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Neue jüdische Presse · 1919-08-29 · Heft 34 (29.8.1919) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 34 (29.8.1919)
Date
1919-08-29
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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mm ■T SÄe 2. ' : J Aken« jüdische Kresse. ' VbrnehmesVariele -Kabarett jind Ballhaus. — jSchäfergassel5-75. Kommission für das Lehrerseminar, Zentral-Kammisston und «ne Palästina-Kommission. Auf Antrag des Herrn Rabbiner A s chi n s k i wird die Antraos-Kommission -mit der Ausarbeitung eines Telegramm-Textes betraut, der an den Präsidenten Wilson bezualüb der Pogrome in Polen, gerichtet wird. Aus Otto Referat des Herrn Rabbiner I. L. Fishman geben wir folgendes wieder: Tie Ansicht, daß nur jene, die anderen, angeblich politisch Geschulten, politisch, hervortrete« sollen» ist falsch, llnsere Hoffnung beruht nicht auf den neuesten Berichten aus Versailles. Nicht dank dev englischen Deklaration wird Erez Israel in unseren Besitz Wergehen, sondern durch das Versprechen des Königs aller Könige, das Land Israels dem Volke Israels zu geben. ,tzie und da wird daran gezweifelt, ob Erez Israel einen oroßeu Teil des jüdischen Volkes wird fassen' können.' Ach dagegen zweifle, ob eine genügende Anzahl fähiger Kräfte vorhanden sein wird, die willens sind,, das Land in Besitz zu nehmen." Ter -Nationalfonds mutz gestärkt werden um -der Boden-Rationalisierung willen. Gemäß einer Abmachung mit dem Nationalfonds werden sämtliche durch '-den Misrachi. zugefuhrten Gelder für die durch den Misrachi z.u errichtenden Kolonien verwendet. Tie Arbeiterschaft wird in Palästina einflußreich sein. Tie Organisierung und Unterstützung der traditionstreuen Arbeiter wird unseren Einfluß, den Einfluß Her Mischen Tradition, stärken. An Jerusalem soll eine IGartenkolonie für die Traditionstreuen errichtet wvckeu. ,ßJit Lehrstätten des alten Jischub sollen vom Misrachi subventioniert werden." Ter Referent wird brausend applaudiert. Für den Palästinas«, nds werden an Ort und Stelle 30(XXI Dollars gesammelt. 1 Am B6. Isar nachmittags, wird die vierte Sitzung eröffnet. Nach Verlesung der eingetrofsenen Begrüßungstelegramme wird auf.Antrag des Herrn Bprgenicht beschlossen, in Erez Israel eine „Nachlah"-Bodenkolonil> erstehen zu lassen, die den Namen ,Mäbbiner A. L. hakohen Mschmann" tragen soll. Herr Kaplan referiert Wer die Erziehung in Erez Israel. Ter Referent betonte u. a., daß. die Erziehungssrage nur durch den Misrachi gelöst werden könne. In den Aefchibotb soll System und Ordnung .heimisch werden. Kindergärten und Prrmärschulen sotten gegründet werden, sowie Töchterschulen in religiösem.Geiste. Auch die Freisinnigen in Erez Israel lassen ihre Kinder die Talmud- Thoras besuchen, wenn solche pädagogisch gut geführt toecben. Für die „Tachkemoni-Schule" soll ein Haus erworben werden, da die ihr ^zur Verfügung stehenden Räume sich als zu.klein erweisen. . Las an Wilson zu richtende Telegramm wird vorgckesen. Es werden mehrere Beschlüsse in Bezug aus organisatorische Fragen gefaßt. Ter MiSracki soll in^der Verteilungs-Kommission der; Unterstützungsgelder in Erez -Israel vertreten sein,-da dir Erez Israel-Orthodoxie von der bestehenden KommHsion nicht -gut behandelt wird. Am 27. Jjar, vormittag wird die fünfte Sitzung eröffnet. Nachmittags findet die sechste Sitzung'statt. Rabbi Lcvental erstattet Bericht Wer ferne Tätigkeft als TLlegiertcr des Misrachi am jüdischen Kongreß und an der Friedenskonferenz. An der Friedenskonferenz wurde er überzeugt, daß sämtliche jüdischen Rechte in der Tiaspora dem jüdischen Leiden keinen Abbruch tuir werden. ..Wir waren an der Friedenskonferenz wie ungerufene Gäste, da wir kein eigenes Land besitzen. Nur Erez Israel ist die Mische Hossnung. Ter