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Neue jüdische Presse · 1919-10-08 · Heft 40 (8.10.1919) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 40 (8.10.1919)
Date
1919-10-08
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Es gibt : sich dies weiter kund in der Hingegebenheit an die Macht? nnb die Kräfte ver Entwicklung in der Ziellosigkeit .im . jüdischen Sein, — die Die schwerste Gefahr für die Zu-' kunft des deutschen Judentums darstellen. Im Banne solcher Grundanschauungen mußten die - Deutschen Juden der nicht lange nach der Gründung des Centralvereins einsetzenden nationalen jüdi- - scheu Bewegung starren Widerstand entgegensetzen und der nationalen Wuschen Idee mit ihrem ganzen Ansporn-und Impuls, "das Eindringen in ihre Reihen -- verwehren. In der Wisches Geschichte in künftigen Zellen wird es aber den deutschen Juden als ein großer -, historischer Fehler- — vielleicht-eine historische Schuld ungerechnet werden, daß^ sie dem' lebendigen Strom von V Wischen Wallungen und° Bestrebungen, wie sie die Idee des Zionismus geboren, Dämm« vorgeschoben und um ' sich hernmzulellen versucht haben. Das wird es auch sein, r was später dem Centralverein zum Vorwurf gemacht;; werden wiro. Daß er geholfen^ hat, von dem Wege 'J der Umkehr und des Aufstiegs abzuführen. Wohl hat der CLntralverein eine nicht geringzuachtevde Arbeit im Dienste des allgemeinen Wohls der. -- deutschen Juden geleistet, — ab« er geht in einer falschen jüdischen Richtung und war und ist noch gegen den Sinn der jüdischen Geschichte aktiv handelnd. Heute .. . stehen ec und die von ihm repräsentierte Masse' der deutschen Juden vor der Notwendigkell eines neuen, end- '" gültigen Bekenntnisses für oder wider die Idee der jüdischen Renaissance. Möge diese Entscheidung im Sinne , Des nationalen Gedankens ausfallen! - - ' ' Ben-Jephune. ^Orzberger Aber de« A«ttsemMsm«s. - Reichsfinanzminister Erzberger wylle kurz in Zürich und gewährte bei dieser Gelegenheit dem Herausgeber der „Jüd. Preßzentrale" eine Besprechung, in der er sich, über den Antisemitismus wie folgt äußerte: „Ich verurteile die antisemitische Hetze, die zurzeit, in . Deutschland in gewissen Kreisen organisiert und betrieben wird, auf das schärfste. Meine Auffassung von der staatsbürgerlichen 'Gleichhell in Rechten und Pflichten für alle deutschen Staatsangehörigen läßt mich das gewissenlose antisemitische Treiben aus tiefstem Grunde verabscheuen. Meine Auffassung deckt sich mit der deutschen Verfassung. Artikel 109, Absatz 1 besagt, paß alle Deutschen vor dem Gesetze gleich sind. Artikel 135 gibt allen Bewohnern des deutschen Reiches den Genuß voller Glaubens- und Gewissensfreihell. Artikel 136 besagt, daß die bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten durch die Ausübung der Religionsfreiheit weder bedingt noch « beschränkt werden. Der Hintergrund der antisemitischen Hetze ist zur Genüge bekannt. Die Kreise, von denen sie aüsgeht, decken^ j,» - sich mit den Kreisen, die «in Interesse daran haben, ff*- die Schuld ihres verwegenen Chauvinismus ejne ^/-Miversiön zu suchen. - ' fe*/ ' Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, aiH welchen psy- ^.77chÄogischen Untergründen das Äblenkungsüranöver ge- '^-..skÄst wird. Es sind Anzeichen dafür vorhanden, daß ' neben der'Judenhetze eine sozialistische und eftre Kätho- / lllenhetze parällel geht oder besser gesagt, daß ein System V,' tjorliegt, zuerst die Jitden, dann die Sozialistendann . die Katholiken. Ich gebe ohne'weiteres die bemerkenswert« ..^Intsache W, daß .llrfolge des Ueberwiegens des jüdischen GÄnvllÄ in der unabhängigen Führerschaft eine gewisse ■Y i drmWeäominenheü geg«r die Juden begreiflich ist, aber -Tatsache verständlich. Denn es,st' W^ÄMlM'WjenlgK Krerse, -die Wher von der Macht so' ‘ - ' , - - ' j&Vv * - . ' . '" . --'V »a*; Neue Jüdische Kresse? gut-, wie . ausgeschlossen waren/ jetzt dafür einen Auvgltich suchen: ' . - - .. Meine' Stellungnahme zu der antisemitischen Hetze ist umso eindeutiger, als ich von jeher für die Gleichberechtigung' unserer jüdischen Mitbürger cingetreten bin. Ich erinnere daran, daß ich 'u. a. stets die Hintansetzung der Juden in der