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Neue jüdische Presse · 1919-09-19 · Heft 37 (19.9.1919) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 37 (19.9.1919)
Date
1919-09-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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JteV. 37 Neue Jüdische?Kcesse. Seiten w TeSny Fischhaus IHleei» Teplitzky, Frankfurt am Main 45 Hananerlandstrasse'45 _ Täglich frische Zufuhren von Fluss-u. Seefischen Lieferungen frei Haus. Telefon: Römer 54l. 'ikfainttmndjitiitf mfdjlagcn lassen, die nach Schilderung der Lebensmittel- und Wohnungsnot und des Ärbeitsinangels folgende Verfügung "erläßt:' „Heber Weisung des deutschösterreichischen Sraat'saiiites für Inneres und Unterricht, welches von Der Staatsregierung mit der Durchführung dieser Aktion betraut wurde, werden hiermit alle ehemaligen Angehörigen der österreichisch-ungarischen' Monarchie, welche nicht ln einer Gemeinde Deutschösterreichs heimatsbercchtigt sind, sofern sie sich nicht bereits vor dem 1. August 1914 in Deutschösterreich dauernd aufgehaiten haben, aufgefordert, sich bis 20. Sepiemheraus dem deutschösterreichischen Staatsgebiet zu entfernen. l Gegen Personen, welche bis zu diesem Tage der Aufforderung nicht Folge. geleistet haben, wird nnnachsichtlich mit der Abschaffung im Sinne des Gesetzes vom 27. Jiili 1871, R.-G.-Bl. Nr. 88, vorgegangen werden.': Ausnahmsweise kann einMnen Personen, oeren Aufenthalt in Deutschösterreich im öffentlichen .Interesse gelegen ist oder welche seit längerer Zeit in Deutschöstcrreich in einer dauernden Arbeitsstellung sind oder bei welchen ganz besonders berücksichtigungswürdige Unistände, wie namentlich schwere Krankheit, vorliegen, über schriftliches Ansuchen von der politischen Behörde, beziehungsweise von der staatlichen Polizeibehörde ihres Aufenthaltsortes der Aufenthalt für die Tauer des unbedingten Bedarfes gestattet werden. Wien, i). September 1919. Sever, Landeshauptmann."! ES handelt sich um rund 100,000 Personen, von denen etwa der vierte Teil die Ausnahmcbedingungen erfüllen und von der Ausweisung verschont bleiben dürste. Wenn auch die Notlage des Landes eine sehr große ist, so ist dennoch die Verfügung unoerständlich und nur als eine Verbeugung der sozialdemokratischen Machthaber vor der antisemitischen Gesinnung der Gasse zu werte», denn die Verfügung lviderspricht den Bestimmungen des Friedensvcrtragcs und die Zahl der von ihr Betroffenen spielt im Verhältnis Kr der Gesamtbevölkerung keine Rolle, sodaß also ihre drakonische Strenge gegen ehemalige Volksgenossen auffällt und nur darin eine leichte Erklärung findet, daß diese ehemaligen Volksgenossen zufällig meist galizische Juden sind. Die Polnische Gcsandtschast in Wien — Polen schützt nur im eigenen Lande seine Juden nicht — hat bereits gegen die Änsweisungsverfügung protestiert. Auch der Jüdische Nationalrat wendet seinen' ganzen Einfluß gegen die Aussührung der Verfügmrg aus. . i Vom jüdische« Rationalfouds. , Ueter eine Reihe von gelungenen Veranstaltungen der letzten Zeit zu Gunsten des Jüd. Nationalfonds wird berichtet: Im Mai fand in I e r u s a l e m ein C h a g » H aschiholet sAehrenfests statt, das sich zu einer imposanten nationalen Kiindgebung der Jerusalemer Juden gestaltete. Die ^Schulen waren an diesem Tage geschlossen, und iste Schulkinder stellten sich in den Dienst der Sammelarbeit für den J.N.F-. In allen Straßen der Altmiib Neustadt wurden Blumen zugunsten des I. N. F. oer kaust. Mitglieder der. indischen Legion sorgten für die Ausrechterlialtung der Ordnung auf den Straßen und in dep Versammlungen. Auch in J a s s a und anderen Städten Palästinas sollen demnächst Blnmentage veranstaltet werden. Heber dic Palästinawoche in Deutschland, deren Endergebnis >ea. Mk. 200000.