutilgen. „Fürchtet euch nicht vor ihnen," - sprachen sie zu uns, ,chenn wer einen von euch tötet, wird mit seinem- .Leben für euer Leben büßen." Dabei nahmen sie ihnen ~ . \v"':. » I s * V>. - jede Möglichkeit der Flucht, denn die Gemeinde hatte all ihr Vermögen in.' ihre Hände gelegt: um deswillen verrieten sie sie nachher. ' - Am 10. Jjar erhoben sich die Wölfe der Wüste wider die, so in ihren Häusern geblieben.waren, und tilgten sie aus, Männer, Weiber und Kinder, Jung und Mt: sie warfen die Treppen um, rissen die Häuser ein, plünderten und machten Beute; sie raubten.die Thora, traten sie in den Kot, zerfetzten und verbrannten sie niid fraßen die Kinder Israel mit vollem Maul. Am 25. Jjar kam der Schrecken auch über jene, so im Hause des Bischofs weilten. Die Feinde martertet sie gleich wie die ersten undüberlieferten sie dem Schwerte. Sie stärkten sich an dem Borblld ihrer-Brüder, ließen sich erschlagen und heiligten den Gottesnamen; sie boten den Hals dar, sich den Kavr abhauen zu lassen iin Namen .ihres Schöpfers; manch« auch legten Hand an sich selbst. Sie erfüllten das Wort ' des Propheten: .Die Mutter ans den Kindern ist' 'hingestreckt, der Vater fiel auf den Söhnen." - Sie schlachieten der seinen Bruder, jener seinen Verwandtet, seine Frau und seine Kinder; auch' Bräutigame ihr« Bräute, zärtliche Frauen ihre Lieblinge. Wle nahmen mit ganzem Herzen das himmlische Urteil auf sich: iwdem sie ihre Seele dem Schöpfer empfahlen, schrieen sie: „Höre, Israel, der Ewige ist unser Gott, der Ewig«' ist einzig." Die Feinde zogen sie rauft aus und schleiften sie und warfen sie umher; keinen ließen sie übrig> außer einigen, die sie zur. Taufe zwangen. An acht-- hundert war die Zahl der Erschlagenen an diesen zwei Tagen; sie alle warf .man nackt ins Grab. Durch jSfe Hand Gottes sielen sie: Er brachte sie zur Ruhe, zu dem großen Lichte im Garten Eden; siehe,-ihre Seelen sind gesAlt dem ~ Bunde des Lebens bei dem ewigen . Gott, ihrem Schöpfer^ bis ans Ende de« .Zeiten. sSchlutz folgt.)

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