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Neue jüdische Presse · 1919-08-22 · Heft 33 (22.8.1919) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 33 (22.8.1919)
Date
1919-08-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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13 aus?inzu- Utfleit um« s'WSchsteu ntlich den s. , htnisdereu )ecge- >r am cs biq Soden ragelüst verleiten, leistet, das; i, und ir vor d, deimmt, ch die illigen jicrbei i wird iß im d wir cf)t bediesen bestp Leben ige in elasscn -sichtig vieli dieser t hat, äumew x ch e n onsic zioroße Milch ct, als änschte dritter " gäbe, ser als i man Zucker im den en kein, die ältliche ls uns nit den Ferne, d . hervas es Zwerge sch er* usw.", . hatte, len der on der ). nicht chwarz. leinüng - drei* -schöpfe i Herde d Hör* ichter», daraus he' aus blöden t. schilt* ärrische nen! — fragte ter. Nr. 33 Neue Jüdische Messe. Se te 3. l/omehmes Variete-Kabarett undBaUftaus. - _ /Schäfergasse 75 -7S. Ungeduld, die sich in der jetzigen Zeit der Pogrome' knndgibt. Aber man muß sich vor Augen halten, daß daS Land noch unter dem Ktckicgsokkupationsgüsetze steht und daß die Militärmacht sich «n den internationalen Kodex halten muß. Nichtsdestoweniger sieht man täglich in Jaffa und Jerusalem neue Gesichter. Es werden die nötigen Vorbereitungen getroffen und ich hofse, daß "n a djf § bis 3.M onaten, nachdem eie Manoatsfrage offiziell erledigt sein wird, die wirkliche? Immigration wird beginnen können. Wieviel Menschen wir jährlich nach Palästina werden bringen können, weiß ich nicht. Dies wird von den Umständen abhängen. Eines kann ich euch sagen: Einer der Vorredner hat in Aussichü gestellt, daß unsere Kinder ein jüdisches Palästina erleben werden. Ich dagegen sage: Nicht bloß die jungen unter uns, sondern auch die ästteren, zu denen ich mich zu zählen beginne, werden dies erleben ... Die ukrainischen Pogrome. Mit erschütternder, niederdrückcndcr Wucht bringt ein vor kurzem in Odessa erschienenes Saminelbuch jüdischer Schriftsteller, das die vernichtende Pogromkatastrophe und das namenlose jüdische Martyrium in der Ukraine schildert, die Furchtbarkeit .der jiidischen Lage im ganzen .Süden ^Islands jh Gcmütc. Im folgenden sei die düster-aufwühlende, in znsammengefaßter Form verössentlichte Chronik des Berichtes über die Pogrome kurz zum Abdruck gebracht: ' Kadime. 5000 Bauern der benachbarten Dörfer schlachteten die jiidische Bevölkerung unter Sang und Klang ab. Hausgeräte, Waren und Lebensmittel wurden aus vorbereitete Fuhrwerke geladen und weggeführt. Jelissawetgrad. Die Schlächterei ist unter aktiver Beteiligung der Intelligenz vor sich gegangen. In die Kellerwohnungen der jüdischen Bevölkerung wurden Granaten geschleudert. Habidiwke. Alle Juden des Ortes wurden auf einem! Platze versammelt und von einigen tausend Bauern umringt. Bei der Abstiinmung über die Frage, ob man die Juden haben tvolle, stinAnte keiner dafür, worauf olle männlichen Personen (gegen 300s erschossen wurden. Zabakricz. Zwei Tage dauerte die Schlächterei in diesem Städtchen. Jedes Haus wurde ausgesucht und die versteckken Juden einzeln und still hingcmordet. In Trostinec (Podolien) wurden 314 Personen abgeschlachtet und die jüdischen Wohnungen ausgeraubt. In Eziczilnik wurde» 20 Juden ermordet. In Kadime wurde geraubt, 200 Männer ermordet. In Czerkas betrug die Zahl der Ermordeten gegen 2000, in Jelissawetgrad gegen 3000, in Kriwone gegen 700 inännlichen Personen, in Litin über 400._■ „Wenn wir wenigstens ein Gefäß .hätten," bemerkte ein dritter. - „Wenn ihr erlaubt," versetzte der einfache Mann, der Arbeiter, „werde ich ein paar Ziegen melken. Warum staunt ihr so? Ich hatte in meiner Heimat eine Ziege, die ich allein zu melken pflegte." „In was wollt ihr denn