Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 38 (24.9.1919)
- Date
- 1919-09-24
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Ibrnehmes briete -Kabarett und Ballhaus. ■ ' . *$chäfergasse73-7S. Und es hat recht. Im ganzen Dorfe, dem ein findiger Kopf in diesem Jahre plötzlich die .Bezeichnung „Höhenluftkurort" hinzufügte, stand dem Fremden auch nicht eine Badewanne zur Verfügung, — und im Bache mit Kühen, Gänsen und Enten zusammen baden, das.ging doch nicht an! . Gar mancherlei noch war im Dorfe wie zu der Großväter' Zeiten. So ein gewisses verschwiegenes Oertchen, das selbst der Präsident der deutschen Republik des Tags keine secks Stunden entbehren kann. Freilich die ,Hantevoläc", auck die jüdische, hatte für den eigenen Bedarf bereits die Errungenschaften der Neuzeit. Gemeinsames Gut aus der, Neuzeit Schoß, war nur, sobald der Müller mahlte. Las nicht brennende elektrische Licht und das gleiche Empfinden der Bevölkerung ohne Unterschied des Glaubens , für den lieven Mitmenschen. 0 Der königliche Psalmensänger David klagte vor dreitausend Jahren: Es gibt niemand.mehr, der das Gute nur des Guten willen tut. Gerade Hie jüngste Gegenwart hat sich wieder zur lauten Verkünderin des davidschen Schmerzensrufes gemacht. Gut handeln, um so -eiligster Menschenpflicht und nicht einer zufälligen Veranlagung oder Laune zu genügen,. — wie selten sind heute solche Menschen selbst unter denen geworden» die sich in den Schatten der Religion gestellt haben!. „Unser Dorf Hat nicht imr „fromme" Katholiken/ sondern auch „fromme" Jrcken, es gehört zu dem Bereich eines der orthodoxesten Rabbiner, — chnd doch wie wenig „wahre Frömmigkeit" sah ich, als ich erst einmal tiefer blickte. Man geht fleißig in die .Synagoge, ißt koscher, enthält am Samstag sich der Geschäfte und glaubt damit seinem Gote alles gegeben zu haben, was Er fordert. Im übrigen dient man im Denken und Tun dem Zeitgötzen Mammon, indem das Geschäft und die Sorge für die materielle Zukunft der Kinder die ganze. geistige Kraft verzehrt. ‘ So' entstand eine „fromme" jüdische Gemeinde ohne „jüdische Atmosphäre". Weder die Wien noch die Jungen „lernen". Jede fteie Stunde der Hem Lebenskämpfe gewidmeten Woche sollte dem »Lernen" gehören, — hier gehört ihm aber nicht eiinnal .mehr eine Sabbatstunöe. Wie der katholische Nachbar seinen Sonntag, so füllt der Jude seinen Samstag mit gewohnheitsgemäßen Gotteshausbesuch, mit gutem Essen und Mit Schlafen aus. Daß aber die Muße des siebten Tages vor allen Dingen dazu . bestimmt ist, sein menschliches Ich , durch entsprechende geistige Beschäftigung zu läutern, damit.das Bewußtsein der Gottesebenbildlichkeit des Menschen nicht dem materiellen Streben erliege, damit der .feinen Pflichtenkreis erkennende Jude wachen Sinnes durchs Leben schreite, — diese höchste Aufgabe des Sabbattages scheint in dieser, wie wohl'noch in so manch anderen „ftommen" Gemeinde nicht mehr gewußt zu werden. Und wo das Thorawissen nicht mehr gekannt und erstrebt wird, dort muß das Judentum als ein rein Mechanisches, ßleußerliches, verständnislos Geübtes seine inkere Lebenskraft, seine Beseelnikg verlieren! . An einein Freitag mittag war ich angelangt, und als ich einige Stunden später die ganze Gemeinde in dem schmucken Leinen Gotteshanse versammelt fand, in allen jüdische» Häusern die Säbbatlichter brennen sah, da, schwellte ein ftohes Gefühl Meine Brust. Fast Hier Wochen später schied ich wieder, — doch nicht wie mein Kommen war mein Gehen. Meinem Körper hatten Ruhe, gute Luft, -Milch und Fleisch wohl wieder frische Kraft gegeben, aber .meine Seele war niedergedrückt. Hier war