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Neue jüdische Presse · 1919-11-21 · Heft 45 (21.11.1919) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 45 (21.11.1919)
Date
1919-11-21
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Tlteo *IoIia<5 ^. L<-M '■ . - ^Konfitüren und Schokolade -■* ' Btelnweg 12 _Steinweg 12 -Drage» znstimmen können, lehnen wir seine Grundideen als 'verkehrt «ud der zionistischen Konsequenz widersprechend ab. ---Dem Aufruf zur Revifiou des jüdischen Nationalismus wird und kann nicht bei uns günstigen Widerhall staden. Zur Lage irr -er Mralue. " K. f. d. O. Abraham Rewutzki, der frühere >2 Jüdische Minister der Ukraine, äußerte sich wie folgt: g-.,, Zn Zentralrußland, Polen und Finnland ist eine ^r.Dejbe Macht, ob rot oder schwarz, proletarisch »der -bürgerlich, jedenfalls aber doch eine gewisse einheitliche ^Ordnung vorhanden. Zn der Ukraine dagegen sind 7^Hl«^eitig einige Regierungen da. Im Norden istaflotoSjä (Bolschewisten), im Westen Prtljura (Ukrainer), -"rm Spätsten Tenikin (russische Freiwlllige). Zwischen . diesen Machthabern sind aber keine festen Grenzen vor- Handen. Der Kampf wird nrit der größten Erbitterung "Mführt, und es gibt keine Stadt, die nicht im Laufe .der letzten Zeit einige Male ihre Beherrscher gewechsÄ hat. Dazu kommen noch die zahlreichen Bauernaufß, Hände. Zn den von Denikin besetzten Gouvernements 'TMMnen solche Aufstände wegen der Gewaltakte der zu- ^TrüöWhrenden Gutsbesitzer vor; in den Ortschaften,- die sich Macht der Bolschewik befinden, entstehen die ^Älusstände infolge der unaufhörlichen Brotrequisitionen, der Versuche, in den Dörfern eine Ordnung ein- ^AHchren, die den Bauern nicht in den Kopf will. aufgestandene Dorf wirst sich vor allem' auf die *|r Stadt, in der cs den Quell allen Elends sieht. Kommt dabei ein Aufstand gegen die Bolschewik vor, so läßt « sich leicht gegen die Inden richten. K ',. Außer der politischen Anarchie aber übt das wirt- E ^chaftliche Ehaos eine Rückvirkung auf die jüdische Lage # Die. Valuta — die russische und besopders die Mkaiuische — ist schr gefallen. Das Metallgeld, auch SHs 8as Keingüd, wild zurückge^rüen. Die Zwangskurse M,'xufen die größte Verwirrung hervor. Die Bolfchewlli B. befehlen, das Kerenskigeld nach dem gleichen ^-^KNrse wie das zarische anzunchmen. Die Ukrainer /Hrerseits zwingen, die ukrainischen Karbowanzen zu M Bleichem Kurse wie die Rubel anzunehmen. In Wirk- ^7 Mchkir entstehen aber sehr schwankende Kurse. Das E>'Gstchche geschicht mit dem Kerensk- und ZarengelÄ, ^7Der«Migeld und österreichischen Kronen. Dann heißt äs, die Juden spekulieren nrit dem Geld. , 8/ . Uebechaupt kommen Sachen vor, die dem einfachen Manne unbegreiflich sind. Will der Bauer einen Ecker kaufen, bekommt er ihn für kein Geld. Will Er -einen Arschin Leinwand haben, so verlangt man von Hhm 300 Rubel, statt der ftüheren 3 Rubel. 'Die un- - gMldetc Masse sicht die ungeheure Erscheinung, kann ' Lber chre Ursache nicht verstehen. Selbst die JntÄli- I^nz sieht ja die Quäle oller Mißstände lediglich in Oer Spekulation. UM» wer spckuliert? Natürlich Ju- ' ben, heißt es dann. Im Herzen des einfachen Menschen sammelt sich daher ein ungcheurer Haß gegen alle an, die an fcent jchigeu Ehaos schuldig find. Ist das ein Arbeiter 'tmt Änem gewissen Grad von Bewußtsein, so wird er «» Bolschewist. Ist das ein Bauer mit einem primi- >-jkde» Gchirn, so gcht er in die StM und schlägt trn Zröien. Viktor Adler war es wohl, der einmal qsagte, . daß der Antisemitismus der Sozialismus der st'Lr OMnmen Wiener Zugend ist. Ebenso könnte man sagen, M-..'