Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 43 (8.11.1919)
- Date
- 1919-11-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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TELEFON erfüll ALLE Ansprüche. FRANKFURTER PRIVAT-TELEFON-GESELLSCHAFT-bn fiatimhcfctr* cn drifiorse. FRANKFURT A.M. fernspr. tlonsa 6J56/5? dem Kriege auf dem Gebiete der tschecho-slovakischen Republik ihre» Wohnsitz gehabt, viele von.'ihnen sind hier feit Jahrzehnten . ansässig. Der Volksverband .hat durch Intervention beim Ministerium iu Bratislava erwirkt, daß die Ausweisungen zurückgezogen wurden und den betreffenden Familie» Zeit gegeben wurde, Gesuche an das Zupansamt zu . richten zwecks Erlangung der Heiniatszustäuüigkcit im tschecho-slovakischen Staate. . Jaffa. JnGlge des Konfliktes in der Frage des Frauen- '.flinrmrechtes hat das „Provisorische Exekutivkomitee der palästinensischen Juden" sWaad Hasinauis beschlossen, die nur den 18. November angesetzte Delegiertenversammlung auf - unbestimmte Zeit zu verschieben. Zionistische Nachrichten. Frankfurt a. M. Der Aufbau Palästinas! — Davis Triet sch, der bekannte Vertreter des setzigen zionistischen „Maximalisinus", unternahm es in einem im Auftrag der Zionistischen Vereinigung gehaltenen Dortrag, die Größe der zu bewältigenden Kolonisationsaufgaben in Palästina und die Notwendigkeit der unverzüglichen und .großzügigen Inangriffnahme der Kolonisation des indischen Landes aufzuzählen. In einleitenden Worten skizzierte er in kurzen Strichen die gesamtpolitische und wirtschaftliche . Läge des jüdischen Volkes, die katastrophalen Verhältnisse im jüdischen Osten und die Folge dieser verhängnisvollen Entwicklung: eine jüdische Auslyanderungsbewegung iu größten Dimensionen. Es sei' dringendste Aufgabe und wickitigstc nationale Pflicht, den an- ' schwellenden mächttgen Auswanderungsstrom in ruhigere ‘ Gebiete von einigermaßen gesicherten Existenzmöglichkeiten zu, leiten. Das Sand, das heute einer jüdischen Einwanderung größeren Stils lassen stehe, mehr als die.übrigen, Länder, und nicht zum wenigsten deshalb von den Mächten! dem ' jüdischen Volke zuqesprochen worben sei, weil sie größere jüdische Einwanderermassen von deren eigenen Ländern fernhalteii, ist Palästina. Ein zweites ausschlaggebendes Moment für die Entscheidung der Uebersiedlnngsfrage im rnaxirncilistischen Sinne ist das politische Erfordernis, in inöglichst kurzer Zeit Palästina den Charakter eines jüdischen Landes zu verleihen, die Zahl der Juden zur Majorität in raschestern Tempo zu steigern, um Wohl möglichen Gegenaktionen vvn Seiten der Araber von vornherein die gefähr- ' lichsten, alles in Frage stellenden Wirkungen nehmen! zu können.. ° > .Aus den Lichtbildern, die während des Vortrags vor- ■ geführt wurden,, und zu denen Herr Trietsch nähere auf- ’ schlüßreiche Erklärungen gab, erstand 'ein Stück 'palästinensischen Lebens lebendig - vor den Augen der .Zuhörer. Die Schwere und entscheidende Bedeutung des Kolonisa- ,-tionswerkes unterstreichend und betonend, wandte sich Trietsch am Schluß, seiner Ausführungen an das nationale VDerantwvrtlichkeitsgcfiihl der jüdischcn^-Zuhörer mit Neue Fübische Messe. ' dem Aufruf zur eingehenden, die Opfer nichtscheuendenvurksamev- 'Mitarbeit an dem .Werke-des tUizMueS von Palästina. nc Aus der MrsrachisBeweguug. Warschau. „HamiSrachi" schreibt: „Wir hoffen,-daß jdie Konferenz dev orthodoxen Organisationen, welche demnächst in Amsterdam, und die Konferenz dev allg. zion. Organisationen,, die - in der . Schweiz stattfinden wird, sich bemühen; einen Modus für ihre