Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1919-09-12 · Heft 36 (12.9.1919) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 36 (12.9.1919)
Date
1919-09-12
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2692297-2693126-2693162--10863-2706245
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 2. ia&otaten. Haokfeia« Seine Enavstoffe. 400 Üark nnd^Eoher, gediegene Ware, schöne Farben. Tfenden - Umarbeiten - instandsetzen - Anfbfigeln. Ich .garantiere für fehlerfreie -eratklaaaige AnBfflhnxng. WV 'Lieferzeit nach Wonach. Allerheiligen- Telefon Strasse 44. W4IPI Hansa4942. 1. Bericht Wer das Komitee der jüdischen Delegationen und das Memorandum des Komitees. 2. den Bericht des Herrn Motzkin auf der Londoner Konferenz Lber die Stellungnahme der Zionisten zur. Frage der nationalen Rechte, und Resolutionen der Konferenz, 3. die Erklärungen Louis Marshalls über die Bedeutung der »Begriffe« nationale Rechte und Vertretung der Minderheiten, -4. eine englische Meinungsäußerung (eine Rede von Claude Montefiore),' » 5. eine deutsche Meinungsäußerung (Artikel von Paul Nathan über die 'Gründe seiner Opposition gegendie Forderungen nationaler Autonomie); x) in der zionistischen Frage' nach der allgemeinen llrbersicht, 1. die Dellaration von Balfour und die Erwähnung der sickeren Regierungserklärungm, 2. der Zionismus vor der Friedenskonferenz (Empfang von Sokolow und Weizmann durch den Zehnerrat am 27. Februar und Bericht Wetzmanns in London Wer den Empfang), 3. der.Zionisums in England ^Allgemeine Urbersicht; Erwähnung der Petition an die Friedenskonferenz, unterzeichnet von 77,000 Personen, darunter 200 Christen; die bekannte Darstellung, der Liga der britischen Juden, sowie das Manifest und die Haltung des Conjoint Foreign Committee), 4. der Zionismus m den Bereinigten Staaten (Allgemeine llebersicht, Resolutionen des American Jewish Committee und des jüdischen Kongresses und das von Zastrow, Julius Kahn usw. an'Wilson gerichtete antizionistische Memorandum). . Eine Erklärung -er Manische« Regier»«-. Dem Kopenhag. -Zion. Bureau wird aus Paris telegraphiert: Die Litauische Delegation bei der Friedenskonferenz übermittelte im Namen ihrer Regierung dem „Komitee der Jüdischen Delegationen" eine Erllärung über die jüdischen Rechte in Litauen folgenden Inhaltes: Vollständige bürgerliche, politische und nationale Gleichberechtigung. Teilnahme an der Regierung und an den Rechts-, Institutionen. Eigenes Ministerium für jüdische Angelegenheiten. Proportionelle Vertretung in den gesetzgebenden Institutionen durch -Errichtung einer nationalen Kurie oder auf andere angemessene Weise. Freier Gebrauch der jüdischen Sprache, auch bei Gerichten und Regierungsinstitutionen. Die Erlernung der litauischen Spräche ist in allen jüdischen Schulen obligatorisch. Keine Beschränkungen bezüglich der Ruhe am Sabbckt und an Festtagen. Die Rabbiner nehmen dieselbe juridische Stellung wie diö Geistlichen der übrigen Konfusionen rin. Autonomie in inneren jüdischen Angelegenheiten, wie Meligion, Wohltätigkeit, soziale Hilfe, Unterricht, geistige Kultur im allgemeinen. Die Organe der Mische» Autonomie find die lokalen Gemeinden und der Grmeindeverband. ' Der Unterricht in den jMschen Elementarschulen ist für Knaben und Mädchen obligatorisch und unentgeltlich, wenn die gleichen Verpflichtungen den anderen Elementarschulen durch Gesetz aufgelegt werden. Me Organe der Mischen nationalen Autonomie -werden nach dem Beispiel der territorialen Autonomie als Regierungsorgane betrachtet.' Sie sind ermächtigt, zur Deckung ihrer Ausgaben den Juden besondere Steuern auszuerlegen. Die jMschen Gemeinden und der Gemeindeverband genießen die Mähte einer juridischen Person. Sie werden- Staats-Subsidien beziehen, wenn solche Subsidien ähnlichen-Organen der. übrigen Nationalitäten.zugebilligt werde». Die Höhe der ^Subsidien wird proportionell festgesetzt. tflfeuc JMsche Dresse. HpHMVUMMN»««- t« Wk«g., P«ag, 4. September. Hier wird offensichtliche, Pogrvm propagand« gegen die -Dewtschien: uwb die Juden getrieben. Auf den verschiedenen Plätzen der Stadt sieht man Jrredenteure, die Hetzreden . halten. Schweizer Bürgern wurden Soömten zu ihrem Schutz zugestellt. Es handelt sich um ein Vorgehen der tschechischen Chauvinisten und Her Klerikalen