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Neue jüdische Presse · 1919-08-08 · Heft 31 (8.8.1919) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 31 (8.8.1919)
Date
1919-08-08
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Neue Jüdische PreIe. Xx . 31. Mangel an Frequenz, eine Zukunft nicht hätte. Die jüdische Religionsfchulc oder der private jüdische Religionsunterricht au den höheren Lehranstalten hat in den meisten Fällen auf die aus dem Osten tzammcnoen jüdischen Kinder ebensowenig Rücksicht genommen, wie er es' verstand, die in dem Eltcrnhause ven deutschen Kindern beigebrachten Vorurteile gegen die ostjüdischen Kinder überwinden zu lassen. Es ivird geradezu ein Graomesser' für den Wert der jüdischen Schulen sein, in welchen! Maße es gelingen ivird, diese Angleichung zwischen ost- und westjüdischen Kindern herbeizuführen, ohne oabei die aus dem ostjüdischen Milieu mitgebrachtcn Werte zu zerstören. Es soll auch'hierbei nicht geleugnet werden, daß die Schule gegenüber manchen Eigenarten der Kinder wie der Eltern eine schwierige Aufgabe haben wird; aisrij wird es geraume Zeü bedürfen, bis sich sowohl die ostwie die westjüdischcn Eltern an den Begriff der jüdischen höheren Schule gewöhnt haben werden. Die durch die gemeinsame Schule hindurchgegangene west- und ostjüdische Jugend wird von vornherein nicht mir der Hypothek deS gegenseitigen Vorurteils belastet sein, uno aus diesenr'kameradschaftlichen Schulverhältnis wird sich selbst ein späteres, gesellschaftliches Zusammengehen ergeben. » Für die heutige Generarion von Ostjuden jedoch, die. solche gemeinsame Schule und Jugend nicht durchgemacht hat, heißt es, auf anderem Wege sich zu verständigen. Wir wiesen in der vorigen Nummer der Zeitung auf die Bestrebungen von Seiten der Ostjuden, sich selbst zu organisieren und durch eine zentrale Organisation die Regelung der sie insbesondere. betreffenden Fragen in die Hand zu nehmen. Den Kenner der Verhältnisse wird dies nicht Wunder nehmen; denn überall, wo-Ostjuden. sei es auch in kleinster Zahl, zusammen sind, begründen sie ebensowohl Wohltätigkeitswie Geselligkeitsbereine, von denen die letzteren durch das starke Interesse der Ost-;uden am Theater chre besondere Note zu erhalten pflegen. Trotz des organisatorischen Sinnes, der sich darin brkmchet, besteht dennoch vielfach eine Zersplitterung und ein Zuviel an Vereinen, so däß die geplante Zentralisierung und ein straffer organisierter Aufbau nur zu begrüßen wäre.. Mel wichtiger aber erscheint uns, ' daß in allen jüdischen Umcrstützungs- und Wohltätigkeits-Vereinen, die dir Ostjuden bisher nur als Nnterpützimgsobjekte kannten, Ostjuden in die leitenden Stellungen gewählt werden, weil sie ja die Bedürfnisse, der Ostjuden selbst viel besser kennen. Die wirtschaftliche Verschiebung, die während des Krieges stattgefunden hat, wird es mit sich bringen, daß die Ostjuden ,in vielen Gemeinde» ihren redlichen Anteil an jüdischen Gemeindesteuern tragen werden, und nichts wäre berechtigter, als diesen gleichen Pflichten auch gleiche Rechte gegenüber zustellen. Nur ein« kurzsichtige jüdische Politik könnte sie ihnen - verweigern, denn die Söhne derer, die heute noch vom Gemeindewahlrücht ausgeschlossen werben, werden infolge ihres raschen Aufstieges wahrscheinlich