—) nunmehr vorliegt, wurde bereits berichtet. Ebenso über den Blumentag in Amerika, der die stattliche Summe von 40000.— Dollar eingebracht hat. In Ll r g e n t i n i e n wurde im Monat Juni eine Palästinawoche ungehalten, als deren Ergebnis bisher 80000.— Frs. abgeführt wurden. Die Veranstaltung war auch ein großer moralischer Erfolg/ denn auch die poale-zionistischen Arbeiter sowie nichtzionistische Vereine And jüdische Gemeinden hatte» sich in den Dienst der Sammelarbeit gestellt. Die „Jüdische Welt", das Zionistische Zentralorgan, von Argentinien, gab eine 'reichillustrierte «ondernummer heraus, die ausschließlich dem J.N.F.. gewidmet war. - Eine» großen Erfolg darf inan auch von per im Atvnat Elul in Polen stattfindenden Nationatsondswoche erwarten. Neben besonderen Sammlungen in allen jüdischen Zentren -Polens soll dieNatwNalfoiidswoche zum Anlaß genommen werden, die N.F.-Tätigkeit in Polen am eine breitere Grundlage zu stellen.!— lieber den Blumentag in Wilna ' berichten die dortigen Zeitungen,, daß derselbe eine der großartigsten Kundgebungen der Wilnaer Judenheit gewesen ist. Im Monat Juni haben in allen Städten Hollands Blnmentage zugunsten des J.N.F. stattgefunden. In nächster - Zeit finden in verschiedenen Ländern Veranstaltungen statt, die, gleichfalls zum Besten. des I. N.F. abgehalten werden. Wir erwähnen n. a. eine Palästinawoche, die während der Snkkoth-Tage, in der Tschecho-Slovakischen Republik : stattfinden wird. Die Nationalsonds-Sammelstelle in Straßbnrg trifft Vorbereitungen, um anläßlich des Bekanntwerdens der jüdischen Rechte in Palästina eine Aktion sür den J. N.F. in allen Gemeinden Elsaß-Lothringens dnrchzuführen. Während der Channkahtage dieses Jahres sollen in der 'ganzen Welt Palästinawochen im großen Stile abgehalten werden,' deren Ergebnis der R o r d a u - G a r t e ii st a d t .zufließen soll. Mitteldeutsche Creditbank Depositenkasse u. Wechselstube Hanauerlandatrasse I befasst sich mit allen bankmässigen Geschäften Deutsches Reich. Rabbinerverband in Deutschland. Der Rabbiner-Verband in Deutschland hat an alle G c m einden , welche Rabbiner anstelle», das nachfolgende Rundschreiben gerichtet: „Durch die traurige Wendung, die in den. Geschicken unseres deutschen Vaterlandes eingetreten ist, ist auch die Stellung zahlreicher M a b b i n e t in den L a n d c s i ei l e n, die nach den Friedensbedingnngen von Deutschland losgelöst werden sollen, ernstlich bedroh t. Eine nicht geringe Anzahl der in diesen LandeSteklen gelegenen Gemeinden wird durch den Fortzug der steuerkräftigsten Mitglieder überhaupt nicht inehr in der Lage sein/ einen Rabbiner halten zu können, andere ^werden in ihrer Stenerkraft so geschwächt werden, daß sie ihren Rabbiner nicht in der bisherigenWeise werden besolden können. Manchen Rabbinern wird auch das Verbleiben in ihrem Anite unmöglich gemacht werden, weil sie durch ihre deutsch-patriotische