Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 43 (8.11.1919)
- Date
- 1919-11-08
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2692297-2693126-2693169--10920-2706309- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
S«te72- Reue JMsche Presse. Nr. 43. Nr —ar IHeei» Teplit^ky, Frankfurt ap Hain 45 Hananerlandstrasse 45 ‘Täglich frische Zufuhren von flüss-ü. Seefischen Lieferungen frei Hans.- Telefon: Römer >541. hcmdelZverkehiS hofft man, die Juden auch dort zu Verdrängen. Gegen die von Juden beeinstußte Presse wie „Nepszava". ..Az gft", „Pesti-Naplö". ..Vilag" u a. wird dadurch gearbeitet, daß man sse -auf dem.Bahntransport verschwinden läßt und auch sonst bei der Zustellung in jeder Weise schikaniert. Die größte Besorgnis herrscht vor der Weisen Garde des Admirals Horthh, die im Begriff ist, die rumänische Besatzung abzulösen. & •*■5. _ 1 Die Lage in Oftgalizie«. Der Ukrainische Pressedienst meldet: , ' ' I. D. Ellis, Mitglied, der amerikanischen Lebensmittelkommission für Polen, hat Ostgalizien sowie das angrenzende ukrainische Territorium bereist und «erstattet i Hierüber folgenden amtlichen 'Bericht: > Gegenwärtig ist die Situation in Ostgalizien viel prekärer geworden. Die Dörfer find vollkommen zerstört, fast alle Häuser außerhalb der Städte sind niedergebrannt. Die Ernte ist sehr knapp und wird kaum hinreichen, die Bevölkerung den Winter «über zu ernähren. Es herrscht völliger Mangel an Weizen, Korn imd - Mehl. Brot ist eine große Seltenheit. Erschreckender Mangel herrscht überall an Kleidungsstücken.; ' Ueberall sind die Kinder furchtbaren Krankheiten unterworfen, denn es Zehlt ihnen an entsprechender Er- '' nährung. . Auf.best Rückreise nach Lemberg nahmen wir den Weg nördlich von Sokal. Jenseits des Büg sabrn wir überall Verwüstung und Trümmer. Von Zolkiew «angefangen liegen alle Felder brach, die Städte sind zerfallen, die Straßen zerstört.. Diese Gegend 'ist weit bis . über Kowel hinaus total verwüstet. Die Stadt -Sokal ist zerstört. Weiter -nördlich begegnen wir ziellos herumirrenden Menschen ohne Habe, ohne Besitz. '' -, Sollte nicht binnen drei Monaten Hilfe wer- . den, so wirb die Bevölkerung aussterben wie . Fliegen. . Die Organisierung, der Lebensmittel- 14/ zu sch übe in diese Gegenden bildet gegenwärtig die brennendste Frage. Mit der Lösung dieses schwie- ^rigen Problems beschäftigt sich gegenwärtig das polnische Ernährungsministerium gemeinsam mit den amerikani- > scheu tzumaintätsvereinen. rar-.. Die DeuMn'scheu Judenpogrome.? Die von verschiedenen ^Seiten eingetroffenen Nach- . richten bestätigen,-daß in den von den Truppen Denikins - eroberten Gebieten die entsetzlichsten Judenpogrome stattgesunden Haren und stattfinden. Wie dem jüdsichen Preßbureau in Stockholm aus London telegraphiert wird, haben die bekannten russischen Politiker Miljukow und ' - Burzew sich unter dem Eindruck, den diese Judenmetz'eleien /auf die öffentliche Meinung der Ententeländer gemacht / haben, veranlaßt gesehen, Denikin telegraphisch zu ersuchen, energische Maßnahmen.zu ergreifen, um weiteren . Pogromen vorzubeugen, eine Untersuchung über das Geschiene änzustelten und die Schuldigen der-Strafe zu- </rusühren. . » . . ^7-^. / { Münchener Brief. -Mtß^ WM Die Woche pom 19.