melken?" „Jedem in seinen Hut!" „Im ersten Augenblick rief der Vorschlag ein solches Gelächter hervor, als hätte der Arbeiter verlangt, daß wir Mit einem Fuß den Himmel berühren sollten. Aber bald beruhigte sich das Gelächter. DerTWunsch nach etwas frischer, warmer Milch besiegte in uns alles Bedenken, jeder hielt dem Arbeiter — oder „Proletarier", wie wir ihn nannten, sein Hütchen hin. Den Anfang machte der Millionär, der sich unter uns befand. Er hielt seinen Hut mit solcherMiene, etwa wie xin König, oder mindestens ein Minister den Becher in Karlsbad oder Marienbad bei dem Sprudel, um bas bittersalzige Wasser hineinlaufen zu lassen. . . Aber was war zu tun? . . . Der Arzt hatte verordnet, daß er es auf nüchternen Magen zu sich nehme. . . Nach dem Millionär kamen wir andren, auch die Dame, Mit ihrem Hut, . . . Jeder sagte ein andereg Wort, jeder griff nach der Milch und erquickte sich an den wenden Tropfen. Ws der Fromme, der „Orthodoxe", an die Reihe kam, ereignete sich folgendes: Zuerst zögerte er, ob er wlche Milcb trinken 'dürfe. Nachdem er sich aber gesagt hatte, daß die Mehrheit stärker war und daß er gegen die Menge nichts ausrichten würde und sich der Wahrheit erinnerte, daß man sich der Menge fügen soll s? Die Redaktion), machte er sich nur noch. Sorgen darüber, wie er trinken würde, ohne den Kops zu bedecken? . . . Gin gelehrter Jude findet' aber iimner einen Ausweg: Er deckte seinen Kopf Mit dem »schoß seines Kaftans zu und hielt seinen Hut dem Proletarier hin, als ob ser sagen wollte:. »Mas soll man tun? Es ist eine Strafe." Wie gewöhnlich lachte der Ungläubige, der Atheist, die Orthodoxen aus, er nannte ihn einen Heuchler, einen In Braclaw konnte die Zahl der Toten nicht festgestellt werden. In Böbry wurde tzie gesamte jichischq Bevölkerung bis auf eine Frau und fünf Kinder ermordet. Nikolajew. Viele Tote. In Prosknrow gegen 5500 Ermordete. Filsztin über 600 Tote. Dolinsk. 17 Tote. Algopol. Fürchterlicher Pogrom, Zahl der Ermordeten unbekannt. Ostrog. Viele Todesopfer. Wapniarka. . 17 Menschenopfer. Hejsin. 500 Tote. . Tilczin. 15 Tote. Tiwankow- 15 Tote und 10 schwerverwundete. Chaczewate. Viele Tote. Wafylkow. Das.Städtchen, total vernichtet. Zlatopol. 8 Tage dauerte der Pogrom, Zahl der^Tvten über 100. Teplik. 100 Tote, Nowy-Mirogrod. 6 Tage wurde gemordet, 200 Juden getötet, die Stadt eingeäschert. Knblicz> Die ganze jüdische Bevölkerung hingemordet. Me'sandrowka. 'Das Städtchen bombadiert. Sebedin. Viele Todesopfer. Matusow. Das Städtchen eingeäschert,'70 Tote. fSmüe. lieber 80 Tote. Horodyszcz. 13 Tote. Szpole. 15 Tote. Kremenczng. Viele. Tote.. Wefioli-Podot. Biele Tote. Uman. Ein schauderhafte« Pogroul mit vielen Todesopfern. Meziboszcz. Die ganze Bevölkerung hingemordet. Belovzera. 120 Tote. In einer weiteren Reihe von Orten, die nameMlich angeführt And, konnte die Zahl her Opfer nicht festgestellt werden. — * Die „Jüdische Rundschau" veröffentlicht einen ausführlichen Bericht der Herren Meär Groß.mann (Mitglied der Jüd. 'Nationalversammlung in der Ukraine) und Tr. Koralnik aus Kiew über die Judenschlächtereiei/ in der Ukraine. Für die Wahrheit sämtlicher Mitteilungen stehen das jüdischnationale Sekretariat und die zionistische Partei in der Ukraine voll ein. Ter Eindruck, den die Lektüre des von uns nachstehend in seinem wichtigsten Teile wiedergegebenen Berichts hervorruft, ist einfach niederschmetternd. Ihm erklärende Worte hinzufügen hieße seine Wirkung abschwächen: , Ter ganze Zeitraum von Ende November 1918 bis jetzt ist mit einer Kette von Pogromen ansgefüllt. Tie Urheber waren die Truppen Petliuras und -Grigoriesfs, .deren Ofsiziere vielfach der Schwarzen Hundert angehören, sowie die zahllosen Banden. Man kann drei Hanptperioden der Pogrome unterscheiden. Die erste Periode