Armee, namentlich im Offizierkorps, bekämpft habe. Anständige Gesinnung und Tüchtigkeit sollen Las Kriterium für jeden Deutschen sein. Gleichberechtigung in bürgerlicher Betätigung und religiöser 'Ausübung gehören zu den Grundrechten jedes Deutschen. Diese meine Auffassung ist die der gesamten Reichsregierung. Die Regierung ist entschlossen,' der antisemllischen Hetze mit allen gesetzlichen Mitteln entgegen zu treten. Sie werden in der Presse gelesen haben, daß es der Regierung gelungen ist, -eine Hauptguclle der antisemitischen Hetze aufzufinden und unschädlich zu machen. Dem Staatskommissar für innere Ordnung liegt in Preußen die Unschädlichmachung, der Hetze ob. Die Notwendigkeit hierzu ergibt sich ohne welleres aus den Gefahren für die öffentliche Ordnung, die zu trüben zweifellos die ausgesprochene Absicht der antisemitischen Treiber ist. Es wird Ihnen auch bekannt sein, daß den Versuchen, die Judenhetze in die Reichswehr hineinzutragen, seitens des Reichswehrministers entgegengetreten wird. Mein Kollege Noske hat^sich verschiedentlich gegen die Ausbreitung des Aktionsgebietes der Hetzer in der Armee ausgesprochen. Es versteht sich dies ja ohne weiteres für eine demokratische Regierung. Würben picht alle Mitglieder der Regierung diesen Standpunkt ein- - nehmen, so hätten wir eben keine demokratische Regierung. In einem demokratischen Staat haben Pogrome keinen Platz. Wir Frauchen keine-russischen Verhältnisse." In der weiteren Unterredung sagte Erzberger u. a.: „Ich stehe — und ich glaube nicht fehl zu gehen, wenn ich sage, auch die Regierung — den,von den Zionisten verfolgten Bestrebungen in Palästina sympathisch gegenüber." TELEFON erfüll!- - ALLE Ansprüche. FRANKFURTER PRIVAT-TELEFON-GESELL5CHAFTmbH f'ahrhcf.'.rrA on d?rccrse FRANKFURT A.M. fernspr 6256/57 Jahreskousereuz der amerikanischen Zionisten. Wie der „Chicago Tribüne" aus Chicago telegraphiert wird, wurde aus'der Mille September stattgefundenen Jahreskonferenz Richter I u l i a n M a ck zum Präsidenten und Oberlichter Lo'uis Brandeis zum Ehrenpräsidenten der zionistischen Organisation in Amerika gewählt. Es wurde beschlossen, im kommenden Jahr sieben Millionen Dollar für den Palästina-Wie-üeraufbaufonds in Amerika zu sammeln. Die Zahl der registrierten amerikanischen Juden,' die nach Palästina emigrieren wollen, beträgt 6000. Die jüdische Legion in Palästina.! Wir entnehmen dem Briefe des jüdischen Legionärs -F. Breth an das Wochenblatt „Zidowsks zpravh" folgende Abschnitte: Dieenglische Regierung rekrutierte die Legionäre auf der ganzen Welt; aus Rußland jedoch konnten 15 000 Juden, welche sich zur Legion angemeldet hatten, nicht nach .Palästina' geschafft werden. Die Legion war daher auf englische Bürger und auf Juden aus Amerika angewiesen. Es meldeten sich viele tausend Mann, von denen die englische Assentkommission an 8000 dienstfähige auswahlte. Aus Liesen sowie aus eingen tausend englischen Juden und einigen hundert Julien aus Argentinien, Palästina, Aegypten und Griechenland formierte die englische Regierung vier jüdische Bataillons. Offiziell trugen diese vier Regimenter den Namen „38., 39., 40. und Vornehmes Variete -Kabarett und Ballhaus. ~Nr. 40. Conditorel und Cafd Wilhelm Wendel Alte Gasse 6. Neu renoviert und vergrössert. ir Eis. -M» 42. Bataillon Royal Füsiliers". Royal Füsiliers ist ein englisches Regiment und enthält anßer den Pier jüdischen noch 60 englische Bataillons. Nicht alle Legionäre waren Juden, es hatten sich auch einige Christen, die für den Zionismus begeistert waren, angemeldet; auch , unter den Offizieren gab es einige Christen, z. B. Cap. Beatty> dü: Bruder des Admirals der englischein Flotte, und andere. Alle Soldaten und Offiziere, Juden wie Christen, trugsn teil Davidstern aus dem Aermel ihrer Uniform, und die einzelnen Regimenter unterschieden sich durch die Farbe ihres' Davidsterns. Imsüdwestlichen Teile Englands, nicht weitvon Plymouth war ein eigenes, Lager (ausschließlich für die jüdischen Soldaten bckstimmt. Wer dieses Lager gesehen hat, hat gewiß einen unvergeßlichen Eindruck davongetragen. idyllischer Gegend, am Ufer des Meerfts, lange Rechen milttärisäzer Bauten. Die große jüdische" Fahne