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Neue jüdische Presse · 1919-05-30 · Heft 21 (30.5.1919) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 21 (30.5.1919)
Date
1919-05-30
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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$ritt 4. Vogelaraldstrasse 12. — Tal. i RBmer 4970. Vergrössernng-en in altbewährter Güte. Strafgesetze verweisenden Aufrufes einbringen,- wurde abgelehut. Die Kommission habe nur Enqueten zu veranstalten. — Kommentar überflüssig! M»e allwettliche jüdische Vertretung. Me Konferenz der jüdischjen Nationalräte in Paris wählte aus ihrer Mitte eine dauernde allweltliche jüdische Vertretung. Zum Vorsitzenden wurde Richter Julian Mack, Präsident der Zion. Organisation in Amettka, zum stellv. Vorsitzenden Louis Mar schiall iuid zum: Staffier Oberst Cutler gewählt. > . Agronom Aarousohn abgekürzt. Agronom Aaronsohn, der durch die Entdeckung beS Emer, des llrweizens, auf den Gesilden des Hermon weltbekannt 'geworden^ Palästinapivnier, 1913 Präsident des Intern. Agronomenkongresses, "ist beim Fluge von London nach Paris abgestürzt. Me Postsäcke des Flugzeuges wurden bei Boulogne ans Land gespült; vom Flugzeug und seinen Insassen fehlt jedoch! je&e Spur. Aaronsohn v war von der großen Zukunft Palästinas durchdrungen und lehnte die glänzendsten Anerbietungen -ab. Die ihm besonders wissenschaftliche Institute Amerikas wachten. Er liebte daS jüdische Volk mit der ganzen Glut seines HmzenS. Deutsches 'Reich. Der Aabbiuerverband über »te Trennung vom Staat . und Kirche. Der Rabbinerverband für Deutschland führt in einem Rundschreiben an die Gemeinden aus: .Welchen Einfluß die in dieser oder jener Form zu erwartende „Trennung von Staat und Kirche" auf das Schicksal und die Lebenskraft unserer Gemeinden ausüben wird, ist mit Sicherheit noch nicht zu erkennen. Eins steht fest: Die Heranziehung und Zusammenfassung aller verfügbaren Sfräffe wird jetzt dringendstes Erfordernis. Vor allem wird der Rabbiner nach der Trennung von Staat und Kirche als der Vertreter der Religion -in das Lebenszentrum der„ entpolitisierten Religionsgemeinden gestellt werden müssen. Von seinem Wirken wird in vielen Fällen' noch weit mehr als bisher geradezu der Bestand ver Gemeinden abhängig sein. Daher muß er auch, im dringendsten Interesse unserer heiligen Sache an allen Angelegenheiteju des Gemeindelebens um> zhmal an der Leitung und Verwaltung derselben teilnehmen. Zur unerläßlichen Durchführung dieser Forderung muß dem Rabbiner die Stellung eingeräumt werden, dw ihm ein solches Arbeiten ermöglicht. Dem Rabbiner muß im neuen Gemeindestatut Sitz und Stimme im Vorstand eingeräumt werden. Mn verehrllcher Geineindevorstand wird darum gebeten, bei der bevorstehenden notwendigen Neuorganisation dieser sachlichen Forderung zu ihrem Rechte zu verhelfen und zunächst Sorge zu tragen, daß der zuständige Rabbiner (ge- - qebenenfalls der dienstälteste oder zur Vertretung beider ~ -SSwie Jüdische Dresse. Richtungen die beiden dienstältestens Mitglied' der dortigen vorbereitenden Organisationskommission werde. -In verschiedenen Gemeinden sind diese Bestrebungen bereits in die Wege geleitet, zu einem Teil uuch schon erfüllt worden." VereiuStag Zer Freien Verein«,ung. Me Freie Vereinigung für die Interessen des orth'. Judentums tagt am,10. Juni in Halb er stad t. Tagesordnung u. „Trennung von Staat und Kirche", „Der Schutz des Sabbats im Wirtschaftsleben", „Volkstum und Staats. ' Berband Zer OstjuZen in Deutschland. Der Berband (Büro: Berlin C. 54, Gormannstr. 