noch eine Gemeinde, in der ein Acker für die jüdische Zukunft gepflegt werden konnte, denn hier herrschte noch die.Hut des Sabbats, — aber es fehlte der Gärtner, der die'Seelen zur Entwicklung bringt, daß sie nicht verkümmern. Mit einigen Stunden Religionsunterricht, der bis zum oberflächlichen Verständnis der Gebete führt, ist da wahrlich nichts getan. Und daß der Vorgesetzte Rabbiner sich im Laufe des Jahres vielleicht einmal zur Schulvisitation sehen läßt, kann wahrlich aucki nichts Helsen. G. Deutsches Reich. Hebräisches Sprachfeminar. ' Der jüdische Schulverein in Berlin plant für Ende Oktober d- Idie Errichtung eines hebräischen Sp«chstminars. An ihm sollen hebräische Sprachlehrer und -lehrerinnen äusgebildet werden. Daneben kommt das Seminar füt solche in Betracht, die ihren Beruf (als Lehrer für allgemeine Fächer, als Beamte usw.) für Palästina hebraisieren wollen. Der Unterrichtsplan umfaßt Bibel, Neuhebräisch. Grammatik, Ausbildung im mündlichen und schriftlichen Gebrauch der Sprache. Die Unterrichtssprache ist im ersten Semester teilweise, später ausschließlich hebräisch. .Aufnahmebedingung ist mindestens die Fähigkeit, eine, einfache Bibelstelle verstehen zu können. Sehr erwünscht ist auch die Anmeldung weiter Fortgeschrittener, da gegebenenfalls für diese sofert eine höhere Stufe errichtet weiden soll. 10 Wochenstunden Unterricht, monatliches Schulgeld 15.— Ms. Die Ausbildung bauert 2—2i/° Jahre. Der Besuch der Anstalt läßt sich mit dem Universrtätsstndium und mit anderer beruflicher Beschäftigung verbinden. Umgehende Anmeldung an das hebräische Sekretariat'Berlin W. 15, Sächsische Straße 8, erbeten Mit Angabe der Vorkenntnisse und der gewünschten Unterrichtszeit." Unverbindliche? Beratung (mündlichober 'schriftlich) beim Sekretariat, bei Dr. Schwabe, Südende, Pots- > tamerstraße 2A (Steglitz 80) und bei Dr. Smoira, Berlin W. 15, Württembergische Straße 26. (Uhland 6012). El» jüdischer Sriegsgedächtnisfonds. (I- P- 8-) Nach einer Meldung der „Continental Times" beabsichtigen die dein Londoner Jews College nahestehenden Kreise, an ihrer Spitze Lord Rothschild und Lord Swaythling, die englische Judenheit zur Schaffung, eines Fonds von 1000000. Pfd. Sterl. auszusortern, der den Namen „Kriegsgedächtnissonds der britischem Juden" führen und Bazu dienen soll, die jüdische Wissenschaft in England, zu fördern, sowie ferner die Lage der Rabbiner zu verbessern. Tschecho-SlovaNsche Republik. Masaryk gege» die Prager Pogrome. Prag,-8. «ept. (I. P. -Z.) .Die aufs bedenklichste^ aufgeflammte Leidenschaft der Straße ist fest gestern wieder' der Ruhe gewichen. Dies ist vor allem den energischen Worten .zu danken, die Masaryk an die Deputation der Demonstranten gerichtet hatl Die fanatisiertcn Frauen, denen sich zahlreiche Legionäre angcschlossen -hatten, waren, die Wache.überrumpelnd, gewaltsam bis in das Audicnzzimmer deS Präsidenten vorgedrnngen, um-ihn, „ans der Gewalt, der Deutschen und Juden,zu befreien." Es' war keine angenehme Ueberraschung für die Befreier, als Mäiaryk sie mit der schärfen Bemerkung empfing: „Ich bin nicht nach Prag.gekommen und ich bin nicht Präsident geworden, um mich von der Masse beherrschen zu lassen." . Ein zweites, nicht minder kräftiges Beruhigungsmittel, war die sofortige Verhaftung einiger der eifrigsten Pogrom- Hetzer. Die Polizei ging diesmal, wahrscheinlich auf höhere Weisung, mit -großer Entschiedenheit vor und schreckte auch nicht davor zurück, außer den hocharistokratischen . Verschwörern, drei'.schuldige Beamte des Landesverteidigungs-i Ministeriums gefangen zu.setzen. Der Haupturheber der .Krawalle, ein übel