Zusammenarbeit jn Palästina zu finden. Der Misrachi wird diese Bestrebungen kräftig .unterstützen. Zürich Hirsch Farbst'ein, Präsident des MiSrachi in Polen' und Mitglied des polnischen Reichstages, hielt sich hier einige Tage aus/Bei dieser Gelegenheit machte er der „Jüd. Preßzentrale" folgende Angaben: ,„Die traurigen Verhältnisse der 'Kriegszeit haben viel dazu beigetragen, bei 'den Juden tiefe Gefühle und innige Liebe für Zion zu erwecken. Bon vielen Fortgeschrittensten bis zu hen'strengst Orthodoxen ist her Palästinagebanke bereits als Endziel der Lösung der Judenfrage anerkannt wordeg. Der '.Zionismus hat bei den jüdischen Massen, sei -es bewußt, sei es unbewußt, festen Fuß gefaßt. Zehntauseude von -Juden, auch solche der. besitzenden Massen, die sich nie mit Politik befaßt haben, -sind bereit, bei der ersten sich bietenden Möglichkeit nach Palästina auszuwandern. Diese Idee ist in den orthodoxen Kreisen noch ^bedeutend starker vertreten, als bei den Fortschrittlern. Die Sorge um die Erhaltung des religiösen Judentums hat größtenteils den orthodoxen Juden die Pflichtauserlegt, sich dem Misrachisnius änzusck.ließen. Die Orthodoxen haben endlich -begriffen, daß außer den religiösen Vorschriften der -Jugend noch ein zweites Ideal vorschweben muß. Dementsprechend entwickelt sich auch - die Misrachi-Bewegung sowohl in Polen- Galizien wiev auch 'Litauen ganz .gewaltig und zählt heute in Polen mehr äls 300 Organisationen. Unsere Beziehungen zu der allg. zion. Organisation haben sich in letzter Zeit etwas verschärft, da in der Leitung der zionistischen Organisation radikale Elemente sich befinden, die ein Zusammengehen mit den Orthodoxen nicht wünschen. Diese Trennung, die nur eine künstliche sein kann, dürfte von nicht langer Dauer sein und es liegt schon jetzt sowohl' der allg. zion. Organisation als auch dem Misrachi die Anregung vor, ans den vielen Gebieten, wo ein Zusammenarbeiten möglich ist, eine allgemeine Verständigung zu schaffen. ' Es fanden »ach dieses Richtung schon verschiedene, Beratungen statt und dies« Angelegenheit .scheint nun ins richtige Geleise gebracht worden zu sein." ' . Perw»atte» u. kleine MttteUimge». Berlin- Dr. Ludwig Br reger, »ehelmer Mrdi» zinalrat und Professor, berühmt als Bakteriologe, ist verschieden. Heusenstamm. Der am 25. September im 82. Lebensjahre verstorbene H e r in a n u S ch w a r z s ch i l d iu Hamburg, 'ein Sohn deS langjährigen Vorstehers unserer Ge- Vornehmes Variete -Kabarett und Ballhaus. _ MT3T Condltorei and Cafß t * V^iihelm Wendel f Alt© G-asse e. f Neu renoviert and vergrössertmeinde, Isaak Schwarzschild, und ein -Bruder des Chefs des Bankhauses Maier Schwarzschild in Frankfurt, hinterließ unserer .Gemeinde 10,006 Mk. und unserem. Orte 5000 Mark. . In Frankfurt verstarb Frau Jettchen Eckmaun Wwe., geb Cahn, Witwe des vor Jahren verstorbenen Lehrers I. Eckmann (Nienburg), eine stille Wohltäterin, im 75. Lebensjahre. Bielefeld. Fräulein Paul ine SachS, eine literarisch bewanderte Persönlichkeit, degüig ihre» 30. Ge-, bnrtstag. Papenbnrg. Der Stadtverordnete Lehrer L. Strauß wurde zum Senator der Stadt Papenburg gewählt. Pose«. Hermann ElkeleS, Stadtrat a. D., Boristeher der Jüdischen Brüdergemeinde, stellt,. Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde usw., verschied im 70. Lebens- «jahre. - Myslowitz- Dr. med. Breit, Stadtverordneter undwährend langer Jahre im Vorstand der Shnagogengerneinde, begeht am' 8. Novbr. sein goldenes D oktorjubiiänrn. - » Me«. Hier verschied im 61. Lebensjahre Rabviner J Jokef Engel aus Krakau, Mitglied - des Rabbinerrates der Agudas Jisroel, eine talnrudische Katzazttät. Der Bahre folgten an 20,000 Personen. Rotterdam.' Herman Eljl und Fra« geb. von! Gelberen, begehen am 3. November die goldene Hoch« geit. ' - '!! '• - : 1 - - t Frä«kftrrter Berichte «ns dem VereiuSIebeu. 