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Neue jüdische Presse · 1919-08-08 · Heft 31 (8.8.1919) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 31 (8.8.1919)
Date
1919-08-08
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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«eite 3. 1, Nr.. 31. Neue Jüdische Messe. Biddemeier- Yomelirae Tanz- und TVeia-DIele Vorzügliche Küche. — — ' — Reine Weine. Telefon Hansa 7607 Gr. Kornmarht 9. >6. te. tre» Olllttf nicht chäste i vor r gtf oder nwalt runde seine masfe daß war,. nhett, iesseS, runde örpcr uneränden nnde» geheilt bich* I) der i vor i eine . der at es e sich wirft > ""t bet Hhre» j und lmäh- 'eerese chäüett e npd raÄS otzeS milien kamg gab mili- Platze icrdem a F»- ir die einiger ierimg irrunst m gr- Polrselten; chleute zriechi- I besten rß und idsthast keine» >ird in ich d» »rächte, Saloer'sast Laloam 2. November nahmen Vertreter aller Regierungen und Bevollmächtigte aller Nationalitäten, die in Saloniki wohnen, teil. Mehrere Hundert jüdischer Familien sind bereit, nach Palästina überzusiedeln. Es bereiten sich zur Uebersiedlnng nach Palästina hauptsächlich arbeitende Elemente, wie Träger, Schissslente, Fischer, St.cinhauer, Baumeister und Handwerker, vor. Leider befindet sich das jüdische Schulwesen auf. einer niedrigen Stufe. Bei der großen Feuersbrnnst brannten auch die Schulgebäude nieder. In den Schulen Salonikis wurden früher ungefähr 10,000 Schüler unterrichtet, lvährend es jetzt nur noch 3000 gibt. Als Tr. Jzchak'Epstein'noch in Saloniki war, blühten die hebräischen Schule», — doch seitdem fehlt es an den entsprechenden Lehrkräften. Die Schulen in Saloniki brauchen Verbesserung und Hilfe, und Erez Israel hat die Pflicht, hier helfend einzngreifen. Die Salon! ker Gemeinde muß in ununterbrochener Verbindung. mit Palästina stehen. Hier lut keine materielle, sondern geistige'und moralische Hilfe not, und nur durch ihre Gewährung werden wir imstande sei», die jüdischen Gemeinden des Orients.für unsere Bestrebungen zu gewinnen." _ > Iditte Rede über Namensänderungen. In der deutsch-österreichischen Nationalversammlung hielt Abg. Sikricker bei dem Punkt Gebühren bei Namensänderungen — eine Namensänderung soll bei Vermögenden in der Regel 20,000 Kronen kosten — eine Rede, in der er sagte: „Meiner Ansicht nach sind 0b Prozent der Gesuche um Namensänderung ans Feigheit und Charakterlosigkeit znrnckzuführen; bei den Inden ist es sicherlich so. Es gibt nur einige Fälle, die davon auszunehmen sind, und zwar handelt es sich hier um die Gntmachnng einer alten, von Ihren Vorfahren begangenen Sünde. Vor ca. 100 Jahren wurden die Juden durch sie deutsche Regierung gezwungen, deutsche Namen anznnehmen, und dabei hat.sich etwas.Amüsantes ereignet. Ihre oentschen Beamten haben .es für gut befunden, den Inden, die nicht genüg Bestcchungsgclder gebe» wollte», appetitliche Namen beiznlegen. So kommt es, das; heute Inden hernmgehen mit dein Namen Bauchgeschwür, Asten und wie ne heißen. Nicht die Träger schändet dieser Name, sondern diejenigen,- die frivol genug gewesen sind, menschlichen Geschöpfen Namen aufzubürden,' die den Ekel erregen, und das sage ich Ihnen, wenn cs sich um Gutmach nng dieser von Ihrem Volk an meinem Volk begangenen Verbrechen handeln wird, werden Sie Rechnung tragen müssen der Stimme der Zeit und zugebe» müssen, daß diese Namen geändert werden. Anders liegt es mitden Namen, die jüdischen Charakter träger^ mit Acnderungcn der Namen K o h n, L ö w y und - A b e l e s und wie sie heißen. Wenn ich z. L. Kohn hieße, ich ließe es mich nicht einen Kreuzer koste,:, um mit Ihnen verwechselt