Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 21 (30.5.1919)
- Date
- 1919-05-30
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Seite L. Nr. 21 Ume HÜdische Kresse. ißrnehmes l/ariele-J&bareli undpaH/iasf, _ jSchäfergasse15-7S. die Gesamtheit der Jude« itt Palästina vereinigt wäre, denn geistige Bewegungen tragen ihre Wellen überallhin. Es gibt nur ein Mittel, um sich vor dem zersetzenden Einfluß dieser Ausstrahlungen zu schützen: und dieses Mittel heißt: Lernen und abermals lernen! Delegierleutag. Aut 11. Juni findet in Halberstadt ein Delegiertentag des deutschen Gruppenverbandes statt. Tagesordnung tt. a.: „Tie Aufgabe der deutschen Orthodoxie .in Erez Jisroel" und „Tie >Ostjudenfrage in Deutschland". Perso«»tte» tu kleine MttteU««ge». QetUtt. Aus dem Judentum traten hier in den letzten Wochen u. a. aus: die.Rechtsantvälte Tr. Lttdwig Bcndix, Tr. David Halpert, die Referendare Dr. Ludwig Barbasch, Beruh. Saalfeld, Sanitätsrat Tr. Eugen Hagen. Schriftsteller Walter Nissen, die Kaufleute Georg Krönthäl, Paul.Hirschfeld, Walter Kohn. Paul Israel, Gg. Fingerhut, Albrecht Simon, Hans Rosenberg, Egon Frie'dländer, Siegm. Simon, Leo Laboschiner, Jsido« Korn» Felix Reinhardt, Karl Rosenstein. Alfr. Wiener. Frankfurt a M. Rabbiner M. Ch. Ratzker der Leiter des Beth-Hamidrasch Ostendstraße, eine Talmudgröße und ein Zaddik, ist verschieden. Rabb. Dr. Breuer und B. Rachelsohn hielten Hespedim. Fulda. Am 12. Jjar wurde unter allgemeiner Teilnahme Frau Lea Wertheim geb. Rosenbaum zu Grabe getragen. —Dem bekannten Hause Elias Raphael Rosenbaum in Zell bei Wnrzbnrg entstammend. Pflegte sie treu die Tradition ihres elterlichen Hauses und wirkte als echtes Esches-Chajil gemeinsam mit ihrem früh Heimgegangenen Gatten Abraham Wertheim. Nach einem reich gesegneten Leben entschlief sie; im 77. Lebensjahre, aufrichtig betrauert, von allen, die ihr im Leben nahegestande«.- An ihrer Bahre widmeten ihr Prov.-Rabbiner Dr. Leo Cahn und ihr Schwiegersohn Rabb. Dr. Bähr, Prenzlan, Worte ehrenden Nachrufs. Mit ihr ist eine außergewöhnliches geniale Persönlichkeit von uns geschieden, die weit über ihren Familienkreis hinaus in selbstloser Liebe und Aufopferung und nnt seltener Tatkraft überall tätig war, wo es galt Gemilus-Chesed zu üben, Frieden zu stiften und Gegensätze zu versöhnen. In diesem Sinne wirkte sie unermüdlich in Vereinen und Versammlungen, und die tiefgehende Trauer, die ihr Heimgang in jüdischen und in nichtjüdischen Kreisen hervorgerufen hat, zeugt davon, welch dankbare Anerkennung diese Wirksamkeit in allen Volksschichten gefunden hat. Möge aus dem einzigartigen, liebereichen Leben der Verblichenen den Kindern und Freunden^Trost und Kraft erwachsen, den herben Verlust, der uns alle betroffen hat, zu ertragen.- Dr. F. Karlsruhe. - Zum Stadtrabbiner wurde als Nachfolger Dr. Appels der bisherige zweite Rabbiner Dr. Kurrein, «in Sohn des Teplitzer Rabbiners, gewählt. » Hauuover. Kapellmeister Max Bertuch, »ein geborener Frankfurter, hatte mit seinem Operettenschwank „Dieschöne Liselotte im Deutschen Theater einen vollen» begeisterten Erfolg. - Düsseldorf Rabb. Dr. Siegfried Klein-Berlin ist nach hier berufen worden. Stuttaart. W>e rin der Generalversammlung der Chewra Kadifcha mitgeteilt wurde, ist eine Familienstiftung von einer Million Mark zur Erbauung eines jüdischen Krankenhauses zur Verfügung gestellt worden. Die Stifter wollen nicht genannt sein. 'Nach den einstweilen bekannt gewordenen Bedingungen soll das in Bälde zu erbauende Krankenhaus in streng religiöser Weise geführt werden und auch«-Nichtjuden zugänglich sein. Altona.