Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 34 (29.8.1919)
- Date
- 1919-08-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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» FrankfurterJsraelitisches Familienblatt i er jiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniwmmiHiiiiiiHHiiiiiiiiiiiiiiiiiimmiini;! Erschelni wöchentlich am Freitag. Bezugspreis pro Viertel- ■ ■ jabr- 3n Frankfurt a.M. 1.95 frei ins Haus. Lei der Post : : abonniert Mk. l.SO,stei ins Hiaus 4 pfg. pro Monat mehr. / Lei j; Zusendung durch Streifband furOeutschland und Hsterreich-llngarn : I Mk. 2.25, für alle übn'gen Länder Mk. 2.50. Einzelnummer 2vpfg. : Redaktion und Expedition: Frankfurt a. M., Langestraße 7. Fernsprecher AmtHansa 2903 Herausgeber : Galy Geis i Insertionspreis für bi? sech^gefpaltene petitzeNe?o pfg., sör : : die Reklamezeile Mk.2.—. Lei Wiederholungen entsprechender : : Rabatt. / Platz- und Datum-Dorschrifi ohne Verbindlichkeit. / : : Annoncen-Annahme bei der (^ped.und ln a.Annoncen-Vureaus. : : Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a.M. unter Ar. 4664. : 17. Jahrgang. Freitag, den 3. EIluI 5679 (29. August 1919) Rr. 34. Zur jüdische« Lage iu Rumiiuie«. Ueber die Gestalftmg der jüdischen Lage und den Stand des Problems der jüdijchenEmanzipa- Non in Rumänien sind in letzter Zeit nur wenige Nachrichten und Berichte zu uns gelangt. Eines ließ sich jedoch an§ verschiedenen siimptomatischen Ereignissen mit. einiger Sicherheit erkennen: daß das durch den Krieg von neueni mit aller Wucht ausgeworsene Problem der jüdischen Gleichberechtigung einer »renn auch nicht tdealen, so doch annehmbaren Lösung nahe gerückt >var und der Zeitpunkt einer tatsächlichen bedeutungsvollen Revision dar Haltung ves offiziellen Rumänien in der Frage der jüdischen Gleichstellung gekommen war. Berichten, die anS Versailles über die Verhandlungen in der Frage der Minderheitsrechte, spärlich und kurz, einliefen, war ju entnehmen, daß Rumänien nach vergeblichen Anstrengungen, den Lauf der Dinge aufzuhalten, seinen Widerstand gegen die Forderung »ach der jüdischen Gleichstellung in weitem Maße anfzugeben gezwungen war — was den unversöhnlichen, crzreaktionären Bratiauu mit zum Rücktritt bestimmte — und dem von der Entente vorzulegenden Friedensvertrag mitsamt den Bestimmungen über den Mindcrheitsschutz zustimmen würde. Die Lage der Dinge im gegenwärtigen Augenblick läßt sich nicht klar überblicken. Die Entscheidung in Versailles, die bislang — zum mindesten offiziell und formell - »och nicht gefallen ist, dürfte wohl für die nächste Zeit zu erwarten sein. Daß sie eine überaus hohe Bedeutung gewinnen kann, ist ohne Frage. Und in der Tat beginnt die neue rumänische Regierung — ihre Zusammensetzung ist unZ noch nicht bekannt — unter dem Druck der großen Mächte allntählich, wenn auch mit verständlichem Widerstreben und nur in langsamen! Nachgeben, die Lösung der jüdischen Frage in ihrem Lande im Geiste der Demokratie und der Gerechtigkeit anzribahnen und in die Wirklichkeit umzusetzen. Mit Deutlichkeit lassen sich diese Momente aus einer längeren Darstellung erkennen, die ein Freund unseres Blattes während seines jüngsten Aufenthalts iu Rumänien auf Grund zuverlässiger Angaben und sicherer Erfahrungen^ niedergeschrieben hat. Ein Helles Licht werfen die Aufzeichnungen auch auf die innere Lage und die allgemeine Stimmung in der rumänischen Judenheit, die Macht und Bedeutung der Palastinaidee im heutigen Leben der Juden in Rumänien Wir lasse» im folgenden die Darstellung selbst sprechen: „Derallgemeine Eindruck von der gegenwärtigen Lage der rumänischen Juden läßt sich zusammenfasseltd dahin, präzisieren, daß die Stellung der Juden in Buniänien. im großen und ganzen gegenüber ftüher eine gefestigtere unb bessere geworden ist. Die Regierung hat letzthin). bewogen : durch die entschiedene Stellungnahme der jüdischen Vertretcckschaften, insbesondere der „Unio- »ec cvreilor pamanteni" gegen düe .von ihr zögernd und schwankend unternommenen Schritte zur Verwirklichung. der jüdischen Gleichberechtigung, den Juden