zu werden! Was die Gebühr betrifft, wollte ich nicht über Gebühren sprechen, weil ich auf dem Standpunkt stehe, Unanständigkeiten soll man schließlich und endlich nicht zur Einuahmsquelle Inachen, geradeso, wie man ins die Prostitution keine Steiler legen soll, um dem Staate Steuern zuznfnhren, sollte man auch ans solche Unanständigkeiten keine Steuern legen. Da cs aber schon einmal jo ist, stehe ich auf dem Standpunkt: wenn schon, denn schon. Ich werde eine Abänderung dieses Gesetzes in oiesem Sinne beantragen, das; ich sage: „Wenn Sie schon nehmen, nehmen Sie gefälligst mehr!" Wann läßt sich denn — ich rede nur von Juden — ein Juoe Den Namen ändern? In welchen jüdischen Kreisen ist das Bedürfnis nach Wechsel der Konfession uns des Namens, das Bedürfnis nach Christentum und christlichen "Namen am stärksten entwickelt? In den zahlungskrästigen Kreisen! Deswegen bin ich der Ansicht: Nützen Sic das aus! Wenn sich so ein reicher Jlude taufen läßt und dann weiter noch Abelcs heißt, hat er keine Freude mehr an dem ganzen Christentum. (Schallende Heiterkeit.) Und er läßt es sich schon etwas kosten! Das wird auch von der anderen Seite stimmen." Deutsches Reich. Zur Verfassungsänderung jüdischer Grotzgemeinöen. Aus der letzten ssitzung der Deut s ch - I s r a e l. G e m e i ii d c in H am b u r g ist folgende» zu berichte»: Der Vorstand lehnt .die von den Repräsentanten beschlossene Bestimmung, wonach in das ReprnsentantenloUegäuu nur'wählbar sein soll, wer der Gemeinde mindestens ein :?a'hr angehört, ab. Der Vorstand must sich grundsätzlich gegen jede Karenzzeit hinsichtlich des aktiven- und vassiven Wahlrechts aussprechen. Lessing-Diele* Zeil 50 Erstklassiges Künstler - Trio. »sammistagrs Worte Max Nordaus. ' Max Nordau, Herzls Freund und Mitarbeiter, und ua'ch iHerzl die zuarkantesre Persönlichkeit der zionistischen Bewegung, beging «m £9. Juli den 70. Geburtstag. Aus diesem Anlaß seien nachstehend einige Stellen aus seine» Schriften wiedergegeben: Emanzipation. Die Geschichte der Judenemauzipntion ist eines der merkwürdigsten Hauptstücke der Geschichte des europäischen Denkens, Die Judenemanzipation ist nicht die Folge der Einsicht, daß man sich an einem Stamm schwer vergangen, daß man ihm Entsetzliches zugefügt habe und daß es Zeit sei, tausendjähriges Unrecht zu sühnen; sie ist einzig die Folge der geradlinig geometrischpn Denkweise des französischen Rationalismus iin achtzehnten Jahrhundert. Dieser Rationalismus. konstruierte sich mit der 'bloßen Logik, ohne Rücksicht aus das lebendige Gefühl, Grundsätze von der Bestimjntheit eines mathematischen Axioms, und bestand darauf, diese Gebilde der reinen Vernunft in der Welt der Wirklichkeiten zur Geltung zu bringen. „Eher sollen die Kolonien unrkominen, als ei» I Grundsatz!" lautet der bekannte Ausruf, der die Anwendung der rationalistischen Methode ans die Politik zeigt. ' D.ie Jndeiiemanzipation stellt eineandere, gleichsam automatische Anwendung der rationalistischen Methode dar. Die Philosophie Rousseans.und der Enzhklvpäoisten liatte zur Erklärung der Menschenrechte geführt. Aus der Erklärung» der Menschenrechte leitete'die starre Logik der | Männer der großen Umwälzung die Judeiiemaiizipation ab. . Sie stellten eine regelrechte Gleichung ans: jeder Mensch hat von Natnr bestimmte Rechte; die Juden sind Menschen: folglich haben die Juden von Natur die j Menschenrechte. ' - lind so wurde in Frankreich die Gleichberechtigung der Juden verkündet, nicht aus brüderlichem Gefühl ihr die Inden, sondern weil die Logik es erforderte. DaS Bolksgesühl sträubte sich sogar dagegen, aber die Philoiovhie der Umwälzung gebot, die