Misrachi muß sich beeilen, beim Wiederaufbau Palästinas.an erster Stelle zu marschieren. < Es .wörd u. a. beschlösse,»: 1. eine Kolomsations- Aftiengefellschast zu 300 Dollars unter dem Namen „Nachliel" zu gründen; 2. den alten Jischub und seine Institute mft allen Mitteln zu unterstützen; 3. eine Misrachi-Jügendorgonisation zu errichten. Das Präsidium der Misrachi-Organisation in Amerika besteht miß: fRabbi Berlin, Präsident; Herr G. Bublik; Herr Tr. Wachsmann, Herr B. Schnur. Rabbi S. Silber und Rabbi Gold hielten die Schlußreden. Nach Absingen der Hatikwah wird die Konferenzgeschlossen. Bou den Poale Zion. Stellungnahme zum Kommunismus. DaS Verhältnis zur zionistischen Organisation. Ter jüdisch-sozialistische Wcltverband „ P o a l e Z i o n" der «ine besondere Förderation innerhalb der zionistischen Weltorganisation bildet, hielt kürzlich in Stockholm eine Konferenz der Verbandsleitung ab. Awoesend waren Vertreter der Landesparteien aus Polen, der Ukraine. Deutschland, Dcutschösterreich» der Tschecho-Slowakei und die Mitglieder des Verbandsbureaus. Ter Antrag der auf dem Boden des Kommunismus stehenden- Wiener Telezation, aus der zweiten Internationale auszutreten- und sich der dritten Internationale anzu° schließen, wurde von der Versammlung einstimmig ab gelehnt. Tie Beratung erllärte, daß sie nach wio vor auf dem Boden der zweiten Internationale stehe. Nach einem eingehenden Vortrag Wer die Aufgaben eines jüdischen Arbeiterkongresses beauftragte die Konferenz das VerbaWsbureau, entsprechende Schritte einzuleiten, die die .Einberufung dieses Kongresses ermöglichen. Tie letzten zwei Tage der Konferenz waren den Fragen der Palästinatätigleit in allernächster Zeit gewidmet. Tie Frage der Zugehörigkeit zur zionistisch«, Organisation rief eine heftige Tebatte hervor. Zum Schlüsse , wurde mit fünf gegen vier Stimmen beschlossen, in der zionistischen Organisation zu verbleiben. Tafür stimmten Chasanowitsch, Locker, Kaplanski, Jahrblum und Rubaschow, dagegen die drei Vertreter der Wiener Partei und Rewuski. Kaffee Kaisergarten am Opemplatx Erstklassiges Famlllen-Kaffee Täglieh ron 4 Uhr ab: Künstler - Konzert. \ V ' '/ ■ Nrt 34. Lazarus Posen Wwe. 8llb.ir.ohnl.da jetzt Kala.ratr.a.a ES. Bestecke, Jubilännisgea^lieiike. Grosses Lager in Knltu.gegeiistsndeii füi Synagogen- und Hausgebrauch. (Mit erfreulicher EntschiedenlM - hat, wie aus dem oöigen Bericht heroorgeht, die Leitung der Poale Zion gegen den ^Gedanken des Beitritts zur dritte» Internationale _ Stellung genommen und damit ' die bolschewistische österreichische Landes-Organisation in den Zustand einer splendiv isolation versetzt. Ter Nation als Sinn der Poale Zion hat sie die Versuchungen der kommunistischen Idee überwinden lassen und hat auch den Plan des Austritts aus der Zionistischen Weltorganisation zum Scheiter» gebracht. Tas Ergebnis der Abstimmung über den letzten Punkt weist jedoch in eine ganz bestimmte Richtung der Entwicklung innerhalb der Poale Zion und läßt verschiedene Annahmen und Schlüsse für die Zukuuf. zu. D-. Red.) Ueber die Auffassung leitender Kreise der Poale Zion von verschiedenen jüdischen Fragen der Gegenwart und nahen Zukunft geben Äeußerungen des bekannten Poale-Zionisten, Ing. S-. K a p l a n s j y, in einem Gespräch mit dem Herausgeber der „I. P. Z." manchen interessanten Aüsichluß. Auf die-Frage, wie sich die Poale Zion ihre Stellung und Wirksamkeit im zukünftigen jüdische» Palästina denken, antwortete Kaplansky u. a.: Wenn die Arbeiterschaft in der Palästina-Einwianderung zahlenmäßig überwiegt, würde naturgemäß die sozialistische Bewegung eine rührende Rolle in Palästina erhalten. Gewiß wird in Palästina, wenn es aus der Grundlage der Mischen Arbeit aufgebaut wird, die jüdische Arbeiterschaft sehr rasch wachsen, wahrscheinlich rascher als in den