—26. Oktober stand hier Oster dem hen der Pa-lästinawoche. Neben einer Ausstckng, welche Bezalel-Gegenstände, Palästina-Skizzen, Landkarten, Palästina« sowie moderne jüdische Literatur, Pal. Bauausstellung, jüdische Graphik usw. zum Gegenstand hatte, wurden an vier Abeichen verschiedene.Veranstaltungen abgehalten, .welche sich eines sehr guten Besuches erfreuten. Das finanzielle Ergebnis dürste recht befriedigend werden; da »icke Sammellisten im Umlauf find, wirddasselbe erst in den nächsten Dwchen -festzustellen Hm.'. -- - --- .; ... . . .«Der Au ti l-emi t i sm.us milcht sich.hier r«cht breit, wenngleich «in großer Teil der Bevölkerung dem Treiben, abweisend. gegenübersteht. .Die Agitation besteht Hauptsächlich in der Verteilung von. Flugblättern: das Organ dieser Partei, der „Münchner Peobachtex", her. in sinnlosen Angriffen, geradezu schwelgt; scheint seinen Höhepunkt hinter sich zu haben? Bei dieser Gelegenheitsei folgende Reminiszenz^ erwähstt.. * ■ Der seit Jahren verstorbene Herausgeber des antisemitischen „Bayr. Vaterland", Dr. Siegl, äußerte, sich Anfangs' der 80er Jahre! des letzten Jahrhunderts/zu einem Bekannten, daß/ sein Blatt im Straßenverkanf das best« Geschäft mache, wenn es auf einzelne Juden oder auf die gesamte Judenheit schimpfe, da in diesem Falle Hunderte von Juden sein -Blatt kaufen. Daß dies auch heutzutage noch ebenso ist, kann" man beobachten, wenn man sich zeitweise an einem lebhaften «Platze der Stadt, wo Zcitungsverkäufer stehen, diesbezüglich orientiert. Traurig, aber wahr! * . Gleichwie in Frankfurt beschäftigt, man sich auch in der hiesigen Gemeinde mit einer Revision der veralteten G e m e i n d e s a tz n n g e n- Der verstärkte BerwaltungSausschuß, in dem Liberale, Zionisten und Orthodoxe vertreten sind, hat mit den ^Beratungen bereits begönnen. Leider herrscht in liberalen Kreisen.«ine sehr reaktionäre Stimmung in Bezugs auf das Verhältnis zur Ausländer- und Berhältniswahlfrage; sollte diese Anschauung die Oberhand gewinnen,' so dürften wir heftigen Kämpfen entgegengehen. In den jüdisch-nptionalen Jngeudvereinen entwickelt sich lebhafte Tätigkeit. Der jüdische Turnverein, der sich (den Namen „Bar-K0ch ba" bellegte, erfieut sich reger Teilnahme. Bei einem jüngst stattgehabten großen Stafettenwettlaus, an. dem 24 der größten Sportvereine sich beteiligten, errang die Mannschaft des ,Har-Kvchba" den 8. Platz: das Resultat war um so begrüßenswerter, als in der Mannschaft 8 Jugendangehörige dabei waren. Der „Jüd. Wanderbnnd Blau-Weiß" hat in der Nähe der Stadt ein neues Landheim erworben. .Auch diese Bereinigung entwickelt sich in aussteigender, Weise. Eine Anzahl ehemaliger Wanderer haben sich in den letzten Monaten der Landwirtschaft zugewandt. Wie schön wäre es gewesen, .wenn diese Bewegung .schon vor Jahrzehnten in deutschen Landen Boden gewonnen hülle. > Auch unter den Ostjuden ist. eine lebhafte Tätigkeit bemerkbar; so hat der Gesamtausschuß der Ostsuben Münchens, der Hunderte «von Mitglickiern vertrllt, ein eigenes Sekretariat eingerichtet. Ueber diese Entwicklung ein ander mal Ausführlicher. C. F, Deutsches. Reich. vstjübische Konferenz. Der „Verband der Ostjuden" in Deutschland (Büro: Berlin. Gormannsttaße 28) hat den Beschluß' gefaßt, zu Weihnachten eine ostjüdische Ksonfe« renz nach Berlin einzuberufen. Me Konferenz soll anS gewählten Delegierten von dem Verband angeschloffenen oder sich noch anschließenden »stjüdischen Ortsgruppen und Vereinen aus ganz Deutschland zusammengesetzt sein. Auf je 50 Mitglieder, für die LandeSbeiträge von je 5 Mk. an die Zentrale deS Verbandes abgeführt werden, kommt ein Delegierter, für je weitere 50 Mitglieder mit enllichtckem LandeSbeillag von je 5 Mk. ein weiterer Delegierter. 