neue Zugeständnisse einräumen müssen. Diese Konzessionen bestehen hauptsächlich darin, daß gemäß den Versprechungen der Regierung von nun an seitens der rumänischen Behörden. M den Juden das Bürgerrecht verliehen werden ntuß, die beim Gericht eine gewöhnliche Erklärung. äbge5dt,- : in. Rumänien geboren ju sein und sich niemals einer fremden Staatsangehörigkeit erfreut . zu habei,.". Angefichch hseser Züsägen'der Regierung'hat dem! auch, die-„Unjöma. eöreilor pamariteni", die seiner Zeit, das om,^ 18: r Dezencheo 1918 erlassene Dekret bezüglich der^^üdischen' Rechte als unbefriedigend und ein Halb-: weK mit Protest abgelehnb hat, Ä für angezeigt gehalten,' die Juden Rumäniens zur Anerkennung des Regierungserlasses in Hinsicht der jüdischen Gleichberechtigung auszufordern. Tie Erklärung, die für jeden rumänischen Juden für die Erlangung des Bürgerrechts Notwendig ist, enthält Personalangaben, deren Kontrolle und Nachprüfung der Staatsanwaltschaft obliegt. Erweisen sich die Angaben als falsch, dann wird die Person mit einer Geldstrafe von 1000 bis 20000 Mark oder mit einer Gefängnisstrafe von 1—5 Jahren belegt. ' Auf Grund dieses Erlasses wird angenommen, daß der größte Teil der rumänischen Judenheit das Bürgerrecht erlangen ivird. Es stellt das keine Emanzipierung der Juden in der Art dar, wie wir sie in den Westländern erlebt haben, bedeutet aber einen großen Fortschritt für Rumänien Ob die Anerkennung der Rechte auch nur im kleinen die jüdische Frage Rumäniens löst, ist weder nach der einen noch nach der anderen Seite entschieden. Vieles' hängt von der neuen rumänischen Regierung ab, deren Amtsantritt stündlich erwartet wird. Die rumänischen Inden werden wohl vereinzelt bei den neuen Wahlen zur Kämmer ihre eigenen Kandidaten nationaler Richtung aufstellen, jedoch ist nnt allgemeinen ein K ompro - miß mit den Sozialdemokraten geschlossen worden. In jüdisch-nationaler Hinsicht kann mit Genugtuung verzeichnet werden, daß die Sehnsucht nach Palästina tiefer denn je geworden ist. Mit viel Ungeduld wird die Ausnahme des Verkehrs von Konstanza nach Palästina erwartet und Tausende rüsten sich. 'zur Auswanderung. Ein mächtiger enthusiastischer Emigrativnsdrang beherrscht die jüdische Bevölkerung, ein Drang, der von der Schwere der Arbeit in Palästina nichts lvissen will, und nur ungeduldig die technische Möglichkeir der Auswanderung erwartet. Es herrscht eine eigenartige nervöse Atmosphäre überall bei denen, die auf Palästina ihre ganze Hoffnung gesetzt und ihre Sehnsucht aw es geknüpft haben, und die nur von ihm ihr Glück und die Erfüllung ihres Daseins erhoffen.. Was nütck ihnen Gleichberechtigung, wenn sie der rumänische Stiefel, den sie mit gleich mächtiger Wucht zu spüren bekommen, weiter und wefter drückt! Es ist die Erlösung aus dem leidensvollen Galut, die sie erwarten. Nichts Schrecklicheres kann es mehr für sie geben.. Tie Arbeit in Palästina scheuen sie-nicht; so sind viele jüdische Jünglinge in Rumänien hinausgezogen, um lieber ihrer jüdischen Heimat als dem undankbaren, ungerechten Rumänien zu dienen.. Es gäbe für die rumänischen Juden keinen größeren Schlag, als wenn einer Einwanderung nach Palästina irgendwelche Hemmnisse in den Weg gelegt würden^. Er ergibt sich daraus als dringende Notwendigkeit der Stunde, daß die Emigrationsfragen auch in ihrem ganzen- Umfang und mit größter Schnelligkeit ihre Erledigung finden." . Die 6 Konferenz des amerikanischen Misrachi. Erste Sitzung. ' Tie 'Konferenz, die von 233 Delegierten, darunter 60 Ravblner als Vertreter von 272 Vereinen in 60 Städten beschickt war, ist erst am Sonntag, den 28. Jjar in Cincinnati eröffnet worden. Herr Manischew itz eröffnete am Sonntag die Konferenz mit einer kurzen Ansprache.■>' - . Rabblnyr. Meier 7 B l.i.n, .Netv-Uork »mrde daraufhin einstimtnilzum Vorsitzenden' gewählt/ Die Delegierten erhoben sich zu Ehren des Vorsitzenden von ihren Plätzen und sangen die Hatikwäh. Der greise Rabbiner von Cincinnati, Herr A- G'. Lasar, begrüßte als Gast die Konferenz, indem er vorher den Segensspruch „Gelobet sei der Ewige, der wen GotteSfürchtigen von seiner Weisheit erteilt hat," rezitierte, da dies eine Versammlung von „Gedolei-Jsrael" sei. Im Namen der Stadt Cincinnati begrüßte die Konferenz Stadtpräsident Globin, der als Ire der Hoffnung Ausdruck gab, daß die Juden und Iren als freie Völker in ihren Ländern leben, werden. Herr Rabbine» M.