29) hat in der verhältnismäßig kurzen Dauer seiner Existenz eine sehr bedeutsame und erfolgreiche Arbeit auf dem Gebiete des Rechtsschutzes und m der sozialen HilfeVgeleistet. In seiner dieser Tage stattgehabten Generalversammlung wählte tzr folgenden Vorstand: I. Lin '(1. Vors.), M. Rein hart (2. Bors.)ML e w i t, Landau, Feblvwicz usw. Kurze politische Rachrichte«. PalSktinareise ZeS vberrlchterSvrandeiS. Das Kopenhägener Zion. Büro berichtet: Oberrichter Brandeis, Jakob S. de Haas und Frau Mary Fels beabsichtigen, Anfang Juni nach Palästina zu führen. Krakau llever ganz Galizien ist infolge der Ausschreitungen gegen die.'JudeNjdas Standrecht verhängt worden. Warschau. Die Polen haben nach der . Besetzung Wilnas sämtliche jüdische Eisenbahnbcamte — etwa 600 — entlassen. Wilna. Der Borstand der jüdischen Gemeinde ^brelt nach längerer Unterbrechung am 6. Mai eine ^Sitzung ad. Dr. Wigodski, der Vorsitzende, schilderte die Wochen voll Blut und Träne«. - Tie Versammlung faßte eine Resolution, in der cs heißt: „Die jüdische Gemeinde in Wilna ist sicher, daß -das j!Ü)ische Volk in Litauen im Kampfe um me bürgerlichen, Politischen und national«» Suchte, für die nationale Existenz und die Ehre des jüdischen Volkes nicht erlahmen wird." — Nach längerer Panse erscheinen wieder zwei jüdische Zeitungen, „Ter Tag" ein unparteiisches demokratisches - Organ, und die „Jüdische Zeitung", herausgegeben von den zionistischen Organisationen Ist Wilna. Lemberg Am l« Mai machten sich polnische Soldaten im jüdischen Viertel wieder schwerer Ausschrettjungeni schuldig. . Kiew. Das hier gebildete Zentralkomitee zur Unterstützung der Pogromopfer hat festgestellt, daß in den letzten Monaten mehr als 40 Pogrome in der Ukraine, stattgefunden haben, bei denen Hunderte Juden getötet und Hunderte von Millionen jüdischen Vermögens geraubt wurden. Zum Teil wares es Re7 gierungstruppen, die ihrem Kampf gegen die Bolschewisten sogleich eine Plünderung der Juden anschlossen. Warschau. Der von der Regierung geg'ündeie ..Fachverein der Schiffahrttreibenden" nimmt in seiner zweiten Sektion, der der Schiffbesitzer, nur C h r i st e n als Mitglieder auf. R«r die Selbstbeste«er«vg schafft.de« Millioneusouds des jüdische» Rationalfo«ds! , , ->5 ':y 31. KaffeeKaisergarien am Opernplats Eratkla88igcf8 FandAen-Kfliffee Täglieh ron 4 Uhr ab . * Künstler - Konzert* Buenos Aires Der Zusammenstoß zwischen Polizei und Arbeiter aclegenllich des Generalstreiks wurde von der „Organisation der christlichen. Jugend" dazu benutzt, eine Juden Hetze großen Stils.unter dem Ruf „Gegen die Kommunisten" zu inszenieren."' Die öffentlichen jüdischen Lokalitäten wurden von Studenten nsw. ausgeraubt und ihre Möbel auf der Straße verbrannt. Sechs Juden wurden getötet, etwa lüv schwer verwundet, Erst die energische-Intervention der Zionistischen Organisation bei der Regierung schasste wieder Ruhe. A«s der Misrachi-Bewegung. Vorträge. In der Ortsgruppe. Berlin referierten R-A. IDr. Lö b über „Unsere Forderungen auf dem Palästina-Delegiertentag" und Lazarus Barth über das Thema: „Was erwarten wir vom jüdischen Palästina?" IN der Diskussion sprachen u. a. Maren s- und R.