Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 42 (31.10.1919)
- Date
- 1919-10-31
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2. Neue Jüdische Presse 'WMM a. W., LkßLkrpdir L 'Gegrfindet 1828. Telephon: Haii8a>9365. IrMM a. L, Lkakrpdir B KK» MW BSflde deutsoh, frnuBsidohi enollsch. Alle tleuerscheinunsen VY- Eintritt tfiglich. Prospekt umsonst und portofrei. :■> f. —, -J . Das kurz gestreift einige Grundfragen der Kolonisierung Palästinas, die Ruppin ausführlich und klar bespricht. Das Werk Ruppins, eine in ihrem Wert hochanzuschlagende Leistung, läßt bei aller Fülle von Einzel- . h.-'ten nicht den großen Ueberblick über das Ganze den Sinn für die historische iBedeutung und Größe der Wieder- . beleb ung des Volkes' und des Landes Israel vermissen. - Die ruhige, kühle Sachlichkeit seines Buches wird getrogen-ijdii einem starken Glauben an die Zukunft seines ./'■' Volkes. „Minimalisten" wie „Maximalisten" werden das ' Ruppinschc Buch mit Gewinn lesen. V Die Wisrachi-Souserenz itt Palästina. v Die in Jerusalem abgehaltene Misrachi-Konfercaz bewies, daß ba§v orthodoxe Judentum in Palästina auf dem WcPe einer vollständigen Ziomsterung ist. ' < ' . Schon äußerlich bot die Konferenz ein ungewöhnliches - .Bild. Noch vor zwei Fahren hätte man es für unmöglich gehalten, eine Parlamentarische Konferenz mit der , hauptsächlichen Beteiligung von Kastair- und Peies-Juden, •v zumal in einer Synagoge abzuhalten. Der .,Jeschiwi- ■? Tempel" in Meah Schearim .wurde ^für, die Konferenz eigens hergerichtet und geschmackvoll ausgeschmückt. Der Weg zur Synagoge war mit 100 Bogen ausgeschmückt (Meah Schearims, die mit wunderbaren Palmen versehen ' foeren. Ileberall hingen zionistische und religiöse Aufschriften. Rabbiner Hurwitz hielt die Eröffnungsrede. - Südonn sprach der zum Vorsitzenden gewählte Rabbiner Kischmann,- der seine Worte wie folgtschloß: „Die *- orthodoxen Juden.wären die ersten, die zum Aufbau des Jischuw -herbeigeeilt sind, lind sie werden auch ietzt uicht ' die letzten sein. Wir erblicken nnsere Aufgabe darin: -affe - religiösen Juden in unserem Lande sollen sich um ' , die Fahne Misrachi scharen. Unser Programm ist: Reli- - giön und Nation! Aus diesem Wege wollen wir ünerfchütterlich vorwärts gehen." Die Rede Jischmanas, die ) ..schwungvoll und in einem glänzenden Hebräisch gesprochen ~icurbe, wurde von der ganzen Versammlung mit stürmi- ' . -schem Beifall ausgenommen, », Es wurden Begrüßungen verlesen und Begrüßungs- " Ansprachen gehalten. 'Einen starken .Eindruck machte insbesondere die Begrüßung des Chacham Baschi von Jaffa, 'Ben- Zion Usiel, der in lebhaften Ausführungen S; die Entwicklung des jüdischen Lebens in -Palästina in den letzten, zwei- Jahren schilderte. Der Redner sprach warme -Worte des Lobes und begeisterter Anerkennung für die tapferen jüdischen Legionäre, die von der ganzen Ver- :sdnnnlung mit starkem Enthusiasmus angehört wurden. j' Allgemein ist das streue, bis setzt ganz unbekannte Mo- , ' 'ment ausgefallen: Sämtliche-Reden waren in ta- > dcllosem, modernen Hebräisch gehalten. .Auch . die. ausländischen Delegierten aus Kairo, aus Damaskus \- und Saloniki sprachen hebräisch. Die'Berichte der Delegierten gaben ein - charakteristisches Bild von der Tätigkeit des Misrachi, " die von entscheidendem-Einfluß auf die Organisierung - der palästinensischen Judenheit sein dürfte. -- - Der Vertreter Jerusalems