'Der Vorstand der Agudas Jisroek-Ortsg r.u ppe veranstaltet in diesem Winter alle vierzehn Tage gesellige Diskussionsabend e, um .seinen Mitgliedern und Gasten Gelegenheit zu geben, sich .auch gesellschaftlich näher,Antreten und Über allerlei Fragen ausznfprechen, die mit den Aufgaben der Aguda zusammen». härraxn. Sämtliche Räume der Jugendgruppe, Hanauer Landstraße 17, werben für diesen Zweck znr Verfügung gestellt. Die Abende sollen in der Regel durch ttn sirrzes Referat eingeleitet werden; neben der Disknssion wird aber auch für gemülliche, zwanglose Unterhaltung Raum bleiben. Die Eröffnung wird - voraussichtlich Samstag. den 15. November, Erfolgen. Gäste, auch Dmnen, sind sehr willkommen. Auch in diesem Winter finden allwöchentlich JüLische Volksbild nngsabende statt. Der erste Abend wurde Dienstagin der Stadthalle veranstaltet. Nach - einer Eröffnnngsansprckche des Vorsitzenden, Bernhard » Simon, sprach Rabbiner Dr. Salzberger über „Rückblick wnd Ausblick". Er zeichnete die Zeit des Krieges mit ihren Erfahrungen und verlangte Einigkeit, Arbeit und festes Berttcnien für die Zukunft., Nächstes Dienstag wird ein medizinischer Vortrag.gehalten. An .. den Abenden wird stets Tee gereicht. Frankfurter Veranstaltungen. H'aibri, Samstag, 314, Nnterlindan 21: Das jüd'. Leben in Palästina >fhebr. Borttag von Frl. Dr. Meier Das Letzte. . Eine Dorfgeschichte. : " ' (Schluß.) Die beiden hatte eine Tochter mit Namen Esther, und das. war ein Mädchen von großer Schönheit. Sie tat keinerlei Arbeit sin Hause;'eS wäre aber auch eine Sünde gewesen, , sie mit ihren zarten Händen den Bxotteig rühren oder mit einer Hacke hantteren zu lasten Sie ging' immer fein an» . gezogen undtmg ihre blonden Zöpfe frei herabhängend, daß es eine Frxude war, sie zü sehen. ' - Da wurde eines Tages in der Dorfgemeinde ein junger Schreiber angestellt, und wie dieser das schöne Kind sab, verliebte er sich in sie auf den ersten Blick. Er war wie toll vor Liebe zu dem Judenmädchen Und Esther? Sie vergaß, welches. Volkes sie war. — l ' . '■ Als an einem Donnerstag Vater- und Mutter mit den Früchten ihrer Arbeit nach der Stadt gefahren waren, räumte sie die Geldbehätter aus und floh mit dem Schreiber' auZ dem heimatlichen Dorfe. Sie war gewillt, seinen Glauben anzunehmen und ihrem Gott um einen andern zu vertauschen. Sie wurde in einem Kloster, äufgenomrnen und einstweilen : da gehalten. '! - 1 ' Wer beschreibt den Jammer und das Herzeleid der Eltern, als sie, .nach Hause zurückgekehrt, erfuhren, was ihnen ihr Kind angetan hatte? In das Herz des einfachen Mannes, , der nie eine andere Sorge als die um. sein Hauswesen ge- £ könnt shatte. dräng auf einmal ein tödlicher, unsagbarer! Schme^L.< Seiner Frau fehlte, nicht viel/ und sie wäre wahnsinnig geworden. . v' Nachdem jedoch die ersten, ftirchtbarep Stunden vergangen waren, fingen sie an, zu beraten.' wie die Tochter zu befreien wäre. Sie beschwssen, das Haus und alles, was sie besaßen, zu verkaufen, um'die Seele der Verlorenen zu retten. Aber alles, was sie auf diese Weise gewännen, würde für diese Sache nicht ausrejchen. Selbst wenn sie sich bis auf das Hemd anszögen, brächten sie die Summe nicht auf. Das Mädchen mußte aus der Einkerkerung gestohlen und weit, weit, über die Grenze des Landes hinweggeführt werden. Der Jude Jechiei