Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 18 (9.5.1919)
- Date
- 1919-05-09
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2692297-2693126-2693144--10716-2706080- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Srttr 2. ÄC. 1$ i iS Kaiseretrasse 56 Laiosrstrasso 56 XSgiicb erstklassige flV* Unterli<ungBmiisLk Gesangs -Einlagen. es wirklich die allerhöchste Zeit war, Liese verirrten Zunder unseres Gottes zuruckzuführen in Las Vaterhaus. Stoch eine Generation weiter, und man hätte bei allen diesen Überhaupt kein Verständnis mehr gefunden' für jüdische. Krt und jüdisches Leben, In einem historischen Atoment' hatte eine Handvoll begeisterter Männer die Möglichkeit gefunden, das abirrende Volk wieder auf den richtigen Weg zu führen. lind rrotzalledem darf man sich, der Tatsache nicht verschließen, daß eine Ges<chr darin liegt, wenn Leute, die dem Wissen vom Judentmn fernstehen oder doch bisher fferngestanden haben, oder solche, deren inneres Erleben nur allzustark beeinflußt ist von nichtjüdischer Kultur und Art, versuchen, für sich neue jüdische Werte zu schassen oder in der Oeffeutlichkett jüdisch kulturelle Tätigkeit aufzunehmen und geistigen Einfluß, zu gewinne». Wollen wir in kultureller Beziehung national arbeiten, so muß diesg Kultur sich organisch einfügen und anschließen dem großen und weiten Gebiet jüdischen Wissens und jüdischen Erlebens, das aus den Quellen unseres Bplksgeistes schöpft. Die Quelle unseres Lebens aber ist und bleibt die Thora, das Buch/ aus dem die gesamte Kulturwelt das Beste und Schönste, das sie heute ihr Eigen nennt, empfangen hat. Um die Wahrheiten der Thora bei dem wiedererwachenden Voll voll und ganz zur Anerkennung^ gelangen zu lassen, haben sich die auf dem Boden von Tradition und Pehre stehenden Zionisten zusammengetan und den Misrachi gegründet. Es gibt keinen Unterschied in der zionistischen Gesinnung des allgemeinen Zionisten und des Misrachisten; aber der Misrachist ist sich bewußt, daß es keine nationale Arbeit des Judentums geben darf, die in irgend einem Punkte in Gegensatz tritt mit dem jüdischen Religio nsgesetz, und er setzt sich; voll und' ganz dafür ein, daß bei pramscher Kolonisatiousarbett in Palästina oder bei kultureller Arbeit am Bolkskörper der Judenheit das Religionsgesetz absolute Richtschnur, als einzige allgemein giltige Richtschnur, angenommen ^werde. Für den Misrachiften ist das uns in der Thora überlieferte Judentum mcht ein PrÄnllt jüdischer Geistesarbeit, sondern das jüdische Voll ist ihm das Produkt des Thoragedankens. Nur durchs die Thora konnte das jüdische Doll werden, was es geworden ist: der Träger der Etoigfeit§toerte der ganzen Menschheit. Nicht das Volk kann jeweils nach Bttiarf das Gesetz ändern, sondern das Gesetz ändert und modelt und. feilt ständig am jüdischen Doll, bis es einst dastehen wird als der Ausdruck des Gotttsgedankens in der Wett überhaupt. Die Nation wurde einst durch, das GotteSgesetz, deshalb kann die Arbett und der Dienst am Volk nur eine inlldiesem im Einklänge stehende sein. Aufgabe des jüdischen Volles ist es gewesen und ist es zweifelsohne noch heute, den reinen Gottesgedanken durch die Welt zu tragen, die ewigen Wahrheiten der Göttlichkeit wie' der Menschlichkett der übrigen Wett zu übermitteln. Bisher ^glaubten wir, dies am besten in der Zerstreutheit über die ganze Wett tun' zu können; jetzt gehen wir daran, nachdem die geistige und sttüiche Lebensform aller Wcltvölkr, die als Nationalstaaten lebten, zusammengebrochen ist, ihnen zu zeigen, wie eine Staatsform aussieht, die ihren ethischen rurd moralischen Lebensinhalt nicht auf Zweckmäßigttitsgründen, sondern auf Ewigkeitsgedauken ausbaut! J Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß wir einen, großen Tell unserer Kulturausgaben unter den Völkern gelöst haben, ist doch! jetzt sogar der prophetische Gedanke des Völkerfriedens und der Völkerverbrüderung, des Bun-, des aller Nationen, Gemeingut