Grundsätze über die Gefühle zu. stellen. Man verzeihe mir den Ausdruck, der keine Undankbarkeit in sich schließt: die Männer von | 1792 emanzipierten uns aus Prinzipienreiterei. — .Assimilationist dir sittliche Judennot, die bitterer ist als die leibliche) lvül sie höher differenzierte^ stzilzere, seiner, sühl»nH»-Menschen heünsuchte. Deremgnzipierte Judrist haltlos, unsicher in seinen Beziehungen zu de» Rebenmenschen, ängstlich in der Berührung mit Uilbekamiten, mißtrauisch gegen die geheimen Gefühle selbst der Freunde. Seine besten Kräfte verbraucht er in der Unterdrückung und Ausrottung pder mindestens in der mühsamen Berhüllnng seines eigensten Wesens, denn er besorgt, daß dieses Weien als jüdisch erkannt werden möchte, und er hat nie da? Lustgefühl, sich ganz zu geben, wie er ist, er selbst zu sein, wie in jedem Gedanken und Gefühle, so in jedem Ton der Stimme, in jedem Augenlidausschlag, in jede»'. Fingerspiel, Innerlich wird er verkrüppelt, äußerlich wird er unecht und dadurch immer lächerlich und für den höher gestimmten ästhetischen Menschen abstoßend wie alles Unwahre. „Schlemiel". Der „Schlemiel" ist wieder erstanden. Nicht jener unsterbliche jüdische Schlemiel, dessen Seele eine Mischung von Träumerei und Idealismus füllt, der sich daher in der realen Welt nicht znrechtfindet und es doch sehr müßte, damit er im Kampfe ums Dasein nicht unterliege. Vielmehr jener Schlemiel, der, eine der Schöpfungen der jüdischen Renaissancebewegung, vor dem Kriege als Zeitschrift in Berlin erschien und nun nach dem Kriege in verjüngter und verschönter Gestalt zu neuem Dasein erwacht ist. , „Schlemiel, Jüdische Blätter für Humor und Kunst".*» Auf den ersten Blick glaubt man eine verkleinerte Ausgabe der „Jugend" vor sich liegen zu sehen. Doch das ist nur der äußere Eindruck, der Inhalt ist gut jüdisch, denn der Witz bleibt, selbst wenn er scharf ist, gutmütig, er will geistreich sein, aber nicht verletzen und auch nicht die Sinnlichkeit reizen. Ihm ist, wen» er nicht gerade harmloser Gelegenheitseinfall ist, Ziel, ein Spiegelbild der Zeit zu geben und mit tresfendem Scherzworte Schwächen ihrer Persönlichkeiten oder Mißstände blitzartig zu beleuchten und so der kürzesten und schlagendsten Kritik zu unterziehen. Doch lassen wir den „Schlemiel" selber reden, indem wir aus seinen ersten zwei Heften einige Stichproben geben! Das Verhör. Ein jüdischer Kaufmann hatte eine christliche Frau geheiratet, hielt aber darüber seine in einem posenschen *'• Verantwortlich für jben literarische» Teil Dr. M a x I n n g m a n n, für den künstlerischen M e n a ch e m B i r nb a u ui. Bezugspreis 4 Mk. das Vierteljahr. Berlin NW 7, Dorotheenstr. 35, Theo Joliä^ Konfitüren und Schokolade Steinweg 12 Steinweg 12 Der Vorstand hat ferner beschlossen, daß alle männ—-- lichen und weiblichen Mitglieder, welche das Wahlrecht ausüben wollen, mindestens 25 Jahre alt sein müssen (früherer Antrag 20 Jahre); ferner soll das Alter für die zu Repräsentanten zu wählenden Mitglieder von 25 Jahre auf l!0 Jahre herausgesetzt werden. L a.? k a r beantragt, daß auch weibliche Mitglieder in das Nepräseutantenkolleginin gewählt werden rönnen, Zur Begründung führt er aus, daß die deutschen Juden sich dem Zuge der Zeit nicht verschließen dürfen. Der Gemeindekommissar spricht sich entschieden gegen den Antrag ans. Dr. L a n z k r o n bekämpft den Antrag vorn gcsctzestreuen Standpunkt, die Vertreter der Orthodoxie würden gegen die Wählbarkeit j>er Frauen Protest einlegen. Der Antrag Laskar wird hierauf mit großer Mehrheit abgelehnt, die Verfassungsänderung nach den Anträgen des Gemeiiidevorstandes genehmigt. Polen. Eine