Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 36 (12.9.1919)
- Date
- 1919-09-12
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Neue Jüdische Presse. - Lazarus Posen Wwe. SEIbepsohmI.de - jetzt Kabarctram £3. Bestecke, Jnbilänmsgeschenke. Grosses Lager in Kultusgegenst&nden füi Synagogennnd Hausgebrauch. Dollar für Sanitätswesen gespendet. Damit erreichen Schiffs Spenden für die zionistische Institutionen in Palästina Yb 000 Dollar. Ans Der Misrachi-Beweguug. Zürich Durch eine wertwolle Schenkung wurde eS der „Jung-Misrachi"-Schüler gruppe ermöglicht, eine Bibliothek zu grüntzpn. Ws auf Len Namen „Moses den Wbraham Trilling s. A." lautende Stiftung wurde nämlich der Gruppe Lurch Herrn N. A. Trilling (Zürich) «ne große Sammlung hebräischer und' deutscher Bücher gespendet. Das meiste von dem, was die moderne Literatur des Judentums an für die Jugend geeigneten Werken aufweisen kann, ist iu dieser Sammlung vertreten. 4 Aus Der „AguDas Jisroel"-Bewegrmg. Zürich. Jrfl Agudoh-Aerlag ..Arzenu" erschien: Bom. Freigeist zum Gläubigen von Dr. Nathan Birnbaum und wird erscheinen: .Beiträge zur Orientierung in der Mischen Geisteswell" von Jakob Rosenheim. Dr. Nathan Birnbaum tzat sich im Aufträge der Agudas JiSroel nach Litauen begeben. — R«chb. Dr. Lew enstein-Zürich, Mitglied der politischen Kommission der Agudah, hatte in Paris Besprechungen mll Nahum So ko low als Vertreter der zionistischen Organisation. (I. P. Z.) PersouRlte» «. kleiue Vitttteiluuge». Berlin. Die Jüdische Gemeinde bewüligte "Ttem Verein zur Förderung der Bodenkultur unter den deutschen Juden 3602 Mk. . und stellte ihm Ms dem Freihof Weißens« 10—12 Morgen für die geplante Gärtnereilehranstalt zur Derfiigung. Für den gleichen Zweck hat der. Deutsch- Jsr Gemeindebund auf seiner Arbeiterkolonie in Weißensee Räume zur Verfügung gestellt. Die Mischen Angäegenheiten unterstehen fortan nicht «ehr dem Ministerium -des Innern, sondern dem Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung. Rabb. Tr. Munk (orth.) und Justizrat Lilienthal (lib.) sind lass Sachverständige für diese Abteilungen des Ministeriums bestellt worden. Stuttgart Professor Rabbiner Dr. Drtbur Rosenzweig auS Müßig ist hier zum 2. Rabbiner gewählt worden. Zeckeudarf b. Bamberg. Die hiesige jüdische Gemeinde hat einen schweren Verlust erlitten. Im Wter von 69 Jahren wurde Isaak Werst, umgeben von allen Mitglieberu seiner Gemeinde, deren Vorstand und treuer Führer er -so viele Jahre lang war, in die ewige Heimat abberufen, und heute wurde unter imposanter Beteiligung seine irdische Hülle der Ecke zurücktzegeben. Der Verblichene Hing treu an allen Ginrichtungen unserer Religion, gewissenhaft erfüllte er die göttlichen Gebote und zeichnet» sich besonders durch keine WoMätigkeit auS. Sein Bestreben war stets darauf gerichtet, überall zu trösten und zu helfen, wo man immer feine Hilfe «und seines Trostes bedurfte. C. St. in L Hamburg. Im Jahre ISIS wurden hier 102 rein jüdische und 75 jüdisch-christliche Ehen eingeganaen. Kopenhagen. Dr. MoseS Friedig er-Oderberg ist zum Oberrabbiner von Kopenhagen gewählt worden. Warschau. Jacob Dinesohn, einer der beliebtesten jüdischen Schriftsteller uM> Gründer der „®tne* sohnschulen", die Tausende armer jüdischer Kinder mit Unterricht, Kleidung und Nahrung versorgen, ist im Alter von '63 Jahren gestorben. Tinesohns beste Werke sind: Der schwarze Jungermantschik (1877), Ewen Reges (1890), Herschele (1894) und Jufele (1899). Wilma. Einen schweren Kampf hatt hier dteOrthod'oxie für die Erhaltung der religiösen Institutionen zu führen. (Sin von