1 Die Tagesordnung der Konferenz wird noch vckannt gegeben werden. Auf der. Konferenz sollen die aktuellen Fragen, die sich anS der gegenwärtigen Lage der Ostjuden ergeben, im Anschluß an Spezialreferate eingehend beraten Werdern Dazu gehört vor allem die Fürsorge für die ostjüdischen Flüchtlinge, die soziale und rechtliche Stellung der Ostjuden.in Deutschland, die Stellung der Ostjuden in den jüdischen Gemeinden und anderen Organisationen, die kulturellen Aufgaben der Ostjudenheit, der organisatorische Zusammenschluß der ostjüdischen Kreise in Deutschland und die Organisation des ostjüdischen Verbandes. Das Jutereffe für de« Jüdische» NatioualfoudS. Wie stark das Interesse der deutschen Judenheit an dem Jüdischen Nationalsonds, her der Kolonisation Palästinas gewännet ist, gewachsen ist, bewckst folgende'- Statistik seiner Einnahmen: ‘ 1904 Mk. Mk. Mk. Mk. Mk. 1910 «1913 -1917 1918 24,000 56,000 108,000 150,000 277,000 1919 .bis Oktober Mk. 88p,000. Leipzig. Sine Talmud-Hochschule in Leipzig. Die' vor cknigen Monaten in Leipzig gegründete Talmud-Hochschule (Jeschiwah) — Sitz Färberstraße 4—6 — hat nunmehr das Wintersemester eröffnet. Durch diese Einrichtung ist sowohl jungen jüdischen Kaufieuten, welche ihre talmndischen Kenntnisse vervollständigen wollen, als auch denjenigen, wckche beabsichtigen, den Rabbinerberuf zu ergreifen, Gelegenheit geboten, sich ausschließlich« dem Studium des Talmud Und der rabbinischen Literatur zu widmen. Als Lckter der Anstalt ist.Herr Rabbiner Rogaznitzky, der als hervorragender Talmndlehrer.bekannt ist, berufen worden. Die Mittel zur Erhaltung der An- Besteuert Euch für deuMillioneufonds des Jüdische« RationiÜfonLs^ MitteldeutscheCreditbank Depositehhassi u. Wechselstube Hanauer-Inlicl «Strasse I j' anässigenT1--'-1- ~tL— m stalt werden durch freiwillige Beiträge aufgebracht. Da die Beschaffung der Seforim in jetziger Zeit große Schwierigkeiten bereitet, bittet die. Leitung inn Uebcrlalssung von einzelnen Bänden. Schaß und sonstigen hebräischen Werken. England. Sine tumultuarische Sitzung. In der jüdischen Organisation Board 0 f Dev ntres kam es tveglen des jetzt in England auf der Tagesordnung stehenden F r e m d e n g e j e tz e s zu tnmultuarischen Szenen. Es lag 'ein Bericht über die von der Organisation .zugunsten der Fremden unternommenen Schritte vor, der die Mehrzahl der Bersammlimg nicht befriedigte, — und als - dann Baron Anthony d e R 0 t hschild aussührte, daß ihm die Werrolgnngen der Fremden zwar mißfallen und er sich ihrer alsEjxngländer schäme, jeddch fragliche sei, ob der Board als iolcher sich der Frenidcn annehmen müsse, da er doch ein Board of Deputtes vs 'british.Jews sei, also -mir wie Briten vorzngeben. habe, entstand .großer Tumult. Interessant ist, dnß im Laufe der Debatte von Laski die Aeußernng fiel, daß er sich der jüdischen P'arlainentsabgeordneten schäme- und froh wäre, wenn Nichtjuden an ihrer Stelle säßen. Amerika. Sine jüdische Bank für vsteurapa. An einer