-Oaß der heutige Judenhaß in der Ukaine nur eine '? Ert Bolschewismus der rüchlündigen ukainischen Bau- ^W«r« .darstellt. Wohlverstanden, die bewußten Bolsche- LÄPor sind weder dirÄt. noch indireK an den Progrofjjxiat schuldig. Jede Massenbewegung, aber übt indireK >- ^«ine Rückwirkung auf solche Massen aus, die sich nicht > »üeutieren können, und es ist nur natürlich, daß der I .Wolschewisnrus als Apologie der Gewalt in dieser "Meise auf die Psychologiedes amllphabettschen, dem v Wvlschewismus oft feindlichen Plebs abfärbt. . Was die BeKchnngen der ukrainischen Regierung ^Hn den Pogromen anbetrifft, so kann man sie nicht tö-- Mr eine btt Pogromursachen halten. IndireK aber werv;iet die Pogrome durch den bewaffnete» Kampf gegen h 4<r m ■Mt Bolschewik stark unterstützt. Eine sozialistssche Re- „ qjlaamß, toeWje «me» militärischeu Kampf .gegen die MWHHmE führt, fäL leicht in die größte Wtzängig- KlAUHvm.nrMonSren Eine ^>''O^tÄio» in Osteuropa. acht aber Mit Judenhaß Hand Neue Jüdische.Presse. s—-———--—... .——i—-— in Hand. Ein bewaffneter Kampf gegen hie. Bolschewik ist psychologisch mit Judenpogromen verbunden. Bei 8rn Aussichten, die sich -.jetzt in Osteuwpa eröffnen, ist das eine sehr traurige Wahrheit. Judenhaß, Verwilderung, Anarchie, ökonomisches Chaos-, Valutasturz, Kampf gegen Bolschewismus, Reaktion — das ist der Komplex der Ursachen für die Pogrome. Bo« Rumäniens Judeupolitik. Wie ernst es der rumänischen Regierung mit der Durchführung der Gleichberechkgung der Juden ist, gcht aus einem streng vertraulichen Erlaß hervor, den die Bukarester Zentralregierung an die Regierung in Hermannstadt gerichtet hat und in dem folgendes angeordnet wird: Alle Juden, die nach dem Jahre 1900 auf siebeubürgischcs Territorium gekommen sind und dort keinen Grundbesitz haben, sind anszuiweisefn.. Diejenigen Juden, welche der im Hinblick auf diese Bestimmung erlassenen zweimaligen Aufforderung zum Verlassen des Landes nicht Folge leisten, sind samt ihrer Familie aus dem Lande zu entfernen, ihr Vermögen ist zu konfiszieren. f Am Schluffe des Erlasses wird bestimmt, daß von den aus den verschiedenen Bchörden des ungarischen Staates übernommenen jüdischen Beamten ein Treueid .nicht zu fordern ist. Sollte ein solcher bereits abgelegt sein, so wird er für ungültig erklärt. Diejenigep jüdischen Beamten, deren Dienstzeit weniger als 15 Jahre beträgt, sind nrit einem dreimonatlichen Gehalt abzufertigen und zu entlassen. Die Tätigkeit der verbleibenden jüdischen Beamten ist durch ein ganzes Jahr mit der größten Aufmerksamkeit zu überwachen. Deutsches Reich. Der Minifterprästdent über die antisemitische Hetze. In der preußischen Landcsversammlung beschäftigte sich Ministerpräsident Hirsch in .einer großen Rede auch mit den Machenschastm der Reaktion und führte bet dieser Gelegenheit auch folgendes aus: „In engster organischer Verbindung mit der monarchistischen und gegenrevolutionären Propaganda der Rechten steht die antisemitische Hetze, die heute einen Umsang erreicht hat, daß keine Regierung — stelle sie sich zu den Judenfragen, wie sie wolle — ihr gegenüber sich untätig verhalten darf, wenn sie die Aufrecht- Perhaltung der öffenllichen Ruhe und Ordnung gewährleisten will. Man beruft sich in antisemitischen Kreisen dann, wenn du!f die Überaus gefährliche Art der antisemitischen Propaganda in Deutschland hingewiesen wird, immer darauf, daß die votytisch ernst zu nehmende nationale Presse die Juden nur sachlichbekämpfe, und daß es lediglich die Radaupresse sei, die in allerdings sehr kräftiger Art zu G ewalttätigkeiten «ujsreize. Auch ich. Halte diesen Hinweis für überaus demagogisch. Es kommt keineswegs darauf an, baß direkt und verhüllt zu Tätlichkeiten!, aufgefordert wich.