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Neue jüdische Presse · 1919-11-14 · Heft 44 (14.11.1919) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 44 (14.11.1919)
Date
1919-11-14
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. U. - -.V-'-v-i; Conditoref und Cafd Wilhelm Wendel Alte Gasse 6. Neu renoviert und vtrgrössert. - SW Eis. *MS mehrerer Schllderuvgeit des Landes und seiner Beden-- tung die Fäden, die uns zu dem Ursprung dieser seltsamen Liebe führen. So erscheint es, daß Abrahaui> der aus einem anderen Kulturkreise kam, den Kern der jüdischen Religion mitbrachte, um ihn dort durch eine besondere Knade Gottes zur Reife zu bringen, den Boden Kanaans i» seiner natürlichen' Beschaffenheit für Entwicklung dieser Kultur besonders geeignet fand, daß sie sich hier entfaltete' und darum .seine Rach kommen mit ihrer Kultur auck> die Anhänglichkeit zum Lande bewahrten. Daraus leitet sich ihr Recht her, das Land wieder zu „ererben". Das Land war für sie.das Erbe .ihrer öäter und wurde später in ihrer Vorstellung immer mehr der ihnen von Gott verliehene Bezirk. So in drin bekannten Ausspruch Davids: „Sie vertrieben mich, auf daß ich nichk im Erbe Gottes bleibe» konnte." Er beirachtete seine erzwungene Verbannung als ein Verfallen in Götzendienst. Die Intensität der Liebe zum Lande wächst und findet ihren Ausdruck in den'sehnfnchtersüllten Worten der' großen Propheten, wie in den färben-- nächtigen Schilderungen der Psalmdichter. Die Jnnigleit des Gefühls, die fast religiösen Charakter trägt, wird am' stärksten bei den Prophetesi, die kurz vor, mährend uiw nach dem Exil gelebt haben. Bei Ezechiel trägt das Land Kanaan zum ersten Mal den Namen das „Land Israel". Es ist setzt so, als ob Volk und Land zu einer Einheit verlvachseu sind. Die innigen Beziehungen ba Juden zu ihrem -Lande wurden zur Zeit des zweiten Tempels, ungeachtet der vielen -Fremden, die unter ihnen wohnen, immer stärker, und so erklären sich die. phantafievollcn verherrlichenden Ausdrücke, die kn der ganzen -Traditionsliteratur zu finden sind. Daraus schöpften die Juden iin .späteren Exil die Kraft, auf fremdem Boden eine eigene Kultur fortzubilden, daraus erklärt sich das Verhältnis, das heute noch, an den Stätten Wischer Kultur .ein jeder Jude zu Erez. Israel hat. Bei ihnen ist das Wort Jehuda Halevys Wahrheit: „Ich bin im Westen und mein Herz weilt ijtt äußersten Osten." Aus der Misrachi-Bewegung. Eine neue Zeitschrift. Die Misrachi-Landesorganisation der Schweiz^ hat das erste Heft einer Monatsschrift „Misrachi Indische Monatshefte" erscheinen lassen. Das hübsch aus- -estattete Heft enthält auf 32 Seiten Artikel, Berichte, Feuilletons und .eine Abteilung für die Jugend und macht dem idealen Wollen der kleinen Landesorganisation der Schweiz Ehre. ' . Mit ^der neuen Zeitschrift ist nun in kurzer Zeit das. dritte Preßorgän in deutscher Sprache erschienen, das' den Ideen des Misrachi dient. Eine derartige Zersplitterung 'jst . ökonomisch nnd propagandistisch .ivahrlich nicht zweckmäßig. Gerade in der gegenwärtigen Zeit wäre es Pflicht der zionistischen Organisationen, mit ihren Mitteln weise Haus .zu halten, — Md gerade innerhalb -der zionistischen Bewegung ist auf dem Gebiete des Zeitungswesens eine Vergeudung an Geld infolge eines unnötigen Mehrs an Zeitschriften sestzuflellen. Edom. Im Jüdischen Verlag, Berlin, erschien unter dein Titel „Edom" eine von Nathan Biru- - .bäum und Hugo Herrmann besorgte nnd von Joseph Bndko mit Buchverzierung versehene Uebersetzung von Berichten jüdischer Zeugen und Zeitgenossen über die Judenverfolgungen während der Kreuzzüge. Das besonders Wertvolle . dieser Berichte für uns Heutigen dürfte wohl darin, liegen, daß sie gewissermaßen Auge in Auge ' einen Einblick in das Seelische unserer Vorfahren Zur Zeit der KreuzMge gewähren und dabei den Abstand gufzeigen, um wieviel tiefer, überzeugnngsvoller nnd reiner in den Damaligen das Judentum lebte, als in uns. Mit Erlaubnis des Berlages geben wir nachstehend die ersten Seiten wieder. Wir hoffen, damit in weiten Kreisen den Wunsch zu erwecken, zu dem Buche (Preis geb. Mk. 5.50s zu greifen. Hier will ich anheben zu sagen, wie' das Verderben über die Gemeinden kam, die sich um den Namen des Ewigen erschlagen ließen, nnd wie sie inniglich an dem Ewigen, dem Gott ihrer Väter, hingen und Ihn, den Einzigen, bis an ihren letzten Hguch bekannten. Es geschab im Jahre 4856 nach Erschaffung der Welt, im 1028. Jahre nach unserer Verbannung, ^da vir nach der Weissagung des Propheten Jrmjah (Jauchzet in Freude .um Jakob . . .) auf Trost und Hilfe Sten: La verkehrte sich dje Freude.in Leid und ner, in Weinen jmb Klagen. Alle Schrecken, die in den Büchern der Thora gedroht sind, trafen uns: .alles, toflS geschrieben steht, brach über unsicherem, gleichwie das, was nicht geschrieben stehet; über uns, über »nsere Söhne und Töchter, unsere.Meise und unsere. ««Me MM MMe. ' ' ' Aus -er „Agudas JiSroel"-Beweg««g. Bom KriegSwaifenfoudS der AgudaS-ZiSroel, Für den Kriegswaisenfonds der Agtcdas - Jisroel wurden bisher durch die jährliche Selbstbesteuerung und durch Spenden in Deutschland 850,000 Mk. and in der . Schweiz 50,000 Fr. .aufgebracht. Im Hinblick auf daS unermeßliche Elend der Juden Osteuropas ist eS notwendig, bei jeder Gelegenheit des Waifenfonds der Agndas JiSroel eingedenk zu fein. Perfoualie» xl kleine Ritteilaages. Berit«. Der Ddutsch-Jfr. Gemeindebund erläßt an alle Gemeinden einen Ausruf, in dem er sich bereit erklärt, den G meminn, die die Absicht haben, in ihrem Gotteshause eine Gedenktafel für die gefallenen Krieger oder Ehrendenkmale auf ihren Friedhösen zu errichten, mit Rar zur Seile zu stehen Zu diesem Zweck ist ein Komitee gebildet worden, das vermittelnd zwischen den Vrmemoen und Künstlern wirken und denen, die aus Mangel an Sachkenntnis oder an geeigneten Kräfl n nicht in der Lage sind, sich ihren Wünschen gemäße Entwürfe und Ausführungen zu befchaff.n, zu künstlerisch wertvollen Werken verhelfen soll. Mannheim Dr. S. L u ß, ftüher Oberlehrer an der jüdischen Realschule in Pfungstadt lind bekannt durch seine Feuilletons in den jüdischen Zeitungen, ist verschieden. Teplttz. Rabbiner Prosiff:r Dr. Adolf Kurrein, Obmann des Rabbinerverbandes in Böhmen und ein alter, treuer Anhänger der zionistischen Bewegung, ist im 74. 'Lebensjahre verschieden. . Dr. K. gründete 1894 die Monatsschrift »Jüdische Chronik", die er sieben Jahre herausgab. Er nahm zu allen Fragen des jüdischen Lebens in charaktervoller, offener Weise Stellung. Budapest. Der siurtchnngsietseuve Sir Aure l Stern, Sohn eines Budapester Kaufmanns, hat das Britische Muke um in London um kostbare Schätze bereichert. So hat er in den unterirdischen Tempelbauten der Tausend Buddhas, die er entdeckte, mehrere tausend Manuskriptrollen gcsimden, die seit dem Jahre 1035 in der Verborgenheit geruht hatten und sich wegen der außerordentlichen Trockenheit des Landes in einem vorzüglichen Erhaltungszustände befinden. Die Handschriften stammen aus der Zeit von 400 bis 1000 n. Chr.