liegt in der Zeit der siegreichen Kämpfe Petliuras gegen den Hetman (November bis Januar 1918). In diese Periode - fallen vor allem die schrecklichen Pogrome von s ch i t o in i r und O w r n tz. V Tie zweite Periode fällt in den Februar bis April 1919. Besonders schlinim wären die zweitägigen Schlächtereien in P ro stnrow (14. u. 15. Februar 1919), wo der Oberst simosenko den Pogrom organisierte. Es ist a b s o l n t s e st g e st e l l t und registriert, dass dabei 1700 In den ermordet worden sind. Vielfach sind ganze Familien völlig ausgerottet worden. Ms das Zentrale Hilfskommitee von dem Pogrom erfuhr, sandte es einen Kommissar mit hunderttausend Rubeln nach Prosknrow, um die Hinterirhadia’s Häusllersplele und .. --- Arkadia-Dfele Kniserstrasse 69. -Telefon: Hansa 5516. a Die ersten Künstlerspiele am Platze. 'Hyvokriten. Aber der Orthodoxe hörte nicht auf ihn, sagte seinen Segensspruch, schlürfte mit frommer Miene die Milch und war, wie man in Amerika zu 'sagen pflegt: „all right." Nachdem sich alle mit Milch erfrischt hatten, setzte sich der Arbeiter auf die Erde, unter eine der Ziegen, und begann einfach zu saugen. Das konnte wir nicht mitansehen,' wir wandten uns ab, fetzten uns auf das herrliche Gras und begannen ein Gespräch über die Insel, auf der wir uns befanden. ■’ Aus her Tatsache, daß die Ziegen keine Angst vor uns hatten, und sich melken ließen, wollte einer Nachweisen. daß die Insel von Menschen bewohnt sein nrüsse. Ein zweiter widersprach ihm und wies das Gegenteil nach, nämlich, daß die Ziegen noch nie einen Menschen vor Augen gesehen hätten und sich deshalb melken ließen. : „Wie blöde sie uns anschauen? Ist das kein Beweis?!" Wir waren alle in guter Stimmung, viel froher als der elende Robinson. Wir hatten süße Bananen und hatten Nüsse zu essen, hatten fließendes Wasser und Ziegenmilch 'zu trinken und brauchten nicht zu arbeiten wie" Ernsoe auf seiner Insel, da wir unseren "Arbeiter, den „Proletarier", hatten, der für die anderen arbeitete, keinen etwas anrühren ließ und noch obendrein bat, es ihm" nicht übel zu nehmen. Tes Morgens molk er die Ziegen. Die blöden Tiere gewöhnten sich bald so sehr an uns, daß sie nicht erst warteten, bis wir zu ihnen kamön, sondern sich von selbst einstellten und sich ungeduldig gebärdeten, damit man sie melke ... Dann ging er in den Wald Und pflückte Bananen und Nüsse, 'die er für den ganzen Tag heranschleppte. Gegen Abend pflückte er frisches Gras "und polsterte die Tür in der.Höhle damit aus. Schließlich vollbrachte er ein Kunstwerk: er klopfte so lange mit einem Stein gegen einen anderen, bis er ein >Gesäß, ein Art Topf, herstellte, in die die Milch hineingeinol. werden konnte. Ms er den ersten fertiggemacht hatte, begann er einen zweiten für Wasser. Er .wurde Urit einem Wort unsere rechte Hand. Feder erteilte ihm Mitteldeutsche Creditbank Depositenkasse und Wechselstube Hartauer^aniistrasse I. -Fernsprecher A m fc Hansa8281 Postscheck- Konto 44255. gewährt auf Depositen-Gelder (Spar-Konti) die günstigsten Zinssätze ja nach Kündigungsfrist. bkiebenen zu unterstützen. Der Kommissar wußte aber vielfach nicht, wem er das Geld geben sollte, da eben Hinterbliebene überhaupt nicht da wqren. In denr Pros» kurow benachbarten Filtschtin wurden 400 Juden getötet. Ein besonders schrecksicher Fall war auch die Anhaltung eines Dampfers auf dem Dnjepr in der Nähe von Menschikorie bei Kiew, von dem 103 Juden heruntergeholt und ertränkt wurden, lieber 60 Leichen wurden gefunden^ Die schlimmste Periode wütet seit dem April d. I. <gtjr haben die Grigorieff-Truppen bei der Eroberung von Tsch erkas* i dort 800 Personen umoebracht. Ebenso schrecklich waren die Ausschreitungen in Elisabethgrad. (ca. 2000 Tote). In Trostienietz befand sich eine bolschewistische Garnison. Ms