Haltung während der Kriegszeit ihre Stellung der neuen Regierung gegenüvcr gefährdet haben. Wir richten deshalb an die verehelichen Vorstände der Svnagogengenieinden in.Deutschland die dringende Bitte, bei der Wiederbesetznng der in ihnen zur Erledigung gelangenden Rabbinerstellen diese ohne ihre Schuld in ihrer Existenz bedrohten Rabbiner in erster Reihe berücksichtigen zu wollen. Wir' betrachten das als eine Ehrenpflicht der Gemeinden, der sie sich, wie wir zuversichtlich hoffen,, nicht entziehen werden. . Der geschäftsführende Vorstand -es Rabbinerverbandes in Deutschland Guttniaiin-Breslau, Nobel-Frankfurt a. Nt., Seligmann- Frankfurt a. M., Bluineiithal-Berlin, Rosenthal-Cöln, Kopsstein-Beuthen O./S. Scheidemann über den Antisemitismus. S ch e i d e m a n n hat zum ersten Male seit seinem Rücktritt als Ministerpräsident eine politische Rede' gehalten. Er sprach in seiner Vaterstadt Kassel im Freien vor etwa 10000 Personen. In der Rede äußerte er sich über den Antisemitismus wie folgt: „In den Kasernen wird nicht nur offen monarchistische Propaganda getrieben, sondern es wird auch in Judenhehe gemacht und Pogrom st im mung erzeugt. Der Antiiemitismus war allezeit das beqncmste Mitiel für reaktionäre Zwecke. Die reaktionären Drahtzieher werden heute, wie sie es früher getan haben, nicht sage», daß sie das Volk entrechten, die Monarchie, wieder einführen wollen, sie werden aus die Inden schiiHifen, die Vergehen einzelner verallgemeinern und dann mit den aus "Sie antisemitische Leimrute gegangenen Anhängern ihre reaktionären Pläne zu verwirklichen suchen. Hier in Hessen haben wir es doch, 'zur Genüge erlebt, wie demagogisch der Antisemitismus zu arbeiten pflegt. Ich habe nahezu 20 Jahre meines Lebens in scharfem Kampfe gegen den Antisemitismus gestanden. Ick kenne also die Gefahren. Hier heißt es: Widerstehe den Anfängen." Schnarr Zedek-Krankenhaus. Das Al!g. Jüd. Krankenhaus „Schaare Zedet" zu Jerusalem, dessen Berwaltungssitz rji Frankfurt ist, und dessen Leitung in Jerusalem gleichfalls bewährten deutschen Hände» anvertraut ist, fordert anläßlich dcsJahres'. ui cchsels zu Spenden auf. ES ist bekannt, welch große Ausgabe!, diese erstklassige Anstalt in Palästina er- Conditorei und Cafe Wilhelm Wendel Alte Gasse 6. Neu renoviert uqd vergrößert. Eis. Ifornehmes Variete-Kabarett. und Ballhaus. ga 55 e75-75. füllt, und es oarf daher die Erwartung ausgesprochen werden, daß weite Kreise der.deutschen Judenheit ihren bewährten Opsersinn betätigen. Man sende seine Spenden an das Postscheckkonto 7785 Frankfurt a. M. für das 4tllg. Jüd. Krankenhaus „Schaare Zedek" zu Jerusalem in Frankstirt a. M. Deutsch-Oesterreich. Die anttsemttische Propaganda. Dir Regier u n g beobachtet mit Aufmerksamkeit die antiieinitische Propaganda, da sic weiß, daß hinter ihr eine wohlvvrbereitete monarchistische Agitation steckt. Die Antisemiten wollen jeden Abend kleine Versammlungen veranstalten, der dann Straßenkrawalle folgen sollen. Pole«. Zur Frage der Sabbatruhe. * Im Warschauer Magistrat hatte ini Mai Stadt». Wolsowitsch und Genossen beantragt, daß die jüdischen Läden, welche am Sonnabend geschlossen sind, am Sonntag offen sein dürfen. Auf Beschluß des Magistrats wurde dieser Antrag der Abteilung sü-r Handel überwiesen. Diese Abteilung hat nun ihr Gutachten dahin abgegeben, daß die Ileberlieferuiig