^ Darunter befinden sich ein Teil der .Jahrbücher des Frühlings und des Herbstes", des einzigen Werkes, das man Confucins persönlich zuschreibt nnd das an die „SSctfc nnd Tage" des Hesiod erinnert. (Soflbtt ein Kalender vom Jahre 978, eine offizielle Liste der Familien, die in dem Bezirk von Fuhnan lebten, tnit dem Datum .von 416. Außer den Manuskripten wurden auch einige Druckschriften gesunden, nach venen man die Erfindung des Buchdrucks in China, die bisher Wens-Taho (88 t—954s zngeschrieben wurde, um mindestens zwei Jahrhunderte früher ansetzen muh. linier den Kunstwerken ragt besonders eine schöne Holzschnitzerei hervor, die Buddha .im Kreise seiner Anhänger darstellt, wie er seinen Schüler Subhuti unterrichtet. Zürich. Fürlprech Dr. G o e t s ch e l, der einzige jüdische Vertreter im Nationalrat, ist'wieder in den Nationalrat gewählt worden. Rar die Selbstbesteaerung schafft de« Millionenfouds des jüdische» Rationalfouds! Knaben, unsere Knechte nnd unsere Mägde, unsere Großen und unsere Kleinen kam bittere Not. Der Papst des srevlerischen Rom erhob sich und rief alle Völker auf, so an Christum glauben, die Söhne Edoms: sich zu scharen, um gen Jeruschalaim zu ziehen und die ".Stadt zu . erobern, damit die Irrenden frei zum Grabe dessen wallen möchten, den sie sich zum Gott gesetzt. Und der Satan fuhr in die Völker, daß sie sich versammelten, um dein Befehle zu gehorsamen. Wie der Sand am User des Meeres, so zahlreich kamen sie, und ihre Stimme war wie der tosende Sturm. Damals stand Herzog Gottfried von Bouillon nur — daß doch sein Gebein zermalmt werde! —, ein starrsinniger Mann, den der Geist der Ausschweifung r>erfnhrt hatte, mit den Ruchlosen zu ziehen. Er tat den grimmen Schwur,, wo immer er wandte, das Blut seines Gottes an dem Blute Israels Lu rächen und von allem, was den Namen Jude trägt, nicht Rest noch - Flüchtling zu lassen; so voll war er der Bosheit. Dock da erstand einer, der die Gefahr beschwor, ein Erlesener des Geschlechtes, ein Gottessürchtiger, der himmlischen Wonne wert, R. Kalonymos, der Vorsteher der Gemeinde zu Mainz. Er sandte eilends einen Boten an König Heinrich, der damals seit neun Wintern im Lanke Italien wellte, nnd meldete ihm alles. Da entbrannte der Zorn des Königs, haß er alsbald Briefe . in alle Provinzen feines Reiches, an die Fürsten, Bischöfe und Statthalter und guch an Herzog Gottfried sandte nnd ihnen gebot, Frieden zu halten und die Juden zu wahren, auf daß sich .niemand an ihrem Leib und Leben -vergreife, ihnen Beistand pnd Zuflucht zu gewähren. Da schwur bei Herzog, der Frevler, . es sei ihm nie zu Sinn gekommen, den Juden ein Haar zu krümmen. Zudem beschenkten sie ihn in Köln mit' fünfhundert Mark feinen Silbers, ebenso in Mainz, und er versprach, ihnen beizustehen und Frieden SrÄe 3. Schildermalerei u.Weissbinderarbeiten Philipp Trauner Textorstrasse 68. Telephon Römer 5778. \ Frankfurter Berichte. AuslSem Bereiuskebe». - Letzten Sonntag weihte der jüdische Jngendverein „Montefiore" seine neuen Bereinsranmlichkeiten durch eine Feier ein. Nach einigen Vorlesungen aus der Bibel .Md musikalischen Darbiernngmr hielt der 1. Vorsitzende, Dr. Löffler, die Festrede. Davon ausgehend, daß der Jahrestag der Revolution uns besonders daran ermahne, daß ohne Revolution des Geistes jede Umwälzung Stückwerk bleibe, ,oarf der Redner einen kurzen Rückblick auf das fast 25jährige Vereinsleben. In längeren Ausführungen zeigte er, daß der Verein feine Aufgabe darin sehen müsse, die Mitglieder zu wahrhafter Religiosität. wahrhafter Ethik und vor allem wahrhaft sozialem Empfinden zu erziehen. Dieses wahrhaft soziale Empfinden, das im vergangenen Wochenabschnitt noch viel besser als Zedek nnd Mljchpor ancmpsvhcen sei, werde dazu .führen, die jüaische Jugend zum Segen der Judenheit, zum Segen der ganzen Menschheit werden zu lassen. Musikalische Darbiettingen schlossen J)ic Feier. Frankkurter Veranstaltungen. Jüd. FranenM-reinigung nnd Äg. Jisr. Mädch engrnppe, Sonntag, U/s, Hanauerlandstr. 