Ländern der Auswanderung. Doch befürchte ich keine Widersprüche in dieser Beziehung. Denn zunächst bin ich überzeugt, daß auch bei .den Juden außerhalb Palästinas der Uebergang zu produktiveren Bernsen sich sehr verstärken und auch i»r Galuth die Arbeiterklasse immer mehr die Führung der jüdischen Politik übernehmen wird. Weiter sehen auch viele bürgerliche Zionisten rin, daß ein Misches Palästina ohne starken Einschlag so-ialistischer Wirtschaftselemente nicht ausgebaut werden kann. Wir.haben schon jetzt im Zionismus eine starke Strömung, die für Nationalisierung und zunr Teil für Sozialisierung in Palästina eintritt. So wird' die Zeit ..vorbereitet, wo zwischen dein arbeitenden Judentum in Palästina und dem stark sozialistisch beeinflußten Judentum in den Galuth-Ländern ein harmonisches Zusammengehen durchaus möglich sein wird. lieber die'Stellung und das -Verhältnis der Poale Zion Hur jüdischen Orthodoxie ließ sich Kaplansky folgendermaßen aus: Wir wünschen keinen Kulturkampf mit der Mischen Orthodoxie. Wir respektieren jedes religiöse Bekenntnis und erkennen das Recht der Eltern an, bis zu einen, gewissen Alter die Erziehung ihrer Kinder zu überwachen und zu leiten. Wir haben noch keine Beschlüsse in dieser Frage gefaßt, aber jch glaube, daß wir fiir eine weitgehende Mtonomie der Schulverbände verschiedener. Richtungen in Palästina «intreten wettren. Aber wir werden in einen heftigen Konflikt mit der I« de» Tage» der Pogrome. Bon Scholem Asch. Die nachstehend «rbgü> ruckte parkende .iiinb wuchtig wirkende Schilderung von leider noch immer unmittelbarster Gegenwärtigkeit entnehmen wir der im Verlag Kiepenheuer, Weimar, bereits in den ersten « Kriegsiahren erschienenen Samm- 'Si ' lang: t „Osttüdische Erzäh- . - - ler" Werez — Scholem Alejchem 'f'_ - — Scholem Asch), aus die bei dieser f ’ Gelegenheit von neuem; empfehlerü, X- ' hingewiesen fei. D- RÄ». Tie uralte Schul ist bis zur Hälfte in den Erdx?' Loden eingebaut. Unsere Voreltern haben das mit Ab- 2S£'.. sicht getan, damit das .Gebäude von außen nicht zu Hoch, kalussehe... Bon außen berühren die Fenster i,: . hart den Erdboden; doch von innen gesehen, liegen 'f sie hoch oben unter der Deck«. Don außen sieht die Js.. .. Schul armselig und verfallen aus; hie Balken und t'Z Bretter sind morsch, und man hat den Eindruck, daß das Haus überhaupt nur noch darum dasteht, weil es £r" eben ein Gotteshaus ist. Innen finb die Bretter neu fif - ' u»d kräftig, und an den Wänden kann man noch Reste der Bemalung sehen: links und rechts vom Almemor. . Tempeileuchter und Posaunen. Die Ostwand ist mit " - Anschriften in Rot und Gold geschmückt, die man aber lU'-- . Sn Alter kaum lesen kann; dazwischen kann man noch entgu 'Hirschkopf erkennen. Ueber den beiden.geschnitzte» Löwen, die den Thoraschrein krönen, ist in der.Wand 'l' ehr kleines verstaubtes Fensterchen mit bunten Glasf. ' ' scheiben angebracht. Den Hängeleuchter hat man einst ge- ‘sivtzlen, wch zur ErdmemW an ihn hängen noch lange ■' > schwarze Stricke von der Decke herab. Zwischen den beiden alten Messingleuchtern, die auf dem Tische des Alme- - »wrs stehen, hängt eine runde GedSchtnis-Mapps . . . ' Draußen ist wohl jetzt heller Tag; denn die.Fenster i unter der Decke schimmern, und die roten Glasstückchen .W AÄe» GuSfeuperchen Mer d«n Thoraschreine leuchten. Ein Scküeier von Spinngewebe schließt die Fenster dicht ab, (damit die Leute draußen nicht erfahren, wäS in der' Schul horgeht' . . . In der lleinen Schul ist es halb dunkel. Kalte unbewegliche Schatten füllen sie bis zur halben Höhe der Wände. Durch die lleinen -Fenster oben in der Weiberabteilung dringen aber einige Lichtstrahlen herein und sie fallen durch die trennenden Vorhänge auch in die Männerschul. Ans der Weiberschul lassen sich leise Geräusche vernehmen: es, ist als