Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 42 (31.10.1919)
- Date
- 1919-10-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2692297-2693126-2693168--10912-2706300- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
uiiuiiiiiiiiiiiiiiHimiiiiiiiiiniiimiiinTHHiiimmimiiiiimiiiiiiii; ■ Erscheint wöchentlich am Freitag. Bezugspreis pro .Viertel- : : sabr: In Frankfurt a.M. Mk.4.SSftei ins Haus. Lei der Post : : abonniert Mk.ck.80,stei ins Haus 4 pfg. pro Monat mehr. / Bei : : Zusendung durch Streifband für Deutschland undösierreich-llngarn : : Mk.2.25,fur alle übrigen LänderMk.2.L0. Einzelnummer 20pfg. : ...-.», »»»»! Redaktion und Expedition: . Frankfurt a.M.,Langestraße 7 Fernsprecher Amt Hansa 2903 ■iiniiuminmiiununinimminmunnnnmnniiimiiimniinn; Herausgeber : Galy Geis : Insertionspreis für die sechsgefpaltene petitzeile?0 pfg., für :-die Veklamezeile Mk.L.—. 25ei Wiederholungen entsprechender : Rabatt. / Platz, und Datum-Vorschrift ohne Verbindlichkeit. /; Annoncen-Annahme bei der Exped.und in a.Annonren-ÄureauS. > : Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a.M. unter Ar. 4864- - % ,^‘j -.-L" -'M 17. Jahrgang. Freitag. Den 7. Cheschwan 5680 (Bl. Oktober 1910) Rr. 4 2. 11 Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund. Der Zweck eines Gemeindebundes ist klar' vorgezeichnet: Verfolgung, all der Aufgaben, die nur durch eine Vereinigung der Gemeinden zur Ausführung gebracht werden können Und cs gibt eine Reihe Aufgaben, die sich unabhängig von den religiösen Sonderheiten der Gemeinden, unabhängig von der Frage, ob die Gemeinden orthodox-traditionell oder liberal-affimila-, torisch, gerichtet find, in gemeinsamen, einträchtlichen Zusammenwirken verwirklichen lassen- Der D I- G-B. hat den Beweis erbracht. Seine Leistungen in der Fürsorge für Gemeindebeamte, jene . Tätigkeit, die ihn populär gemacht hat, seine Erziehungsanstalten für verwahrloste und geistig zurückgebliebene Kinder betreffen derartige, neutrale Gebiete. Man kann es sogar nur bedauern, daß ein für eine derartige Organisation sehr bescheidenes Budget es nicht gestattet, noch weitere sehr dringliche Pflichten der deutschen Judenheit — wir nennen die Errichtung eines Sanatoriums für Gemütskranke — zu erfüllen- Wenn der D. I. G B nie über diesen' Kreis hinausgestrebt hätte, wäre >hm die allgemeine Zustimmung sicher gewesen. Der D I G- B. war aber stets von dem Ehrgeiz beseelt, fich die Anerkennung als öffentlich-rechtliche Gesamtorganisation der deutschen Judenheit zu erringen, — und man kann es der jüdischen öffentlichen Meinung nur gutheißen, wenn sie derartige Abfichten kritisch betrachtet Würde doch dann der D. I G. B. bestimmenden Einfluß auf die Gestaltung des jüdischen Gemeindelebens in seine Hand gelegt sehen und'so sehr leicht im Geiste seiner jeweiligen Leitung in die religiösen Sphären eingreisen. Man hat ja in den Ländern Deutschlands, die mit einer staatlichen Gesamtorganisation ihrer Judenheit bedacht find, schon so mancherlei erlebt! Das. neue Deutschland, das die Sehnsucht jüdischer Justizrats- und Kommerzienratssöhne nach den Offiziersachselklappen auf' so unerwartete Weise gestillt hat, hat auch den Traum der Leiter des D. I. G. B. über Nacht verwirklicht Wir gaben in unserer vorigen Nummler von einer Mitteilung des D I. ©. B. Kenntnis, in der es heißt: „Die Verfaffung des Deutschen Reiches vom 11. August 1919 bestimmt in Artitzl 137. Absatz 5: «Die Religionsgesellschaften bleiben Körper- - schaffen des öffentlichen Rechtes, soweit sie solche bischer waren Schließen fich mehrere derartige öffentlich rechtliche Religionsgesellschaften zu einem Ver- ’ band zusammen, so ist auch dieser Verband eine öffentlich-rechtliche Körperschaft." ' Da nun die Synagogengemeinden, wie anerkannten Rechtens ist, öffentlich rschtliche Religionsgesellschasten find. so ist der Deütfch-Jsraelitische