- Obrrrabbinar Dr. M. Ferner das geschätzte Oberhaupt unserer Genwinde und außerhalb unserer Gemeinde als jüdischer Gelevrter bekannt, begeht am l. Siwan sein 25jähriges Amtsjubilänm. — ( Im hieskgenlStadttheater gelangte „Elfrieda", geschichtliches Drama von I. Loewenberg, zur Uraufführung und wurde beifällig aufgenonrmen. Wie«. Der Oberst Moritz Mansch Edler von Leoney ist aus dem Judentum ausgetreten. Wie«- Generaloberstabsarzt Dr. Josef U r i e l i st — 80 Jahre alt — verschieden. Lemberg- Hier hat sich ein jüdisches Kymitee gebildet, das solche Juden ächtet, die Lebensnnttelwncher oder Lebensmittelfälschung begehen. Jeder geschäftliche und persönliche Verkehr -mit solchen Leuten wird mit dem religiösen Bann belegt. Budapest. Der angesehene Talmudforscher I o n athan Straffer, ein Führer der ungarischen Orthodoxie, Urenkel des Chässam Szofer, ist —”65 Jahre alt — verschieden. _ Frankfurter Berichte. veffeutllche Kundgebung der AgudaS Jisroel. Tie Frankfurter Orts- und Jugendgruppen der Agudas Jisroel 'laden die Frankfurter Jndenheit zu einer öffentlichen Kundgebung mit der Tagesordnung: „Die Lage des jüdischen Volkes im Osten" ein. Tie' Versammlung, die zu einer machtvollen Kundgebung für deg Klall Jisroel--Gedanken werden soll, findet am Sonntag, den 1. Juni 1919, abends 73/i Ilhr. im großen Saale des Kaufmännischen Vereins, Eschenheimer Anlage 39/41, statt. In der Versammlung werden sprechen: Rabbiner Dr. Pr « chas K o ti tt und Seminardirektor Dr. C a r l e b a ch. Zur Neugestaltung der Gemeinde. Im Centralverein israel. Gemeindemitgkieder sprachen Sanitätsrat Tr. Hanauer über die neue Gemeindeversassung und Fritz Sondheimcr, der Vorsitzende, über den Gemeinde-Etat. Aus den Ausführungen des1 ersten Referenten sei bervorgehoben: Tie Kommission, die bisher fünfzehn Sitzungen abhielt, steht jetzt fast am Ende ihrer Arbeit, der Gemeinde eine möglichst demokratische Verfassung zu geben. Die 12 (bisher 9l Vorstandsmitglieder werden auf 6 Jahre von der Gemeindevertretung geivählt. Die Wahl, in die Gemeindevertretung geschieht auf 3 Jahre. Je 500 Wahlberechtigte wählen einen Vertreter. Diese Bestimmung, die ein kleines Parlament schafft, würde von den Liberalen in ine Verfassung gebracht, während die Konservativen! eine Körperschaft von 21 Mitgliedern für genügend A rbadla’s Künstler spiele und; Arfcadfa-Diele =■■ i., . Kaisers trasse 69. Telefon: Hansa 5516. S Pie ersten Kflnstlarspiei» am Platze, g Ijessing-lMele, Zeil 50 Erstklassiges Künstler - Trio. erachtet hätten. Verhältniswahl seitens der mehr als 20 Jahre alten Juden und Jüdinnen. Auch die Ge-' memdebeamten baden für die Gemeindevertretung das utt.k ^a» passive Wahlrecht. Zn den Aufgaben: der Gemeinde werden Armenpflege und soziale Fürsorge - hinzugefügt. ' „ „ ,.~er Stocitc Referent zeigte die interessanteste« Bafjlcn des mit -ly» Millionen balanzierende« Etat. Tre Synagoge Königsteinerstraße erfordert eine« Zuschuß von 69,000 Mk, die Börneplatz dagegen -nur einen von 18,000 Mk. Ter Zuschuß für das Hospital — 1916 noch 300,000 Mk. — ist mis 446,000 Mk. ,Smveietzt worden, darunter inindestens 100,000 ML für - Heizung. Ter Zuschuß für das Philanthropin erfor» derte für das verftosscne Jahr 130,000 Mk., für das lausende Jahr ist er mit 200,000 Mk. in Aussicht genommen. Weitere Ausgaben: Schlachtungen: 38,000 Mark, konservativer Religionsunterricht 51,000 Mk.. so» „ zialc Ausgaben 18,500 Mk., Zinse« 240,000 Mk. Ten Referaten folgte' eine Diskussion, in der