Sitzung der Bereinigten drei jüdischen-5kvmitees Amerikas (Jewish Relief Commiktee, Central Relief "Committee, People Relief. Committee) brachte Präsident Marshall den Antrag ein, eine Bank zu.gründen, mll dem Zwecke, Kredite, znm Wiederanfban des Erwer.b slebens derJndenin O'ste Uropa . zu gewähren. Dieser Antrag .wurde von I a ko üS chi fr unterstützt, der ausführte, daß man bei cknem eingezahlten Akttenkapital von 10 Millionen Dollars leicht weitere 40 Millionen Doll, auf dem Kreditwege aufbringen könne. Der Anllag wurde -angenommen, und die Vorarbeiten sind schon so weit gediehen, daß. mit dem Druck der Aktten bereits begonnen wird. Rumänien. - Sin Interview mit sem König., Der amerikanische Journalist Leo Wolfsohn Halle mit dem' König über die Judenfrage eine Unterrehung; es wurde ihm jedoch nicht die Erlaubnis gegeben, den Inhalt dieser Unterredung zu veröffentlichen. Dagegen erhielt er nach einiger Zeit von dem König ein Schreiben, in dem es heißt: „Das Versprechen, den Juden vollständige pofillsche Rechte zu gewähren, welches ich während des Krieges dem jüdischen Komitee in Jassy gemacht habe, ist ausgeftihrt worden. Das ist geschehen durch die Gesetzesdekrete' vom Januar 1918 -und Mai 1919. Das erste Gesetz, welches gewisse' technische Schwierigkeiten für die Jiwen. enthält, ist «durch das zweite geändert worden, welches jetzt in Kraft tritt. . Laut diesem letzteren Gesetz können, alle ' Jude», welche es'wünschen, Bürger werden. Sollte .es sich Herausstellen, baß auch dieses zweite Gesetz bei seiner Ausführnntz den «Juden gegenüber Einschränkungen macht, so wird mmi gewiß wcktere Aendernngen vornehmen."; Diesem Schreiben lag ein offizieller Brief bei, in dem gesagt wurde, daß das Interview nur in der amerikanischen Presse,. nicht aber in den rumänischen Zeitungen abgedruckt werben darf. Das heißt: die äußere. Welt, mag wohl erfahren, was der König über die Juden sagt, nicht aber die Rumänen in Rumänien selbst. - 1 Kurze politische Nachrichten. Lemberg. Die jüdischen Affimilanten Dr. Schleicher, Dr. Dobias As'chkenase, Dr. Ruf, Dr. Wasser und Chaj es werden demnächst unter dem Lllel ,Dzjen" ein Tageblatt erscheinen lassen. Warschau. Hier fand eine von mehr als 560 Delegierten besuchte Konferenz der jstdis.chewlKÄlfmannschuft Polens statt.'- Der .Hajntist.ohne Angabe-von Gründen-ver boten worden; an seiner Stelle erscheint jetzt ,ZZer ^1-ag - . . . - , - - - Hirschfield, der Nachfolger' Dr. Bogens, als-der Vertreter des Joint Distribution Committee,-versprach inr Namen dieser amerikanischen jüdischen Organisation 100,000 Kronen mvnallich .für die Baron -Hirschschule» in Galizien und der Bukowina, da die Verwaltung der Hirisch-Stiftung in Wien kein Geld mehr schickt. vraitSlava (Swvakei). Hier ist unter der Redaktton von Dr. Mvritz .Zobel die erste Nummer eines 'jüdischen'Wochenblattes jüdische BvrkSzeiiung" erschienen. Am 24. Oktvber hat,eine Deputatton der Kultusgemcknde Bardijov (Bartfeld) beim Volksverband der Juden für die S/lvvakei in Angelegenheit der Ausweisungen »on 55 jLdischeu. Familien vorgesprdchen. Die AuSgewiesenen haben schon lange vor dem mbl seit Inte die l den/ amt kcit lim palc nur aut De zioi Aü die Pa) gro sche ziel sch« Be ver rm ncr sch. Ge zu nu Lä t'ei nr Lä sch Si Ze zu stak liä zu lisch ne D ,»tii T m de le si' ei € b« bi w