stand sich gut mit den Bauern des Dorfes und unterhielt sich mit ihnen viel und gern. Aber jetzt verlangte es ihn nach einem Stammesgenossen, nach einem, der sein.Leid verstehen könnte, und den er um Hilfe bitten könnte. Mit Benjamin hatte er bis dahin wenig verkehrt, ihre Nattzren waren zu verschieden, und sie hatten einander nicht viel zu sagest. Benjamin war aber in der ganzen Umgegend der einzige Jude. Jechiel machte sich auf, sattelte sein Pferd und ritt nach dem benachbarten Dorfe. Es war im Spätsommer und zu einer vorgerückten Abendstunde. Benjamin hatte seinen Kramladen schon zugemacht und saß in seiner Stube mit einem Frohlocken . im H'rzen. Diesmal hatte er vor. zu den hohen Feiertagen nach der Stadt zu gehen und dort für immer zu bleiben. Wie er so dasaß und die künfttge Seligkeit genoß, hörte er auf einmal an sein Fenster pochen. Er erhob sich vom Stuhle, öffnete die Tür und sah vor sich Jechiel, den Juden, aus dem Nachbardorfe stehen. Und das Gesicht des. Ankömmlings sagte, daß er nicht mit einer tteudigen Nachricht gekommen war. Der Gast betrat die Wohnung und fing an, von der schweren Strafe zu erzählen, die Gott ihm auferlegt hatte, und wie er sein Kind nicht zu retten vermochte. Benjamin hörte gedrückt zu und fühtte sich wie mit einer Zange angefaßt. Er dachte an das Säckchen, das er heute gefunden hatte.. Und bald flogen die Gedanken von dem Beutel zu der eben vernommenen Geschichte nnd von der Geschichte zu dem Beutel. Er sprach bei" sich: Du bleibst auch hier im Dorfe ein Jude, ein Sohn deines Volkes; die Unglückliche aber verfällt der ewigen Verdammnis, wenn man sie nicht erlöst. Sollte er nun dem Vater den ganzen, eben gewonnenen Schatz hingeben? Wie war doch seine Freude groß, als er sich dem ersehnten Ziele so nahe sah! Hat denn seine Frau nicht deswegen allein das Geld. gespart? Sollte er dem. was sein Leben ansmachte, entsagend Ja, wenn er dem Bedrängten mit einem Dierttl von dem. was ihm beschert worden war. helfen könnte! Er gäbe auf der Stelle hin. Ihm ist aber nur mit dem Ganzen genützt. Jechiel stand auf und guckte binans, um nach dwr Pferde zu sehen, das draußen angebunden stand. Er haste sich gesagt, daß' er von Benjamin keine Hilfe zu erwarte» habe; er fühlte aber, daß ein Weagehen von hinnen einen. .Ritt in die dichteste Finsternis bedeute. In der Kirche fing es zu läuten an, und das erinnerte Jechiel an den Grund, weswegen er Benjamin ausgesucht hatte. In seiner Seele tat sich ein Tor auf. und die Schande.' eines ganzen Polles, das verleugnet wttd, fand ihren Eingang. Benjamin'hielt den Schlüssel zu der Truhe und zitterte '*«v. am ganzen Leibe. Er sah, daß sein Nachbar schon Weggehen " wollte und nicht Weggehen konnte. Und ihn stieß eine «n£? sichtbare Hand zu bem Kasten, und eine mnere Stimme ries --i Gib das Geld hin! Er konnte es aber nicht tun. Erst als Jechiei ihm gute Nacht sagte, die Tür öffnete und hinausging, die Zügel des Pferdes faßte und eS besteigen - wollte. packte es Benjamin mit einer-neuen Gewalt. Er rief den "r Berzweifeinden wieder in die Stube, öffnete den Kasten»---;., entnahm den Beutel und reichte ihn stumm, 'ohne ein Work -* zu sägen, dem Genossen. » So hatte fich. Benjamin bezwungen und sein Letztes-ge-- opfert. Esther würde aus dem Kloster entführt und nach-?" einem jüdischen Flecken in einem andern Lande gebracht. Hier kehrte sie zu ihrem Glauben zurück und wurde mit?? einem jungen Manne aus dem Handwerkerstände verheiracht^"-^ Benjamin sollte seinen Traum nie in Erfüllung «eben sehen d nnd starb als ein einsamer Jude im christlichen Dorfe.