fvrr- •- dien: Martin Levigard, Jacob Wolfs, Tr. Katzenstein. Lehrer Levy, Jacob 2. Posen, N. Fromm. A. Torszaun,- I. L. Goitein, 'Hugo Fränkel, Julius Werner. S. Her^- selb, B. Hermann und Sigm. Singer. Vor allen Dingen wurde mit Nachdruck verlangt, daß die Institution >der Ritualkommtssion so in der . Verfassung verankert wird, daß sie für alle Zeiten - ', gewährleistet ist. Sodann wurde gefordert, daß die Gemeinde bestimmenden Einfluß ans die Angelegenheiten des Philmr- - türopin erhält. Tie Liberalen wollen das Philanthropin als eine selbständige Institution angesehen wissen, — bei einem Zuschuß von 200,000 Mk. ist es aber «ine _ Gemeinde-Institution. , Zum Schluß wurde beschlossen, daß der von 6 anr 8 Mitglieder zu erhöhende Vorstand. der Synagoge. ' Börneplatz .von den Besuchern der Synagoge gewählt wird. - Persoualleu. Am Ia l, e ze i t s tag des sel. Waifenhausveruulters Feist Sondheiimer vereinigten sich in der Anstalts-Synagoge Angehörige, Waisenkinder und Freunde des edlen Tahingeschiedenen z« einer eindrucksvollen Ge- , - denkfeier. Was uns Feist Sondheimcr war, das wurde uns im Kreise seiner Gemeinde und bei den Worte« - des Verwalters Marx mnd Professors Tr. Fink so recht bewußt. Noch einmal zogen vor unserem geistigen Auge die gütigen Züge des Berflärten vorüber, und wir sahen' ihn als wahrhafte« Vater der Waisen mitten unter uns, »wie er sein heiliges Amt mit seltener Hingabe ausübtc. H. .S. Freitag abend verschied plötzlich — erst 54 Fahre alt — Bankier Siegm und Schwarzschild, Sproß,'■ einer der ältesten jüdischen Familien Frankfurt. Sne Sohn Emanuel Schwarzschilds s. A., war er ein treues Mitglied der Religionsgesellschaft und ein Träger Hirschscher jüdischer Welt- und Lebensanschauung. Abgeklärtes» . vornehmes und friedfertiges Wesen und Herzensgüte gestal- . teten ihn zu einer übermis sympathischen Persönlichkeit. Ms Verwaltungsrat des Rothschildschen Merced« und. Jaikew alle Ehre, denn seine Resel war wir.klich eine holde Blume des Ghettos, als „Partie" war sie aber nicht die beste;' den« die Aussteuer betrug nur etliche hundert Gulden. Dennoch, als bet der Verlobung nun schon die Schale zun, Zerbreche« hergelangt wurde, zum Zeichen, daß, Jaikew und Reftl Bräutigam und Braut geworden seien, ftagte man: „Wo wirst du aber eine »Familie' hernehmen, Jaikew? Du bist ja ein Diertgcborener." „Erst will ich ein Bräutigam sein," antwortete er, „für die Familie wird Gott schon sorgen!" Gibt es nicht eine Menge Leute, die alt werden und grau und dann sierben, ohne einen richtigen Begriff vom „Staate" mit sich zu nehmen? Zu denen konnte »sich -unser Jaikew wahrlich nicht rechnen. Er trat nur zu bald in eine genaue Bekanntschaft mit diesem rätselhaften Wesen, dem sich keiner so ganz entziehen kann, weil man es vor, hinter und neben sich hat — wie jenen berühmten Zopf. ■ Die ersten drei Jahre seines Brautstandes waren vorüber, und Jaikew hatte noch keine „Familie". Es waren . zwar während dieser Zeit eine Menge .Aamiliantcn" gestorben, aber die zweiten und dritten Söhne der reichen Hausherren'. waren ihm immer zuvorgekommen; nicht eine Fannlie war für ihn geblieben. Sesn „Resel" war indes zu einer schönen Rose erblüht. Daswar eß auch vielleicht, was unfern Jaikew bewog, Erde und Himmel in Bewegung zu setzen, damit er seinen „Reschojin" oder die Heiratsbewilligung erhalte. Wen« nur nicht der „Staat" gerade in der Mitte zwischen beide« gelegen, .wäre! Auf eine „Familie" konnte er sich nu«,-einmal keine Hoffnung mache«: sie flog ihm immer hart am Munde vorüber. Da wollte Jaikew es versuchen, vb es nicht auch ohne „Familie" gehen würde. Er stellte ■ also die Zeugnisse zusammen, die er zur Heiratsbewilligung nötighcftte/nnddaselbst das Kleinste und Unbedeutendste I nnsererWißbegierdeetwas zuführen kan«, so wollen wir I ^haS.:z,«nrW..dicke BÄdel viow -»Attesten, Gütachte« und j Bestätigungen", die alle aus teure Stempelbogen geschrieben sein mußten, ein wenig durchblättern. Zuerst der »Lonskriptionsbogen", worin bestätigt wurde/ daß Jaikew vom Soldatwerden frei.