bereits als Rechtsanwälte oder Kaufleute von Ruf eine führende Rolle im Gemeindevorstand spielen. Aber nicht bloß unklug wäre es, sorürern auch unsittlich, es würde gegen den Geist des Judentums verstoßen, wenn mir, denen Gastlichkeit gegenüber dem Fremden höchstes religiöses Gesetz ist, soweft an die Engherzigkeit deutschen Spießbürgertums assimiliert wären, daß wir uns scheute» sie als Brüder zu begiüßcn. Wenn mau nicht aus dem radikalen Standpunkt Klatzkins steht und dem Judentum in der Diaspora jeden Wert und jede Zukunstsbedeutung abspricht und das Jahrhundert jüdischer Geschichte in Deutschland von Mendelssohn bis Hermann Cohen als -wertlos für die jüdische Geschichte gestrichen wissen möchte, — muß man daraus bedacht sein, die im. deutschen Judentum vorhandenen Werte, den nach. Deutschland cinwandcrndrn -Ostjuden zu vermitteln. Wir glauben, daß das deutsche Judentum trotz aller seiner Schwächen eine Reihe positiver Werre und Eigenarten repräsentiert, genau wir - sie auch den aus dem Osten zugewanderten zueigen sino, und hassen, daß es möglich sein wird, durch die Ver- ' schmelzung von Ost- und Westjuden das deutsche Judentum innerlich zu festigen und ftuchtbarer zu gestalten 'And seine Bestand nach außen zu garantieren. So berechtigt wir sind, die größten Hoffnungen und Erwartungen an. das neue zionistische Gemeinwesen in Palästina zu stellen, so wollen wir, im Gegensatz zu Klatzkin, nicht vergessen, daß auch vor dem Untergang des nationalen Staates die Diaspora einen integrierenden Bestandteil des Judentums darstellte. Nach den Ber- - hcerungcn des fünfjährigen Weltkrieges ist es für das deutsche Judentum Zeit, die Steine zum . Neuaufbau zusammenzufügen. Menschen mst menschlichen Schwächen - finden sich in unsere Reihen sowohl wie unter denen. die der Not gehorchend hier in Deutschland ein Asyl gefunden haben, unsere Pflicht aber ist es init Jesaija, nicht bloß dem Hungrigen das Brot zu reich?», de» Armen und Unterdrückten,»! unser Haus zu führen, sonder» auch wo wir eine Blöße sehen, sie zu decken, und unserm Fleisch und Blut gegenüber nicht zu versagen, sondern uns ihnen zu widmen in selbstloser reiner Hingabe, ohne Vorurteil und ohne politische Rücksichten. Bartholomäusuiichte i« der Ukraine. (5- P- 8-) Einem Berichte des Komitees der Jüdischen Delegationen in Paris entnehmen wir: - Unerschütterliche Beweise haben gezeigt, daß die Dementis der jüdischen Massakres in der Ukraine falsch sind. In Wirllichkeit sind während des letzten Halbjahres Z e y n t a n s e n d c von Juden massakrier! und H u n d e r t t a u s« nd e beraubt und mißhandelt worden. Die schrecklichen Tage der Inquisition wiederholen sich; grausame Torturen, physische und moralische Leiden sind an der Tagesordnung. Die Namen nur einiger der heimgesuchten Orte mögen folgen: . Gitomir: Vollständige Zerstörung, 70 Tote uno Hunderte von Verwundeten. Brrditschew: Plünderungen „nd 30 Tote. Der Pogroin wiederholte sich zweimal. Prosknrow: Laut Angaben von Dr. Kern, Arzt in Woloczyska, 3964 Juden getötet.' Bjelaja Cerkiew: Zahlreiche Tote und 50 vergewaltigte Fraueit. Strpanze: Biele jüdische Mädchen vergewaltigt, die ganze Bevölkerung beraubt. Felschtyn: Tausende von Seelen, die ganze jüdische Bevölkerung massakriert; blos 25 jüdische Familien wurden