Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 30 (1.8.1919)
- Date
- 1919-08-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2692297-2693126-2693156--10813-2706189- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Leite. 4 *' N ,30V Philipp Trauner Textorstrasse 68. Telephon Römer 5778. De«isch-Vesterreich 20000 Personen vor verzlS Grab Mn- Jahrzeitstage Theodor Herzls schritt diesmal ein Zug von mehr als 20 (XX) Juden (an seinem Grabe vorbei, — während.sich früher stets nur kleine Kreise cickfändeii. Diese Kundgebung dokumentiert einen Wandel' der' Zeiten. > Progromhetze. . Wie den, „Wiener Tgbl." aus Baden bei Wien berichtet wird, iourden dort an, den Häusern viele Hunderte von Zetteln angeklebt, in ivclche» unter den unflätigüen Beschinchsungen des Judentums zu Ausschreitungen gegen die Juden aufgefordert Ivird. Einer der Leute, der beiin Ankleben eines solchen Zettels betreten und verhaktet wurde, gab an, er sei vorn Kamin u n i st e n s ü h r e r W i p p e l in Böslau gedungen worden. Die jüdischen Geincindcvcrtreter vo» Baden 4vandten sich an die Behörden, erhielten aber nur ausweichenden Bescheid, so daß in de» jüdischen Kreiseir graste Beunruhigung herrscht. Antisemitische ArbeiterrSte. Der „Wiener Morgenztg." wird geschrieben: „Leute, di« nach Tirol einreisen wollen, ui» sich in einer der vielen Sommerfrischen dieses Landes zu erholen, machen die Merkwürdigsten Erfahrungen. Ihre Gesuche uni hie Einreisebewilligung werden entweder gar nicht beant^ wortet — obzwar der vorgeschriebcne Stempel bcigelegt war.— oder brüsk abgelehnt. Letzteres dann, und zwar durchgängig und ausnahmslos, wenn der .Geluchsteller einen jüdisch klingenden Namen, trägt. Diese Praxis wird' aber erst seit dem Zeitpunkt betrieben > da die sozialdemokratischen, Arbeiterräte dis Kontrolle der Einreisen an sich genommen Haben. Es beste' überhaupt ein sonderbarer ZusanNnenlang zwischen der moderne» Forin des Sozialismus, respektive Komnlunismus und dem Antisemitismus. In Baden zum Beispiel sind es außer den Deutschradikalcn noch die Kvnmrunisten, die eine so arge Pogromhetze betreiben, daß es schon zü. Panskszcncn gekommen ist. Davon scheinen die Wiener jüdischen- Kommunisten, die sich setzt ihren christlichen Genossen aus Leibeskräfte» anbiedern, nichts zu wissen." Kurze poltttsche Rachrichte«. Olmntz. Die Holles Lauer Pogrome int Dezember, bei denen mindestens fünf Millionen Kronen' Werte geraubt und vernichtet wurden, stehen gegenwärtig vor dem hiesige» -Schwurgericht zur Verhandlung. Warschau. We von Wilson eingesetzte, gmS Lwöss Personen unter der Führung Morgentaus bestehend- „Kommission zur Untersuchung der Juden f r ag e i u Pole n" ist hier eingetroffen. Ihn' Aufenthalt in Polen dürfte mehrere Monate dauern. Infolge der' Frage der Agrarreform ist eine Umgruppierung, in den Parteien des .Landtages eiligetretcn, die die Sprengung drs antiseinitischen Mehrbritsbkocks zur Folge hatte und bei den Allst iunnnn gen unter Umständen Hie kleine jüdische Fraktion zum Zünglein an der Wage macht. Än der Frage der sozial gerechten Einteilung - des Grundbesitzes haben di- Juden schon deshalb ein besonderes Jchteresst, -da sie ous Gründen ihrxr Erhaltung sehen müssen, einen Teil ihres Bestandes der Landwirtschaft zuzuführen. Paris. Das Komitee der jüdisch e«-Delegat I v n e II wählte für den nach Amerika zurückgereisteit Louis Marshall Na hum So-kolvw zum Borsitzenden. Kiew. Die Eovjet-Regierung bat auch alle südlichen Jnstitiitionen aufgelöst. Perio»«tte» «. kleine Berlin Marie Senator, geb. 