Gemeindebund im Sinne der Verfaffung. ein Verband — von zur Zeit 1200 — öffentlich-rechtlichen Religionsgesellschaften und hat ' aus Grund vorstehender Verfaffungsbestimmung .ohne, weiteres, selbst die Stellung einer öffentlich-rechtlichen Körperschast,erlangt. Damit ist das Ziel, das d er G e m e i n d e b u n d f e i t I a h r z e h n t e n er - strkbl, nämlich die Schaffung einer öffentlich-! e ch tli ch en Gesamtor g an is aHu n des dtzütschen Judentunts gründsätzlich erreicht, Eine entsprechende Umgestaltung seiner.Grundversaffung auf.. Grundlage der Äufrechterhaltung der unve^änoertrN.'iSMständigkeit der einzelnen Gemeinden ist bereits in Vorbereitung und wird dem Gemeindetag, dessen Zusammenberufung für Ende Januar 1920 in Aussicht genommen ist, zur Beschlußfassung vorgelegt werden." Steht nun aber die öffentliche jüdische Meinung vor einer vollendeten Tatsache, der sie fich kritiklos zu beugen hat, da eine Kritik nichts nützt? Glücklicherweise nicht! Dem D. I. G. B. gebt es so, wie es den Justizrats- und Kommerzienratssöhnen gegangen ist: sein Ziel ist erreicht und doch nicht erreicht Wohl ist er nun eine öffentlich rechtliche Körperschaft geworden. — aber die Zugehörigkeit der Gemeinden zu ihm st keine erzwungene, sondern eine vollständig freiwillige. Er ist keine dekretierende-. Behörde geworden, wie es die Mehrzahl »einer Leiter so sehr gewünscht hat, fasern einzig und allein der Wille der Gemeinden träM seine Leitung. Das fordert eine Reorganisation des - D- I G. 33.! Wie die Gemeinden nur Zukunft auf einer wahrhaft demokratischen Grundlage haben, so muß auch der Gemeindebund einen demokratischen Aufbau erhalten, der der Ausdruck der Zusammensetzung der jüdischen Masse ist und jedwede Vergewaltigung ausschließt Wie besonders in den Großgemeinden, so war auch im Gemeindebund eine liberal-assimilatorische Plutokratie vorherrschend und dazu noch, da die Leitung in Berlin ihren Sitz hat. die Berliner Plutokratie'. Das muß jetzt sehr schnell anders werden. Nur, wenn der für Ende Januar einberufene Gemeindetag wirkliches Verständnis für die-gründlich geänderte Sachlage hat — und dies verlangt auch eine Verständigung mit der in der ..FreienVereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums'' vertretenen Orthodoxie — wird der D. I. G. B. das Organ für die öffentlich-rechtliche Vertretung der gesamten heut'chen Judenheit. werden. Der Aufbau des Landes Israel. Die zionistische Bewegung steht heute vor der Notwendigkeit .und Aufgabe, konkrete Formen und reale Grundlagen zu schaffen für die Realisierung ihrer Ideale. Dieses zweite Stadium in der Entwicklung des politischen Zionismus macht cs heute zu einem dringlichen Ersoroernis, klare Programme ' und Richtlinien für die beginnende Arbeit des Aufbaus aufzustellen, Pläne für die an Problemen reiche Kolonisierung Palästinas und die Wiederansiedlung größerer jüdischer Bolksteile zu entwerfen, .über die Methoden und Wege der, Verwirklichung klar und weitschauend Beschluß zu fassen. Mit seinem jetzt beim - Jüdischen Verlag, Berlin, hcrausgekommenen Werk: „Der Aufb au des Landes Israel" legt Arthur Ruppin der jüdischen Welt ein solches umfassendes Kolonisationsprogramm vor. Ruppitt, der nach seinen seitherigen Leistungen auf praktisch-zionistischem Arbeitsgebiet die zu einer solchen Arbeit nötigen Persönlichen Qualitäten mitbringt, geht in seinem Werk an die Lösung der großen wje der kleinen Fragen, die heute dem verwirklichenden Zionismus entgegenragen, weit' ausholend und ausgreifend, gründlich und unter Beachtung all der Einzelheiten und Nebenumstände in der zukünftigen Arbeit des Zionismus heran. Der Kern des ganzen Fragenkomplexes, den Ruppin mit seiner sehr ausgedehnten Sachkenntnis frei von beschränkter Einseitigkeit zu ordnen und zu lösen unternimmt: Die Frage nach dem Tempo und der zahlenmäßigen. Stärke der jüdisch en