aller-auf Kultur Anspruch erhebenden Böller geworden. Aber ebenso wenig kann es einem Zweifel unterliegen, daß wir während unserer Mission unter den Böllern, die darauf hinanslief, diese un- ' serem göttlichen Gedanken zngängig zu machen, sie unserem Volksideal zu nähern, auch, unsererseits uns nur allzusehr ihren Idealen zugänglich, erwiesen haben. Wenn ein Stein den andern abschleift, so mag er noch so hart sein, er nützt sich sellst ab dabei und verliert an Stärke und Härte. Da wird es jetzt unsere Aufgabe sein, in erster Linie dafür zu sorgen, daß, das Leben im hclligen Lande so anfgebaut wird, daß es das jüdische Volk wieder zu dem macht, was^eS Hedem war, Träger der Gotteslehre. . Wtt haben nur eine Nationalkultur, nur in einem ganz klar umriffenen Geiste kann und darf sich! unsere Zutturft aufbauen, wenn wtt nicht wollen, daß unser künftiges Leben nur eine unselbständige Scheinexistenz werden soll, wenn wir nicht wollen, daß wir auf der eigenen . Scholle in kultureller Beziehung nur ein armseliger Abklatsch« europäischer Meinstaaten werden. Nur dann haben wtt den Beweis erbracht für die Berechtigung einer eige- - nen Existenz, wenn wtt unser Leben so einrichten, daß es wirklich in dieser Eigenart in anderem Lande nicht zu führen wäre, und von einem anderen Volke nicht zu führen wäre. Auf dem Boden, der die Wege aller Kulturreligionen getragen hat, soll es wird« wahr werden baS alte, Wort: ,M mizijaun leizei tauroh".- (Schluß folgt.) Hilfsvereiu -er deutschen Juden. (Schluß.) Dr. Nathan verbreitete sich über die Pogrome und . fuhr dann fort: Der HUfsverein konnte bisher aus den eingeletteten Sammlungen eine halle Million Arenen zur Verfügung stelle«, lieber die m Deutschland gefammeuen Geller fall in der Weise verfügt werden, daß für das gelamte HtlfS - werk eine einheitliche Leitung gäildetwird, die nach einem einheitlichen Plan arbeitet. Diese einheitliche Leitung wurde in Wien geschaffen: es besteht ein gemeinsames Komitee, zusammengesetzt aus Vertretern aller jüdischen Richtungen jaus Wiener Allianz, Logen, Jüd. Ratio, nalrat), das alle Gelder, die einkomme», auch die amerikanischen. verwaltet, und das durch provinzielle Zentraikomitees in der gleichen Zusammensetzung die Gelder wieder nach einheitlichen Plänen verwendet. Die augenblickliche Lage der Juden deS gesamten O st e n s und die Aussichten für die Zukunft dort sind außerordentlich trübe, und eS liegt durchaus im Bereich der Möglichkeit, daß die schreckliche Situation noch lange andaurrn kann. Von Deutschland aus durchgreifend helfen zu können, ist nach den politischen und finanziellen Verhältnissen leider ein Ding der Unmöglichkeit. Nur die Gesamtheit der Juden — am besten unter Führung der amerikanischen Juden — könnte es. Ein weiterer Zweig der Arbeit deS Hitfivereias war die Unterstützung der in Deutschland verbliebenen ausländischen Notleidenden. Für rituelle Beköstigung jüdischer Kriegsgefangener, für Beschaffung von Zwtllleidern usw. in deutschen Gefangenenlagern, für KriegSgejangenensürsorge im westlichen Okkupationsgebiet für durchreisende Bedürftige an der Ostgrenze hat er auch in diesem Jahre wieder große Mittel zur Verfügung stellen müffen. Hauptsächlich hat er sich aber der Armen und Bedürftigen aus den Kriegsländern des Osten-, die in Deutschland verblieben waren, oder während des Krieges mich Deutschland verschlagen wurden, aus das ausgiebigste angenommen. , Im ganzen sind seit 1914 für die letztgenannten Fällu über 2*1* Millionen v eräu'sgabt worden, teils zu KriegSbeginn für Heimbeförderung in Deutschland Befindlicher, teils zur Unterstützung Hilfsbedürftiger in Deutsch land. Desgleichen hat der Hilfsverem in den besetzten Gebieten, wie in Deutschland selbst und besonders in Berlin, soweit er. geboten war, in Verbindung mit befteundetcn jüdischen Organisationen wieder eine rege Fürsorge für die ostjüdischen Arbeiter und DurchWanderer entfaltet. Auch für daS Hilfswerk tm Orient, der asiiatischeu