sich die Bauern gegen die bolschewistische Macht erhoben, sind mehr als 400 Personen dabei getöter worden. Das nationale jüdische Sekretariat hat sämtliche Pogrome genau registriert. Hiernach haben in der Zeit von Ende November 1918 bis zum 20. Mai 4919 in .127 Orten Pogrome und blutige Exzesse stattgefunden. Von weiteren 40 bis 50 Orten läßt sich nicht genau sagen, welchen Uinfang dort die Ausschreitungen angenommen haben, da das Sekretariat mit ihnen nicht in Verbindung treten kann. Bet diesen Pogromen sind 3«— 35000 Juden ermordet wordeu. Ei ne große namentliche Liste der Ermordeten ist in den Hände n des nationales ^^r°)ariats. Diese Ziffer ist absolut zuv erla> t.rg, sie ist eher noch zu kle^n. Die Juden haben überall versucht, eine Selbstwehr zu «organisieren, das wurde aber von den Bolschewiki nicht geüattet, die die Juden vielmehr aufsorderten, in die -Note Arinee einzntretcn, wenn sie jüdisches Leben verteidigen wollten. lieber die Hilfsaktionen wird berichtet: Das zentrale Pogromkommitce verfügte in der ganzen Zeit der Pogrome uür über 4 Millionen Rubel, von denen P Millivnen von der Petliura-Regierung im Januar 1919 nach den ersten Pogromen gegeben worden waren. Tiefes Geld ist bis auf den letzten Pfennig verausgabt. Die Bolschewiki haben zwar viel Geld für die Hilfsaktion gegeben, ebenso das russische Rote Kreuz, aber'das alles ist in so unproduktiver Weise geschehen, daß die Lage der Pögromopfer — es handelt sich um mindestens eine halbe Million Seelen — grenzenlos verzweifelt ist. Die. Lebensmittelpreise steigen, Kleidung, Wäsche, Scbnhe sind nicht mehr vorhanden, ebenso keine Wohnungseinrichtungen, selbst das Fensterglas ist geraubt worden. Die Verluste der jüdischen Bevölkerung wurden auf einige Hehn Milliarden ge'- schätzt. Befehle, die er froh und glücklich entgegennahm, Weiler — wie er sagte — gewöhnt war zu arbeiten. Ja Alles ist Gewohnheit. Wir, hie dreizehn Robinsons auf der Insel, gewöhnten uns zum Beispiel, wenn wir aufstanden und aus der Höhle krochen, .Wasser und Milch, Bananen und Nüsse vorzusinden! Der Arbeiter legte alles zurecht. Sobald etwas fehlte, mußte er es beschaffen: .siel es nicht zu unserer Zufriedenheit aus, dann 'schalt man ihn und ermahnte ihn grob» es ein andermal besser zu machen. Er hörte unsere Ermahnungen schweigend an. Merkwürdig! Obwohl er ein ganz einfacher Mann war, verstand er, daß wir etwas anderes waren als er. Wir waren nicht für grobe 'Arbeit ge? schaffen; unsere suche war geistige Arbeit, Kopf-, Gehirnarbeit. Wir wunderten des Tags über die Insel studierten das Land, forschten, ob nicht irgendwo Menschen wohnten, kundschafteten aus, wo wir uns befanden, an welchen« M«er fnnb in der Nähe welcher Länder . . . Wir hofften, vielleicht einen Wohnsitz zu finden und endlich erlöjh zu werden, wenn uns ein vorüberfahrendes Schiff aufnehmen öder uns irgend ein Wunder retten würde. . . So verging ein Tag nach dem andern, eine Mache nach der anderen, ein Monat nach dem anderen, — aber nur sahen keine sHilfe, wir begegneten keinem Menschen 1 Wir gaben endlich alle Hoffnung aus und beschlossen, uns für immer hier, niederzulassen. Wir wollten ein regelrechtes Leben führen, eine Wohnstätte grükiden, die Kultur des Landes heben, Ordnung einführen, die Arbeit unter uns Verteile"», Gesetze und Rechet ausarbeiten, nach denen der Besitz verteilt werden sollte, mit einem Wort — ein Königreich bilden, einen Staat, eine Konstitution oder gar eine Republik. Wir begannen die Arbeit mit Lust und legten den ersten Stein zu unserer Republik, zu der ersten jüdischen Republik Ler Welt. Es versteht sich, daß' dies nicht s» "schnell geschah, wie es sich erzählt. Wir bitten um ietwas- Geduld bis zu den weiteren Kapiteln.

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