gegen die deutschfreundliche Negierung iTusar, die einen Nationalitätenausgleich schaffen -will. Auch aus B-rü-nn, -Land enberg und anderen Plätzen wird Agitation'gegen fdie Juden gemeldet, die schon mehrfach zu „Taten" 'führte. Der Mische Akademiker «»d seine Pflichten. Von -Paul Arnsberg, «and jnr. Die jüdisch-nationale Jugendbewegung Deutschlands, die neben-der mächtig emporblühenoen jüdischen Turnerscyait die Wanderbünve des Blau-Weiß iuiö den Herzl- Bund umfaßt, hat in dem Kartell Jüdisch er Verbinoungen ihren zentralen Ausdruck gefunden. In tec Entwicklung des K..J. B zeigt sich deutlich der große Aufschwung des Zionismus. Aus dem im Jahre 1895 gegründeten V. I. St., Berlin, entstand der Bund Jüdischer Korporationen, der sich zum „Sammelpunkt aller jüdischen.-Studenten, die sich bewußt als Juden fühlten und an der Entwicklung eines lebendigen Judentums Mitarbeiten wollten" in hohem Maße herausbildete. Auf rein zionistischer Grundlage wurde im Jahre 1902 in Berlin die zionistische Verbindung „Hasmonaea" gegründet ,die sich später mit Verbindungen gleichen Programms zum Kartell Zionistischer Verbindungen zusammenschloß. Das K. Z. V. leistete während der Anfangszeit der zionistischen Bewegung wirkungsvolle Pionierarbeitfür die Ausbreitung des zionistischen Gedankens in Deutschland. Beide Kartelle schlossen sich am 19. Juli 1914 zum K. I. V. zusammen in der Erkenntnis, daß zwei gleichgerichtete Bünde ihre volle Wirkungsmöglichkeit nur in dem einheitlichen Zusammenschluß aller Kräfte finden können. Dem jüdischen Studenten, der nicht die Erfüllung seiner Aufgabe in falsch angebrachter Standesüberheblichkeit und Nachahmung germanisch-studentischer Unsitten finden darf, der sich von seinen deutschen Kommilitonen durch den Vorzug freiheitlicher Gesinnung unterscheiden muß, stehen heute Aufgaben zur Lösung vor, wie sie nie bedeutungsvoller an die akademische Jugend eines Volkes herangetreten sind. Drei Mische Verbände stehen heute dem jungen jüdischen Studenten zur 'Wahl, der K. C., der B. Z7A und das Ä. I. B. Zu prüfen ist es, welcher dieser Verbände die Forderungen der Zeit zu den seinigen gemacht hat. Der „Kartell-Convent der Tendenzverbindungen deutscher Studenten jüdischen Gl aubfns", — die studentische Vertretung des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens —, bekämpft den Antisemitismus nick erkämpft die Gleichberechtigung als deutsche Staatsbürger. Zu jüdischen Fragen, sofern sie diesen Punkten nicht widersprechen, nimmt er programmatisch keine Stellung; tatsächlich aber findet er neben diesen negativen Aufgaben sein positives Ziel in der Bekämpfung des zionistischen Gedankens. Der Mißerfolg dieser Bekämpfung zeigt sich in der Tatsache, daß heute das wesentlich jüngere K. I. Vs. in 21 Verbindungen und 8 Stammtischen über 1400 Mitglieder umfaßt. Ob heute in unserer Zeit der junge Mische Student noch bei der Fülle seiner Aufgaben Befriedigung in der Ausübung deutsch-studentischer Comment- und Couleursitten findet, ob der Antisemitismus wirksam mit der Waffe in der Hand bekämpft wird, vb -die Zukunft des Judentums auf-die gleiche Art gesichert werden kann, ob gleichzeitig die physische Regeneration des „Israeliten" mit Bestimmungs- und Freundschastsmensuren erreicht wird, stick Fragen, die verneint werden müssen. Der junge Jude, -gleichviel welcher religiösen -Richtung, der -Verantwortungsgefühl für-seine Mische Gemeinschaft hat, kann hierin unmöglich seine Ziele befriedigt sehen. Ob die Art und Weise, -mit der der K. Ci den Antisemitismus bekämpft, wirksam ist, -muß mach der Geschichte des Antisemitismus beurteilt werden, die zeigt, daß durch zahlenmäßige Beweise — durch die Zahl von eisernen Kreuzen — oder burch besonderes Betonen der vaterländischen Gesinnung, wie das' „mehr als seine -Pflicht tun" des Zentralvereins, der Antisemitismus nicht -geschwächt werden kann. -Nur eigene produktive Leistung und Hinweis .auf diese Leistung "kann den Antisemitismus zum Verstummen bringen. , . _Nr. 86: Der K. M. als integrierender Bestandteil des gec« nnanisch-oeutschmtMolkS -hat für die -positiven Aufgaben des jüdischen Volkes, zu dem er sich nicht rechnet, kein Verständnis. Eine nationale Gemeinschaft mit dem Kern der Judenheit, den ostjüdischen Massen, lehnt er ab und erkennt