-Berlin führte in seiner .Ansprache unter anderem, aus: Ta'die Hoffnung auf einen wahrhaften Frieden fick nicht bewahrheitet hat, so ist unsere nationale Zuversicht auch nickt iu jenem Maße erfüllbar, wie zu hoffen war. Die Juden dienen als Barometer des geistigen Niveaus der Welt. Beim Steigen jber Welt-Gere ch ti g k e i t, wird unsere Lage verbessert und kein? Rückgänge des Rechtes tritt auch -eine Verschlinnnerung unserer Lage ein. Unsere nationale Hoffnung hat/ in den letzten' -t Jahren eine greifbare Verwirklichungs- Möglichkeit erlangt. Die politische Lage in Bezug auf Erez Israel ist folgende: Die Tore Palästinas sind geöffnet und die Einwanderung soll so schnell als möglich . beginnen. Das Land soll in Besitz genommen werden, solange die Tore offen bleiben. Botin Eintritt ins Land müssen wir eine „Mesusa" aus den Posten unserer Türen anbringen lassen: dem Leben irr Palästina soll ein original-jüdischer.^Stempel aufgedrückt werden. Das Land der Judenheit soll zugleich das Land des Judentums sein! Das letzte Jahr war für den Misrachi in Llmerika reich ,an Ereignissen. Er vereinigte die amerikanische Orthodoxie zu erfolgreicher Tätigkeit. Ter Misrachi hak als die einzige orthodoxe Fraktion am jüdischen Kongroß teilgenommen: sein Einfluß war merkbar. In der Telegatron des Kongresses zur Friedens-Verhandlung waren wir mit einem Mitgliede vertreten. Unsere Delegierten haben ans der Londoner zionistischen Konferenz de» Antrag gestellt, daß in Palästina ein eigenes Erziehung»- komitee errichtet werde, das unabhängig von dem schon bestehende» Komitee sein soll, und dem sämtliche Schulen, die für die Orthodoxie bestimmt find, unterstehen sollen. Unsere palästinensischen Gesinnungsgenossen haben unsere Forderung unterstützt. Unser Antrag wurde bekanntlich angenommen. Die Erziehungsfrage ist einer der nmoamentalen Grundsätze des Misrachi. Die Aufgabe des Misrachi ist nicht aus die „Kaschrus"-Aussicht beschränkt:. mitzuarbeiten an allen Institutionen ist er berufen. Wir verlangten daher .Vertretung in sämtlichem Körperschaften, die in Palästina tätig sind. Das öffentliche Leben in Palästina soll vom Geiste der Indischen Ueberneiernno durchdrungen sein. Die jüdischen Ehegesetze sollen öffentliche Anerkennung erlangen. Das indische Recht soll eingeführt werden. Der Misrachi hat das Prinzip der Boden-Nationalisierungt angenommen mit dem Zusatz, daß Privatleuten unter qewissen Bedingungen der Bodenerwerb ermöglicht werde, wenn sie ibn von fremden Besitzern erstehen. Der Misrachi bat in letzter Zeit eine unglaublich rasche .Entwicklung genommen. Der Rabbiner-Verband jn Amerika ist dem Misrachi in corpore beigetreten. Dem ins Leben gerufenen „Halbemillion-Erez-Jsraet-Fonds" pick» ohne Bedeutende Propaganda HO COO Doll, zugegangen. ' Nach der Wahl des Zentralkomitee wird die .erste Sitzung geschlossen. \ Zweite Sitzung. Nach Eröffmrng der zweiten Sitzung wurden ver- »chiedene Begrüßungstelegramme vorgelesen.. Darauf entspann sich eine sehr lebhafte Diskussion über die Ausführungen von Rabb- M.-Berlin. - Am 26. Jjar vormittags »mrde die dritte S itzung durch Rabbiner Berlin eröffnet. Im Namen des. amerikanischen Rabbiner-Verbandes begrüßt Herr Rabbiner Mar an lies ..die Konferenz; er betonte die Wichtigkeit des Misrachi in dieser Zeit, in her die Tora ünd Erez Israel unser einziges Gut und unfern Trost darftellen — die gleichzeitig die Grundprinzipien des. Misrachi sind. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß. sich die Orthodoxie in ihrer Gesamtheit dem Misrachi anschließen und daß Erez Mrael gemäß der „TorÄk Israel" erbaut wird. '-r Folgende Kommissionen werden eingesetzt: Eine.Obganisatiöns-Konlurission, Propaganda-Kommission^ Frcchen- Komirnssion, Jügend-Kammisfion, - Mandat-Kammission)