-sei. Er war schon einmal bei der Assentierung gewesep — hatte aber eine schwache Brust. Nun, das war i« der Ordnung. Dann kmn das „Blutvcrwandtschaftszeugnis", ein sehr nötiger Beweis, daß, Jaikew in keinem unerlaubten Grade mit seiner Braut verwandt war. ' - Hierauf das „Bne Zionzeugnis", von dem wir bereits wissen. Das „Schulzeugnis", daß er lesen und schreiben gelernt, und, ein „Gebürtszeugnis", was eigentlich unnötig ivar: denn wozu ward er geboren? Ein „Wohlverhaltungszeugnis", daß, er ein wohlgesitteter Menschj sei. Nun, in dieser« Punkte konnte man wahrhaftig ruhig sein. Jaikew tat das ganze Jahr nichts Schleckftes: er betrank sid> nie und mackite nachts keinen Lärm. Wir ftagen noch, wer verhält sich im Ghetto nicht wohl? Endlichs kmn noch das „Religionszeugnis", als notwendige Ergänzung zu dem Geburts- und den anderen Zeugnissen, und endlich. Der „Toteuschjein", daß sein Vater bereits das Zeitliche gesegnet. (Fortsetz,l,rg f»lgt.) Bemerkungen z« de» Zeh» Geboten. (Ans S. R. Hirsch/s Konnnentar.) Zum 1. «eb»te. „Sticht die Erkenntnis Gottes, sondern die Anerkenntnis Gottes als meines Gottes, als des ausschtießlich. einzigen Lenkers aller meiner Geschicke und als hes ausschließlich einzigen Leiters aller meiner Tate i,, — erst dies ist die Wahrheit, mit deren Zugrundelegung ich den Boden eines jüdischen Daseins gewinne." ' Zum 2. Getvte. »/Nicht die Huldigung Gottes als einzigen Lenkers. -- unserer Geschicke, erst seine Huldigung als einzige« Gesetzgebers unseres Lebens macht uns zum Juden und setzt diese die erste stillschweigend voraus." „Inden, derselbe einzige Gott, der der Leiterunserer - t Handlungen sein will, indem derselbe Gott» der der Gesetzgeber sür unser Leben ist, und das Leben für die Er-' - füllung seines Gesetzes gibt und erhält: sc» vollziehen wir selber mit der Treue oder den, Abfall von seineur Gesetze den Bau oder die Zerstörung unseres Lebens. Es lebt ein Gott, der den Menschen richtet irirch V seinen Taten, dem keiner sich entzieht und der keine« ' sich« entzieffen läßt. . Und der Kinder Wohl und Wehe bauen die Elter« > - nnt Treue, mit Abfall. Es sind die Kinder ja Früchte am Lebens- und 'Geschickesbaume der Eltern. Unk unsere«,' 4 Kinder willen sollten wir uns gesund, um Unserer Kinder ~ Nullen uns sittlich und brav, um unserer Kinder willen uns geistig wach und wacker erhalten." - ' Zum 4 Gebote _ ' „Sechs Tage sollst du im Dienste Gottes deine von Ihm dir verliehene Herrschaft a« den Dingen deiner Welt üben, sie in den Dienst deiner Zwecke bringen und sie' für diese Zwecke, Schöpfer gleich, lunwaiibefn, sie alle z« i, Baten deiner Macht gestalten. Aber der siebte Tag ,-1 bringt Stillstand dieser deiner Tätigkeit, ein Jnnshalte« J deines Schaffens, um Gott als deinem Gotte zu huldige«: -1 du trittst zurück, um Gottes H errschast ü ber deine Welt hin hervortretcn z« lassen, indem du weder nni mittelbar noch durch dir gehorchende lebendige Kräfte mit- .-d telbar deine Herrschaft an den Dingen und Wese« dein« Welt übest." ' "3 (Schluß folgtZ - - .s ' 5