nur eine konfessionelle Bindung mit, ihnen an. Eine Gemeinschaft aber, die der Ostjiwe ablehnt, da er mit diesem religiösen Judentum keine Verwandtschaft empfindet. ' Ebensowenig kann der B. I. A. in Fr^ge-kommen. Mit der Tatsache, daß der „Bund Jü disch er Akadrtmiker" nur für orthodoxe Juden Rgum bietet, ist sein Wesen charakterisiert. Es geht nicht an, daß die Orthodoxie allein als die Vertreterin des Judentums auftritt. Wo bliefien denn die vielen, die nicht gläubig im Sinne der Orthodoxie empfinden, aber trotzdem mit Herz uno Seele am Judentum hängen? Unabhängig von vcc Beantwortung oer Frage, in welchem Maße die Grsetzesreligion das »Kriterium des Judentums ist, muß der jüdische Student -das Verantwortlichkeits- und Berbundenheitsgesühl mit allen Juden in hohem Maße besitzen, der Mische Gesamtheitsgedanke muß sein Inhalt sein. Diese -spleoid isolation-Theorie des B. I. A. ist neuerdings durch die Herausgabe seiner Zeitschrift zum „Jüdischen Weg" geworden, zu einem Weg, den das K. I. V. durch seine» „Jüdischen Wlllen" für den Gesamtheitsgedanken einzutreten, ablehnt. In unserer Zeit heute, wo die Frage der Erhaltung des -Judentums mit unweigerlicher Schärfe -an uns herantritt, wo gleichzeitig die gewaltige Ausgabe des Aufbaus des Landes Israel uns bevorsteht, die wir aus eigener Kraft lösen müssen. Diese Zeit, die die jüdische Welt im Osten nie gekannte Leiden erleben läßt, die außerdem Millionen von Juden zum Wanderstabe zwingt, uno uns einen Wandersturm sehen lassen wird, der die Auswanderung < der Juden aus Spanien in trauriger Größe übertreffen wird. Diese Tage schildert uns N atHan Birnbaum in seinem neuen Buche „Vor dem Wandersturm" in tragischer Voraussicht: „Die Millionen 'werden sich .erheben, eine ungeheure Müsst, in naturhaster Bewegung, — aber ein Keiner Teil wird Grenzen und Gestade finden, die sich ihm eröffnen werden. Wenn nicht jetzt in letzter Minute Vorsorge, Plan und Führung erstehen, so sind Millionen unseres Volkes dem Verderben in der Hölle ihrer Heimaten oder auf ziellosen Wanderwegen -geweiht nW das ganze Volk in das Riesenunheil mit hineingezogen." WaS sind hier die Pflichtender jüdischen Studenten in dieser Zeit? Diese Frage nicht als Frage desjenigen, der an diesen Dingen vorübergeht, sondern die Frage des jüdischen Studenten, der mit voller Verantwortung ratlos ,'dasteht, weil er nicht weiß, wo er zuerst beginnen soll. Ist jetzt noch Zeit für feuchtftöhliche Bierromantik und lustige Bummeljahre? Nein, die Aufgabe des jüdischen Studenten ist wichtig und nimmermehr jüdisch sind diejenigen, die sich diesen Pflichten entziehen. Immer in der nationalen Bewegung" eines jeden Volke-s stand der Student in vorderster Liniv in Gemeinschaft mit den Massen seines Volkes. Auch jetzt muß der jüdische Student diese Pflicht erfüllen. Kein unberechtigter Standesdünkel - darf ihn heute stolz an diesen Pflichten Vorbeigehen lassen. In Volksheimen muß sich, /der wehre Mische Student oer armen Masse seiner Volksgenossen annehmen und helfen. Er wird an die>r Arbeit wahre innere Befrickigung erlangen und die soziale Frage -durch praktische Hingebung für das jMsche Volk mit einer Verwirrung der Klassengegensätze beantworten. In Erkenntnis dieser Pflichten hat das K I. B. seine nationale Arbeit begonnen. Es will diesen p '('tuschen, d. h. den für die A:s?mthei: der jüdischen Gemeinschaft sich verantwortlich fühlenden Menschen ' m seinen Verbindungen erziehen. „Das. K. I, D. will seine Mitglieder zu Männern erziehen, die in dem Bewußtsein der nationalen Einheit der Mischen Gemeinschaft entschlossen jind, für eine der Vergangenheit des Judentums würdige Erneuerung des jüdischen Volkstums einzutreten." Eine Männlichkeit, geistig und sittlich erzogen, wie körperlich ertüchtigt, muß erreicht werden, die als wahrhaft jüdische die conditio sine qua -non für den jüdischen Studenten bedeutet. Sein Ziel muß iveiter sein die Lebendigmachung der hebräischen Sprache, als Vorbedingung jedes nationalen Lebens in Palästina, und auch hier im Galuth als Mittel aus dem großen Schatze unserer 'Kultur, deren Größe auf'religiösem Gebiete liegt, zu schöpfen. . Der Aufbau der jMschen'Zukunft muß mit-gemeinsamer Kraft deS gesamten Mischen-14 Millionen-Bol-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.