den Zionisten unterstützter Vorschlag Rabbiners Grvdsenski, in der Gemeindeverwaltung 13 560 Mk. ,für verschiedene Jeschiwos in den Etat einzustellen, wurde nach heftigem Protest des Bundes, der auf dem Standpunkte steht, baß Unterstützung der Thorajünger eine „Privatangelegenhell der Frommen" sei, mit mir 34 von 68 Stimmen angenommen. i ' I Jerusalem. Rabbiner fiu! ist hier zum Oberrabbiner der Aschkenasim (gewählt worden. Er befindet sich bereits hier. Condftorei und Cafd Wilhelm Wendel Alte Gasse 6. STen renoviert und vergrößert. IV Eis« *W8 Frankfurter Berichte. Justizrat Dr. verthold vaer. Im Aller von 82 Jahren verstarb am 5. September der Syndikus der Frankfurter Israelit. Gemeinde, Justizrat Baer, nachdem eS ihm vierzehn Tage vor fernem Tod vergönnt gewesen war, im Schwarzwald, wo er Erholung suchte, das' Fest der silbernen Hochzeit zu 'feiern. Mll ihm fink ein Stück Geschichte der JsraÄit. Gemeiicke inS- Grab, deren Geschäfte er in 36 an Mühe und Sorgen reichen Jahren als erster' Beamter mit) Musterhafter Hingabe geführt hat. Ich allen Zweiges dieser vielfältigen Verwaltung, die der einer kleinen Stabt gleichkommt, war er zulpuse, jeder Beschluß der Gemeindeverwaltung war von ihm vorbereitet, fast jeder Brief von ihm diktiert, alle mündlichen Verhandlungen Kaffee Kaisergarten am Opernplatx Erstklassiges JPamillen-Kaffe e Täglich von 4 Uhr ah; Künstler - Konzert. Nr. 36. Arbadla’ii Kflnatleraplele - ' •" ' ouä Arkadia-Olele h KaiBerstrauae 69. Telefon: llänaa 8518. ■ Pie .raten Kllastlereplele am Platze. M von ihm geführt. Es ist'schwer, zu ermessen, welcho Unsumme von Arbeit auf den Schultern bt8 Verstorbenen lastete, und sein großer Über das Grab hinaus bauernder Ruhm wird es bleiben, daß ihm keine Arbeit zuviel war, haß er immer mit!der gleichen Selbstverständlichkeit und Sachlichkeit an jede große und kleine Aufgabe heranging, bis die Krankhell ihn zur Rühe zwang. Unter seiner Mitarbeit an leitender Stelle wurdchr in diesen 86 Jahren viele bedeutsame Einrichtungen geschaffen, wovon nur die Friedhofsanlage, der Neubau des Pbilanthrvpins, der Westendsynagoge und des Krankenhauses erwähnt seien. Aber iauch die großen, geistigen Auseinandersetzungen innerhalb der Gemevide Erche der 70er Jahre, um 1900 urch zur Zeit des' Richtlinicnstreites stellten große Anforderungen an seine Umsicht und Tatkraft, und seinen hervorragenden Eigenschaften ist es Mll zw danken, wenn die Gemeinde heute nßJ ein sicherer Hort die beiden großen Richtungen des rckigiösen Judentums umschließt. Sv war Dr. Baer im Großen wie im Kleinen ein Vorbild der unermüdlichsten Pflichterfüllung. Seim Erfolge und das unbegrenzte Vertrauen, das er genoßt verdankte er daneben in erster Linie seinem nie.versagenden Taktgefühl, »der Unbestechlichkeit! seiner Gesinnung, der Reinheit und Treue seines GemMeS. Seim Güte war sprichwörtlich, den zahlreichen Beamten und Angestellten der Gemeinde war er ein väterlicher Freund und Berater, und wieviel ftemdes Leid er gelindert hat, wird nie .'btfannt werden. Ein warmherziger Jude, ein guter Mensch ist in ihm von uns gegangen. — Bei der Beerdigung, die am ALontag unter großer Beteiligung pattfand, sprachen Justizrat Dr. Blau für den Gemeindevorstand, Rabbiner Dr. Gel'igmann für die Gemeindeverwaltung, 'Rabbiner Dr. Salzberger für die Hinterbliebene», Rabbiner. Dr. Lazarus für die Frankfuktloge und die Sichelstiftung, Dr. Oppenheimer für den Verein der Rechtsanwälte, Edmund Gans für die Loge zur aufgehenden Morgenröte und ein Vertreter der Großloge. M. Frankfurter Veranstaltungen. Mvntefiorc: Samstag, 11 jllhr: Schinr Dr. May); 43A Uhr: Gemütliches Zusammensein der jugendlichen Gruppe: 5>/» Uhr: Rab. Dr. Horovitz (Gemüll. Zusammenseini; Sonntag. Ausflug. 