berichtete, daß die dortige Ortsgruppe 800 zählende Mitglieder — darunter .' die angesehensten Persönlichkeiten — vereinigt. Im Lmife des Jahres haben Y0 Versammlungen stattgesunden. Große V Fortschritte macht die misrachistische Frauenvereinigung. . Das Waisenhaus ist unter die Verwaltung des Misrachi - gestellt worden, der dort das Hebräische vollständig durch-;. ^gerührt hat,. Der Misrachi entwickelt eine lebhafte Tätig- ■"<’ keif zugunsten des Jüdischen Nationalfonds und ist gerade '1. däbeii eine große larwwirtschafüiche Tätigkeit ourchzuführrn. '-.'Rabbiner Slonim, der Delegierte aus Hebron, j Errichtete: „Die Ortsgruppe Hebron ist vor etwa einem ' Jahre entstanden. Fast sämtliche Juden unserer Stadt find dem Misrachi veigetreten. Es ist uns gelängen. Vornehmes Variete-Kabarett^ und Ballhaus. *5chäfergasse73-75. mehrere Juden in die Regierungsstellen zu bringen. Wir haben uns hauptsächlich bemüht, die sozial-ökonomische Lage unserer Gemeinde zu verbessern. Wir haben eine Mühle gegründet, die Mehreren jüdischen Familien-Brot gibt. Aus Veranlassung des Palästina-Amtes schritten wir ar. mehrere.Bodenkäufe, die wir aber inzwischen auf Verordnuna.ahbrecheii müßten." Der Redner schlug vor, die Konferenz möge 'beschließen, in Hehron ein 'Lehrerseminar zu eröffnen. Delegierter K a l i r s aus Tiberias berichtete: „Die größte Zahl der, in Tiberias.wohnenden .4000 Juden neigen zum Misrachi. Sämtliche Gcmcindesührer und angesehene Persönlichkeiten gehören der Ortsgruppe an. Der Vorsitzende der Ortsgruppe in Tiberias ist.der Chacham-Baschl Abulasia. Der Misrachi in Tiberias gründete einen Reltnngsfonds für die Pogromopfer in Polen und der Ukraine, der bereits ansehnliche Beträge austreiben) koynta Wir gründeten in Tiberias den Handwcrkerverein. Hauptsächlicb aber sind stvir stolz darauf, daß cs uns gelungen ist, die Herrschaft des Hebräischen in Tiberias in Schule und Gemeinde durchzuführen. Die beiden Waisenhäuser sind in die Verwaltung des Misrachi übergegaugen. Wir gründeten die Gesellschaft - „Haus und Gatten" für unsere jemenitischen Brüder." Der Redner verlangt die Errichtung einer Lesehalle und' Bibliothek, sowie die Eröffnung von Bildungs-Kursen für die Heranwachsende Jugend in Tiberias. ' Der Vertreter der Ortsgruppe' Sasfed berichtete, daß der dortige Misrachi 150 Mitglieder zähle. Es folgten die Berichte der Ortsgruppen in den Kolonien. Die Berichte aus diesen Orten lauteten weniger günstig und enthielten 'größtenteils Beschwerden gegen die „freisinnigen Schulverwaltungen". Mehrere Delegierte betonten besonders die Schwierigkeit der Gewinnung der Jungend in den Kolonien für die misrachistische Idee. Die Tagung beschäftigte sich .hauptsächlich mit der Erziehungssrage. Die Sitzung, die der Behandlung dieser Frage gewidmet war, nahm die Gemüter derart in Anspruch, daß das Referat über das kolonisatorische Programm, welches der bekgunte hebräische Schriftsteller Radler-Feldmann .halten sollte, vertagt werden mußte. Später bei der Behandlung der kolonisatorischen Aufgaben bekundete die Konferenz ihr crnstboitcs Interesse dadurch, daß jic ein ziemlich großes Budget .hierfür bewilligte. Unter den 'verschiedenen Resolutionen verdient der Beschluß hervorgehoben zu werden, mit der Herausgabe eines hebräischen W»chewh.tattes „Haz i r" sDer Bote) zu beginnen. FernerApurde beschlvssep, in ollen Städten und Kolonien misrach.istiche Frauen