und europäischen Türlei hat der Hilfsverein im Jahre 1918 Mittel hergegcben. Das gesamte Kriegshilsswerk ersolgte wiederum in Kooperation mit den dem Hilfsverein eng befreundettn' Organisationen, der Großloge für Deutschland und dem Frankfurter Hilfskomitee für die notleidenden osteuropäischen Juden. Das Schulwerk des Hilfsvereins im Orient ist kn einem wesentlichen Bestände dis zum Frühjahr 1918 unbe-, rührt geblieben.' Erfreulicherweise hat das Konstantinopeler Schulwerk, das aus einem Kindergarten und 4 Schulen mtt über 1000 Schülern besteht, die Stürme des Weltkrieges gut überstanden, auch während des Jahres 1918, das ein ödsonders' schweres für Konstantinopel war. , Nach dem Waffenstillstand mtt der Türkei erfolgte die Besetzung Konstantinopcls durch die Alliierten. Den Schulen des Hilfsvereins ist für ihre weitere Wirksamteit kein Hindernis in den Weg gelegt worden. Sie haben infolge der Schließung deutscher und österreichischer Schulen durch die Allrierten sogar' einen großen Zuspruch an Schülern gewonnen. Nach der Besetzung Palästinas durch die Engländer konnte sich die kulturelle/Tätigkeit des Hlissvereins nicht mehr auf Jerusalem «strecken. Die Anstalten, die ttotz der im Kriege fortgesetzt verminderten Jerusalemer Bevölkerung noch 1000 Schüler auswiesen, konnten nur bis Ende Mai fortgeführt werden. Dann wurden sie von der englischen Ottupationsbehörde geschloffen und anderer Leitung unterstellt. Das Schicksal dieser Institute wird von den Festsetzungen des Friedensvertrages abyängen, — sicher ist jedenfalls, daß diese Schulen von dem Wandel der Zeit nicht unberührt» bleiben werden. . Wie die Lage in Palästina sich auch gestalten wird, die Idee darf man nicht haben, daß durch die Umgestaltung der Berhättniffe in Palästina im wesentlichen auch die Judenfrage restlos gellst werden könne. Jnfolgedefien wird die o st j ü d i s ch e Frage ein Problem von außerordentlicher Bedeutung bleiben, — ein Pro. blem vor allen Dingen auch für die deutfche Judenheit Denn bet allen Katastrophen, die im OrieM eintteten, wird Deutschland das Durchgangsgebiet für auswandernde jüdische Scharen sein. Die Organisation, die der Hilssverein ^ür die A u s'- wanderer und Durchwanderer in früheren Jahren geschaffen hat, wird in kurzem wieder ins Leben tteten müffen, um den Flüchtenden auf dem Wege nach einer neuen Heimat Beistanv zu leisten. - Wenn in Rußland geordnete Verhältnisse eintreten und eine Richtung obenauf bleibt, die der Gesamtheit der Bevölkerung, also auch den Juden, -Politische Rechte und wirtschaftliche Lebensmöglichkeiten gewährt, dann freilich wird eine große Auswanderung nichft eintteten, daun wird, was für die glücklichste Lösung zu halten ist, eintteten, daß nämlich' das gesamte russische Riesenreich — und trotz aller Verstümmelungen wird es-das bleiben"— für die tüchtige und bettiebsrege Judenheit zur Betättgung offen ist? ' . Vornehmes Variete -Kabarett „ und Ballhaus. Vogelweidstrass» 12. — Tel.: ROmer 4970. ’Vergrössercmg'en In altbewSlirter Güte. Der Hilfsverein ist durch, den Krieg vor ganz neue Aufgaben gestellt. Das Schlußjahr des Krieges, 1918, schließt auch eine Epoche für den Hilssverein ab, der säst ans zwei Jahrzehnte zurückblicken kann. Die Zahl der Rtttglieder von 5000 in den Jahren 1901/2 ist auf 25 000 gestiegen, die Gesamtausgaben bis 1918 betrugen 46 80S500 Jfc, wovon auf das Schulwerk entfallen 3 622000 Jf., auf die Sluswanderung '2 805 000 Mark und Ms das Hilfswerk bei Katastrophen (Pogromen/ Feuersbrünsten, Wassernot, Epidemien und zuletzt in der Kriegs no t) 40 381500 M. Die weitere Fortführung des Werkes des Hilfsvereins auf den Bahnen, wie sie sich nach den neuen Verhältnissen gestalten werden, ist von dem -weiteren Verttauen der deutschen Judenheit und ihrer weiteren Unterstützung abhängig. ' . : De» Ausführungen des Redners folgte eine. kurze Debatte. ( i; Der Vorsitzende^teilt zum Schluß mit, daß in der vorangehenden Sitzung des Zentralkomitees