weht von der Hauptwache und soweit das' Auge blickt, Abteilungen strammer Legionäre, die sich jn den verschiedenen Zweigen des Wafsenhandwerks üben. Als die Ausbildung sgenützend weit fortgeschritten war, traten die Legionäre den Weg nach Frankreich und Italien über das Mittelländische Meer nach Aegypten au, wo in Heliopolis, nicht weit Porr Cairo, ein anderes jüdisches Säger; war. Hier wurden sie akklimatisiert und dann per Bahn über die Sinai-Halbinsel zum Ziel ährer langen Wanderung befördert, — nach Palästina. Manchem schien es wie ein Traum; im Februar noch' spazierte er über den New Parker Brioadway, im Anglist war er schon an der Front in Paläsllna.' - IM Herbst 1918 begann General Ullenby, der Oberbefehlshaber der palästinensischen Front, ans -der garyen Linie den Angriff. Die jüdischen. Regimenter-lagen damals im Jordantal, unweit dem Toben Meede, undbildeten de» Abschluß des rechten Flügels der englischen Armee. Wie bekannt, wurde die türkische Armee im Zentrum geschlagen, und tausende Türken und Deutsche flohen in dev Richtung zur arabischen Wüste. Dje jüdischen Bataillone erhielten den Befehl, hinter der australischen Reiterei vorzurücken zur Stadt El-Salt und die Türken von Arabien abzuschneiden. Es war ein fürchterlicher Marsch : -das Tal des Toten Meeres' liegt 100 Meter unteir der Meeresoberfläche, und El-Salt liegt hoch in den Bergen Wir marschierten auf schmalen Pfaden über tiefen Abgründen. Die Berge, ringsum waren vom Feinde beseht, der unaufhörlich in die jüdischen Reihen feuerte. Dia Hitze war unerträglich, denn es wehte nicht ein Lüftchen i? diesem toten Tale. Bis zum Wnöchel wateten die erschöpiten Legionäre im Staub, der ,tn Wolken über den Reihen, lagerte und sich den Schwitzenden an die Wangen klebte, sodäß ganze Masken abgelöst werden .konnten. Jeder Soldat war zwar mit zwei Feldflasche» airsgerüstet, aber als das Wasser ausgetrunken war, wurde der Durst unaussprechlich. Biele blieben auf dem Wege licjgen, pre übrigen rückten vor und das Regiment erreichte sein Ziel nicht nur zur Zeit, sondern 12 Stunden vor der bestimmten Frist, ickls erstes Regiment. Die türkische Uebermacht war ungeheuer, und leicht hätten alle Juden tze- Mordet werden können, doch die Türkien verloren den-' Mut. weiterzukämpfen, und da sie sich abgefchnitben sahen, ergaben^ sie sich zn Tausenden. Die Verluste in diesem Kampf, der sicher einmal von jüdischen Dichtern besungen werden wird, waren groß. Wenige waren zwar von feindlichen Waffen verwundet, der anstrengende Aiarsch jedoch im ungesunden Klima war die Ursache, daß mehr als die Hälfte an Fieber erkrankten, und daß inancher jüdische Held in ägyptischen Lazaretten seine Seele aushauchte. Nach 2000 Jahren hatten die Juden wieder gezeigt, daß fix .nicht nur als Einzelne, sondern auch als Armee zn kämpfen verstehen, und Güieral Allcnby gab der ganzen Welt telegraphische Kunde von jüdischer Tavferkeit. , Jüdische Palästiua-Reise-u. Transport- Gesellschaft m. b. H. Die jungst gegründete Gesellschaft hat ihr Zentral- Büro in Wen. Bei der Lnstituierende» Gjeneralbersammlnng wurden in den siebenköpfigen Aufsichtsrat gewählte Wilhelm Alper, Joses Bänder sGr«^), Udo.lk Böhm, Ignaz Hauser (Graz), Baruch Löw, Jakob Nowak und Dr. Egon Zweig. Jn der ersten Sitzung des Ausiichtsrates wählte dieser zu seinem Vorsitzenden Dr. Zweig und zu dessen >stÄlvertreter Nowak und bestimmte zu Geschäftsführern Ja c - qnes.Bring.s und Adolf Stand. Zugleich wurde beschlossen, doS Gesellschaftskapital auf vorläufig ’ eilte Million Kronen zn erhöhen. ' ' Jüdische Palästina-Interessenten, welche sich an diesem Unternehmen beteiligen wollen, mögen sich sin die Jüdische Palästina-Reise- und Transportgesellschaft wenden, die ihren Sitz in 'Wien, 2, Bezirk, Praterstr. 9, 1. Stock hat. .*. . .. . . . Die Gesellschaft geht daran, in den meisten Mswandcrnngszentren und. Eisenbahnknotenpunkten -sowie Grenzstationen, Geschäftsstellen, bezw. Exposituren zn Errichten und unterhält, iy Wiejll M. B-, N. W. B. ' und Südbabn, ferner in Tärvis, - Triest, Lnnd'enburg, Oderberg, Mähr^Ostrau und in- Villachs -einen' ständigen-.Bahnhoss-

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