'Bendix, Miwe Geheimratö Senator und Schwiegermutter Professors Dr. Heinrich Silbcrgkeit, ist75 Jihre alt — berschte, den. Berlin Moritz Dorn, Präsident deS Vereins Esra, Vorsitzender des Aussichtsrates der 1897 begründeten Jmportgefellschaft „Palästina", Vorsitzender der Amicitia, Verein zur Erteilung deutschen, Elementarunterrichts an junge Ostjuden usw.. beging» äm 2. August den 70. Geburtstag. Berlin Oskar Gerechter vennachte der Jüdischen Gemeinde 100000 Mk. als Stiftung für .bedürftige jüdische Herzkranke. Der erstochene französische Sergeant Manheim war Jude. Lffevbach. Rabb. Tr. D i e II e III a II N-Ratiborist nach hier berufe» worden. . C Chemnitz An der hiest.ea Talmud-Thora-Anwalt, welche von 110 Zöglingen besucht wird, wurde eine dritte Lehrkraft eingestellt. Lehrer kluger wurde zum Oberlehrer ernannt,: München. Die KuftuSgemeinde ist, von dem verstorbenen Gabriel Löwenstamm, einem. Sohn des ^früheren. Kantors der-Gemeinde, hur Akleiner bin seines' etwa 12k>-00i0 Mü. betragenden Bermögens eingesetzt worden mit dem Aufträge zur Errichtung einer Stiftung für die Erziehung blinder und krüpelhafter Kinder. ££ Kaffee Bnhland Kaiserstrasse 56 EuaerstraBse 56 Täglich erstklassige Unterhalten gsmnslk i»« ■' KfiäiUewpleie "• nnd . ", Arka«lla-l>lele ~ Eaiserstrasae 69.. Telefon: Hansa 5516. | Ol» ersten Kflaatlwsplel» ■■ Platz». Achim-Bremen. Adolf Rothschild, ein bewährter! Mitarbeiter der „Neuen Jüd. Presse", ein Lehrer, der! seinen Berns aui die idealste Weise erfaßt hatte ,ii»bl sich in Wort und Schrift besonders uni die Hebung! des Judentums in Deutschland mühte, ist im besten Alter! — er, wurde »1875 in Hörstein geboren — Her-! s chicdr u. New Aork. S ch a l o III Asch ist von seiner Steife in Litauen nach hier zurückgekehrt. Zionistische Rachrichte«. Jubiläen zionistischer Führer. Professor Dr. Otto Marburg, der Präsident derl Zionistischen Organisation, beging am 20. Jchli den 60. Geburtstag, Dr. Max Nordau am 29- Juli den 70. Geburtstag und Professor Dr. Heinrich L o e w, einer der ersten Vorkämpfer für die ziouistischc JHee in Deutschland, am gleichen Tage den 50. Geburt S t a g. i Jüd. Paläftin. Steife- und Transportgesellschaft m. b. H. Wien. Die jüngst gegründete „Jüd. DaläMn. Reisr- und Tranrvortgesellschaft" plant bereits für die nächste Zeit die Errichtung von Organisationsstellen in - beit Hauptorten der Emigration, wie Lodz, Warschau. Kiew. Krakau und Leinberg, in den Unischlagestellen Odessa, Triest und Fiume und in den Aiisschiffungshäfen Haissa und Jaffa lPalästina). Hierdurch soll die klaglose Besärdc rung von Personen und Güter vomAusgangspunkt der Wanderung bis zum Bestimmungsort in Palästina, von einem im zionistischen Geiste geleiteten und von der zionistischen Organisation kontrollierten Unternehmen gewährleistet werden. Das Gesellschaftskapital soll 1 Million Kronen betragen. Ein Teil dieses Betrages wurde -bereits in den ersten Tagen nach der SubskriptionserVffnung gezeichnet. Auskünfte jeder Art ulnd Siibskriptionsaiimelvungeit bei der jüd. Paläst. Reise- und Transportgesellschaft m. b. H., Wien II, Praterstr. 