-A. Dr. Barth. Letzterer führte aus, daß sich der Misrachi sieben den Kulturfragen auch mit Wirtschaf S- und Rechtsfragen vow Standpunkt der Bidet und des Talmuds beschäftigen^ solle. Lelegiertentag. Der anläßlich des Palästinatages einberufene 'Delegiertentag wurde Sonntag bei Anwesenheit von etwa 40 Delegierten eröffnet. Hermann Struck, der Vorsitzende, gab de» Tätigkeitsbericht, Direktor Willi David den Finanzbericht. Gabriel Knoller sprach über die Arbeit in den Jugendgruppen. Er führte als Beispiel für die Art der Arbeit die Tätigkeit der Misrachji-Jugendgemeinschaft Berlin an. Die Mitglieder 'sind in Gruppen von 15—20 Köpfen zusaimiiengeschlosseii^ welche sich gemeinschaftlich mit dem Studium des jüdische» Schrifttums, der jüdischen Geschichte und Palästtnakunde beschäftigen. Auch werden hebräische Sprachkurse abgehalten. Rechtsanwalt Dr. Var th referierte über Propaganda und Organisation. Den überwiegenden Teil der Besprechungen nahnt die Stellungnahme zu den Fragen des Palästina^Delegiertentages in Anspruchs zu der zahlreiche bemerkenswerte Anregungen aus dem Kreise der auswärtigen Delegierten geäußert wurden. A«s der „Agudas Jisroel"-Beweg«ug. Vorträge. In der Berliner Gruppe sprach Moritz A. Loeb über die „Z ü r i ch e r K o n f e r e N z". .Das Hauptergebnis der Konferenz sei gewesen, daß das Bedürfnis nach Schaffung einer Gesamtorganifatton der gesetzestreuen Judenheit stärker als je in allen Ländern sich geltend macht. Für die Verwirllichung des Agnda - Gedankens scheint die Zeit jetzt gekoinmen. Es folgte das Referat des Rabbiners Dr. Munk über „Gegenwartsaufgaben der jüdischen Diaspora". In einem interessanten) historischen Rückblick zeigte der Redner, wie in jedem Zeitaller eine Auseinandersetzung mit der nichtjüdischen Kultur seitens der führenden Geister stattgefunden hat. Auch unserer Gegenwart bleibt dies nicht erspart, selbst wenn H IbuüMoii. Oh«e Bewillig««-. «in* G8Ziil»Losch1chte von Leopold Komport. (Fortsetzung.) . ,Wart Mir," rief er zähneknirschend dem' sanften Knaben zu, „toorf nur, du Bankert; denn so einer bist du, dein Vater hat so ohne Bewllligung geheiratet!" Der Knabe sing laut zu weinen an. Jaikew Lederer war nun ganz nahe getreten) er hatte den Schimpf des Rothaarigen und das Geschrei des sanften Knaben vernommen. Mll einer hastigen Bewegung fuhr er in den Kreis, ergriff den Weinenden beim Arm und führte ohne ein Wort weiter zu sprechen, mit sich fort. Und wie er jetzt dmch! das Ghetto ging, den Knaben an der Hand, ber sein eigenes Kind war, ihr hättet den früher» Jaikew Se&erer nicht mehr erkannt. Verstummt war das Jontesiiedel auf seinen Lippen, dafür zuckte, darauf -ein bitterer Schmerz, der sich sogar bis in die Augen zu erstrecken schien, weil sie so feucht glänzten, — verschwunden war das lächelnde Cholhamoedgesicht! Diese plötzliche Wandlung unseres Jaikew Lederer hatte 'ihren guten 'Grund. Wir hätten den auch früher schm, erwähnen sollen, aber es ging wahrhaftig nicht an! Wie - tonnten wir dem schönen Cholhamoed so etwas gerade ins Gesicht hineinsagen? . ' Dieser Jaikew Lederer hatte wirllich! ohne Bewilligung 'geheiratet, und da der Rothaarige in seinem Grimme - «singe Blätter aus Jaikew Lü>«ers Leben und Dasein 'zuruckgeschlagen hat, so wollen wir sie schon festhalten ,Iuck> nicht eh« weitergeheu, bis wir sie . gelesen haben. Durch eine sonderbare Fügung des Schicksals hatte Jaikew Seftecet eine ganz auffallende Ähnlichkeit mit seineutUrohnen Eichen Namens, nämlich dem Patriarchen Jakob., Ja, wenn das schöne dufttge Stück Romantik von der Liebe Jakobs zu Rahel nicht als verbürgte Tatsache verzeichnet stünde im ersten Buche Moses, im so und so vielten Kapitel, man wäre versucht zu glauben, das Ganze sei nur eine Allegorie auf die künftigen Schicksale unseres Jaikew Lederer!. Auf viel Romantik darf man sich freilich nicht gefaßt Hallen, denn wir sind im Ghetto! Und da habkn die Leute etwas ganz anderes zu tun, als müßig an den Zisternen zu stehen und den schönen Rahels -die