- Das Wesentlichevift, daß systematisch von nahezu der gesamten rechtsstehenden Presse durch' unablässige und überaus gehässige Polemik gegen die Juden mit absoluter Sicherheit eine Atmosphäre erzeugt wird, die so gewitterschwül ist, daß.es auch ohne äußeren Anlaß von selbst zu einer Explosion, zu einer Entladung des emsig znsammengetragenen Zündstoffes kommen muß. Aus diesem Grunde können auch die Blätter, die es mit großer Entrüstung .von sich weisen, daß sie etwa dazu aufforderten, die Juden zu boykottieren, totzuschlagen oder aus dem Lunde zu jagech nicht von der Schuld freigesprochen werden, daß.wir' uns in Deutschland -Zuständen zu nähern beginnen, die der j.üdischen Bevölkerung begründeten Anlaß zu lebhafter Beunruhignng.geben. Ganz besonders frevelhaft erscheint mir die Propaganda die unter der Jugend betrieben wird, und tie auch vor den untersten Schulklassen nicht halt macht. -Die Verhetzung der jungen Generation hat ein ganz ungeheuerliches Maß erreicht. Me sollen Volks kreise, die man schon in der Mndheit so gegeneinander auftriegelr, als erwachsene Staatsbürger jemals einträchtig' zum Wohl des Vaterlandes zusammenarbeiten? Die antisemitische Broschüren-, Flugblatt- und Zeitschrfftenliteratur ist heute bergehoch. Es handelt sich hier um Auswüchse eines'Geistes, der die Inquisitionen und Hexeuverbrennungen geboren hat, den wir aber im 20. Jahrhundert überwunden glaubten." 8«« Frauenwahlrecht. Rabbiner Dr. Kaatz-Hindenbnrg hat auf der Tagung der Rabbiner Oberschlesiens In einem Referate „Religio nsgefetz und Frauenwahlrecht" auSgesührt; MkrachirSpenden erbeten anf Postscheck - Konto Emil' Bfihler 18,503 ■■■ Erankfnrt am Maln.^S- Nr. 4». Besteuert Euch für den Mtllione»f0V-s des Jüdische« Rattoualsouds. - Die Erkeilung des- Wahlrechtes an Frauenwiderspreche der Minhag. Talmud und Dezisorcn setzen voraus, daß nur-Männer wählen und gewählt werden: Ein ausdrückliches Verbot aber finde sich .weder hinsichtlich des > aktiven noch des passiven Wahlrechts. Die Jnstitu- ' tion der Repräsentantenversammlung habe es in alter Zeit überhaupt nicht gegeben, sie sei eine svätere Wnrichlung. Wohl finde sichein Verbot, eine Frau zum „Varnes" zu wählen. Aber das Amt des Parnes der talmudischen Zeit sei nicht identisch mit dem des Vorstehers der Gegenwart. Jenes sei ein lebanslängliches' und'. erbliches gewesen und habe eine größere Machtbefugnis besessen. Es bleibe also religionsgesetzlich die Berücksichtigung des dem Frauenwahlrecht widersprechenden Minhag übrig, der ein wichtiges religiöses Moment darstrll» und ohne zwingende Notwendigkeit nicht aufgehoben werden dstrse. Ob eine solche Notwendigkeit vorliege, darüber könne von einem einzelnen kein prinzipielles Votum abgegeben werden. Die Entwicklung sei abzuwarten. Sollte sie zu einer Erteilung des aktiven und -passiven Wahlrechts an Frauen führen, so havq'.man diese Tatzfacbe ebenso zu respektieren, wie es die Rabbinen des Talmuds -in analogen Fällen getan hättan, die z. B. - Salome Alexandra, nachdem sie Lkönigin geworden war, ebenso den König Agrippa trotz entgegenstehender bala? - chischer Bestimmungen anerkannt hätten. '* Zur oftjüdische« Frage - Zu der Notiz über die Gründung einer -.jüdischen Emigrations-Orgamsativn" in Deutschland wird uns geschrieben: . Mit der ostjüdischen Frage befassen sich!, iw Deutschland seit einer Reihe von Jahren eine große Anzahl! jüdischer Organisationen. Gerade in den letzten Monatätz haben fick dieselben, nachdem bereits während des Krieges für