9 1. Zionistische Tagungen in Amerika. Die Iahr eskonserenz der A in e r i k a n. Zion. Organisation wird am 14. September in Chicago beginnen. Die mehr als 700 n at io nal-sAd isch e n Inge n d v e r ei n e (?)oung Judäas tagten Ende Juni iw New-Bork. Reue Jugend. A«S dem Roma« Max Brods „Das große Wagnis." (Kurt Wolfs Verlag, Leipzig und Wien.) „Nichts ist verloren, solange noch Aussicht'- besteht, daß irgendeine zukünftige Generation in einer Erziehung heranwächst, die ihr richtige Entscheidungen ermöglicht. „Wir alle sinh so herangebildet worden, daß wir uns ' ui den Hauptpunkten unseres Daseins falsch entscheiden imlsften öder überhaupt nicht entscheiden konnten, da daA . Vorurteil unserer Kaste oder die Gliederung der Gesamtheit schon im Korans die 'falsche Wahl für uns getroffen batte: den tagansfülleiiden Geldberuf, die Ur- . beitstcilung, die nichts als Arbeits-Häufung ist. den ungerechten Körper der Gesellschaft, den mochthungrigen Staat, die ausschweifende Liebelei Und die 'vernunftberechnete Ehe ... In derlei na- ' turwidri'aes Gehaben wurden wir förmlich hineingeboren. Wenn' es so etwas wie Erbsünde gibt, so ist es die Trägheit, Mit den Gepflogenheiten solcher Art fort- und sortgeerbt werden. „Nichts Elenderes, nichts Unseligeres, als auf einer falschen Entscheidung zu stehen. — Wer,'in ihr verbleibt, iü wahrhaft in der Verdammnis. Keine Rettung gibt ■-.cifür ihn. Er mußsündigen, er muß, und sei sein <Dille noch so rein. .Denn, .entweder.gibt er seinem Trieb nach Und das kann, solange er in seiner falsche» Stellung verharrt, nur gewaltsam, nur durch Verbrechen gc- -- schehen. Oder tut er.alles, tun einer aufrichtig gewplltcir . Tugend zuliebe diesen Trieb zu verkrüppeln, dann wiüd er täus Aufrichtigkeit zum Heuchler, aus Männlichkeit zum' Hämling, — ein Lügner vor lauter Selbstlosigkeit, -Leim was vermag den» Selbstlosigkeit, wenn das Selbst Jwrler nicht in , sich selbst geläutert war? .'Man wirft einen Kranken aus dem Haus, statt ihn zu kurieren, „Warum nicht Tügen? Warum sich an Hie von außen- ..gegebenc einfache Wahrheft halten? Ist die' Lüge nicht -ein Zeichen von Kraft, Mut, Kultur. Elastizität des» 'Geistes, «Schönheit, Erfindung? — Ja doch! Aber Lüge .ist und bleibt eng. Eine Sackgasse ' indes 'Wahrheit - in Gottes unendliche Welt hinanssührt, daher gpm Schluß fvgar än Abwechflungsreichtum, also in deriiebensächlichstrn Nebeüeigenschast, die Lüge überstrahlt. — Man umg die- Sackgasse Lüge noch so sehr Mit Kulissen, Kuriosi- ' täten, Kram vollstopfen, man mag sie mit allerkleinsten, behutsamsten Schrittchen durchschreiten: nichts zu machen, ' —' jüier Schritt bringt Meine 9kase um einen Schritt -Der Wand näher. Nur die Wahrheit geht ins Grenzenhfe, Die Sünde ber :Lüge aber heißt: Endlichkeit. ' "; -->,Wer .erzieht nun eine Jugend, die ivahrhaftigin ihrer ersten Wahl" ist, wahrhaftig in der Liebe und aus dieser guten Wurzel heraus unendlich in jedem