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Neue jüdische Presse · 1919-08-01 · Heft 30 (1.8.1919) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 30 (1.8.1919)
Date
1919-08-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 30 V-- ^Neße' Seite 3. Eönfitnren und Schokolade Steinweg 18 . - '_Stein-weg 12. Tie, Nationalitäten, die jetzt innerhalb der Grenzeir Oesterrcich-UngarnS ihre Selbständigkeit erklärt haben, mobilisieren für ihre Zwecke in den sibirischen Lagern, und zwar nicht nur ihre Volksgenossen, sondern sind auch daran, die' jüdischen Kriegsgefangenen einzureihen. Seit Dezember 1917 sind wir überdies ohne jede Nachricht aus der Heimat. Sv wirksam und verdienstvoll jede-wie immer geartete Unterstützung unter den gegenwärtigen Verhältnissen erscheint, müssen wir dennoch darauf aufmerksam machen, daß uns auf diese Weise nicht geholfen werden kann. Helfen kann hier einzig and allein der Abtransport. Wenn uns nicht fremde Hilfe zuteil wird, so verzweifeln wir daran, selbst binnen Jahresfrist frei zu werden. Wir richten da-, her an Sie die dringende Bitte: 'Bringen Sie uns diese Hilfe, helfen Sie mit dem. großen politischen Einfluß der Zionistischen Organisation dem Sibrischen Zionistischen Exekutivkomitee bei seinen Bestrebungen. Sie werden Wege finden, Hunderte von Mimncrn, die im besten Mannesalter oder in der Blüte ihrer Jahre stehen und über Kenntnisse und praktisches Wissen verfügen und sich und' alles, was sie haben, der zionistischen Sache weihen, bei ihnen oder anderswo ein Arbeitsfeld zu geben. Setzen Sie sich dafür ein, daß diejenige)!, die schon heute von hier aus nach.Palästina gehen wollen, mir der Absicht, jede wie immer geartete Arbeit im Dienste unserer Sache zu leisten, frei werden und - ungehindert den Weg in das Land unserer Väter nehmen 'können. Durch Ihre Intervention in der Sache unseres Mtransportes werden Sie unserer Sache sicher nicht die -schlechtesten Arbeiter zusühren." Die neue Verfassung der Israelitische« Gemeinde Frankfurt a. M. Von Bankier Jacob Wolf, Frankfurt a. Al. Nach einer großen Reihe von Sitzungen hat die Konnnission zur Ausarbeitung einer neuen Verfassung für die Israelitische Gemeinde Frankfurt die' Satzungen in erster Lesung fertiggestellt, und es besteht die fast sichere Hoffnung, daß in der jetzigen Fassung diese rum auch in zweiter und. dritter Lesung genehmigt werden, sodaß es goboten ist, die jüdische Oessentlichkeit eingehend. über die für die Zukunft so bedeutungsvolle Arbeit aufzuklären, und falls es notwendig erscheint, hierüber eine Diskussion zu eröffnen. Die Revolutionstage des November vorigen Jahres machten ihren Einfluß - auf die Geschicke der Frankfurter Israelitischen Gemeinde geltend, der Rui nach Demokratisierung der Gemeinde war nicht rergebcns erschallt. Der derzeitige Vorstand beschloß mit dem Ausschuß, nunmehr die aus dein Jahre 1839 bestehende Gemeindeversassung gründlich inl Sinne der neuen Zeit abznändern. Daher wurde eine gemischte Konnnission, in der Vertreter der wichtigsten Richtungen innerhalb'der Gemeinde zugezogen waren — zum ersten Mal war anch die Frankfurter Zionistische Vereinigung mit berufen worden, eingesetzt. Wertvolle Vorarbeiten lagen schon aus früheren Bestrebungen gleicher Art vor, und wenn cs trotzdem fast ein halbes Jahr - dauerte, obwohl fast in jeder Woche mindestens