llebersiedlunz nach Palästina wird' von .Ruppin allerdings im nistischcn Lagers beantwortet. Nach ihm läßt sich inner» halb zwei Jahrzehnten im ganzen eine Zahl von rund 600,000 Juden ansiedeln, sodaß erst in etwa 25 eine jüdische Mehrheit in Palästina geschaffen wäre. Dieje^4^W Anschauung hat mannigfachen Widerspruch und Wider» '■ ' staub ausgelöst und in dem „Maximalismus" heftige Gegnerschaft gefunden, eine Gegnerschaft, -die ebenfalls,. >>f|;§ sehr gewichtige Argumente ins Treffen zu führen hat --E4 und der von seiten der zionistischen Leitung, die heute oie gleichen Ansichten vertritt, wie Ruppin sie in seinem Wert niedergelcgt hat, vielleicht zu wenig Aufmerksamkeit. Jj geschenkt wird. Ter Streit, der heute — kurz vor dein Einsetzen der eigentlichen kolonisatorischen Tätigkeit desb." Zionismus — an Heftigkeit Und Schärfe immer mehr zunimmt und zur Entscheidung drängt, ist heute noch zitrn 'Teil ungeklärt. Wir behalten uns vor, diese Ding»' \ von entscheidender Bedeutung in Ihrem großen Zusammen- .. 3t hang noch zu erörtern. Eine andere bedeutsame Frage der jüdischen Kolonisationsarbeit ergibt sich ans den sozialen Not» *- Wendigkeiten der Siedlung. Aus Ruppins Dar» legungen über diesen Gegenstand spricht tieferes Verstände ]'■ -M nis für die Berechtigung der Forderungen der arbeitenden Schichten auf Schutz vor kapitalistischem Eigen:rutz .und. llebermut. Die Wege, die er zur Verhütung der Aus» V3j| breitung kapitalistischer Tendenzen in Palästina empfiehlt, sind erfolgversprechend und beachtenswert. Daß ein gtz-^, waltsamer Ausbau sozialen Jnteressenstreites, eine friedliche Auseinandersetzung Zwischen einzelnen Kkaffen^IM | der Bevölkerung im zukünftigen jüdischen Palästina unvl^^ jeden Preis unmöglich gemacht werden muß, hebt Ruppin- , mit Nachdruck hervor, wie er mit Betonung, aus oik,^ Tatsache hinweist, daß^die jüdische Ilebersiedlung mach^H Palästina in erster Linie einen nationalen und dann erst:.«.^ sJ einen sozialen Sinn habe, daß oarum bei KonfkiKen zwischen nationalen und sozialen Erfordernissen den erstern^'" der Vorrang gewährt werden müsse. Ein nicht geringes Hindernis für die Durchsühcimz^W fminfpr in SftnfniKm» liifrtpt fii£-: großzügiger sozialer Reformen in Palästina bildet diär,/'^ Existenz der nichtjüdischen arabischen Mehrheit; weil de^^ Widerstand gegen die Anwendung der SozialisiernngÄl^M \ manreaeln auf ibre eiaenen Verhältnisse im lbeute vmSuL-'ÄM f Sinne. der> „minimalistischen" Richtung des heutigen zioniaßregeln auf ihre eigenen Verhältnisse im (heute vovauDe sichtlichen) Falle des Erfolgs die gesamte jüdische Sied-' lung in Nachteil bringen und ihr nicht geringen Shaden.-^H zufügen könne. . . - <'rM 8 Die Bedeutung der gesamten Ara b er frage,. dieser dritten großen Frage beim jüdischen Kolonisation?»^/ werk, wird von der jüdischen Gesamtheit immer mehr- * 0; erkannt. Auch gewinnt die Einsicht stetig an Anhang', •,» uno an Klarheit, daß die Regelung der arabischen Frage . ^H sich nur aus Grund gegenseitiger Verständigung vollziehenkann. In klugen und eindrucksvollen Worten spricht RnPpürL über das Verhältnis zwischen Juden und Arabern, über^H das von beiderseitigem Mißtrauen getrübte oft.: ständnislose Verhalten der Gegenwart-und das geistiger^ wie interessehaster Gemeinsamkeiten entspringende Freund» '} schaftliche der Zukunft. Der Wille, zu einem guten frucht»„ baren Ausgleich mit den .Arabern zn gelangen, eine Lor»:?M bedingung für eine friedliche, ruhige Entwicklung Pa» -'M lästinas in der Zukunft, kommt in Ruppins AusführtmgerivH^ zum halboffizicllen klaren Ausdruck. Auch bei den.ton-» angebenden Persönlichkeiten in der arabischen Oesßnv---?.M lichkeit muß sich die Ueberzeugunz mehr und mehr dürch» .. D setzen, daß nur eine Zusammenarbeit von Juden -nn>> Arabern eine aassteigenbe Entwicklung des von -steiden,. Völkern bewohnten Landes verbürgen kann. £