vereine nach dem Beispiel Jerusalems ins Lebett zu räfen. Allgemeine BefriÄigung rief die Resolution Leireffs der hebräischen Sprache hervor, die die Mitglieder verpflichtet, alles zu unternehmen, um die hebräische Sprache sowohl in unseren kolonisatorischen als erzieherischen Anstalten, wie auch im täglichen Leben eines jeden Juden als lebendige Volkssprache durchzuführen. ‘ Stürmische und leidenschaftliche Debatten , entstanden bei der Frage der Beteiligung der Misrachisten an den Wahlen zur allgemeinen Delegiertenkon* serenz in Pal8sti.ua. Bekanntlich ist diese Konferenz inzwischen vom Provisorischen Executiv-Komitee der palästinensischen Juden mit Zustimmung aller Parteien, einsckiließlicb des Misrachi, für den 18. "November cinberufen worden. Einen starken Eindruck -machte die Schlußrede des Rabbiners Kuck, der über'die großen Aufgaben des Judentums im Heiligen Lande sprach.. Die Konferenz schloß mit dem Singen der. Hatikwah. Abends fand ein Bankett statt. - In den Engeren Ausschuß wurden - gewählt: Rabbmex Usiel. Rabbiner Fischman. S Lew, Muasel und Liwai (Jaffa), Rabbiner I. Leon S. Solvweitfchik Zobner, Weißenstern und Dr. E h a ch a m (Jerusalem). In das Zentralkomitee wurden II Personen, Vertreter von Jerusalem, Tiberias, Hebron, Haifa, Rechoboth und Petach Tikwah, gewählt; in den Aussichtsrat, dem die erzieherischen Aufgaben obliegen, folgende Herren: Dr. Lewin, Dr. Mar sch ak Dr. >Mirkin, Radler-Feld mann ^.Prof. Dr. Han und die Rabbiner Rabbi, Zitron, Ostrowski,«Usiel, Fisckimann und Kuck. Deutsches Reich. Berlin. Freie jüdische Volkshochschule. Die Freie Jüdische Volkshochschule hat die Vorlesungen ilsres Herbstvicrteljahres begonnen.. Der Lehrplan umfaßt hegen zwanzig Vorlesungen über Bibelkunde und allgemeine Religionswissenschaft, über geschichtliche, literatur- und kunstgeschichtliche Gegenstände sowie über Zeitfragen des Judentums. Die Dorträge mit Lichtbildern finden in der Aula der Kaiser- Friedrich-Schule am Savignyplatz statt, die übrigen in der Leibnitz-Schule, Schillerßraße, im' Logenhaus Kleiststraße .10, ßn vcr Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums Artilleriestraße 14 und im Gemeindehaus Rosenstraße, bezw. Keidereutergasse. — Vorlesungsverzeichnisse und Hörerkarten sind im Kaufhaus des Westens, bei Tietz und 'in einer Reihe von Buchhandlungen erhältlich. Ziouistische Nachrichten. Frankfurt a. M. In der Hirssgen Ortsgruppe.sprach Davis Tri et sch. Berlin Über den von ihm vertretenen Maxi mal ismus. Moxtmalismus nennt sich Ne Forderung, sofort auf die denkbar großzügigste Weise und im Müßten Umfange die Anfiedlüng des jüdischen Volles in Palästina zu organisieren. '<r. 42 TELEÜON-Ä erfüllh ALLE Ansprüche. * FRANKFURTER PRIVAT-TELEF0N-GESEIL5CHAFT- FRANKFURT A.M. ffrnsrr Mo-;: icV Nach dem Bortrage ergriff der bekannte Nationalökonom Professor Dr. Fr a n z O p p en h eim er das Wort, um sich darin mit Trietsch einverstanden zu erklären, daß Palästina dem gesamten jüdischen Volke Existenzmöglichkett geben könnte. Seine Differenz mit Trietsch bestehe darin, daß er glaube, während der ersten Jahre müßten die Grundlagen der Ansiedlung mit der größten Vorsicht geschaffen werden, und es müffe daher die Einwanderung für die ersten Jahre nur eine begrenzte sein, sonst könne es zu einer Katastrophe kommen. Trietsch erwiderte, daß die Katastrophe, die der gesamten vstjudenheit droht, wenn sie nicht bald