7 Uhr: Schauspielhaus, „Fahrt ins Blaue" (Abkochen); Montag, 8 Uhr: Heim- und Liederabend der Wandergruppe: 8% Uhr: Schmr (Dr. Friedmann); Mlltwoch, 81/2 Uhr: Vortrag, Rab. Tr. Nobel. (Die Bedeutung des Rosch haschono u»ck Jom Kippur. — Mekor Chajim, Samstag, 41/» Uhr: Mikro (Lehrer Piueas); Sonntag, 61/2 Uhr: Piutim (Dr. Jos. Breuer). — Talmud-Thora-Bcrei n, Hörsaal Gemeindesynagoge Börneplatz: 'Samstag vorm, imch Schluss des Gottesdienstes: Schulchan Aruch (Dr. Friedmann>: 33/i Uhr: 'Raschi (Lipinsky); Sonntag, nach Schluß des Mvrgengottesdienstes: Mischnah (Dr. Fricdmann), 9 Ubr vorm.: Schulchan Aruch (Lipinsky); Montag, 81/» Uhr abends: Josuah (Unna]); Dienstag, Kl/« (Uhr abends: Chauwaus ha' Lewowaus (Trr. Braun); Mittwoch, nach Schluß des Morgengottcsdienstes: Mschnah (Dr. Fischke Der Krumme iu ODrffa. (Fortsetzung.) Jontel erzählt mir von dem Ansehen, daS er m Odeffa genießt. Alle Leute schauen mit Vergnügen zu. wie er auf feimm Gesäß herumrutscht. In vielen Stauf- * lüften ist er gut bekannt und kriegt soviel Almosen, daß er sich gar nicht beklLgen kann. Es geht chm. unberufen, recht gut. Und als ich mich nach seiner Frau «kündigte, antwortete er mll einem Lächeln: , «fön nettes Weib habe ich in Glupsk bebommen, ' Gott sei es gellagt! Was..kann man auch von einem CholeraWeib Gut^ erwarten? Ach, wäre sie doch an der Cholera gestorben, noch ehe ich sie geheiratet habe! Es fehlt chr Mar die Unterlippe und doch geht daS Mundwerk vorzüglich: sie schrell und schimpft und mahlt wie eine Mühle, viel besser als andere, .die Mei Lippen haben." Gegen ein böses Weib — denke ich mir — gibt es kein Mittel: ist sie eine Hdxe, so schreit sie, auch wenn ihr beide Lippen fehlen, mich wenn sie keinen Mund und keine Nase hat; und sie fällt Wer dich her, auch wenn sie blind ist... — Und ich erzähle Jontel 1 1urj alles, was ich in der letzten Zeit von Meinem 23ei6c <Eu£ftuftefieit batte. .MrrwV sagte Jontel: „Mach eS doch ebenso wie ich: spuk aus dein Weib, soll sie sich zum Teufel scheren!" ,MaS heißt, spuck aus dein Weib, Jontel? Wie kann ich sie ohne Scheidung so einfach, zum Teufel schicken? Ich bin doch ein Jude und will wieder heiraten." „Sv, hellaten!' sagt Jontel mll einem Lächeln: »Bist 'ein echter Glupsker, so' wahr ich lebe! Bleib doch eine Zeitlanp bei uns in Odessa, Fischke, dann weiden wll schon sehen . . .." Nach dieser Begegnung kam ich oft mit Jontel zusammen, und wll spazierten durch Odessa —er auf seinem Gesäß und ich auf meinen lahmen Beinen: Jontel gab sich c die größte Mühe, mll sein Odessa in den schönsten Farben, ouszumalen. Er prahlte mll den schöne» Straßen, - Häusern und sonstigen Dingen, als ob das alles ihm gehörte' tnä> er nid davon Fälle. So oft er mll etwas zeigte, blickt er mich mit strahlendem Gesicht an und schmachtete, wie wenn die schöne Straße oder das schön» Haus ihm einen größeren Wert in meinen Augen verliehen. Er stieß mich immer in die Aeite and sprach dabei: „Nun »Fischke! Ist doch eine schöne Stadt, Odessa? Gibt es vielleicht auch in deinem Glupsk solche Dinge?" ,Hör mich au, Jontel!" sagte ich ihm einmal, als er wir einen großen Boulevard zeigte, der voller Menschen war, dem er Wer, wie ich merkte, nicht gern nahe kommen/wollte: ,Lör, was ich dll sagen werde: Odessa ''ist wirllich eine schöne Stadt, aber schade, daß es hier keine Mensche» gibt! . . . Kann man denn die hiesigen Leute Menschen nennen? Kleiden sie sich beim wie