eine Sitzung der Kommission tagte, bis die erste Lesung zu Ende geführt werden konnte, so mag sich, der Außenstehende eine Vorstellung von der Fülle der Arbeit und Anträge machen, die dort bewältigt werden mußte. Und . ein -Moment soll hier sofort besonders betont werden: Von wahrhaft brüderlichem Verstehen, geleitet von der Liebe zur Gemeinde und dem Judentum, ivaren fast alle Sitzungen'und Ausführungen öer Kommissionsmitglieder getragen, wenn auch die prinzipielle^ Stellungnahmedarunter nicht zu kurz kommen durste. Aus solchem Geiste ist denn auch die neue Verfassung geboren worden, und man darf init .Stolz sagen, daß. diese wert ist, als Muster für alle.. jüdischen Einheitsgemeindengewertet zu werden- .. i Die berechtigten. Wünsche der Rabbiner, das Recht?"der, Gemeindebeamten, die Hoffnungen der Unbemittelten und der Ausländer dürsten restlos erfüllt sein! Die Rabbiner werden zu allen Sitz-- ungcn des- Vorstandes, soweit sie kulturelle und rituelle Fragen betreffen, mit beratender Stimme zugezogen, den Beamten ist das aktive und passive Wahlrecht gesichert, das Wahlrecht ist an keine Beitragspflicht gebunden, und jeder, der länger als sechs Monate Gemeindemitglied ist, ist wahlberechtigt. Nur der ausgesprochene Wille, Mitglied der israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main zu sein, ist die Voraussetzung zu den Rechten und Pflichten innerhalb der Gemeinde geworden! Welch ein Fortschritt gegenüber den alten, vergangenen Zeiten'. Vom 20. Jahre ab hat nunmehr jeder Jude und jede Jüdin, die nach den obigen Darlegungen Gemeindemitglied geworden sind, das aktive Wahlrecht. Zur Wahl in. die Gemeinde-Vertretung muß das 23., zum Gemeinde-Vorstand das 30. Lebensjahrerreicht sein. Die Geineinde-.Vertretung, die ans mindestens 27 Mitgliedern besteht, geht aus allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Proportional-Wahlen hervor. Sie wählt dann den Gemeinde-Vorstand, der aus 12 Mitgliedern besteht. (Bislang bestand der Vorstand aus 9 und der Ausschuß auch' aus 9 Mitgliedern.) Die Rechte der Gemeinde-Vertretung sind bedeutend erweitert worden, sodaß numnehr ber Gemeinde-Vertretung die legislative und dem Gemeinde-Borstand die exeketive Gewalt übertragen ist. .Und die Fragen des Kultus und Ritus? Sie. hatten die Gemüter innerhalb der Gemeinde doch so stark erhitzt und den Gedanken an eine Trennung dieses Gebietes von der Gemeinde-Verfassung in einigen Köpfen nahegelegt' Fast schien es so, als ob einigen liberalen Mitgliedern der Kommission die Erledigung dieser wichtigsten Frage im Sinne der Ausscheidung erwünscht sei. Die. hohe Tradition der Frankfurter Israelitischen Gemeinde, der sich niemand entziehen konnte und wollte, hat dann aber doch den Sieg davongetragen, und man darf bekennen, daß aus den Verhandlungen eine einigende Fassung zustande gekommen ist, die für alle Zeiten den Austritt aus der israelitischen Gemeinde Frankfurt nnuiöglich, aber auch überflüssig macht, wenn diese Fassung respektiert bleibt. Die Ritual- Kommission, die bisher nur veitüaglich bestand, ist nunmehr verfassungsmäßig festgelegt, und auch die gemeinschaftlichen Einrichtungen, wie Spital und Friedhof, tverden gemäß der neuen Verfassung geführt tverden, tvie das bislang geschehen ist. Zweifellos sind auf den verschiedenen Seiten sticht alle Wünsche zu erflillen gewesen, und vielen