17: Beginn des Kursus „Prophetenwort und Gesetzeslehre" (Dr. Jof. Breuer). — Ä g. VJi sr. -Ortsgruppe,. Samstag, 8>/i: Ausspracheabend über die Volkshochschule (Jacob Rosenheim). — Tiferes Bachuriin: Sonntag, Kl/», Langestr. 33: Jüd. Jugend und das Serualprob^em (Dr. Michael). — Me kor Chajim: Freitag, Schluß Abendgottesdienst: Mikro (Jos. Bamberger); Sonntag, 6 Uhr: Midrasch (Pros. Dr. Sulzbach). — Montefiore, Gvetheplatz 5, Freitag, 8 Uhr, geselliger Abend Ansprache: Jacob S. Posen): Samstag, 11 Uhr: Schiur (Dr. May); Sonntags 10 Uhr, Endstation der Linie 13: Besichtigung des Elektrizitätstverkes Spricherstratze; Montag, 8*/»: Einweihung des neuen Wanderheim; Mittwoch, 8 Uhr: Gottfried Keller-Abend ftnus.-dckl. Darbietungen, Rede: Prof. Dr. Werner). — Talmud-Thora-Berein: Freitag, Schluß des Abendgottesdienstes: Bortrag (Dr. Fricdmann); Samstag, 3l/i Uhr: Raschi (Lipinsky); Sonntag, Schluß des Morgengoltesdienstes: Mischnah (Dr. Friedmann), vorm. 9 Uhr: Schnick an Aruch (Lrpinskh); Schluß des Abendgottesoienstes: Josuah (Unna); Dienstag, 6 Uhr abends: Chauwans Halwonauth (Dr. Braun); Mittwoch, Schluß des Morgcngottesdienstes: Mischnah (Dr. Friemann); Donnerstag, abends 6yi Uhr, Hermesweg 27: Gemoro (Unna). Kleine Rotizem. In der Synagoge des Gum per tz'f.chenSiech e n h a u f e s, in der die Kranken und Hilfsbedürftigen sich mit inniger Befriedigung vereinen, wurde diese Woche eine Gedenktafel für dahingegangene jüdische Krieger errichtet, zu deren Gedächtnis der Anstalt Jahrzeitsstiftnngen gewidmet wurden. Die über-- ans pietätvoll vorbildlich wirkende Botivtafel in weißem, carrarischem Marmor,' mit Konsolen, Pilastern nnd Ab° deckung in gelblichem» deutschem Marnror ist in nronumentaler, aber schlichter Form auf den sie beherbergenden Raum gestimmt nnd trägt unter dem Neir-Tomid die Inschriften. Für weitere Inschriften bezw. Stiftungen ist Raum vorgesehen. zu halten. Doch der Friedensstifter oben war von: ihnen gewichen. Er verbarg Sein Auge vor Seinem, Volke und gab sie dem Schwert hin. Kein.Prophet, kein Seher, kein Weiser nnd Mn Gelehrter vermag zu ergründen, weshalb die Sünde der großen Gemeinschaft so ..schwer befunden ward, daß die heiligen Gemeinden mit dem Tode büßen mußten, als hätten sie Blut ver-' gossen. Doch wahrlich. Er ist ein gerechter.Richter, und unser ist die Schuld. Zuerst erhob sich freches Gesindel, Chriftenpack, grimme, wütende Rotten von Franzosen und Deutschen, die nach der heiligen Stadt zu ziehen gedachten, nmt das Grab des Gekreuzigten zu .suchen, die Söhne Jschmaels von dort zu vertreiben und das Land ihren Händen zu entreißen- Sie hefteten ein Kreuz als Zeichen an ihre Kleider, so Männer wie Frauen, alle, die den Weg des Irrtums zum Grabe ihres Gesalbten .gehen wollten, 'bis sie zahlreicher wurden denn die Heuschrecken über der Erde, Männer, Weiber und Kinder, und cs von ihnen heißen konnte.wie in der Schrift: »seinen König haben die Heuschrecken, und dennoch Liehen sie geordnet dahin". Als sie auf ihrem' Wege durch die Städte kamen, da Juden. wohnten, sprach einer zum andern: „Nun ziehen wir so weiten Weg, das Grab zu suchen und . an den Jsmaeliten Liache zu nehmen, and siehe! hier mitten unter uns wohnen die Juden, deren Väter ihn unschuldig schlugen und kreuzigten. Wohlan, rächen wir uns' zuerst ^an ihnen, rotten sie aus unter den Völkern, daß des Namens Israel nicht mehr gedacht werde; oder sie sollten werden wie wir und rrnsern Glauben bekennen!" (Fortsetzung folgt.)

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