Gefühl? Alles andere wird dann von selbst Nachfolge». Denn ein« solche Jugend hat die Gnade. Die Gnade, das ist: wahrhaftig sein dürfen und dabei aus -dem'' Herzen hervor gut kein. ,Mo bisher Hoffnung auf Gnade war, dorthin stelle ich Ruths Hoffnung aus eine-neue Jugend, Ruths Hojjnung aui die''großen Führer der Jugend und auf den größten Führer, auf den Messias der -wnüneii wird . . ." ' „Welches ist das Zeichen mrf der Stirn des Messias? — Daß. er sich unbeirrbar "richtig entscheidet. — Anr Geruch erkennt er 'das .Böse und «das Gut«, so sägev die alten Schriften. „Und welches die Lehre, die vvrauSgesandte Botschaft des Messias? — Unaufhörlich erklingen (so lehrt erlaute Rufe in jeder Mcnschenseelc. Man folgt eineiir von ihnen, .glaubt, die innerste Stiimne verfolgt zu haben^ ,— ttitb es war doch nur falscher Apelt! Kvnmit dann nachträglich, der richtige, so strahlt einenr zwar der Unterschied .zwischen ihm und den Lockungen förmlich wie eine Stichflamme ins Gesicht, aber dann hilft es einent nichts mehr, es ist zu' spät . . . Dies mt« ist notwendig : in jungen Menschen eine angespannte Erwartung, eine ungeheuere Vorstellung' des richtigen Rufes wecken, die gar nicht streng genug, gar.nicht leuchtend genug sein kann. Es wird'.ein Wunder'kommen, muß man ihnen sogen, ein unbezweiselbares Wunder, eine übendeutliche Helligkeit, die sich von allem Mittleren und Gleichgültigen eures Lebens hoch abhebt, vergeudet euch nicht auf halbe Andeutungen hin, wartet auf das Wunder' „Glaubet fest, daß es eines Tages in euer Da st in einircten wird, in euer Leben wie in jedes mcilschlich? Leben, Und ist K da, dann 'greifet darnach mit aller Hejliokeit, aller ausgestauten Kraft eurer Seelen. - ' „Glaubet fest, daß kein Mensch es nötig hat. sich' billiger, herzugeben. „Glaubet fest, daß im Weglosen die eigeutticheu Wege liegen. „Von diesem Glauben hängt alles ab!" Met« Bolk.») Von Marek Scherkag. Jni^Dorf grünt's allenthalben. L-chon blühen Baum und Strauchs. Und Nester bann die Schwalben, - Bmn Dach grüßt. blauer Rauch. 9tun sollte .ich mich sreucn, Wie ich es sonst getan. — Die' Welt weckt int (Seltenen Nicht mehr den schönen Wahn. Was ist der Freude Hemmung? Was schürt mein Herz mir ein? Was llagert wie Betleiinnung Jii vieiner Seele Schrein? Ick seh nicht Rettung blühen Für meines Voltes Leid. In Qualen, Sorgen, Mühen Berlünrmert's vor der Zeit. Da Freund und Feind gewaltsam Es dft zum Selbstmord zwäng. So wankt es unaufhaltsam Zum sichern Untergang. Mit Ketten an den Händen Hinschleicht cs durch die Welt. Wer soll das'Schicksal wenden? Wo bleibt der starke Held? Es will der Tag verbleichen, Und duntler wird der Pfad. O 'gib mir, Gott, ein Zeichen, Daß Deine' Gnade naht! So stand ich lang int Dunkel Vor meinem Gott und ries. Beim ersten Sterngeftinlel Ein Schauer mich durchlies. Und wie ein Rosenleuchten - Hinfliegt's am Hininielsraum, Ick fühl den Blick sich feuchten Von einem hellen Traum. Ein Traum von tiefem Streben, Bon Lenz und Auferstehen: ' Heiß ringt mein Volk nach Leben Und wird nicht untergehn. r *) Probe «iii: I n der F r e md e» Neue Judeulieder von Marek Sch e rl a g. 80 Seiten, Mk. ,3-—v. geb. 5.^-. Berlin W, Axel Junckr Verlag, - . . . '