mag es eine schwere Gewissensfrage gewesen sein, >bis sie manchen Bestimmungen die Zustimmung geben konnten. Aber, da der gute Wille bei allen Parteien zur Verständigung bestand, so hat sich auch der Weg geftlnden. Im Vergleich zu den neuen Entivürsen vieler anderer jüdischer Gemeinden ist der Frankfurter Enttvurf ein leuchtendes Beispiel wahrhaft demokratischer Gesinnung und beseelten jüdischen Willens. Noch-ein Wort zu meiner persönlichen Stellungnahnke. Den Gedanken der. jüdischen Volksgemeinschaft habe ich nicht im Sinne der Simonfohnschen Broschüre in' allen Teilen vertreten. Es geht nicht an, die Trennung der kulturellen und rituellen Frogen generell in allen jüdischen Genleinden gleichmäßig zu regeln, zumal aber nicht in Städten, in denen cs sogenannte „Austrittsgemeinden" gibt. Durch Bestimmungen, wie sie Siinonsohn in seiner Broschüre aufstellt, rvürde man nur den. Austrittsgedanken fördern, da die konservative Richtung innerhalb der Einheitsgemeinden schon durch'die numerische Minderheit sich dann immer mehr an der extremem Richtung orientieren wird, und die neologen Kreise immer mehr in ein extreines Fahrwasser komnreu müssen, da sie in diesen Fragen den starken Widerstand der konservativen Kreise dann nicht -mehr zu respektieren haben. Ein solcher .Zustand aber würde im Lause der Zeit die wahrhafte Einheitlichkeit der Gemeinde zu zerstören geeignet sein: Das Beispiel , der Hamburger Gemeinde sollte eine Warnung für das Mfchreiten eines solchen Weges Biedermeier - Klause Vornehme Tanz- und Wein-Diele Vorzügliche Küche. — — — Reine Weine* Telefon Hanna 7507 fir. Kornmnrht 9. sein. Jedenfalls kann für Frankfurt a. M. aus ' diesen und noch manchen hier zunächst nnerörtert . bleibenden Gründen eine solche Lösung auf gar keinen Fall in Frage kommen. In der Frage, ob die jüdischen Gemeinden verpflichtet sind, mit einem Teil ihrer Steuereingänge für den Wiederaufbau Palästinas zu sorgen, ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, wenn die Kommission sich in ihrer Mehrheit zunächst aus nur formalen Gründen auch dagegen erklärt hat. Leeeiug-Diele9Zeil 50 WM" Erstklassiges, Künstler - Trio* "WM Deutsches Reich. Aus der Nationalversammlung. In der Sitzung vom 26. Juli brachte H a a s t die antisemitische Hetzpropaganda zur Sprache. Reichswehrminister Noske erwiderte folgendes: „Die antisemitische Hetze sehe ich als sehr gefähr- ' lich an, weit, es bei der Erregbarkeit vieler Menschen leicht zu Ausschreitungen kommen kann. Deutschlaiw« Ansehen in der Welt würde weiter-beeinträchtigt werden, wenn wir zu allem Unheil auch mach Pogrome erleben würden. Ter antisemitischen Hetze in Berlin, c icachzugehen ist nicht leicht, weil die Polizei wicht so funktioniert, lose es wünschenswert wäre. Der Ursprung mancher an- . tisemitischc» Hetzblätter ist ebenso schwer festzustellen wch der von spartakistischen Blättern. Wo sich eine Hand-'' habe bietet, wird zugepackt werden. Jede antisemitisch^ Treiberei in der Truppe verurteile ich auf. das entschivdendste und bin immer dagegen eingeschritten. Erst irt den letzten Tagen habe ich schleunigst einen Mann wegen . antisemitischer Hetze entfernt. Alle Truppenführer .sind ängewicjen, der antisemitischen Propaganda und Pogrom»- hetze entgegenzuwirken/' 1 Hebräisches Seminar Berlin. Bereits für die nächsten Monate wird die Eröffnung eines