ob. dort die Toten umgingen . . . ' ' Es ist Mittagszeit, also ,wch viel zu früh für das Nachmittagsgebet. Und doch ist die ganze Gemeinde in der Sckul versammelt. Was hat das zu bedeuten? Es sind heute'Id ie verschickensten Leute beisammen: Hausbesitzer, Geschäftsleute, Mitglieder hon BrWerschasten, Ehafsidim und Deutsche*), die man sonst das ganze Jahr nicht im Bethause sieht, halbwüchsige Burschen und Schuljungen: lleine Mädchen und Weiber sitzen auf den hintersten Bänken. Wie kommen .Weiber „in die Männerabteilung? Viele Weiber halten ganz lleine, in Bettzeug eingewickelte Kinder auf den Urmen und geben ihnen die Brust, und aus ihren Augen fallen stille, stumme Tränen nieder . An ihren verzerrten Gesichtern mit den zusammengebissenen Zähnen kann man erkennen, daß sie sich bemühen,' keinen Ton von sich zu geben, damit Man sie ja nicht hört. In der Nähe Her.Tür stehen Koffer und Truhen, liegen in weißen Laken zukamMengebundene Haufen von Kleibern, Wäsche und Betten und in Tücher eingeschlagenes Hausgerät. Ein Bündel ift' aufgegangen und ein Paar Messingleuchter ist herausgefallen; dazu einige zerfetzte Büchet ohne Einbanodecken, ein zerschlagener Teller ünd noch einige Weinigkeiten ... ' In einer Ecke, «ruf dew „Sitze des Propheten Elias", liegt auf Mssen und Bettdecken eine Frau. Ihr bleiches Gesicht schaut aus dem Kopftuche heraus, und sie stöhnt so laut, als ob sie allein das Recht hätte, .hier: die **> So nennt man in Pole» sreigeistige und auch von «wSwärts eingewanderte Juden, die sich „deutsch, also allgnuein europäisch Neiden. Graoesstille zu stören. Klagende Schreie dringen ihr tief aus der Brust. Einige jüngere und ältere Weiber machen sich üm sie zu schassen; eine Frau hält ihr den Kopf hoch. Und ein schlanker Jude in kurzem Rock gibt ihr «ui einem Fläschchen zu riechen. Die übrigen Männer schauen Mit Grauen nach dieser Ecke... Tie Leute sitzen heute nicht in der sttengen Ordnung wie sonst beim Gottesdienst. Die Männer sind zum Teil unbeweglch auf ihren Pichen zusammengesunken, die Gesichter mit den Händen bedeckend, in Gedanken vertieft, als vö sie sich Rechenschaft W?r ihr Lebe»" obgäben; andere stehen herum und -schauen einander an: doch sie fiirchten, einander nicht nur ein Wort zu sagen, sonoern auch bloß einen Wink ' zu geben. Und alle Augen sind auf'den alten Rabbi gerichtet, der, tu einen Schlaftock gehüllt, in einem Winkel, utib nicht an seinem gewohnten Platz steht und in ein Buch starrt. Doch er scheint im Geiste wo pnbers zu sein und an etwas sehr Tiefes und Ernstes zu denken... So still ist es in der Schul; daß »wenn sich einer schwachen Frauenbrust ein leiser Seufzer enttingt, die ganze Gemeinde vor Schreck erstarrt. Und däs Schweigen der Männer scheint saoen zu wollen, daß sie diesen Senjzer nicht nur nicht verurteilen, sondern in ihm ihren „Chasen" sehen. ... Tie vereinzelten Sonnenflecken an den Wänden gleften immer höher zu der Decke hinauf, bis sie ganz ver!chw»chen. Und ein dichter, hunller Schatten schwebt in der halben Höhe des Raumes und hüllt die letzten schwachen Umrisse der Weiber ein, die auf den hintersten Bänk«, sitzen, so daß man die einzelnen Gestalten -nicht mehr unterscheü>en kann. Es ist, 'als ob eine große schwarze Masse sich^von den Wänden losgelöst hätte. Sie ist tot und unbeweglich, zuweilen streckt sich ausihr etwas Längliches hervor und schwankt langsam hin und her: zuweilen dringt aus ihr ein bitterer Seuszer heraus, und dann ist es, als ob hie ganze Masse seufzte : . . Es ist gan? dunkel. Man zündet keine Kerzen an, und die Finsternis senll sich immer Pefer, bis die dunkle Masse,, die vier Wände mit dem Thoraschreine und -fyfe Decke Mit den gemalten Cherubim in . eins zulanynenflreßen, Schul -und . Kemeinde -sind-Ans. Und Nr. 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