die. ostjüdischen Arbeiter das „Arbeiter-Fürsorgeami der jüdischen Organisationen Deutschlabds" ge- - gründet worden war, zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengescklossen. An dieser sind beteiligt: Der Zen- , iralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, die ' Großkvge für Deutschland, der HÜssverein der deutschen Juden, der Zentralverein für jüdische Auswanderungs- - angelcgenheiten, die Zentralstelle für jüdische Wanderarmensürsorge des Deutsch-Jsraelittschen Gen-indebundes, die Jüdische Gemeinde in Berlin, die Zionistische Vereinigung^ für Jeutschläud, das Jüdische.Arbeitsamt, das. Komitee für den Osten, das Arbeiterfürsorgeamt und die ihm angeschlossenen Organisationen der ostjüdischen Arbeiter und des Verbandes der Oftjuden. Diese Organisationen stehen auch bereits seit längerer Zeit mit der deutschen Regierung 'im Interesse der Ostjuden in Verhandlungen und mWen Wert darauf .legen, - daß^die Möglichkeit einer Befnebtgenben Regelung nicht durch das Eingreifen von Uulegitimierten gestört wird. Die Arbeitsgemeinschaft' dieser Organisationen beschäl- ■- tigt sich mit.der Fürsorge für die in Deutschland befindlichen Ostjuden. Inwieweit später, wie in der Zeit vor dem Kriege, eine jüdische Durchwanderung von OP-' europa durch Deutschland in größerem Stile stattfindeu Wirt-, ist heute nicht zu übersehen. Wenn die Möglichkeiten für sie vorhanden - sein werden, so werden diele Organisationen, die zum Teil eine vieljährige Praxis ouc dem sehr schwierigen Gebiet der Massenauswandr-. - rung haben, diese Ausgabe durchführen- Ein Grund) eine neue jüdische Emigrationsorganisation zu gründen, liegt hiernack durchaus nicht vor. Nachdem die verschiedene» Gruppen der deutschmr - Judenheit organisiert sind,. ist die Zeit vorüber, in der Privatpersonen ohne ein Mandat der Organisationen so schwerwiegende und schwierige' Aufaaben, wie es die.Auswanderersürsorge ist, in die Hand nehmen können. \ Jüdische paläfttueastsche Reise- und TrauSportgesellschaft. Die seit einiger Zeit in Men. bestehende Jüdische ' Palästinensische - Reise- und Transvortges. m. b. H. . hat jetzt in Berlin, SW. 61, Blücherstr. 23, eine Zweigstelle eingerichtet, die Hand in Hand mit dem Berlin» Palästina-Amt arbeitet und alle transporttzechnischen Fragen erledigt. Leiter ist Paul P. Lindenberg. . Deutsch-Oesterreich. Me«. - - Jahresbericht der Adatz Jisroel. Dem Jochresbericht der orthodoxest Gemeinde Jisroel entnehmen wir: Den Unterrichtsanstalten, die völlig umgestaltet wurde», wurde große Sorgfalt zugewendet. Im Berichtsjahre wurde das Haus, Große Schiffgasse 10 (neben dem bisherigen Rathause), angekauft, um den Platz, zum Umbau der Synagoge zu erhalten. Das Kassenrevirement gibt die stattliche Summe - von '461170.40 Kr., welchem Betrage noch 10 616 Kr, für das V Kciegshilfskomitee, etwa 30000 Kr. Erhaltungskosten für die Jesod Hathorah und ein Betrag von ungefähr 40000 5kronen für das Beth Hamidrasch zuzuzählensind". An Bethausspenden gingen 110708 Stc. ein, das Ergebnis aus den Sammelbüchsen betrug 7330 J?r., der Pessachsammlung 3261 Kr., der Sitzmiete Ä 015 -Kr. usw. Für Gehalte und Pensionen wurden 56 000 Kr., für Haschgachah 17000 5kr. ausbezahlt! An Subventionen und Spenden an verschiedene Vereine wurde» 40000 Kr., verausgabt. Der Stand des.Hausbaufonds am' Jahresschluß betrug 45 332 Kk! >Dte Anzahl der Mitglieder ant Ende deS Jahres war 458. .... Pole«. . . Proze«1avrW a« der P»se«er «aiverfitüt. An der Posmer-U-riidersität werden gemäß Regierungsverfügung'im Studienjahr 1019/20 Juden ««d

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