verschont. Die Pogromhelden warfen Brandbomben in die Keller und die anderen Orte, wo die Juden! Zuflucht gestützt hatten. Das ganze jüdische Viertel, mitsamt seinen Einwohnern, wurde rin Raub. der Flammen. ' Letitschew: Biele Tote. Balta: 90 Tote. Ananiew: 62 massakrierte Juden. Nietschajewka: Die ganze jüdische Bevölkerung massakriert. Alle. jüdischen Ansiedelungen im Gouv. Jekaterinoslaw zu Grunde gerichtet. Uinaii: Mehrere Hundert Familien tot. - Kamenetz-Podolsk: Mehr als hundert Juden getöret, allervernichtet. - Kstaigvrod: 77 getötete Juden, eine Mei^qx von Verletzten. / Urinckk: 40 getötete Juden. Die lange Liste enthält melhr als 80 Orte, in denen Pogrome stattgefunden habe». Ei« Judeugemetzel in Odessa. Tausende Tote- — Das Judenvlertel t« Brand gesteckt. Das rumänische Preßbureau meldet aus Kischinew: Aus Odessa cingetroffene Flüchtlinge erzählen, daß dort ein großer Pogrom stattgefunden hat. Dir Truppen des Generals Gregoricw, die Odessa besetzt halten, haben eine erbitterte Verfolgung der Juden begonnen. Das Judcnviertel wurde zcrniert, woraus sich ein Gemetzel .erhob,-dem nicht ein einziger Jude entrann. Sodann wurde das Judenviertcl in Brand gesteckt. Die Fcuersbrunstdauerte drei Tage und Nächte au. Unter dem Eindrücke der siirchtbaren Ereignisse hat die jüdische Bevölkerung der ganzen Ukraine eine Trauer von 14 Tagen ungeordnet, der - sich die Juden von Bessacabicn angeschlossen haben. Condltorei und Cafd Wilhelm Wendel Alte G-asse 6. Seu renoviert und vergrössert. MT Et». Mitteldeutsche Creditbank Dapasltenkass« und ■•ehaalstnbe HanausHandstrass« I. Fernapr Amt Hania 8284. PoatBcheck-Konto 44256. haben sich im Kriege gedrückt, sie haben glicht treu genug für Kaiser und Reich gedient, und das konnte »ach dem Umstürze die tschechische Bevölkerung'doch nicht ungestraft lassen!" „Dse Juden haben sich durch Geschäfte und Spekulationen bereichert, und das mußte doch vor allem die Landbevölkerung erregen!" In jedem Juden, der erschlagen oder auch nur geschädigt wird, ist das ganze Judentum erschlagen-oder geschädigt worden. Wenn der treffliche jüdische Anwalt behauptet, die sogenannte Intelligenz hätte im Grunde jene Ausschreitungen organisiert, so. wird er dafür seine Anzeichen haben. Aber niemals kann eine Volks muss« gleichsam auf Kommando reguliert werden, ohne daß sie vorher Klange und gründlich vorbereitet worden war,. Die Holleschauer Vorfälle smd keine lokale Angelegcnheft, sic sind der Durchbruch eines alten Erziehungsprozesses, und kein noch so strenger Richterspruch kann im Grunde wahrhaften Wandel schaffen. Wenn tzi einen Körper ein Krankheitsstoff eingedrungen ist, dann können unerwartet an jeder beliebigen Stelle des Fleisches Wunden anfbrechen: da genügt es nicht, oa oder oort die Wunden zu überllebcn'oder zu schneiden: Das Blut muß geheilt werden! Eine reinere Auffassung vom Zusammenleben der Völker tut not, dann wird sich der Fall Hollcschau nicht wiederholen. Hier erwächst vor allem den Schulen und noch mehr den Zeitungen eine große kulturelle Sanierungsaufgabe. M a s a r y k, der große Volkserzicher> ging auch darin voran: er hat es abgrlehnt, Ehrenbürger dieser Stadt zu werden, die sich durch Pogrome, erniedrigt hat. Ein solcher Schritt wirkt mehr, als die scheinbar besten Schutzmaßnahmen." Die Lage »er Jude» i» Saloniki. Hollescha«. Die Prager „Selbstwehr" schreibt: „Ter Berhandlungsbericht über die Ausschreitungen in Holleschau las sich wie ein mittelalterliches Dokumenr. Auf Mord und Plünderung lautet die Anklage, — und die Verteidiger der Angeklagten rufen mit leichtherzigem Pathos: „Die Beschädigten sind doch Juden!" Dazu kamen noch ein paar moderne Pointen. „Die Juden Nr I Vo Te am 2 und! niki I sind i zur II Eieim Baun auf.