Menschen, leben sie wie Menschen? Schau nur, wie dort auf dem Boulevard Mannsbilder mit Weibsbildern gearmt gehen. Es ist doch eine Schande! Rasierte Männer, verheiratete Frauen mll eigenen Haaren; hinten schleppen sie ein Stück Kleid nach und vorne ist die ganze Brust offen- . Pfui, ekelhast, so wahr ich lebe! . . . Wenn es hier unsere Inden, Glupsker Juden gäbe, dann siehst da, dann wäre Odessa eine Stadt und hätte ein schönes, jüdisches Aussehen, so wie eS sich gehört." Jontel rutscht schweigend -an meiner Solle weiter; offenbar weiß er nicht, was zu antworten. Unterwegs begegnen wir einigen feinen Herren» die wie Franzüsen mischen. Jotel streckt die Hand aus, einer von den Herren bleibr stehen, läßt sich mll ihm in ein Gespräch ein und gibt ihm ein Almosen. ' .Bllißt du. Fischke,'wer bas eben war?" stagt Jontel sehr stolz und freudestrahlend: „Der mir eben das Almosen gab, ist der Ober-Melamed der hiesigen Talmud- Thora mein guter Bekannter! Der sieht schon nach was aus, was meinst du, Fischke?" „Solcki ein Jahr mögen alle meine Feinde - erleben!" antworte ich ihm Und spucke aus. »Bach diesem schönen Melamed kann ich schließen, was für eine schöne Talmud-Thora Ihr hier wohl habt. Ich frage dich, Jontel, nur das eine: wie schämst du dick nicht, zu sagen, daß solches gut ist? Nein, du bist hier schon verdorben, Jontel! Brst mich einer,, wie sie alle ... Das soll ein Melamed sein! Ein ebensolcher Melamed .wie der Melamed von unserer Talmut-Thora, Reb Herzele Masik hat den ganzen Tag zu tun und macht sein- Sache gut. Bei jeder Beerdigung ist er dabei, er vermlltelt Partien, liest auf dem Friedhöfe Psalmen,, und lernt Mr;ch)najes. Alles m«uht er. 38enn er, wio .es Sitte ist, jede Woche durch die Stadt geht, um Spenden cinzusammcln. laufen ihm die Leute mit dem Gelbe entgegen und wenn er zu Ssimchas-Tejro mit den Talmud- Thira-Jungen zu den reichen Leuten geht, um ein Mi- «vchebejrack auszubringen, so wird er in jedem Hause mit dem Kiddusch beehrt und bekommt Wein nach Herzenslust. Ja. das sieht nach was aus! Und was kann dein Franzos? Wie sieht er wohl aus, wenn so ein Kerl Psalmen liest oder einen Mi-Sckiebejrach ansbringt? Wenn er Kiddusch macht odek zu einer Beerdigung geht?" ,/^u irrst aber gewaltig, Fischke!" unterbrach mich Jontel. Dieser gibt sich niemals mit solchen Dingen ab! Er hat überhaupt nichts zu tun." „25a5 heißt, er gibt sich mit solchen Dingen nicht ab?!" fragte ich erstaunt: ,Mie ist es möglich, daß ein - Talmud-Thora-Melamed damit nichts zu tun hat?.! Daß er kein Mi-Schebejrach bei den Reichen ausbringt, daß er idle feinen Leute nicht ins Grab bringt?!" „Beruhige dich, Fischke," unterbricht mich. Jontel: „Er bringt sie wohl ins Grab, aber auf eine -andere Manier. Hab keine Angst, die seinen Leute sind schon zufrieden ..." > „Pfui!" schrei ich auf Und halle mir die Ohren zu, um nicht mehr zu hören. Jontel läßt mich ober nicht in Ruhe und fährt fort: ,Fl»d weißt du, wer der andere war, der mll dem Melamed ging? Ein angesehener, feiner Mensch, hat in Gemenidedingen viel zu sagen, wie bei Euch in Glupsk Ahren-Josscl Stillpieiser." -,Psui, Pfui!" rufe ich so erregt, daß die Vorbeigehenden sich ümsehen: »Mo einen Kerl nennst du einen feinen Menschen?! Wie uyser Red Ahren-Jossel?! Wenn du wenigstens „er sei von' ihm wohl unterschieden" gesagt hättest! Reb Ahren-Jossel ist ein Mann mit Bart und Pejes. die Jüdischkell steht ihm im' Gesicht geschrieben. und er bat jüdisches Geld in Händen: Gemeindegelder, Bereinsgelder und noch chndere und' andere Gelder, — man verllaut ihm alles. Wenn er das Gield nimmd UM