auswandert, um vieles größer sei, als die von Oppenheimer gefürchtete mögliche Katastrophe in Palästina, die zu verhüten in unserer Hand liegt. , Jaffa. Dr. Salkind, der frühere Vorsitzende der Petersburger Gemeinde, weilt in Palästina, um Material Wer die Gesundheitsverhältnisse zu sammeln und seine Ergebnisse der Zionistischen Jahreskonferenz vorzulegen. '. Boris Gvldberg, der Finanzverwalter der Zivnistischen Organisation, wird in Haifa Wohnsitz, nehmen. In Kürze werden hier erwartet: -Israel Rosvw' der Vorsitzende der Zionistischen Organisation in Rußland, und aus .Odessa: Ter Dichter Bialik, Drujanow und Dr. Glückstein. , . --- ' ■ ' -• Aus Der Misrachi-Beweguug. Wilna. Unter dem Borfitz des Oberrabbiners Isaak Rubin st ein und Anwesenheit von 15 Rabbinen und zahlreichen angesehenen Privatleuten fand hier die GriÜidungsversammlung des Misrachi statt. Bon Rabbinen wurde außer den Vorsitzenden ins Präsidium gewählt: He noch, Eiges, Meier Karlitz und Abraham Jakob Kohn. ' Persouulre» «. kleine Mitteilungen. Berlin. Die Verbindung im K. C. (Kartell. Convent der Verbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens) ,S p r e v i a", Berlin, beging am *-22. Oktober ihr 25 jähriges StiftungIfest. Anläßlich dieses^ Stistungssestes hat die Verbindung Geh. Justizrat Eugen Fuchs, den Vorsitzenden des Zemralvereins, deutscher Siaaisbürger jüdischen Glaubens, in Anerkennung seiner großen Verdienste um das deutsche Juden'um zum Ehren-Borfitzenden ernannt Sie hat damit in den 25-Jahren ihres Bestehens zum ersten Mal von der Verleihung dieser Ehre Gebrauch gemacht. Das Stiftungsfest selbst wird anläßlich des in den Tagen vom l.—3. November in Berlin stattfindenden K. C.» Tages durch einen Festkommers festlich begangen werden, Hanau. Samstag, den l. November feiern in Alzenau die Eheleute Herz Hamburger das Fest der Goldenen Hochzeit. Mannheim. Rabbiner Dr. Zloxisti, bisher in Insterburg, hat hier seine neue Stelle angetreten. - Bad Nauheim. Das Israel. Frauenheim wird auch diesen Winter herzkranke Frauen vom 15. November an gegen Vergütung der Selbstkosten verpflegen, Breslau. Prof. Dr. Hermann Badt, Sohn des verstorbenen Professors Dr. Benno Badt, w^crde zum Regierungsrat ernannt.. Rabbiner Leo Glück jvurde nach Nakel berußen: Stratzburg. Das Israelitische Konsistorium des Niedeirheins hat Jsaac Schwärtz-Bordeauxzüm Großrabbiner von Stratzburg gewählt. Zürich Zürich zähtt heute 12000 Juden. Die Hälfte davon wanderte während des Krieges aus dem Osten zu. - Sowno. Dr Nathan Birnbaum ist hier einge» troffen. - Warschau. Eine Kommandit-Gesellschaft mit einem Kapital von einer Mllion Mark unter dem Namen S.JiSroel", deren Kapital zur Herausgabe einer Tageszeitung „Der Jud" bestimmt ist, wurde ins Handelsregister» eingetragen. Auch andere Ausgaben werden in das Gebiet ihrer Tätigkeit fallen. Diese Kommanditgesellschaft würde von der „AgndaS Havrthvdvxim" gegründet. - Frankfurter Berichte. Tischri-Nachyaug Der Festmonat Tischri ist .vorüber und mit' ihm auch die große Herbstparade, die alljährlich.ganz Israel versammelt, und nach her großen die kleine Herbstparabe all derer, die nicht nur eiiimal 'im" Jahre, sondern das ganze Jahr hindurch -er Verpflichtungen ihres Mischen Namens bewußt sind. . - .v Die große Herbstparade bietet alljährlich daS gleiche Kaffee Kaiser garten am Opernplats Erstklassiges Eamilien-Kaffee Tfiglich Ton 4 Uhr sb: /