« dran» ialor richte! Jzcha bräisck sprech> branck die P Verbi tericll nur d jübisck zu ge hielt Name Verni eine suche lvsigki „Chadaschoth Haar»z" gibt eine Unterredung mit Jaakow Meir, Oberrabbiner von Saloniki, wieder, der wir folgendes entnehmen: Die furchtbare Feuersbrunst vor iy3 Jahren trat fast ausschließlich Juden und vernichtete Hab und Gut zahlreicher früher wohlhabender Familien. All mäh- JW) besserte sich die Lage. Es kamen fortgesetzt Heerestrupven nach Saloniki,' und mit ihnen kamen neue 8*sr werbsmüglichkeiten. Heute sind die materiellen Schädel» der Feilerbrunst fast verwischt, — doch die geistige ujtft moralische Situation speist noch große Schäden auf. Ter Oberrabbiner erzählt dann, daß die fr'alv» zö>si sche Regierung den Juden ihr große- Hospital übergeben hat, wo man dreihundert Familien untierbrachte, die bis dahin in Zelten und Hütten kampieren mußten. Die griechische Regierung gab den großen der Gemeinde gehörigen Platz, der sür militärische Zwecke r»quiriert ivar, frei. Auf diesem Platze wurden dreihundert neue Häuser gebaut. Außerdem machte die italienische Regierung sür 200'Familien Platz, sodaß die Wohnungsfrage für die von der Feuersbrunst Geschädigten nach Verlauf einiger Monate fast gänzlich gelöst war. Das Verhältnis zwischen der griechischen Regierung und den Juden ist ein gutes. Die griechische Regierung hat bei verschiedenen Gelegenheiten ihr Wohlwollen gezeigt. Zuerst litten wir viel von den griechischen Polizisten, die überhaupt die Bevölkerung grob-behandelten; aber jetzt hat sich die Lage geändert, da die Schutzleute in den jüdischen Vierteln Judensind, die unter griechischem Kommando stehen. Die Saloniker jüdische Gemeinde ist die am besten organisierte unter den Gemeinden des Orients. Haß und Neid sind ihr fremd. Brüderlichkeit und Freundschaft herrschen in den Reihen der Gemeinde, es gibt oort keinen Zwiespalt und keine Zwietracht. Der Rabbiner wird in Saloniki sehr geehrt. „Die zwölf Jahre, die ich in . Saloniki als Hauptrabbiner der' Gemeindeverbrachte, sind di? glücklichsten meines Lebens." , Die zionistische Bewegung hat ficf) in Saloniki viele Anhänger erworben. Heute gibt es hier , fast keinen einzigen Gegner des Zionismus;J)i* Juden Salonikis arbeiten vielmehr in jeder Weise für dm Zionismus; in der Presse (in .Saloniki erscheinen jüdische Zeituygen in spaniolisch und französisch), durch Geldsammlungen,. durch Arrangierung von Festen und Propägqudqversammklmgen. An der Feier d/s Dcklarätiönstagrs , v. (! sind, einer Vor c Regie dabei Beai» nicht liche! herim wie r »äch Bewe, diesen Schri 3 nierku Denke Eins» gange daß sie i| Denkt ten £ mit L m, Axior Bern: bring! Gran düng ' 3 miton Die? zur C rangf 1 Mänr I ab.. Menh Mensi Mens, V der! für i Volks iovhik GeM keine l 179» leiblü lend»

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