Lebensfrage. Der Gioßgrundbefitz Galiziens soll aufgeteitt werden. Die Inden Galiziens hätten auf etwa 400,000 Hektar Ackerland Anrecht und könnten so rund 100,000 Existenzen unterbringen, denn 4 Hektar genügen für eine bescheidene Bauernwirtschaft. Es müßte nur sehr schnell eine Organisation geschafsen werden, die bei der Aufteilung die Rechte der Juden vertritt und auch die notwendigen Kapitalien gegen Hypotheken vorschießt. Die Lage der galizischen Jndcnheit ist heute verzweifelt, ° der hier vorgezeichnete Weg würde mit einem schlage Rettung bringen, Paderewskt über de» FriedenSverlrag. Paderewski äußerte sich vor seiner Abreise aus Paris in einem Memorandum über die-Bestimmungen betr. der Juden Polens im F r i e d e ns v e r trag, daß diese Bestimmungen unter den gegebenen Verhältnissen die beste Lösung geweien seien. Ei» von jüdischer »Seite ausgearbciteter und von amerikanischer und englischer Seite gntgeheißener Vertragsentwurf habe die Anerkennung der jüdischen Nationalität und der jüdischen Sprache als gleichberechtigter Amtssprache verlang!, der gegenwärtige Vertrag aber verlangt nur Konzessionen. (Das ist nicht wahr. D- Redakt.l die Polen von selbst gemacht hätte, und gewähre außerdem nock die Einfüchrnng der polnische» Sprache in die jüdischen konfessionellen Schulen, (DaS ist unklar. Es handelt sich um die Unterrichtssprache, und die bleibt »ack dem Vertrage auch fernerhin die jüdische. D- Redakt.), ein Recht, daS die polnische Regierung von selbst nicht in Anspruch genommen hätte. Die Pressevertreter bei Morgentha». M o r g e n t b a n, der Führer Her amerikanischen Kommission, empfing Vertreter der polnischen Presse. Ans seine Frage nach den Voraussetzungen für eine polnisch-jüdische Berstü'.'digniia wurde ihm erwidert, die Juden sollten sich Städtchen wohnende 80 jährige Mutter in Unkenntnis. .Schließlich ließ sich aber ein Besuch seiner Frau bei der alten Dame nicht vermeiden. Die junge Frau wurde von ihrem Mann bis in alle Einzelheiten instruiert, nnc bei einem Verhör das Geheimnis nicht zu verraten. Die Mutter benutzte auch die erste Gelegenheit, als sie mit ihrer Schwiegertochter allein war, um sich über die religiöse Haltung ihres Sohnes zu informieren. „Sag mal, liebes Kind," begann sie, „ich habe gehört, mein Sohn geht am Sabbat ins Geschäfts , .Aber er arbeitet dann nicht," versicherte die Schwiegertochter instruktionsgemäß. „Ist eS wahr, daß er auch treefe ißt?" „Höchstens ans Reisen. Bei uns zu Hanse ist aber aller in Ordnung." „Legt er denn Tfillin?" Darauf war die junge Frau nicht vorbereitet. In einiger Verlegenheit gab sie zur Antwort: „Wie es gerade kommt, — mal legt er, mal lege i ch." „F raue n tvahlrecht .... »a, das geht noch, aber Verhältniswahlrecht — das geht zu weit . .!" * „Unsinn!! Bei den KriegSgesellschasten kann man nicht von Ver j u d nng spreche», sondern nur von Bergoidnng . . .!" ' - > * ' Im Felde war eines Tages ein - Bekannter von mir sehr entsetzt, als ein Mann seiner Kompagnie von ausgesprochen arischem Typus ihn fragte: „Sind Sie auch ein Bar Jisroel?" „Sind Sie denn auch -Jude?" sragte me!» Bekannter. .Das nicht," war die Antwort, „aber aus der Konfektivnsbranche." In einer mir befreundeten Familie werden vielfach ReligivnSgespräche gesührt. Bubi, der aufmerksam znhört, stellte kürzlick' die Frage: „Mutti, waS ist eigentlich Religion?" Ehe noch die Antwort gegeben wurde, brachce die . schon die Schule besuchende Anne-Marie die folgende Be- , grisisbestimmung: „Religion, — dies ist die Stunde in der Schule, zu der Kran nicht zu gehen braucht .

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