Hebräischen Seminars iln Berlin >bqabsichtiat. Sein Zwack soll sein, hebräische Sprachlehrer für Deutschland uiib Palästina heranznbilben, sowie Philologen, Juristen, Äerzte, Kanfleute etc., die ihren Beruf in Palästina hebräisch ansüben wollen, Gelegenheit zu gründlicher Borbereitung zu geben. Der- Unterricht wird täglich 2—3 Stunden in Anspruch nehmen und mehrstündige häusliche Arbeit Erfordern. Die Ausbildung wird etwa 1% Jahre dauern ' und von theoretisch-wissenschaftlichen wie praktischen Ge> sichtspnnkten geleitet werden. Das Schulgeld beträgt Mk. 50.— den Monat. Vorausgesetzt wird die Fähigkeit, einen leichten! Bibeltext ohne. Vorbereitung übersetzen zu können, sowie Kenntnisse der Grundzüge der hebräischen Grammatik. Alle Anfragen, Zuschriften etc. sind Ausrichten q« ' das Hebräische Sekretariat der Zionistischen Vereinigung _ für Deutschland Berlin W 15, Sächsischestraße 8. Antisemitismus in den Bäder«. Das antisemitische Nordseebad Borkum hat sein antisenritisches Barkumlied wieder. Eiu Demonstrationszng von Kurgästen durch den Ort bis zur Badedirektion hatte den gewünschten Er!folg. Wir lcffeu darüber in der des genncs loci-würdigen amtlichen „Boö-> kumer Badezeituug", daß, der Sprecher des Borkumliedes Kieles verlangte, um zum Ausdruck zu bringen, „daß nach wie vor Borkum rein deutsch zu bleiben wünschen . und daß die dort weilenden rein Deutschen unter sich zu bleiben verlangten." Die Zeitung schließt ihren Artikel: „Irgendwo war ein neuer. Einwohner gesehen undgehört worden, der mit dem Ergebnis her „Dcmon- . stration" nicht zufrieden gewesen sein soll: cs hieß, er' habe vor — aber wolle — einein großen Spielklub aujs Borlnür zum Leben und zur Existenz verhelfen, den» - es Müsse „.alles anders", alles „großzügiger" auf Bor- . kum werden, — Meinte er. Und .dazu sollten ihin ccji ■ diejenigen Helsen welche nach dem Borkumlied aus her schönen grünen Insel bisher nie geduldet wurden, wegen - deren aänzlichenc Fehlen auf Bortum gerade die- Stamm*. ■ badegäve immer wieder nach Borkum gehen und sich.'- so wohl fühlen! Nein, die bisher dort nicht gelitteiceär deutsckircmden Juden sollen auch weiter der . schönen , deutschen Insel fernbleiben, das ist, so sagte der Sprecher des Demonstrationszuges unter einstimmigem Beifall, der Wille der alten und der neuen Badegäste aus Borkum. Drum oalr auch sein,-'begeistert aufgenommenes. Hoch dem! stets „rein deutschen Borkum!" ' . - ' Antisemitische Propaganda wird aus dein. Ostseebab Kolbcrg und aus dem schlesischen BadeSalzbrunir gemeüet In beiden Orten sind die Versuche, die Masse- -',' gegen die jüdischen Badegäste aufzuwiegeln, miß- : lungen. In Salzbrunn wurden gefälschte Plakate Mit..: der Unterschrist eines garnicht existierenden „Vereins be**^! Freunde Israel angeschlagen, in denen die Jude« auf-)N gefordert werden, sofort das Bad zu verlassen, da h«£3 Arbeiter, rhaft . die Veranstaltung eines Pogromes' be- % schlossen hätte. Die Arbeiterschaft steht aber.dem Treibens fern: sie weiß, daß diie Reaktion die antisemitischere.' Aufwiegelungen benötigt, um das von ihr so schwer ge- ., täuschte deutsche Volk von sich abzulenken. . ~!'; 8>n Jargon-Wochenblatt I« Berlin. .% In Berlin ijl hinter dem Titel >„D e r F-reit.a.g.-5Ä' die erste RumMar eines Jargon-Wochenblattes erschienene -

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