in dasselbe kooptiert' wurden: Michael Nußbaum, München, Rabbiner Dr^Winter, Homburg v. d. H. und in den Gefchäftsführenden Ausschuß Henriette May, Berlin, Oscar Leeser, Dresden und Rabbiner Dt, ' Leo Baerwald, MürHvn. „Leutralvereiu" uuö „Jüdischer Korlgre-." Durch! die Neugestaltung Deutschlands ist die Religionszugehörigkeit keine Frage mehr, um die sich Staat und Gemeinde zu kümmern haben, und so lassen sich auch, keine Fälle mehr feststellen, bei denen die staatsbürgerliche Gleichberechttgrulg von Juden verletzt wird. Der „Centralverein 'deutscher Staatsbürger jüd.. Glaubens" muß also nach einer anderen Betättgung suchen. - ~ Nach! den Worten des Vorsitzenden der Frankfurter Ortsgruppe, Dr. Mainzer, in der Generalversammlung vom 27. April müsse der Centralverein jetzt für die Schaffung eines positiven Programms- Sorge tragen. Es kämen in Betracht: der Kampf für die Gleichberechttgung des Judentums und die Förderung der Wissenschaft des Judentums. Es ist nicht ersichtlich, was sich Dr. Mainzer unter „Gleichberechtigung des Judentums" vorstellt. Ersichtlich ist aber, daß der Centralverein in letzter. Zeit aufs schärfste gegen die jüdischuattonalen Besttebungen Front macht und dagegen die deutschnationale Fahne aufrollt. j Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet der Centtalverein auch die jetzt aktuell gewordene Frage eines Jüdischen Kongresses in - Deutschland. Dr. Mainzer führte hierüber folgendes aus: Dez: Centtalverein fordere die volle Gleichberechtigung in jeder Hinsicht und würde , daher auch gerne die Gründung eigener jüdischer Schulen und Kindergärten unterstützen. Er habe nichts gegen eine jüdische Heimstätte in Palästina einzuwenden, die Bezeichnung jüdisches Volk und demgemäß die Forderung einer nationalen Scheidung zwischen Juden und Deutschen könne und dürfe er jedoch unter keinen Umständen zulassen. _ Es ist klar, daß die Zionisten die ganze Kvngreßbewegung für ihre Pwpagandazwecke auszubeuten suchen. Für eine passive Resistenz und die Ausgabe der Parole der Nichtbeteiligung, ist es bereits zu spät. DerZeutralvereiu mutz die KouKretzllee aufuehmeu und mit den Zionisten tn den Wahlkampf eintreten. Bei dem Parteiverhältnis und dem Stand der Dinge ist- Deutschland werden die Zionisten, so glaubte er, eine klägliche Niederlage erleiden. In der sich den Worten Dr. Mainzers anschließenden Debatte sprach als erster Dr. Ed. Strauß gegen jede Beteiligung an einem Kongresse. Den Zionismus erklärte er für den größten Feind und Versucher des jüdischen Dolkeö, indem er das Judentum seines „Serakodesch"-Gedankens beraubt und zum Polittkum herabwürdigt. Wir Jude» haben als solche auf dem Friedenskongresse nicht» zu suchen, denn unsere Politik ist die des Staates, dem wtt angehören.,Die positiv e Arbett des CentralvereinsUytsse im Kampfe gegen den Zionismus bestehen. Bantter Merz bach verteidigte den Zionismus gegen die Angriffe des Dr. Strauß. Letzterer verwechsle Judentum mtt Judenheit. Nicht das Judentum.treibt Polittk, sondern die Judenheit. Das Verdienst deS Zionismus besteht eben darin, daß er die . Judenheit^ die bisher nur «ein Objekt der Polittk war, zum Subjekt erhoben hat, was uns nur zur Ehre- und zum, Stotze gereichvn muft. Der Centtalverein weibt ja übrigens auch Politik, allerdings nur in ganz kleinem Maßstabe, gewissermaßen nur Lokalpolitik, während der Zionismus Weltpolitik vüichß.' ' \ . - Die Leistungen des Zionismus auf kulturellem Gebiete sind zu bedeutend, als daß Man solche mtt einfachen Schlagworten abtun könnte. Was die Kvngretzfrage anbettifft, so .kann man de» Kongreß nicht mehr verhindern. Er ist bevttts Tatsache, ünd diese -Tatsache verlangt/von jedem Juden und jcher Wdischien Partei,. sowett:wie möglich Konzessionen zu machen, um ein Züsmttmenarbeiten und wüidevollen Verlauf zu. ermöglWen. Redner glaubt, daß die Zionisten mit sich «och verhandeln laffe» und fich eventuell mtt der Eliminierung der Bezeichnung »Jüdisches »olkr