und das Gesetz in Polen als Ruhetag den Sonntag anerkennen uud auch in den Ländern West- „ curovas und in Amerika der Ruhetag Sonntag ist. Mk; Grund dieses Urteils hat der Magistrat in seiner Sitzung ani 2. September beschlossen, den Antrag Wolsowitsch abzulehnen. Kurze politische Rachrichte». Warschau) Die Jahreskouferenz der Zionist.. Organisation in Polen faßte eine politische Erklärung, die die Anteilnahme an den Interessen Polens betont, sich gegen die antisemitische Politik wendet und gemäß dem Friedensvertrag auf Grund eines demokratischen Wahlrechts eine einheitliche Gemeindeorganisatioir mit einem zentralen Hauptorgan an der Spitze für die jüdischen Gemeinden Polens fordert. Warschau. Nach einer Meldung des , Jüd. Volk" über» wies die polnische Lignidati» ns kom Mission in Paris der hiesigen Regierung einen' Fonds zur Vergütung der Schäden, welche das. fremde Militär während des Krieges an Gebäuden der jüdischen. G t mciiibe n anrichtete. Während der Requirierung von Maschine» und Waren bei Jehsoschua Friedmanii iu Pinsk wurde dejseu I7jäbrioer Sohn wegen einer Bemerkung in bezug aut die Rcquirieruna ianf der Stelle erschossen. Paris.. Die Morg enthau-Kommissiou ist aus Polen, wo sie zwei Monate weilte, nach hier tzurückgekehrt. Land»». Der Führer der englischen Kommission zur Ilntersuchung der Pogrome in Polen, Sir Stuart Samuel, hatte vor seiner Abreise von London nach Paris eine Unterredung mit jüdischen Journalisten. Er habe» erklärte er ihnen, noch keine genauen Instruktionen bezüglich der Richtung seiner Tätigkeit in Polen. Diese werde er sich ir. Paris bei Balsour Holen. Dort werde er auch zu P a d e r e w s k i Beziehungen anknüpfen. Als die Grundlage zur Lösung der Judenfrage in Polen betrachtete er den § 03 des Friedensv^rtrages und die Klauseln hinsichtlich' des Minoritätenschutzes. Perso«atte« «. HeUte Mitteilrmge». Berlin Die erst im Mat eröffnete Vorschule d er Sy nagogengem einde Adaß-Jisroel hat eine» so starken Besuch, daß die Verwaltung beschloß, der bereits bestehenden dritten und zweiten Vorschulklasse noch sine dritte Anfängerklasse anzugliedern, in welche zum Herbst Kinder, imd» ii rückgelegtem sechsten Lebensjahr aufgeiwinmen werden sollen, falls genügend Annieldungen eingehen. Diese neuzueröffiiende Klasse erhält Zeinen Unterricht nach besonderem Plan, durch den ermöglicht, werde»., soll, daß die Zöglinge das Zwischeiijahrspensum der 3.. und 2. Vorschulklasse in .Jahre erledigen und demnach zum Olpril 1921 das Ziel der 1. Vorschulklasse erreichen werden. ‘ Berlin. Die Reichswehrvefehlstelle Preußen hat an iämtliche Generalkommandos verfügt, daß den! ü d i s ch - r n s s i s ch e n K r i e g s.g c f a n g ene w vom 2i und 2>>. September, 4,0, 10., 16. UNO 17. Lktover Arbeitsbefreiung und Besuch des Gottesdienstes zu ge-, währen ist. Berlin. Der Verband der Ostjuden tu Deutschland ist bereit, in Deutschland lebenden Ostjuden zu helfen, ihre Beziehungen mit ihren in Amerika sich anihaltenden Angehörigen wieder auszunehmen. Wlstnnft wird im Büro des Verbandes, Berlin N., Hermannstraße 29 zwischen 11 und 1 Uhr vormittags erteilt. Würzburg. Die hiesige israelitische Gemeinde und die Distriktsgemeindeii haben sich nunmehr dahiix geeinigt, das durch den Tod Rabbiners Bamberger s. Asreige-

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