schweren Brunnensteine wegwälzen zu helfen. Die Leute sind da selbst Steine und müssen sich schieben und wälzen lassen, wie man.nur will. Dergleichen Unähnlichkeiten werden über-' Haupt noch mehrere Vorkommen. Das ist aber nicht unsere Schuld. Eines hatten sie aber beide gemein; sie hatten jeder ihren Laban; — den unseres Jaikew wird man sogleich! erkennen. Wie sein Aeltervater, der Patriarch, hätte auch unser Jaikew das Unglück, ein Spätgeborener zu sein, ja er übertraf chn noch!; er war der Mertgeborene unter seines Vaters Söhnen. Me Men jüdischen Mütter, die noch im Lande Kanaan ihre Kinder säugten, wie fteuten sie sich und priesen den Herrn, wenn sie sich an der Kraft vieler Söhne weiden konnten! Sie würden estaum glauben, wenn wir ihnen den Jammer unserer Mütter -erzählten, die sich! weit mehr nach Mädchen als nach Knaben sehnten. „Wo wird mein Jüngel eine Familie*) *) Me Zähl der ansässigen Juden in Böhmen war seit langer Zeit auf einige tausend „Familien" beschränkt; sie reichte aber nicht mehr aus, da sich die Populations- Verhältnisse seitdem so verändert, hatten. Die „Besitzer" solcher Familien, die erblich waren,, genossen mancherlei Begünstigungen; sie waren auch verkäuflich oder wurden von Ken Gutsherren und Magistraten vergeben. Ost ging die halbe Aussteuer für den Ankauf einer solchen Familie hin, und nur der diplomierte Gelehrte oder der besteuerte Handwerker unterlagen dieser Bestimmung nicht. -Ihre Kinder wäre» deswegen doch „famllienloS"7 hernehmen?" hörte man» sie 'oft rufen, und dieselbe Frage hat auch die Mutter unseres Jaikew schon in deu ersten acht Tagen seiner, Geburt — ohne Beantwortung tut sich gerichtet. Sein sBater, David Lederer, war zwar ein „Famillant" das berührte aber unfern Jaikew gar nicht. Denn nach dem Gesetz mußte" sein älteswr Bruder Rüden die Familie ererben. Der war wirllich beneidenswert, er hatte schon eine Familie, noch! ehe er imstande.war,' den Begriff dieffes. Wortes aufzufassen. Sein zweiter Bruder Nachan war noch ebenfalls glücklich zu nennen, er war ein Gelehrter, d. h. Doktor geworden und konnte ohne Familie heiraten. Anschssl, sein dritter Bruder, genoß als ehrlicher Schneider dieselbe Begünstigung wie der Doktor; er hätte gleichfalls ohne Familie sich! eine schaffen können. Nur Jaikew selbst, der weder Erstgeborner, noch! Doktor, noch- Handwerker, sondern ein „Dorfgeher" geworden war, durfte von „Staatswegen"' auf keine Famllie Anspruch machen! Es ist sonderbar, wie Man so geboren werden und fortlebeu kann, wenn man eigentlich weiß, daß man. ein Staatsverbrecher ist. Denn so einer war doch unser Jaikew, man mag nun sagen, was man will. Es ist wahr, die Erstgeburt konnte man ihm so wenig als Rebekka, ihrem zweiten Sohn verschaffen, aber warum wurde er -nicht gleichfalls „Doktor" oder „Schneider"? Warum! verkcumte er so Zweck und Absicht der „Familien"? Da er imn aber, vielleicht schon der Abwechselung wegen, den Beruf eines „Dorfgehers" gewühlt hatte.' was liqß sich da an der Sachje ändern? War Jaikew Mo, da iKn schon von vornherein jede Aussicht auf eine „Familie" benommen ward und er doch nach Mer menschlichen Berechnung den Wülen hatte, sich eine zu beschaffen, nicht schon beim Mntritt in die Welt ein sogenannter „Staatsverbrecher"? - - .. Jaikew war auch wirklich in jene Jahre getreten, wo er diesen Willen und. auch Len der.Natur tätig beurkunden wollte.' Er -hatte' seinem Avgen auf ein .schönes „Resele" geworfen; fie war die Tochter einrs armen-Dorf- : aefjerS, Me" er selbst äM. MesSü WM^mt^v^serut

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