beleumdeter,' wegen Erpressung vorbestrafter tschechischer Redakteur, namens Flögt, wurde mit seiner Frau ^.ins Gewahrsam gebracht. Man fand ' noch ein halbes Tausend der unheilvollen Flugblätter in seiner Wohnung. Nun herrscht leidliche Ruhe. ' Rußland. Antijüüische Maßnahme« jüdischer Kommunisten. Wie eine aus Moskau in Marschau eingetroffene. Persönlichkeit berichtete, wandte sich Di am a nt.st e in,^ der Kommissar für jüdische Angelegenheiten bei der russischen Regierung, an «talin, den Volkskommissar für die Nationalitäten, mit dem Ersuchen, die jüdischen.Gemeinden, wegen ihres bürgerlichen Charakters aufznlösen. »Als Stalin nickt au» das Gesuch einging, richtete A g u r s k y, gleichfalls Mitglied des Jüdischen Kommissariates, ein 58!emorandum a» >Ltali n. Diesmal ließ sich Stalin überreden und unterschrieb einen Erlaß, der die Auflösung der jüdiscken Gemeinden und das Verbot der hebräischen Sprache "verfügte. Tic Moskauer Judenheit erfuhr sofort das drohende Verhängnis und hatte den Mut, «eine Proteftversamnilung zu arrangieren. Rabbiner Masc hielt eine glänzende .Rede. Am andere» Tage kam Fürst Dolgörukow, ein Mitglied der alten russischen fürstlichen Familie, der jetzt ebenfalls Bolschewist ist/ und gleich anderen führenden Bolschewisten incognito der Versammlung beigewohnt hatte, zu dem Rabbiner und keilte ihm mit, daß seine Rede einen großen Eindruck gemacht habe und daß Volkskommissar Lunatscharsky ihn zu sprechen wünsche, um sich über die Frage des Hebräischen zu informieren. Nach einem Gespräche zwischen Lunatscharsky und »Rabbiner M a s e wurde das Dekret betreffs des Verbots der hebräischen Sprache nicht erlassen. Dasselb geschah auch hinsichtlick. des Zionismus.' Die Denunziationen 8er jüd. Kommunisten hatten schon fast dazu geführt, daß auch, in Großrußland, ebenso wie in der Ukraine, der Zionismus verboten werden sollte. Kaffee Kaisergarten am Opernplatz Erstklassiges JFamillen-Kaffee Täglich von 4 Uhr ab. Künstler - Konzert. Kurze politische Nachrichten. Lemberg. Laut ..Lembg. Tagbl." will eine Abordnung des hiesigen Indischen Frauenvereins sich «nach Frankreich, Deutschland, Skandinavien und Amerika be- 'geben, um eine Hilfsaktion sür die jüdischen Kinder.Ostgaliziens zu veranlassen. In Krakau hielten in einer Massenversammlung die Abg. Grünbaum und ..Dr. Thon Protestreden gegen d ie ukrainischen Pogrome. Paris. D r. Bogen, der Vertretender Amerikanischen Jüdischen Hilfskomitees, hielt sich, auf fehler Rückreise von Mitteldeutsche Creditbank Depositenkasse u. Wechselstube Hanauerlan'datrasae I befasst sich mit allen bankmässigen Geschäften Lazarus Posen Wwe. Silbe nach miede jetzt Kalsarstrasza 23» Bestecke, Jubilänmsgeschenke. Grosses Lager in Knltusgegenständen füi «Synagogen- und Hausgebrauch. Polen hier apf. Er sprach sich iffier seine Eindrücke einem Pressevertreter gegenüber wie folgt Lus: „3>ic Polen glauben, die Juden seien Feinde ihres Landes, und deshalb gibt es sür die Juden kein Gesetz „ und kein Gefühl der Billigkeit. Der Jude hat noch geringeren Wert als ein Hund. - Es wird geradezu als ein Gebot betrachtet, ihn zu drangsalieren. Gegen diesen, chronischen .Haß f«hlt das Heilmittel." Zionistische Rachrichte». Berlin. Professor Dr. Heinrich Loewe, Bibllo»' thekar an der Berliner Universität ist zum.Direktor der Jüd. Nationalbibli»th-ek in Jerusa.lenr» nni die er sich in seiner glühenden Palästinaliebe von. jeher, große Verdienste - erworben hat» ausersehoit worden. Fulda. Am .13. September sprach in einer von der zion. Jugendgruppe veranstalteten öffenil. Versammlung. Herr Hans Goslar aus Berlin über das Thema: „Verwirklichung des Zionismus". Der Redner betonte ' ■ ■ die Notwendigkeit eines.gemeinsamen Arbeitens .aller vo- - - sitiven jüdischen Elemente gegen die Assimllation. Än den Vortrag schloß sich eine Diskussion. Warschau- Das neue Zentralkomitee der Zionist. Organisation in Polen konstituierte sich wie folgt:' Vorsitzender Dr. Klnmel, Leiter des.Palästinaamtes Le-- - witc, des Kllturamtes Dr. Brande und Podliszewskr, des politischen Amtes Abg. Grünbaum, des Finanzamtes Dr. Klumel, des Organisations-Amtes O l s ck w a n a e r und H u r w i c z, des sozialökonomischen Amtes Mg. H artglaß, des Presse- und Verlags-Amtes -' -Dr. Gottlieb urü>^ozalkowicz, des Nationalsonds- Amtes M i n z. ' ' Die „Hazefira" soll in ein Tageblatt um- . - gewandelt werden. Dr. Jakob Klatzkin, bisher in der Schweiz, wiü ihr Redakteur werden. Bukarest Anfang dieses Monats fand hier eine Tagung der Zionisten Rumäniens statt. Das Präsidiuut bildeten: Bleicher, Dr. Nienrerower, Dr. Nacht, . . Schwarzwald und Bring. Aus der Misrachi-Beweguug. New f)otf. In einem Aufruf des Misrachi über die - Frage i.er indischen Erziehung heißt es: Wenn es uns gelingt, unsere Kinder zu rechten und - ftommen Juden zu erziehen, dann haben wir den Grnnd- - > stein für eine ruhmvolle jüdische Zukunft gelegt, — int anderen Falle ist die weitere Entwicklung des Judentums in Amerika aufs -schwerste bedroht. Um nun eine -. wahrhafte jüdische Erziehung in die Wirllichkeft Umsätzen zu können, Mufleil wir übe» geeignete, geschulte- L ehr kr äste verfügen. Ueber Lehrer und Erzieher, dick mit Energie Und Geschicklichkeit sich der Erziehung unser« Generation in echt jüdischein Geiste Mngebend widmen. Der Mangel von solchen Lehrern in Amerika ist im Augenblick der Gegenstand unserer lebhaftesten Sorge. Die Zeit ist gekommen, da die amerikanischen Juden diese Frage gründlich überlegen müssen. Bor allen Dingen ist es Aufgabe der Anhänger und Freunde des Misrachi, alle Bestrebungen^ die zum Ziel haben, das jüdische Volk innerlich zu festigen und zum Torab-Studium mehr und Mehr zu erziehen, kraftvoll zu unterstützen und darum auch das im vorigen Jalste gegründete Lehrerinstitut, das junge Leute im Talmud, jüdischer Geschichte, Literatur Und Pädagogik ausbildet, zu förvern. . . Aus der „Agudas Jisroel"-BewelMs. Frankfurt a. M. Die Jugendgruvpe beschloß ihre l Sommertätigkeit mit einer Mitgliederversammlung.. Zunächst erstattete Zahnarzt Ehrman» Bericht über >-*" die Halberstädter Tagung der Freien Vereinigung'. Dr. v . W. Hofmann über die des deutschen Gruppenverbandes ' - der A. I., Hugo Weingarten über die Sommertätigkcit der Jugendgruppe. Aus letzterem ist erwähnenswert^ daß. die bestehenden Schinrim und Kurse weitergeführt,' sowie einige neue eingerichtet wurde». Die Sammlung für . Pogromhilfe ergab 50141 Mk. Für!bie Jakob Rosenheim," ) Kolonie wurden 2510 Mk. gesammelt. — An den Bericht schloß lieft eine sehr rege Aussprache an. Dann berichtete Zahnarzt Ehrmann über die . Verhandlung der Jugendgruppe mit den Vereinen ,Me» kor Chojim und „Tiferes Bachnrim" behufs Schaffung - einer Arbeitsgemeinschaft, um eine weiter Zersplitterung! - der Kräfte der gesetzestreuen Jugend Frankfurts zu ver-j meiden. Die Verhandlungen find zu einem befriedigende»^ "£ i Abschluß gekommen. ' . »V Zum Schlüsse skizzierte Dr. W. Hofmann iwch tzem? Winterleyrplan. Neu geplant ist die Einrichtung % Heimabenden sowohl für Herren ,wie für Damen sowie von Ausspracheabenden über jüdische Weltanschauung. Eine Resolution, in der die baldige Einberufung eii«3^5 Delegiertentages der A. I. Jugendorganisation gefordert ' wird, fand einstimmige Annahme.